Der Beginn des Befreiungskrieges 1813

„Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!“

Durch den Sieg des russischen Volkes über Napoleon erhielt der Widerstand unter den deutschen Bauern und Bürgern einen gewaltigen Auftrieb. Mutig und entschlossen begannen die Patrioten zu handeln, ohne die Entscheidung des preußischen Königs abzuwarten, der  noch immer zögerte.

Sie wussten, dass es eine gerechte Sache war, für die sie eintraten. Ob alt oder jung – keiner wollte zurückstehen, wenn es um die Befreiung des Vaterlandes ging. Waffen wurden geschmiedet oder aus den Verstecken hervorgeholt.  Den noch unentschlossenen rief der Dichter Theodor Körner in einem seiner aufrüttelnden Gedichte zu:Das Volk steht auf, der Sturm bricht los! Wer legt noch die Hände feig in den Schoß?“

Handwerker, Bauern, Bergleute, Studenten – Männer aus verschiedenen Klassen – meldeten sich in Scharen zum freiwilligen Waffendienst. Besonders berühmt wurde das durch Freiwillige aus verschiedenen Gebieten gebildete Freikorps Lützow, dem Friedrich Ludwig Jahn,Theodor Körner und andere hervorragende Patrioten angehörten. Von seinen rühmlichen Taten kündet Körners Lied „Lützows wilde Jagd“.

 

Ausschnitt Geschichtsbuch der DDR Theodor Körner Kopie

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Aber auch Frauen wollten nicht tatenlos zusehen. Einige zogen sich Männerkleidung an und reihten sich in die Freiwilligenabteilungen ein. Zu ihnen gehörte die achtzehnjährige Eleonore Prochaska, die sich als August Renz ausgab und mit den Lützowern kämpfte. Sie gab das Leben für die Befreiung ihres Vaterlandes.

Auszug der Jenenser Studenten 1813

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Eleonore Proschaska Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Brief Eleonores an ihren Bruder Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

An vielen Orten wurden Sammelstellen eingerichtet, die Spenden für die Ausrüstung der Soldaten entgegennahmen. Unzählige Bauern und Bürger opferten ihr Geld, nicht wenige ihre ganzen Habseligkeiten. „Gold gab ich für Eisen“, lautete ihre Losung.

Opferbereitschaft Des deutschen Volkes

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Arthur Kampf, Volksopfer

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Aufruf von Ernst Moritz Arndt:

Aufruf Von Ernst Moritz Arndt

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

 

Der Frühjahrsfeldzug 1813

Als die russischen Truppen bei der Verfolgung Napoleons deutschen Boden betraten, feierte das Volk sie stürmisch als Befreier. „Die Kosaken kommen!“ – für die Franzosen ein Schreckensruf, für die deutschen Bauern und Bürger dagegen ein Grund, zuversichtlich zu sein.

An verschiedenen Orten kämpfte man gemeinsam gegen den französischen Feind. Am 20. Februar 1813 drangen Kosaken bis nach Berlin vor.

Aus Furcht vor dem sich bewaffneten Volk waren der preußische König und viele Adlige noch immer wankelmütig. Am 28. Februar 1813 fiel dann eine bedeutsame Entscheidung: Preußen und Russland schlossen in Kalisch ein Bündnis. Sie verpflichteten sich, gemeinsam die französische Fremdherrschaft zu beseitigen. Es folgte am 16. März 1813 die preußische Kriegserklärung an Frankreich.

Einzug russischer Kosaken in Berlin

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Kriegsverlauf 1813:14

Kriegsverlauf 1813/14

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Bericht aus Berlin über Aktionen der Bevölkerung

Bericht aus Berlin

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In der Zwischenzeit gelang es Napoleon nur unter Schwierigkeiten, eine neue Armee von 500 000 Mann aufzustellen. Die Rheinbundfürsten waren wiederum bereit, ihn mit Soldaten zu unterstützen. Bei den Aushebungen brachen aber in verschiedenen Gebieten Unruhen aus. Napoleon merkte sehr bald, Dass die preußischen Soldaten nicht mehr die von 1806/07 waren. Die kämpften tapfer und waren bereit, das geknechtete Land zu befreien, in dem sie glücklicher leben wollten, als bisher. Auch zahlreiche Offiziere waren patriotisch gesinnt und entschlossen alles zu wagen.

Volkstümlich wie kein anderer wurde Gerhard Leberecht von Blücher(1742-1819).

Seine Soldaten nannten ihn bald „Marschall Vorwärts“, da er den Feind angriff, wo er nur konnte.

In den Maitagen kam es bei Großgörschen, nördlich von Leipzig, und bei Bautzen zu zwei blutigen Schlachten. Napoleon konnte die verbündeten russisch-preußischen Truppen besiegen. Aber seine Armee hatte starke Verluste erlitten. Beide Seiten vereinbarten Anfang Juni einen Waffenstillstand. Sie wollten in dieser Zeit ihre militärischen Kräfte verstärken und weitere Verbündete gewinnen.

 

geschichte-07-ddr-seite-1

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Beginn des Befreiungskrieges 1813

 

 

 

 

 

 

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Lützowsches Freikorps

Infanterieuniformen des Lützowschen Freikorps (Farbtafel von Richard Knötel)

Infanterieuniformen des Lützowschen Freikorps (Farbtafel von Richard Knötel)

 

Bildquelle: Von Richard Knötel (12 January 1857 – 26 April 1914), Uniformenkunde. Lose Blätter zur Geschichte der Entwicklung der militärischen Tracht (Berlin, 1890), vol. 2, plate 8, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6327268

 

 

Das Lützowsche Freikorps war ein Freiwilligenverband der preußischen Armee in den Befreiungskriegen. Es wurde von Major Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow 1813 errichtet und 1814 als Infanterie-Regiment Nr. 25 bzw. Ulanen-Regiment Nr. 6 in die preußischen Linientruppen übernommen. Obwohl das Freikorps im Krieg gegen Napoleon eher glücklos war, entwickelte es aufgrund seiner Zusammensetzung aus Freiwilligen fast aller deutscher Staaten eine hohe Symbolkraft für die Bestrebungen zur Errichtung eines deutschen Nationalstaates. Von seinen Uniformfarben (schwarzes Tuch, rote Paspeln, goldene Knöpfe) leiten sich die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold her.

Das Freikorps rekrutierte sich ausschließlich aus Freiwilligen. In seinen Reihen dienten neben Preußen auch Bürger anderer deutscher Staaten, die dem Rheinbund angehörten oder wie das Herzogtum Oldenburg und die Provinz Westfalen von Frankreich annektiert waren. Als Selbstversorger und -ausstatter erhielten die Soldaten keinen Sold und rüsteten sich selbst aus. Insgesamt dominierten unter den Freiwilligen die Handwerker, lediglich bei den Jägern gab es einen überdurchschnittlichen Studentenanteil. Das Freikorps verdankte seine Popularität nicht zuletzt seinen prominenten Mitgliedern, wie dem 1813 gefallenen Dichter Theodor Körner, der dem Freikorps das bekannte Lied „Lützows wilde Jagd“ widmete. Carl Maria von Weber vertonte es ebenso wie Körners kurz vor seinem Tod verfasstes „Schwertlied“. Weitere berühmte Mitglieder waren der Turner Friedrich Friesen, „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, Joseph von Eichendorff, ein bedeutender Dichter der deutschen Romantik, sowie der spätere Begründer der Kindergärten Friedrich Fröbel. Mit Eleonore Prochaska, alias Jäger „August Renz“, und Anna Lühring hatten sich auch zwei namentlich bekannte Frauen, als Männer verkleidet, an dem Kampf des Freikorps beteiligt.

Eleonore Proschaska Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Brief Eleonores an ihren Bruder Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Das Freikorps hatte zeitweise eine Stärke von über 3500 Mann, die sich 1814 wie folgt zusammensetzte:

  • Die Infanterie (insgesamt rund 2900 Mann) gliederte sich in drei Bataillone zu je vier Musketierkompanien und einem Jägerdetachment. Beim 2. Bataillon gab es statt der 3. Musketierkompanie eine starke Tiroler Schützenkompanie.
  • Die Kavallerie (insgesamt rund 600 Mann) gliederte sich in fünf Eskadronen, die mehrheitlich als Ulanen ausgestattet waren, während die 4. und 5. Eskadron Husaren waren. Die 2. Eskadron war anfänglich als Jäger zu Pferde organisiert.
  • Die Artillerie (insgesamt rund 120 Mann) bestand aus je einer schwachen Batterie zu Fuß und zu Pferde.

Die Uniformen waren grundsätzlich schwarz, weil Schwarz der einzige Farbton war, der sich durch Einfärbung der in den Armeedepots und auf dem Markt vorhandene unterschiedlichen Tuchvorräte herstellen ließ. Dazu kamen Rot als Abzeichenfarbe der Vorstöße und goldfarbene Messingknöpfe. Musketiere, Artillerie und Ulanen trugen Litewkas, Husaren Dolman und Mente, eine mit Pelz verzierte Jacke, während die Schützen eine am österreichischen Vorbild orientierte hechtgraue Uniform mit hellgrünen Abzeichen trugen. Allgemein wurden Tschakos getragen, nur die Schützen hatten österreichische Jägerhüte. Die Lanzenfähnchen der Ulanen waren Schwarz-Rot.

Uniform ausgestellt in der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in Rastatt.

Uniform ausgestellt in der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in Rastatt.

Bildquelle: Von Ziko van Dijk – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36810479

 

Freiwillige aus fast allen deutschen Gebieten trafen zusammen und warben aus ihrer Heimat weitere Freiwillige für diesen oder einen anderen Verband. Die schwarze Farbe der Uniform, damals durchaus ungewöhnlich, zusammen mit ihren riskanten und auch verlustreichen Unternehmungen und den berühmten Mitgliedern, führten rasch zur Entstehung eines Mythos, der weitere Kräfte in Form von Spenden und Unterstützung aus der Zivilbevölkerung mobilisierte. Nach dem Sieg über das Frankreich Napoleons wurde das Freikorps Lützow zu einer Ikone und zur tatsächlichen Keimzelle der wachsenden Nationalbewegung, die nach der Unabhängigkeit auch die Vereinigung der Deutschen anstrebte.

Lützower Kavallerie im Gefecht (Im Vordergrund zwei Husaren, dahinter Jäger zu Pferde)

Lützower Kavallerie im Gefecht (Im Vordergrund zwei Husaren, dahinter Jäger zu Pferde)

Bildquelle: Von Stadtmuseum Güstrow, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10350961

 

 

Die Uniformfarben des Freikorps wurden legendär. Nach dem Krieg trugen manche seiner Mitglieder diese Uniform weiter, als sie ihr Studium an der Universität Jena fortsetzten. Sie gründeten 1815 in dieser Uniform auch die neuartige, weil gesamtdeutsch ausgerichtete Urburschenschaft. So wurden die Farben Schwarz-Rot und dann Schwarz-Rot-Gold ab 1815 die Farben der Burschenschaftsbewegung und verbreiteten sich von Universität zu Universität als Zeichen des Einheits- und Freiheitswunsches. Veteranen des Freikorps nahmen daher 1817 auch am Wartburgfest teil.

 

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Theodor Körner

Carl Theodor Körner, geboren am 23. September 1791 in Dresden, gestorben am 26. August 1813 im Forst Rosenwo bei Lützow bzw. Gadebusch, war ein Dichter und Dramatiker. Berühmt wurde er für seine Dramen für das Wiener Burgtheater und besonders seine Lieder in den Befreiungskriegen. Nachdem er  im Lützwschen Freikorps gefallen war, wurde er zu patriotischen Identifikationsfigur.

Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock (nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester Emma Sophie Körner), 1813:1814

Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock (nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester Emma Sophie Körner), 1813/1814

Bildquelle: Von Dora Stock (1788–1815) – Unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=617244

Die Familie Körner pflegte regen gesellschaftlichen, künstlerischen und geistigen Austausch. Neben Schiller bestanden enge Kontakte zu Goethe, Heinrich von Kleist, dem Grafen Friedrich Leopold vonGeßler, Christoph Friedrich Nicolai, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Novalis und den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel.

Wie der Vater verfügte Körner über musikalisches Talent. Er besaß zeichnerische Begabung wie seine Mutter und seine Schwester Emma, die das letzte Bild Theodors bei seinem Aufenthalt als Lützower Jäger im April 1813 von ihm schuf. Beide sangen später an der zelterschen Liedertafel und Theodor in Wien in Streichers Chor. Er beherrschte auch eine Anzahl Instrumente, am liebsten war ihm jedoch die Gitarre.

Zunehmend machte sich seine dichterische Begabung bemerkbar. Kaum eine von Emmas Freundinnen wurde von ihm nicht dichterisch umworben: „An Augusten“, „An Theresen“, „An Henriette“ sind die Titel einiger Gedichte.

1808 begann er sein Studium an der Bergakademie Freiberg und schloss sich der damaligen Landsmannschaft der Montanen, dem heutigen Corps Saxo-Montania an. Dort wurde er vom Geologen Abraham Gottlob Werner gefördert. Zunächst interessierte er sich mehr für die praktische Seite, fuhr in Bergmannstracht unter Tage und fühlte sich bei der harten Arbeit der mächtigen Natur verbunden. Später wandte er sich allerdings der theoretischen Seite zu. Häufige ausgedehnte Fußreisen führten ihn zur Burg Gnandstein, von Dresden über das Elbsandsteingebirge ins Böhmische Mittelgebirge und ins Riesengebirge. Eine reichliche Auslese von Naturgedichten war die Folge.

Bereits 1810 erschien sein erster Gedichtband, die „Knospen“,bei Göschen.

Im Sommer desselben Jahres wechselte er an die Universität Leipzig, schloss sich der damaligen Landsmannschaft Thuringia an und begann Geschichte und Philosophie zu studieren. Körners Studentenleben gestaltete sich der Zeit entsprechend wild, und wenn es galt, der adligen Koterie Paroli zu bieten, war er stets dabei. Aufgrund der drohenden Relegation nach einem verbotenen Duell wechselte Körner 1811 nach Berlin, stiftete dort das Corps Guestphalia I und hörte Vorlesungen bei Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher und Barthold Georg Niebuhr. Dort sang er in der zelterschen Sing-Akademie zu Berlin und turnte unter Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen.

Körners handschriftliche Beschreibung des Systems der Hiebe beim Fechten, entstanden in seiner Freiberger Studienzeit

Körners handschriftliche Beschreibung des Systems der Hiebe beim Fechten, entstanden in seiner Freiberger Studienzeit

Bildquelle: Von Theodor Körner – Einst und Jetzt Band 4 (1959) nach Seite 16, nach Vorlage aus dem Körner Museum in Dresden (Im 2. WK vernichtet), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12436579

Eine Krankheit mit Fieber machte einen längeren Aufenthalt in Karlsbad erforderlich. In dieser Zeit erfolgte die Relegation von allen mit Leipzig in Kompaktatverhältnis stehenden Universitäten, wozu auch Berlin gehörte. Nach Heidelberg wollte, aber nach Wien sollte der allzu temperamentvolle Student auf Wunsch seines Vaters nun gehen.

In Wien hatte er freundschaftliche Kontakte zu den ihm aus seinem Elternhaus Bekannten, insbesondere zu Wilhelm von Humboldt, aber auch zu Friedrich Schlegel, dessen Frau Dorothea und ihrem Sohn Philipp Veit. Freundliche Aufnahme fand er im Salon der Baronin Henriette von Pereira-Arnstein, Tochter der Fanny von Arnstein, wo er häufig seine Gedichte oder einige der damals im Schwange verbreiteten Schauergeschichten vortrug. Auch lernte er dort die Dichterin Caroline Pichler kennen.

Gedenktafel an Wohnung Wien

Gedenktafel: Köllerhofgasse 3, Körners Wohnung in Wien

Bildquelle: Von Viennpixelart – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34218253

Zunächst belegte er noch Vorlesungen, doch traten seine Studien zunehmend gegenüber seinem dramatischen Schaffen in den Hintergrund. Binnen weniger Monate hatte er mehrere kürzere Schauspiele, insbesondere Lustspiele, für das Burgtheater geschrieben. Hier lernte er die so hübsche wie talentierte Schauspielerin Antonie Adamberger kennen, Tochter des bereits verstorbenen und von Mozart sehr geschätzten Hofsängers Josef Valentin Adamberger. Eine tiefe Leidenschaft ergriff ihn, und noch 1812 verlobten sich beide.

Im Sommer 1812 schrieb Körner sein größtes Drama, den „Zriny“.DieParallele des ungarischen Heldenkampfes gegen die türkischen Eroberer zu dem Freiheitskampf gegen die französische Fremdherrschaft war unverkennbar.

Eine glanzvolle Karriere als Dramatiker schien ihm offenzustehen, denn sowohl vom Fürsten Lobkowitz als auch vom Grafen Ferdinand Pálffy erhielt er Anstellungsverträge als Theaterdichter. Körner entschied sich für die Stelle am Burgtheater und erhielt als solcher den Titel eines k. k. Hoftheaterdichters. Auf diese Weise lernte er auch Ludwig van Beethoven kennen, für den er im Februar 1813 das Opernlibretto „Ulysses’ Wiederkehr“ entwarf. Aber bereits im März 1813 kündigte er diese Stelle, als Preußen sein Volk im Kampf gegen Napoleon zu den Waffen rief.

Als bereits prominenter Dichter trat Körner dem Lützowschen Freikorps bei, das sich gerade in Breslau(heute Polen) formierte, und traf unter den dort enrollierten Patrioten alte Bekannte wie Jahn und Friesen.

Körner, durch frühere tagelange Wanderungen in Böhmen und Sachsen an ermüdende Märsche gewöhnt, ließ sich zunächst der Infanterie zuteilen, die im schlesischen Zobten(heute Polen) Quartier bezog. „Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink“ und andere Gedichte schrieb er in rascher Folge, schon wurden sie zu bekannten Melodien von seinen Kameraden gesungen. Ein von ihm verfasster Choral erklang zur Einsegnung des Korps in der Kirche zu Rogau(heute Polen) am 27. März. Am folgenden Tage rückte die Truppe in Richtung Sachsen aus. Dieses war zuvor bereits von verbündeten Truppen besetzt worden. Am 6. April erreichte der Dichter, der seinem Korps als Marschkommissar vorauseilte, Dresden und besuchte seine Familie.

Die Lützower zogen über Leipzig, wo auf dem Schneckenberg das bekannte Lied „Lützows wilde verwegene Jagd“ entstand, nordwärts und hatten so keine Gelegenheit, an den sich vornehmlich weiter südlich abspielenden Kampfhandlungen teilzunehmen.

 

Verdrossen meldete der tatendurstige Dichter, der mittlerweile zum Leutnant befördert worden war, nach Hause: „Derweilen sitze ich hier an der Elbe und recognoscire, und finde nichts, sehe nach Westphalen über, und sehe nichts, lade meine Pistolen, und schieße nichts.“ Eins seiner dort entstandenen Gedichte lautete folgerichtig „Missmut“.

Der weitere Marsch nach Norden zur Unterstützung des Wallmodenschen Korps endete, als Hamburg aufgegeben wurde. Lützow wendete sich wieder nach Süden.

Am 24. Mai trat der Dichter zur Kavallerie über, da er hoffte, hier seinem Tatendrang genügende Aufgaben zu finden, und avancierte zu Lützows Adjutanten. Tatsächlich kam es nun zu häufigen Geplänkeln und Überfällen auf kleinere Einheiten des Gegners. In einem Handstreich beraubte Körner das berühmte Gestüt in Wendelstein an der Unstrut seiner Pferde.

Am 8. und 9. Juni 1813 hatten die Lützower Jäger ihr Biwak in Eichigt im sächsischen Vogtland auf der Husarenwiese neben der Kirche aufgeschlagen; ein Angriff auf Hof in Oberfranken war geplant. Während Lützow bei Pfarrer Johann Christian Wirth gastliche Aufnahme fand, war Körner im Biwak. Die auf der Wiese stehende Linde erhielt aus diesem Grunde den Namen Körnerlinde.

Erst am 9. Juni erfuhr Lützow, zunächst auch nur vage, vom Waffenstillstand, der zwischen den Alliierten und Napoleon geschlossen worden war, und erst am 14. hatte er Gewissheit. Den Bestimmungen nach hätte das Korps bereits zwei Tage zuvor auf preußischem Boden sein müssen. Statt ins neutrale Böhmen zu ziehen, das nur wenige Stunden entfernt lag, ließ Lützow die Freischar über Gera und Zeitz nach Norden marschieren, zur Sicherheit allerdings mit sächsischen Marschkommissaren.

Weitere Einzelheiten Friesen, Körner (sitzend, Mitte) und Heinrich Hartmann auf Vorposten (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1815)

Friesen, Körner (sitzend, Mitte) und Heinrich Hartmann auf Vorposten (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1815)

Bildquelle: Von Hannelore Gärtner: Georg Friedrich Kersting. Seemann, Leipzig 1988, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12270200
Theodor Körner liest den Lützower Jägern seine Kriegslieder vor

Theodor Körner liest den Lützower Jägern seine Kriegslieder vor

Bildquelle: Von Richard Knötel (1857 – 1914) – Alte Postkarte der Firma Stengel & Co., G.m.b.H., Dresden, Nummer 29174., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16301561
Theodor Körner, im Lager bei Gadebusch, seinen Kameraden sein „Schwertlied“ vortragend (Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbi

Theodor Körner, im Lager bei Gadebusch, seinen Kameraden sein „Schwertlied“ vortragend (Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbindung)

Bildquelle: Von Ulrich Witt, Friedland, 2005 (Benutzer: DerGoettinger) – Ausschnitt aus einem Glasfenster im Haus der Studentischen Musikvereinigung Blaue Sänger im SV, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2897671

Am 17. Juni 1813 bezogen die Lützower ihr Lager bei Kitzen (südwestlich von Leipzig). Württembergische Truppen unter General Normann stellten sich ihnen entgegen. Dieser versicherteLützow, der in Begleitung Körners vorangeritten war, keine feindlichen Absichten zu hegen, und verwies im Übrigen auf den kommandierenden französischen General Fournier. Dieser schleuderte ihnen jedoch entgegen: „L’armistice pour tout le monde, excepté pour vous !“ Der Angriff der feindlichen Kavallerie traf die Lützower unvorbereitet, sie wurden von der Übermacht regelrecht zusammengehauen. Körner erhielt einen Säbelhieb über den Kopf. Schwer verwundet, gelang ihm noch der Weg nach Großzschocher, wo er sich in einem Gehölz verbarg. Dem Tode nahe schrieb er dort das Sonett „Abschied vom Leben“.

Bauern, die das Holz zur Ausbesserung des Elsterwehres bewachen sollten, fanden den Dichter und brachten ihn in das nahegelegene Gutsgärtnerhaus von Großzschocher. Nach einer Nacht wurde er mit Hilfe des Freundes der Familie Körner, Kunze, auf dem Wasserweg zu dem Arzt Doktor Wendler nach Leipzig gebracht und dort versorgt. Auf die versprengten Lützower, von Napoleon ihrer schwarzen Uniformen halber verächtlich „brigands noirs“ , „schwarze Banditen“, genannt, wurde immer noch Jagd gemacht.

Als er sich einigermaßen stabilisiert hatte, wurde er von Freund zu Freund nach Karlsbad dirigiert. Dabei verbrachte er auch eine Nacht bei seiner Pflegeschwester Julie von Einsiedel auf Burg Gnandstein. In Karlsbad wurde er von seiner Patentante Elise von der Recke gepflegt. Ein Wiedersehen mit seinen Eltern, die ganz in der Nähe in Teplitz weilten, gab es nicht, um seine leidende Mutter zu schonen.

Auf dem Weg zu seinem Korps war Körner bei seinem Patenonkel Graf von Geßler in Reichenbach zu Gast, wo er den Freiherrn vom Stein, Arndt, Blücher und Gneisenau traf. Über Berlin gelangte er zu seiner nun in Norddeutschland kämpfenden Truppe, die ihre Unabhängigkeit eingebüßt hatte und dem Korps Wallmoden zugeordnet worden war.

Fortwährend wurden wieder kleine Streifzüge durchgeführt. Den Abend des 25. August verbrachte Körner mit einer Streifschar unter Lützow auf dem Rittergut zu Gottesgabe. Er soll hier am Klavier gesessen und das zwei Tage zuvor entstandene „Schwertlied“ vorgetragen haben.

In der zweiten Morgenstunde des 26. August 1813 wurde ein feindlicher Transport gemeldet, auf den rasch ein Angriff geplant wurde. Bei dem folgenden Gefecht, das sich im Forst von Rosenow bei Gadebusch abspielte, fiel Theodor Körner. Die tödliche Kugel kam von einem deutschen Schützen, der aus Biebern im Hunsrück stammte.

Er wurde im Dorf Wöbbelin unter der nachmaligen „Theodor-Körner-Eiche“ begraben, wo 1815 auch seine Schwester Emma und 1831 sein Vater Christian Gottfried Körner ihre letzte Ruhe fanden.

Körner-Grab in Wöbbelin

Körner-Grab in Wöbbelin

Bildquelle: Von Niteshift (talk) – Eigenes Werk (photo), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15987193

Zu seinen Ehren errichteten die Bürger von Frankenberg/Sa. auf dem nahen Haustein (Harrasfelsen) bei Braunsdorf (Niederwiesa) (siehe Sprungsage) am 20. Juni 1864 das Körnerkreuz. Die Inschrift lautet: „Dem Sänger und Helden Theodor Körner. Die Bewohner von Frankenberg/Sa. zur Erinnerung an den 26. August 1863.“

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel


Körners Wirkung auf die Nachwelt:

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in einem Deutschland, das auch nach den Befreiungskriegen noch lange Zeit in viele Einzelstaaten zersplittert war. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt. Die glaubwürdige Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne erst des Deutschen Bundes, später des Deutschen Reichs. Körners Gedichte aus seinem Buch „Leyer und Schwert“ wurden zum Vorbild für Kriegslyrik späterer Zeit.

„Lützows wilde, verwegene Jagd“ auf Körners Text in Carl Maria von Webers dramatisch-schwungvoller Vertonung ist bis heute ein beliebtes Paradestück des deutschen Männer-Chorgesangs. Professor Kurt Huber zitierte1943 im 6. Flugblatt der Weißen Rose die erste Zeile aus Körners Aufruf (1813): „Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen.“ Marlene Dietrich wählte die Zeile „Hier steh ich an den Marken meiner Tage“ aus Körners Sonett „Abschied vom Leben“ (aus „Leier und Schwert“) als Inschrift für ihren Grabstein in Berlin.

Ausschnitt Geschichtsbuch der DDR Theodor Körner Kopie

Ausschnitt aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Erste Strophe von Lützows wilde, verwegene Jagd auf einem Gedenkblock der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag

Erste Strophe von „Lützows wilde, verwegene Jagd“ auf einem Gedenkblock der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag

Bildquelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9837612

Daneben haben die Faschisten Theodor Körner für ihre Zwecke missbraucht. Das Gelände um die Grabstätte Körners und seiner Familie in Wöbbelinwurde 1938 aufwendig zur „nationalen Weihestätte“ umgebaut und diente als Kulisse für Aufmärsche und Vereidigungszeremonien. Die Zeile „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“aus dem Gedicht „Männer und Buben“ lieferte Joseph Goebbels die Textvorlage für die Phrase „Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!“, das Finale der Sportpalastrede.

In der Nachkriegszeit gilt Theodor Körner für die neofaschistische Szene als „Rebell für Deutschland“.

Auch die Neo-Faschisten der heutigen Zeit missbrauchen Theodor Körner für ihre Zwecke.

Auf einer Großveranstaltung im Münchner Löwenbräukeller am 21. April 1990 wurde der Spruch aufgesagt: „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, / vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. / Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, / dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“

Im 21. Jahrhundert wird dieser Spruch über das Internet als angebliches Körner-Zitat verbreitet und u. a. bei Kundgebungen und Demonstrationen der Pegida eingesetzt. Am 23. September 2016 publizierte „Der Flügel“,eine von Björn Höcke geführte AfD-nahe Gruppierung, Körners Satz „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“mit dem obigen Spruch.

Das Theodor-Körner-Museum in Wöbbelin bei Schwerin, Teil der dortigen Mahn- und Gedenkstätten, wurde nach der Annexion der DDR renoviert und mit neuem Konzept, d.h. im Sinne der heutigen offiziellen Geschichtsschreibung und Tilgung der Geschichtsschreibung der DDR, am 15. Juni 1997 wiedereröffnet.

Standbilder, Bäume und andere Denkmäler

Die Liste bitte  auf Wikipedia ansehen. Diese ist zu lang, um sie in diesem Beitrag aufzuführen.

entnommen  Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel