Die Gründung der Partei der Bolschewiki

Die soziale Lage der Arbeiterklasse in Russland am Ende des 19. Jahrhunderts

Unter den imperialistischen Staaten in Europa nahm das zaristische Russland eine besondere Stellung ein. Um die Jahrhundertwende gab es dort nur wenige Industriezentren. Dafür waren aber ungewöhnlich große Betriebe entstanden. Bereits 1890 lieferten nur sieben Prozent der Betriebe über die Hälfte der gesamten Industrieproduktion. In den Industriegebieten konzentrierten sich gewaltige Armeen von Lohnarbeitern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren über 50 Prozent aller Industriearbeiter Russlands in Großbetrieben mit über 500 Beschäftigten tätig.

Eine große Rolle in der industriellen Entwicklung Russlands spielten ausländische Monopolgruppen. Sie gewährten der zaristischen Regierung große Anleihen zu hohen Zinssätzen. Einige Monopolgruppen erhielten das Recht, in Russland Fabriken und Gruben zu betreiben.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Lage der Arbeiter in Russland war weit schlechter als in anderen europäischen Ländern. In vielen Fabriken herrschten noch halbfeudale Verhältnisse. Nirgendwo in den imperialistischen Staaten Europas wurden so niedrige Löhne gezahlt, mussten die Arbeiter so lange arbeiten und so schlecht wohnen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die politische Macht in Russland lag in den Händen der adligen Gutsbesitzer. Der größte und reichste Gutsbesitzer war der Zar. Die Arbeiter und andere Werktätige waren der Willkür der zaristischen Beamten und der Polizei ausgeliefert. Jede demokratische Regung wurde sofort mit Polizei- oder Militärgewalt verfolgt und unterdrückt. Mit der Arbeiterklasse entwickelte sich jedoch eine gesellschaftliche Kraft, die den Kampf des Volkes gegen imperialistische Ausbeutung und zaristische Unterdrückung organisierte. In Russland entwickelte sich seit der Jahrhundertwende eine revolutionäre Situation.

Unter unmenschlichen Bedingungen arbeiteten die Bergleute in den Kohlengruben Russlands. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Lenin wird zum Führer der russischen Arbeiterklasse

Die reaktionären Zustände im zaristischen Russland empörten die ausgebeuteten Massen immer mehr. Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu bedeutenden Streiks der Industriearbeiter für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse und für demokratische Rechte. In den Industriezentren entstanden – zunächst mit Hilfe demokratischer Intellektueller- geheime Zirkel. Ihre Teilnehmer studierten den Marxismus und bemühten sich um die Organisierung der Arbeiter. Zum bedeutendsten Führer der russischen Marxisten entwickelte sich entwickelte sich Wladimir Iljitsch Lenin.

W.I. Uljanow, später von seinen Freunden Lenin genannt, wurde am 22. April 1870 in Simbirsk, dem späteren Uljanowsk, geboren. Sein Vater war Schulinspektor. Lenins Geschwister beteiligten sich alle an der revolutionären Tätigkeit gegen den Zarismus. Besonders eng schloss Lenin sich seinem älteren Bruder Alexander an, der in Petersburg studierte und ihn mit revolutionären Schriften bekannt machte.

Mit 15 Jahren lernte Lenin Arbeiten von Marx und Engels kennen. Da er sich in der Schule gute Kenntnisse in der lateinischen, griechischen, französischen und deutschen Sprache angeeignet hatte, konnte er bereits damals die Schriften von Marx und Engels, die illegal aus dem Ausland bezogen wurden, in deutscher Sprache lesen.

1887 wurde Lenins Bruder Alexander hingerichtet. Er hatte gemeinsam mit anderen Revolutionären ein Attentat auf den Zaren vorbereitet. Der Tod des Bruders beeindruckte Lenin außerordentlich stark. Er hatte begriffen, dass mit Einzelaktionen die reaktionären Verhältnisse in Russland nicht geändert werden können.

Nach der Schulzeit studierte Lenin in Kasan Rechtswissenschaft. Er lernte gleichgesinnte Studenten kennen und traf sich heimlich mit ihnen, um die Werke von Marx und Engels zu studieren. Dieses Studium vermittelte ihm die Erkenntnis, dass der Kampf gegen die Grundlagen der gesellschaftlichen Zustände geführt werden musste.

Die Kasaner Polizei entdeckte den Zirkel und dessen Teilnehmer wurden zu Gefängnishaft verurteilt. Gleichzeitig wurde Lenin von der Universität ausgeschlossen. 1891 legte er jedoch das juristische Examen als Externer an der Universität in Petersburg als Bester von 33 Kandidaten ab. In nur einem Jahr hatte Lenin sich in hartem, regelmäßigem Selbststudium die Kenntnisse angeeignet, die andere in vier Studienjahren erwarben.

1893 übersiedelte Lenin nach Petersburg. Dort schloss er sich den vorhandenen illegalen Arbeiterzirkeln an.

W.I. Lenin während seines Aufenthaltes in Petersburg
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Unter Lenins Leitung vereinigten sich die Petersburger Zirkel 1895 zum Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse. Das war der erste Schritt zur Gründung einer sozialistischen Arbeiterpartei in Russland.

Lenins Bemühungen galten stets der engen Verbindung des Studiums marxistischer Werke mit der praktischen revolutionären Arbeit. Der Kampfbund wirkte unter seiner Leitung in den Petersburger Betrieben und half bei der Organisierung von Streiks. Im Dezember 1895 verhaftete die zaristische Polizei zahlreiche Mitglieder des Kampfbundes, unter anderem Lenin. Nach 14 Monaten Gefängnishaft wurde er für drei Jahre nach Ostsibirien verbannt. Vertreter der illegalen Organisationen trafen sich 1898 in Minsk und gründeten die Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Der 1. Parteitag hatte große Bedeutung für die Entwicklung der sozialistischen Bewegung in Russland. Er wählte ein Zentralkomitee und orientiert die Arbeiterklasse in einem Manifest auf die wichtigsten Aufgaben. Doch noch fehlte der Partei ein einheitliches Programm und ein gemeinsames Statut.

Lenins Kampf für die Schaffung einer marxistischen Partei in Russland

Im Jahre 1900 kehrte Lenin aus der Verbannung zurück. Weil ihm die zaristische Polizei jede revolutionäre Arbeit unmöglich machte, musste er Russland verlassen. Im Ausland gründete Lenin mit anderen Sozialisten eine revolutionäre Zeitung, die den symbolischen Namen „Iskra“ („Der Funke“) erhielt. Sie diente der Propagierung des Marxismus in Russland und bereitete die Gründung einer revolutionären Partei vor.

In der Druckerei der „Arbeiterzeitung“ in Leipzig-Probstheida, der späteren Iskra-Gedenkstätte, wurde die erste Nummer gedruckt. Die Iskra-Gedenkstätte existierte von 1956 bis 1993. Siehe z. B. Facebook „Altes Leipzig“, weiteres kann ergooglet werden.

Die „Iskra“ spielte in folgenden Monaten und Jahren eine wichtige Rolle. Durch sie kam eine engere Bindung zwischen den verschiedenen illegalen marxistischen Gruppen und Zirkeln in Russland zustande. Sie erzog die Arbeiter zum Klassenbewusstsein. Lenin nutzte die „Iskra“, um die vorhandenen opportunistischen Auffassungen zu kritisieren und die marxistischen Ideen zu verbreiten.

Die erste Nummer der illegal gedruckten „Iskra“ vom Dezember 1900. (Ausschnitt der Titelseite)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

1902 erschien die Schrift Lenins „Was tun?“ Lenin enthüllte darin die Wurzeln und Gefährlichkeit des Opportunismus; er begründete die Bedeutung der wissenschaftlichen Theorie für die revolutionäre Arbeiterbewegung.

Vorbereitet mit der „Iskra“, fand 1903 der II. Parteitag der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei statt. Die Beratungen wurden in Brüssel begonnen und in London fortgesetzt.

Bei der Wahl zur Parteiführung erhielten Lenin und seine Anhänger die Mehrheit der Stimmen. Sie wurden fortan Bolschewiki, die Opportunisten dagegen Menschewiki genannt.

Unter dem Einfluss der Bolschewiki stimmte der Parteitag einem revolutionären Programm zu, das im Unterschied zu den Programmen aller andren Parteien der II. Internationale die Diktatur des Proletariats als wichtigste Voraussetzung für die Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft in die sozialistische bezeichnete.

Das wichtigste Ergebnis des II. Parteitages war die Schaffung einer revolutionären marxistischen Partei der Bolschewiki. Eine solche Partei neuen Typus zeichnete sich aus durch festes Vertrauen zu den demokratisch gewählten Leitungen, eiserne revolutionäre Disziplin bei der Beschlusserfüllung, hohes Klassenbewusstsein aller Parteimitglieder, enge Verbindung der Parteimitglieder mit den Massen der Arbeiter und Bauern, unbedingte Treue zum wissenschaftlichen Kommunismus, Verwirklichung des proletarischen Internationalismus und Beseitigung jeglicher opportunistischer Einflüsse in der Partei.

Lenins theoretische und praktische Arbeit für die Gründung einer Partei neuen Typus bedeutet eine Weiterentwicklung des Marxismus unter den Bedingungen der imperialistischen Herrschaft. Der Marxismus wird zum Marxismus-Leninismus.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Lenins Tod

Am 21 Januar 1924 starb Lenin. Jahrelange aufopferungsvolle Arbeit für die Sache der Arbeiterklasse, für die Verwirklichung ihrer historischen Mission und die Folgen eines Attentats der Konterrevolutionäre hatten dem Leben des genialen Führers des Proletariats ein vorzeitiges Ende gesetzt.

Roter Platz in Moskau

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Lenin hatte von Jugend an unbeugsam gegen Imperialismus und Reaktion gestritten. Er vertraute auf die Kräfte der Arbeiterklasse, den er sah in ihr die führende revolutionäre Klasse, die fähig ist, die weltgeschichtliche Aufgabe des Sturzes des Kapitalismus und der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft zu erfüllen. Revolutionär gesonnen und wissenschaftlich gebildet, stellte er sich mit festem Willen zur Tat ganz in den Dienst der großen Sache des Proletariats. Gründliche, tiefe Kenntnis der Werke von Marx und Engels, die Fähigkeit, den Marxismus auf die jeweils gegebenen unterschiedlichen Situationen des Klassenkampfes anzuwenden, der unerschütterliche Glaube an den Sieg der Arbeiterklasse, ein großes organisatorisches Talent – alles das machte Lenin zum hervorragendsten Arbeiterführer unseres Jahrhunderts.

Er untersuchte des Imperialismus und lehrte die Arbeiterklasse, dass dieser das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist. Lenin entwickelte die Theorie vom Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen in die sozialistische Revolution und begründete wissenschaftlich die Möglichkeit und Notwendigkeit des Sieges der proletarischen Revolution in einem Lande. Er schuf die erste proletarische Partei neuen Typs, die Partei der Bolschewiki. Mit ihr führte er die Werktätigen Russlands zum Sieg über die russischen und ausländischen Imperialisten. Er begründete und leitete den Sowjetstaat, die sozialistische Sowjetdemokratie.

Lenin Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als hervorragender Denker entwickelte Lenin den Marxismus- den dialektischen Materialismus, die politische Ökonomie, die Theorie der sozialistischen Revolution und des Aufbaus des Kommunismus – schöpferisch weiter. So entstand als Ergebnis dieser allseitigen Weiterentwicklung der Wissenschaft, die Marx und Engels geschaffen hatten, der Marxismus-Leninismus. Er ist die Weiterentwicklung der Lehren von Marx und Engels unter den neuen historischen Bedingungen des 20. Jahrhunderts durch Lenin, durch die marxistisch-leninistischen Parteien und vor allem durch die  KPdSU.

Die Nachricht vom Tode Lenins löste in den Herzen der Sowjetmenschen tiefen Schmerz aus. Fast eine Woche lang zogen bei grimmigem Frost Tag und Nacht endlose Reihen Trauernder durch die Moskauer Straßen zum Säulensaal des Hauses der Gewerkschaften, wo die sterbliche Hülle des großen Revolutionärs aufgebahrt worden war.

240 000 standhafte und bewährte Arbeiter traten kurz nach dem Tode Lenins in die bolschewistische Partei ein, um als Revolutionäre mitzuhelfen, den Leninschen Plan des Aufbaus des Sozialismus zu verwirklichen. Die marxistisch-leninistische Theorie, ihre schöpferische Anwendung auf die gegebenen Verhältnisse ermöglichte es den Kommunisten, wissenschaftliche Lösungen für alle noch offenen Fragen des sozialistischen Aufbaus zu erarbeiten.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

siehe auch Marxismus-Leninismus

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Lenins Tod Kopie