Das Ende der Weimarer Republik

Die Machtübertragung an die Faschisten

Die 6 Millionen Stimmen, die die KPD bei den Reichstagswahlen im November 1932 auf sich vereinigen konnte, zeigten den wachsenden Masseneinfluss der revolutionären Arbeiterbewegung. In den wichtigsten Industriezentren wurde die KPD zur stärksten Partei. Die Nazipartei verlor gegenüber den Juliwahlen zwei Millionen Stimmen. Die Massenbasis der Nazis begann abzubröckeln. Der antifaschistische Kampf konnte den Einfluss der faschistischen Bewegung zurückdrängen.

Die Entwicklung zwang zur Entscheidung. Die rasche Sammlung der antifaschistischen Kräfte unter Führung der KPD und der schwindende Masseneinfluss der Nazis veranlasste die reaktionärsten Kräfte des deutschen Monopolkapitals und der Junker, auf die schnelle Errichtung der faschistischen Terrorherrschaft, zu drängen. Namhafte Vertreter forderten von Hindenburg die sofortige Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. In der alten BRD wurde gelehrt, dass Hindenburg altersbedingt die Folgen der Ernennung von Hitler zum Reichskanzler nicht einschätzen konnte. Die Wahrheit war ja tabu und wird auch heute nur ungern zugegeben.

Millionen stehen hinter mir

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eingabe an Hindenburg 1Eingabe an Hindenburg 2Quellenangabe Eingabe an Hindenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Großindustrielle und Junker, Hindenburg, Papen und Schleicher verhandelten mit Hitler über die Einbeziehung der Nazis in die Regierung. Da sich die verschiedenen rivalisierenden Monopolgruppen noch nicht über die sofortige Übergabe der Macht an die Hitlerregierung einigen konnten, wurde General Schleicher Anfang Dezember 1932 zum Kanzler eines Übergangskabinetts ernannt. Anfang Januar 1933 wurde in der Kölner Villa des Bankiers Schröder und im Hause des Konzernherren Kirdorf hinter verschlossenen Türen die endgültige Zusammensetzung der geplanten Hitlerregierung beschlossen. Nach weiteren fieberhaften Einzelbesprechungen zur Überwindung der letzten Schwierigkeiten der Regierungsbildung legte Papen am Abend des 29. Januar 1933 dem Reichspräsidenten die Liste der neuen Regierung vor. Die Vorbereitungen der faschistischen Diktatur waren abgeschlossen.

Aussage Bankier Schröder 1Aussage Bankier Schröder 2Quellenangabe Aussage Bankier Schröder

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 30. Januar 1933 berief der Reichspräsident von Hindenburg im Interesse der reaktionärsten und aggressivsten Kreise des deutschen Monopolkapitals Hitler zum Reichskanzler.

 

Die Ursachen des Untergangs der Weimarer Republik

Der Kampf zwischen Sozialismus und Imperialismus im internationalen Maßstab und in Deutschland bestimmte die Entwicklung in den Jahren der Weimarer Republik. Unter den Bedingungen der neuen geschichtlichen Epoche des, wie man damals glaubte, Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus und des damaligen allmählichen Aufstiegs der Sowjetunion zu einer Weltmacht wurde die Lage des deutschen Imperialismus widerspruchsvoller und aussichtsloser.

Die Weimarer Republik war das Instrument der Monopolherren, Militaristen und Junker zu Aufrechterhaltung ihrer Klassenherrschaft. Sie war keine den Interessen des Volkes dienende Demokratie. Ihre vierzehnjährige Geschichte beweist, dass eine formale bürgerliche Demokratie, die die Diktatur des Finanzkapitals verschleiert, weder die Interessen der Arbeiterklasse sichern noch die Lebensfragen des Volkes lösen kann. Sie lehrt, dass der Widerspruch zwischen den Interessen einer verschwindend kleinen Schicht von Finanzmagnaten und der übergroßen Mehrheit des Volkes unüberbrückbar ist.

Die herrschende Klasse fürchtete das Erstarken des Sozialismus. Die reaktionärsten Teile des deutschen Monopolkapitals beseitigten deshalb zielstrebig die bürgerliche Demokratie und bereiteten die offene Diktatur vor. Sie wollten damit die sozialistische Entwicklung im Inneren verhindern und ihre Politik der Revision der Ergebnisse des ersten Weltkrieges sowie der Revanche und der erneuten Machtausdehnung des deutschen Imperialismus nach außen verwirklichen. Deshalb unterstützten und förderten sie die faschistische Partei, die mit nationaler und sozialer Demagogie, revanchistischer und antikommunistischer Hetze und Terror Einfluss gewann und die reaktionärsten Interessen des Monopolkapitals am konsequentesten vertrat.

Das Ende der Weimarer Republik lässt erkennen, wie verhängnisvoll es war, dass in der Novemberrevolution die Macht der deutschen Konzern- und Bankherren nicht zerschlagen und eine echte Demokratie in Deutschland errichtet werden konnte.

Die herrschende Klasse engte danach die Wirkungsmöglichkeiten der friedliebenden und demokratischen Kräfte immer mehr ein, gab aber den antidemokratischen, imperialistischen und militaristischen Kräften immer größeren Raum. Am Ende erwies sich das bürgerlich-parlamentarische System der Weimarer Republik als ungeeignet, auch nur die gegrenzten demokratischen Rechte und Freiheiten, die sich die Volksmassen im November 1918 erkämpft hatten, wirkungsvoll zu verteidigen. Damit offenbarte das Ende der Weimarer Republik zugleich den völligen Bankrott der sozialdemokratischen Politik des „dritten Weges“. Nichts desto Trotz, wird von den Sozialdemokraten und nun auch von der Partei DIE LINKE dieser „dritte Weg“ weiterhin propagiert.

Der Untergang der Weimarer Republik war nicht gesetzmäßig. Durch den einheitlichen Kampf der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten für die Erhaltung der Demokratie hätte er verhindert werden können. Doch die rechten Führer der Sozialdemokratie paktierten mit Teilen des Finanzkapitals, setzten die Spaltung der Arbeiterklasse fort und verhinderten mit ihrer antikommunistischen Politik den einheitlichen Kampf der Arbeiterklasse und aller antifaschistischen Volkskräfte. Sie trugen damit zur Niederlage der deutschen Arbeiterklasse im Januar 1933 bei.

Die KPD als die konsequenteste Führerin der deutschen Arbeiterklasse kämpfte während der ganzen Zeit der Weimarer Republik dafür, auch in Deutschland dem gesellschaftlichen Fortschritt den Weg zu bahnen. Dem imperialistischen Programm zur Erhaltung und Stärkung der Monopolmacht, des Revanchismus  und Antikommunismus stellte die KPD ihr Programm zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes entgegen. Die KPD stand an der Sitze aller Aktionen für die Interessen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)und trat für ein gutes Verhältnis Deutschlands zu den anderen Völkern, vor allem zur Sowjetunion, ein. Sie kämpfte konsequent gegen den Faschismus und die drohende Kriegsgefahr. Dieser Kampf stimmte mit dem Lebensinteressen des deutschen Volkes überein. In diesem Kampf erwies sich die KPD als die führende Kraft des ganzen Volkes. Doch reichte ihr Einfluss nicht aus, um an der Spitze der Volksmassen die faschistische Diktatur zu verhindern.

Arbeiterbewegung zu Weimarer RepublikQuellenangabe Arbeiterbewegung zu Weimarer Republik

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text

Ende der Weimarer Republik

Das Programm der KPD zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes und der Kampf um die Aktionseinheit der Arbeiterklasse

Der Kampf der KPD gegen Imperialismus und Faschismus in den Jahren 1930 und 1931

Als sich die Gefahr des Faschismus in Deutschland ständig vergrößerte, veröffentlichte die KPD auf Initiative von Ernst Thälmann im August 1930 ihr Programm zu nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes. Seine geschichtliche Aufgabe bestand darin, alle demokratischen Kräfte für die Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten zu gewinnen, die faschistische Diktatur zu verhindern und antifaschistisch-demokratische Verhältnisse zu erkämpfen.

Das Programm der KPD rief die Arbeiter, Angestellten, Bauern und alle anderen Werktätigen(arbeitende Menschen)zum unversöhnlichen Kampf gegen die Kriegsgefahr auf. Es entlarvte die Nazipartei als eine volks- und arbeiterfeindliche, antisozialistische Partei, als die „Partei der mörderischen faschistischen Diktatur“, und wies gleichzeitig nach, dass sie die Politik der extremsten, reaktionärsten und aggressivsten Kräfte des Finanzkapitals repräsentierte. Da die faschistische Gefahr eine imperialistische Gefahr war, führte die KPD den Kampf gegen den Faschismus als Klassenkampf gegen die Monopole.

Die KPD protestierte in dem Programm aufs schärfste gegen die Notverordnungspolitik Brünings. Sie forderte die Herabsetzung der Preise für Mieten, Gas, Wasser, Elektrizität und Verkehrsmittel auf ein Mindestmaß. Die Sozialversicherung sollte auf Kosten des Staates sichergestellt und alle Ausgaben für Pensionen an Fürsten, Militaristen und hohe Staatsbeamte eingestellt werden. Eine der dringendsten Forderungen für die Werktätigen(arbeitenden Menschen)war die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Für die Frauen und Jugendlichen forderte das Programm die volle Gleichberechtigung und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Um die Notlage der Werktätigen Bauern und der Landarbeiter zu überwinden, musste die Herrschaft der Grundbesitzer gebrochen, ihr Grund und Boden enteignet und an die Bauern übergeben werden.

Veröffentlichung Programm

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die KPD erklärte den energischen Kampf gegen den Versailler Vertrag und den Youngplan und gleichzeitig die Herstellung einer festen Freundschaft zur Sowjetunion als wichtigste nationale Aufgabe. In dem Youngplan aus dem Jahre 1929 wurde erstmalig die endgültige Höhe der Reparationssumme genannt. Die Lasten wurden dem deutschen Steuerzahler aufgebürdet. Die sozialen Ausgaben des Staates gingen radikal zurück.

Im Programm entwickelte die KPD eine richtige Taktik zur Zusammenfassung aller antifaschistischen Kräfte. Die Partei rief „alle Arbeiter, alle Bauern, alle Angestellten, als werktätigen Mittelständler, Männer wie Frauen, Jugendliche wie Erwachsene, alle unter der Krise, Arbeitslosigkeit, Not und Ausbeutung Leidenden“ auf, sich um die KPD zusammenzuschließen, um den Faschismus und seine Hintermänner, die deutschen Monopolkapitalisten, zu schlagen.

Das Programm zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes zeigte dem deutschen Volk den Weg des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus. Mit seinen Forderungen für die Lebensinteressen aller Werktätigen(arbeitenden Menschen)leitete es eine neue Etappe im Klassenkampf und in der Bündnispolitik ein. Zu seiner Verwirklichung erarbeite die KPD im Frühjahr 1931 den Arbeitsbeschaffungsplan und das im Mai 1931 veröffentlichte Bauernhilfsprogramm, um alle werktätigen Schichten(arbeitende Menschen)in die gemeinsame antifaschistische Kampffront einzureihen.

Forderungen Bauernhilfsprogramm

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die KPD führte ihre Politik mit dem Ziel, die Volksmassen im Kampf um die elementarsten Lebensinteressen zusammenzuschließen und für große politische Kämpfe vorzubereiten. Es war ihr Hauptziel, die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, das gemeinsame Zusammenwirken aller Arbeiter und Arbeiterorganisationen und aller Werktätigen(arbeitenden Menschen, unabhängig von den unterschiedlichen politischen und weltanschaulichen Auffassungen, im Kampf gegen Imperialismus und Faschismus herzustellen. Die Aktionen gegen Hunger, Lohnraub und Zwangsversteigerungen verband die KPD mit den politischen Aktionen gegen die Aufrüstung, die drohende Kriegsgefahr, die Antisowjethetze und die faschistischen Diktaturbestrebungen. In den Streikkämpfen 1930 und 1931 gelang es der KPD, in vielen Fällen das gemeinsame Handeln kommunistischer, sozialdemokratischer und parteiloser Arbeiter zu verwirklichen.

Demo gegen Faschismus 1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der beharrliche Kampf der KPD um die Lebensinteressen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)und um die Aktionseinheit vergrößerte ihren Einfluss auf die Volksmassen und die Anzahl ihrer Mitglieder. Sie wurde eine revolutionäre Massenpartei. Das wachsende Vertrauen der Massen zu dieser Partei zeigte sich bei den Reichstagswahlen 1930 und 1932.

Wahlergebnisse Nationalversammlung 1919

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Kampf der KPD um die Antifaschistische Aktion 1932

Die Notwendigkeit für die Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten alle Kräfte in einer antifaschistischen Einheitsfront zusammenzuschließen, wurde im Frühjahr immer 1932 immer dringlicher. Führende Monopolherren und Reichswehrgeneral von Schleicher verhandelten persönlich mit Hitler, Göring und Röhm über die Heranziehung der Nazipartei zur Regierung. Bei den Reichspräsidentenwahlen im April 1932 wurde mit Unterstützung der rechten sozialdemokratischen Führer der reaktionäre Feldmarschall Hindenburg wiederum in das höchste Staatsamt gewählt. Er wurde, gleich Brüning und Papen, von der rechten sozialdemokratischen Führung als das „kleinere Übel“ gegenüber Hitler hingestellt. Das Argument von Sozialdemokraten      „ das kleinere Übel“ kennen wir aus der alten BRD und nun im heutigen Deutschland(Groß-BRD)zur Genüge.

Wahlzettel KPD 1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer setzten ihre Politik des Paktierens mit Teilen der Bourgeoisie fort und erleichterten damit den reaktionären Kräften, ihre Politik durchzusetzen.

Auch nachdem Papen durch einen Staatsstreich im Juli 1932 die sozialdemokratisch geführte Regierung in Preußen aus dem Amt gejagt hatte, verhinderten sie gemeinsame Aktionen der kampfbereiten Massen und lehnten alle Angebote der KPD zum gemeinsamen Handeln ab.

Staatsstreich 1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Unter den proletarischen Mitgliedermassen der SPD breitete sich die Enttäuschung über das Verhalten ihrer Führer weiter aus. Gegen den Willen der rechten Führung der Sozialdemokratie kam es in vielen Orten zu einheitlichen Aktionen von Kommunisten und Sozialdemokraten.

Im Frühjahr 1932 verschärfte sich der faschistische Terror. Im Mai gingen die Naziabgeordneten im Preußischen Landtag mit Schlagringen und Messern gegen Wilhelm Pieck und andere kommunistische Abgeordnete vor. Am 17. Juli wurden beim „Altonaer Blutsonntag“ 18 Arbeiter ermordet.

Angesichts der immer offener zutage tretenden Diktaturpolitik der deutschen Imperialisten und Militaristen sowie des faschistischen Terrors einerseits und des wachsenden Einheitswillens der Arbeiterklasse andererseits, proklamierte die KPD im Mai 1932 die Antifaschistische Aktion.

Aufruf ZK KPD 1932 1Aufruf ZK KPD 1932 2Quellenangabe Aufruf ZK KPD 1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Antifaschistischer Einheitskongress

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ernst Thälmann antifaschistische Aktion 1Ernst Thälmann antifaschistische Aktion 2Ernst Thälmann antifaschistische Aktion Quellenangabe

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im Zeichen der Antifaschistischen Aktion fanden in den folgenden Monaten große Massenaktionen gegen die faschistische Gefahr statt. Die Streikkämpfe gegen die Notverordnungen der Papenregierung m Herbst 1932 stärkten die Antifaschistische Aktion in den Betrieben. Der Höhepunkt der Streikwelle war der von der KPD-Organisation in Berlin unter Leitung von Walter Ulbricht geführte Streik der 22 000 Berliner Verkehrsarbeiter. Diese kämpften geschlossen gegen den Lohnabbau und wurden von anderen Betriebsbelegschaften, Erwerbslosen, Angestellten und Kleingewerbetreibenden solidarisch unterstützt.

Der BVG-Streik und die großen Massendemonstrationen im Januar 1933 zeigten die Kampfbereitschaft der Massen und den schnell wachsenden Einfluss der KPD.

BVG-Streik 1932Quellenangabe BVG-Streik 1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text:

Programm KPD und Kampf um Aktionseinheit der Arbeiterklasse

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskriese auf Deutschland

Die Auswirkungen der Krise auf die deutsche Wirtschaft und die Verschärfung des Klassenkampfes

Deutschland wurde neben den USA von der Weltwirtschaftskrise (mehr dazu in der nächsten Ausgabe DIE TROMMLER)am heftigsten erfasst. Die engen Bindungen des deutschen Monopolkapitals an die westlichen Imperialisten, besonders an die USA-Monopole, bewirkten in Deutschland verheerende Folgen.

Die Krise begann in der Investitionsgüterindustrie, griff 1930 auf die Zweige der Schwerindustrie über und führte zum Bankrott einiger Banken. Produktion und Außenhandel sanken schnell ab, und nur noch ein kleiner Teil der Produktionskapazität konnte ausgenützt werden.  Die wirtschaftliche Lage wurde durch die Reparationszahlungen, die Deutschland zu leisten hatte, noch verschlechtert.

Die Behauptung der rechten sozialdemokratischen Führer, der Kapitalismus werde sich krisenfrei weiterentwickeln, entlarvte sich als Irrlehre.

Die Monopole wälzten die Lasten der Krise auf die Werktätigen(arbeitende Menschen)ab, deren Lebenslage immer schlechter wurde. Zahlreiche Fabriken schränkten die Produktion ein oder legten sie still. Dadurch stieg die Arbeitslosigkeit schnell an. 1932 gab es in Deutschland über 8 Millionen Erwerbslose und viele Millionen Kurzarbeiter.

Arbeitssuchende Berliner Arbeitsamt

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ansteigen Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit 1928-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

60 000 mittlere und kleinere Betriebe brachen zusammen. Mit Hilfe von Krediten und mit Unterstützung des Staates kauften die Monopole viele dieser bankrotten Betriebe auf und stärkten dadurch ihre wirtschaftliche Macht.

Die Lage der Gewerbetreibenden und werktätigen Bauern verschlechterte sich ebenfalls rapide. Die Bauern konnten immer weniger landwirtschaftliche Produkte verkaufen und verschuldeten. Durch Zwangsversteigerungen verloren allein im Jahre 1930 20 000 Klein- und Mittelbauern ihre Höfe.

Erntepfändung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Krise in der Landwirtschaft(Agrarkrise)wirkte ihrerseits verschärfend auf die Krise anderer Teile der Wirtschaft.

Durch die wachsende Notlage und die immer neuen Angriffe des Monopolkapitals auf die Lebenslage der Werktätigen(arbeitende Menschen)verschärfte sich der Klassenkampf.

Obdachlose auf Treppen der Berliner Volksbühne

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In vielen Demonstrationen und Streiks der Arbeiter und Erwerbslosen wehrten sich die Unterdrückten gegen die Unternehmerangriffe und die staatlichen Verordnungen zur Senkung der Löhne und Unterstützungen. Während die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer sich immer wieder bemühten, die wachsende revolutionäre Bewegung einzudämmen, stand die Kommunistische Partei an der Spitze der Aktionen der Werktätigen(arbeitenden Menschen). Sie lehrte die Massen, dass das Proletariat nur durch aktiven Massenkampf seine elementarsten Lebensrechte verteidigen kann und damit zugleich die Lebensinteressen des gesamten Volkes vertritt.

Streiks 1930-31

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Demo im Mansfelder Revier

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der weitere Abbau der Demokratie durch die Monopolbourgeoisie

Angesichts des wachsenden Kampfes der Arbeiter gegen die Verelendungs- und Unterdrückungsmaßnahmen war die Monopolbourgeoisie nicht mehr in der Lage, ihre Politik mit dem bürgerlichen Parlamentarismus durchzusetzen. Zur Verwirklichung ihrer Revanche- und Expansionsziele orientierten sich die reaktionärsten Kräfte des deutschen Monopolkapitals auf die völlige Beseitigung der bürgerlichen Demokratie und die Errichtung einer brutalen Terrorherrschaft. Mit der Regierung des Zentrumpolitikers Brüning, die am März 1930 regierte, wurden zunächst Präsidialkabinette eingesetzt, die nur auf dem „Vertrauen des Reichspräsidenten“ und nicht auf dem des Reichstags beruhten. Sie reagierten mit Notverordnungen. Diese waren nicht an die Zustimmung des Reichstages gebunden, sondern wurden auf Grund des Artikels 48 der Weimarer Verfassung allein vom Reichspräsidenten verordnet. Die erste Notverordnung erschien im Juli 1930. Sie brachte Gehaltssenkungen für Angestellte und Beamte, eine Verminderung der Steuern für Unternehmer um insgesamt 1,4 Millionen Mark und die Erhöhung der Steuern für die Werktätigen(arbeitende Menschen)um 10 Prozent. Gleichzeitig wurde der Reichstag aufgelöst, weil sich seine Mehrheit gegen dies Verordnung ausgesprochen hatte.

Reichstag wird eingesargt

Fotomontage von John Heartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eine weitere Notverordnung war das „Osthilfegesetz“, durch das die Junker über 4 Milliarden Mark Staatsgelder erhielten.

Entwicklung Notverordnungspolitik 1930-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit diesen Notverordnungen und anderen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen bereiteten sich die Regierung Brüning und die ihr 1932 folgende Papenregierung den Übergang von der bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsform zur offenen faschistischen Diktatur vor.

 

Die Nazibewegung als neue Massenpartei für die reaktionärsten Kreise der Monopolbourgeoisie

Zur Errichtung eines offenen, brutalen Terrorregimes brauchten die Imperialisten ein Werkzeug, eine Partei, die die Massen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)spalten und irreführend sollte. Für dies Aufgabe förderten die reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals , vor allem in den Jahren der Krise, die von Hitler geführte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei(NSDAP), wie sie sich zur Täuschung der Volksmassen nannte. In ihrem Programm verkündete sie, dass Deutschland im Osten „Lebensraum“ erobern und darum Krieg führen müsse. Zugleich forderte sie die Revision der Westgrenzen. Als ihre Hauptaufgabe bezeichneten die Nazis, den Kommunismus auszurotten. Diese Zielstellung entsprach am meisten der imperialistischen Machtpolitik der deutschen Monopolbourgeoisie.

Die am schwersten von der Krise betroffenen Teile des Monopolkapitals, besonders Vertreter der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, drängten am heftigsten zum Faschismus. Seit 1930 führten die Kohlekonzerne jährlich über 6 Millionen Mark an die Nazi-Partei ab. Stahlkönig Thyssen fianzierte den Kauf des „Braunen Hauses“, des Parteihauses der Nazis, in München. Aber auch ausländische Imperialisten, wie Henry Ford, Henry Deterding, Ivar Kreuger und der Shell-Konzern, waren an der Finanzierung der Nazipartei beteiligt. Dies ermöglichte es den Faschisten, Terrorbanden, die SA und SS aufzustellen und zu bewaffnen, Versammlungen und Aufmärsche zu organisieren.

Aufmarsch SA Braunschweig 1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Hauptmethode der Politik und Propaganda der faschistischen Partei waren der Antikommunismus und die soziale und chauvinistische Demagogie, lügenhafte Versprechungen zur Irreführung der Volksmassen, die man die zu halten gedachte. Das falsche Versprechen begann bereits beim Namen der Partei. Die Faschisten wussten, dass die Idee des Sozialismus in der Arbeiterklasse verwurzelt und auch das Lebensziel anderer Werktätiger(arbeitender Menschen)war. Deshalb missbrauchten die Faschisten den Begriff Sozialismus und bezeichneten ihr Ziel, die Errichtung einer faschistischen Diktatur, als „nationale Revolution“.

Auch heutzutage, wie auch in der alten BRD spricht man in der offiziellen Geschichtsschreibung vom Nationalsozialismus und bezeichnet die Nazis nicht als Faschisten, sondern als Nationalsozialisten. Das kommt daher, das nun der Faschismus mit dem Sozialismus geleichgestellt wird. Das entspricht der antikommunistischen Propaganda.

Den Arbeitern versprachen die Nazis Arbeit und Brot und die Verstaatlichung  der Monopole, den Bauern eine Bodenreform, den Kaufleuten und Handwerkern eine gesicherte Existenz. Ihre monopolkapitalistischen Auftraggeber wussten, dass dies nur demagogische Versprechungen waren.

Interview New York Times zu NSDAP 1930

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als sich 1931 die wirtschaftliche Lage zuspitzte und sich der Klassenkampf verstärkte, bemühten sich einzelne Kreise des deutschen Finanzkapitals immer nachdrücklicher um eine Vereinigung aller reaktionären Kräfte, einschließlich der Faschisten, zum Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und zur Durchsetzung ihrer aggressiven imperialistischen Ziele. Im Oktober 1931 bildeten diese ärgsten Feinde des deutschen Volkes die Harzburger Front.

Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Entschließung Harzburger Front 1931Quellenangabe Entschließung Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze innerhalb des Monopolkapitals waren die Ursache dafür, dass zunächst nur ein Teil die Nazipartei unterstützte. Nachdem Hitler am 27. Januar 1932 vor führenden Monopolvertretern in Düsseldorf, darunter Krupp, Borsig, Duisberg, Flick, und Vögler, sein Programm zur Unterdrückung der revolutionären Kräfte und zur Führung eines Eroberungsfeldzuges erläutert hatte, flossen neue Gelder von den Industriellen in die Kassen der Nazipartei.

Hitler und Göring im Industrieclub Düsseldorf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In der alten BRD war es tabu die Finanzierung  der Nazi-Partei durch Großkapitalisten zu benennen. Auch heute wird das nur in Spezialpublikationen zur Sprache gebracht.

In den Wahlen im Juli 1932 wurde die NSDAP zur stärksten Partei im Reichstag und Göring Reichstagspräsident.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text:

Auswirkungen Weltwirtschaftskrise Deutschland

 

Die militärischen Rüstungsmaßnahmen, die ideologische Kriegsvorbereitung der deutschen Imperialisten und die Haltung der rechten Führer der Sozialdemokratie

Aufrüstung und Militarisierung

Das Streben der deutschen Monopolbourgeoisie und der Reichsregierung nach Wiedererlangung der Gebiete, die im imperialistischen Weltkrieg verloren gegangen waren, veranlasste die Herrschenden zu einem systematischen Ausbau des Militarismus. Um den Status quo auf imperialistische Weise zu verändern, das heißt, die Revision der Grenzen letztlich durch Androhung oder Anwendung militärischer Gewalt zu erreichen, wurden viele geheime Aufrüstungsmaßnahmen durchgeführt.

Die Reichwehrführung konzentrierte sich darauf, soviel Kader(Personal) wie möglich für die zukünftige Aggressionsarmee heranzubilden. Die Rüstungsindustriellen arbeiteten systematisch an der Entwicklung neuer Waffentypen.

Krupp 1943 1Krupp 1943 2Quellenangabe Krupp 1943

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um die geheimen Aufrüstungsmaßnahmen aus dem Staatshaushalt finanzieren zu können, fälschte die Reichsregierung die Haushaltspläne. Aus ihnen wurden von 1926 bis 1928 159 Millionen Mark für illegale Rüstung abgezweigt. 1928 billigte die Reichsregierung neben dem offiziellen Wehrhaushalt für das Jahr 1929/30 direkt einen illegalen Rüstungsetat von 78 Millionen Mark. Außerdem nutzte die Regierung alle noch vorhandenen Möglichkeiten für legale Aufrüstungsmaßnahmen. So stimmten im Sommer 1928 bürgerliche und sozialdemokratische Minister für die Finanzierung des Baues eines Panzerkreuzers.

Reichswehrminister 1928 1Reichswehrminister 1928 2Quellenangabe Reichswehrminister 1928

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Panzerkreuzer A 1928-1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Parallel zu diesen materiellen Rüstungen wurde versucht, das Bewusstsein der Werktätigen(arbeitenden Menschen)mit militaristischen Denk- und Verhaltensweisen zu zersetzen und das Volk geistig auf den Revanchekurs einzustellen. Die Monopolbourgeoisie setzte für diesen Klassenkampf im ideologischen Bereich einen riesigen Beeinflussungsapparat ein. Sein Zentrum war der Konzern des ehemaligen Kruppdirektors und Militaristen Hugenberg. Der damalige Hugenberg-Konzern ist  mit dem Springer-Verlag der alten und der heutigen (Groß-)BRD sowie der anderen großen Medien-Konzerne vergleichbar. Damals gab es kein Fernsehen und das Radio war erst in den Anfängen und noch nicht so weit verbreitet. Das Radio machten sich später die Faschisten zunutze. Darum ist die Beeinflussung durch die großen Medien noch gravierender, als damals.

Struktur Hugenbergkonzern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Mit Hilfe ihres großen Beeinflussungsapparates verbreiteten die Rüstungs- und Kriegsinteressenten vor allem das Gift des Chauvinismus. Das heißt jene reaktionäre bürgerliche Ideologie und Politik, die darauf berechnet ist, andere Völker zu unterjochen, Völkerfeindschaft und nationalen Hass zu entfachen sowie die antimilitaristischen und fortschrittlichen Kräfte des eigenen  Volkes zu unterdrücken. Er wurde besonders mit der Lüge vom „Volk ohne Raum“ verbunden. Obwohl es längst unbestreitbar feststand, dass der Lebensstandard der Völker keineswegs vorrangig von der Bevölkerungsdichte des zur Verfügung stehenden Territoriums abhängig ist, behauptete die chauvinistische Propaganda unentwegt: Die Deutschen könnten in den Grenzen von 1918 nicht zu Wohlstand gelangen, sie brauchten mehr Lebensraum, der im Osten erobert werden müsse. Gleichzeitig wurde die Auffassung verbreitet, Deutschland werde diesen Eroberungszug unbedingt gewinnen; denn seine Soldaten und Heerführer seien die besten der Welt. Überhaupt hätte Deutschland schon im Weltkrieg(I. Weltkrieg)gesiegt, wenn nicht in der „Heimat“ die „Spartakisten“ der „unbesiegbaren Armee in den Rücken gefallen“ wären. So und in mannigfaltiger Weise wurden Chauvinismus und Revanchismus auch mit der Grundtendenz der gesamten imperialistischen Ideologie und Politik, mit dem Antikommunismus, verbunden. Er diente der Monopolbourgeoisie und den Militaristen als ideologische Hauptwaffe für die psychologische Verbreitung der Unterdrückung und Verfolgung der Kommunisten sowie aller anderen aktiven Friedenskämpfer und zu Rechtfertigung der aggressiven Pläne gegenüber der Sowjetunion. Militaristische Schriftsteller glorifizierten und rechtfertigten zudem in millionenfach verbreiteten Büchern den imperialistischen Krieg.

Kriegsverherrlichung Ernst Jünger 1Kriegsverherrlichung Ernst Jünger 2Quellenangabe Kriegsverherrlichung Ernst Jünger

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Hilfestellung der rechten sozialdemokratischen Führer beim Wiedererstarken des deutschen Imperialismus und Militarismus

 

Während die Weimarer Republik sich immer augenscheinlicher als politisches Machtinstrument der Monopolherren und Militaristen enthüllte, nährten rechte sozialdemokratische Führer in der Arbeiterklasse die Illusion, dass der Staat über den Klassen stehe und dass die Arbeiterklasse durch Wahlen und Koalitionen mit bürgerlichen Parteien maßgeblichen Einfluss auf den Staat ausüben könnte. Diese Behauptung ist uns auch heutzutage wohlbekannt. In der alten BRD wurde das in der Schule eingetrichtert. Das hat sich wohl heute nicht geändert, bzw. auf dem Gebiet der heutigen neuen Bundesländer wird dies wieder seit 1990 den Schülerinnen und Schülern eingetrichtert und der Bevölkerung allgemein wird diese Illusion als wahr „verkauft“.

Die Besetzung staatlicher Ämter mit sozialdemokratischen Funktionären wurde als Beteiligung der Arbeiterklasse an der Macht ausgegeben. Fortschreitende Monopolisierung und verschiedene staatsmonopolistische Maßnahmen wurden in der Propaganda der Sozialdemokratie als Übergang zu einem „organisierten Kapitalismus“ dargestellt, in dem die kapitalistische Anarchie eingeschränkt sei. Solcherlei wurde weiterhin in der alten BRD, wie auch heute in der (Groß-)BRD der Bevölkerung erzählt. Auch ehrliche Sozialdemokraten, die sich wirklich für die Belange der „kleinen Leute“ einsetzen, glauben fest an diese Illusion und werden von ihren Führern „verheizt“. Die rechten Führer der SPD erzogen die sozialdemokratischen Arbeiter nach wie vor in dem Glauben, dass es ihnen möglich sein werde, im Rahmen des bestehenden Staates sozialistische Ziele zu erreichen. Diese Illusionen hielten große Teile der Arbeiterklasse vom Kampf gegen Imperialismus und Militarismus ab. Auch das wurde nahtlos in der alten BRD fortgeführt. Auch in der heutigen (Groß-)BRD geht es unverändert so weiter.

Doch die SPD-Führung förderte das Wiedererstarken des ärgsten Feindes des deutschen Volkes nicht nur indirekt, sondern auch direkt. Rechte sozialdemokratische Politiker arbeiteten mit jenen staatlichen Stellen Hand in Hand, die die geheime Aufrüstung organisierten und finanzierten. Es war ein sozialdemokratischer Berichterstatter der Staatshaushaltskommission im Reichsparlament, der gemeinsam mit einem Vertreter der Zentrumspartei(Vorgängerpartei der CDU)der Volksvertretung jene wissentlich gefälschten Haushaltspläne vorlegte, aus denen die Millionen Mark für die illegale Aufrüstung abgezweigt wurden. Es war ein Sozialdemokrat, Reichskanzler Hermann Müller, der unter Ausschaltung des Reichstages neben dem offiziellen Wehretat einen illegalen Rüstungshaushalt schuf. Und es waren SPD-Führer, die durch antikommunistische und chauvinistische Erklärungen halfen den Nährboden für das Anwachsen militärischer Ideologie zu bereiten.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text

Rüstungsmaßnahmen und ideologische Kriegsvorbereitung

 

 

Die weiteren Klassenschlachten zwischen der Arbeiterklasse und den Imperialisten in Deutschland bis 1923

Die Abwälzung der Kosten und Folgen des Krieges auf die Volksmassen

Nach dem Scheitern des Versuchs der Kapp-Putschisten, eine offene Militärdiktatur der aggressivsten Kreis des Imperialismus zu errichten, konzentrierten sich alle führenden Gruppen der Monopolbourgeoisie ganz auf den schrittweisen Abbau der sozialen und demokratischen Rechte der Werkstätigen.(arbeitenden Menschen)

Vor allem wälzten die Monopolherren mit Hilfe einer beschleunigten Geldentwertung die Folgen des imperialistischen Krieges rücksichtslos auf die Werktätigen ab. Die Reichsbank ließ unaufhörlich zusätzliches Papiergeld drucken und in Umlauf bringen. Diese ständige Vermehrung des Papiergeldes bei gleichzeitig verringertem Warenangebot bewirkte eine unerhörte Entwertung der Mark, das heißt, eine rasch fortschreitende Inflation.

Geldentwertung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Den Konzernherren brachte die Inflation überdurchschnittliche Profite, weil die Löhne der Arbeiter bei der raschen Geldentwertung immer weit hinter den emporschnellenden Preisen zurückblieben. Setzten die Werktätigen Lohnerhöhungen durch, waren diese innerhalb weniger Tage durch die unaufhörlich steigenden Preise entwertet. Eben ausgezahlte Löhne schrumpften im Sommer 1923 im Verlauf von einigen Tagen und im Herbst 1923 in wenigen Stunden auf einen Bruchteil der ursprünglichen Kaufkraft zusammen. Die Inflation drückte den Reallohn der deutschen Arbeiter in der zweiten Hälfte des Jahres 1923 auf ein Drittel unter den Vorkriegsstand. Gleichzeitig gewährte die Reichsbank den einflussreichen Konzernherren Kredite, Sie kauften damit  sofort Devisen, Betriebe oder Sachwerte und zahlten den Kredit nach einiger Zeit mit inzwischen weitgehend entwertetem  Papiergeld zurück. Die Macht der Monopolkapitalisten wuchs. Allein der „König der Inflation“, Hugo Stinnes, raffte 1923 nicht weniger als 1664 Unternehmungen mit 2890 Betrieben zusammen.

Wochenlohn Maurer von damals

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Für die Volksmassen aber beschwor die Geldentwertung Elend und Not herauf. Für Millionen Werktätige begannen furchtbare Hungerjahre.

Hungernde Kinder

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Heutzutage ist es verboten im Müll von Supermärkten u.ä. nach Essbarem zu suchen und zu entnehmen. Das gilt als Diebstahl.

Zahlen zu Inflation

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Gesicht herrschende Klasse

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Schwer litten auch die Mittelschichten.

Ruinierter Einzelhändler

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ihre Sparguthaben, die sie in Jahrzehnten mühsam zusammengetragen hatten, verwandelten sich im Zuge der Inflation in fast wertloses Papiergeld.

Inflationsgeld

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auch die Wertpapiere, die Werktätige nach 1914 als Kriegsanleihen erworben hatten, verwandelten sich in wertlose Papierstücke. Denn die Regierung zahlte nur in entwertetem Papiergeld zurück. So machte sich der imperialistische Staat weitgehend auf Kosten des städtischen und ländlichen Kleinbürgertums schuldenfrei.

So stießen die monopolkapitalistischen Förderer und Nutznießer der Inflation breite Schichten des deutschen Volkes in ein Elend, wie es mancher Werktätige selbst in schlimmsten Zeiten des Krieges nicht gekannt hatte.

 

Die wichtigsten Klassenkämpfe 1921 bis 1923 im Überblick

Nach der Niederschlagung des Kapp-Putsches führte die zunehmende Verschärfung der Klassengegensätze und die Politik der KPD zu einem Ruck nach links in der Arbeiterklasse und zu einem neuen Aufschwung der Klassenkämpfe in Deutschland. Erbittert über das Paktieren der rechten SPD-Führer mit den Imperialisten und Militaristen, wandten sich im März 1920 viele Anhänger der Sozialdemokratie der USPD zu. Innerhalb dieser Partei entstand wiederum ein starker linker Flügel, der von Ernst Thälmann(Hamburg), Wilhelm Florin und Walter Stoecker(Ruhrgebiet), Wilhelm Koenen(Mitteldeutschland) und anderen geführt wurde. Viele Mitglieder der USPD hatten im März 1920 die Erfahrung gemacht, dass nur die KPD konsequent die Lebensinteressen der Werktätigen vertrat. Deshalb setzte sich der linke Flügel der USPD für den Anschluss an die Kommunistische Internationale und für die Vereinigung mit der Kommunistischen Partei Deutschlands ein.

Im Oktober 1920 tagte in Halle ein außerordentlicher Parteitag der USPD. Er beschloss mit 237 gegen 156 Stimmen den Anschluss an die Kommunistische Internationale. Die rechte Minderheit spaltete daraufhin die Partei. Die linke Mehrheit bildete gemeinsam mit der KPD eine provisorische Zentrale zur Vorbereitung des Zusammenschlusses. Anfang Dezember 1920 fand in Berlin der Parteitag statt, auf dem die Vereinigung des revolutionären Flügels der USPD mit der KPD vollzogen wurde. Somit schlossen sich in Deutschland die revolutionären proletarischen Kräfte zu einer einheitlichen Partei zusammen. Die KPD war zur revolutionären Massenpartei der deutschen Arbeiterklasse geworden. Den wachsenden Einfluss der KPD auf die Werktätigen versuchte die Monopolbourgeoisie durch Provokation aufzuhalten. In Mitteldeutschland, wo die KPD besonders stark war, wurde auf Befehl des sozialdemokratischen Oberpräsidenten der Provinz Sachsen „eine Polizeiaktion zur Herstellung der Staatsautorität“ im mitteldeutschen Industrierevier eingeleitet. Am 19. März 1921 besetzten schwerbewaffnete Verbände der Schutzpolizei Ammendorf, Eisleben, Hettstedt, Merseburg und andere Orte. Dadurch sollte das mitteldeutsche Industrieproletariat niedergeschlagen und kampfunfähig gemacht werden, um dann einen allgemeinen Angriff einleiten zu können. Die Arbeiter des Mansfelder Gebietes und des Leunawerkes antworteten mit Generalstreik und bewaffneten Abwehraktionen. Jedoch das heroisch kämpfende Proletariat erlitt eine Niederlage, weil die Voraussetzungen für einen bewaffneten Kampf der Arbeiterklasse in Deutschland fehlten.

Niederlage der Arbeiter

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im Sommer 1922 löste ein politischer Mord der Militaristen einen gewaltigen Proteststurm der Werktätigen in ganz Deutschland aus. Am 24. Juni hatten Angehörige einer militaristischen Geheimorganisation den deutschen Außenminister und Unterzeichner des Rapallovertrages, Rathenau, auf offener Straße niedergeschossen. Daraufhin forderten Arbeiter und Angestellte, Angehörige der Intelligenz und des demokratisch gesinnten Bürgertums energische Maßnahmen gegen die von Konzernherren mitfinanzierten militaristischen Mordorganisationen. Die Mehrheit des werktätigen Volkes war bereit, den Kampf gegen die konterrevolutionären Kräfte aufzunehmen. Auf Drängen der Kommunisten kam es am 27. Juli 1922 zum Abschluss eines Abkommens der drei Arbeiterparteien und der Gewerkschaften zur Verteidigung der Grundrechte der Arbeiter. Jedoch die reformistischen Arbeiterführer sprengten schon Anfang Juli die einheitliche Kampffront, als in ganz Deutschland erneut riesige Demonstrationen und Warnstreiks aufflammten. Wieder wurden Mitglieder und Anhänger der Sozialdemokratie mit Versprechungen von verschiedenen Aktionen abgehalten. Die KPD allein war nicht in der Lage, diese Kämpfe zum Erfolg zu führen.

1923 kam es zu einem neuen großen Aufschwung des Klassenkampfes in Deutschland, als das ringen deutscher und französischer Imperialisten um die ökonomische Vorherrschaft in Europa den Ruhrkonflikt auslöste. Die französischen Schwerindustriellen forderten die Bildung eines lothringisch-rheinisch-westfälischen Berg- und Hüttenwerkstrusts, in dem die französischen Konzernherren über 60 Prozent, die deutschen lediglich über 40 Prozent des Aktienkapitals verfügen sollten. Für den Fall der Ablehnung dieser Forderung wurde den Ruhrindustriellen die Anwendung militärischer Gewalt angedroht. Die deutschen Schwerindustriellen verlangten aber mindestens eine Beteiligung von 50 Prozent. Der Kampf um den Macht- und Profitanteil an dem geplanten Riesentrust wurde zum Kernpunkt des Ruhrkonflikts im Jahre 1923. Die deutschen Monopolherren fühlten sich bereits wieder stark genug, den Kampf mit dem französischen Imperialismus aufzunehmen. Die rechneten damit, die Macht der französischen Rivalen durch eine Unterbrechung der Kohlenlieferungen und durch Ausnutzung der Widersprüche zwischen den Siegermächten zurückzudrängen.

Franzosen besetzen Ruhrgebiet

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die deutsche Regierung, mit dem Monopolkapitalisten Cuno als Reichskanzler, verzögerte die Lieferung fälliger Reparationsleistungen und gab damit den französischen Imperialisten einen willkommenen Vorwand zum Einmarsch in das Ruhrrevier. Mitte Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen zwei Drittel des rheinisch-westfälischen Industriereviers. Das steigerte die Zerrüttung der Wirtschaft Deutschlands außerordentlich. Denn auf das besetzte Gebiet entfielen 72 Prozent der deutschen Steinkohlenförderung, 54 Prozent der Roheisen- und 53 Prozent der Stahlgewinnung. Die Regierung Cuno verpflichtete alle Deutschen, den Anordnungen der Besatzungsbehörden keine Folge zu leisten. Gleichzeitig förderte sie insgeheim Terror- und Sabotageakte gegen die Besatzer. Diese Politik zielte darauf, den Ruhrkonflikt schnell zuzuspitzen, um England und die USA – die beide nicht am französischen Vormachtstreben interessiert waren – zu raschem Eingreifen zugunsten Deutschlands zu veranlassen.

Die Auswirkungen dieser abenteuerlichen Außenpolitik und der Inflation riefen in breiten Schichten des werktätigen Volkes tiefen Hass gegen das menschenfeindliche System des Kapitalismus hervor. Es entwickelte sich eine starke Massenbewegung. Organisiert und zusammengefasst von der KPD richtete sich diese Bewegung der Volksmassen im Sommer 1923 immer stärker gegen die imperialistische Cuno-Regierung.

DIE ROTE FAHNE

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 11. August 1923 beschlossen Berliner Betriebsräte auf einer Massenversammlung den politischen Generalstreik gegen die Cuno-Regierung. Die KPD rief zur Ausdehnung dieses Generalstreiks auf ganz Deutschland auf. Die einheitlich handelnde Arbeiterklasse stürzte durch diesen Streik im August 1923 die Cuno-Regierung. In dieser Situation, in der die deutschen Imperialisten um den Bestand ihrer Herrschaft bangten, sprangen ihnen wiederum die rechten Führer der SPD als Nothelfer zur Seite. Stresemann – ein politischer Vertreter des Monopolkapitals – bildete mit ihnen eine Regierung der Großen Koalition. Die beschwichtigte zeitweilig große Teile der Arbeiterklasse.

Doch die Krise des imperialistischen Herrschaftssystems wuchs, als sich im Oktober 1923 in Sachsen und Thüringen rechtmäßig sozialdemokratisch-kommunistische Koalitionsregierungen bildeten, die Arbeiterregierungen genannt wurden. Die Reichsregierung setzte daraufhin widerrechtlich Reichswehr in Marsch, um die Arbeiterregierungen zu beseitigen. Die Zentrale der KPD beschloss am 20. Oktober, diesem Akt reaktionärer Gewalt mit Generalstreik und bewaffnetem Aufstand u begegnen. Aber auf der darauffolgenden Konferenz der sächsischen Arbeiterregierung mit Vertretern der Betriebsräte und Gewerkschaften in Chemnitz(zur DDR-Zeit Karl-Marx-Stadt), wo nach dem Plan der Zentrale der KPD der Generalstreik ausgerufen werden sollte, wurde unter dem Einfluss zaudernder linker sozialdemokratischer Führer diese Entscheidung hinausgeschoben. Deshalb war die Zentrale der KPD gezwungen ihren Beschluss vom 20. Oktober über den Generalstreik und bewaffneten Aufstand kurzfristig aufzuheben.

Revolutionäre Kämpfe Deutschland 1923

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In Unkenntnis dieser Sachlage löste die Hamburger Parteiorganisation am 23. Oktober 1923 gemäß den zuvor gefassten Parteibeschlüssen in Hamburg den bewaffneten Aufstand aus, um Teile der Reichswehr vom Einmarsch in Sachsen und Thüringen abzulenken und um die deutsche Arbeiterklasse mit bespielgebender Tat zu einer allgemeinen Erhebung anzuspornen. Eine hervorragende Rolle spielte hier Ernst Thälmann. Als sich herausstellte, dass der Aufstand von den Arbeitern anderer Teile Deutschlands nicht unterstützt wurde, traten die Hamburger Oktoberkämpfer den geordneten Rückzug an.

Am 29. Oktober 1923 besetzte die Reichswehr die Ministerien in Dresden. Reichspräsident Ebert setzte die sächsische sozialdemokratisch-kommunistische Koalitionsregierung ab. Die Arbeiterregierung in Thüringen wurde gleichfalls zerschlagen. Der Chef der Reichswehr verbot die KPD. Es herrschten Ausnahmezustand und Terror.

Die Klassenkämpfe der Periode der revolutionären Nachkriegskrise endeten mit einer Niederlage der deutschen Arbeiterklasse. Sie vermochte ihr Ziel, die Einschränkung und Brechung der Macht der Monopole und den Ausbau der sozialen und politischen Errungenschaften der Werktätigen, trotz heldenhafter Anstrengungen nicht zu verwirklichen. Der deutschen Monopolbourgeoisie gelang es, sich mit Hilfe der rechten Sozialdemokratie einen Ausweg aus der tiefen Krise der imperialistischen Staatsmacht zu bahnen. Dennoch waren die großen Klassenkämpfe des Proletariats nicht vergeblich gewesen. Sie hatten es den aggressivsten Kräften des deutschen Imperialismus unmöglich gemacht, die von Cuno, Stinnes und anderen angestrebte offene Diktatur des Monopolkapitals zu errichten.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text

Weitere Klassenschlachten bis 1923

 

 

 

 

 

 

 

Das Wiedererstarken des deutschen Imperialismus

Der Dawesplan

Im Jahre 1924 berieten Sachverständigenausschüsse, die unter amerikanischem Druck von der Reparationskommission eingesetzt worden waren, wie Deutschland und seine im Versailler Vertrag festgelegte Verpflichtung, den Siegermächten, den Siegermächten Reparationen zu zahlen, in den kommenden Jahren erfüllen sollte. Der Dawesplan verpflichtete Deutschland, 1924/25 1 Milliarde Goldmark als Reparationszahlung aufzubringen, in den folgenden Jahren gestaffelt steigende Raten und von 1928/29 an bis auf eine noch unbestimmte Zeit jährlich mindestens 2,5 Milliarden Mark zu zahlen. Diese Summen sollten hauptsächlich aus den Mitteln des Staatshaushalts(unter anderem aus Zöllen und Steuern auf Lebens- und Genussmittel)aufgebracht werden. Zur Gewährleistung dieser Zahlungen errichteten die Siegermächte eine Kontrolle über die Reichsbank, die Reichsbahn und über einen bedeutenden Teil des Staatshaushaltes. Somit beschnitten sie die Souveränität Deutschlands über des im Versailler Vertrag vorgesehene Maß hinaus. Deutschland erhielt zur Stabilisierung seiner Währung eine Anleihe von 800 Millionen Goldmark, hauptsächlich von amerikanischen und englischen Banken. Mit dem Dawesplan verwirklichte das amerikanische Finanzkapital seinen Anspruch auf die führende Rolle in Europa.

Führende Gruppen der deutschen Monopole und rechte Führer der Sozialdemokratie und Gewerkschaften priesen diesen Vorstoß des amerikanischen Imperialismus als „aufgehende Dollarsonne“, deren „Strahlen die deutsche Wirtschaft dauerhaft beleben“ werden.

Karikatur Dawesplan

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Grundlegend anders verhielt sich die KPD zu diesem imperialistischen Plan. Die bekämpfte ihn konsequent, weil sie erkannte, dass der Dawesplan die Grundlage war, auf der sich die ausländischen Imperialisten mit dem deutschen Imperialismus auf Kosten der deutschen Werktätigen(arbeitende Menschen)verständigten. Während die Hauptlast der Reparationen mit Hilfe von Steuern und Zöllen den Volksmassen aufgebürdet wurde, gewährten die staatlichen Behörden den Monopolherren etwa eine Milliarde Steuererleichterungen. (Diese Politik kommt uns bekannt vor.)Von den mehr als 32 Milliarden Mark ausländischer Anleihen, die nach Annahme des Dawesplans bis 1932 nach Deutschland flossen, wanderte der größte Teil in jene Konzerne, die für die Rüstung von entscheidender Bedeutung waren.

Mit Hilfe der ausländischen Anleihen und der Inflationsgewinne und Profite wurden die wichtigsten Industriezweige rasch rationalisiertDamit beschleunigte sich auch die  Konzentration der Produktion und des Kapitals in Deutschland.

1925 entstand in Deutschland der größte Chemietrust Europas, die „Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG“(IG Farben)mit 78 in- und ausländischen Betrieben, in denen 1929 etwa 120 000 Arbeiter beschäftigt waren. Der Trust beherrschte nahezu 100  Prozent der synthetischen Treibstoffproduktion, 80 Prozent der deutschen Farben- und Stickstoffproduktion, 40 Prozent der pharmazeutischen und 25 Prozent der Kunstseidenproduktion.

1926 schlossen sich rheinisch-westfälische monopolistische Bergbau- und Hüttenunternehmen zur „Vereinigten Stahlwerke Aktien-Gesellschaft“ zusammen. Sie beherrschte zwei Fünftel der Eisen- und Stahlproduktion und fast ein Viertel der gesamten Steinkohlenproduktion. In den Betrieben dieses riesigen Konzerns waren etwa 200 000 Arbeiter tätig.

Deutsche Wirtschaft 1927

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Finanzkapitalisten, die an der Spitze dieser Riesenmonopole standen, beherrschten nicht nur die Schlüsselpositionen der deutschen Wirtschaft, sondern bestimmten auch kraft ihrer gewaltigen ökonomischen Macht mehr denn je die Grundrichtung der Regierungspolitik. Das vollzog sich in dieser Periode hauptsächlich über das ständige Zusammenwirken von Unternehmerverbänden und Staatsapparat. In Deutschland verwirklichte nunmehr der Staat zum ersten Mal in einer Konjunkturperiode in breiterem Maße eine Reihe staatsmonopolistischer Aufgaben. (Siehe Beitrag, entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1985).So regulierte er den Strom der ausländischen Anleihen, den Export, die Steuer- und Lohnpolitik und die Sozialpolitik zugunsten der großen Monopole. Daran hat sich bis heute nichts geändert.  Während der vierzigjährigen Existenz der DDR (1949-1989)waren diese Zustände auf dem Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer beseitigt worden.  Seit 1990 geht es in ganz Deutschland unverändert weiter, wie es in den 1920er Jahren begann.

Unternehmen des Stinnes-Konzerns 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Folgen der Rationalisierung für die Werktätigen(arbeitenden Menschen) in Deutschland

Wie in allen imperialistischen Staaten kamen die Ergebnisse der Anstrengungen und Leistungen der Arbeiter und Angestellten im Prozess der kapitalistischen Rationalisierung auch in Deutschland in erster Linie und fast ausschließlich den Finanzkapitalisten zugute.

Profitentwicklung AEG 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Imperialisten nutzten die Rationalisierungsprofite unter anderem auch dazu aus, um Meister und Vorarbeiter durch einträgliche Löhne und andere Arbeitsbedingungen zu bestechen. Dadurch schuf sich die Monopolbourgeoisie erneut eine starke Oberschicht besser bezahlter Arbeiter, womit sie die Ausbreitung des Opportunismus und die Spaltung der Arbeiterklasse förderte.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine Ausnahme bildet das Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer während der 40jährigen Existenz der DDR(1949-1989). Heutzutage  ist es sogar noch schlimmer geworden, da nun der Einsatz von Leiharbeitern u.ä. hinzukommt, um die Arbeiterklasse weiterhin zu spalten und durch hohe Fluktuation ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das ist einer der Gründe, dass die Arbeiterklasse heutzutage politisch keine Rolle mehr spielt.

Das Lohnniveau der übergroßen Mehrheit aller Arbeiter und Angestellten blieb niedrig. Arbeiter in Berlin erhielten laut Ermittlung des Genfer Internationalen Arbeitsamtes kaum zwei Drittel des Durchschnittslohns der Londoner Arbeiter. Aber verglichen mit dem vorangegangen Elend der Inflationszeit war das dennoch eine bedeutende Verbesserung der Lebenslage der deutschen Arbeiter und Angestellten. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Mehrheit der Arbeiter noch 1927 zum Teil erheblich mehr als 48 Stunden in der Woche und bedeutend intensiver arbeiten musste.

Weil im Rahmen der kapitalistischen Rationalisierung auch die Arbeitsintensität außerordentlich gesteigert und das Arbeitstempo verschärft wurden, nahmen die Arbeitsunfälle zu. Im Zeitraum von 1924 bis 1928 stieg die Unfallhäufigkeit um etwa 90 Prozent. Heute gibt es zumindest Maßnahmen zur Unfallverhütung. In der DDR waren diese konsequenter, als in der Alt-BRD und im heutigen Deutschland.

Gleichzeitig verloren Hundertausende Arbeiter und Angestellte durch die Rationalisierung ihre Arbeitsplätze. Es entstand eine Ständige Arbeitslosenarmee. Ihr Vorhandensein nutzten die Kapitalisten, um sowohl die Arbeitsintensität noch weiter zu steigern als auch die Löhne der Beschäftigten noch mehr zu drücken. Mit Ausnahme der vierzigjährigen Existenz der DDR(1949-1989) auf dem Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer, hat sich bis heute nichts geändert. Hinzu ist der Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse(z.B. Leiharbeit) gekommen, um Löhne zu drücken und schlechtere Arbeitsbedingungen zu schaffen sowie die Arbeiterklasse zu spalten.

Entwicklung Arbeitslosigkeit in Deutschland 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Neben der ständigen Arbeitslosenarmee breitete sich außerdem das Übel der Kurzarbeit aus. Es brachte für Hunderttausende Arbeiter zwangsweise die Verkürzung des Normalarbeitstages auf wenige Stunden am Tag, verbunden mit dem entsprechenden Lohnausfall. Dieses verringerte Einkommen reichte nicht mehr, um den Lebensunterhalt dieser Arbeiterfamilien zu sichern. Heute gibt es zumindest die Regelung von Ausgleichszahlungen(Kurzarbeitergeld) seitens der Agentur für Arbeit(früher Arbeitsamt).

Entwicklung Kurzarbeit 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem ökonomischen Wiedererstarken des deutschen Imperialismus vollzog sich zugleich seine politische Festigung. Im Januar 1925 bildete der reaktionäre Politiker Luther eine Reichsregierung, der erstmalig Vertreter der extrem reaktionären Deutschnationalen  Volkspartei angehörten. Das war in der politischen Entwicklung ein bedeutender Ruck nach rechts.

In den Reichspräsidentenwahlen 1925 gelang es den Großindustriellen und Junkern außerdem, den Kriegsverbrecher Hindenburg auf den höchsten Posten der Republik zu setzen. Das verschaffte den Militaristen einen großen Einfluss im Staat. Denn der Reichspräsident berief die Regierung, hatte den Oberbefehl über die gesamten Streitkräfte, ernannte Offiziere und Reichsbeamte und verfügte vor allem über die außerordentlich großen Vollmachten, die ihm lauf Artikel der Weimarer Verfassung zustanden.

Artikel 48 Verfassung Weimarer RepublikQuellenangabe Artikel 48 Verfassung Weimarer Republik

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Er war faktisch(Faktisch=Den Tatsachen nach, in Wirklichkeit, auch wenn die Bestimmungen oder Gesetze es nicht vorsahen, bzw. vorsehen) auch dem Reichstag übergeordnet; denn er konnte ihn auflösen. Diese Machtfülle in der Hand eines geschworenen Feindes des Volkes war eine große Gefahr für das gesamte deutsche Volk.

 

Paul von Hindenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die revanchistische Zielsetzung des deutschen Imperialismus

Deutsche Monopolherren hatten bereits in den ersten Nachkriegsjahren vereinzelt Kriegszielforderungen für einen Revanchekrieg erhoben. Stinnes riet zum Beispiel im Januar 1923, dass ostoberschlesische und nordböhmische Industriegebiet in Besitz zu nehmen.

Entsprechend den Interessen der führenden Monopolgruppen formulierte Außenminister Stresemann 1925 ein gestaffeltes außenpolitisches Revancheprogramm.

Stresemanns ProgrammQuelle Stresemanns Programm

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Stresemann plante, mit Hilfe der Auslandsdeutschen an den Grenzen der Weimarer Republik im Baltikum und im Donauraum Stützpunkte für die Expansionspolitik des deutschen Imperialismus zu schaffen. Diese Politik zielte letztlich auf ein imperialistisches Großdeutschland, das in Europa die Vorherrschaft ausüben sollte. Außenminister Stresemann, der nach außen hin stets vorgab, die Veränderung der Grenzen auf „friedlichem Wege“ verwirklichen zu wollen, war sich dessen bewusst, dass Fragen der Grenzrevision letzten Endes immer….durch das Schwert entschieden werden“. Mit den Friedensphasen der in Deutschland regierenden imperialistischen Politiker sollte die Tatsache verschleiert werden, dass sich der deutsche Imperialismus die Voraussetzungen für ein „scharfes Schwert“ für die Veränderung des Status quo(Status quo=Lage, die in einem bestimmten Augenblick besteht)in Europa zu schaffen begann. Die Reichswehrführung plante zur Revision der Ostgrenze, entsprechend ihrer aggressiven Tradition, einen Blitzkrieg. In den Manövern des Jahres 1927 wurde diese Aggression mit den Reichswehrtruppen bereits geübt.

 

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

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Originaltext aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das wiederDas Wiedererstarken des deutschen Imperialismus

Leo Jogiches

Gastbeitrag von Wolfgang Müller

 

Vor 100 Jahren, am 10. März 1919, wurde mit Leo Jogiches, nur wenige Wochen nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, der dritte führende Kader der noch jungen, am Jahreswechsel 1918/19 gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), von der Reaktion ermordet. 

 

Leo Jogiches

Leo Jogiches auf einer Porträtkarte, die von der KPD nach seiner Ermordung verbreitet wurde

Bildquelle: „Junge Welt“

 

 

 

 

Wer war Leo Jogiches?

Leo Jogiches wurde am 17. Juli 1867, in Wilna (Vilnius) geboren. Wilna war zu jener Zeit eine jüdisch-polnisch geprägte Stadt im Westen des Zarenreichs, in der insbesondere eine auf die jiddische Sprache gestützte Hochkultur eines ihrer spezifischen Zentren gefunden hatte. Jogiches’ Familie galt als wohlhabend, zu Hause wurde russisch gesprochen, weniger gut beherrschte der junge Jogiches das Jiddische und Polnische. 

Frühzeitig kam er mit der revolutionären Bewegung in Berührung. Anfangs war er fasziniert von der Attentats-Ideologie der Narodnaja Wolja, wonach der getötete Zar auf direktem Weg das Fanal für den baldigen Untergang der Zarenherrschaft abgeben sollte. Doch die spätere Öffnung zur modernen Arbeiterbewegung machte ihn für immer immun gegen das verlockende Gift naiver Revolutionsromantik. Dem aus gesellschaftlichen Widersprüchen geschöpften Sprengstoff maß er ein ganz anderes Gewicht bei als der unmittelbar ausgeübten Gewalt.

Auf der Flucht vor politischer Verfolgung und bevorstehender Einberufung gelangte Jogiches nach Zürich, wo er Ende 1890 die polnische Studentin Rosalia Luksemburg traf. Sie verliebten sich und wurden Kampfgefährten. Von sei­nem Großvater hatte Jogiches 15000 Rubel geerbt. Von diesem Geld unter­stützte er ihr Studium und lebte mit ihr gemeinsam das Leben von Berufs­revolutionä­ren. Während der russischen Revolution 1905 brachten beide in Warschau die Zei­tung „Czerwony Sztandar“ (Rotes Banner) heraus. Die Niederlage der Revolution trieb beide nach Deutschland, wo die Sozialdemokratie großen Einfluss hatte.

Mit dem Verrat der Sozialdemokratie an der Arbeiterklasse und ihrem Übergang ins Lager des deutschen Imperialismus zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914, wurde Leo Jogiches, neben Karl Liebknecht, der als einziger SPD-Abgeordneter im Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite stimmte, zu einem der führenden Köpfe des Widerstandes gegen den Krieg. Die Texte für seine Flugblätter und für die illegalen Schriften schrieb Rosa Luxemburg (wie sie jetzt offiziell hieß) im Gefängnis, in dem sie in „Schutzhaft“ genommen war. 

Aus dem Gefängnis heraus bestimmte Rosa Leo Jogiches zum Leiter der SPARTAKUS-Gruppe. Selber im Unter­grund lebend, schuf der jetzt ein über ganz Kriegs­deutschland verzweigtes Netz von Widerstandsgruppen, die mit SPARTAKUS eng verknüpft waren. Er war der Bestands­bewah­rer der linken, revolutionären Sozialisten in Deutschland.

Zu Ostern 1918 wurde auch Leo Jogiches, der bereits über große Erfahrung in konspirativer Arbeit verfügte, in Gefangenschaft genommen. Erst die Revolution im November brachte ihm wieder die Freiheit. Als Rosa nach der Novemberrevolution 1918 aus der Breslauer Haft nach Berlin zurückkehrte, traf sie Leo bereits in der Redaktion der „Rote(n) Fahne“ an. Mit Karl Liebknecht und anderen Ge­nossen Spartakisten formierten beide im Januar 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands. Während des Aufstandes von 1918/19 versuchte Jogiches vor allem, Rosa Luxemburg den Rücken freizuhalten. Jeden Tag analysierten sie gemeinsam die Lage. Doch aller Vorsicht und Planung zum Trotz wurde auch Rosa Luxemburg, zusammen mit Karl Liebknecht, vierzehn Tage nach der Parteigründung, aufgespürt, verhaftet und ermordet.

Zur Geburtsstunde der ersten deutschen bürgerlichen Repu­blik („Weimarer Republik“) gehört der gezielte politische Mord an Revolutionären und Kommunisten.

Nach der Ermordung von Karl und Rosa, übernahm Jogiches den Vorsitz der KPD und geriet damit noch stärker ins Visier der Reaktion, die jetzt dazu übergegangen war, die revolutionären Garden der Arbeiter brutal niederzumetzeln und ihre Führer durch faschistische Freikorps und Todesschwadrone systematisch und gezielt aufzuspüren und zu ermorden. Die politische Verantwortung dafür trugen namentlich sozialdemokratische Führer wie Ebert und Noske, deren Ziel es war, die Revolution in Deutschland mit allen Mitteln niederzuschlagen. Eines dieser Todesschwadrone, die später in der SA und anderen faschistischen Verbänden aufgingen, war die „Brigade Reinhard“.

Am Morgen des 10. März 1919, zwischen vier und fünf Uhr, schlug in der Schwarzastraße 9 die „3. Streifkompanie“ der Brigade Reinhard zu. Den Stamm dieser speziell auf die KPD angesetzten Sonderabteilung des Reinhardschen Freikorps stellten ein paar dutzend ehemalige Beamte der Politischen Polizei, die von Emil Eichhorn in seiner kurzen Amtszeit als Polizeipräsident von Berlin aufgelöst worden war. 

Nach den Januarkämpfen in Berlin galt diese Truppe inoffiziell wieder als „Hilfspolizei des Berliner Polizeipräsidenten“. Am 19. Februar hatte ein Spitzel, dessen Name später aus der Akte herausgeschnitten wurde, den Aufenthaltsort von Jogiches verraten. Der Stab der Brigade Reinhard, „Abteilung Exekutive“, ordnete die Festnahme des in der Öffentlichkeit bis dahin wenig bekannten Mannes am 8. März an. Die Vollzugsmeldung nennt als Grund der Festnahme mit entwaffnender Offenheit: „Führer der KPD“. 

Nachdem einige Tage zuvor der Belagerungszustand über Berlin verhängt worden war, hielt man es demnach nicht mehr für nötig, den politischen Zweck der Aktion durch die Anführung formaler Rechtsgründe zumindest zu verschleiern. In einer Denkschrift des preußischen Landtagsuntersuchungsausschusses zur Nachprüfung von Strafverfolgungen rümpfte man darüber 1924 allerdings die Nase: „Ein rechtlicher Grund der Verhaftung ist aus den Akten nicht ersichtlich.“ 

Den gab es auch gar nicht. Dafür aber etwas anderes: Den kaltblütigen Entschluss, die Kader der radikalen Linken physisch zu vernichten, und die Überlegung, dafür die mörderische, von der bürgerlichen und rechtssozialdemokratischen Presse gerade in diesen Tagen angefeuerte Pogromstimmung gegen die „Spartakisten“ auszunutzen. Jogiches hatte das geahnt: Er soll nach der Ermordung von Luxemburg und Liebknecht gesagt haben, dass „die Sozialdemokraten Kurs auf unsere Vernichtung genommen“ haben.

Die Verhaftung ohne »rechtlichen Grund« wurde von Kriminalwachtmeister Werner Grahn, »der von einem Militäraufgebot unter Führung des Leutnants Kohts unterstützt wurde«, vorgenommen. Von der »Exekutivabteilung« wurde Jogiches an Grahn und einen Angehörigen der »Streifkompanie«, den ehemaligen Kriminalwachtmeister Ernst Tamschick (der an der Verhaftung nicht beteiligt gewesen war), übergeben – angeblich zur »Überführung« in das Untersuchungsgefängnis des Kriminalgerichts Moabit. Grahn und Tamschick behaupteten in ihrer Vernehmung, den Befehl dazu von einem Leutnant Lenz erhalten zu haben. Der allerdings bestritt später »entschieden, etwas mit der Sache zu tun zu haben, die ihn dienstlich auch gar nichts anging«.

In einem Vernehmungszimmer des Kriminalgerichts wurde Jogiches offenbar ein oder zwei Stunden lang misshandelt. Dann nahmen Grahn und Tamschick eine »Verlegung« vor. Auf einer abwärts führenden Treppe gaben die beiden mehrere Schüsse auf Jogiches ab. Ein Schuss von Tamschick traf Jogiches in den Hinterkopf, die Kugel trat über dem linken Auge wieder aus.

Beide behaupteten anschließend, Jogiches habe einen Fluchtversuch unternommen. Die erwähnte Denkschrift von 1924 bemerkt zu den »Ermittlungen« des »militärischen Gerichtsherrn«, eines Majors von Kühlewein: »Die Vernehmung geschah in der Art, dass dem Tamschick die Aussage des erstvernommenen Grahn verlesen wurde, worauf er sie bestätigte.« Das Ergebnis »auf der Flucht erschossen« sei festgestellt worden, »ohne dass [eine] Obduktion der Leiche oder [eine] Lokalbesichtigung des Tatorts durch Gerichtspersonen stattgefunden haben«.

Eine auf Antrag der Hinterbliebenen durchgeführte Nachuntersuchung wurde von dem zuständigen Staatsanwalt mit diesem Aktenvermerk beendet: »Hier ist nichts weiter zu veranlassen. Der Kriminalbeamte Tamschick hat korrekt gehandelt.« Tamschick wurde, nachdem er im Mai 1919 auch noch Heinrich Dorrenbach, einen der Anführer der ehemaligen Volksmarinedivision, nach exakt dem gleichen Muster – »auf der Flucht« im Treppenhaus des Kriminalgerichts Moabit – ums Leben gebracht hatte, auf Veranlassung des preußischen Innenministers Wolfgang Heine (SPD) in die Sicherheitspolizei aufgenommen und zum Leutnant befördert, allerdings vorsichtshalber nach Ostpreußen abgeschoben. Dort kam er, wie 1922 eine Anfrage der KPD-Fraktion im preußischen Landtag herausbrachte, unter dem Innenminister Carl Severing (SPD) bzw. dem Polizeipräsidenten Josef Lübbring (ebenfalls SPD) als Oberleutnant in der Schutzpolizei von Königsberg unter. Er trat später der NSDAP bei. Mehr weiß man, da seine Personalakte unauffindbar ist, nicht über diesen kaltblütigen Mörder – aber das reicht ja schon.

In der „Ro­te(n) Fahne“ vom 12. März 1919 erschien ein letzter Artikel von Leo Jogiches, in dem er die Schuldigen am Tod von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht benannte. Das war der letzte Dienst, den er seinen Kampf­­gefährten erweisen konnte. Der Artikel erschien postum, denn am 10. März war er jetzt selber zum Opfer der kaltblütigen Mörder geworden, die auf den Leichen und dem Blut der Revolutionäre ihre „Weimarer Republik“ errichteten, die mit dem 30. Januar 1933 ihr unrühmliches Ende fand.

KÄTHE KOLLWITZ notierte unter dem 16. 3. 1919: „Mal wieder im Leichenschauhaus gewesen, einen Erschossenen gezeichnet… Sie nannten ihn LEO.“

Ihm und seinen Mitkämpfern widme ich die letzte Strophe des Gedichtes DIE IDEE von Pierre-Jean de BÉRANGER:

Da plötzlich: Blitz und Donnerkrachen
Und Blut und Tod! Hinsinken stumm
Heroen vor dem Feuerrachen
Blindwütiger Disziplin ringsum
Doch trotzig aus dem Pulverqualme
Hebt die Idee sich kampfgestählt
Reicht den Gefallenen die Palme
Trägt fort die Fahne um die Welt.


 

Quellenangaben:

„Junge Welt“ – „Der Kurs bleibt der Alte – trotz alledem“

Erich Köhlers Beiträge in „Das kleine Blatt“ „Widmung für Leo Jogiches“

„Linksnet“ „Leo Jogiches“

Der Rest ist Allgemeinwissen und Geschichte der Novemberrevolution. Mir geht es um die Geschichte der KPD, Novemberrevolution und die Kontinuität des reaktionären deutschen Bürgertums, von 1848 über 1971, 1914-1918, 1933-45 und dann wieder ab 1990. Ab 1914 stets mit der Sozialdemokratie als treuer Steigbügelhalter der Reaktion und Konterrevolution. Den ganzen trotzkistischen und „antistalinistischen“ Rotz, der z.B. in der jW u.a. vorkommt, habe ich großzügig entfernt, weil er mich nicht interessiert.

Wolfgang Müller

 

 

Friedrich Ebert

Friedrich Ebert wurde am 04. Februar 1871 in Heidelberg geboren und ist am 28. Februar 1925 in Berlin gestorben. Er ist als sozialdemokratischer Politiker und Reichspräsident der Weimarer Republik bekannt.

Friedrich Ebert

Reichspräsident Friedrich Ebert(1923)

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 102-00015 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478595

 

 

Zwischen 1885 und 1888 lernte er das Handwerk des Sattlers. In der Gewerbeschule hat Ebert so großen Eindruck auf einen der Lehrer gemacht, dass dieser gar zu einem Studium riet. Jedoch legte er nie die Gesellenprüfung ab. Anschließend begab sich Ebert zwischen 1888 und 1891 auf Wanderschaft. Er bereiste dabei vor allem das südliche und westliche Deutschland. Stationen waren unter anderem Karlsruhe, München, Mannheim, Kassel, Hannover, Braunschweig, Elberfeld (heute zu Wuppertal), Remscheid, Quakenbrück und Bremen.

Friedrich Ebert als Lehrling

Friedrich Ebert (Kreuz) als Sattler-Lehrling, 1885

Von Bundesarchiv, Bild 102-00605A / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478996

 

Nach seinem Eintritt in Partei und Gewerkschaft war er als Agitator(Öffentlichkeitsarbeit) und Organisator tätig. So wurde er 1889 Schriftführer des Sattlerverbandes in Hannover. In Städten, in denen er im Verlauf seiner Wanderschaft keine Zweigstellen vorfand, hat Ebert diese gegründet. In Kassel organisierte er einen erfolgreichen Arbeitskampf. Er wurde nicht nur vom Staat im Rahmen des Sozialistengesetzes, bis zu dessen Aufhebung 1890, beobachtet, sondern wurde von den Arbeitgebern als unliebsamer Agitator auf „Schwarze Listen“ gesetzt.

Im März 1893 erhielt Ebert eine Festanstellung als Redakteur bei der „Bremer Bürger-Zeitung“, der Zeitung der Bremer SPD. Im folgenden Jahr schied er wieder aus der Redaktion aus und übernahm in der Brautstraße im Stadtteil Neustadt die Gastwirtschaft „Zur guten Hilfe“ als Pächter. Geschätzt hat er diese Tätigkeit nicht und hat sie später in offiziellen Lebensläufen nicht angegeben. Seine politischen Gegner versuchten daraus Kapital zu schlagen.

Politisch war die Wirtschaft ein Treffpunkt für Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Materiell erlaubte der Betrieb Ebert im Mai 1894 die Heirat mit Louise Rump (1873–1955) und die Gründung einer Familie. Die Eheleute hatten vier Söhne und die Tochter Amalie (1900–1931). Die Söhne Georg (1896–1917) und Heinrich (1897–1917) fielen im Ersten Weltkrieg. Der älteste Sohn Friedrich (1894–1979) war ebenfalls politisch aktiv (zunächst für die SPD, später als SED-Politiker) und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Oberbürgermeister in Berlin/DDR. Karl (1899–1975) war von 1946 bis 1964 Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg für die SPD.[5] Heinrich Jaenecke (1928–2014), Sohn seiner Tochter Amalie, war als Journalist, Publizist und Historiker tätig.

Wegen seiner zahlreichen Reden für Partei und Gewerkschaften schätzte ihn die Polizeibehörde bereits 1891 als eifrigsten Agitator in Bremen ein. Seine Reden basierten dabei auf gründlichen Recherchen, zeichneten sich aber auch durch Scharfzüngigkeit und Ironie aus. Allerdings kam es auch vor, dass er in Diskussionen die Beherrschung verlor, und Kritiker warfen ihm ein arrogantes Auftreten vor.

Im Jahr 1892 legte Ebert eine Untersuchung über die „Lage der Arbeiter im Bremer Bäckergewerbe“ vor. Ein Jahr später wurde er Mitglied der Pressekommission der Partei für die Bremer Bürgerzeitung. Im März 1894 wurde er Parteivorsitzender in Bremen und behielt diese Position bis 1895. In den Wahlkämpfen zur Bremischen Bürgerschaft war Ebert seit 1896 für die SPD führend beteiligt. Im selben Jahr war er erstmals Delegierter auf einem Reichsparteitag der SPD. Im Jahr 1897 wurde Ebert verantwortlich für die Agitation im ländlichen Umland Bremens. In dieser Position kandidierte er 1898 in dem sicheren Zentrumswahlkreis Vechta erstmals für den Reichstag, blieb aber ohne Erfolg. Seit 1902 wurde Ebert erneut Mitglied im Parteivorstand von Bremen.

Im Laufe der Zeit wurde die Sozialpolitik zumeigentlichen Schwerpunkt von Eberts politischer Tätigkeit. Sein Gasthaus wurde eine Anlaufstelle für Ratsuchende. Dadurch wurde er mit den Nöten der Arbeiterbevölkerung vertraut, die ihn intensiv beschäftigten. Um die konkreten Probleme zu lösen, hielt Ebert staatliche Hilfen für unerlässlich. Hieraus ergab sich seine politische Zuordnung: Wichtiger als die Hoffnung auf den Zusammenbruch des Kapitalismus oder als Theoriedebatten über Wirtschaft und Gesellschaft wurde für ihn die Bekämpfung aktueller sozialer Missstände. Der Gewinn von Wahlen war für Ebert das zentrale Mittel, um die herrschenden Schichten zu Veränderungen zu bewegen. Die Mitarbeit in den Parlamenten mit dem Ziel, für die arbeitende Bevölkerung Verbesserungen zu erzielen, machte die Suche nach Kompromissen mit anderen politischen Parteien nötig, bedeutete aber auch eine gewisse Anerkennung des bestehenden Systems. Diese Reformpolitik ist uns auch heutzutage wohlbekannt.

Bei Ebert dominierte nicht die politische, sondern die gewerkschaftliche Arbeit. Er blieb Vorsitzender des Sattlerverbandes in Bremen und war führend im örtlichen Gewerkschaftskartell tätig. Die von Ebert in seiner Gastwirtschaft geleistete ehrenamtliche soziale und rechtliche Beratertätigkeit wurde sehr umfangreich, und in den Bremer Gewerkschaften entstand die Idee, diese Tätigkeit durch die Anstellung eines Arbeitersekretärs zu professionalisieren. Beschlüsse dazu gab es bereits seit 1897, sie scheiterten aber zunächst am Widerstand der Einzelgewerkschaften, einen großen Teil ihrer Mitgliedsbeiträge für diesen Zweck abzuführen. Erst im Jahr 1900 wurde Ebert als Arbeitersekretär eingestellt. Dies ermöglichte ihm, die wenig geliebte Gastwirtschaft aufzugeben. In einer längeren Studienreise, die ihn unter anderem nach Nürnberg und Frankfurt am Main führte, machte sich Ebert mit seiner neuen Aufgabe vertraut. Er selbst verfasste danach nach dem Nürnberger Vorbild ein für das Bremer Sekretariat geltendes Regulativ, das unter anderem vorsah, nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern alle Ratsuchenden zu beraten.

Als sich herausstellte, dass Ebert die Aufgaben nicht allein bewältigen konnte, wurde im Jahre 1900 Hermann Müller als weiterer Sekretär eingestellt. Neben der Beratungstätigkeit nahmen die Sekretäre auch statistische Untersuchungen zur sozialen Lage in Bremen vor. Damit füllten Müller und Ebert eine Lücke, weil das statistische Büro der Stadt Bremen damals keine vergleichbaren Daten veröffentlichte. Erwähnenswert ist dabei die Arbeit „Ergebnis einer statistischen Erhebung über die Lebensverhältnisse der bremischen Arbeiter“ von 1902 mit Daten zu den Arbeits-, Lohn- und Wohnverhältnissen in der Hansestadt. In der Folge begannen auch die städtischen Behörden entsprechende Statistiken zu veröffentlichen.

Trotz des für die Sozialdemokraten sehr hinderlichen Achtklassenwahlrechts gelang es Ebert, mit großer Mehrheit in einer Nachwahl im Dezember 1899 in die Bremische Bürgerschaft gewählt zu werden, der er bis 1905 angehörte. Obwohl er neu im Stadtparlament war, wurde er von der erstmals gebildeten Fraktion seiner Partei zum Vorsitzenden gewählt. Er konzentrierte sich im Parlament auf die Sozial- und Wirtschaftspolitik, kümmerte sich aber auch um verfassungsrechtliche Probleme. Er gehörte mehreren Kommissionen und Deputationen an. Auf Grund der besonderen Struktur der bremischen Verfassung konnte die Fraktion nur wenige Anträge durchbringen. Dies war ein Grund, die liberale Vorherrschaft als „Klassenherrschaft“ scharf anzugreifen. Der Kurs der Fraktion unter Eberts Leitung war gekennzeichnet einerseits von konstruktiver Mitarbeit, andererseits aber von grundlegender Kritik und der Forderung nach Verfassungsreformen.

Zunächst vertrat Ebert marxistische Positionen, rückte aber später davon ab.  Näheres siehe Wikipedia.

Allmählich wurde Ebert innerhalb der SPD überregional bekannt. Er betätigte sich als Parteiorganisator und war Verbindungsmann der SPD zur Generalkommission der Gewerkschaften. Die Verwobenheit der Gewerkschaften mit der SPD ist uns ja auch heutzutage bekannt. Ebert knüpfte auch Kontakte ins Ausland, aber internationale Beziehungen und außenpolitische Fragen blieben für Ebert Randthemen.

Nach dem Tod Paul Singers 1911 wählte der SPD-Parteitag in Jena im September 1911 Hugo Haase in einer Kampfabstimmung gegen Ebert zum Mitvorsitzenden der SPD, neben dem langjährigen Vorsitzenden August Bebel. Nach anderen Angaben zog Ebert seine Kandidatur kurz vor dem Wahlgang zurück und empfahl selbst die Wahl Haases, bekam aber dennoch bei der Wahl 102 Stimmen.

Im Jahr 1912 kandidierte Ebert im Reichstagswahlkreis Elberfeld-Barmen. Bemerkenswert daran ist, dass die dortige Partei eher links eingestellt war. Dies deutet darauf hin, dass Ebert nicht als Reformist oder Revisionist, sondern als Mann des Ausgleichs und Wahrer der Parteieinheit angesehen wurde. Ebert trat dabei nicht in einem für die Partei sicheren Wahlkreis an. Trotz erheblicher Anstrengungen gelang es ihm nicht, das Mandat im ersten Wahlgang zu erringen, sondern erst per Stichwahl. In den folgenden Jahren hielt er engen Kontakt mit seinem Wahlkreis und setzte sich für ihn im Reichstag ein.

Die SPD-Fraktion war 1912 mit 110 Abgeordneten die stärkste politische Kraft im Reichstag geworden. Obwohl Ebert neu war, wurde er in den siebenköpfigen Fraktionsvorstand gewählt. Im Plenum konzentrierte sich Ebert auf die Sozialpolitik und die Besoldungsfrage. Insgesamt sprach er nur selten im Parlament und nie zu öffentlichkeitswirksamen Streitfragen.

Nach dem Tod von August Bebel 1913 war Ebert wegen seiner Arbeit in Partei und Fraktion, seinen engen Beziehungen zu den Gewerkschaften und den Gliederungen der Partei Favorit für dessen Nachfolge. Mit 433 von 473 Stimmen wurde er am 20. September 1913 auf dem SPD-Parteitag in Jena neben Haase zum Vorsitzenden gewählt. Seine Hauptaufgabe sah er darin, die auseinanderstrebenden Flügel zusammenzuhalten. Auch weiterhin waren ihm die konkreten kleinen Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen wichtiger, als die ideologischen Auseinandersetzungen. Alles auch heutzutage wohlbekannt.

1914 erfolgte mit dem Attentat von  Sarajevo der Anlass für den I. Weltkrieg. Ebert reiste  zusammen mit Otto Braun nach Zürich, um im Fall eines SPD-Verbots eine Auslandsleitung aufzubauen und die Parteikasse in Sicherheit zu bringen. Ebert blieb nicht in der Schweiz und war am 4. August wieder in Berlin. Damit hatte er den am Vortag gefassten Beschluss in der Reichstagsfraktion zur Bewilligung von Kriegskrediten verpasst.

In Deutschland, wie fast überall in Europa ist die Ablehnung des Krieges in begeisterte Zustimmung umgeschlagen. Die Propaganda hat ganze Arbeit geleistet. Auch fast alle Arbeiterparteien in Europa glaubten der Propaganda und ordneten ihre eignen Grundsätze der „nationalen Einheit“ unter. Charakteristisch dafür war der Satz, mit dem die SPD-Fraktion im Reichstag am 4. August 1914 ihre Zustimmung begründete: „Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich.“

Trotz seiner Haltung zu den Kriegskrediten versuchte Ebert in der Folgezeit zunächst, die bedrohte Parteieinheit aufrechtzuerhalten und machte dabei auch Zugeständnisse an die Kritiker des Kriegskurses. Als im Dezember 1914, nach der Marneschlacht und dem Scheitern der deutschen Kriegsplanung gegen Frankreich, eine weitere Bewilligung von Kriegskrediten anstand, gelang es Ebert noch einmal, die Fraktionsmitglieder auf seine Linie einzuschwören. Lediglich Karl Liebknecht verweigerte seine Zustimmung.

Auf der parlamentarischen Ebene kam es seit September 1918 zu neuen Bemühungen um eine Parlamentarisierung des Reiches und ein rasches Kriegsende. Am 12. September machte Ebert deutlich, dass die SPD die Regierung Hertling wegen ihrer Unterordnung unter die OHL nicht unterstützen würde. Grundsätzlich zeigte sich die SPD bereit, nunmehr in die Regierung einzutreten. Dabei machte sie unter anderem zur Bedingung, dass keine Allparteienkoalition gebildet werde, sondern strebte eine Regierung aus den im interfraktionellen Ausschuss vertretenen Parteien an. Diese Regierung sollte sich dabei auf einen raschen Friedensschluss und innenpolitische Reformen festlegen. Damit verband Ebert die Hoffnung, auf diese Weise eine drohende Revolution noch abwenden zu können.

Letztlich setzten sich Ebert und Scheidemann mit diesem Kurs durch. Diese neue Regierung wurde unter Prinz Max von Baden gebildet. Gelingen konnte dies nicht zuletzt, weil die OHL selbst auf eine Parlamentarisierung drängte. Grund dafür war, dass die Niederlage der deutschen Streitkräfte.

Im Reich kam es formell am 28. Oktober 1918 mit der Änderung der Verfassung zu einer Parlamentarisierung. Bereits vorher waren Philipp Scheidemann und Gustav Bauer in die neue Regierung eingetreten. In Preußen kamen die Wahlrechtsreformen aber nicht voran und auch Verhandlungen über einen Waffenstillstand verzögerten sich. Ebert hatte sich während des Krieges vom Republikaner zu einem Vernunftmonarchisten gewandelt, weil er meinte, dass ein abruptes Ende der Monarchie von einem Großteil der Bürger nicht mitgetragen werden könnte. Grundsätzlich wollte Ebert auch nach Umwandlung der Staatsform in ein parlamentarisches System den Monarchen behalten und strebte eine parlamentarische Monarchie an. Noch am 6. November drängte er vor dem Hintergrund der beginnenden Revolution auf einen Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. und des Kronprinzen zu Gunsten eines anderen Mitglieds der Hohenzollernfamilie.

Als die OHL unter Wilhelm Groener die Beteiligung an einem solchen Plan verweigerte, stellte die SPD ihre Forderungen am 7. November ultimativ. Auf diese Weise versuchte sich die Partei an die Spitze der Volksbewegung zu stellen, die die Abdankung von Kaiser und Kronprinz forderte. Ebert machte in Gesprächen unter anderem mit Max von Baden deutlich, dass die SPD den politischen Führungsanspruch gerade deshalb erhebe, um eine revolutionäre Umsturzbewegung zu verhindern. In diesem Zusammenhang sagte Ebert Max von Baden zufolge: „Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich will sie aber nicht, ja ich hasse sie wie die Pest.“

Nach dem Kieler Matrosenaufstand kam es zu Entwaffnungen, Rathausbesetzungen, Massendemonstrationen und Verbrüderungen von Arbeitern und desertierten Soldaten im ganzen Reich. Die Novemberrevolution griff in wenigen Tagen auf alle deutschen Städte über. In Eberts Auftrag reiste Gustav Noske nach Kiel, um dort die Revolution einzudämmen.

Am 9. November 1918 begann in Berlin ein politischer Generalstreik, zu dem die SPD mit aufgerufen hatte. Daraufhin übertrug Prinz Max von Baden eigenmächtig das Amt des Reichskanzlers auf Ebert, der in den Kriegsjahren zu einem Politiker von nationaler Bedeutung aufgestiegen war. Zugleich verkündete der Prinz die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. ohne dessen Zustimmung und ohne Rückhalt in der Verfassung. Scheidemann rief von einem Fenster des Reichstages aus öffentlich die Republik aus und verkündete, Ebert sei ihr Reichskanzler. Dies geschah gegen Eberts Willen, der die Kontinuität zum Kaiserreich wahren wollte, bis eine verfassungsgebende Versammlung zwischen Monarchie oder Republik entscheiden würde. Der Kaiser floh in die Niederlande.

Ebert stellte sich an die Spitze der Revolution, um sie in parlamentarische Bahnen zu lenken und eine Entwicklung analog zur russischen Oktoberrevolution zu verhindern. Er berief weitere Sozialdemokraten ins Kabinett und bemühte sich zugleich, die USPD mit in die Regierung einzubinden, um ihre Legitimationsbasis gegenüber den sich überall bildenden Arbeiter- und Soldatenräten zu vergrößern. Da die Räte in Kiel, Berlin und anderswo auf eine Einigung der beiden sozialdemokratischen Parteien drängten, sah sich die USPD-Führung um Haase nach kontroverser Debatte gezwungen, Eberts Verlangen zu entsprechen. SPD und USPD einigten sich am 10. November auf die Bildung eines paritätisch besetzten Rates der Volksbeauftragten.

Ebert begriff die von ihm geleitete Regierung als Provisorium, das als Konkursverwalter des Alten galt und als Übergang bis eine neue Regierung aufgrund bürgerlich-demokratischer Wahlen gebildet wurde. Ebert lehnte eine sozialistische Revolution, wie in Russland ab. Um einer derartigen Entwicklung in Deutschland entgegenzuwirken, wollte Ebert die Revolution beenden und schnellstmöglichst Wahlen zu einer Nationalversammlung einleiten.

Ebert gab am 08. Januar 1919 dem Militär den Befehl den Spartakusaufstand niederzuschlagen.

Ebert wollte im Bündnis mit der Obersten Heeresleitung die Revolution eindämmen. Am 10. Januar rückten die von Noske um Berlin zusammengezogenen Freikorps in die Stadt ein. Damit war die Novemberrevolution, die Ebert zur Kanzlerschaft verholfen hatte, praktisch beendet und eine Vorentscheidung über die Art der Weimarer Verfassung gefallen.

Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet.  In den folgenden Monaten wurden die übrigen Versuche, in deutschen Großstädten ein Rätesystem zu etablieren, ebenfalls militärisch niedergeschlagen.

Am 19. Januar 1919 fand die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung statt. Die SPD wurde mit 37,90 % zwar stärkste Partei, blieb aber bis zum Ende der Weimarer Republik auf Koalitionen mit der Zentrumspartei und den Liberalen angewiesen. Die ab dem 6. Februar in Weimar tagende Nationalversammlung wählte Ebert am 11. Februar 1919 zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik.

Eberts Präsidentschaft war kontinuierlich begleitet von hämischen Polemiken von deutschnationalen oder kommunistischen Publizisten und Politikern.  Ihren Anfang nahm die Kampagne am 16. Juli 1919, als Ebert und Reichswehrminister Noske ein Kindererholungsheim der Hamburger Konsumgenossenschaft Produktion in Haffkrug besuchten und sich beim Baden in der Ostsee fotografieren ließen.  Damals waren auch für Männer Badeanzüge üblich und Badehosen galten als ungehörig. So sorgte dieses Foto für Aufsehen und war oft Anlass für Satire und Vorlage für Karikaturen. Siehe auch den Beitrag über Gustav Noske.


Kapp-Putsch

Nach den Auflösungsanordnungen gegen die mit rechtsradikalen Akteuren durchsetzten Freikorps Marine-Brigade Ehrhardt und Marine-Brigade von Loewenfeld protestierte General Walther von Lüttwitz und versuchte am 10. März 1920, bei Ebert die Rücknahme des Befehls zu erreichen. Ebert lehnte dieses Ansinnen wie auch Lüttwitz’ Forderungen nach Auflösung der Nationalversammlung, Neuwahlen von Reichstag und Reichspräsident ab. Reichswehrminister Noske enthob Lüttwitz seines Amtes. Damit sah sich dieser gezwungen, den bereits gemeinsam mit Wolfgang Kapp geplanten Putsch vorzeitig zu beginnen. Es zeigte sich bald, dass Reichswehrkommandant General Hans von Seeckt und ein Großteil der Truppen die Regierung im Stich ließen und sich für neutral erklärten.

Deshalb erschien in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1920 ein an die Arbeiterschaft gerichteter gemeinsamer Aufruf des Reichspräsidenten, der sozialdemokratischen Regierungsmitglieder und des SPD-Vorstands zum Generalstreik gegen die Putschisten Kapp und Lüttwitz. Im Nachhinein gaben die sozialdemokratischen Regierungsmitglieder an, nichts von dem Aufruf gewusst zu haben, und warfen dem Reichspressechef Ulrich Rauscher vor, im Alleingang gehandelt zu haben.

Im Ruhrgebiet kämpfte die Rote Ruhrarmee, die von der USPD unterstützt wurde, für die rasche Sozialisierung der Schwerindustrie.

Mit Eberts Rückendeckung schlugen Reichswehrtruppen und Freikorps den Aufstand der Roten Ruhrarmee blutig nieder. Die Bewegung für eine Sozialisierung der Schwerindustrie erlahmte nach dieser Niederlage. Im ganzen Reich setzte sich, wie die Reichstagswahlen zeigten, ein politischer Rechtsruck durch.

Kapp-Putsch 1Kapp-Putsch 2Kapp-Putsch 3

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982

 


 

Es folgten instabile Regierungen. Details können auf Wikipedia nachgelesen werden. Ist für diesen Beitrag erst mal nicht interessant.

Eberts letzte Monate waren von einer politischen Niederlage geprägt. Ein Redakteur der „Mitteldeutschen Presse“ warf ihm vor, die Kriegsniederlage durch sein Verhalten vor und nach Kriegsende mitverschuldet zu haben. Im Verlauf des Beleidigungsprozesses, den Ebert vor dem Amtsgericht Magdeburg daraufhin angestrengt hatte, wurde sein Geheimabkommen mit General Wilhelm Groener publik. Dabei kam auch Eberts Verhalten im Januarstreik 1918 zur Sprache. Ebert betonte, er habe sich nur in die Streikkommission wählen lassen, um den Streik so schnell wie möglich zu beenden. Am 23. Dezember 1924 verurteilte das Gericht zwar den Journalisten wegen der Beleidigung des Staatsoberhauptes, stellte aber in der Urteilsbegründung fest, dass dessen Behauptung, Ebert hätte als Beteiligter am Januarstreik Landesverrat begangen, im strafrechtlichen Sinn zutreffend sei.


 

Ebert wurde in seiner Heimatstadt auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt. Die „außergewöhnlich großflächig angelegte, eines Staatsmannes würdige“ Grabanlage befindet sich in der Abteilung V neu und umfasst den Bereich 84/84 A, B, C, D, E, F, G und H sowie den Bereich 85/85 A, B, und C.

die grabanlage des reichspräsidenten friedrich ebert auf dem heidelberger bergfriedhof (abt. v neu)

Die Grabanlage des Reichspräsidenten Friedrich Ebert auf dem Heidelberger Bergfriedhof (Abt. V neu)

Bildquelle: Von Ramessos – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5519383

 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel