Meistbegünstigung

Meistbegünstigung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

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Das imperialistische Staatensystem nach dem I. Weltkrieg

Aus dem Verlauf des I. Weltkrieges und der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution hatten sich für das System des Imperialismus schwerwiegende Veränderungen des bisherigen Kräfteverhältnisses ergeben.

Frankreich, Großbritannien und die USA hatten die europäischen imperialistischen Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn militärisch besiegt. Der Nationalitätenstaat Österreich-Ungarn zerfiel.

Angespornt durch das revolutionäre Beispiel der Sowjetvölker, gründete eine Reihe bisher unterdrückter osteuropäischer Völker neue Staaten. (Aufschwung revolutionärer u. freiheitlicher Bewegungen)

Auswirkungen Oktoberrevolution auf Welt

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Jedoch gelang es der Bourgeoisie  in Polen, Ungarn, Jugoslawien, in der Tschechoslowakei und in Österreich, nach erbitterten Klassenkämpfen die weitere Entwicklung in kapitalistischen Bahnen zu halten.

Zwischen den imperialistischen Mächten bildeten sich neue grundlegende Gegensätze heraus.

Lenin 3 grundlegende GegensätzeLenin 3 grundlegende Gegensätze 2Quelle Lenin 3 grundlegende Gegensätze

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Einig waren sich die Siegermächte lediglich in ihrem Hass gegen den Sowjetstaat.

Dies zeigte sich auch auf der Pariser Friedenskonferenz, welche die Siegermächte des I. Weltkrieges im Januar 1919 einberufen hatten. Obwohl die Hauptaufgabe dieser Konferenz darin bestand, die Friedensverträge für die besiegten Länder auszuarbeiten, wandte sich die Aufmerksamkeit der teilnehmenden Staatsmänner(Staatsfrauen gab es damals nicht)besonders der russischen Frage zu. Das war kein Zufall. Die imperialistischen Politiker, die sich in Paris als Friedensstifter aufspielten, waren gleichzeitig die Hauptorganisatoren der bewaffneten Intervention in Sowjetrussland.

Die französischen Imperialisten bemühten sich, die Länder Ost- und Südosteuropas für eine Intervention gegen Sowjetrussland zu gewinnen, und unterstützten deshalb auch die polnischen und tschechoslowakischen Ansprüche auf Belorussische und ukrainische Gebiete sowie Rumäniens Forderungen auf Bessarabien.

Europa nach I. Weltkrieg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Großbritannien wollte das besiegte imperialistische Deutschland verhältnismäßig stark erhalten wissen, um es als Degen gegen Sowjetrussland zu nutzen. Die USA strebten das Gleiche an, wollten aber Deutschland auch als Machtfaktor gegen Frankreich und Großbritannien ausspielen.

Antisowjetische Konzeption

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Leitung der Pariser Friedenskonferenz, der Rat der Zehn, nahm am 25. Februar 1919 den Vorschlag Marschall Fochs an, die Interventionsfront gegen Sowjetrussland durch Einbeziehung der osteuropäischen Länder zu erweitern. Das militärische Interventionsprogramm Fochs gipfelte im Plan einer großen Offensive aller konterrevolutionären Kräfte.

Aber so nahe sich die Interessen und Auffassungen der imperialistischen Siegermächte in die „russischen Frage“ kamen, so weit gingen sie in anderen Problemen der Nachkriegsgestaltung der Welt auseinander. Jede der Siegermächte wollte sich auf Kosten der anderen bereichern, jede meldete eigene territoriale, politische und finanzielle Ansprüche an, die den Interessen der Verbündeten zuwiderliefen. Deutlich trat dieses in der Frage der Festlegung der Grenzen Deutschlands zutage.

Deutschland nach Versailler Vertrag

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Frankreich wollte das linke Rheinufer annektieren. Großbritannien und die USA traten diesem Streben energisch entgegen, wie eine Verwirklichung der französischen Forderungen die Vorherrschaftsbestrebungen Frankreichs gefördert hätte. Es musste sich wegen des entschiedenen Widerstands der englischen und amerikanischen Imperialisten in der Frage der Westgrenzen Deutschlands zu einem Kompromiss bereitfinden.

Im Osten waren die USA, Großbritannien und Frankreich daran interessiert, die Grenzen Deutschlands so festzulegen, dass sie ein ständiger Spannungsherd blieben, um sowohl Deutschland als auch seine östlichen Nachbarn unter Druck setzen zu können.

Mit dem Versailler Friedensdiktat 1919 versuchten die Entente- Imperialisten, den deutschen Rivalen einerseits ökonomisch, politisch und militärisch niederzuhalten, ihn andererseits aber in seinen Grundlagen als Sturmbock gegen die Sowjetmacht zu erhalten und ihm damit zugleich ausreichende Mittel zur Niederhaltung der deutschen Arbeiterbewegung zu belassen.

Wichtigste Bestimmungen Versailler VertragWichtigste Bestimmungen Versailler Vertrag 2Reparation

entnommen aus dem Gesichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das Versailler Friedensdiktat sah eine weitgehende Einmischung der Siegerstaaten in innerdeutsche Angelegenheiten vor, tastete aber nicht die ökonomische Grundlage der deutschen Imperialisten an. Es ließ ihnen freie Hand, die Reparationen durch verschärfte Ausbeutung der Werktätigen(arbeitenden Menschen)aufzubringen. Es verbot den herrschenden Kräften auch nicht die Bildung militaristischer Organisationen und die Verbreitung friedensfeindlicher Ideologien.

Der Versailler Vertrag war ein Gewalt- und Raubfrieden, der den Keim neuer imperialistischer Kriege in sich barg. Denn er unterdrückte einen ökonomisch starken imperialistischen Staat und vertiefte gleichzeitig die Gegensätze zwischen den Siegermächten.

Scharf trat der Gegensatz zwischen den USA und den französischen und englischen Imperialisten auch bei der Gründung des Völkerbundes 1919 zutage.

Gebäude des Völkerbundes in Genf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eine Plenartagung der Pariser Friedenskonferenz hatte im Februar 1919 einen Sonderausschuss für die Ausarbeitung der Satzung eines Völkerbundes geschaffen. Diese internationale Organisation sollte den imperialistischen Großmächten vor allem zur Festigung des imperialistischen Nachkriegssystems und zur Unterdrückung der revolutionären Bewegungen dienen.  Da aber jede der Siegermächte bestrebt war den Völkerbund für die Verwirklichung ihrer eigenen Expansionspläne nutzbar zu machen, entbrannten bereits bei der Ausarbeitung der Satzung des Völkerbundes heftige Auseinandersetzungen.

Die USA als finanziell und wirtschaftlich stärkste Macht versuchten durch eine geeignete Satzung andere Länder in ökonomische und politische Abhängigkeit zu zwingen. Um die Weltherrschaft zu erringen, wollten die amerikanischen Imperialisten außerdem den Völkerbund mit Rechten ausstatten, die es den USA erleichtert hätten, in das britische und französische Kolonialreich einzudringen. Großbritannien hingegen versuchte einen Völkerbund zu schaffen, in dem nur die imperialistischen Großmächte vertreten waren. Diese Art von Völkerbund sollte der Erhaltung des großen britischen Kolonialreiches dienen.

Die Satzung des Völkerbundes, die von der Pariser Friedenskonferenz angenommen wurde, war ein Kompromiss zwischen den amerikanischen und englischen Vorschlägen. Neben der Generalversammlung aller Mitglieder des Völkerbundes wurde ein Völkerbundsrat gesetzt, dem fasst die gleichen Vollmachten eingeräumt waren. Die imperialistischen Großmächte konnten dem Rat als ständige Mitglieder angehören. Ihnen wurden im Rat lediglich vier nichtständige Mitglieder beigegeben, die von der Generalversammlung auf bestimmte Zeit zu wählen waren.

45 Staaten unterzeichneten auf der Pariser Friedenskonferenz die Satzung des Völkerbundes. Den Mittelmächten wurde zunächst nicht gestattet, Mitglied zu werden. Weil es den USA nicht gelungen war, in der Satzung des Völkerbundes ihre imperialistischen Bestrebungen voll durchzusetzen, traten sie dem Völkerbund nicht bei. Ihn beherrschten deshalb in den ersten Jahren seines Bestehens die britischen und französischen Imperialisten. Sie missbrauchten den Völkerbund vor allem als Instrument im Kampf gegen die revolutionären Bewegungen.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text

Das imperialistische Staatensystem nach dem 1. Weltkrieg

 

Die Außenpolitik der imperialistischen Staaten und des Sowjetstaates in den 1920ern und Anfang 1930er Jahre

Die Konferenz von Genua

Nachdem die Versuche der imperialistischen Großmächte, die sozialistische Sowjetmacht mit militärischer Gewalt zu zerschlagen, gescheitert waren, glaubten einige Kreise der Imperialisten, nun den Sowjetstaat mit diplomatischen Mitteln und durch die Wirtschaftsbeziehungen unterminieren und zerstören zu können.

Die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise in England veranlasste vor allem die britische Regierung unter Lloyd George, diese neue konterrevolutionäre Taktik zu versuchen. Sie griff deshalb den sowjetischen Vorschlag auf, eine internationale Konferenz zur Lösung strittiger Fragen einzuberufen. Die herrschenden Kreise Großbritanniens hofften, auf einer solchen Konferenz Sowjetrussland durch kollektiven Druck mehrerer imperialistischer Staaten zu wesentlichen Zugeständnissen zu zwingen.  Die Ententemächte beschlossen 1922 die Einberufung einer Wirtschafts- und Finanzkonferenz  aller europäischen Länder nach Genua.

Die sowjetische Regierung nahm dien Einladung an, weil sie die Konferenz für die Festigung des Friedens und die Entwicklung des Handels mit  den kapitalistischen Ländern nutzen wollte. Jedoch er erneut anwachsende Druck besonders aggressiver Monopolgruppen auf die Diplomaten der Westmächte führte zu einem Ergebnis der Konferenz, das die großen Erwartungen enttäuschte, welche die friedliebenden Menschen Europas in diese Konferenz gesetzt hatten.

Die imperialistischen Mächte strebten unter anderem danach, die russische Volkswirtschaft einer internationalen monopolkapitalistischen Kontrolle zu  unterwerfen. Sie stellten Forderungen an den Sowjetstaat, die seine politische und ökonomische Unabhängigkeit versetzten und die deshalb von den Vertretern Sowjetrusslands auf der Konferenz von Genua entscheiden zurückgewiesen werden mussten.

Den französischen Imperialisten und den hinter den Kulissen wirkenden Vertretern der USA-Monopole gelang es zwar, gleichberechtigte Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ententemächten. Und Sowjetrussland zu verhindern, aber eine antisowjetische Einheitsfront aller imperialistischen Länder der Welt vermochten sie nicht zu bilden.

Zwischen den Siegermächten des I. Weltkrieges und dem besiegten deutschen Imperialismus traten vor allem in der Reparationsfrage während der Konferenz in Genua die Widersprüche scharf hervor.

Der Vertrag von Rapallo

Als die Ententeimperialisten in Genua Sowjetrussland und auch Deutschland praktisch wie abhängige Kolonialstaaten behandelten, griffen die Vertreter Deutschlands, Wirth und Rathenau, das sowjetische Angebot auf, ein Sonderabkommen mit dem Sowjetstaat zu schließen.

Delegationsleiter Rapallo-Konferenz

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Sowjetrussland, das als sozialistischer Staat außenpolitisch vor allem an der Erhaltung des Friedens interessiert war, strebte ein Friedliches Nebeneinander der Systeme des Sozialismus und des Kapitalismus an.  Die Sowjetregierung schlug eine allgemeine Rüstungsbeschränkung vor und ein Verbot der Luftangriffe und der Anwendung von Giftgasen. Gelichzeitig bemühte sich die sowjetische Außenpolitik um eine Annäherung an die unterdrückten und abhängigen Länder.  Deshalb verzichtete sie beispielsweise entschädigungslos auf alle imperialistischen Vorrechte, die das zaristische Russland in Persien(heute Iran), Afghanistan und in der Türkei besessen hatte. Sowjetrussland trat zugleich als einziger Staat dafür ein, dass Deutschlands schwierige Lage erleichtert werden sollte. Es nutzte auch  auf der Konferenz von Genua  die imperialistischen Gegensätze im Interesse der Erhaltung des Friedens und der Verbesserung der außenpolitischen Positionen Sowjetrusslands.

So kam es am 16. April 1922 in Rapallo, einem kleinen Kurort bei Genua, zwischen Sowjetrussland und Deutschland zu Unterzeichnung des Rapallo-Vertrages.

Wichtigste Bestimmungen Rapallo-VertragMeistbegünstigung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Vertrag von Rapallo trug zur Verhinderung einer antisowjetischen imperialistischen Einheitsfront bei und diente somit zeitweilig der Erhaltung des Weltfriedens. Gleichzeitig gab der Vertrag Deutschland die Möglichkeit, sich auf dem Wege enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Sowjetland durch Leistungen der friedlichen Arbeit beim Sowjetvolk und bei den anderen Völkern Vertrauen und Achtung zu erwerben. Aber diese Chance der Entwicklung einer wirklich nationalen dauerhaften deutschen Friedenspolitik wurde bald von den Vertretern der besonders aggressiven Kreise des deutschen Imperialismus zugunsten der Vorbereitung eines Revanchekrieges vertan.

 

Der Einfluss der USA auf die Politik in Europa

Erklärung US-Präsident Wilson 1919Quelle Erklärung US-Präsident Wilson 1919

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die USA strebten im Sinne ihres Anspruches auf Weltherrschaft auch nach der Vorherrschaft in Europa. Hier betrachteten sie amerikanischen Imperialisten Deutschland als einen möglichen Bundesgenossen gegen die englischen und französischen Rivalen und zugleich als Stoßkeil gegen die Sowjetunion. Die amerikanischen Imperialisten nutzten die Rivalität zwischen Frankreich und Großbritannien, um sich 1923 mit diesem über ein den amerikanischen Wünschen entsprechendes Verhältnis zu Deutschland zu einigen. Beide Großmächte wollten Frankreichs Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent einschränken und Deutschland zum Vorposten gegen die Sowjetunion machen. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, kamen Großbritannien und die USA überein, dem deutschen Imperialismus bei der Wiederherstellung seiner Großindustrie finanziell zu helfen. Die amerikanischen Monopolherren schalteten sich direkt in die Arbeit der Sachverständigenausschüsse der Reparationskommission ein, die Vorschläge für eine Lösung des Reparationsproblems ausarbeiten sollten. Charles G. Dawes, Direktor der Morgan-Bank in Chicago, wurde Vorsitzender des Ausschusses, in dem alle grundlegenden Fragen behandelt wurden. Der von diesem Ausschuss ausgearbeitete Bericht wurde Dawesplan genannt. Er sah vor, die monopolkapitalistische Industrie Deutschlands durch eine Anleihe von 800 Millionen Goldmark rasch exportfähig zu machen. Die amerikanischen Monopolherren rechneten damit, dass Deutschland verstärkt Waren in die UdSSR exportieren, diesen Staats vom Kurs auf die sozialistische Industrialisierung abbringen und gleichzeitig mit den erzielten Profiten einen Teil der Reparationen abdecken werde.

In Verbindung mit dem Dawesplan hoben die Siegermächte auch das im Versailler Vertrag festgelegte Kontrollsystem über die deutsche Rüstungsindustrie auf. Das förderte die Wiederherstellung des deutschen Imperialismus.

 

Die Locarno-Verträge

Ermuntert von den englischen und amerikanischen Imperialisten, schlug die deutsche Regierung Anfang 1925 den Regierungen in London und Paris vor, Verträge abzuschließen, die die in Versailles festgelegte deutsch-französische und deutsch-belgische Grenze garantieren sollten. Anfang Oktober 1925 konferierten die Außenminister Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens im Schweizer Kurort Locarno.

Deutschland erklärte sich in den Locarno-Verträgen des Jahres 1925 lediglich bereit, die im Versailler Vertrag festgelegten Westgrenzen anzuerkennen. Frankreich, Belgien und Deutschland unterzeichneten entsprechende Abkommen. England und Italien verpflichteten sich, demjenigen Vertragspartner, dessen Grenzen verletzt werden sollten, Beistand zu gewähren. Mit den Vertretern Polens und der Tschechoslowakei schloss Deutschland jedoch nur Schiedsabkommen, die keinerlei Erklärung über die Anerkennung der Grenzen ihrer Länder zu Deutschland enthielten.

In den Locarno-Verträgen kamen zwei aggressive Grundlinien der Außenpolitik der imperialistischen Staaten zum Ausdruck:

 

  • Erstens das verstärkte Streben aller imperialistischen Kräfte nach Vereinigung gegen die Sowjetunion.

 

  • Zweitens der Kurs des deutschen Imperialismus auf einen auf lange Sicht geplanten Revanchekrieg.

 

 

Der Kampf der Sowjetunion für den Frieden und für die Stärkung ihrer internationalen Position

Die sowjetische Regierung begegnete den Versuchen der imperialistischen Großmächte, eine antisowjetische Einheitsfront zu schaffen und neue Interventionen zu organisieren, mit einer Reihe von Nichtangriffs- und Neutralitätsverträgen, die sie vor allem mit den Nachbarländern abschloss.

Nichtangriffs- und Neutralitätsverträge

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Verträge hatten im wesentlichen folgenden Inhalt: Die vertragschließenden Seiten verpflichten sich, den Partner nicht anzugreifen und bei einem Angriff durch eine dritte Macht Neutralität zu wahren. Das dienste der Sicherung der sowjetischen Grenzen und der Herstellung gutnachbarschaftlicher Beziehungen.

Von besonderer Bedeutung war der deutsch-sowjetische Nichtangriffs- und Neutralitätsvertrag. In ihm verpflichteten sich beide Vertragspartner, bei einem Angriff durch eine dritte Macht oder Mächtegruppe neutral zu bleiben sowie in Friedenszeiten nicht an wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen teilzunehmen, die gegen den Vertragspartner gerichtet waren.

 

Die Versuche des englischen Imperialismus zur Isolierung der UdSSR

Die Wiederherstellung der Volkswirtschaft der UdSSR, die Festigung der Sowjetmacht und die Erfolge der sowjetischen Außenpolitik machten es vor allem den englischen Imperialisten klar, dass ihnen Zeit und Gelegenheit für einen Antisowjetfeldzug verlorenzugehen drohten. Deshalb starteten sie rasch einen neuen großangelegten Versuch der ökonomischen und politischen Isolierung der Sowjetunion.

Mit der Veröffentlichung von gefälschten Materialien löste die englische Regierung 1926 eine neue Hetzkampagne gegen die Sowjetunion aus. Daran beteiligten sich besonders aktiv Henry Deterding, Generaldirektor der Shell Transport- und Handelsgesellschaft, die in der Zeit vor 1917 in Baku und Grosny große Erdölfelder besessen hatten. Als Schürer eines hemmungslosen Antisowjetismus betätigte sich auch Leslie Urquart, dem vor der Oktoberrevolution Eisenerzgruben und Metallwerke im Ural und in Sibirien gehört hatten.

Die monopolistischen Kreise wollten mit der Hetze gegen die Sowjetunion den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und der UdSSR und einen darauf folgenden Interventionskrieg vorbereiten.

Chronik Provokationen gegen Sowjetunion

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aber mit dieser Kette gefährlicher Provokationsakte erreichten die aggressivsten Kreise des englischen Imperialismus die Auslösung des Krieges gegen den Sowjetstaat nicht. Denn die Regierung der UdSSR ließ sich nicht in bewaffnete Auseinandersetzungen hineinziehen. Sie sorgte jedoch dafür, das Großbritanniens Monopolherren ihre feindseligen Aktionen mit dem Verlust der dringend benötigten sowjetischen Produktionsaufträge bezahlen mussten. Die wurden zum großen Teil an Deutschland und an die Tschechoslowakei weitergeleitet. Das brachte einflussreiche Kreise der englischen Großbourgeoisie zur Vernunft. Bereits im Frühjahr 1929 sandten 150 englische Industrie- und Handelsfirmen eine Delegation in die Sowjetunion, um über sowjetische Aufträge zu verhandeln. Die Vertreter der Sowjetunion erklärten ihnen: Aufträge an englische Firmen werden nur bei Wiederherstellung der englisch-sowjetischen diplomatischen Beziehungen vergeben; denn normaler Handel erfordert auch normale diplomatische Beziehungen. Eine Reihe von Faktoren wirkte in diese Richtung. Besonders hervorzuheben sind davon: Erstens das große Interesse vieler englischer Industrieller und Geschäftsleute am Handel mit der Sowjetunion. Zweitens die Forderungen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)nach Normalisierung der britisch-sowjetischen Beziehungen. Drittens das konsequente und zugleich elastische Verhalten der Sowjetregierung. Die ständig wachsende Wirkung dieser Faktoren führte schließlich im Spätsommer 1929 zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der UdSSR und Großbritannien.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Außenpolitik imperialistischer Staaten und des Sowjetstaates

 

Sozialismus und Glaubensfrage II

Gastbeitrag von Marcel Schmidt

 

Die Macht der Sprache

Es geht in diesem Artikel darum, ein Argument der westlichen und größtenteils auch christlichen Propaganda zu widerlegen. Selbige behauptet nämlich, dass heute übliche christliche Begriffe wie „vor Christus“ (v. Chr.) oder „St. Martinstag“ verboten waren.

Ich habe das Gefühl, dass die Kirche heute um ihre Position zittern muss und nur noch künstlich als staatlich organisierte Sekte bestehen kann. Das erklärt auch zumindest ansatzweise, warum immer mehr Christen sich zu besagten Standpunkt und den daraus resultierenden Sätzen hinreißen lassen: „Man durfte zeitliche Bezeichnungen nicht mit „vor Christus“ (v. Chr.) bezeichnen sondern musste „vor unserer Zeitrechnung“ (v. u. Zeitr.) sagen. Selbiges galt für das St. Martinsfest, was stets als „Laternenfest“ genannt werden musste. Sogar der „Samstag“ musste den eher weniger religiösen Begriff „Sonnabend“ weichen.“

 

Ja, was soll man dazu sagen?

Tatsächlich waren christliche Begriffe in der DDR weniger üblich als heute, das stimmt. Da erinnere ich mich noch lebhaft dran. Das hatte aber nichts damit zu tun, dass diese Begriffe verboten waren. Die DDR war eine Diktatur des Proletariats zum einen und eine weitgehend atheistische zum anderen. Die Kirche war ein Sammelbecken für Christen, nicht mehr und nicht weniger. Aber sie hatte keine Vormachtstellung wie heute. Das begründet auch teilweise die mehr oder weniger neutrale Ausdrucksweise im Allgemeinen. Wer christlichen Glaubens war, DURFTE natürlich auch christliche Bezeichnungen verwenden. Verboten waren die Begriffe zu keiner Zeit.

Und der Unterschied zwischen „Samstag“ und „Sonnabend“ ergibt sich ganz einfach daraus, dass der „Sonnabend“ gerade im mitteldeutschen Raum schon lange vor der DDR sehr verbreitet war. In westlichen Gebieten ist es eben „Samstag“. Dieser Gewohnheit hat man sich in der DDR angepasst und deswegen war der „Sonnabend“ auch als rechtlicher Begriff üblich. Das hat nichts mit irgendwelchen Verboten zu tun. „Samstag“ durfte man in der DDR auch sagen.

 

Siehe auch Sozialismus und Glaubensfrage(Beitrag I)