Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise im Gewerbe

Verlagswesen und Manufakturen

Wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern gab es auch in England das Verlagssystem. Seine rasche Weiterentwicklung wurde dadurch begünstigt, dass ein einziges Gewerbe, die Tuchherstellung, alle anderen überflügelt hatte. Viele Handwerker wurden von den kapitalkräftigen Verlegern abhängig. Es spielte bald keine Rolle mehr, ob die Arbeitsgeräte noch Eigentum der Handwerker waren.

Die reichen Verleger und die mit ihnen verbundenen Großkaufleute suchten nach neuen Arbeitsmethoden, denn es wurden mehr Waren benötigt. Viele Unternehmer fanden es deshalb gewinnbringender, wenn sie sich nicht nur um Rohstoffversorgung und Absatz, sondern auch um die Herstellung der Erzeugnisse und die dazu notwendigen Produktionsinstrumente kümmerten. Sie stellten selbst Arbeiter an. Solche gab es mehr als genug, nicht nur durch die Einhegungen vertriebene Bauern, sondern auch verarmte Handwerker.

Diese Arbeiter erhielten für ihre Arbeit einen festen Lohn. Rohstoffe, Produktionsinstrumente und Erzeugnisse gehörten dem Kapitalisten. Manche Unternehmer wiesen ihren Arbeitern große Gebäude zu. Dort stellten die Arbeiter Einzelteile her, die am Schluss zum Gesamterzeugnis zusammengefügt wurden. Zwischen den Arbeitern herrschte eine innerbetriebliche Arbeitsteilung. Das Produkt war nicht mehr wie beim Zunfthandwerk Arbeitsergebnis des einzelnen Menschen, sondern es entstand jetzt durch die gemeinsame Arbeit der in einem Gebäude zusammengefassten Arbeiter.  Diese verrichteten ständig den gleichen Arbeitsvorgang. Das brachte des Vorteil, dass sie nicht mehr die Arbeitsgeräte zu wechseln brauchten und durch die Spezialisierung größere Fertigkeiten erlangten.

Auf diese Weise stellten sei mehr Waren her als der allein arbeitende Handwerker her. Maschinen gab es allerdings noch nicht. Alles wurde mit der Hand produziert. Daher bezeichnete man diese Werkstätten als Manufakturen.(Das Wort Manufaktur stammt aus dem Lateinischen. Manus heißt Hand, facere anfertigen.)

Inneres einer Manufaktur

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Freilich gab es verhältnismäßig wenig große Werkstätten. Sie waren vorwiegend auf das Textilgewerbe beschränkt. Häufig schien es den Kapitalisten billiger zu sein, die Fertigung der Teilprodukte an Hausarbeiter zu verteilen. Das waren oft Bauern, die auf einen Nebenverdienst angewiesen waren. Die erhielten geringere Löhne als die Arbeiter in den Manufakturen.

 

Die kapitalistische Ausbeutung

Der Manufakturarbeiter war nicht mehr vom Feudalherren abhängig. Er konnte im Rahmen der Geltenden Gesetze frei über seine Person verfügen. Gleichzeitig war er „frei“ von jeglichem Privateigentum an Produktionsmitteln. Da er jedoch außer seiner Arbeitskraft nichts besaß, was ihm seinen Lebensunterhalt verschafft hätte, musste er für den Kapitalisten arbeiten, um letztlich nicht vor Hunger zu sterben. Der doppelt freie Lohnarbeiter wurde also vom Kapitalisten wirtschaftlich abhängig. Der Kapitalist zahlte dem Arbeiter Lohn, doch nur soviel, wie dieser zum Leben benötigte. Für das vom Arbeiter hergestellte Produkt erhielt der Kapitalist aber mehr, als der Lohn ausmachte. Diesen Überschuss eignete er sich unentgeltlich an. Darin besteht die kapitalistische Ausbeutung.

Die Arbeiter litten unter den niedrigen Löhnen. Viele Verrichtungen, besonders im Textilgewerbe, wurden außerdem von Frauen und Kindern ausgeführt. Ohne deren Kärglichen Zusatzverdienst hätte die Familie nicht auskommen können. Die schlechten Arbeitsbedingungen schädigten die Gesundheit. Dazu kam für alle die sehr lange Arbeitszeit. Nach dem Arbeitsgesetz von 1562 dauerte sie im Sommer von 5 Uhr früh bis 19:30 abends.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise im Gewerbe

Die Einhegungen

Die Vertreibung der Bauern

Schon im 15. Jahrhundert hatte sich die englische Tuchweberei zum führenden Gewerbe des Landes entwickelt. Ihre Erzeugnisse waren überall begehrt. Aber bald genügte die Wolle der vorhandenen Schafherden nicht mehr. Da die Grundbesitzer, Adel, Geistlichkeit, reiche Bürger und große Bauern also, für Wolle mehr Geld erhielten als für Getreide, versuchten sie, ihre Herden zu vergrößern. Doch dazu brauchten sie ausgedehntere Weiden. Zu diesem Zweck raubten sie zunächst die Allmende. Sie hegten die Gemeindewiesen und anderes brachliegendes Land durch Hecken und Zäune ein und erklärten es zu ihrem Eigentum. Als auch diese Flächen nicht mehr ausreichten, vertrieben die Grundbesitzer viele kleine Bauern von den Wirtschaften.

Der englische König führte in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts die Reformation ein. Da wurden Klöster aufgehoben, ihre Besitzungen verkauft oder verschenkt. Viele Kirchengüter gerieten in die Hand von Höflingen, Kaufleuten und Spekulanten. Der Kaufmann vermochte sich nunmehr direkt um die Steigerung der Wollproduktion zu kümmern. Die Einhegungen gingen verstärkt weiter. Ihren größten Umfang erreichten sich allerdings erst im 18. Jahrhundert.

Thomas Morus über die Einhegungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Auch das, wo die Bauern von den „menschenfressenden Schafen“ verschont blieben, verstärkte sich der Druck der Grundherren. Überall wurden die Abgaben erhöht.

 

Die Folgen der Einhegungen

Durch die Einhegungen entstanden größere Wirtschaftsflächen. Diese erlaubten es den Grundbesitzern, mehr und billiger zu produzieren. Doch das wurde mit dem Elend der davon betroffenen Bauern erkauft, die keinen Boden und schließlich nur noch ihre Arbeitskraft besaßen, um den Lebensunterhalt zu verdienen.

Englisches Dorf vor und nach der Einhegung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Beschreibung Elend der vertriebenen Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung ursprüngliche Akkumulation des Kapitals in England

Entwicklung der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals in England

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Blutgesetzgebung

Für die meisten Vertriebenen fand sich keine neue Arbeit. Die Landwirtschaft brauchte diese Menschen nicht, das Gewerbe konnte sie noch nicht aufnehmen. So zogen sie durch das Land und wurden zu Bettlern oder gar Dieben. Gegen sie verfügte die Regierung harte Maßnahmen. Die wurden ausgepeitscht, gebrandmarkt, in die Gefängnisse geworfen oder hingerichtet. Wegen ihrer Grausamkeit nannte man jene Anordnungen die „Blutgesetze“.

Thomas Morus über die Einhegungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

So waren in England die beiden Hauptvoraussetzungen für die kapitalistische Produktionsweise entstanden. Es gab einmal eine kleine Schicht Menschen, die über große Geldmengen verfügte. Diesen Kapitalisten stand die Masse der Menschen gegenüber, die ihren Lebensunterhalt nur als Lohnarbeiter sichern konnte. Man bezeichnet diese Ereignisse, die zur Schaffung dieser beiden Voraussetzungen für die kapitalistische Produktionsweise führten und mit denen die kapitalistische Entwicklung begann, als ursprüngliche Akkumulation des Kapitals.

 

Thomas Morus ist der Autor von Utopia.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Einhegungen

Englischer Handel in aller Welt

Die „Wagenden Kaufleute“

In England herrschten im 16. Jahrhundert die Könige aus dem Hause Tudor.  Ihre Politik entsprach den Interessen von Bürgertum und Landadel. Die großen Feudalherren wurden von den Tudors niedergeworfen und botmäßig gemacht. Die Herrschaft des Königs war im ganzen Lande anerkannt, England ein einheitlicher Staat geworden.

Politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landes war London. Hier wohnten die reichen Großkaufleute, hier befand sich auch die Börse, ein Haus, in dem die Geschäfte abgewickelt wurden.

Der Tower in London

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Engländer blickten neidvoll auf die Schätze, die in Lissabon und Cádiz gelandet wurden. Lag nicht auch England am Weltmeer? Segelten englische  Schiffe nicht ebenso gut wie die der Spanier und Portugiesen? Aber es gab vorläufig wenig englische Schiffe, und zudem musste der englische Kaufmann erst einmal mit der Konkurrenz, der wirtschaftlichen Gegnerschaft der fremden Händler, bei der englischen Ein- und ausfuhr fertig werden. Die englischen Kaufleute schlossen sich daher zu Vereinigungen, Gilden, zusammen. Die bedeutendste war die Gilde der „Wagenden Kaufleute“. Ihr gab der König reiche Privilegien: Sie allein durfte Tuch, den wichtigsten englischen Exportartikel, nach dem Festland ausführen. Die Mitglieder dieser Genossenschaft versprachen, sich im Ausland beizustehen. Sie errichteten Niederlassungen in Antwerpen und Hamburg, zwei Städten, die im 16. Jahrhundert für den europäischen Handel große Bedeutung besaßen.

 

Der Kampf der Engländer gegen Spanien

Bald begnügten sich die englischen Kaufleute nicht mehr mit dem Tuchexport nach Europa. Sie wollten sich auch an dem so gewinnbringenden Überseehandel beteiligen. Aber Spanier und Portugiesen duldeten keine fremden Schiffe auf den Meeren. Der Handel mit ihren Kolonien sollte ihnen allein zustehen. Deshalb unternahmen die englischen Kaufleute zahlreiche Schmuggel- und Piratenzüge gegen die spanischen Besitzungen. Sie überfielen und plünderten die Silberflotten. Die englische Königin Elisabeth I., die in der zweiten Hälfe des 16. Jahrhunderts regierte, stellte diese Fahrten unter ihren Schutz und regelte sie sogar. Die Raubzüge gegen das spanische Kolonialreich verschafften allen Beteiligten riesige Gewinne. Er Erlös eines solchen Zugs beispielsweise betrug das 4700fache der Kosten.

Richtlinien der englischen Regierung für Seeräuber

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Engländer versuchten, einen Nordost- oder Nordwestweg nach Asien zu finden, der die von Spanien kontrollierten Handelslinien umgehen sollte. Aber Spanien wehrte sich. Sein König, Philipp II., sandte 1588 eine gewaltige Flotte, die Armada, gegen England aus.  Doch diese wurde im Kanal geschlagen. Dieser Sieg legte den Grundstein für die englische Seeherrschaft und Kolonialmacht.

Elisabeth I. bei Dankgottesdienst Sieg über spanische ArmadaBildunterschrift Elisabeth I. Dankgottesdienst

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Engländer segelten jedoch nicht nur nach Amerika, sondern auch nach Westafrika, um dort das „schwarze Gold“ zu holen.

Bericht über Sklavenhandel an der Goldküste

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die englischen Kaufleute erzielten durch den Sklavenhandel bedeutende Einnahmen. Den afrikanischen „Geschäftspartnern“, den Sklavenhändlern und Häuptlingen, gaben sie Alkohol, Waffen und billige Gewerbeprodukte. Bald erlangten die Engländer auch im Sklavenhandel die Führung.

Um mit anderen Ländern besser handeln zu können, entwickelten sich die Kaufmannsgilden zu großen Handelskompanien, die für den Handel mit Russland, dem Orient, Afrika, Indien und Amerika entstanden. Die mächtigste war die englische Ostindienkompanie, die im Jahre 1600 gegründet wurde. Auch in anderen europäischen Ländern gab es derartige Gesellschaften.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Englischer Handel in aller Welt