Eleonore Prochaska

Marie Eleonore Proschaska, geboren am 11. März 1785 in Potsdam, gestorben am 5. Oktober 1813 in Dannenberg, war eine Deutsche Soldatin in den Befreiungskriegen.

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Eleonore Prochaska kam am 11. März 1785 in Potsdam zur Welt. Ihr Vater war Unteroffizier in einem preußischen Bataillon der Garde. Als er 1793 in den Krieg gegen Frankreich ziehen musste, war die Mutter nicht in der Lage, sich um die Kinder zu kümmern. Eleonore und ihre drei Geschwister wurden in das Große Militärwaisenhaus in Potsdam eingewiesen. Dort blieb sie bis 1797 und kehrte dann zu ihrem Vater zurück, der den Dienst verlassen hatte und von seiner Rente und vom Musikunterricht lebte. Um 1808/1809 interessierte sie sich für die Volksaufstände in Spanien und Tirolgegen Napoleon. Um diese Zeit verließ sie den väterlichen Haushalt und um 1810 diente sie als Köchin in einem Potsdamer Bürgerhaus.

Gedenktafel am Haus Lindenstraße 34 in Potsdam

Gedenktafel am Haus Lindenstraße 34 in Potsdam

Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4461172

 

 

Ende Juni 1813 trug sie sich unter dem Namen August Renz in die Stammrolle des Jägerdetachements des 1. Bataillons des Lützowschen Freikorps ein. Leutnant Otto Preuße schrieb:

„Wir standen in Sandau an der Elbe. Hier kam auch ein Jäger Renz zur Kompanie – wie sich später zeigte, ein Mädchen Namens Prochaska. Er wurde Flügelmann, 5 Fuß, 8 Zoll, 3 Strich hoch – Es wurden uns englische Schuhe geliefert, alle bedeutend zu groß, doch zu klein für Renz und ich musste besonders für ihn ein Paar arbeiten lassen. Seine Sprache war nicht besonders fein, so dass niemand in ihm ein Mädchen vermuten konnte. Übrigens kochte er vortrefflich in den Biwaks.“[3]

Brief Eleonores an ihren Bruder Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Das Freikorps Lützow verstärkte im Juli 1813 das Armeekorps von General Wallmoden, das an der Niederelbe positioniert war. Als Mitte August der Krieg erneut losbrach, stand Prochaskas Einheit in Büchen. Ihre Abteilung machte die ganze Kampagne mit, wurde aber in den vielen Scharmützeln gegen die Armee von Davout (Lauenburg, Vellahn, Gadebusch, Mölln usw.) nicht eingesetzt. Die Schlacht an der Göhrde im September 1813 wurde die erste ernste Kampfprobe für die Kompanie und für Prochaska.

Eleonore Proschaska Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In der Schlacht an der Göhrde wurde sie durch eine Kartätsche schwer verwundet, als sie versuchte, einen verletzten Kameraden aus der Kampflinie zu tragen. Ein herbeigeeilter Vorgesetzter, der ihre Wunden versorgte, entdeckte ihr wahres Geschlecht und ließ sie in ein Bürgerhaus nach Dannenberg bringen, wo sie drei Wochen später ihren Verletzungen erlag.

Gedenktafel für Eleonore Prochaska an ihrem Sterbehaus, Lange Straße, Dannenberg

Gedenktafel für Eleonore Prochaska an ihrem Sterbehaus, Lange Straße, Dannenberg

Bildquelle: Von Hermann Junghans – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37408791

 

 

Ehrungen

Eine Zeitungsmeldung vom 7. Oktober 1813 berichtete: „Heute morgen um 9 Uhr wurde die Leiche der in der Schlacht bei Göhrde verwundeten Eleonore Prochaska zur Erde bestattet, welche als Jäger im Lützowschen Korps unerkannt ihren Arm aus reinem Patriotismus der heiligen Sache des Vaterlandes geweiht hatte. Gleich einer Jeanne d’Arc hatte sie mutvoll gekämpft den Kampf für König und Vaterland […] Trauernd folgten ihr das hannoversche und russisch-deutsche Jägerkorps, Se. Excellenz der Herr Minister und Grandmaitre de la Garderobe außerordentlicher Gesandter Graf von Grote, Ihr Kommandeur und Oberst Herr Graf von Kielmannsegg, mit sämtlichen Offizieren an der Spitze, und zollten ihrem Mut den letzten Beweis öffentlicher Würdigung ausgezeichneter Tapferkeit und weiblichen Heroismus.“

In der Folgezeit wurde sie als jungfräuliche Heldin stark idealisiert und als die „Potsdamer Jeanne d’Arc“ verehrt. Verschiedene Dramen und Gedichte wurden über sie geschrieben, unter anderem „Auf das Mädchen aus Potsdam, Prochaska“ von Friedrich Rückert.

Im Jahr 1865 wurde an ihrem Grab auf dem St.-Annen-Friedhof in Dannenberg ein Denkmal errichtet und 1889 erhielt ihre Heimatstadt Potsdam ihr zu Ehren ein Denkmal („Der Heldenjungfrau zum Gedächtnis“), das sich auf dem fast vollständig abgeräumten Alten Friedhof erhalten hat.

Grabstätte von Eleonore Prochaska auf dem ehemaligen St.-Annen-Friedhof in Dannenberg

Grabstätte von Eleonore Prochaska auf dem ehemaligen St.-Annen-Friedhof in Dannenberg

 

Bildquelle: Von Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344683

 

 

Auch musikalisch wurde ihr ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt: Ludwig van Beethoven komponierte zum Gedenken an die Heldin zu dem (verschollenen) Schauspiel „Leonore Prohaska“, geschrieben vom Königlich preußischen Geheimsekretär Friedrich Duncker (1815), eine Schauspielmusik, bestehend aus einem Krieger-Chor, einer Romanze, einem Melodram und einem Trauermarsch (Werk ohne Opus 96). Eine literarische Würdigung erfuhr das Schicksal der ungewöhnlichen Frau durch den von Birgid Hanke verfassten Roman „Flammen der Freiheit“ (2013).

Denkmal für Eleonore Prochaska auf dem Alten Friedhof (in Potsdam)

Denkmal für Eleonore Prochaska auf dem Alten Friedhof (in Potsdam)

Bildquelle: Von karstenknuth – Eigenes Werk (Originaltext: eigene Arbeit), Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5705194

 

 

 

Der Mythos der Lützower Trommlerin

 

Der Leutnant Friedrich Christoph Förster, der am Angriff der Lützower an der Göhrde teilnahm, erzählte in seinem 1863 erschienenen Buch, wie Prochaska, um ihre Kameraden zu ermutigen, mit einer liegen gelassenen Trommel den Angriff fortsetzte. Als sie schwer getroffen wurde, konnte sie noch Förster ihre weibliche Natur preisgeben: „Herr Leutnant, ich bin ein Mädchen.“

Die Geschichte der Trommlerin fand sofort eine große Verbreitung und heute noch ist dieses Bild der Lützower Trommlerin von der Person Prochaska nicht weg zu denken.

Dieser Bericht von Förster ist allerdings von ihm frei erfunden worden. Alle früheren Quellen sind einig über die Tatsache, dass Prochaska getroffen wurde, als sie einen Kameraden aus der Feuerlinie wegtragen wollte und dass sie sich nicht dem Leutnant Förster, sondern wahrscheinlich dem Feldwebel Markworth, einem Schullehrer aus Berlin, offenbarte.

Ihre Person wurde immer wieder neu interpretiert und erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Vereinnahmungen aus verschiedenen politischen Richtungen. Prochaska wurde nach und nach eine Symbolfigur für Patrioten, Nationalisten, Kriegsbefürworter, Kommunisten und Feministinnen.

 

Proschaska und die Gender-Forschung

 

Seit den 1990er Jahren bietet die Geschlechterforschung (mit zum Beispiel der deutschen Historikerin Karen Hagemann) eine neue Interpretation der Figur Prochaskas an. Mit der Einführung der Wehrpflicht in Preußen nach der vernichtenden Niederlage von Jena 1806 und während der Befreiungskriege 1813 hätte sich eine neue Ausformung der Männlichkeit herauskristallisiert. Der Mann wird Nationalkrieger und Staatsbürger und gegenüber dem mutigen männlichen Kämpfer entwickelt sich als Pendant eine „vaterländische“ Weiblichkeit. Frauen bekommen dabei die Rolle von „Heldenmüttern“, „Kriegerbräuten“ oder „hochherzigen Pflegerinnen“. In diesem Zusammenhang erscheint Prochaska (so wie die anderen Frauen, die in den Befreiungskriegen gekämpft haben) als Person, die den Handlungsrahmen ihrer zugedachten Rolle als Frau aus patriotischen Gründen nicht akzeptiert und überschreitet. Prochaska zieht in den Krieg, nicht nur um zu kämpfen, sondern auch um ihre Aufgaben als Bürgerin wahrzunehmen.

 

Andere Frauen in den Befreiungskriegen

 

Neben Eleonore Prochaska haben während der Freiheitskriege noch weitere Frauen in den beteiligten Armeen gekämpft, so beispielsweise die russische Offizierin Nadeschda Durowa oder die Tirolerin Katharina Lanz. Allerdings wurden fast alle, nachdem sie als Frauen erkannt wurden, aus dem Militärdienst entlassen. Die einzige Ausnahme war wohl Friederike Krüger (1789–1848), die dank Protektion ihres Brigadekommandeurs der einzige bekannte weibliche Unteroffizier der preußischen Armee wurde. Zuletzt diente sie im 2. Garde-Regiment zu Fuß. 1816 wurde ihr Abschiedsgesuch bewilligt und sie zog sich in das Zivilleben zurück.

 

Siehe auch:

Liste als Mann verkleideter Militärpersonen

 

Heute gibt es in einigen Ländern, darunter auch im heutigen Deutschland, offiziell Frauen bei der Armee, auch in der kämpfenden Truppe. Das ist aber umstritten.

 

Anmerkung: Kein Geschichtsbuch schreibt, wie als Mann verkleidete Frauen es geschafft haben sich zu waschen, Wäsche zu wechseln und auf Toilette zu gehen.(An die Monatshygiene muss man bei Frauen auch denken.)

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

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Die Niederlage bei Jena und Auerstedt und der Frieden von Tilsit

Die Niederlage bei Jena und Auerstedt

Die französischen Kapitalisten gaben sich mit der Unterwerfung von einem Teil Deutschlands noch nicht zufrieden. Sie wollten das ganze Land beherrschen und ausplündern. Im Herbst 1806 kam es deshalb zum Krieg mit dem militaristischen Preußen. Überheblich hatte ein preußischer General geäußert, man brauche gar keine Gewehre und Säbel, um die Franzosen zu besiegen. Schon mit Knüppeln könne man sie in die Flucht schlagen. Aber Napoleons Armee lehrte die preußischen Junker etwas anderes. Rasch drang sie über den Thüringer Wald in die Gegend von Jena und Auerstedt vor. Hier kam es am 14. Oktober zu einer Doppelschlacht. Die preußischen Truppen wurden vernichtend geschlagen und zogen sich Hals über Kopf zurück.

Wie kam es zu dieser für Preußen so schmachvollen Niederlage? Sie war kein Zufall, sondern ergab sich aus den rückständigen gesellschaftlichen Verhältnissen. Die preußische Armee bestand aus Söldnern und Leibeigenen, deren menschenunwürdige Behandlung durch die Offiziere bekannt war. Demgegenüber hatten die französischen Soldaten das Gefühl freie Männer zu sein.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Schlacht bei Jena 14.10.1806

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Wenige Wochen nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt waren auch die meisten preußischen Festungen in französischer Hand. Die Mehrzahl der Kommandanten kapitulierte feige. Manchmal waren es nur kleine französische Abteilungen, vor denen die Waffen gesteckt wurden. So geschah es auch in Magdeburg. Mit etwa 23 000 Mann, 800 Kanonen und reichen Vorräten ergab sich diese starke Festung den Franzosen, die nur drei Kanonen vor der Stadt aufgefahren hatten.

Aber nicht überall konnte die Napoleonische Armee so leichte Erfolge erringen. Blücher kapitulierte bei Lübeck erst, als er kein Brot und Pulver mehr hatte. Die Festung Kolberg wurde unter dem Befehl des Majors Neithardt von Gneisenau bis zum Kriegsende erfolgreich verteidigt.

Obwohl die russische Armee den Preußen zu Hilfe eilte, gefährdete sie den endgültigen Sieg Napoleons nicht mehr. Schon im Oktober konnte Napoleon in die preußische Hauptstadt Berlin einziehen. Er schlug sein Quartier im Königsschloss auf. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. war nach Memel geflohen. Wegen seiner feigen Haltung sangen die Berliner Jungen: „Unser Dämel ist Memel!“

 

Der Frieden von Tilsit

Preußen musste seine Niederlage sehr teuer bezahlen. Napoleon zeigte sein wahres Gesicht als Eroberer. Am 09. Juli 1807 schloss er mit Friedrich Wilhelm III. den Frieden zu Tilsit. Der preußische Staat verlor etwa die Hälfte seines Gebietes und seiner Einwohner. Im Osten handelte es sich um Gebiete, die Preußen im 18. Jahrhundert Polen geraubt hatte. Daraus wurde das Großherzogtum Warschau gebildet. Besonders schmerzlich war der Verlust der linkselbischen Provinzen. In ihnen gab es bedeutende Städte und Produktionsanlagen. Aus diesen und anderen Gebieten gründete Napoleon das Königreich Westfalen, in dem sein Bruder Jerome König wurde. Außerdem sollte Preußen so lange durch franzöisische Truppen besetzt bleiben, bis es die Kriegskosten bezahlt habe. Napoleon legte deren Höhe jedoch nicht fest, so dass er seine Forderungen laufend steigern konnte. Während Preußen im Jahre 1806 über mehr als 200 000 Soldaten verfügte, durfte es nach einem Vertrag von1808 künftig nicht mehr als 42 000 Mann unter Waffen halten. Nicht nur für Preußen, sondern für ganz Deutschland bedeutete der Tilsiter Frieden die größte Erniedrigung.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Niederlage bei Jena und Auerstedt und Tilsiter Frieden

 

 

Ernst Moritz Arndt

Ernst Moritz Arndt, geboren am 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz, Rügen, gestorben am 29. Januar 1860 in Bonn, war ein deutscher Schriftsteller, Historiker, Freiheitskämpfer und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Er widmete sich hauptsächlich der Mobilisierung gegen die Besetzung Deutschlands durch Napoleon. Er gilt als einer der   bedeutendsten Lyriker der Epoche der Befreiungskriege und wird sehr unterschiedlich beurteilt.  Einige betonen seine demokratischen Gedanken und sehen in als deutschen Patrioten in turbulenten Zeiten, andere wiederum charakterisieren ihn als Nationalisten und thematisieren vorhandene antisemitische Tendenzen in seinen Schriften.

Arndts Geburtshaus

Arndts Geburtshaus

 

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Sein Vater Ludwig Nikolaus (1740–1808) konnte sich, obwohl er nur der Sohn eines Hirten der Herrschaft zu Putbus in Schwedisch-Vorpommern war, am 28. März 1769 für die hohe Summe von 80 Talern aus der Leibeigenschaft des Grafen Malte Friedrich zu Putbus freikaufen und arbeitete zur Zeit von Arndts Geburt als Inspektor auf dem Gut des Grafen. 1776 wurde der Vater Pächter verschiedener Güter auf Rügen.

Seine Mutter Friederike Wilhelmine (geb. Schumacher, 1747–1804), Tochter eines Bauern, prägte seine Früherziehung maßgeblich durch volkstümliche Sagen und Bibelgeschichten.

Der Vater schickte seinen frei geborenen Sohn nach dem Unterricht durch Hauslehrer von Februar 1787 bis 1789 auf das Gymnasium im Stralsunder Katharinenkloster.

Ernst Moritz Arndt Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Ab 1788 besuchte Arndt die Prima bei Rektor Christian Heinrich Groskurd. Im Herbst 1789 wurde er für seine erfolgreich bestandenen Herbstprüfungen öffentlich gelobt. Er selbst sah jedoch im Lernen am Gymnasium keinen Sinn mehr, verließ Stralsund und ging nach Zemmin außerhalb Schwedisch-Pommerns. Nach der Intervention seines Vaters, der ihm die Wahl ließ zwischen einer Fortsetzung des Studiums oder Mitarbeit auf dem elterlichen Gut in Löbnitz, kehrte Arndt zu seinen Eltern zurück und blieb dort bis Ostern 1791, wobei er das Gymnasium praktisch im „Fernstudium“ beendete.

Ab Mai 1791 studierte er an den Universitäten Greifswald und später Jena neben evangelischer Theologie, Geschichte, Erd- und Völkerkunde auch Sprachen und Naturwissenschaften. Nach der Kandidaten- und Hauslehrerzeit bei Ludwig Gotthard Kosegarten unternahm er 1798/99 eine Bildungsreise durch Österreich, Oberitalien, Frankreich, das heutige Belgien und einen Teil Norddeutschlands. Er schilderte seine Eindrücke in verschiedenen Reiseberichten.

Im April 1800 habilitierte sich Arndt in Greifswald in Geschichte und Philologie mit einer Schrift, in der er sich gegen die Ideen Jean-Jacques Rousseaus aussprach. Er heiratete Charlotte Marie Quistorp, die Tochter von Professor Johann Quistorp, die 1801 nach der Geburt des Sohnes Karl Moritz an Kindbettfieber starb. Am 22. April 1800 bat Arndt die Universität Greifswald um die Lehrerlaubnis für Geschichte und Philologie, die ihm am 5. Mai 1800 vom Generalgouverneur und Universitätskanzler Hans Henrik von Essen erteilt wurde, dem Arndt später seinen „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen“ widmete.

Arndts Schreibtisch Museum Stralsund

Arndts Schreibtisch, Museum Stralsund

Bildquelle: Von Hermann Junghans – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35446730

 

Arndt wurde 1801 Privatdozent an der Universität. 1803 wurde Arndt nach dem Erscheinen seines „Versuchs einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen“ von adligen Gutsbesitzern verklagt. Darin hatte er voller Empörung das Bauernlegen und die Leibeigenschaft in Vergangenheit und Gegenwart kritisiert. Arndt schrieb in seiner Autobiographie, die 1806 erfolgte Aufhebung der Leibeigenschaft und der Patrimonialgerichtsbarkeit(Gerichtsbarkeit durch die Gutsherren und vom Staat unabhängige Rechtspflege) in Schwedisch-Vorpommern durch den schwedischen König sei aus der Lektüre seiner Studie gefolgt. Im selben Jahr verfasste Arndt den ersten Teil seiner antinapoleonischen Flugschrift „Geist der Zeit“. Er erhielt, nach einem Schweden-Aufenthalt 1803/1804, auf seinen Antrag vom November 1805 hin am 11. April 1806 eine außerordentliche Professur an der philosophischen Fakultät in Greifswald.

1805 erarbeitete Arndt für die schwedische Regierung eine Verordnung über die Errichtung einer Landwehr in Schwedisch-Pommern, die am 30. April 1806 in Kraft trat. Ab dem Sommer war Arndt dann öfter für die Regierung tätig, was seinen Aufenthalt in Stralsund erforderte, wo er sich mit dem seit 1799 als Arzt arbeitenden Christian Ehrenfried Weigel anfreundete. Er geriet mit einem schwedischen Offizier namens Gyllensvärd aneinander, dem er antideutsche Äußerungen unterstellte, und duellierte sich mit ihm am 12. Juli 1806, wobei er von einer Pistolenkugel im Bauchraum verwundet wurde.

Arndt musste nach der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt vor den Truppen Napoleons nach Schweden flüchten. Er traf am 26. Dezember 1806 in Stockholm ein, wo er den zweiten Teil von „Geist der Zeit“ schrieb, der Wege aus der „fremdherrschaftlichen Bevormundung Deutschlands“ aufzeigen sollte. Arndt arbeitete in Schweden an der Übersetzung des schwedischen Gesetzbuches, um es in Schwedisch-Pommern einführen zu können.

Nach dem Sturz König Gustavs IV. Adolf verließ Arndt 1809 sein Asyl und kehrte illegal nach Deutschland zurück. Er lebte zunächst bei seinen Geschwistern auf dem Land und ging dann nach Berlin zu Georg Andreas Reimer, wo er in einen patriotischen Kreis eingeführt wurde, zu dem u. a. Friedrich Ludwig Jahn, Hermann von Boyen, August Neidhardt von Gneisenau und Friedrich Schleiermacher gehörten.

Als im Jahr 1812 Napoleon Friedrich Wilhelm III. von Preußen in ein Bündnis zum Krieg gegen Russland gezwungen hatte, gingen zahlreiche deutsche Gegner Frankreichs nach Russland. Unter ihnen befand sich der Freiherr vom Stein, der in Arndt einen Gefährten zur Unterstützung des deutschen Nationalbewusstseins gegen die französische Fremdherrschaft sah und ihn einlud, sein Privatsekretär zu werden. Arndt folgte ihm über Prag nach Sankt Petersburg. Zu seinen Aufgaben gehörten vor allem Briefwechsel mit England und Deutschland, besonders die Russisch-Deutsche Legion betreffend sowie eine Koalition Englands mit Russland. In dieser Zeit publizierte Arndt den Großteil seiner patriotischen Lieder und Gedichte und seiner Schriften gegen Frankreich.

Zu Beginn des Befreiungskrieges verfasste Arndt die Schriften „Kurzer Katechismus für den teutschen Soldaten“ und „Katechismus für den teutschen Kriegs- und Wehrmann. In dieser Schrift geißelt er den „Krieg der Tyrannen“.

Sein Beispiel für den Tyrannen in einer seiner Schriften ist Napoleon Bonaparte. In zahlreichen Gedichten thematisiert er das Streben nach größtmöglicher Freiheit. Diese stellte er als konstitutelle Monarchie dar. Auch das Verhalten von Soldaten ist Thema seiner Schriften.

Nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug und dem Beginn der Befreiungskriege kehrte Arndt 1813 nach Schwedisch-Pommern zurück. Von Sommer 1816 bis März 1817 war Arndt im seit 1815 preußischen Stralsund und traf u. a. seinen langjährigen Freund Gottfried Christian Mohnike, seinen ehemaligen Konrektor Furchau und dessen Sohn Adolf Friedrich. Er unterstützte weiterhin die nationale Einheitsbewegung durch diverse Schriften, u. a. „Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze“, in der er die Ablösung des deutschsprachigen Rheinlands von Frankreich forderte.

Zur Unterstützung des evangelischen Pietismus veröffentlichte er den „Deutschen Volkskatechismus“. Arndt schrieb außerdem gegen französische Politik, Philosophie und Lebensart an.

Im April 1817 verlobte sich Arndt in Berlin mit Anna Maria Schleiermacher, einer Schwester des Theologen Friedrich Schleiermacher, die er am 18. September des gleichen Jahres heiratete. In diesem Jahr erschienen auch seine „Märchen und Jugenderinnerungen“ und der vierte Teil von „Geist der Zeit“. Er ging an die von Preußen in Bonn errichtete Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, wo er 1818 Professor für Geschichte wurde.

Im Jahr 1819 veröffentlichte Arndt das Gedicht „Der Fels des Heils“ in seiner Schrift „Von dem Wort und dem Kirchenliede“. Es lehnt sich an die Bibelstelle „Ich weiß, an wen ich glaube“ aus 2. Timotheus 1,12 LUT an. Noch zu Arndts Lebzeiten wurde das Lied in zahlreiche Gesangbücher aufgenommen. Es ist heute unter dem Titel „Ich weiß, woran ich glaube im Evangelischen Gesangbuch enthalten. Die Melodie stammt von HeinrichSchütz aus dem Jahr 1628 in einer minimal veränderten Version von 1661.

Arndts akademisches Wirken war nur von kurzer Dauer. 1819 wurden seine Papiere im Rahmen der sogenannten Demagogenverfolgungen infolge der Karlsbader Beschlüsse wegen des vierten Bandes von „Geist der Zeit“ und Privatäußerungen beschlagnahmt, er selbst am 10. November 1820 von seinem Lehramt suspendiert. Im Februar des folgenden Jahres wurde ein Verfahren wegen „demagogischer Umtriebe“ gegen ihn eröffnet. Es endete ohne Ergebnis. Arndts Forderung einer Ehrenerklärung wurde nicht erfüllt, er selbst aber auch nicht für schuldig erklärt. Bei Weiterbezug seines Gehaltes wurde ihm die Erlaubnis entzogen, an der Universität Vorlesungen zu halten. Die Berufsverbote sind also keine Erfindung der BRD(Radikalenerlass).

1826 musste Arndt sein Professorenamt ganz niederlegen. Erst 1840 wurde er durch Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert. Eine Schilderung des Prozesses gab Arndt in dem „Notgedrungenen Bericht aus meinem Leben, aus und mit Urkunden der demagogischen und antidemagogischen Umtriebe“ (1847).

Auch im Privatleben musste Arndt mit Schicksalsschlägen fertigwerden. 1834 ertrank sein jüngster Sohn Wilibald im Rhein. Sein Sohn Sigerich Arndt wurde gegen den erbitterten Widerstand seines Vaters, der der Burschenschaft zugeneigt war und das Prinzip politischer Neutralität strikt ablehnte, Mitglied des Corps Rhenania Bonn. 1841 wurde Arndt Rektor der Bonner Universität und lehrte und publizierte bis zu seiner Emeritierung(Ruhestand) 1854.

Arndt im fortgeschrittenem Lebensalter

Arndt in fortgeschrittenem Lebensalter

Bildquelle: Von Carl Wildt – zeno.org, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6910961

 

Am 18. Mai 1848 zog Arndt als Abgeordneter für Solingen in die Frankfurter Nationalversammlung ein. Er blieb fraktionslos, war aber Mitglied der Kaiserdeputation. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte Arndt schon vor der Konstituierung der Versammlung geschrieben, dass er die von einem demokratischen Parlament angebotene Krone nicht annehmen werde. Am 20. Mai 1849 legte Arndt sein Mandat nieder und widmete sich wieder dem akademischen Leben.

Ernst Moritz Arndt als Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung

Ernst Moritz Arndt als Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung

 

Bildquelle: Von Jacob Seib (1812-1883) – Fritz Kempe: Daguerreotypie in Deutschland, Heering-Verlag, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2762218

 

 

Arndt blieb weiter aktiv als patriotischer Literat. Er verfasste „Blätter der Erinnerung, meistens um und aus der Paulskirche in Frankfurt(1849), „Mahnruf an alle deutschen Gauen in betreff der schleswig holsteinischen Sache“ (1854), „Pro populo germanico“ (1854), „Blütenlese aus Altem und Neuem“(1857) und „Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn H. K. Fr. vom Stein“ (1858). Wegen einer Generalfeldmarschall Carl Philipp von Wrede und das bayerische Militär verleumdenden Stelle in der letztgenannten Schrift wurde Arndt vor das Schwurgericht in Zweibrücken geladen und in Abwesenheit zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

1858 widmeten Hermann und Moritz Schauenburg Arndt die erste Ausgabe des „Allgemeinen deutschen Kommersbuches“. Diese Widmung und ein Faksimile(Verkleinerung des Originals) seiner Antwort werden bis heute in jeder Auflage des Kommersbuches abgedruckt. Unter allgemeiner und öffentlicher Teilnahme feierte Arndt 1859 seinen 90. Geburtstag. Er starb kurz darauf am 29. Januar 1860. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn.

Grabstätte auf dem alten Friedhof in Bonn

Grabstätte auf dem Alten Friedhof in Bonn

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Sir_James

 


 

Bewertungen und Ehrungen:

Arndt war rassistisch, insbesondere den Franzosen und Juden gegenüber.

Zu Lebzeiten wurde Arndt hoch verehrt und gefeiert, seine Schriften führten zur Gründung patriotischer Vereinigungen, u. a. in Gießen, Heidelberg und Marburg, die als Vorgänger der Burschenschaften angesehen werden können. Sein Lied „Was ist des Deutschen Vaterland?“ war lange Zeit die inoffizielle Hymne der deutschen Einigungsbewegung. Für Arndt wurden eine Reihe von Denkmälern errichtet, u. a. in Bonn und Stralsund.

Arndts Schreibtisch Museum Stralsund

Arndts Schreibtisch in Stralsund

Grabstätte auf dem alten Friedhof in Bonn

Grabstätte auf dem Alten Friedhof in Bonn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arndts erklärtes Ziel war es, mit seinen Texten über den Kreis der Gebildeten hinaus zu wirken; er bemühte sich daher um eine allgemeinverständliche Sprache. Er war sich durchaus im Klaren darüber, dass einige seine Publikationen, wie zum Beispiel die Schriften „Geist der Zeit“, nur Leser in gebildeten Schichten finden würden, und arbeitete daher Teile davon um in ein einfacher gehaltenes Volksbuch. Dessen Auflagen waren 1813/14 innerhalb weniger Monate vergriffen. Die Flugschriften Arndts sollten den gebildeten wie auch den ungebildeten Leser ansprechen. Er bediente sich bewusst einer Sprache, die „einfältig, klar und ohne alle Klügelei des Worts“ war. Während viele die Breitenwirkung Arndts hervorheben, resümiert ein anderer:

„Gut ist es, daß es [Arndts Wirken] nur zu den Studenten gedrungen und das Volk noch unangesteckt geblieben ist. Darum ist es auch lächerlich von diesen Gelehrten immer als vom Volk zu sprechen. Der Bürger und Bauer wünscht ihren Himmel nicht.“

Genauso, wie es aus den verschiedensten Richtungen Ehrungen und Berufungen auf Freiherr vom Stein gibt, so ist das auch bei Ernst Moritz Arndt der Fall.

Die Faschisten betrachteten Arndt als ihren Vordenker. Kurz nach der Machtübernahme durch die Faschisten beantragte der örtliche Leiter des Stahlhelms die Benennung der Greifswalder Universität nach Arndt. Das preußische Staatsministerium erteilte die Bewilligung im Mai 1933, da Arndt „..stets für die Freiheit, die Ehre und die Macht des Deutschen Vaterlandes an erster Front gekämpft“ habe. Die 1935 in Berlin-Zehlendorf eingeweihte Kirche erhielt den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Kirche; angesichts des erstarkenden Neuheidentums galt Arndt den Verantwortlichen als Kronzeuge dafür, dass man sehr wohl ein guter Christ und ein Patriot sein konnte.

Im Juli 1943 beriefen sich Antifaschisten in der Wehrmacht auf der Gründungsversammlung des Nationalkomitees Freies Deutschland(NKFD) ebenfalls auf Arndt.

In der DDR wurde Arndt als Kämpfer gegen Feudalismus und Vorbild für die Freundschaft mit Russland geehrt.

Der Nationalrat der DDR verlieh an Kulturschaffende die Ernst-Moritz-Arndt-Medaille, die Arndts Porträt zeigte und die Unterschrift „Das ganze Deutschland soll es sein“. Bekannte Empfänger der Medaille waren u. a. Johannes R. Becher und Karl-Eduard von Schnitzler.

Im Gegensatz dazu ist die Ernst-Moritz-Arndt-Plakette die höchste Auszeichnung, die vom Revanchistenverband „Bund der Vertriebenen“, Landesverband Nordrhein-Westfalen vergeben wird.

1992 wurde die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft e. V. gegründet, welche die wissenschaftliche Erforschung des Lebens und des Wirkens von Ernst Moritz Arndt im Kontext seiner Zeit und in der Nachwirkung auf spätere Epochen fördert und betreibt.

Im Jahr 2009 wurden an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität 1400 Unterschriften für eine Umbenennung der Universität in „Universität Greifswald“ gesammelt. Als Grund wurden seine antisemitischen Äußerungen genannt. An der Abstimmung vom 11. bis 15. Januar 2010 nahmen rund 23 Prozent der 12.300 Studierenden teil. Mit 56 Prozent der Abstimmenden sprach sich die Mehrheit gegen die angestrebte Umbenennung aus. Vorerst beendete der Senat den Streit am 17. März 2010, als 22 von 36 Senatoren für die Beibehaltung des Namens stimmten. Am 18. Januar 2017 kam es zu einer erneuten Abstimmung des Senats der Universität Greifswald über den Namenspatron. Dabei sprachen sich diesmal 24 von 36 Senatoren für ein Ablegen des Namens „Ernst Moritz Arndt“ aus. Auf Grund von Rechtsmängeln im Verfahren verweigerte das Bildungsministerium der Senatsentscheidung die Zustimmung. Am 17. Januar 2018 beschloss der Akademische Senat der Greifswalder Universität erneut, den Namen Ernst Moritz Arndt abzulegen, wobei nach einer Kompromissformel Arndts Name zu bestimmten Anlässen der offiziellen Bezeichnung Universität Greifswald vorangestellt werden kann. Die Änderung bedarf der Zustimmung des Bildungsministeriums.

 

Briefmarke 1969

Briefmarke BRD 1969

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Entnommen aus Wikipedia, Bearbeitet von Petra Reichel

 

Johann Gottlieb Fichte

Johann Gottlieb Fichte, geboren am 19. Mai 1762 in Rammenau, Kurfürstentum Sachsen, gestorben am 29. Januar 1814 in Berlin, Königreich Preußen, war ein deutscher Erzieher und Philosoph.

Johann Gottlieb Fichte

Johann Gottlieb Fichte

Bildquelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=223061

 

Fichte war das erste von acht Kindern des Bandwebers Christian Fichte (1737–1812) und seiner Frau Maria Dorothea (geb. Schurich, 1739–1813) in Rammenau in der Oberlausitz. Er wuchs ärmlich in einem von Frondiensten geprägten dörflichen Milieu auf.

Fichtes Wohnhaus in Rammenau

Fichtes Wohnhaus in Rammenau, Zeichnung von Kantor Riedel

Bildquelle: Von Verschiedene – Scan des Originals, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18305663

 

Fichte-Denkmal im Schlosspark von Rammenau

Fichte-Denkmal im Schlosspark in Rammenau

Bildquelle: Martin Geisler – Selbst fotografiert

 

Seine Auffassungsgabe und sein gutes Gedächtnis fielen einem Verwandten der örtlichen Gutsherrschaft, dem Gutsherrn Ernst Haubold von Miltitz (1739–1774), bei einem Besuch in Rammenau auf: Er hatte eines Sonntags die kirchliche Predigt verpasst, woraufhin der zehnjährige Fichte gerufen wurde, von dem man versicherte, er könne die Predigt wiederholen. Daraufhin imitierte dieser den Pfarrer so perfekt, dass der Freiherr in seiner Entzückung dem Kind nach einer Vorbereitungszeit im Pfarrhaus zu Niederau den Besuch der Stadtschule in Meißen ermöglichte. Danach finanzierte ihm sein Förderer 1774 eine Ausbildung an der Landesschule Pforta bei Naumburg, verstarb jedoch im selben Jahr.

Fichte Gedenktafel Landesschule Pforta

Fichte-Gedenktafel an der Landesschule Pforta

Bildquelle: Von Keichwa, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27849737

 

Nach seiner Schulzeit zog Fichte 1780 nach Jena, wo er an der Universität ein Theologie-Studium begann, wechselte jedoch bereits ein Jahr später den Studienort nach Leipzig. Die Familie von Miltitz unterstützte ihn nun nicht mehr finanziell, er war gezwungen, sich durch Nachhilfeunterricht und Hauslehrerstellen zu finanzieren und brachte das Studium zu keinem Abschluss.

In dieser aussichtslosen Lage bekam er 1788 in Zürich eine Stelle als Hauslehrer, die er aber nur zwei Jahre innehatte, da er der Auffassung war, dass man, bevor man Kinder erzieht, zuallererst die Eltern erziehen müsse. Dort verlobte er sich mit Johanna Marie Rahn (1755−1819), Tochter des Kaufmanns und Waagmeisters Johann Hartmut Rahn und Nichte des Dichters Klopstock.

Fichtes Wohnhaus 1805 Erlangen

Fichtes Wohnhaus 1805, Erlangen

Bildquelle: Von Keichwa, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27849737

 

Anschließend ging er wieder nach Leipzig. Fichtes Plan, Prinzenlehrer zu werden, scheiterte. Seine zweite Idee, eine „Zeitschrift für weibliche Bildung“, lehnten mehrere Verleger ab. Trauerspiele und Novellen brachten ihm ebenfalls keine finanzielle Sicherheit.

In Leipzig lernte Fichte 1790 die Philosophie Immanuel Kants kennen, die ihn stark beeindruckte.

Nach einem kurzen Intermezzo auf einer Hauslehrerstelle in Warschau nahm Fichte Anfang November 1791 eine auf ein Jahr befristete Anstellung als Hauslehrer des Sohns des Ehepaars Louise von Krockow, geb. von Göppel, die mit Kant persönlich bekannt war, und Heinrich Joachim Reinhold von Krockow (1736–1796), Königl. Preußischer Obrist, im gräflichen Schloss Krockow in der Nähe der pommerellischen Ostseeküste an. Im selben Jahr besuchte er Kant in Königsberg, wo dieser ihm einen Verleger für seine Schrift „Versuch einer Critik aller Offenbarung“(1792) verschaffte, die anonym veröffentlicht wurde. Das Buch galt zunächst als ein lange erwartetes religionsphilosophisches Werk von Kant selbst. Als Kant den Irrtum klarstellte, war Fichte berühmt und erhielt einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Jena, den er 1794 antrat. Zuvor hatte er nach längerer Überlegung, ob eine Eheschließung ihm nicht die „Flügel abschneide“, 1793 Johanna Rahn geheiratet. Drei Jahre später kam Sohn Immanuel Hermann (1796–1879) zur Welt.

Während seiner Jenaer Professur (1794–1799) wurde er zur Zielscheibe im so genannten „Atheismusstreit“. Ausgelöst wurde dieser Streit 1798 durch zwei Schriften, wobei nur eine („Über den Grund unseres Glaubens an eine göttliche Weltregierung“) von Fichte selbst stammt. Beide Schriften waren im „Philosophischen Journal“, dessen Herausgeber Fichte zusammen mit Friedrich Immanuel Niethammer zu dieser Zeit war, erschienen. Fichte wurde wegen Verbreitung atheistischer Ideen und Gottlosigkeit verklagt, erhielt einen Verweis und trat daraufhin zurück, wie er es zuvor angedroht hatte. 1805 bekam er den Lehrstuhl für Philosophie in Erlangen, 1807 war er Zensor der Hartungschen Zeitung in Königsberg, wurde aber auf Befehl des preußischen Generals Ernst von Rüchel entlassen. Wenige Jahre darauf, 1810, bekam er die Position des Dekans der philosophischen Fakultät und für kurze Zeit war er von 1811 bis 1812 Rektor der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität.

1789 wurde Fichte in Zürich in den Freimaurerbund „Modestia cum Libertate“ aufgenommen, in dieselbe Loge, in der auch Johann Wolfgang von Goethe freundschaftlich verkehrte. Später ließ er sich am 6. November 1794 als Mitglied der Freimaurerloge „Günther zum stehenden Löwen“ in Rudolstadt annehmen und war auch nach seinem Umzug nach Berlin mit den dortigen Freimaurerkreisen verbunden. 1799 traf er auf Ignaz Aurelius Feßler und arbeitete nach seiner Annahme am 17. April 1800 mit ihm an der Reform der Großloge „Royal York zur Freundschaft“. Am 14. Oktober 1799 hielt er einen Vortrag über „den wahren und richtigen Zweck der Maurerei“. Am 13. und 27. April 1800 hielt er mehrere Vorlesungen, die später unter dem Titel „Philosophie der Freimaurerei. Briefe an Constant“ erneuert und veröffentlicht wurden. Schon bald kam es zum Streit und Fichte trat am 7. Juli 1800 aus der Freimaurerei aus. Auch bei der Entstehung der „Gesellschaft der freien Männer“ hatte er einen bedeutenden Anteil. In Berlin wurde er Mitglied der „Deutschen Tischgesellschaft“, ab Sommer 1811 deren „Sprecher“ (Vorsitzender).

Hatte sich Fichte zuvor als Anhänger der Französischen Revolution bezeichnet, so profilierte er sich nun insbesondere durch die flammend patriotischen „Reden an die deutsche Nation“(als Text veröffentlicht bis 1808) als Gegner Napoleons.

Johann G. Fichte als Freiwilliger im Kampf gegen Napoleon Zeitgenössische Karikatur

Johann G. Fichte als Freiwilliger im Kampf gegen Napoleon Zeitgenössische Karikatur

Bildquelle: Von C. Zimmermann – Klaus Günzel: Die deutschen Romantiker. Artemis, Zürich 1995, ISBN 3-7608-1119-1, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2151853

 

Aufruf Fichtes Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Ein utopisches Gesellschaftsmodell – eine Art sozialistische Gesellschaft aufnationalstaatlicher Grundlage – findet sich in dem Werk „Der geschlossene Handelsstaat“(1800).

Fichte äußerte sich judenfeindlich. In seiner 1794 erschienen Streitschrift „Eisenmenger der Zweite“polemisierte Saul Ascher gegen die judenfeindlichen Äußerungen Fichtes, dem er den Namen des seinerzeit bekannten Judenfeindes Johann Andreas Eisenmenger, des Autors des Pamphlets „Entdecktes Judentum beilegte. Mit Fichte sei eine neue Dimension des säkularen Judenhasses zu verzeichnen.

In den „Reden an die deutsche Nation“ finden sich mit einer klar konturierten Ausdifferenzierung der Menschheit in nicht gleichwertige Sprach- und Kulturgemeinschaften sowie dem grundsätzlichen Streben nach deren Reinheit Ansätze einer rassistischen Theoriebildung.

Weitere philosophische Themenfelder mit denen sich Fichte beschäftigte, findet man auf Wikipedia.

Fichte in späteren Jahren(Skizze)

Fichte in späteren Jahren(Skizze)

Bildquelle: Der ursprünglich hochladende Benutzer war DarkScipio in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons 

Vermutlich Ende 1813 erkrankte seine Frau Johanna am sogenannten Lazarettfieber, welches sie sich bei der Pflege von verwundeten Soldaten zugezogen hatte. Auch Fichte sollte an dieser vom Kot von Kleiderläusen übertragenen Seuche erkranken, die vornehmlich unter der Bezeichnung Fleckfieber berüchtigte Bekanntheit erlangte und insbesondere im Kriegswinter 1813/14 in Mitteleuropa (unter anderem in Berlin, Dresden, Leipzig, Hamburg, Frankfurt am Main, Wiesbaden und Mainz) katastrophale Ausmaße annahm. Im Gegensatz zu seiner Frau konnte er sich von diesem Fieber nicht erholen. Er starb am 29. Januar 1814 in Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beerdigt. Die Ehrengrabstelle in der Abt. CH, G2 trägt ein Porträtmedaillon (Kopie) von Ludwig Wilhelm Wichmann.

Gräber von Fichte und seiner Frau

Gräber von Fichte und seiner Frau

Bildquelle: Nemo bis https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Nemo_bis

 

 

Deutsche Sondermarke 2002

Deutsche Sondermarke 2002

Bildquelle: Von Friedrich Bury – Deutsche Post AG, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19533418

 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

 

Ferdinand von Schill

Ferdinand Baptista von Schill, geboren am 06. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden, gestorben am 31. Mai 1809 in Stralsund, war ein preußischer Offizier, der als Freikorpsführer in den Kriegen von 1806/07 und 1809 bekannt wurde.

Ferdinand von Schill Kopie

Ferdinand von Schill

 

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

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Schill entstammte einer Soldatenfamilie. Sein Vater Johann Georg von Schill (1736–1822) war Kavallerieoffizier in der österreichischen, später in der sächsischen, zuletzt in der preußischen Armee.

 

 

Geburtshaus in Wilmsdorf (Ferdinand von Schill)

Geburtshaus in Wilmsdorf

Bildquelle: Von Bernievancastle, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2533472

 

Von seinem Vater wurde Schill im Jahr 1790 dem Grafen Kalckreuth vorgestellt, dem Kommandeur des renommierten Dragonerregiments Anspach-Bayreuth mit dem Ehrennamen „Die Hohenfriedberger“, welcher Schill als Fähnrich aufnahm. In Pasewalk diente Schill, seit 1793 als  Sekondeleutnant, im genannten Dragonerregiment, das seit März 1806 den Namen „Königin-Dragoner“ trug. Sein Wohnhaus befand sich in der Grünstraße 17.

 

Freikorps Schill in Pommern 1806/07

1806 zog Schill in den vierten Koalitionskrieg, wurde in der Schlacht bei Auerstedt durch einen Säbelhieb auf den Kopf schwer verwundet und rettete sich über Magdeburg und Stettin bis nach Kolberg, wo er sich beim Kommandanten Oberst Lucadou gesund meldete. Dieser gestattete Schill, mit wenigen Leuten Streifzüge in die Umgebung zu unternehmen. Er sollte Verteidigungsmittel, Rekruten und Geld in die Festung bringen sowie Aufklärung betreiben. Aber Schill begann einen Kleinkrieg gegen französische Besatzungstruppen in Pommern. Für den gelungenen Überfall auf Gülzow am7. Dezember 1806 wurde er vom König FriedrichWilhelm III. noch im selben Monat zum Premierleutnant befördert und mit dem Orden Pour le Mérite dekoriert. Aufforderungen seines Regimentskommandeurs, zum Regiment nach Ostpreußen zurückzukehren, ignorierte er. Schill wurde schnell berühmt und seine Truppe wuchs rasch an.

Der König gestattete ihm per Kabinettsorder vom 12. Januar 1807, mit eigenen Mitteln ein Freikorps aus versprengten oder ranzionierten Soldaten der preußischen Armee aufzustellen. Von der Bevölkerung nach Kräften unterstützt, verliefen die kleineren Unternehmungen des Korps meist glücklich, die größeren aber unglücklich. Der am 15. Februar 1807 versuchte Überfall auf Stargard wurdemit Verlusten zurückgeschlagen, das befestigte Naugarder Amt von Schill, der zum Rittmeister befördert worden war, tapfer, aber erfolglos verteidigt. Schon bei diesen Aktionen zeigte sich eine verhängnisvolle Selbstüberschätzung Schills. Er musste verwundet nach Kolberg zurück, wo sich der Gegensatz zum Kommandanten Lucadou infolge seines vom König nicht klar festgelegten Unterstellungsverhältnisses verschärfte.

Mitte März ging Schill nach Stralsund,um ein gemeinsames Vorgehen mit den Schweden zu verabreden, Mitte April in derselben Mission nach Stockholm. Am 12. Mai schiffte er sich mit seiner Kavallerie von Kolberg nach Vorpommern zu Blücher ein, während die Infanterie zur Verteidigung der Maikuhle zurückblieb. Nachdem die Schlacht beiFriedland am 14. Juni 1807 Preußen zum Frieden von Tilsit gezwungen hatte, mussten sich Schill und seine Truppe – ohne an Kämpfen teilgenommen zu haben – mit Blücher in den Demarkationsbezirk zwischen Kammin und Köslin zurückziehen; das Korps wurde in den Ausbildungsdienst versetzt.

Für seine Verdienste am 30. Juni 1807 vom preußischen König zum Major befördert, wurde Schill im September zum Inhaber des aus seiner Reiterei gebildeten 2. Brandenburgischen Husarenregiments („von Schill“) ernannt. Seine Fußtruppe gliedert der König als Leichtes Bataillon von Schill in das neue Leib-Infanterie-Regiment ein. Am 10. Dezember 1808 ritt Schill nach dem Abzug der französischen Besatzer im Triumph mit seinem Husarenregiment an der Spitze der zurückkehrenden Truppen in Berlin ein.

 

Erhebung 1809

Der jubelnde Beifall der Bevölkerung, der wieder erwachte Patriotismus und wohl auch eine gewisse Portion Selbstüberschätzung hoben den Husarenoffizier Schillüber sich selbst hinaus und verleiteten ihn zu unüberlegten, mit der Armeeführung nicht abgestimmten Handlungen. In den für 1809 vorgesehenen Aufständen gegen die Herrschaft Napoléon Bonapartes in Deutschland war ihm eine wichtige Rolle zugedacht, aber Schill wollte nicht abwarten. Vergeblich versuchte auch General Ernst von Rüchel, mit dessen Tochter Elise sich Schill verlobt hatte und auf dessen hinterpommerschen Gut Haseleu er gelegentlich zu Gast war, mäßigend einzuwirken. Nach Ausbruch des Fünften Koalitionskriegs verließ Schill am 28. April – wie zum Manöver – mit seinem Regiment Berlin. Eine Meile außerhalb der Stadt hielt er seinen Soldaten eine Ansprache, die den Eindruck verstärkte, erhandele in höherem Auftrag. Den Befehl der Kommandantur zur sofortigen Rückkehr beachtete er nicht.

Er wandte sich zunächst nach Dessau, das er am 2. Mai besetzte. Dort ließ er seinen Aufruf „An die Deutschen“ drucken.

Aufruf Schills Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die7. Klasse, Stand 1982

 

Die Anfang Mai eintreffende Nachricht von der Niederschlagung der Erhebung in Österreich versetzte seinem Tatendrang einen deutlichen Dämpfer, aber er ließ sich von seinen Offizieren mitreißen und lieferte sich am 5. Mai bei Dodendorf unweit von Magdeburg mit der Schlacht bei Dodendorf ein auch für die französische Seite verlustreiches Gefecht mit einer Abteilung der Magdeburger Garnison. Am selben Tag hatte Jérôme Bonaparte, der Bruder Napoleons und König von Westphalen, einen Preis von 10.000 Francs auf seinen Kopf ausgesetzt. Der König von Preußen sprach sich scharf gegen seine eigenmächtige Tat aus.

Sein Regiment, das durch Anwerbung von Nachwuchs noch anwuchs, ging an die untere Elbe und von dort, durch Holländer unter Carl Heinrich Wilhelm Anthing und Dänen verfolgt, in Richtung Stralsund, dessen aus Polen und Mecklenburgern bestehende Besatzung ihm entgegenkam, aber schon bei Damgarten geschlagen wurde

 

Das Ende in Stralsund

Am 25. Mai 1809 traf aus Damgarten das schillsche Korps gegen zehn Uhr in Stralsund ein. Er zog durch das Tribseer Tor in die Stadt ein, die er noch aus dem Jahr 1807 kannte. Nachdem er in Damgarten erfolgreich gekämpft hatte, hoffte er in der Festungsstadt Stralsund auf ein Fanal für die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft. Seinem Mitkämpfer Leutnant Leopold von Lützow rief er zu: „Wir brauchen Stralsund als Stützpunkt für den Kleinkrieg, auch wenn wir ehrenvoll fallen sollten.“

Schills Einzug in Stralsund begleitete ein Sieg gegen in der Mönchstraße kämpfende französische Artilleristen. Mit Hilfe des in schwedischen Diensten stehenden Offiziers Friedrich Gustav von Petersson gelang es Schills Truppen, die französische Besatzung der Stadt zu vertreiben. Er trieb nun die Wiederanlage der geschleiften Verteidigungsanlagen voran und zog dazu bis zu 1000 Bauern der Umgebung heran. Sein Eintreffen begeisterte die Stralsunder allerdings nicht wie erhofft, da sie weniger patriotisch gesinnt waren als Schill und eher über die erneute Einbeziehung ihrer Stadt in Kampfhandlungen stöhnten, die immer Belastungen der Bürger mit sich brachten. Zweifel kamen auch in Schills Truppen auf angesichts der aussichtslos erscheinenden Lage in Stralsund. Truppen der Generäle Gratien und Ewald zogen heran, die mit 6000 Mann (Dänen und Niederländer) eine Übermacht darstellten. Einige der Offiziere Schills zogen aus Stralsund ab, darunter auch Leo von Lützow.

Am 31. Mai 1809 griffen die Franzosen, wie von Schill erwartet, die Stadt am Tribseer Tor an, durch das Schill selbst sechs Tage zuvor eingerückt war. Der erste Angriff konnte abgewehrt werden. Jedoch rückten die angreifenden Truppen am Tribseer Tor nur zur Ablenkung an. Ihre Hauptmacht konzentrierte sich auf das Kniepertor, wo sie schnell in die Stadt vordringen konnte. Gegen die Übermacht wehrten sich die schillschen Truppen verzweifelt. Nur einem kleinen Teil gelang die Flucht durch das Frankentor; die meisten fielen im Kampf. Einige Offiziere gerieten in Gefangenschaft und wurden zunächst im Keller des Hauses Fährstraße/Alter Markt gefangen gehalten, woran eine Gedenktafel über dem Kellereingang noch heute erinnert.

Kellergefängnis der Schillschen Offiziere im Haus Fährstr.:Alter Markt

Kellergefängnis der Schillschen Offiziere im Haus Fährst./Alter Markt

Bildquelle: Von Hermann Junghans – Eigenes Werk Originaltext: eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47621228

 

Schill selbst wurde nach einem Fluchtversuch, der ihn in der Annahme, die Stadt dort verlassen zu können, ins Johanniskloster geführt hatte, beim Ritt durch die Fährstraße vor dem Haus Nummer 21 von einer Kugel tödlich getroffen.

Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

Bildquelle: Von Klugschnacker aus Stralsund – selbst fotografiert mit Fujifilm Finepix A510, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1240717

 

Sein Leichnam mit einer Verletzung im Gesicht und mit von einem Bajonett durchbohrten Unterleib, wurde in das Haus des städtischen Chirurgen am Alten Markt gebracht. Am 1. Juni 1809 fand in der Stadt eine Siegesparade statt. Anschließend wurde in Gegenwart Gratiens der Kopf Schills abgetrennt und als Trophäe an König Jerome geschickt. Schills Körper wurde am 2. Juni 1809 auf dem Stralsunder St.-Jürgen-Friedhof an unbekannter Stelle verscharrt. Schills Kampfgefährte von Petersson geriet in Gefangenschaft und wurde am 4. Juni 1809 vor dem Kniepertor erschossen. Daran erinnert heute eine Gedenktafel.

 

Schills Totenmaske

Schills Totenmaske

 

Bildquelle: Von Sendker – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2409529

 

 

Etwa 200 Reiter und einige Jäger schlugen sich durch und erzwangen die Bewilligung freien Abzugs nach Preußen, wo die Soldaten in ihre Heimat entlassen wurden. Die Offiziere des Korps wurden, teilweise in Abwesenheit, vor ein Kriegsgericht gestellt. Einige wurden freigesprochen, andere mit Festungshaft bestraft, und sechs Offiziere, die Schill erst nachträglich gefolgt waren, wegen Desertion zu unehrenhafter Entlassung aus dem Militärdienst (Kassation) verurteilt.

Eine andere Abteilung entkam von Rügen aus zu Wasser nach Swinemünde, der Rest des Korps aber blieb im Gefecht. In Gefangenschaft gingen 557 Unteroffiziere und Mannschaften. Nach Loswurf wurden vierzehn der Gefangenen in Braunschweig an der Stelle des heutigen Schill-Denkmals erschossen. Der Rest kam in französische Bagnes (so hießen in Italien und Frankreich seit dem 17. Jahrhundert die Strafanstalten, in denen zur Zwangsarbeit Verurteilte ihre Strafe verbüßten.)

Elf gefangene Offiziere wurden nach Wesel verbracht und am 16. September 1809 standrechtlich erschossen. 1835 wurde ihnen hier von der preußischen Armee ein Denkmal errichtet. Der Desertionsprozess(Prozess wegen Fahnenflucht) gegen den gefallenen Schill wurde vom König niedergeschlagen, da er ja schon tot war. Schills Vermögen dagegen wurde, wie bei Desertionen üblich, für den Staat beschlagnahmt.

Der Ausspruch „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ geht auf von Schill und auf diese Zeit zurück und bringt seine Entschlossenheit zum Ausdruck, in einer Situation ein schnelles Ende herbeizuführen, auch wenn man dabei größere Nachteile in Kauf nehmen muss.

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Ferdinand von Schill

Ferdinand von Schill

Bildquelle: Von Unbekannt – NYPublic Library, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56829510

 

Erinnerung und Ehrung

Bereits am 18. Oktober 1838 legten Stralsunder Bürger an Schills Grab eine Eisentafel mit der (im Original lateinischen, aus Vergils „Aeneis“ stammenden) Inschrift:

„Großes gewollt zu haben ist groß. Er sank hin durch das Schicksal. Am Gestade liegt der mächtige Rumpf. Ward entrafft auch das Haupt, ist doch der Körper nicht namenlos.“

Am 30. Mai 1859 fand in Stralsund eine Gedenkfeier von überlebenden schillschen Kampfgefährten und Stralsundern statt, 1909 wurde das bronzene Schill-Denkmal in den Schillanlagen errichtet.

An Schill erinnern außerdem eine in den Bürgersteig eingelassene steinerne Gedenktafel am Ort seines Falles in der Fährstraße. Die Schillstraße in der Nähe seines Todesortes erinnert ebenfalls an ihn.

 

Bildquelle: Von Klugschnacker aus Stralsund – selbst fotografiert mit Fujifilm Finepix A510, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1240717
Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

 

 

 

 

 

 

Erst 1837 wurde Schills Kopf, der sich lange in einem Naturalienkabinett im niederländischen Leiden befunden hatte, in einer Urne nach Braunschweig gebracht. Dort war im selben Jahr ein Schill-Denkmal errichtet worden, unter dem sich eine Gruft befindet, in der Schills vierzehn erschossene Kampfgefährten beigesetzt worden waren. Die Urne mit Schills Schädel wurde am Fuße des Denkmals in der Schillstraße beigesetzt.

1870 wurde eine Straße in Berlin-Tiergarten nach Ferdinand von Schill benannt. In Dodendorf erinnert ein Gedenkstein an das Gefecht bei Magdeburg. Auf dem Marktplatz von Arneburg steht ein Gedenkstein zu seinen Ehren.

1870 wurde eine Straße in Berlin-Tiergarten nach Ferdinand von Schill benannt. In Dodendorf erinnert ein Gedenkstein an das Gefecht bei Magdeburg. Auf dem Marktplatz von Arneburg steht ein Gedenkstein zu seinen Ehren.

In Wilmsdorf bei Dresden steht das Geburtshaus Schills, das sogenannte Schillgut. Außer einer Gedenktafel am Haus wurde hier 1904 ein Schill-Denkmal errichtet und 1984, zum 175. Todestag Schills, die Dorfstraße in Ferdinand-von-Schill-Straße umbenannt.

Geburtshaus in Wilmsdorf (Ferdinand von Schill)

Geburtshaus in Wilmsdorf

Bildquelle: Von Bernievancastle, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2533472

 

 

 

Anlässlich des 200. Geburtstags prägte die Münze der DDR 1976 eine 5-Mark-Gedenkmünze in einer Auflage von 100.000 Stück.

5-Mark-Gedenkmünze der DDR zum 200. Geburtstag von Ferdinand von Schill aus dem Jahr 1976

5-Mark-Gedenkmünze der DDR zum 200. Geburtstag von Ferdinand von Schill aus dem Jahr 1976

Bildquelle: Von Matd13, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12729426

 

Das Kampfhubschraubergeschwader 67 (später: Kampfhubschraubergeschwader 3) der Armeefliegerkräfte der NVA erhielt 1984 den Traditionsnamen „Ferdinand von Schill“.

Unmittelbar an der Baumgartenbrücke zwischen Werder/Havel und Geltow an der Bundesstraße 1 im Landkreis Potsdam-Mittelmark befindet sich der Schill-Gedenkstein. Dort biwakierte am 28. April 1809 Major Ferdinand von Schill mit seinem 2. Brandenburgischen Husarenregiment.

Schill-Gedenkstein an der Baumgartenbrücke in Geltow

Schill-Gedenkstein an der Baumgartenbrücke in Geltow

Bildquelle: Von Biberbaer 18:16, 19 April 2007 (UTC) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1970509

 

Zur Erinnerung an den Major Ferdinand von Schill wird seit 2005 an jedem zweiten Septemberwochenende durch die Stralsunder Schützencompagnie 1451 die Schlacht um Stralsund als Reenactment nachgestaltet.

Im Hotel „Norddeutscher Hofin Stralsund, direkt am Neuen Markt, befindet sich eine „Schillstube“, in der Zeugnisse und Dokumente über das Leben und Wirken Schills gezeigt werden.

Schilldenkmal in Stralsund

Schilldenkmal in Stralsund

Bildquelle: Von D.j.mueller 17:26, 11 November 2007 (UTC) – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3073594

 

Die Kaserne der Bundeswehr in Torgelow heißt Ferdinand-von-Schill Kaserne. In den Bundeswehrstandorten Lütjenburg und Wesel wurden weitere Kasernen nach Ferdinand von Schill benannt, dort heißen sie Schill-Kaserne.

Gedenktafel in Wittenberg

Gedenktafel am Schloßplatz, in der Lutherstadt Wittenberg

Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15856663

 

 

Schill diente mehrfach als Motiv der Literatur und für Spielfilme

  • „Der Feuerreiter“, Spielfilm um Ferdinand von Schill, 1940
  • „Kolberg“, Spielfilm um die Verteidigung Kolbergs, 1945
  • „Die elf Schill’schen Offiziere“, Märkische Film GmbH Berlin

 

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Freiherr vom Stein: Berufungen und Ehrungen

Aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen beruft man sich auf Freiherrn vom Stein.

Ernst Moritz Arndt begründete 1858 eine Tradition der kritiklosen Stein-Verehrung. Eine erste sechsbändige Stein-Biographie verfasste Georg Heinrich Pertz nach 1849. Hinter einer quellengesättigten Darstellung verbarg sich dabei der Versuch, das Bild eines sowohl antirevolutionären wie antirestaurativen national gesinnten Liberalen zu zeichnen.

In den 1870er Jahren versuchten sowohl Liberale wie auch Konservative, sich auf Stein zu berufen. Aber auch der Staat und die Monarchie begannen, Stein für sich zu reklamieren.

Neben Liberalen berufen sich auch Sozialdemokraten auf Stein. Der Marxist Franz Mehring lobte Steins Patriotismus und seine Durchsetzungsfähigkeit gegenüber einem zaudernden König. Vor diesem Hintergrund wurde der hundertste Todestag Steins als Vorläufer der Republik gefeiert. Zahlreiche Schulen wurden zu dieser Zeit nach Stein benannt.

Daneben erschien mit Gerhard Ritters Stein-Biographie eine bedeutende neue Interpretation. Dieser betonte die altständischen Wurzeln Steins in der Tradition des Heiligen Römischen Reiches. Er stilisierte ihn zwar zu einem Nationalhelden, sah aber innenpolitisch Bismarck als wichtigere Person an.

Auch für die Faschisten war Stein ein Vorbild. Die Gemeindeordnung in der Zeit des Faschismus berief sich ausdrücklich auf Stein. Erich Botzenhart, Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Schriften Steins, sah in ihm gar einen Vorläufer des  Faschismus.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist Stein in beiden deutschen Staaten als Vorbild gesehen worden.

Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag 1981

Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag 1981

Bildquelle: Von Jobel – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41347535

 

Weitere Einzelheiten Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost 1957 zum 200. Geburtstag Freiherr vom und zum Stein

Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost 1957 zum 200. Geburtstag Freiherr vom und zum Stein

Bildquelle: Von scanned by NobbiP – scanned by NobbiP, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4303497

 

Im Alt-Bundesland Rheinland-Pfalz wird alle drei Jahre die Freiherr-vom-Stein-Plakette für langjährige kommunalpolitische Tätigkeit verliehen.

Im Jahr 1952 wurde in der BRD die Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft gegründet mit dem Ziel, Ideen und Gedanken Steins wissenschaftlich zu betrachten und der Öffentlichkeit zugänglich zu erhalten. Die Gesellschaft gab verschiedene Schriften zu Einzelaspekten aus dem Leben und dem Wirken Steins heraus. Wissenschaftlich bedeutsam war die Neuausgabe der Schriften Steins durch Walther Hubatsch. Dieser war 1957 an der Ausrichtung des zweihundertsten Geburtstages Steins führend beteiligt.

In der DDR sah man Steins Wirken als fortschrittlich an. Dies geschah in Bezug auf die Preußischen Reformen, die in der DDR als Fortschritt gesehen wurden. Dass Freiherr vom Stein letztendlich gar nicht so fortschrittlich gesonnen war, blendete die Geschichtsschreibung der DDR aus.

Der US-amerikanische Historiker und Schriftsteller schottischer Herkunft Gordon A. Graig wies auf die Tatsache hin, dass Freiherr vom Stein längere Zeit in der historischen Forschung sowohl in der BRD und der DDR ähnlich positiv beurteilt wurde.

Eine frühere Ausgabe des Handbuchs der deutschen Geschichte bezeichnete ihn als den „besten Staatsmann, über den Deutschland damals verfügte“. Das Pendant aus der DDR, die Deutsche Geschichte in drei Bänden, bezeichnete ihn als den „bedeutendsten deutschen Staatsmann der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“.

Später, insbesondere in den späten 1960er Jahren, wurde das Wirken Steins in Teilen der historischen Forschung der BRD kritisch gesehen.

 

Liste der Ehrungen und Denkmäler siehe Wikipedia

 

Freiherr vom Stein Denkmäler

Freiherr vom Stein - Ehrungen

 

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel