Februarrevolution

Die imperialistischen Widersprüche hatten sich unter den Bedingungen des 1. Weltkrieges außerordentlich verschärft. In zahlreichen Ländern war eine revolutionäre Krise herangereift. Russland war das erste Land in dem sie im Februar 1917 zur Revolution führte.

Die Februarrevolution 1917 in Russland

 

Russland am Vorabend der Revolution

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts war Russland zum Knotenpunkt aller Widersprüche des Imperialismus und zum Zentrum der internationalen revolutionären Bewegung geworden.

Die erste russische Revolution von 1905 bis 1907 hatte jedoch eine Niederlage erlitten. Die grundlegenden Widersprüche, die zu dieser Revolution geführt hatten, blieben ungelöst und mussten sich in den folgenden Jahren weiter verschärfen.

Die Macht im zaristischen Russland übte eine Handvoll Gutsbesitzer, an ihrer Sputze Nikolaus II, im engen Bündnis mit den Magnaten des Finanzkapitals aus, die für europäische Verhältnisse märchenhafte Profite einstrichen. Das reaktionäre zaristische Regime, die rücksichtslose Ausbeutung der Arbeiter durch die russischen und ausländischen Kapitalisten, die halbfeudale Knechtung der werktätigen Bauern durch die Gutsbesitzer und die nationale Unterdrückung der verschiedenen Völker Russlands verliehen den Klassengegensätzen besondere Schärfe. Bereits seit 1910 hatte, geleitet von der Partei der Bolschewiki ein neuer revolutionärer Aufschwung der Massenbewegung begonnen.

Der Erste Weltkrieg, der die Widersprüche in allen imperialistischen Ländern verschärfte, wirkte sich besonders schwer auf das rückständige Russland aus.

Die gewaltigen Verluste an der Front, das reaktionäre Gewalt- und Terrorregime, der wirtschaftliche Verfall und die Hungersnot riefen wachsenden Widerstand gegen den Krieg und die zaristische Selbstherrschaft hervor.

Die Bauern wandten sich in immer größerer Zahl gegen die Gutsbesitzer, stellten Pachtzahlungen ein, beschlagnahmten Getreidevorräte und landwirtschaftliche Geräte und steckten häufig auch Herrensitze in Brand. Soldatenunruhen nahmen großen Umfang an. Ganze Regimenter weigerten sich, weiterzukämpfen. Ende 1916 waren bereits mehr als eineinhalb Millionen Soldaten von der Front desertiert. Mitte 1916 brachen in Mittelasien Aufstände der vom Zarismus unterdrückten Völker aus, die Millionen Menschen erfassten. Im zaristischen Russland reifte eine revolutionäre Situation heran.

Unter den schwierigen Bedingungen, von zaristischen Schergen gejagt, eingekerkert oder verbannt, organisierten und führten die Bolschewiki die wachsende Massenbewegung gegen den imperialistischen Krieg und das zaristische Regime.

Lenin hatte während des Krieges eine große theoretische Arbeit geleistet. In seinem Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ nahm er eine interessante wissenschaftliche Analyse des Imperialismus vor und entwickelte die Theorie der sozialistischen Revolution den neuen Bedingungen entsprechend weiter. Von großer Bedeutung für die Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung war die Erkenntnis Lenins, dass die sozialistische Revolution nicht, wie die Marxisten bis dahin annahmen, in allen entwickelten kapitalistischen Ländern gelichzeitig ausbrechen werde. Ausgehend von dem Gesetz der ungleichmäßigen ökonomischen und politischen Entwicklung der kapitalistischen Länder wies er nach, dass der Sieg der sozialistischen Revolution zuerst nur in einigen Ländern oder sogar nur in einem einzelnen Land möglich sei. Dabei musste dieses Land nicht unbedingt eines der höchstentwickelten kapitalistischen Länder sein. Die sozialistische Revolution musste vielmehr dort zuerst beginnen, wo die imperialistischen Widersprüche am schärfsten in Erscheinung traten, wo sich das schwächste Glied in der Kette des Imperialismus befand und wo die revolutionären Kräfte unter Führung des Proletariats und seiner marxistischen Partei am besten zum Sturm auf den Kapitalismus gerüstet waren.

Zunächst ging es in Russland jedoch um die Durchführung einer bürgerlich-demokratischen Revolution, die, wie schon die Lehren aus der Revolution von 1905 bis 1907 zeigten, unter der Führung der Arbeiterklasse stehen musste. Die Hauptaufgaben dieser Revolution waren der Sturz des Zarismus, die Errichtung einer demokratischen Republik, die sofortige Beendigung des Krieges, die Übergabe des Bodens an die Bauern und die volle Gelichberechtigung aller Völker Russlands. Diese Forderungen ermöglichten es, alle revolutionären Kräfte des Landes zu vereinigen.

 

Der Sturz des Zarismus und die Errichtung der Doppelherrschaft

Zu Beginn des Jahres 1917 wuchs die revolutionäre Bewegung im ganzen Lande rasch an. Im Januar streikten 250 000 Arbeiter. Besonders gespannt war die Lage in der Hauptstadt Petrograd.

Am 18. Februar(3.März) traten die Arbeiter der Pulitow-Werke in Petrograd, die zur Vorhut des revolutionären russischen Proletariats gehörten, in den Streik, der sich bald auf andere Betriebe ausdehnte.

Anzahl steinende Arbeiter

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Streik Pedrograd 1917

Streik in Petrograd, entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Barrikade Februarrevolution 1917

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Am 23. Februar(8.März), dem internationalen Frauentag, kam es zu Kundgebungen und Demonstrationen für Frieden und Brot gegen Krieg und Zarismus. Das Petrograder Parteikomitee der Bolschewiki rief zur Weiterführung der Massenbewegung auf, die am 25. Februar(10. März) in den Generalstreik und am nächsten Tag in den bewaffneten Aufstand überging. Am 27. Februar(12. März) erfassten die Kämpfe bereits die ganze Stadt. Zehntausende Soldaten, zumeist Bauern, die in die Armee gepresst worden waren, schlossen sich den kämpfenden Arbeitern an. Gemeinsam eroberten sie die Schlüsselstellungen in der Stadt, wie das Waffenlager der Armee, die Eisenbahnstationen, das Hauptpostamt und die Peter-Pauls-Festung. Das Bündnis mit dem Proletariat und den Bauern im Soldatenrock gab den revolutionären Kräften das entscheidende Übergewicht.

Nach erbitterten Kämpfen befand sich die Hauptstadt am Abend des 27. Februar(12. März)1917 in den Händen der Revolutionäre. Alle Versuche der Generalität und der Bourgeoisie, die Monarchie zu retten, misslangen. Die zaristische Selbstherrschaft brach zusammen. Die bürgerlich-demokratische Februarrevolution in Russland 1917 hatte gesiegt.

Bereits am 27. Februar(12. März)rief die Partei der Bolschewiki, die sich auf die Erfahrungen der Revolution von 1905 bis 1907 stützte, zur Bildung von Sowjets auf. Noch am Abend des gleichen Tages traten mehr als 1000 in den Petrograder Betrieben und Truppenteilen gewählte Delegierte zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Sie schufen als einheitliches revolutionäres Machtorgan des siegreichen Aufstandes den Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten.

Dem Sieg des bewaffneten Aufstandes in Petrograd folgte der revolutionäre Umsturz im ganzen Lande. In vielen Orten entstanden in zum Teil schweren Auseinandersetzungen mit den reaktionären Kräften Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. In den Industriegebieten um Petrograd und Moskau, im Ural und im Donezbecken führten viele Sowjets den Achtstundentag ein, verjagten Polizei und zaristische Richter, schufen Rote Garden und Volksgerichte, setzten reaktionäre Betriebsdirektoren ab, begannen die Arbeiterkontrolle einzuführen, und versuchten, Transport- und Versorgungsschwierigkeiten zu lösen. Die Sowjets, die sich auf das bewaffnete Volk stützten, besaßen die tatsächliche Macht. Sie verkörperten die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft.

Im Petrograder Sowjet und seinem Exekutivkomitee und auch in den meisten anderen Sowjets hatten jedoch die kleinbürgerlich-opportunistischen Parteien, die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre, die Mehrheit. Die meisten Führer der Bolschewiki waren noch in der Verbannung oder in der Emigration. Die Millionenmassen der werktätigen, vor allem aus dem Kleinbürgertum, die durch die Revolution aufgerüttelt worden waren, besaßen keine oder nur wenig Erfahrung im politischen Kampf. Begeistert über den Sieg und die erkämpften Freiheiten, glaubten sie den demagogischen Versprechungen der kleinbürgerlichen Parteien und hatten vielfach deren Vertreter in die Sowjets gewählt.

Die Führer der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki aber verrieten die Interessen der Arbeiter, Bauern und Soldaten und lieferten die Staatsmacht freiwillig an die Bourgeoise aus. Sie behaupteten, dass das Ziel der Revolution nur eine bürgerlich-parlamentarische Demokratie sein könne, weil das rückständige Russland für eine sozialistische Revolution noch nicht „reif“ sei. Unter ihrem Einfluss stimmte das Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets einer Provisorischen Regierung aus Vertretern der Großbourgeoisie und der Gutsbesitzer zu, die am 2.(15.) März 1917 gebildet wurde. Damit hatte sich in Russland ein eigenartiges Kräfteverhältnis der Klassen, eine Doppelherrschaft, herausgebildet: die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft in der Form der Sowjets und der Diktatur der Bourgeoise und der Gutsbesitzer in der Form der Provisorischen Regierung.

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

Zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution

Gastbeitrag von Gerd Pehl

100 Jahre Oktoberrevolution

 

Bildquelle: Mein Bezirk.at

 

 

 

 

 

Mir gefällt, dass schon jetzt an die Große Sozialistische Oktoberrevolution, die vor 100 Jahren, am 25. Oktober (7.November)1917, in Russland stattfand, erinnert wird. Sie war wie in dem Beitrag dargelegt ein bedeutender Schlag gegen den Imperialismus weltweit und für die kriegsführenden Staaten Europas ein ganz besonderer Schlag. Das Proletariat und die Garnison Petrograds hatten erfolgreich den alten Staatsapparat von Grund aus unblutig zerschlagen. Das war der Auftrag, den die Arbeiterklasse mit ihren Verbündeten zu erfüllen hatte wie Karl Marx in seinem Werk “Der achtzehnte Brumaire des Luis Bonaparte“ 1852 schrieb, um die proletarische Revolution zu einem dauerhaften Sieg zu führen. Auf die Bedeutung der Zerschlagung des alten Staatsapparats wies Karl Marx 1871 erneut in seiner Schrift “Klassenkämpfe in Frankreich“, der Analyse der Pariser Kommune, hin.

Einige Hinweise sind m. E. zu dem Betrag hinsichtlich des besseren Verständnisses zu machen notwendig.
Die Arbeiterklasse hat verbunden mit der armen Bauernschaft unter Führung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) [SDAPR (B)] mit W.I. Lenin an ihrer Spitze die Herrschaft der Bourgeoisie und Großgrundbesitzer gestürzt.
Das Erste, was der Zweite Gesamtrussische Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten der Welt verkündete, war am 26. Oktober (8. November) 1917 das Dekret (Beschluss) über den Frieden. Zum Zeitpunkt der Revolution war der Erste Weltkrieg noch im vollen Gange. Auch die russische Armee verteidigte sich gegen die Angreifer wie Deutschland und Österreich-Ungarn. Das russische Volk sehnte sich nach Frieden, denn das vierte Kriegsjahr war bereits angebrochen, auch die junge Sowjetmacht brauchte den Frieden für den Aufbau ihres Landes, für die Festigung und Stärkung der revolutionären Errungenschaften. Deshalb schlug die provisorische Arbeiter- und Bauernregierung Russlands den Regierungen und den Völkern der kriegsführenden Länder den Abschluss eines sofortigen Waffenstillstands für mindestens 3 Monate vor, um in dieser Zeit die Friedensverhandlungen abschließen zu können.
Um die vollständige ökonomische Macht im Land zu sichern, erließ der Zweite Gesamtrussische Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten am 26. Oktober (8. November) 1917 das Dekret über den Grund und Boden. Dieses Dekret umfasste nicht nur die unentgeltliche Enteignung der Gutsbesitzer am Grund und Boden, sondern auch die Güter der Grundbesitzer sowie alle Apanage- (meist finanzielle Zuwendungen zur Erhaltung des standesgemäßen Lebens der Fürsten aber auch dafür abgegebene Ländereien), Kloster- und Kirchenländereien mit dem gesamten lebenden und totem Inventar sowie die Wirtschaftsgebäude nebst Zubehör.

Beide Dekrete fasste der Zweite Gesamtrussische Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten folglich ein Tag nach dem Sturz der Kerenski-Regierung. Dieser Kongress beschloss ebenfalls, bis zur Einberufung der Konstituieren Versammlung eine provisorische Arbeiter- und Bauernregierung zu bilden, die den Namen Rat der Volkskommissare trägt, welche ebenfalls am 26. Oktober (8.November) 1917 gebildet wurde. Die Regierungsgewalt übte das Kollegium der Vorsitzenden der Kommissariate aus. Die Kontrolle über die Tätigkeit der Volkskommissare sowie das Recht sie abzusetzen, wurde dem Gesamtrussischen Kongress der Sowjets der Arbeiter-, Bauern- und Soldatendeputierten und seinem Zentralexekutivkomitee zugestanden. Somit waren die Grundlagen für den neuen Sowjetstaat geschaffen.
Keineswegs war mit der Schaffung der Grundlagen für die junge Sowjetmacht der revolutionäre Kampf beendet. Es gab politische Strömungen in Russland, die zu konterrevolutionäre Aktionen die Bevölkerung zu mobilisieren versuchten. Auch andere politischen Parteien versuchten die Macht der SDAPR (B) zu brechen. Die junge Sowjetmacht wurde nicht nur innerhalb Russland angefeindet, sondern auch vom Ausland waren Kräfte versucht, sie zu stürzen. Alle Versuche sind fehlgeschlagen. Die Sowjetmacht konnte mehr als 70 Jahre erfolgreich jedwede Anfeindung abwehren und half anderen Völkern sich von der imperialistischen Macht und sich und von der kolonialistischen Macht imperialistischer Staaten zu befreien. Deshalb ist die Große Sozialistische Oktoberrevolution für uns im 21. Jahrhundert noch immer von wesentlicher Bedeutung.

 

 

Der Übergang von der bürgerlich-demokratischen zur sozialistischen Revolution

Die Periode der Doppelherrschaft

Die widerspruchsvollen Machtverhältnisse der Doppelherrschaft, das nebeneinander zweier, ihrem Klassencharakter nach entgegengesetzter Diktaturen konnte nicht von langer Dauer sein. Die Provisorische Regierung war nicht bereit die Forderungen des Volkes zu erfüllen. Unter dem Druck der Massen war sie zwar gezwungen, die Verhaftung der Zarenfamilie anzuordnen und deren Ländereien zu beschlagnahmen, doch der Krieg wurde, als „revolutionäre Vaterlandsverteidigung“ getarnt und mit den alten imperialistischen Zielsetzungen fortgesetzt. Die Bauern erhielten kein Land, sondern wurden auf kommende „gesetzliche Regelungen“ vertröstet. Gestützt auf den alten Staatsapparat und die sozialrevolutionären und menschewistischen Führer in den Sowjets, war die bürgerliche Provisorische Regierung bestrebt, die Revolution einzudämmen und die Staatsmacht vollständig in ihren Händen zu konzentrieren.

Aber auch die revolutionären Kräfte erstarkten. Viele Bolschewiki trafen jetzt nach jahrelanger Verbannung und Emigration wieder in den politischen Zentren Russlands ein. Am 03.(16.) April kehrte Lenin aus der Schweiz nach Russland zurück.

 

Empfang Lenins am Bhf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Bereits am nächsten Tag verkündete Lenin auf einer Versammlung bolschewistischer Delegierter der Gesamtrussischen Beratung der Sowjets seine berühmten Aprilthesen. Darin begründete er den Kurs der Partei auf das Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution, die allein die dringenden Lebensfragen des Volkes lösen konnte. Da die Provisorische Regierung zunächst über keine militärischen Machtmittel gegen die Volksmassen verfügte, bestand die Möglichkeit, diesen Übergang auf friedlichem Wege, das heißt ohne bewaffnete Kräfte, zu vollziehen.

Lenin erläutert Aprilthesen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Lenins Aprilthesen 1

Lenins Aprilthesen 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Unter der Losung „Alle Macht den Sowjets“ wandten sich die Bolschewiki gegen jede Unterstützung der Provisorischen Regierung und forderten, die ungeteilte und vollständige Herrschaft der Sowjets zu errichten. Die Aprilthesen enthielten das konkrete Kampfprogramm der Partei für den Übergang zur sozialistischen Revolution.

Lenin orientierte die Partei darauf, durch Aufklärung und Überzeugung den irregeführten werktätigen Massen anhand ihrer Erfahrungen die Richtigkeit der bolschewistischen Forderungen zu beweisen, ihre Mehrheit zu gewinnen und damit auch den entscheidenden Einfluss in den Sowjets zu erlangen.

Fünf Monate nach dem Sturz des Zarismus waren die berechtigten Forderungen des Volkes noch immer nicht erfüllt. Die Zerrüttung der Wirtschaft war weiter fortgeschritten. Die gescheitere Juni-Offensive hatte 60 000 Opfer gefordert.

Wichtigste Ereignisse 1

Wichtigste Ereignisse 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Am 04.(17.) Juli 1917 demonstrierten in Petrograd über 500 000 Arbeiter, Soldaten und Matrosen. Sie forderten die Übernahme der Macht durch die Sowjets, die Übergabe des Bodens an die armen Bauern und den Abschluss eines für alle Völker gerechten Friedens. Die Juli-Demonstration drohte zu einem bewaffneten Zusammenstoß zu führen. Lenin und die Bolschewiki erkannten jedoch, dass eine revolutionäre Situation noch nicht herangereift war und warnten vor verfrühten Aktionen. Es gelang ihnen zwar nicht, die Demonstration zu verhindern, jedoch konnten sie ihr einen organisierten und friedlichen Charakter verleihen. Doch auf Befehl der Provisorischen Regierung, die entschlossen war, die revolutionären Kräfte niederzuschlagen, feuerten Einheiten von Offiziersschülern in die demonstrierenden Massen. Mehr als 400 Menschen wurden getötet oder verletzt. Die kleinbürgerlichen, opportunistischen Führer des Petrograder Sowjets, die völlig in bürgerlichen Auffassungen befangen waren, unterstützten das blutige Vorgehen der Regierung. Sie stellten sich damit offen auf die Seite der konterrevolutionären Bourgeoisie, die am 08.(21.) Juli den Sozialrevolutionär Kerenski zum Ministerpräsidenten der Provisorischen Regierung berief.

Petrograd Juli 1917

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Mit den Juli-Ereignissen war die Macht völlig an die konterrevolutionäre Regierung, das Organ der Großbourgeoisie und Gutsbesitzer, übergegangen, und die von Menschewiki und Sozialrevolutionären geleiteten Sowjets wurden zu deren Anhängseln. Die Periode der Doppelherrschaft war zu Ende.

Die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes durch die Bolschewiki

Nachdem die Provisorische Regierung mit offener Gewalt und Terror gegen die revolutionäre Bewegung vorgegangen war, bestand die Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung zur sozialistischen Revolution nicht mehr. Die konterrevolutionäre Politik der Regierung, die nicht daran dachte, die Grundforderungen des Volkes zu erfüllen, beschwor für Russland eine Katastrophe herauf. Es blieb nur ein Ausweg: Sturz der Provisorischen Regierung und Errichtung der Macht des Proletariats und der armen Bauernschaft. Das konnte nur noch durch den bewaffneten Kampf der Arbeiter, Soldaten und der armen Bauern erfolgen. Die Partei der Bolschewiki beschloss deshalb auf ihrem VI. Parteitag im August 1917, der illegal in Petrograd durchgeführt wurde, Kurs auf die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes zu nehmen.

Terrormaßnahmen Provisorische Regierung 1

Terrormaßnahmen der Provisorischen Regierung 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Die Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und werktätigen Bauern hatte sich überzeugen können, dass die Politik der Bolschewiki richtig war. Am 31. August (13. September) 1917 ging der Petrograder und am 05. (18.) September der Moskauer Sowjet auf die Seite der Bolschewiki über. Ihnen folgten noch im September Hunderte anderer Sowjets in den wichtigsten Städten und Gebieten des Landes. Ende September 1917 hatte die revolutionäre Krise das ganze Land erfasst. Die sozialistische Revolution war herangereift.

Die Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und werktätigen Bauern hatte sich überzeugen können, dass die Politik der Bolschewiki richtig war. Am 31. August (13. September) 1917 ging der Petrograder und am 05. (18.) September der Moskauer Sowjet auf die Seite der Bolschewiki über. Ihnen folgten noch im September Hunderte anderer Sowjets in den wichtigsten Städten und Gebieten des Landes. Ende September 1917 hatte die revolutionäre Krise das ganze Land erfasst. Die sozialistische Revolution war herangereift.

Am 07. (20.) Oktober kehrte Lenin illegal aus Finnland nach Petrograd zurück. Unter seiner unmittelbaren Leitung bereitete das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei den bewaffneten Aufstand vor.

Vorbereitung bewaffnete Aufstand 1

Vorbereitung bewaffneter Aufstand 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Originaltext:

Übergang zu sozialistischer Revolution

Der Sieg des bewaffneten Aufstandes in Petrograd

In der Nacht zum 24. Oktober (06.November) 1917 beschloss die Provisorische Regierung, der Revolution zuvorzukommen. Am frühen Morgen überfielen regierungstreue Offiziersschüler die Druckerei der bolschewistischen Zeitungen „Rabotschi Put“ und „Soldat“. Danach sollten der Smolny, Sitz des Zentralkomitees der Bolschewiki, des Petrograder Sowjets und des Revolutionären Militärkomitees, erobert und sämtliche Brücken der Stadt besetzt werden.

Auf Weisung des Zentralkomitees der Bolschewiki leitete das Revolutionäre Militärkomitee die sofortige Abwehr der konterrevolutionären Aktionen ein. Rote Garden der Petrograder Arbeiter und revolutionäre Soldaten sicherten den Smolny und eroberten die Druckerei zurück. Das bolschewistische Zentralorgan konnte – nur um einige Stunden verspätet – um 11 Uhr vormittags erscheinen. Es rief zu Sturz der Provisorischen Regierung und zur Errichtung der Sowjetmacht auf.

Nach dem von Lenin bereits am 8.(21.) Oktober entworfenen und vom Revolutionären Militärkomitee ausgearbeiteten Plan wurde der bewaffnete Aufstand durchgeführt.

Aufruf Militärkomitee 1

Aufruf Militärkomitee 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Bereits am Morgen der 24. Oktober (06.November) 1917 wurden die Regimenter der Petrograder Garnison, die auf der Seite der Revolution standen, in Alarmbereitschaft versetzt und die Schiffe und Matrosen der Baltischen Flotte zur Unterstützung gerufen. In den Betrieben begann die Bewaffnung der Arbeiter. Innerhalb weniger Stunden waren die bewaffneten Kräfte der Revolution, insgesamt etwa 200 000 Rotgardisten, Soldaten und Matrosen, einsatzbereit und erhielten ihre Kampfaufträge. Als die Kriegsschiffe aus Kronstadt in die Newa einliefen, ging auch die Besatzung der Peter-Pauls-Festung auf die Seite der Revolution über. Am Abend traf Lenin, der illegal in Petrograd gelebt hatte, im Smolny ein und übernahm persönlich die Leitung des Aufstandes. Noch in der Nacht gingen das Hauptpostamt, das Fernsprechamt, die Bahnhöfe, die Newabrücken, die Staatsbank und andere wichtige Objekte in die Hände der Revolutionäre über.

Smolny während Oktobertage

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982 

Der Aufstand vollzog sich planmäßig, schnell und ohne größeres Blutvergießen. Alle Versuche, Fronttruppen zur Verteidigung der Provisorischen Regierung nach Petrograd zu holen, waren gescheitert.

Am Morgen des 25. Oktober(07. November) 1917 befanden sich nur noch das Winterpalais und einige andere Punkte in den Händen der bürgerlichen Regierung. Von der Ausweglosigkeit seiner Lage überzeugt, floh der Ministerpräsident Kerenski mit einem Auto der amerikanischen Botschaft zum Stab der Nordfront und von dort später ins Ausland.

In einem von Lenin verfassten Aufruf, den das Revolutionäre Militärkomitee am 25. Oktober (07.November) um 10 Uhr morgens veröffentlichte, wurde der Sieg der sozialistischen Revolution verkündet.

Panzerkreuzer Aurora

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Am Abend des 25. Oktober(07.November) 1917 gab ein Schuss des Kreuzers „Aurora“ das Signal zum Sturm auf das Winterpalais, die letzte Festung der Provisorischen Regierung. Er endete mit der Verhaftung der Mitglieder der Regierung durch bewaffnete Arbeiter und Matrosen.

Kampf Winterpalais

Kampf Winterpalais 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Der 25. Oktober (07. November) 1917 ging in die Geschichte der Menschheit als der Tag des Sieges des bewaffneten Aufstandes in Petrograd, des Sieges der Sozialistischen Oktoberrevolution, der gewaltigsten und tiefgreifensden Umwälzung in der bisherigen Weltgeschichte ein. Allerdings war diese geschichtliche Umwälzung nicht für die Ewigkeit. Mit der Konterrevolution 1989/90 hat der Kapitalismus die Welt zurückerobert.

 

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

 

Originaltext in diesem Abschnitt

Sieg Oktoberrevolution

 

 

 

 

 

Die historischen Beschlüsse des II. Gesamtrussichen Sowjetkongresses

Noch während der Kämpfe in Petrograd trat am Abend des 25. Oktober (07.November)1917 der II. Gesamtrussische Sowjetkongress im Smolny zusammen.

Passierscheinüberprüfung Eingang Smolny

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Der Kongress fasste weitere Beschlüsse von geschichtlicher Tragweite, mit denen die Grundforderungen der Arbeiter und Bauern erfüllt wurden.

Auf der zweiten Sitzung des Kongresses, am 26. Oktober(08. November)1917, sprach Lenin über die Frage des Friedens und verlas das Dekret über den Frieden.

Dekret über den Frieden

Dekret über den Frieden, entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Darin verurteilte die Sowjetregierung die Fortsetzung des Krieges als das größte Verbrechen an der Menschheit und schlug allen kriegführenden Völkern und Regierungen sofortige Friedensverhandlungen vor. Zugleich rief sie die klassenbewussten Arbeiter, insbesondere Englands, Frankreichs und Deutschlands auf, im eigenen Lande zu mitzuhelfen, die Menschheit von Krieg und Ausbeutung zu befreien.

Zum ersten Mal in der Geschichte war ein Staat entstanden, der den Frieden zur Grundlage seiner Außenpolitik machte. Der Friedenskampf der Völker hatte von nun an in dem ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat der Welt eine feste Stütze gefunden.

Das zweite Gesetz, das der Sowjetkongress beschloss, war das Dekret über den Grund und Boden. Es verfügte die entschädigungslose Enteignung des gesamten Gutsbesitzerlandes, das den armen und werktätigen Bauern zur kostenlosen Nutzung überlassen wurde. Insgesamt erhielten die Bauern unentgeltlich mehr als 150 Millionen Hektar Land. Außerdem wurden die Bauern von allen Schulden sowie von den 700 Millionen Goldrubeln jährlicher Pachtzahlung an Gutsbesitzer und Bourgeoise befreit. Dadurch wurden in Russland endgültig die Überreste des Feudalismus beseitigt. Die konsequente Durchführung des Dekrets festigte das Bündnis der Arbeiter und der werktätigen Bauern und schuf damit eine wichtige Voraussetzung für eine wichtige sozialistische Umgestaltung des Landes.

Zum Abschluss nahm der II. Sowjetkongress den Beschluss über die Bildung der Arbeiter- und Bauernregierung, des Rates der Volkskommissare an. Zum Vorsitzenden wurde Wladimir Iljitsch Lenin berufen. Der Rat der Volkskommissare war dem Sowjetkongress verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Weiter wählte der Kongress das Gesamtrussiche Zentralexekutivkomitee der Sowjets, das zwischen den Sowjetkongressen das höchste Machtorgan war. An seine Spitze trat Anfang November der bewährte Kampfgefährte Lenins, J.M. Swerdlow.

Erinnerung Smolny 1

Erinnerung Smolny 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Mit dem Ruf „Es lebe der Sozialismus!“ und dem Gesang der Internationale beschlossen die Delegierten in den frühen Morgenstunden des 27. Oktober (09.November) 1917 den II. Sowjetkongress. Sie hatten eine Arbeit vollbracht, die in die Geschichte der Menschheit einging.

 

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Hier findet man den Originaltext:

Sieg Oktoberrevolution

 

 

Die ersten Maßnahmen zur sozialistischen Umgestaltung

Nach dem Sieg der sozialistischen Oktoberrevolution standen die Arbeiterklasse Russlands und ihre bolschewistische Partei vor der welthistorischen Aufgabe, als erste in der Geschichte der Menschheit den Weg zum Sozialismus zu bahnen. Sie mussten die Aufgabe ohne Vorbild und Beispiel unter überaus schweren und komplizierten Bedingungen lösen, in einem ökonomisch rückständigen, durch den Krieg wirtschaftlich völlig zerrütteten Lande, inmitten kapitalistischer Umkreisung und im ständigen Kampf gegen innere Konterrevolution und imperialistische Intervention.

Die ganze Welt blickte auf die junge Sowjetmacht. Die Arbeiter und andere fortschrittliche Kräfte in allen Ländern begrüßten begeistert den Sieg der Arbeiter und Bauern Russlands und unterstützten in brüderlicher Solidarität ihren schweren Kampf. Die Imperialisten und die rechten Führer der sozialdemokratischen Parteien standen dem Sowjetland von Anfang an in Feindschaft und Furcht gegenüber. Sie behaupteten, dass die Arbeiterklasse Russlands unfähig wäre, die ungeheuren politischen und ökonomischen Schwierigkeiten zu meistern und eine neue bessere Ordnung aufzubauen. Sie prophezeiten den baldigen Zusammenbruch der Sowjetmacht und taten alles, um ihn herbeizuführen. Doch damals hatten sie noch keinen Erfolg.

Die von den Fesseln der kapitalistischen Gesellschaft befreiten Arbeiter und werktätigen Bauern lernten Schritt für Schritt, Staat und Wirtschaft zu lenken und zu leiten. Geführt von Lenin und der bolschewistischen Partei überwanden sie alle Schwierigkeiten und beschritten entschlossen und konsequent den schweren, opferreichen Weg der sozialistischen Umgestaltung des Landes.

Die erste und wichtigste Aufgabe nach dem Sieg der Revolution war, wie bereits Marx und Engels nach den Erfahrungen der Pariser Kommune gelernt hatten, den alten gutsbesitzerlich-bürgerlichen Staatsapparat zu zerschlagen. Dieser Apparat war das Hauptinstrument der bisher herrschenden Klassen. Er war so eingerichtet, dass er der Erhaltung der Macht einer kleinen Minderheit und der Ausbeutung und Unterdrückung der werktätigen Volksmassen diente. Daher konnte die Sowjetmacht den bestehenden Staatsapparat nicht übernehmen und ihren und ihren grundlegend anderen Zielen dienstbar machen. Sie musste die Staatsmaschine zerbrechen und einen neuen proletarischen Staatsapparat errichten, der als Hauptinstrument der Herrschaft der Arbeiter und Bauern dienen konnte: bei der Beseitigung der Ausbeutung und Unterdrückung der Volksmassen, der Niederhaltung der gestürzten Ausbeuterklassen, der Verteidigung des Landes gegen feindliche imperialistische Mächte und beim Aufbau der neuen, sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Erste Schritte Sowjetregierung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Die Sowjetregierung begann bereits in den ersten Tagen ihres Bestehens den alten Regierungs-, Militär-, Polizei-, und Justizapparat zu zerstören. Die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten wurden überall zu den einzigen bevollmächtigten Organen der neuen proletarischen Staatsmacht. Die Regierung schuf anstelle der bisherigen Ministerien, deren Beamte in der Mehrzahl Sabotage betrieben, Volkskommissariate, die sie die besten Arbeiter, Matrosen und Soldaten berief und damit die wichtigsten Staatsfunktionen in zuverlässige Hände legte.

Verkündung Sowjetmacht in Dorf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

In den Gebieten und Gemeinden wurden ebenfalls neue Machtorgane geschaffen.

An die Stelle von Polizei und der alten Gerichte traten Arbeitermilizen, Arbeiter- und Bauerntribunale und örtliche Volksgerichte. Zur Bekämpfung der Feinde der Sowjetmacht wurde im Dezember 1917 ein besonderes Organ der Staatssicherheit gebildet: Die Gesamtrussische Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution und Sabotage (Tscheka). Ihr Leiter war Feliks Dzierzynski.

Die Sowjetmacht brauchte zur Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes gegen die imperialistischen Feinde eine starke und schlagkräftige Armee. Daher erließ der Rat der Volkskommissare im Januar 1918 das Dekret über die Schaffung der Roten Arbeiter- und Bauern-Armee.

Der Sieg der Revolution setzte auch der Unterdrückung der nichtrussichen Völker ein Ende. Schon am 02.(15.) November 1917 verkündete die Sowjetregierung in der Deklaration der Rechte der Völker Russlands die Grundprinzipien der Nationalitätenpolitik des sozialistischen Staates.

Rechte der Völker Russlands

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Bereits in den ersten Tagen begann die Sowjetmacht auch mit der Schaffung der ökonomischen Grundlagen der neuen Gesellschaft.

Die Einführung der Arbeiterkontrolle, die Bildung des obersten Volkswirtschaftsrates und die Nationalisierung der Banken waren wichtige Voraussetzungen zur Nationalisierung der Großindustrie, die Ende November 1917 begann.

Nach sorgfältiger Vorbereitung, vor allem der Schulung der ersten Arbeiterkader für die Leitung der Produktion, wurde dem Dekret vom 28. Juni 1918 die Nationalisierung der gesamten Großindustrie angeordnet. Damit hatte der Sowjetstaat die Kommandohöhen in der Volkswirtschaft übernommen und die ökonomische Macht der Bourgeoisie gebrochen. Eine der wichtigsten Aufgaben sah die Sowjetregierung darin, die soziale Lage der Volksmassen zu verbessern.

Hunderttausende Arbeiterfamilien zogen aus Kellerwohnungen und Baracken in Häuser, die früher der Bourgeoisie und den Gutsbesitzern gehört hatten. Später, nach dem II. Weltkrieg, hat sich die Wohnungssituation dramatisch verschlechtert. Siehe Beitrag aus „Sascha´s Welt“.

Die Arbeiter, Bauern und ihre Kinder erhielten Zugang zu allen Bildungsmöglichkeiten. Schulbildung und ärztliche Hilfe waren ab sofort kostenfrei. In den Betrieben wurde der Achtstundentag eingeführt sowie die Arbeitsbedingungen und der Arbeitsschutz verbessert. Die Regierung richtete eine Sozialversicherung für die Arbeiter ein und legte die Gleichberechtigung der Frau gesetzlich fest.

Die Maßnahmen der Sowjetmacht auf politischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet wurden vom III. Sowjetkongress der Arbeiter-,Soldaten- und Bauerndeputierten im Januar 1918 bestätigt. Sie wurden in der ersten Verfassung des Sowjetstaates verankert, die der V. Sowjetkongress am 10. Juli 1918 beschloss.

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Originaltext ist in diesem abschnitt zu finden:

Sieg Oktoberrevolution

 

siehe Anmerkungen, Ergänzung und Hinweise von Gerd Pehl zum Text

Der Sowjetstaat – eine Form der Diktatur des Proletariats

In der Sozialistischen Oktoberrevolution wurde die politische Herrschaft der Ausbeuterklassen, die Diktatur der Bourgeoisie und Großgrundbesitzer, gestürzt und die Macht der Arbeiterklasse, die Diktatur des Proletariats, in der Form des Sowjetstaates errichtet.

Die Arbeiterklasse Russlands war zur herrschenden Klasse geworden und übte die Staatsmacht unter Führung der Bolschewistischen Partei im Bunde mit der werktätigen Bauernschaft aus. Die Diktatur des Proletariats ist die Macht der von der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei geführten Werktätigen, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung beseitigt und den Sozialismus aufbaut.

Die Diktatur des Proletariats war, ist und bleibt die Voraussetzung und das Hauptinstrument für die Arbeiterklasse zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft. Aus dieser Funktion ergeben sich die grundlegendsten Aufgaben der Diktatur des Proletariats: den unvermeidlichen, konterrevolutionären Widerstand der gestürzten Ausbeuterklassen zu brechen, das sozialistische Land gegen die feindlichen imperialistischen Mächte zu verteidigen und den Aufbau des Sozialismus zu organisieren. Allerdings ist dies nicht auf lange Zeit gelungen, so dass die Konterrevolution 1989/90 Erfolg hatte.

Die Diktatur des Proletariats ist für die ganze Periode des Übergangs vom Kapitalismus zum Kommunismus notwendig. Die gilt für alle Länder. Doch die politischen und staatlichen Formen dieser Macht werden und müssen entsprechend den Bedingungen und Erfordernissen des Klassenkampfes in jedem Lande, unterschiedlich und vielgestaltig sein.

Diese waren – unabhängig von ihren konkreten Formen- stets nur Machtorgan einer kleinen ökonomisch starken Minderheit zur Ausbeutung und Unterdrückung der großen Mehrheit des Volkes. Der Sowjetstaat dagegen war erstmalig das Machtorgan der Arbeiterklasse und der mit ihr verbundenen breitesten Massen der Werkstätigen zur Errichtung der neuen sozialistischen Gesellschaf, in der Ausbeutung, Willkür und Unterdrückung jeder Art endgültig beseitigt sind. Der Sowjetstaat war der erste wahrhaft demokratische Staat in der Geschichte, denn es herrschte die Arbeiterklasse, gestützt auf die große Mehrheit der Werkstätigen, über die gestürzte Minderheit. Die Sowjets, die die Macht in ihren Händen konzentrierten, verkörperten die Interessen der überwältigenden Mehrheit des werktätigen Volkes und förderten die Entfaltung aller seiner schöpferischen Kräfte.

Mit der Sowjetmacht entstand die sozialistische Demokratie, die schon auf der ersten Stufe ihrer Entwicklung nach den Worten Lenins millionenfach demokratischer war als jede bürgerliche Demokratie. In ihr sind Rechte und Freiheiten des Volkes nicht wir in der bürgerlichen Demokratie nur leere Versprechungen, sondern werden von den Werktätigen, die in vielfältigen Formen an der Lenkung und Leitung ihres sozialistischen Staates teilnehmen, tagtäglich im Leben verwirklicht.

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Originaltext ist in diesem Abschnitt zu finden:

Sieg Oktoberrevolution