Die Zuspitzung der Klassenkämpfe in den imperialistischen Ländern

Die Weltwirtschaftskrise

Weltwirtschaftskrise New York

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In das Jahr 1929 fiel der Beginn einer Weltwirtschaftskrise. Das Monopolkapital hatte in den vorangegangen Jahren einerseits um des Profites willen die Warenproduktion unaufhörlich gesteigert, andererseits aber durch die verschärfte Ausbeutung die Kaufkraft der Volksmassen nicht erhöht, im Vergleich zur Produktion sogar gesenkt.

Entwicklung Industrieproduktion 1929 bis 1933

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

So häuften sich die Waren auf dem Markt, weil die Masse der Werktätigen(arbeitenden Menschen) nicht über das notwendige Geldeinkommen verfügte, um diese zu kaufen. Da riesige Mengen an Waren auf dem Markt nicht verkauft werden konnten, fehlte es den kapitalistischen Betrieben auch bald an Kapital zur Fortsetzung des Produktionsprozesses. Es entstand ein außerordentlicher Mangel an Bargeld und Krediten. Vor allem in den USA und in allen imperialistischen Ländern der Welt wurde ein großer Teil der Produktion stillgelegt, Millionen Arbeiter entlassen, Produktivkräfte zerstört.

Vergleich Arbeitslosigkeit 1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Abgerissene Hochöfen während Weltwirtschaftskrise

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Während am Vorabend der Weltwirtschaftskrise 6 Millionen Arbeiter ohne ständigen Erwerb waren, wuchs die Anzahl der Erwerbslosen jetzt auf 30 bis 40 Millionen an. Das heißt, es mussten – die Familienmitglieder zugerechnet- in der kapitalistischen Welt mehr als 120 Millionen Menschen die furchtbaren Folgen der Arbeitslosigkeit ertragen.

Viele Menschen suchten verzweifelt nach irgendwelcher Arbeit, aber Hundertausende Maschinen waren stillgelegt worden. Millionen  Arbeiter hungerten, doch das Getreide der guten Ernte faulte in den Lagern, weil es an genügend zahlungskräftigen Käufern fehlte. Weizen wurde in Lokomotiven verheizt, Milch in die Abwässer geschüttet und Obstplantagen abgeholzt, um die Preise hochzuhalten.

Auch heutzutage werden Lebensmittel vernichtet, um die Preise hochzuhalten. Anderseits bekommen Bauern, wie z.B. die Milchbauern, keinen ausreichenden Erlös für ihre Arbeit und müssen ihre Existenzen aufgeben. Ausländische Bauern bekommen ebenso zu wenig Erlös für die von Ihnen produzierten Lebens- und Genussmittel, die in den Export gehen. Es gibt zwar fair gehandelte Waren, doch dies ist nur eine Nische und nicht die Masse. So ist die Kampagne „fairer Handel“ zwar eine gute Sache, doch die Masse der Geringverdiener und Arbeitslosen kann sich diese Waren nicht leisten. Es hat sich an diesen Zuständen nichts geändert.

Brasilien Kaffe wird ins Meer geschüttet

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Texas Großfarmer schütten Milch in Gully

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Imperialisten nutzten den Prozess der Verschmelzung der Monopole mit dem Staatsapparat aus und ließen sich große Krisen-Zuschüsse zahlen. Die Regierung der USA gab zum Beispiel den größten Banken und Industriemonopolen 3,5 Milliarden Dollar aus Steuergeldern, während den kleineren Unternehmen solche finanziellen Unterstützungen vorenthalten wurden. Mehr als 100 000 kleinere Handels- und Industrieunternehmer nachten bankrott. Viele wirtschaftlich schwache Unternehmen wurden von den großen Monopolen aufgesogen, die somit auch während der Krise den Prozess der Konzentration des Kapitals vorantrieben.

Auch das kommt uns bekannt vor, da heutzutage ebenso verfahren wird.

 

Die Verschärfung der Klassenkämpfe und die Förderung des Faschismus durch kreise der Monopolbourgeoisie

In der Weltwirtschaftskrise verschärften sich die Klassengegensätze. Teile der Arbeiterklasse wahrten sich mit Streiks und Demonstrationen gegen die wachsende Verelendung.

Aktionen Arbeiterklasse gegen Unterdrückung in Weltwirtschaftskrise

Aktionen gegen Ausbeutung und Unterdrückung während der Weltwirtschaftskrise

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

In den USA wuchs die Zahl der Streikenden von 337 000 im Jahre 1931 bis mehr als eine Million im Jahre 1933. Millionen Arbeitslose organisierten  1931 einen Hungermarsch durch Washington. Großes Ausmaß nahmen auch die Demonstrationen der Arbeitslosen in Japan an. Sie forderten Arbeitslosenunterstützung, kostenlose Verteilung der Reisvorräte und Erlass der Wohnungsmieten. In England beteiligten sich in dreieinhalb Jahren der Krise 1 260 000 Arbeiter an Streiks. Französische Berg-, Metall- und Textilarbeiter, Eisenbahner und Seeleute erhoben sich zu gewaltigen Streikaktionen, die sich nicht selten zu Barrikadenkämpfen gegen die Polizei entwickelten. In Spanien formierte sich aus den unzufriedenen Arbeiter, Bauern sowie kleinen und mittleren Unternehmern eine antimonarchistische revolutionäre Bewegung. Massenstreiks, Demonstrationen, Meutereien von Truppenteilen und Straßenkämpfe erschütterten das monarchistische Regime. Der König floh 1931 ins Ausland. Der Block der Bourgeoisie und der liberalen Großgrundbesitzer verkündete offiziell die Errichtung der Republik.

In vielen kapitalistischen Ländern war die Monopolbourgeoisie nicht mehr imstande, ihre Ausbeutungs- und Eroberungspolitik gegen den wachsenden Wiederstand der Werktätigen(arbeitenden Menschen) im Inneren und gegen die ausländischen imperialistischen Konkurrenten mit herkömmlichen bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsmetoden und mit ökonomischen und diplomatischen Mitteln durchzusetzen. Sie waren bestrebt, den Ausweg in einer offen terroristischen Herrschaftsform, in der faschistischen Diktatur zu suchen.

Bezeichnung Faschismus

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Durch diese offene Diktatur nach innen sollte der Aggressionskrieg nach außen vorbereitet werden.

In einigen imperialistischen Ländern entwickelte sich der Faschismus zunächst als eine politische Bewegung und ideologische Strömung, die den Ausbeutungs- und Eroberungsinteressen der reaktionärsten Kreise entsprach. Diese Gruppen förderten den Faschismus, um damit die Herrschaft des Monopolkapitals zu stabilisieren.

In Japan versuchte die faschistische Nationale Föderation junger Offiziere 1932 eine offene Militärdiktatur zu errichten. Sie verbreiteten Flugblätter, in denen sie demagogisch erklärten, dass die jungen Offiziere das Volk in seinem Kampf gegen die „Geschäftemacher und Spekulanten“, gegen die „Liebhaber müheloser Profite“ unterstützen wollten. Am 15. Mai 1932 ermordeten faschistische Verschwörer den japanischen Ministerpräsidenten Inukai. Aber wegen ihrer demagogischen agitatorischen(propagandistischen) Angriffe auf das Finanzkapital wurden die faschistischen Verschwörer von führenden Monopolgruppen mehr für gefährlich als nützlich gehalten. Deshalb endete die Verschwörung nur mit einem Teilerfolg. Ihr Führer erhielt lediglich im neuen Koalitionskabinett der „nationalen Einheit“ den Posten des Kriegsministers.

Ebenfalls im Jahre 1932 forderten die reaktionärsten Vertreter der Großbourgeoisie Frankreichs die Beseitigung des parlamentarischen Regierungssystems und die Errichtung eines Autoritären Regimes. Um alle linksorientierten Kräfte zu isolieren, bezichtigten die profaschistischen Elemente die Kommunisten des Mordes am Präsidenten Doumer. Doch die kommunistische Presse entlarvte rechtzeitig den Mörder als Weißgardisten und Verbindungsmann der französischen Geheimpolizei. Die Provokation scheiterte.

Kundgebung Volksfront Paris 1934

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Anfang Februar 1934 unternahmen mehr als 20 000 bewaffnete französische Faschisten einen Putsch mit dem Ziel, die faschistische Diktatur im Interesse französischer Industrie- und Bankmonopolisten zu errichten. In gewaltigen Aktionen unter Führung der Kommunistischen Partei Frankreichs und des Unabhängigen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, die in einen Generalstreik von 4,5 Millionen Arbeitern am 12. Februar 1934 mündeten, wurden die Faschisten zurückgeschlagen. Das sogenannte einheitliche Handeln der Arbeiterklasse im antifaschistischen Kampf schuf auch die Grundlagen für eine demokratische Bewegung in Frankreich. Unter dem Druck einer wachsenden antifaschistischen Massenbewegung waren schließlich im Juli 1935 die Führer der französischen Sozialisten gezwungen, ein Einheitsfrontabkommen mit der Kommunistischen Partei abzuschließen. Gemeinsam mit anderen demokratischen, antifaschistischen Parteien und Organisationen bildeten sie die Volksfront, die bei den Parlamentswahlen 1936 einen Sieg errang. Damit war bewiesen, dass die einheitliche Aktion der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten den Faschismus schlagen kann.

In Österreich nahm im Februar 1934 ein Teil der Arbeiterklasse den bewaffneten Kampf gegen bewaffnete Banden der sogenannten Heimwehr und der Nazipartei auf, um die Demokratie zu verteidigen. Da es hier durch die Haltung rechter sozialdemokratischer Führer nicht zum Generalstreik kam, erlitten die Arbeiter im dreitägigen Kampf eine blutige Niederlage.

Österreichische Regierungstruppen

Österreichische Regierungstruppen sorgen in Wien für „Ruhe und Ordnung“

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Im Oktober 1934 nahmen die Arbeiter Spaniens in einheitlicher Front den Massenkampf gegen die Vorstöße der Reaktion auf. In Asturien ging der Generalstreik teilweise in den bewaffneten Kampf über. Die mehrtägigen Kämpfe endeten mit einer Niederlage der Arbeiter. In der Folgezeit wuchs jedoch die Einheitsfrontbewegung und der Einfluss der Arbeiterorganisationen an. Das führte schließlich am 15. Januar 1936 zu einem Volksfrontabkommen zwischen der Kommunistischen Partei Spaniens, der Linksrepublikanischen und Sozialdemokratischen Partei. Die Volksfront ging aus folgenden Wahlen im Februar 1936 als Sieger hervor. Volksfrontparteien bildeten in Spanien eine antifaschistische Regierung.

Madrid am Tage der Ausrufung der Republik

Madrid am Tage der Ausrufung der Republik

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Orignal-Text

Zuspitzung der Klassenkämpfe in imperialistischen Ländern

 

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Der Aufschwung der revolutionären und freiheitlichen Bewegung der Volksmassen in den kapitalistischen Ländern und Kolonien nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution(1917 bis 1923)

Die revolutionäre Bewegung in den kapitalistischen Ländern

 

Die Große sozialistische Oktoberrevolution hatte der Arbeiterklasse und den werktätigen Massen aller Länder gezeigt, dass es möglich ist, mit Krieg und Imperialismus, mit Ausbeutung und Unterdrückung Schluss zu machen und ihnen auch den Weg zum Sieg gewiesen.

Das „russische Beispiel“ wurde zum mächtigen  Impuls für die Entwicklung einer weltweiten antiimperialistischen revolutionären Bewegung.

In allen kapitalistischen Ländern der Welt kämpften die Werktätigen(arbeitenden Menschen)in den Jahren 1917 bis 1923, der Periode der revolutionären Nachkriegskrise, Für Frieden und Demokratie, für die Beseitigung der Herrschaft des Monopolkapitals und des Großgrundbesitzes.

Revolutionäre Nachkriegskrise 1919 bis 1923

entnommen aus Geschichte in Übersichten, DDR 1982

 

In Finnland erhoben sich Ende Januar 1918 die Arbeiter und errichteten im Süden des Landes eine Rätemacht. Im Oktober/November 1918 brachen in Österreich-Ungarn und in Deutschland machtvolle Volksrevolutionen aus. Der Habsburger Vielvölkerstaat zerbrach, und es entstand eine Reihe neuer Staaten: Polen, die Tschechoslowakei, heute sind es zwei Staaten, Tschechien und die Slowakei, Ungarn, das Königreich der Serben, Kroatien und Slowenen, das spätere und nun vergangene und wieder in viele Einzelstaaten zerfallene Jugoslawien, und Österreich.

Im Kampf der Arbeiterklasse für eine revolutionäre und demokratische Staatsmacht kam es in einigen Ländern zeitweilig zur Errichtung von Räterepubliken. März 1919 in Ungarn, April 1919 in Bayern, Juni 1919 in der Slowakei.

Im Juli/August 1920 konnte in einem Teil Polens  eine Regierung der Arbeiter und der werktätigen Bauern gebildet werden. Außer in den bereits genannten Ländern entwickelten sich unter dem Einfluss der Ideen des Roten Oktober gewaltige Massenaktionen, Generalstreiks, bewaffnete Kämpfe der Arbeiter, Aufstände in Armee und Flotte, revolutionäre Bauernerhebungen, vor allem in Bulgarien und Rumänien, in Frankreich und Italien, aber auch in Dänemark, Großbritannien, Japan, Kanada, den Niederlanden, der Schweiz, Spanien und den USA.

Auswirkungen Oktoberrevolution auf Welt

(Karte Auswirkungen Oktoberrevolution)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Millionen und aber Millionen Menschen aller werktätigen Klassen und Schichten waren in den kapitalistischen Ländern in Bewegung und nahmen in den verschiedensten Formen am weltweiten Kampf gegen den Imperialismus teil.

 

Die nationale Befreiungsbewegung in den abhängigen und kolonialen Ländern

 

Der Sieg der sozialistischen Revolution in Russland gab auch der nationalen Befreiungsbewegung der Völker der abhängigen und kolonialen Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas machtvollen Auftrieb. (Das Geographielehrbuch der DDR für die 8. Klasse, wo man nachsehen soll, steht leider nicht zur Verfügung.)

Im August 1919 konnten das feudal beherrschte Afghanistan und 1921/22 die Türkei, die eine bürgerlich-nationale Revolution durchführte, ihre Unabhängigkeit gegen den englischen Imperialismus erkämpfen. 1921 siegte die antifeudale und antiimperialistische Volksrevolution in der Mongolei. Auch in zahlreichen anderen Ländern Asiens nahm die antiimperialistische nationale Befreiungsbewegung einen großen Aufschwung. Im koreanischen Volksaufstand, im März/April 1919, kämpften etwa zwei Millionen Arbeiter und Bauern gegen die japanische Kolonialherrschaft. In China, Indien, Indonesien(damals niederländisch Indien) und Persien(heute Iran)entwickelten sich machtvolle Massenbewegungen. In verschiedenen Gebieten dieser Länder kam es zu Massenstreiks, Bauererhebungen und bewaffneten national-demokratischen Aufständen gegen die imperialistischen Unterdrücker.

Am 13. April 1919 schoss britisches Militär ohne Warnung in eine Massenprotestkundgebung in Amritsar(Indien). 1000 Menschen wurden getötet und etwa 2000 verwundet.

Auf dem afrikanischen Kontinent entwickelte sich in Ägypten eine breite Befreiungsbewegung gegen die englische Kolonialherrschaft. Dort kam es 1919 und 1921 zu spontanen bewaffneten Aufständen der Volksmassen in Stadt und Land, die von den britischen Truppen nach erbitterten Kämpfen blutig niedergeschlagen wurden. In Marokko erhoben sich 1921 die arabischen Stämme des Rif-Gebietes gegen die spanische Kolonialmacht. Sie errichteten eine unabhängige Rif-Republik, die sich 1926 gegen die spanischen und französischen Kolonialarmeen behaupten konnte.

Die Kolonien im tropischen Afrika gehörten zu den rückständigsten Gebieten der Welt. Hier begannen sich nach der Oktoberrevolution die ersten Anfänge einer Befreiungsbewegung gegen die französische und britische Kolonialherrschaft zu entwickeln. In Gambia, Nigeria und Sierra Leone kam es zu Streiks und Bauernunruhen. In der Südafrikanischen Union gab es bereits Massenstreiks afrikanischer Arbeiter und Aufstände afrikanischer Stämme.

Heutzutage ist die Mehrheit dieser Länder wieder rückständig und bitterarm. Sie sind ökonomisch von europäischen Ländern und den USA abhängig. Man spricht auch vom Neo-Kolonialismus. Oftmals greifen die monopolistischen Großkonzerne selbst zu Unterdrückungs- und Abhängigkeitsmaßnahmen. Ein Beispiel ist „Nestle“. „Nestle“ pumpt das Wasser ab und das Land trocknet aus. „Nestle“ verkauft das Wasser nun teuer in Flaschen. Die Menschen sind nun angewiesen dieses teure Wasser zu kaufen. Außerdem sind diese Länder von Kriegen, bzw. kriegsähnlichen Zuständen überzogen. Die Menschen dort leiden Not und haben keinerlei Perspektive. Viele Menschen dort sehen eine Hoffnung darin in europäische Länder einzuwandern. Wir kennen ja alle die heutige Flüchtlingskrise. Diese löst Unmut bei den Einheimischen aus und die neofaschistischen Parteien erhalten Zulauf und werden somit gestärkt. Die Welt dreht sich eben wieder rückwärts, insbesondere nach der Niederlage 1989/90.

Tiefen Einfluss übten die Ideen der Oktoberrevolution auf die nationale Befreiungsbewegung Lateinamerikas aus, in der die Arbeiterklasse mit wachsender Aktivität hervortrat. Vor allem in Argentinien, Brasilien, Chile, Kuba und Peru brachen machtvolle Massenstreiks und revolutionäre Erhebungen der Werktätigen aus. In den Hauptstädten Argentiniens und Brasiliens kam es zu Straßen- und Barrikadenkämpfen. Allein in der „Blutwoche von Buenos Aires“, im Januar 1919, wurden 800 Arbeiter getötet und etwa 4000 verwundet. In fast allen Ländern Lateinamerikas erhoben sich auch die Bauer, die vor allem in Mexico, zu den Partisaneneinheiten zusammengeschlossen, jahrelang revolutionäre Kämpfe führten.

Alle diese Massenbewegungen und Kämpfe der unterdrückten und entrechteten Völker waren-trotz der Unterschiede in der Entwicklung der einzelnen Länder, in den konkreten Formen, der Breite und der politischen Führung, in den Zielen und Ergebnissen-ein untrennbarer Bestandteil des weltweiten revolutionären Kampfes gegen den Imperialismus.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution und ihre Auswirkungen hatten eine neue Epoche in der Entwicklung der nationalen Befreiungsbewegungen eingeleitet. Ihr machtvoller Aufschwung, der sich auf drei Kontinente mit etwa 60 Prozent der Erdbevölkerung erstreckte, löste die tiefe, unheilbare Krise des imperialistischen Kolonialsystems aus.

Auswirkungen Oktoberrevolution auf Welt

(Karte „Auswirkungen der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution auf die internationale Arbeiterbewegung und die nationalen Befreiungskämpfe in den Kolonien und abhängigen Ländern.)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text

Aufschwung revolutionäre und freiheitliche Bewegungen in verschiedenen Ländern 1917 bis 1923-&

 

Zur Innenpolitik der imperialistischen Staaten in den 1920er Jahren

Die kapitalistische  Rationalisierung und ihre Folgen

Nach dem I. Weltkrieg leiteten die Monopolherren in Europa nach amerikanischem Beispiel eine Reihe von Maßnahmen technischer und organisatorischer Art zur Beschleunigung und besseren Ausnutzung der Produktion ein. Die kapitalistische Rationalisierung sollte durch ein System von Maßnahmen den Profit steigern. Dazu gehörte vor allem die Übersteigerung des Arbeitstempos durch zu schnellen Rhythmus des Produktionsablaufs, durch raffinierte Kontrollsysteme und insbesondere durch weite Verbreitung der Akkordarbeit. Gleichzeitig wurden veraltete Produktionsanlagen dank der schöpferischen Kräfte der Wissenschaftler, Techniker und Arbeiter innerhalb weniger Jahre modernisiert und erneuert. Es entstanden viele völlig neue Industriebauten. Die Elektrizität wurde der entscheidende Energiespender für die Industrie. Der Anwendungsbereich der Chemie erweitere sich; die chemische Industrie gewann neben der Eisen- und Stahlindustrie größere Bedeutung. Durch den Einsatz neuer Maschinen und durch Standardisierung der Erzeugnisse wurden in vielen Betrieben die Produktionsmethoden vervollkommnet. Weil sich aber diese Vervollkommnung des Produktionsapparates unter kapitalistischen Verhältnissen vollzog, war die Rationalisierung in Ziel und Charakter ein arbeiterfeindlicher Wirtschaftsprozess. Am deutlichsten trat das in der kapitalistischen Fließbandproduktion zutage.

Fließbandarbeit Opelwerke 1923

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Grünberg über FließbandarbeitQuelle Grünberg über Fließbandarbeit

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Durch die kapitalistische Rationalisierung verloren in den kapitalistischen  Ländern Millionen Werktätige(arbeitende Menschen/Erwerbstätige) ihren Arbeitsplatz. Viele von ihnen fanden trotz der allgemeinen Belebung der kapitalistischen Wirtschaft keine Arbeit mehr. In den Hauptländern des Kapitalismus waren nunmehr in eine Konjunkturperiode ebenso viele Werktätige(arbeitende Menschen/Erwerbstätige) arbeitslos, wie in den Krisenjahren.

Im Grunde hat sich an diesen Zuständen bis heute nichts geändert.

Folgenschwer, wie in allen imperialistischen Staaten, verlief die kapitalistische Rationalisierung  auch in England. Hunderttausende wurden in die ohnehin große Erwerbslosenarmee gestoßen. In England war in diesen Jahren von 1924 bis 1929 jeder achte Arbeiter ohne Erwerb.

In den Kohleschächten sank zum Beispiel die Anzahl der Bergleute in den Jahren von 1924 bis 1929 um 275 000 Mann. Die Anzahl der Unfälle stieg beträchtlich. Der durchschnittliche Vierteljahreslohn des englischen Bergmannes sank in den Jahren von 1926 bis 1928 von 34 Pfund 6 Shilling 4 Pence auf 28 Pfund 9 Shilling 2 Pence. Ähnlich wirkte sich die kapitalistische Rationalisierung auf andere Teile der englischen Arbeiterklasse aus. Was den Arbeitern so das Letzte an Nerven- und Muskelenergie abverlangte und ihren Lebensstandard senkte, brachte den Monopolen höhere Profite. Sie stiegen in England von 1924 bis 1929 um etwa 14 Prozent. In Deutschland wuchs von 1925 bis 1928/29 im Verlaufe der Rationalisierung der Reingewinn der Aktiengesellschaften mit einem Aktienkapital von über 1 Million Mark sogar um mehr als 62 Prozent.

Entwicklung Import-Anteil USA

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Für die Monopolbourgeoisie war die Rationalisierung gleichzeitig eine scharfe Waffe im Kampf um die Absatzmärkte. Die USA-Imperialisten nutzten die Ergebnisse der Rationalisierung, um die Positionen der amerikanischen Monopole auf dem Weltmarkt auf Kosten anderer Länder zu vergrößern. Sowohl die Steigerung der Arbeitsintensität als auch die Standardisierung der Produktion, Verbesserung der Technik und die Senkung der Produktionskosten hatten die Konkurrenzfähigkeit der amerikanischen Waren erhöht. Deshalb vermochte die stärkste Macht des Imperialismus in vielen Ländern ihren Marktanteil beträchtlich zu vergrößern.

New York 1920er Jahre

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Arbeitslosensiedlung New York 1920er Jahre

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Heute müssen nicht nur Arbeitslose in den USA so leben. Die Arbeit wird dort so schlecht bezahlt, dass sich die Menschen, insbesondere in den großen Städten, keine Wohnung leisten können. So leben auch arbeitende Menschen in solchen Siedlungen, in Zelten etc. In den USA ist es üblich 3 Jobs zu haben, um leben zu können. Da bleibt keine Zeit und Energie mehr zum Nachdenken und aufzubegehren, geschweige denn Demonstrationen zu organisieren bzw. daran teilzunehmen.

Die Rationalisierung, die verstärkte Ausbeutung der Werktätigen(arbeitenden Menschen) und die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der imperialistischen Länder erschwerten den Absatz der Waren auf dem Weltmarkt und spitzten die Widersprüche in und zwischen den imperialistischen Ländern zu.

 

Festigung und Verschleierung der Diktatur der Monopolbourgeoisie

Der zeitweilige Aufschwung der kapitalistischen Produktion und Wirtschaft, die Niederlagen und das Abebben der revolutionären Bewegung in den kapitalistischen Ländern ermöglichten es dem Imperialisten, ihre Herrschaft mit Hilfe des Parlamentarismus aufrechtzuerhalten. Der Parlamentarismus ist eine bürgerliche Herrschaftsform, in der nach der Verfassung die Regierung von einem aus Wahlen hervorgegangenen Parlaments abhängig ist, das die Gesetze ausarbeitet und beschließt. In Wahrheit bewirkt die ökonomische Macht der Konzerne und ihr beherrschender Einfluss in den Regierungsämtern und in den Parlamentsausschüssen, dass kein wichtiger Gesetzentwurf eingereicht oder vom Parlament verabschiedet wird, der nicht den Interessen des Monopolkapitals dient. Der bürgerliche Parlamentarismus gibt dem Volk den trügerischen Schein, dass es in Parlamentswahlen demokratisch darüber entscheiden könne, welche der politischen Parteien die Regierungspolitik bestimmt und dass die Staatsgewalt vom Volk ausgeht. Wegen dieser ideologisch verwirrenden Wirkung erschien der Parlamentarismus den Imperialisten als Verschleierung ihrer Diktatur besonders geeignet. Ihre Zeitungskonzerne, Film- und Rundfunkgesellschaften verhinderten darüber hinaus, dass die Volksmassen die wahren politischen Zusammenhänge erkannten. Durch den Einsatz gewaltiger Finanzmittel wurde das Denken und Handeln der Wählermassen und der Mehrheit der Abgeordneten im Sinne der volksfeindlichen Interessen der Imperialisten beeinflusst. Die Vertreter der monopolistischen Unternehmerverbände besprachen alle wichtigen Gesetzentwürfe mit den zuständigen Regierungsstellen und Parlamentsausschüssen. Erst dann wurden sie dem Parlament zur Verabschiedung vorgelegt.

In vielen kapitalistischen Ländern kauften sich die Konzerne einfach die nötige Anzahl von Parlamentsabgeordneten um „ihre“ Gesetzentwürfe verabschieden zu lassen.

Daran hat sich nichts geändert. Wenn es ganz schlimm kommt und man diese Machenschaften doch bekanntgeben muss, wird Empörung vorgeheuchelt.

Die Werktätigen(arbeitenden Menschen/Erwerbstätige)besaßen, bzw. es ist heute auch noch so, also besitzen, dennoch die Möglichkeit einige Regeln des bürgerlichen Parlamentarismus für die Durchsetzung ihrer Interessen zu nutzen. Die Führer der Arbeiterklasse mussten deshalb lernen, in den Parlamentswahlen und von der Tribüne des Parlamentes herab die noch rückständigen Schichten des Proletariats aufzurütteln und aufzuklären.

Es galt neben dem unerlässlichen außerparlamentarischen Kampf und in Verbindung mit ihm in den bürgerlichen Parlamenten von innen heraus einen hartnäckigen ideologischen Kampf zur Überwindung der Illusion und Vorurteile der von den Monopolherren verwirrten Werktätigen(arbeitende Menschen) zu führen. Wie diese langwierige Arbeit mit Erfolg zu machen war, hatte die revolutionäre Parlamentsfraktion der Partei Lenins auf ihrem Weg zur Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gezeigt.

Im Gegensatz dazu wurde der bürgerliche Parlamentarismus von den reformistischen Arbeiterführern überbewertet. Sie verbreiten in den kapitalistischen Ländern die Irrlehre, dass die Arbeiterklasse nur durch den Parlamentarismus und nur durch Zusammenarbeit mit den Imperialisten zu Wohlstand gelangen könne. Reformistische Gewerkschaftsführer redeten den Arbeitern ein, dass sie durch Aufkaufen von Aktien zum Miteigentümer kapitalistischer Unternehmen werden könnten. Tatsächlich aber erhielt der Arbeiter durch eine derartige Klein-Aktie keinen Einfluss auf die kapitalistische Aktiengesellschaft. Denn die wenigen kleinen Aktien die die Arbeiter für einen Teil ihres Lohnes erwerben konnten, waren gegenüber den großen Aktienpaketen, die die Monopolherren besaßen, praktisch bedeutungslos. Die Entscheidung über die Geschäftsführung des Unternehmens blieb nach wie vor bei den Großaktionären. Der Arbeiter, der eine Klein-Aktie besaß, blieb Lohnarbeiter und Ausgebeuteter. Die Klein-Aktie beseitigte nicht den Klassengegensatz, sondern verschleierte ihn lediglich.

Es hat sich an diesen Zuständen nichts geändert. Wo einst der Sozialismus herrschte, ist man zu diesen Zuständen wieder zurückgekehrt. Die Welt dreht sich rückwärts.

 

Die Unterdrückung der fortschrittlichen Kräfte in den imperialistischen Staaten und der Widerstand der Werktätigen

UnterdrückungsmaßnahmenUnterdrückungsmaßnahmen 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Streik Textilarbeiter Pennsylvania

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Folgen der kapitalistischen Rationalisierung riefen in der Arbeiterklasse der imperialistischen Staaten wachsende Unzufriedenheit hervor. Vor allem in England, den USA und Deutschland beantworteten die Arbeiter entgegen dem Willen der reformistischen Arbeiterführer vielfach das Vorgehen der Großbourgeoisie mit Klassenkampfaktionen.

Bei den englischen Bergarbeitern stießen die Versuche der Grubenbesitzer, die Löhne zu senken und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern auf entschiedene Gegenwehr. Die Kommunistische Partei rief zum Generalstreik auf. Arbeiter der anderen Industriezweige unterstützten die Bergleute mit einem Generalstreik vom 4. Bis zum 12. Mai 1926. Insgesamt legten fast 6 Millionen Arbeiter die Arbeit nieder. Da setzte die Regierung Panzerwagen gegen die Streikenden ein, Polizei griff in vielen Orten Streikposten an, das Oberste Gericht erklärte den Streik für ungesetzlich, und die reformistischen Gewerkschaftsführer nutzten diese Entscheidung des Gerichts, um den Generalstreik umgehend abzuwürgen.  Die Bergarbeiter kämpften zwar noch bis Mitte Dezember 1926, mussten jedoch schließlich eine Kürzung des Lohnes und eine Verlängerung des Arbeitstages von sieben auf acht Stunden hinnehmen.

Im April 1927 legten in den USA 200 000 Bergleute die Arbeit nieder; aber auch dieser Streik endete wegen des Verrats der reformistischen Arbeiterführer mit einer schweren Niederlage. Dessen ungeachtet nahmen die Arbeiter in der Textilindustrie und in einigen anderen Industriezweigen den Klassenkampf mit der Waffe des Streiks auf. In Frankreich demonstrierten am 6. November 1926 Hunderttausende Arbeiter gegen die kapitalistische Rationalisierung.

Nach der großen Niederlage 1989/90 sind wieder überall auf der Welt solche Zustände wieder eingetreten. Nur spielt die Arbeiterklasse heute politisch keine Rolle mehr.  Zugeständnisse, die in den vergangenen Kämpfen der Arbeiterklasse den Kapitalisten abgerungen wurden, werden ausgehöhlt, da nun die Produktion ins Ausland verlagert worden ist, wo man die arbeitenden Menschen uneingeschränkt unterdrücken kann. Wenn es ganz schlimm kommt, wie bei den brennenden Textilfabriken in Bangladesch, wo es Tote und Verletzte gab, wird sich empört und Skandal geschrien.  Lässt sich die Produktion nicht ins Ausland verlagern, bedient man sich der Leiharbeit und sonstiger prekärer Beschäftigung und baut reguläre Arbeitsverhältnisse ab. Die Fluktuation ist sehr hoch. Kollegialität kann nicht entstehen. Hilft das alles nichts, wird Mobbing gefördert. Die Uneinigkeit der Arbeiterschaft ist das Plus für die Kapitalisten. Es heißt ja in der Liedzeile „Unsere Herrn, wer sie auch seien, sehen unsere Zwietracht gern, denn wenn sie uns entzweien, bleiben sie doch unsere Herren.“ 

 

 

 

 

 

Was sich seit damals geändert hat, ist die Unmöglichkeit für die Arbeiterklasse politisch eine Rolle zu spielen.

Frankreich ist ein Land in Europa, wo sich die arbeitenden Menschen nicht alles gefallen lassen. Dort wird protestiert, wie es aktuell die „Gelbwesten“ tun.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text 

Innenpolitik imperialistischer Staaten in 1920er Jahren

 

 

 

 

Die Außenpolitik der imperialistischen Staaten und des Sowjetstaates in den 1920ern und Anfang 1930er Jahre

Die Konferenz von Genua

Nachdem die Versuche der imperialistischen Großmächte, die sozialistische Sowjetmacht mit militärischer Gewalt zu zerschlagen, gescheitert waren, glaubten einige Kreise der Imperialisten, nun den Sowjetstaat mit diplomatischen Mitteln und durch die Wirtschaftsbeziehungen unterminieren und zerstören zu können.

Die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise in England veranlasste vor allem die britische Regierung unter Lloyd George, diese neue konterrevolutionäre Taktik zu versuchen. Sie griff deshalb den sowjetischen Vorschlag auf, eine internationale Konferenz zur Lösung strittiger Fragen einzuberufen. Die herrschenden Kreise Großbritanniens hofften, auf einer solchen Konferenz Sowjetrussland durch kollektiven Druck mehrerer imperialistischer Staaten zu wesentlichen Zugeständnissen zu zwingen.  Die Ententemächte beschlossen 1922 die Einberufung einer Wirtschafts- und Finanzkonferenz  aller europäischen Länder nach Genua.

Die sowjetische Regierung nahm dien Einladung an, weil sie die Konferenz für die Festigung des Friedens und die Entwicklung des Handels mit  den kapitalistischen Ländern nutzen wollte. Jedoch er erneut anwachsende Druck besonders aggressiver Monopolgruppen auf die Diplomaten der Westmächte führte zu einem Ergebnis der Konferenz, das die großen Erwartungen enttäuschte, welche die friedliebenden Menschen Europas in diese Konferenz gesetzt hatten.

Die imperialistischen Mächte strebten unter anderem danach, die russische Volkswirtschaft einer internationalen monopolkapitalistischen Kontrolle zu  unterwerfen. Sie stellten Forderungen an den Sowjetstaat, die seine politische und ökonomische Unabhängigkeit versetzten und die deshalb von den Vertretern Sowjetrusslands auf der Konferenz von Genua entscheiden zurückgewiesen werden mussten.

Den französischen Imperialisten und den hinter den Kulissen wirkenden Vertretern der USA-Monopole gelang es zwar, gleichberechtigte Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ententemächten. Und Sowjetrussland zu verhindern, aber eine antisowjetische Einheitsfront aller imperialistischen Länder der Welt vermochten sie nicht zu bilden.

Zwischen den Siegermächten des I. Weltkrieges und dem besiegten deutschen Imperialismus traten vor allem in der Reparationsfrage während der Konferenz in Genua die Widersprüche scharf hervor.

Der Vertrag von Rapallo

Als die Ententeimperialisten in Genua Sowjetrussland und auch Deutschland praktisch wie abhängige Kolonialstaaten behandelten, griffen die Vertreter Deutschlands, Wirth und Rathenau, das sowjetische Angebot auf, ein Sonderabkommen mit dem Sowjetstaat zu schließen.

Delegationsleiter Rapallo-Konferenz

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Sowjetrussland, das als sozialistischer Staat außenpolitisch vor allem an der Erhaltung des Friedens interessiert war, strebte ein Friedliches Nebeneinander der Systeme des Sozialismus und des Kapitalismus an.  Die Sowjetregierung schlug eine allgemeine Rüstungsbeschränkung vor und ein Verbot der Luftangriffe und der Anwendung von Giftgasen. Gelichzeitig bemühte sich die sowjetische Außenpolitik um eine Annäherung an die unterdrückten und abhängigen Länder.  Deshalb verzichtete sie beispielsweise entschädigungslos auf alle imperialistischen Vorrechte, die das zaristische Russland in Persien(heute Iran), Afghanistan und in der Türkei besessen hatte. Sowjetrussland trat zugleich als einziger Staat dafür ein, dass Deutschlands schwierige Lage erleichtert werden sollte. Es nutzte auch  auf der Konferenz von Genua  die imperialistischen Gegensätze im Interesse der Erhaltung des Friedens und der Verbesserung der außenpolitischen Positionen Sowjetrusslands.

So kam es am 16. April 1922 in Rapallo, einem kleinen Kurort bei Genua, zwischen Sowjetrussland und Deutschland zu Unterzeichnung des Rapallo-Vertrages.

Wichtigste Bestimmungen Rapallo-VertragMeistbegünstigung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Vertrag von Rapallo trug zur Verhinderung einer antisowjetischen imperialistischen Einheitsfront bei und diente somit zeitweilig der Erhaltung des Weltfriedens. Gleichzeitig gab der Vertrag Deutschland die Möglichkeit, sich auf dem Wege enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Sowjetland durch Leistungen der friedlichen Arbeit beim Sowjetvolk und bei den anderen Völkern Vertrauen und Achtung zu erwerben. Aber diese Chance der Entwicklung einer wirklich nationalen dauerhaften deutschen Friedenspolitik wurde bald von den Vertretern der besonders aggressiven Kreise des deutschen Imperialismus zugunsten der Vorbereitung eines Revanchekrieges vertan.

 

Der Einfluss der USA auf die Politik in Europa

Erklärung US-Präsident Wilson 1919Quelle Erklärung US-Präsident Wilson 1919

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die USA strebten im Sinne ihres Anspruches auf Weltherrschaft auch nach der Vorherrschaft in Europa. Hier betrachteten sie amerikanischen Imperialisten Deutschland als einen möglichen Bundesgenossen gegen die englischen und französischen Rivalen und zugleich als Stoßkeil gegen die Sowjetunion. Die amerikanischen Imperialisten nutzten die Rivalität zwischen Frankreich und Großbritannien, um sich 1923 mit diesem über ein den amerikanischen Wünschen entsprechendes Verhältnis zu Deutschland zu einigen. Beide Großmächte wollten Frankreichs Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent einschränken und Deutschland zum Vorposten gegen die Sowjetunion machen. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, kamen Großbritannien und die USA überein, dem deutschen Imperialismus bei der Wiederherstellung seiner Großindustrie finanziell zu helfen. Die amerikanischen Monopolherren schalteten sich direkt in die Arbeit der Sachverständigenausschüsse der Reparationskommission ein, die Vorschläge für eine Lösung des Reparationsproblems ausarbeiten sollten. Charles G. Dawes, Direktor der Morgan-Bank in Chicago, wurde Vorsitzender des Ausschusses, in dem alle grundlegenden Fragen behandelt wurden. Der von diesem Ausschuss ausgearbeitete Bericht wurde Dawesplan genannt. Er sah vor, die monopolkapitalistische Industrie Deutschlands durch eine Anleihe von 800 Millionen Goldmark rasch exportfähig zu machen. Die amerikanischen Monopolherren rechneten damit, dass Deutschland verstärkt Waren in die UdSSR exportieren, diesen Staats vom Kurs auf die sozialistische Industrialisierung abbringen und gleichzeitig mit den erzielten Profiten einen Teil der Reparationen abdecken werde.

In Verbindung mit dem Dawesplan hoben die Siegermächte auch das im Versailler Vertrag festgelegte Kontrollsystem über die deutsche Rüstungsindustrie auf. Das förderte die Wiederherstellung des deutschen Imperialismus.

 

Die Locarno-Verträge

Ermuntert von den englischen und amerikanischen Imperialisten, schlug die deutsche Regierung Anfang 1925 den Regierungen in London und Paris vor, Verträge abzuschließen, die die in Versailles festgelegte deutsch-französische und deutsch-belgische Grenze garantieren sollten. Anfang Oktober 1925 konferierten die Außenminister Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens im Schweizer Kurort Locarno.

Deutschland erklärte sich in den Locarno-Verträgen des Jahres 1925 lediglich bereit, die im Versailler Vertrag festgelegten Westgrenzen anzuerkennen. Frankreich, Belgien und Deutschland unterzeichneten entsprechende Abkommen. England und Italien verpflichteten sich, demjenigen Vertragspartner, dessen Grenzen verletzt werden sollten, Beistand zu gewähren. Mit den Vertretern Polens und der Tschechoslowakei schloss Deutschland jedoch nur Schiedsabkommen, die keinerlei Erklärung über die Anerkennung der Grenzen ihrer Länder zu Deutschland enthielten.

In den Locarno-Verträgen kamen zwei aggressive Grundlinien der Außenpolitik der imperialistischen Staaten zum Ausdruck:

 

  • Erstens das verstärkte Streben aller imperialistischen Kräfte nach Vereinigung gegen die Sowjetunion.

 

  • Zweitens der Kurs des deutschen Imperialismus auf einen auf lange Sicht geplanten Revanchekrieg.

 

 

Der Kampf der Sowjetunion für den Frieden und für die Stärkung ihrer internationalen Position

Die sowjetische Regierung begegnete den Versuchen der imperialistischen Großmächte, eine antisowjetische Einheitsfront zu schaffen und neue Interventionen zu organisieren, mit einer Reihe von Nichtangriffs- und Neutralitätsverträgen, die sie vor allem mit den Nachbarländern abschloss.

Nichtangriffs- und Neutralitätsverträge

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Verträge hatten im wesentlichen folgenden Inhalt: Die vertragschließenden Seiten verpflichten sich, den Partner nicht anzugreifen und bei einem Angriff durch eine dritte Macht Neutralität zu wahren. Das dienste der Sicherung der sowjetischen Grenzen und der Herstellung gutnachbarschaftlicher Beziehungen.

Von besonderer Bedeutung war der deutsch-sowjetische Nichtangriffs- und Neutralitätsvertrag. In ihm verpflichteten sich beide Vertragspartner, bei einem Angriff durch eine dritte Macht oder Mächtegruppe neutral zu bleiben sowie in Friedenszeiten nicht an wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen teilzunehmen, die gegen den Vertragspartner gerichtet waren.

 

Die Versuche des englischen Imperialismus zur Isolierung der UdSSR

Die Wiederherstellung der Volkswirtschaft der UdSSR, die Festigung der Sowjetmacht und die Erfolge der sowjetischen Außenpolitik machten es vor allem den englischen Imperialisten klar, dass ihnen Zeit und Gelegenheit für einen Antisowjetfeldzug verlorenzugehen drohten. Deshalb starteten sie rasch einen neuen großangelegten Versuch der ökonomischen und politischen Isolierung der Sowjetunion.

Mit der Veröffentlichung von gefälschten Materialien löste die englische Regierung 1926 eine neue Hetzkampagne gegen die Sowjetunion aus. Daran beteiligten sich besonders aktiv Henry Deterding, Generaldirektor der Shell Transport- und Handelsgesellschaft, die in der Zeit vor 1917 in Baku und Grosny große Erdölfelder besessen hatten. Als Schürer eines hemmungslosen Antisowjetismus betätigte sich auch Leslie Urquart, dem vor der Oktoberrevolution Eisenerzgruben und Metallwerke im Ural und in Sibirien gehört hatten.

Die monopolistischen Kreise wollten mit der Hetze gegen die Sowjetunion den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und der UdSSR und einen darauf folgenden Interventionskrieg vorbereiten.

Chronik Provokationen gegen Sowjetunion

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aber mit dieser Kette gefährlicher Provokationsakte erreichten die aggressivsten Kreise des englischen Imperialismus die Auslösung des Krieges gegen den Sowjetstaat nicht. Denn die Regierung der UdSSR ließ sich nicht in bewaffnete Auseinandersetzungen hineinziehen. Sie sorgte jedoch dafür, das Großbritanniens Monopolherren ihre feindseligen Aktionen mit dem Verlust der dringend benötigten sowjetischen Produktionsaufträge bezahlen mussten. Die wurden zum großen Teil an Deutschland und an die Tschechoslowakei weitergeleitet. Das brachte einflussreiche Kreise der englischen Großbourgeoisie zur Vernunft. Bereits im Frühjahr 1929 sandten 150 englische Industrie- und Handelsfirmen eine Delegation in die Sowjetunion, um über sowjetische Aufträge zu verhandeln. Die Vertreter der Sowjetunion erklärten ihnen: Aufträge an englische Firmen werden nur bei Wiederherstellung der englisch-sowjetischen diplomatischen Beziehungen vergeben; denn normaler Handel erfordert auch normale diplomatische Beziehungen. Eine Reihe von Faktoren wirkte in diese Richtung. Besonders hervorzuheben sind davon: Erstens das große Interesse vieler englischer Industrieller und Geschäftsleute am Handel mit der Sowjetunion. Zweitens die Forderungen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)nach Normalisierung der britisch-sowjetischen Beziehungen. Drittens das konsequente und zugleich elastische Verhalten der Sowjetregierung. Die ständig wachsende Wirkung dieser Faktoren führte schließlich im Spätsommer 1929 zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der UdSSR und Großbritannien.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Außenpolitik imperialistischer Staaten und des Sowjetstaates

 

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskriese auf Deutschland

Die Auswirkungen der Krise auf die deutsche Wirtschaft und die Verschärfung des Klassenkampfes

Deutschland wurde neben den USA von der Weltwirtschaftskrise (mehr dazu in der nächsten Ausgabe DIE TROMMLER)am heftigsten erfasst. Die engen Bindungen des deutschen Monopolkapitals an die westlichen Imperialisten, besonders an die USA-Monopole, bewirkten in Deutschland verheerende Folgen.

Die Krise begann in der Investitionsgüterindustrie, griff 1930 auf die Zweige der Schwerindustrie über und führte zum Bankrott einiger Banken. Produktion und Außenhandel sanken schnell ab, und nur noch ein kleiner Teil der Produktionskapazität konnte ausgenützt werden.  Die wirtschaftliche Lage wurde durch die Reparationszahlungen, die Deutschland zu leisten hatte, noch verschlechtert.

Die Behauptung der rechten sozialdemokratischen Führer, der Kapitalismus werde sich krisenfrei weiterentwickeln, entlarvte sich als Irrlehre.

Die Monopole wälzten die Lasten der Krise auf die Werktätigen(arbeitende Menschen)ab, deren Lebenslage immer schlechter wurde. Zahlreiche Fabriken schränkten die Produktion ein oder legten sie still. Dadurch stieg die Arbeitslosigkeit schnell an. 1932 gab es in Deutschland über 8 Millionen Erwerbslose und viele Millionen Kurzarbeiter.

Arbeitssuchende Berliner Arbeitsamt

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ansteigen Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit 1928-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

60 000 mittlere und kleinere Betriebe brachen zusammen. Mit Hilfe von Krediten und mit Unterstützung des Staates kauften die Monopole viele dieser bankrotten Betriebe auf und stärkten dadurch ihre wirtschaftliche Macht.

Die Lage der Gewerbetreibenden und werktätigen Bauern verschlechterte sich ebenfalls rapide. Die Bauern konnten immer weniger landwirtschaftliche Produkte verkaufen und verschuldeten. Durch Zwangsversteigerungen verloren allein im Jahre 1930 20 000 Klein- und Mittelbauern ihre Höfe.

Erntepfändung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Krise in der Landwirtschaft(Agrarkrise)wirkte ihrerseits verschärfend auf die Krise anderer Teile der Wirtschaft.

Durch die wachsende Notlage und die immer neuen Angriffe des Monopolkapitals auf die Lebenslage der Werktätigen(arbeitende Menschen)verschärfte sich der Klassenkampf.

Obdachlose auf Treppen der Berliner Volksbühne

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In vielen Demonstrationen und Streiks der Arbeiter und Erwerbslosen wehrten sich die Unterdrückten gegen die Unternehmerangriffe und die staatlichen Verordnungen zur Senkung der Löhne und Unterstützungen. Während die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer sich immer wieder bemühten, die wachsende revolutionäre Bewegung einzudämmen, stand die Kommunistische Partei an der Spitze der Aktionen der Werktätigen(arbeitenden Menschen). Sie lehrte die Massen, dass das Proletariat nur durch aktiven Massenkampf seine elementarsten Lebensrechte verteidigen kann und damit zugleich die Lebensinteressen des gesamten Volkes vertritt.

Streiks 1930-31

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Demo im Mansfelder Revier

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der weitere Abbau der Demokratie durch die Monopolbourgeoisie

Angesichts des wachsenden Kampfes der Arbeiter gegen die Verelendungs- und Unterdrückungsmaßnahmen war die Monopolbourgeoisie nicht mehr in der Lage, ihre Politik mit dem bürgerlichen Parlamentarismus durchzusetzen. Zur Verwirklichung ihrer Revanche- und Expansionsziele orientierten sich die reaktionärsten Kräfte des deutschen Monopolkapitals auf die völlige Beseitigung der bürgerlichen Demokratie und die Errichtung einer brutalen Terrorherrschaft. Mit der Regierung des Zentrumpolitikers Brüning, die am März 1930 regierte, wurden zunächst Präsidialkabinette eingesetzt, die nur auf dem „Vertrauen des Reichspräsidenten“ und nicht auf dem des Reichstags beruhten. Sie reagierten mit Notverordnungen. Diese waren nicht an die Zustimmung des Reichstages gebunden, sondern wurden auf Grund des Artikels 48 der Weimarer Verfassung allein vom Reichspräsidenten verordnet. Die erste Notverordnung erschien im Juli 1930. Sie brachte Gehaltssenkungen für Angestellte und Beamte, eine Verminderung der Steuern für Unternehmer um insgesamt 1,4 Millionen Mark und die Erhöhung der Steuern für die Werktätigen(arbeitende Menschen)um 10 Prozent. Gleichzeitig wurde der Reichstag aufgelöst, weil sich seine Mehrheit gegen dies Verordnung ausgesprochen hatte.

Reichstag wird eingesargt

Fotomontage von John Heartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eine weitere Notverordnung war das „Osthilfegesetz“, durch das die Junker über 4 Milliarden Mark Staatsgelder erhielten.

Entwicklung Notverordnungspolitik 1930-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit diesen Notverordnungen und anderen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen bereiteten sich die Regierung Brüning und die ihr 1932 folgende Papenregierung den Übergang von der bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsform zur offenen faschistischen Diktatur vor.

 

Die Nazibewegung als neue Massenpartei für die reaktionärsten Kreise der Monopolbourgeoisie

Zur Errichtung eines offenen, brutalen Terrorregimes brauchten die Imperialisten ein Werkzeug, eine Partei, die die Massen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)spalten und irreführend sollte. Für dies Aufgabe förderten die reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals , vor allem in den Jahren der Krise, die von Hitler geführte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei(NSDAP), wie sie sich zur Täuschung der Volksmassen nannte. In ihrem Programm verkündete sie, dass Deutschland im Osten „Lebensraum“ erobern und darum Krieg führen müsse. Zugleich forderte sie die Revision der Westgrenzen. Als ihre Hauptaufgabe bezeichneten die Nazis, den Kommunismus auszurotten. Diese Zielstellung entsprach am meisten der imperialistischen Machtpolitik der deutschen Monopolbourgeoisie.

Die am schwersten von der Krise betroffenen Teile des Monopolkapitals, besonders Vertreter der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, drängten am heftigsten zum Faschismus. Seit 1930 führten die Kohlekonzerne jährlich über 6 Millionen Mark an die Nazi-Partei ab. Stahlkönig Thyssen fianzierte den Kauf des „Braunen Hauses“, des Parteihauses der Nazis, in München. Aber auch ausländische Imperialisten, wie Henry Ford, Henry Deterding, Ivar Kreuger und der Shell-Konzern, waren an der Finanzierung der Nazipartei beteiligt. Dies ermöglichte es den Faschisten, Terrorbanden, die SA und SS aufzustellen und zu bewaffnen, Versammlungen und Aufmärsche zu organisieren.

Aufmarsch SA Braunschweig 1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Hauptmethode der Politik und Propaganda der faschistischen Partei waren der Antikommunismus und die soziale und chauvinistische Demagogie, lügenhafte Versprechungen zur Irreführung der Volksmassen, die man die zu halten gedachte. Das falsche Versprechen begann bereits beim Namen der Partei. Die Faschisten wussten, dass die Idee des Sozialismus in der Arbeiterklasse verwurzelt und auch das Lebensziel anderer Werktätiger(arbeitender Menschen)war. Deshalb missbrauchten die Faschisten den Begriff Sozialismus und bezeichneten ihr Ziel, die Errichtung einer faschistischen Diktatur, als „nationale Revolution“.

Auch heutzutage, wie auch in der alten BRD spricht man in der offiziellen Geschichtsschreibung vom Nationalsozialismus und bezeichnet die Nazis nicht als Faschisten, sondern als Nationalsozialisten. Das kommt daher, das nun der Faschismus mit dem Sozialismus geleichgestellt wird. Das entspricht der antikommunistischen Propaganda.

Den Arbeitern versprachen die Nazis Arbeit und Brot und die Verstaatlichung  der Monopole, den Bauern eine Bodenreform, den Kaufleuten und Handwerkern eine gesicherte Existenz. Ihre monopolkapitalistischen Auftraggeber wussten, dass dies nur demagogische Versprechungen waren.

Interview New York Times zu NSDAP 1930

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als sich 1931 die wirtschaftliche Lage zuspitzte und sich der Klassenkampf verstärkte, bemühten sich einzelne Kreise des deutschen Finanzkapitals immer nachdrücklicher um eine Vereinigung aller reaktionären Kräfte, einschließlich der Faschisten, zum Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und zur Durchsetzung ihrer aggressiven imperialistischen Ziele. Im Oktober 1931 bildeten diese ärgsten Feinde des deutschen Volkes die Harzburger Front.

Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Entschließung Harzburger Front 1931Quellenangabe Entschließung Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze innerhalb des Monopolkapitals waren die Ursache dafür, dass zunächst nur ein Teil die Nazipartei unterstützte. Nachdem Hitler am 27. Januar 1932 vor führenden Monopolvertretern in Düsseldorf, darunter Krupp, Borsig, Duisberg, Flick, und Vögler, sein Programm zur Unterdrückung der revolutionären Kräfte und zur Führung eines Eroberungsfeldzuges erläutert hatte, flossen neue Gelder von den Industriellen in die Kassen der Nazipartei.

Hitler und Göring im Industrieclub Düsseldorf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In der alten BRD war es tabu die Finanzierung  der Nazi-Partei durch Großkapitalisten zu benennen. Auch heute wird das nur in Spezialpublikationen zur Sprache gebracht.

In den Wahlen im Juli 1932 wurde die NSDAP zur stärksten Partei im Reichstag und Göring Reichstagspräsident.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text:

Auswirkungen Weltwirtschaftskrise Deutschland

 

Die Entwicklung der KPD zur Marxistisch-leninistischen Massenpartei. Der Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen das Erstarken der Reaktion

Die Bildung des marxistisch-leninistischen Zentralkomitees der KPD im Oktober 1925

Nach der Niederschlagung der Arbeiterklasse im Herbst 1923 terrorisierte die Reichswehr gemeinsam mit militaristischen Verbänden sowohl die klassenbewussten Arbeiter als auch parteilose Gewerkschafter und bürgerliche Demokraten. Den Hauptstoß richtete der imperialistische Staatsapparat gegen die Kommunisten. Ihre Partei wurde verboten und gegen fast alle führenden Funktionäre der KPD Haftbefehl erlassen.

Etwa 7000 klassenbewusste Proletarier saßen 1924 in den Gefängnissen der Weimarer Republik; gegen 18 000 wurde von den Justizbehörden Anklage erhoben. Eine Serie von Gesetzen und Verordnungen bürdete den Werktätigen(arbeitende Menschen)neue Steuerlasten auf, kürzte die kargen Unterstützungssätze für Erwerbslose, raubte den Arbeitern und Angestellten den Achtstundentag und schränkte ihr Streikrecht erheblich ein.

Das kommt uns bekannt vor. In der heutigen Zeit gibt es in Österreich gravierende Verschlechterungen für die arbeitenden Menschen, aber auch Erwerbslose. In Deutschland  ist Hartz IV und die Einführung von Leiharbeit und anderen prekären Arbeitsverhältnissen mit Einkommenskürzungen für viele Menschen verbunden. Für diejenigen, die Arbeit haben und Steuern zahlen, wird diesen ebenso diese Last mehr und mehr aufgebürdet.

Doch der Vortrupp der Arbeiterklasse, der heutzutage nicht mehr vorhanden ist, kapitulierte nicht vor diesem Angriff. Trotz der schwierigen Kampfbedingungen und ungeachtet ihrer außerordentlich schlechten materiellen Lage organisierten die Kommunisten den Widerstand der Werktätigen(arbeitende Menschen)gegen die Offensive der Monopolkapitalisten. Arbeiter griffen in vielen Industriezweigen und Orten zur Waffe des Streiks. Wirksame proletarische Abwehrbewegungen wurden ausgelöst. Aber ihr Verlauf bestätigte letztlich, dass sich das Kräfteverhältnis der Klassen nach dem Oktober 1923 grundlegend zugunsten der Monopolbourgeoisie verändert hatte. Denn die Streikenden erreichten zwar insgesamt gesehen gewisse Lohnerhöhungen, vermochten jedoch nicht, die beseitigten sozialen Errungenschaften, wie z.B. den Achtstundentag, zurückzuerobern.

Die revolutionären Mitglieder der KPD bemühten sich, die Veränderungen im Kräfteverhältnis der Klassen rasch zu erfassen und eine der neuen Situation entsprechende Taktik auszuarbeiten. Doch das war außerordentlich schwierig; denn die relative Stabilisierung des Kapitalismus in Deutschland setzte sich nicht schlagartig durch, sondern vollzog sich in einem längeren, widerspruchsvollen Prozess. Die Breite und Schärfe der proletarischen Abwehrbewegungen begünstigten Fehleinschätzungen der Klassenkampfsituation. So meinte eine Reihe von Mitgliedern und Funktionären der KPD, in Deutschland könnten rasch neue, entscheidende Klassenkämpfe heranreifen und in naher Zukunft erneut den gesamtnationalen bewaffneten Aufstand gegen die Macht des Monopolkapitals auf die Tagesordnung stellen. Dem gegenüber beurteilte der revolutionäre Kern der KPD die Massenaktionen ihrem Charakter nach richtig als Abwehrkämpfe. Er rang in der Partei für die Durchsetzung dieser Politik, die die Verteidigung der elementaren materiellen und demokratischen Interessen in den Vordergrund rückte. Nur mit einer solchen Politik war es der KPD nach dem Oktober 1923 möglich, sich im Kampf um Teilforderungen eng mit den Arbeitermassen, mit den werktätigen Bauern und großen Kreisen der Städtischen Mittelschichten zu verbinden und so das Volk an neue große Klassenschlachten gegen den deutschen Imperialismus heranzuführen. Die KPD verfügte bereits über den dafür erforderlichen Stamm kampferfahrener und marxistisch-leninistisch gebildeter Revolutionäre. Einer ihrer hervorragendsten war Ernst Thälmann.

Schon im Alter von 17 Jahren wurde Ernst Thälmann Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und der Freien Gewerkschaften. Bereits 1912 wählten die Hamburger Gewerkschafter den Transportarbeiter Thälmann als Delegierten zum Verbandstag. Am Vorabend des ersten Weltkrieges trat er für den entschiedenen Kampf gegen den Militarismus ein und beteiligte sich später an der Front an Aktionen gegen den imperialistischen Krieg. 1919 wurde er erster Vorsitzender der Hamburger Organisation der USPD. Als bewährter Arbeiterführer wurde er 1923 Mitglied der Zentrale der KPD und war seitdem Mitglied des höchsten Führungsgremiums der KPD.

Ernst Thälmann appellierte auf dem 9. Parteitag der KPD im April 1924 an alle Kommunisten, sich an die Spitze der Massenkämpfe gegen die Festigung der Macht der Monopole, gegen die Vorstöße der Militaristen und gegen den Raub der Arbeiterrechte zu stellen. Und um die Partei fest in den Betrieben zu verwurzeln, forderten die revolutionären Kräfte den organisatorischen Aufbau der KPD auf der Basis von Betriebszellen, das heißt von Grundeinheiten in den Betrieben.

Da aber in der Führung der KPD nach 1923 zeitweilig eine kleinbürgerliche Gruppe um Ruth Fischer und Arkadi Maslow Oberhand gewonnen hatte, vermochte die Partei weder die eben genannte Organisationsfrage rasch und konsequent zu lösen noch die sozialen, demokratischen und nationalen Forderungen in den Vordergrund der Politik der KPD zu rücken. Die Gruppe Fischer-Maslow unterschätzte nicht nur die Bedeutung dieser Forderungen, sondern verband sie obendrein direkt mit solchen Zielen, wie Bewaffnung der Arbeiterklasse und Errichtung der Diktatur des Proletariats, die in der grundlegend veränderten Klassenkampfsituation nicht mehr unmittelbar auf der Tagesordnung standen. Unterstützt von der Kommunistischen Internationale, gelang es Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Fritz Heckert, Walter Stoecker, Wilhelm Florin, Ernst Schneller, Clara Zetkin und anderen, die Mehrheit der Parteimitgliedschaft von der Unrichtigkeit und Schädlichkeit der Generallinie der Fischer-Maslow-Gruppe zu überzeugen.

Führende KPD-Mitglieder Oktober 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auf der 1. Parteikonferenz im Oktober 1925 wurde die Herausbildung des leninistischen Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands unter Führung Ernst Thälmanns besiegelt.

Die 1. Parteikonferenz der KPD entwickelte gleichzeitig die Grundzüge einen antiimperialistisch-demokratischen Aktionsprogramms. Erweiterung der Rechte der Betriebsräte, Auflösung der militaristischen und monarchistischen Organisationen, Beschlagnahme der Fürstenvermögen und Säuberung des Staatsapparates von militaristischen und extrem reaktionären Elementen wurden in den Mittelpunkt der Politik der KPD gerückt.

 

Überblick über die wichtigsten von der KPD beeinflussten Organisationen

In dem 1924 gegründeten Roten Frontkämpferbund(RFB)sammelten sich vor allem ehemalige proletarische Frontkämpfer zur Abwehr des Militarismus.

Mit Demonstrationen und anderen Aktionen stellte er sich den Kräften der Kriegstreiber entgegen. Er schützte Versammlungen der Arbeiter vor Anschlägen der Feinde des Proletariats. Gleichzeitig widmete sich der RFB der politischen Aufklärung  sowie der Erziehung seiner Mitglieder zur proletarischen Wehrhaftigkeit und setzte sich für die Verteidigung der Sowjetunion ein.

Die seit 1921 bestehende Internationale Arbeiterhilfe(IAH)sammelte für streikende Arbeiter Geld, verteilte Lebensmittel und kümmerte sich um notleidende Kinder. Anfang 1924 gab die IAH in Deutschland in etwa 400 Speisestellen täglich 30 000 warme Mittagessen an Erwerbslose , Streikende und andere notleidende Werktätige aus. Von April 1927 bis zum März 1929 stellte sie deutschen Arbeitern 192 000 Mark für Kinderbeihilfe und 580 000 Mark für Streikunterstützung zu Verfügung. In dieser Hilfsorganisation wirkten Kommunisten nicht nur gemeinsam mit sozialdemokratischen und parteilosen Arbeitern, sondern auch mit fortschrittlichen Wissenschaftlern, Künstlern, Schriftstellern und Politikern, unter anderem mit Otto Dix und Oskar Maria Graf.

Die im Sommer 1921 entstandenen Komitees der Roten Hilfe(RHD), zentral geleitet von Wilhelm Pieck und Clara Zetkin bemühten sich, den von der reaktionären Justiz verfolgten Revolutionären beizustehen und deren Angehörigen materielle und moralische Hilfe zu erweisen. So wurden unter anderem im Oktober 1924 bis September 1925 385 Kinder von verhafteten und ermordeten Arbeitern in Kinderheimen der RHD untergebracht. Die Komitees der Roten Hilfe kämpften für die Amnestie der proletarischen politischen Gefangenen. Neben kommunistischen, sozialdemokratischen und parteilosen Arbeitern halfen fortschrittliche Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller wie Albert Einstein, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Kurt Tuchosky und Arnold Zweig, besonders dem Kinderhilfswerk der Roten Hilfe vor dem Eingreifen der reaktionären Behörden zu schützen.

Die damalige Rote Hilfe hat mit der heutigen Roten Hilfe nicht das geringste zu tun. Heute ist es undenkbar in Selbsthilfe Kinderheime zu unterhalten.

Die Kommunistische Jugend Deutschlands(KJD),die sich 1925 in Kommunistischer Jugendverband Deutschlands(KJVD)umbenannte, kämpfte für die Einheitsfront der Arbeiterjugend gegen imperialistische Kriegsgefahr, gegen Ausbeutung und politische und kulturelle Unterdrückung der Jungarbeiter. Der JVD erzog seine Mitglieder im Geiste des Marxismus-Leninismus, leistete in den Betrieben, Gewerkschaften und Sportorganisationen antimilitaristische Arbeit unter der Jugend und trat für die Verteidigung der Sowjetunion ein.

Der 1924 gegründete Jung-Spartakus-Bund(JSB)kämpfte gegen die militaristische Erziehung, gegen nationalistische und antisowjetische Verhetzung und gegen die Prügelstrafe in den Schulen. Er forderte von seinen Mitgliedern nicht nur gesellschaftliche Aktivität, sondern auch das Bemühen um gute Lernergebnisse. Gleichzeitig beteiligten sich die Mitglieder des JSB in verschiedenen geeigneten Formen an Kämpfen und Aktionen der Arbeiterklasse. Schulzellen demonstrierten für die Freilassung der proletarischen politischen Gefangenen, veranstalteten Kundgebungen gegen die Verherrlichung des Erzmilitaristen Hindenburg, agitierten in Häusern und auf Höfen, um Kinder für die Unterstützung der Arbeiterklasse zu gewinnen, Und nicht zuletzt wirkte der JSB für die Stärkung der Verbindung seiner Mitglieder zu den Kindern anderer Länder, besonders zu den Pionieren der UdSSR.

 

Die Kämpfe der Arbeiterklasse unter Führung der KPD gegen Imperialismus und Militarismus

Die KPD kämpfte gegen die Locarnoverträge, weil sie auf einen neuen imperialistischen Krieg hinsteuerten. Zerrissen wurde der Schleier der Friedensphrasen, in den die Imperialisten dieses Vertragswerk hüllten. Die Kommunisten wiesen auf die Stärkung hin, die dem deutschen Imperialismus aus diesem Vertrag erwuchs.

Ausschnitt Rede Ernst Thälmann im Reichstag 1925Quellenangabe Ernst Thälmann Reichstag 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem Ringen um Verwirklichung der antiimperialistisch-demokratischen Forderungen, die die KPD mehr und mehr in den Vordergrund ihrer Politik rückte, gewann sie bald großen Einfluss unter den Werktätigen(arbeitende Menschen). Das zeigte sich, als es darum ging, die Auslieferung von Milliardenwerten an die im November 1918 gestürzten Fürsten zu verhindern. Damals hatte die Regierung Ebert-Haase alle Versuche der Volksmassen vereitelt, die entthronten Fürsten entschädigungslos zu enteignen. Ihre Güter, Schlösser und anderen Sachwerte waren lediglich von staatlichen Behörden beschlagnahmt, aber nicht enteignet worden. Die Landesregierungen hatten nach 1918 mit Zustimmung sozialdemokratischer Minister den ehemaligen Königen, Großherzögen und Herzögen große Geldzuwendungen in Form von Renten und Abfindungen gewährt. Im Jahre 1925, nach dem Wahlerfolg Hindenburgs, hielten die ehemaligen Fürsten die Zeit für gekommen, ihr gesamtes, in Jahrhunderten zusammengeraubtes Vermögen zurückzufordern oder dafür eine Entschädigung zu verlangen. Die bürgerlichen Parteien und selbst rechte Führer der Sozialdemokratie fanden sich bereit, diesem Verlangen ganz oder teilweise entgegenzukommen. Doch sie stießen auf den Widerstand von Millionen Werktätigen(arbeitende Menschen), die sich unter der Losung der KPD „Keinen Pfennig den Fürsten!“ vereinten. Dieser Bewegung konnte sich auch die Führung der SPD nicht widersetzen, wollte sie sich nicht von ihren eigenen Mitgliedern und Wählern isolieren. Das Angebot des Zentralkomitees der KPD, Maßnahmen zum gemeinsamen Kampf für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten zu beraten, fand deshalb die Zustimmung der SPD- und Gewerkschaftsführung. Im Januar 1926 einigten sich die Arbeiterorganisationen darüber, einen Volksentscheid über die Fürstenabfindung zu erzwingen.

Plakat Volksbegehren 1926

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Wenn nämlich-so bestimmte es die Weimarer Verfassung-zehn Prozent aller Wähler in einem Volksbegehren(einer öffentlichen Einzeichnung in Listen)die Entscheidung einer wichtigen Frage durch die Wähler selbst forderten, dann musste die Regierung eine geheime Abstimmung darüber ansetzen.

Kaum war bekannt geworden, dass sich die Arbeiterorganisationen darüber verständigt hatten, der Fürstenabfindung entgegenzutreten, da vereinigte sich die Reaktion unter der Losung: Verteidigung des Privateigentums. Alle Mittel der Massenbeeinflussung wurden eingesetzt, um kleinbürgerliche Schichten mit der Lüge zu schrecken, dass die Kommunisten und Sozialisten erst die Fürsten und dann alle Besitzenden zu enteignen beabsichtigten.

Hirtenbrief Bischof von Passau 1Hirtenbrief Bischof von Passau 2Quellenangabe Hirtenbrief Bischof von Passau

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Doch das einheitliche Handeln der Arbeiterklasse übte eine große anziehende Kraft aus. 12,5 Millionen Wähler(31 Prozent aller wahlberechtigten Deutschen)forderten mit ihrer Unterschrift den Volksentscheid. Nach diesem ersten Erfolg schlossen sich die Arbeiter noch enger zusammen und bildeten in Städten und Gemeinden Ausschüsse, in denen kommunistische, sozialdemokratische und parteilose Arbeiter gemeinsam den Volksentscheid vorbereiteten. Das geschah gegen den Willen der reformistischen Führer, die aus Furcht vor der Revolutionierung der Massen versuchten, die mächtige Bewegung abzubremsen.

Am 20. Juni 1926, dem Tag der Abstimmung, entschieden sich 14,5 Millionen Wähler für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten. Niemals vorher war es in der Weimarer Republik den Arbeiterparteien gelungen, eine so große Anzahl von Stimmen auf sich zu vereinen. Dennoch reichte dieser Erfolg nicht aus, denn zu Sieg des Volksentscheids waren rund 20 Millionen Stimmen notwendig.

Ergebnisse Volksentscheid 20.Juli 1926

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Den Fürsten wurde von den deutschen Regierungen nun ein Vermögen von 2,5 Milliarden Mark zugeschoben. Der Kampf gegen die Fürstenabfindung vermochte zwar sein unmittelbares Ziel nicht zu erreichen, doch war durch die Vorbereitung und Durchführung des Volksentscheids die Autorität der Arbeiterparteien, insbesondere der KPD, gewachsen. Er bewies, dass die Volksmassen sich zu einer mächtigen antiimperialistischen Front zusammenschließen können, wenn ihnen eine einheitlich handelnde Arbeiterklasse im Kampfe gegen Militarismus und für Demokratie als führende Kraft vorangeht.

Als 1928 die Mehrheit des Reichstages den Militaristen den Bau des Panzerkreuzers A(siehe militärische Rüstungsmaßnahmen)bewilligte, mobilisierten die Kommunisten Millionen Menschen zu Widerstand gegen diesen Schritt zur Aufrüstung. KPD und RFB reichten beim Reichsinnenminister den Antrag auf Volksbegehren für ein Gesetz ein, das den Bau von Panzerkreuzern und Kriegsschiffen aller Art verbietet. Mit Plakataufschriften wie „Für Panzerkreuzer 80 Millionen Mark bewilligt, für Kinderspeisung fünf Millionen abgelehnt“ brandmarkte die KPD das volksfeindliche Verhalten der bürgerlichen Reichstagsmehrheit.

Fotomontage John Heartfield 1928

Fotomontage von John Heartfield

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Bürgerliche Friedensorganisationen, wie die Deutsche Friedensgesellschaft, forderten ihre Mitglieder zur Teilnahme am Volksbegehren auf. Ihre Führer, wie Hellmuth von Gerlach und Ludwig Quidde, traten für die Unterstützung des Volksbegehrens ein. Demgegenüber verbot der Parteiausschuss der SPD den Sozialdemokraten die Teilnahme. Zugleich organisierten die rechten Führer der Sozialdemokratie ebenso wie die Politiker der Großbourgeoisie in Presse und Rundfunk eine Verschwörung des Schweigens gegen das Volksbegehren.

Fast auf sich allein gestellt, reichte die Kraft der KPD nicht aus, um das Volksbegehren gegen alle Behinderungen zu einem vollen Erfolg zu führen. Die für die Durchführung eines Volksentscheids notwendige Stimmenzahl konnte nicht erreicht werden. Dennoch war Bedeutendes erreicht worden. Denn das Volksbegehren verstärkte die antimilitaristischen Stimmungen im Volke und führte ihm einmal mehr vor Augen, dass in Deutschland nur eine einzige Partei, die KPD, konsequent gegen Militarismus und Aufrüstung kämpfte.

Ende 1928 untersagte der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebel, alle politischen Veranstaltungen unter freiem Himmel und hielt dieses Verbot trotz der Proteste der revolutionären Berliner Arbeiter auch für den 1. Mai 1929 aufrecht. Die KPD unterstützte die Arbeiter, die sich das demokratische Recht nicht nehmen lassen wollten, auf den Straßen und Plätzen für ihre sozialen Forderungen und gegen die Kriegsvorbereitungen zu demonstrieren.  Die revolutionäre Arbeiterpartei reif für den 1. Mai 1929 zu friedlichen Demonstrationen auf. Etwa 200 000 Berliner folgten diesem Ruf. Aber jeden Zug, der sich formierte, griff die Polizei an. Irregeführt durch die offizielle antikommunistische hetze und aufgehetzt von reaktionären Polizeioffizieren, schossen die Polizisten auf die unbewaffneten Demonstranten. Vor diesen blindwütig schlagenden und schießenden Polizeibütteln suchten sich die Demonstranten durch Straßensperren zu schützen, die sich aus Brettern, umgestürzten Fahrzeugen, Kanalisationsrohren und anderen Gegenständen errichteten. Daraus entstanden am Abend des 1. Mai in Neukölln und am Wedding Barrikaden. Hier begannen sich auch Arbeiter spontan, mit einigen wenigen selbst beschafften Waffen zu verteidigen.

1. Mai 1929 Berlin Wedding

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Polizei umstellte Stadtbezirke, verhängte den Belagerungszustand und brach dann schießend in einzelne Wohnviertel ein. 10 981 Schüsse feuerten sie laut eigener Abrechnung in den ersten Maitagen aus ihren Pistolen und Karabinern ab. 31 Tote und Hunderte Verletzte waren die fürchterliche Folge. Aber die KPD ließ sich nicht zu einem unvorbereiteten bewaffneten Kampf herausfordern. Wo einzelne Arbeiter spontan zum Gewehr gegriffen hatten, rief sie sie auf, den bewaffneten Kampf abzubrechen. Und die kämpfenden Arbeiter folgten diesem Appell. „Sie unterwarfen sich“, wie Thälmann rühmend hervorhob, „der revolutionären Disziplin, die das Grundgesetz der revolutionären Bewegung ist.“Die Polizei verhaftete mehr als 1200 Arbeiter. Es folgten Verbote von Zeitungen, Versammlungen und Demonstrationen. Jedoch die revolutionären Arbeiter nahmen diesen Unterdrückungsfeldzug nicht widerstandslos hin. In vielen Städten solidarisierte sich die Arbeiterschaft mit den Kämpfern und Opfern. Etwa 75 000 Arbeiter traten in Berlin, Chemnitz, Hamburg, Halle und Merseburg in den politischen Streik. Heutzutage ist ein politischer Streik von vornherein verboten. Ein neuer Aufschwung des Klassenkampfes reifte heran.

 

Die verstärke Auseinandersetzung der proletarischen und bürgerlich-humanistischen Schriftsteller und Künstler mit der  imperialistischen Politik und Ideologie

Als aktive Teilnehmer am Kampf der revolutionären Arbeiterbewegungen gegen den Imperialismus griffen proletarische Schriftsteller wie Willi Bredel, Karl Grünberg, Hans Marchwitzka, Adam Scharrer, Ludwig Turek und andere Themen auf, die in der deutschen Literatur bisher unbekannt waren, Literarisch gestalteten sie beispielsweise die Entwicklung des revolutionären Arbeiters zum Kommunisten, den Aufbau in der Sowjetunion und den revolutionären Befreiungskampf der Arbeiter in der ganzen Welt. Johannes R. Becher, der bedeutendste Lyriker der deutschen proletarischen Literatur, bekämpfte den Imperialismus besonders konsequent von den Positionen des Humanismus und der Arbeiterklasse mit vielfältigen Mitteln. Seine Werke halfen vielen Werktätigen(arbeitenden Menschen), den richtigen Weg zu finden.

Johannes R. Becher Biografie 1Johannes R. Becher Biografie 2Quellenangabe Johannes R.Becher Biografie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Neben Johannes R. Becher, dem Mitschöpfer und Organisator der proletarisch-revolutionären Literatur, wirkte Erich Weinert vor allem mit dem Mittel des politisch-agitatorischen Gedichtes. Mit ihm begeisterte er Hunderttausende Arbeiter, regte er sie zu Taten gegen den Imperialismus und Militarismus an. John Heartfield förderte diesen Prozess mit der von ihm entwickelten Fotomontage. Otto Nagel malte nicht nur die Not und die Unterdrückung des Proletariats ergreifend, sondern brachte dem Betrachter auch die Kraft des Arbeiters nahe.

Aus Empörung gegen die Barbarei des Imperialismus schlossen sich mehrere hervorragende bürgerliche Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Egon Erwin Kisch, Ludwig Renn und Anna Seghers der revolutionären Arbeiterbewegung an. Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich Bertolt Brecht bereits zum größten Dramatiker seiner Zeit. Mit dem Stück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ bemühte er sich, den Marxismus in der Praxis des Theaters anzuwenden. Er versuchte, komplizierte ökonomische Vorgänge des Monopolkapitalismus auf der Bühne deutlich zu machen, demonstrierte den erbarmungslosen Kampf der Imperialisten an der Börse und zeigte den Mechanismus der kapitalistischen Meinungsbeeinflussung. Brecht wies auf die Notwendigkeit des revolutionären Sturzes der Herrschaft der Finanzkapitalisten hin und rief dazu auf. Er tat es in Form des Theaterspiels, die bei den werktätigen Zuschauern Lust am Erkennen erregen und Initiative zur Beseitigung der menschenfeindlichen kapitalistischen Gesellschaftsordnung wecken sollte.

Auf dem Gebiet der Musik wurde Hanns Eisler Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zum bedeutendsten Komponisten der deutschen Arbeiterklasse. Er komponierte Lieder, wie „Roter Wedding“ und „Solidarität“, die aktuelle Probleme des Kampfes der Arbeiterklasse künstlerisch gestalteten.

 

 

 

 

 

 

Als erbitterte Gegner des Krieges und des Militarismus stemmten sich in zunehmenden Maße auch einzelne fortschrittliche bürgerliche Schriftsteller gegen die militaristische Flut. Sie schufen vor allem im Kampf gegen die Verherrlichung des imperialistischen Krieges einige bedeutende Romane, wie „Im Westen nichts Neues“ (Erich Maria Remarque) und „Der Streit um den Serganten Grischa“ (Arnold Zweig). Gelang es ihnen auch nicht, Wesen und Ursachen des imperialistischen Krieges zu klären, so brandmarkten sie doch das Unmenschliche dieser gesetzmäßigen Erscheinung des Imperialismus.

Andere fortschrittliche bürgerliche Schriftsteller wie Alfred Döblin, Leonard Frank und Oskar Maria Graf rückten die Leiden, die Tapferkeit und die moralische Überlegenheit des einfachen Werktätigen(arbeitenden Menschen)in den Mittelpunkt ihrer Romane. Mit politischer und gesellschaftskritischer Lyrik kämpfte vor allem Kurt Tucholsky gegen Militarismus, Nationalismus und Faschismus an.

Auch einige bürgerliche Künstler stellten ihr Schaffen in den Dienst des Kampfes gegen den Hauptfeind des deutschen Volkes. Zu ihnen gehörte vor allem der Maler Otto Dix.  Er konfrontierte die verlogene Verherrlichung des Krieges mit dem wirklichen Grauen des Völkermordens und bemühte sich, mit seinen sozialkritischen Gemälden im Volke Kräfte der Abwehr zu wecken.

Otto Dix Der Krieg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Alle diese literarischen und künstlichen Werke mobilisierten viele Werktätige(arbeitende Menschen)zum Kampf gegen den Imperialismus und Militarismus.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text

Kampf Arbeiterklasse gegen Reaktion und Entwicklung der KPD