Die Verschärfung der Kriegsgefahr in Europa. Die Anstrengungen der Sowjetunion um ein System der kollektiven Sicherheit

Hitlers demagogische Friedensbeteuerungen, so zum Beispiel, dass er nach der Lösung des „sudetendeutschen Problems“ keine territorialen Forderungen an Europa mehr habe, hatten das Ziel, seine wahren Kriegspläne zu verschleiern

Am 22. März 1939, nur wenige Tage nach der Zerschlagung der gesamten CSR, erpresste das Naziregime von der litauischen Regierung die Angliederung des Memelgebietes an Deutschland. Rumänien wurde gezwungen, den deutschen Konzernen die Kontrolle über die kriegswichtige Erdölproduktion zu sichern.

Am 28. April 1939 umriss Hitler in einer Reichstagsrede die nächsten Forderungen und Aggressionsziele des Hitlerregimes: Von Frankreich forderte es Elsass-Lothringen, von Großbritannien die Rückgabe der Kolonien und von Polen Danzig.

Seit Ende März 1939 begann sich der Hitlerfaschismus direkt auf den Krieg gegen Polen vorzubereiten.

Dessen ungeachtet unternahmen die bürgerlichen polnischen Politiker fast nichts, um ihr Land ernsthaft vor der faschistischen Aggression zu bewahren.

Hitler geheime Besprechung in Reichskanzlei 23.05.1939Hitler geheime Besprechung Reichskanzlei 22.05.1939 2Quellenangabe Hitler geheime Besprechung Reichskanzlei 1939

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im Sommer 1939 traten diese Kriegsvorbereitungen in ihr entscheidendes Stadium. Am 22. Juni 1939 war vom faschistischen Oberkommando der Zeitplan für den Überfall fertiggestellt worden. Im Juli begann der Aufmarsch der deutschen Truppen an der polnischen Grenze. Damit erhob sich die drohende Gefahr eines Weltkrieges

Die erhöhte Gefahr eines Krieges in Europa bewog die Sowjetregierung, noch entschiedener als bisher für ein System der kollektiven Sicherheit zu kämpfen. Unabhängig von ihrer Gesellschaftsordnung sollten sich hierin alle europäischen Staaten dem Expansionsstreben Hitlerdeutschlands in einer geschlossenen Abwehrfront entgegenstellen. Dieses kollektive Sicherheitssystem entsprach damit der von der Sowjetunion stets verfochtenen Politik der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten mit verschiedener Gesellschaftsordnung.

Die Zerschlagung der Tschechoslowakei und der bevorstehende Überfall auf Polen verletzen auch die Interessen der Westmächte, weil sich der deutsche Faschismus damit zu führenden imperialistischen Macht in Europa entwickelte. Aus diesem Grunde und unter dem Druck der demokratischen Öffentlichkeit sahen sich die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs gezwungen, im Frühjahr 1939 Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine Zusammenarbeit aufzunehmen. Die Westmächte zogen die Verhandlungen in die Länge und machten unter immer neuen Vorwänden den Abschluss eines Beistandspaktes unmöglich.

Karikatur -Eile-

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um der Hinhalte-Taktik der britischen und französischen Verhandlungspartner zu begegnen, schlug die Sowjetregierung im August 1939 konkrete militärische Abmachungen vor. Sie war bereit, dem faschistischen Aggressor 136 Divisionen entgegenzustellen, während Großbritannien erklärte, zunächst nur sechs Divisionen auf den europäischen Kontinent schicken zu können. Da die Westmächte an bindenden Abmachungen nach wie vor nicht interessiert waren und einen Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion herbeisehnten, griffen sie zu neuen Ausflüchten. Sie beriefen sich auf die Weigerung der Regierung Polens, im Falle eines faschistischen Überfalls den Truppen der Sowjetunion das Durchmarschrecht durch Polen zu gewähren. In der gleichen Zeit schlug die britische Regierung im Sommer 1939 Hitlerdeutschland in Geheimverhandlungen eine Neuaufteilung der Welt vor. Dabei sollte auch das Gebiet der Sowjetunion zwischen den britischen und deutschen Imperialisten in Einflusssphären aufgeteilt werden.

Die außenpolitische Lage war für die Sowjetunion in dieser Zeit äußerst kompliziert.

Faschistische Aggression vor II. Weltkrieg

Die faschistischen Aggressionen vor dem II. Weltkrieg

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Nicht nur von Europa, auch vom Fernen Osten zog die Gefahr eines Krieges heraus. Seit 1937 führten die japanischen Imperialisten verstärkt den Krieg gegen China.

Ende 1937 japanische Truppen brechen in Nanking(China)ein

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

1938 führten sie einen Überfall auf sowjetisches Territorium in der Nähe von Wladiwostok durch. Am 11. Mai 1939 drangen japanische Truppen in das Gebiet der Mongolischen Volksrepublik am Chal-chingol-Fluss ein. Verbunden durch einen Vertrag über gegenseitige Hilfe, schlugen die Truppen der UdSSR und der Mongolischen Volksrepublik in umfassenden Operationen vom 20. Bis 31. August 1939 die japanischen Aggressoren zurück.

Unter diesen Bedingungen musste die Regierung der UdSSR unbedingt verhindern, dass der erste sozialistische Staat, auf sich allein gestellt, einem Zweifrontenkrieg ausgesetzt wurde, in dem die faschistischen Aggressoren mit der Unterstützung der anderen imperialistischen Mächte rechnen konnten. Die Lebensinteressen nicht nur des Sowjetvolkes, sondern aller Völker erforderten, die große Gefahr zu bannen. In dieser Lage fasste die Sowjetregierung im August 1939 den Entschluss, das Angebot eines Nichtangriffspaktes, das von Hitlerdeutschland unterbreitet worden war, anzunehmen. Am 23. August 1939 wurde dieser Nichtangriffsvertrag in Moskau unterzeichnet.

Der Abschluss des Vertrages war ein der damaligen Situation entsprechender, kluger und auf weite Sicht berechneter Schritt der Sowjetregierung. Er durchkreuzte die Pläne zur Bildung einer mächtigen antisowjetischen Einheitsfront, sicherte der Sowjetunion für eine bestimmte Zeit den Frieden und schuf Voraussetzungen für den späteren Sieg der UdSSR und der friedliebenden Völker im II.Weltkrieg.

 

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Verschärfung der Kriegsgefahr

 

Die Berner Konferenz und das Programm der neuen Demokratischen Republik

Die Gefahr eines II.Weltkrieges gebot den Antifaschisten, ihre Aktivität trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren zu steigern. Mit diesem Ziel fand vom 30. Januar bis 1. Februar 1939 die sogenannte Berner Konferenz der KPD in der Nähe von Paris statt. An ihr nahmen 22 Genossen, unter ihnen Wilhelm Pieck und weitere 11 Mitglieder des Zentralkomitees der KPD teil.

Als wichtigste Aufgabe bezeichnete die Berner Konferenz den Kampf gegen den drohenden Krieg, um das deutsche Volk vor der Katastrophe zu retten. Sollte der Krieg dennoch ausbrechen, müsste er durch den Sturz des Hitlerfaschismus schnellstens beendet werden. Besonders prangerte die KPD die aggressive Haltung der Faschisten zur Sowjetunion an.

Als entscheidende Kraft, den Faschismus zu stürzen, charakterisiert die Berner Konferenz die Herstellung der Einheitsfront und Volksfront.

Referat Wilhelm Pieck auf Berner KonferenzReferat Wilhelm Pieck auf Berner Konferenz 2Quellenangabe Referat Wilhelm Pieck auf Berner Konferenz

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Berner ResolutionQuellenangabe Berner Resolution

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um den Zusammenschluss aller Hitlergegner zu erleichtern und ihnen ein klares Ziel zu geben, arbeitete sie ein Programm für die Zeit nach dem Sturz des Faschismus aus, das „Programm der demokratischen Republik“.

Berner Resolution Programm demokratische RepublikBerner Resolution Programm demokratische Republik 2Quellenangabe Berner Resolution Programm demokratische Republik

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Programmforderungen entsprachen sowohl den Interessen der Arbeiterklasse als auch der anderen werktätigen(erwerbstätigen)Klassen und Schichten des Volkes. Sie konnten deshalb die Grundlage für den Zusammenschluss aller antifaschistisch-demokratischen Kräfte zum Sturz des Faschismus, zu Verhütung des Krieges, für ein neues Deutschland sein.

Ernst Thälmann in Zuchthaus der Faschisten

Ernst Thälmann in der Zuchthauszelle der Faschisten

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wiederholten Angebote der KPD zum gemeinsamen Kampf gegen den Krieg lehnte die sozialdemokratische Führung auch jetzt noch immer wieder ab. Heinrich Mann richtete im Frühjahr 1939 einen Aufruf an die Arbeiterklasse, sich zum einheitlichen Kampf zusammenzuschließen. Während die KPD diesen Aufruf begrüßte, reagierte der sozialdemokratische Emigrationsvorstand auf diesen Vorschlag nicht

Im Frühjahr 1939 gelang es der KPD, eine Anzahl von Streik- und Protestaktionen gegen schlechte Arbeitsbedingungen, Arbeitshetze und Verlängerung der Arbeitszeit auszulösen. Im Saargebiet, im Rheinland und in einigen Großstädten kam es zu Protestbewegungen.

Lagebericht der Gestapo erstes Quartal 1939Quellenangabe Lagebericht der Gestapo 1. Quartal 1939

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Trotz des aufopferungsvollen Kampfes der deutschen Antifaschisten gelang es jedoch nicht, aus eigener Kraft die faschistische Diktatur zu stürzen und die Entfesselung des II. Weltkrieges durch den deutschen Faschismus zu verhindern.

 

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Berner Konferenz 

 

Das Münchner Abkommen und die Annexion der Tschechoslowakischen Republik

Nach der Einverleibung Österreichs bestand das nächste Ziel des Hitlerregimes in der Annexion der Tschechoslowakei. Auch hier ging es den deutschen Faschisten um die hochentwickelte Industrie, um landwirtschaftliche Rohstoffe und Nahrungsmittel sowie um günstige militär-strategische Positionen für einen Krieg gegen Polen und zur Beherrschung des Balkans

Die Tschechoslowakei war ein Nationalitätenstaat, in dem auch rund drei Millionen Deutsche lebten, hauptsächlich im Sudetengebiet. Unter ihnen hatte die faschistische Sudetendeutsche Partei, geführt von Konrad Henlein, den größten Einfluss gewonnen. Die Henleinfaschisten wurden von Deutschland finanziert und gelenkt. Sie sollten, unter Berufung auf das „Selbstbestimmungsrecht“, für die deutsche Bevölkerung der Grenzgebiete Autonomie fordern. Dadurch sollten sie die Situation in der Tschechoslowakei bis zum Bürgerkrieg zuspitzen. Die Hitlerregierung erwartete davon einen Vorwand, um ihre Truppen zum „Schutz der Deutschen“ einmarschieren zu lassen.

Im Mai 1938 inszenierten die Henleinfaschisten in den Grenzgebieten anlässlich der Gemeindewahlen zahlreiche Zusammenstöße. Die Regierung in Berlin befahl den Aufmarsch deutscher Truppen an der Grenze, um die Prager Regierung zum Nachgeben zu zwingen. Unter Führung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei entwickelte sich jedoch eine so starke patriotische Bewegung, dass die tschechoslowakische Regierung eine Teilmobilmachung beschließen musste.

Demo in Prag gegen Einmarsch in CSR Kopie

Massendemonstration in Prag unter Führung der Kommunistischen Partei der CSR gegen die drohende faschistische Aggression

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Obwohl die Westmächte sich gegen dies Verteidigungsmaßnahmen des Volkes der CSR wandten, mussten sie unter dem Druck der Volksmassen zugleich dem Hitlerregime Zurückhaltung in seinen aggressiven Bestrebungen gegen die CSR empfehlen. Doch die Hitlerfaschisten verfolgten ihre Pläne weiter und bereiteten sich ohne Unterbrechung auf den militärischen Überfall vor. Damit entstand die Gefahr eines Krieges in Europa.

 

Überfall auf CSR geheime Weisung Hitlers Kopie

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 15. September 1938 traf sich Hitler mit dem britischen Premierminister Neville Chamberlain, der sich bereit erklärte, die faschistischen Forderungen nach Abtretung der sudetendeutschen Gebiete in London, Paris und Prag durchzusetzen

Allein die Sowjetunion blieb ihren Bündnisverpflichtungen treu und stand fest an der Seite des tschechoslowakischen Volkes.

 

-Die Rote Fahne- Frühjahr 1938 Kopie

„Die Rote Fahne“ vom Frühjahr 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auf Anfrage des Präsidenten der CSR, Benesch, erklärte die UdSSR ihre Bereitschaft, sofort militärische Hilfe zu leisten, wenn auch Frankreich seinen Verpflichtungen aus dem Beistandspakt nachkäme. Nachdem Frankreich dazu nicht bereit war, brachte die Sowjetregierung am 20. September 1938 zum Ausdruck, dass sie trotzdem Hilfe erweisen würde, wenn die Regierung der CSR die Sowjetunion offiziell darum ersuchen würde.

 

Aus Bericht des sowjetischen Gesandten CSRAus Bericht des sowjetischen Gesandten CSR 2Quellenangabe aus Bericht des sowjetischen Gesandten CSR

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aber die bürgerliche Regierung der CSR bat die Sowjetunion nicht um Hilfe, sie kapitulierte lieber.

So trafen sich Neville Chamberlain, Edouard Daladier, Adolf Hitler und Benito Mussolini in München zu Beratungen, deren Ergebnis am 29. September 1938 der Abschluss des sogenannten Münchner Abkommens war. Hierin wurde die Regierung der CSR gezwungen, die Sudetengebiete an Deutschland abzutreten und alle militärischen Anlagen in diesem Gebiet unbeschädigt zu übergeben.

Unterzeichnung des Münchener Abkommens Kopie

Bei der Unterzeichnung des Münchner Abkommens, 29. September 1938(von Links nach rechts: Camberlain, Premierminister Großbritanniens; Mussolini, Italien; Hitler, Deutschland; Daladier, Ministerpräsident Frankreichs)

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 1. Oktober 1938 marschierte die faschistische Wehrmacht in dieses Gebiet ein.

 

Einmarsch deutscher Truppen in Prag 1939 Kopie

Einmarsch der faschistischen deutschen Armee in Prag am 15. März 1939

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Am 15. März 1939 unterjochte Hitlerdeutschland die restlichen tschechoslowakischen Gebiete. Auf dem Territorium der tschechoslowakischen Republik wurde das sogenannte Protektorat Böhmen und Mähren und ein slowakischer Marionettenstaat geschaffen. Heute ist die Slowakei wieder ein eigenständiger Staat.

Siehe ZEIT-Artikel vom 06. Januar 2018.

 

Glückwunschtelegramm der IG Farben 1938Quellenangabe Glückwunschtelegramm IG Farben 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das demagogische Gerede von der „Befriedung Europas“, durch das die Regierungen der Westmächte ihre Zustimmung zum Münchner Abkommen vor den Volksmassen rechtfertigen wollten, wurde im gemeinsamen Aufruf der kommunistischen Parteien Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der Tschechoslowakei widerlegt. Der Aufruf hob hervor, dass der Frieden nur von den Arbeitern und Bauern im Bündnis mit den demokratischen Kräften aller Völker gerettet werden kann.

 

Demo in London gegen Münchner Abkommen 1938 Kopie

Protestkundgebung in London gegen das Münchner Abkommen 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das Münchner Abkommen dagegen, so wurde festgestellt, ist die Fortsetzung der gleichen Kapitulationspolitik gegenüber Hitler, die die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens bereits mit ihrer Politik der „Nichteinmischung“ gegenüber der spanischen Republik angewandt hatten und die letztlich den faschistischen Interventen diente.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Münchener Abkommen und Annexion der Tschechoslowakischen Republik

 

 

 

 

 

 

Der 09. November, ein geschichtsträchtiges Datum in Deutschland

Am 09. November denken wir zuerst an den 09. November 1989. Das Ereignis an diesem Tage bezeichnen die „Mainstream“-Medien und die offiziellen Geschichtsbücher als „Mauerfall“. Das Umreißen und die Öffnung der Staatsgrenze der DDR in Berlin war faktisch das Ende der DDR.   Da dieses Ereignis jedes Jahr von den derzeit Herrschenden propagandistisch ausgeschlachtet wird, geraten andere wichtige Ereignisse der Geschichte in Vergessenheit, welche an einem 09. November stattfanden. DIE TROMMLER erinnert an diese Ereignisse.

09.November 1848:

Standrechtliche Hinrichtung von Robert Blum(Revolutionär der Revolution von 1848):

Mit der Erschießung des republikanischen Parlamentsabgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung nach dem Oktoberaufstand in Wien wurde zugleich auch die parlamentarische Immunität Blums durch die Militärführung im Dienst des österreichischen Kaiserhofs gebrochen. Die Niederschlagung des Wiener Oktoberaufstands und die Hinrichtung Blums gilt als offene Kampfansage der herrschenden Vertreter einer reaktionär-restaurativen politischen Ordnung gegen das aus der bürgerlichen Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes hervorgegangene erste demokratisch gewählte gesamtdeutsche Parlament. Die Hinrichtung Blums markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung der Deutschen Revolution von 1848/49 als Anfang vom Ende dieser Revolution.

09. November 1918:

Novemberrevolution in Deutschland

In Deutschland reifte im Herbst 1918 eine Revolution heran, die mit einer antiimperialistischen, Demokratischen Zielsetzung beginnen musste.

Erste Aufgaben der Novemberrevolution:

  • Beseitigung der Monarchie
  • Beendigung des Krieges
  • Zerschlagung des Militarismus
  • Zerstörung des reaktionären Staatsapparates
  • Entmachtung des Monopolkapitals und des Junkertums, der für den Krieg verantwortlichen Kräfte

Verlauf der Revolution bis Ende 1918:

Aufstand der Flotte:

In der kaiserlichen Kriegsflotte, die vor Wilhelmshafen lag, bereitete sich Ende Oktober 1918 eine Bewegung gegen die Weiterführung des Krieges aus. Dieser Aufstand wurde niedergeschlagen. Auf die Nachricht von den Wilhelmshavener Ereignissen erhoben sich jedoch am 03. November 1918 die Matrosen und Arbeiter in Kiel. Dieser Aufstand führte am 04.11.1918 zum Sieg der revolutionären Kräfte, die in Kiel einen Arbeiter- und Soldatenrat bildeten. Damit begann die deutsche Novemberrevolution 1918/19.

Ausbreitung der Revolution:

Von Kiel breitete sich die Revolution in wenigen Tagen über ganz Deutschland aus. In vielen Orten übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte anfangs die öffentliche Gewalt und verwirklichten soziale und demokratische Maßnahmen im Interesse der Arbeiter und anderen Werktätigen( z. B. Absetzungen der reaktionären beamten, Entwaffnung konterrevolutionärer Truppen und Polizei, Kontrolle in der Produktion)

Sieg der Revolution in Berlin:

Im Zentrum des Kaiserreiches, in Berlin, folgten am 09.November 1918 Hunderttausende Arbeiter und Soldaten dem Aufruf der Spartakusgruppe, sowie anderer revolutionär gesinnter Gruppen und gingen zum Generalstreik und zum bewaffneten Aufstand über. Auf dem Schloss der Hohenzollern wurde die rote Fahne gehisst und von einem Balkon des Schlosses rief Karl Liebknecht „die freie sozialistische Republik Deutschland“ aus.

Nachdem die rechten Führer der SPD alles getan haben, um die Revolution zu verhindern, suchten sie sich nun an die Sitze der Massenbewegung zu stellen, um die Revolution in bürgerlich-parlamentarische Bahnen zu lenken und ihre Weiterführung zur sozialistischen Revolution aufzuhalten. Der Vorstand der SPD ließ durch Philipp Scheidemann eine „freie deutsche Republik“ proklamieren. Es wurde eine Regierung aus Vertretern der SPD und USPD gebildet. In der Nacht zum 10.11.1918 floh Kaiser Wilhelm II. nach Holland. Am 11.11.1918 wurde zwischen Deutschland und dern Entente Waffenstillstand geschlossen.

Rat der Volksbeauftragten:

Unter Vorsitz von Friedrich Ebert bildete sich am 09.11.1918 aus je drei Vertretern der SPD und der USPD eine neue Regierung. Die Versprechungen der Regierung klangen revolutionär. Aber sie verfolgte einen bürgerlichen, konterrevolutionären Kurs. Sie bekämpfte die Arbeiter- und Soldatenräte und sorgte dafür, dass der alte Staatsapparat weitgehend erhalten blieb. Bereits am 10.11.1918 vereinbarte Ebert in Geheimverhandlungen mit der obersten Heeresleitung Maßnahmen, um die Revolution mit Waffengewalt niederzuschlagen.

Stärkung der Konterrevolution:

Der Rat der Volksbeauftragten bekämpfte mit allen Mitteln die Bewegung der Arbeiter- und Soldatenräte und sorgte dafür, dass der alte Staatsapparat weitgehend erhalten blieb. Rechte Gewerkschaftsführer trafen Vereinbarungen mit führenden Vertretern des Finanzkapitals.

Die Politik der rechten sozialdemokratischen Führer und der sie unterstützenden zentristischen Führer der USPD verwirrte und spaltete die Massenbewegung, so dass die imperialistischen Kräfte sich behaupten konnten Die Konterrevolution vermochte ihre Kräfte zu sammeln und wenig später offen mit militärischer Gewalt aufzutreten.

30.12.1918 bis 01.01.1919 Gründungsparteitag der KPD

Januarkämpfe 1919:

Anfang Januar 1919 provozierten die konterrevolutionären Kräfte die revolutionären Berliner Arbeiter zu bewaffneten Kämpfen, in deren Verlauf der rechte Sozialdemokrat Noske konterrevolutionäre Freikorpsverbände einsetzte. Die Reaktion entfesselte eine hemmungslose antikommunistische Hetze und den blutigen Terror gegen die Arbeiterklasse und ihre revolutionäre Partei. Am 15. Januar 1919 fielen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in die Hände der konterrevolutionären Söldner. Beide wurden heimtückisch und grausam ermordet. Ihr Tod war ein großer Verlust für die deutsche und internationale Arbeiterbewegung. Die deutsche Arbeiterklasse und die junge KPD verloren ihre hervorragendsten und erfahrensten Führer.

Wahlen zur Nationalversammlung 19.01.1919:

In der Atmosphäre des konterrevolutionären Terrors fanden am 19.01.1919 die Wahlen zur Nationalversammlung statt, bei denen die reaktionären bürgerlichen Parteien insgesamt die Mehrheit errangen. Sie traten als „demokratische“ Parteien sowie als „Volksparteien“ auf(das hat sich bis heute nicht geändert), um die Massen über ihren Klassencharakter zu täuschen. Die KPD beteiligte sich nicht an den Wahlen.

Gründung der Weimarer Republik 1919:

Am 06.02. trat in Weimar die Nationalversammlung zusammen. Danach wurde die nun geschaffene bürgerlich-parlamentarische Republik Weimarer Republik genannt. Wie schon im Kaiserreich, so lag auch in dieser Republik die reale Macht in den Händen der Imperialisten.

09.November 1923:

Hitler-Ludendorff-Putsch in München:

Erstmals wahrgenommenes Auftreten des Faschismus. Der bis dahin in der Öffentlichkeit unbekannte Adolf Hitler scheitert mit seinem Putschversuch vor der Münchner Feldherrenhalle, wo es zu 16 Todesopfern kommt. Er wurde zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, aber bereits nach neun Monaten „wegen guter Führung“ vorzeitig unter Auflagen aus der Haft entlassen. In der Zeit des Faschismus war der 09. November Gedenk- und Feiertag. Bis 1945 wurde in jährlich stattfindenden Trauerfeiern der sogenannten „Blutzeugen der Bewegung“ gedacht.

09. November 1925:

Hitler ordnet die Gründung der SS(Schutzstaffeln) an.

09. November 1936:

Die Faschisten entfernen das Denkmal des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy vor dem Leipziger Gewandhaus.

09. November 1938:

Scheitelpunkt der Novemberpogrome(07.-13. November). Diese Ereignisse sind auch unter dem beschönigenden Namen „Reichskristallnacht“ bekannt. Es wurden Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte und Einrichtungen demoliert. Hunderte von Juden wurden innerhalb weniger Tage ermordet. Diese Ereignisse markieren den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden in der Zeit des Faschismus. Während des zweiten Weltkrieges mündet der Antisemitismus in Deutschland in den heute als Holocaust bezeichneten industriellen Völkermord an etwa 6 Millionen europäischen Juden und weiteren aus rassistischen Motiven ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen in den Vernichtungslagern der Faschisten.

09. November 1939:

Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs werden zwei Offiziere des britischen Secret Intelligence Service, Richard Henry Stevens und Sigismund Payne Best, im niederländischen Venlo von einem SS-Sonderkommando unter Alfred Naujocks entführt, nachdem sich deutsche Geheimagenten unter Walter Schellenberg für Widerstandskämpfer ausgegeben haben. Der Venlo-Zwischenfall macht große Teile des britischen Spionagenetzes in Europa praktisch wertlos und liefert Hitler im Mai 1940 eine Rechtfertigung für den Einmarsch in den Niederlanden.

09. November 1989:

Konterrevolutionäres Ereignis in der DDR:

Der Umriss der Grenzanlagen in Berlin, von den „Mainstream“-Medien und der offiziellen Geschichtsschreibung als „Mauerfall“ bezeichnet. Faktisch das Ende der DDR. Die restliche Zeit der DDR bis zum 03.Oktober 1990 war eine Art Kündigungsfrist. In dieser Zeit ging es zunächst „drunter und drüber“. Dann hat die Konterrevolution gesiegt und die Ereignisse mündeten dann in die Angleichung an die BRD, bis dann die Annexion formal vollzogen worden ist.

Zahlen und Fakten

Wikipedia

und

Geschichte in Übersichten

Seite 318 – 327

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