Vorbereitung der KPD auf den Aufbau der antifaschistisch-demokratischen Ordnung in Deutschland

Während sich die Armeen der Antihitlerkoalition von Osten und Westen den deutschen Grenzen näherten, bereitete die Führung der KPD bereits den Neuaufbau eines antifaschistischen Deutschlands nach der Beendigung des Krieges vor. Ab Februar 1944 tätige Kommissionen des Zentralkomitees der KPD arbeiteten unter anderem ein „Kampfprogramm für Beendigung des Krieges, Frieden und Schaffung eines neuen freien Deutschlands“ und ein „Aktionsprogramm des Blocks der kämpferischen Demokratie“ aus. Das erste zeigte Wege, um durch Aktionen deutscher Arbeiter und ausländischer Zwangsarbeiter die Rüstungsproduktion zu schwächen und Zerstörungen in Deutschland durch die Faschisten zu verhindern. Das zweite Dokument enthielt Maßnahmen, die nach der militärischen Besetzung in Deutschland durchgeführt werden sollten, um eine antifaschistisch-demokratische Ordnung zu errichten.

Aktionsprogramm KPD Block kämpferische DemokratieAktionsprogramm der KPD kämpferische Demokratie 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 5. April wurde von der Parteiführung Direktiven für die praktische Durchführung der antifaschistisch-demokratischen Umgestaltung in den von der Sowjetarmee befreiten deutschen Gebieten beschlossen.

Sowjetarmee am Brandenburger Tor Berlin Kopie

Die siegreiche Sowjetarmee am Brandenburger Tor in Berlin

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Mit diesen Maßnahmeplänen befand sich die KPD in voller Übereinstimmung mit den Forderungen der Antihitlerkoalition.

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Hitlerdeutschland vor der Niederlage und der Zusammenbruch des Faschistischen Blocks

Angesichts der aussichtslosen Kriegslage suchten die faschistischen Machthaber nach einem Ausweg. Sie gaben sich trügerischen Hoffnungen auf ein Auseinanderbrechen der Antihitlerkoalition hin. Bis dahin gedachten sie mit brutaler Gewalt an der Front und im Hinterland ihre Terrorherrschaft zu verlängern. Dem Volk wurde vorgelogen, es würden noch „Wunderwaffen“ eingesetzt werden, die in letzter Minute Hitlerdeutschland retten könnten.

Anweisung von HimmlerAnweisung von Himmler 2Quellenangabe Anweisung von Himmler

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Zugleich versuchten die Faschisten durch furchtbare Zerstörungen den Vormarsch der Truppen der Antihitlerkoalition aufzuhalten und die Grundlagen für den Wiederaufbau zu vernichten. Diese verbrecherische Methode erhielt die Bezeichnung Taktik der verbrannten Erde.

Faschistische Weisung ZerstörungsmaßnahmenQuellenangabe Faschistische Weisung Zerstörungsmaßnahmen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese verbrecherische Kriegsführung richtete sich auch gegen das deutsche Volk. Neue Maßnahmen zur Verlängerung der Herrschaft des verbrecherischen Hitlerregimes wurden erlassen. So erfolgte am 25. September 1944 die Bildung eines Volkssturmes aus Männern von 16 bis 60 Jahren. Militärisch unausgebildete Jugendliche, Kranke und Frauen schickte der deutsche Faschismus zu Zehntausenden noch in den letzten Monaten des Krieges in den Tod.

Ausbildung des Volkssturms

Ausbildung des Volkssturms für die sinnlos gewordene Verteidigung

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Schließlich sollten auch in Deutschland selbst furchtbare Zerstörungen angerichtet werden, damit ein antifaschistisch-demokratischer Aufbau auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen sollte.

Schienenwolf

Der „Schienenwolf“ im Einsatz

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Näheres zum Schienenwolf siehe Wikipedia.

 

Die Niederlagen der Faschisten an allen Fronten führten zum allmählichen Auseinanderbrechen des faschistischen Blocks. Auch in den „verbündeten“ Ländern war die Hitlerwehrmacht zum Besatzer geworden. Sie musste die einheimischen faschistischen Regierungen vor dem Volkszorn schützen und diese Länder mit Gewalt im Krieg halten. Als sich jedoch die Sowjetarmee den Grenzen der ost- und südosteuropäischen Länder näherte, vermochte Hitlerdeutschland die Volksbewegungen in diesen Ländern nicht mehr aufzuhalten.

 

Sowjetarmee an Brandenburger Tor

Die siegreiche Sowjetarmee am Brandenburger Tor in Berlin

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Unter der Führung der Arbeiterklasse wurden nationale Befreiungsfronten gebildet. Sie führten den Kampf breiter Bevölkerungsschichten, um den Krieg zu beenden und danach die antifaschistischen, demokratischen und antiimperialistischen Aufgaben zu lösen.

Zusammenbruch des faschistischen BlocksZusammenbruch des faschistischen Blocks 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Befreiung Warschau

Sowjetische und polnische Soldaten befreien den Warschauer Stadtteil Praga

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Obwohl sich Hitlerdeutschland in einer völlig aussichtslosen Lage befand, setzte die faschistische Führung den verbrecherischen Krieg fort. Sinnlos wurden in den letzten Monaten des Krieges noch Hundertausende deutscher Menschen geopfert.

Es starben nicht nur die Soldaten an der Front, sondern es kamen viele Frauen, Kinder und alte Leute durch angloamerikanische Bombenangriffe um.

Nach Bombenangriff auf deutsche Städte

Nach Bombenangriffen auf deutsche Städte

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese richteten sich in der letzten Zeit des Krieges vornehmlich gegen die Zivilbevölkerung im künftigen sowjetischen Besatzungsgebiet. Damit sollten in dem von einem sozialistischen Staat besetzten Teil Deutschlands nahezu unüberwindbare Schwierigkeiten geschaffen und antifaschistisch-demokratische Umwälzungen verhindert werden.

Dresdner Altmarkt nach Bombenangriff

Auf dem Dresdner Altmarkt werden noch nach Tagen Leichen der während des Bombenangriffes umgekommenen Menschen verbrannt

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ohne jede militärische Notwendigkeit wurde am 13. Und 15. Februar 1945 die von Flüchtlingen überfüllte Kunststadt Dresden bombardiert, wobei rund 35 000 Menschen umkamen.

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Hitlerdeutschland vor der Niederlage

 

 

 

 

Gustav Noske

Gustav Noske, geboren am 09. Juli in Brandenburg an der Havel, gestorben am 30. November 1946 in Hannover, war  ein deutscher Politiker der SPD.  Bekannt ist er durch seine unrühmliche Rolle während der Novemberrevolution 1918/19 und den nachfolgenden Klassenkämpfen geworden.

gustav noske als mitglied der weimarer nationalversammlung, 1919

Gustav Noske als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, 1919

 

Bildquelle: Von unbekannt – Büro des Reichstags (Hg.): Handbuch der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung, Weimar 1919, Carl Heymans Verlag, Berlin, PD-§-134, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=5292162

 

 

Von 1874 bis 1882 besuchte Gustav Noske die Volks- und Bürgerschule. 1882 begann er eine Lehre zum Korbmacher. Als Geselle hielt er sich anschließend in Halle an der Saale, in Frankfurt am Main, in Amsterdam und Liegnitz auf. Die harten Arbeits- und Lebensbedingungen (11–13-Stunden-Arbeitstag, keine Fürsorgeeinrichtungen, ungerechte Bezahlung), noch verschärft durch die Heraufsetzung der Akkordsätze und das Sozialistengesetz, motivierten Noske, sich journalistisch zu betätigen und als 17-Jähriger an der Gründung eines Korbmachervereins teilzunehmen. Dieser ging später im Holzarbeiterverband auf. 1890 zählte Noske zu einer dreiköpfigen Delegation, die zum 1. Mai vom Unternehmer einen oder einen halben Tag unbezahlte Arbeitsruhe forderte. Allen drei Arbeitern wurde gekündigt. Daraufhin entstand in der Fabrik eine so große Unruhe, dass die Kündigung rückgängig gemacht wurde. Nach einer Kundgebung in Brandenburg unterhielt sich August Bebel ausführlich mit ihm. Noske war stolz, als Bebel in einer Reichstagsrede aus dieser Unterhaltung zitierte.

1891 heiratete er Martha, geborene Thiel. Die beiden hatten drei Kinder.

1893 wurde er Redakteur der „Brandenburger Zeitung“, 1897 wechselte er zur „Königsberger Volkstribüne“.

Als Redakteur der Chemnitzer „Volksstimme erlangte Noske eine große Anhängerschaft; per Nachwahl (gewählt für den ausgeschiedenen Max Schippel) zog er Anfang 1906 (mit 37 Jahren) als Abgeordneter des Wahlkreises Chemnitz in den Deutschen Reichstag ein. Als neu gewählter Abgeordneter war er dort mit einer großen Debatte um die deutschen Kolonien konfrontiert. Die Sozialdemokraten opponierten mit dem Zentrum gegen die Kolonien. Noske stimmte seinen Genossen zu, wenn sie vortrugen, dass Geldausgaben zur Lösung sozialer Probleme in Deutschland Vorrang haben müssten vor Investitionen in den Kolonien. Nicht folgen konnte er ihnen bei ihren Polemiken gegen die deutsche Kolonialpolitik.

Der Durchbruch in die Spitzengruppe der SPD-Fraktion und des ganzen Reichstages gelang Noske im Jahre 1907, als er gegenüber den Vorwürfen des Kriegsministers Karl von Einem, der „die Begründung des Heeresetats mit heftigen Angriffen gegen die SPD gewürzt und den Sozialdemokraten dabei die nationale Gesinnung abgesprochen hatte“, eine sachkundige Rede hielt, die „jeden ideologischen Seitenhieb vermied.“(siehe Schriften)[3]

Damit distanzierte er sich von August Bebel.

Während des Kieler Matrosenaufstandes Anfang November 1918 schickte Reichskanzler Max von Baden Gustav Noske nach Kiel, um die dortige Lage zu beruhigen. Noske ließ sich umgehend zum Vorsitzenden des örtlichen Arbeiter- und Soldatenrates wählen, um die Revolution im Keim zu ersticken. Das gelang ihm aber nicht. Die Revolution ist auf das gesamte Reichsgebiet übergegriffen.

Am 09. November 1918 erfolgte die Ausrufung der Republik, zum einen von Philipp Scheidemann, der in den heutigen 100-Jahr-Feiern als der Ausrufer der Republik erwähnt wird. Zum anderen hat Karl Liebknecht die sozialistische Republik  ausgerufen. Das ist für die heutige Geschichtsschreibung unangenehm und wird darum oft heruntergeredet, bzw. geschrieben, wenn man dieses Ereignis schon nicht verschweigen kann.

Einen Tag später, am 10.11.1918 floh Kaiser Wilhelm in die Niederlande. Das formelle Ende der Monarchie wurde durch die formelle Abdankung des Kaisers am 28. November 1918, seines Thronfolgers am 01. Dezember 1918 und aller anderen Bundesfürsten besiegelt.

Nachdem die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands(USPD) aufgrund des harten militärischen Vorgehens um die Jahreswende 1918/19 aus dem Rat der Volksbeauftragten ausgeschieden war, wurde Noske als Volksbeauftragter für Heer und Marine verantwortlich für die konterrevolutionären Angriffe im Januar 1919, wobei auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden.

 

Nachdem der Offizier Waldemar Pabst, der die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht veranlasst hatte, im Jahre 1970 gestorben war, wurde in dessen Nachlass ein Brief aus dem Jahr 1969 gefunden:

„Daß ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.[4]

 

Noske gehörte der Weimarer Nationalversammlung seit ihrer Konstituierung am 6. Februar 1919 an. Als Reichswehrminister im ersten Kabinett Scheidemann trug er die Verantwortung für die Niederschlagung der Aufständischen der Berliner Märzkämpfe, bei denen etwa 1200 Menschen getötet wurden. Hier erließ er am 9. März abends die Weisung: „Jede Person, die mit der Waffe in der Hand, gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen.“ Er war auch beteiligt an der Niederschlagung von einigen lokalen Aufständen, bei denen Räterepubliken errichtet werden sollten, unter anderem in München und  in Bremen. Er bekam den Beinamen „der Bluthund“ oder „Blutnoske“, was auf seine eigene Darstellung der Entscheidung zur Niederschlagung des Spartakusaufstandes in seinen 1920 erschienenen Memoiren zurückgeht:

Der Kriegsminister, Oberst Reinhardt, formulierte einen Befehl, durch den die Regierung und der Zentralrat den Generalleutnant von Hofmann, der mit einigen Formationen nicht weit von Berlin war, zum Oberbefehlshaber ernannte. Dagegen wurde eingewendet, dass die Arbeiter gegen einen General die größten Bedenken hegen würden. In ziemlicher Aufregung, denn die Zeit drängte, auf der Straße riefen unsere Leute nach Waffen, stand man im Arbeitszimmer Eberts umher. Ich forderte, daß ein Entschluß gefaßt werde. Darauf sagte jemand: ‚Dann mach du doch die Sache!‘ Worauf ich kurz entschlossen erwiderte:‚Meinetwegen! Einer muss den Bluthund machen! Ich scheue die Verantwortung nicht!‘ Reinhardt meinte, auf den Vorschlag habe er eigentlich immer gehofft. Ein Beschluss wurde mündlich so formuliert, daß die Regierung und der Zentralrat mir weitgehendste Vollmachten zum Zweck der Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in Berlin übertrugen.[5]

Noske teilte den Antibolschewismus der Militärs und ließ den von der Reichswehr unterstützten Freikorps weitgehend freie Hand bei ihrem harten Vorgehen gegen Streiks und kommunistische Aufstände.

Weimar, Regierung Scheidemann

Erste Kabinettssitzung des Kabinetts Scheidemann am 13. Februar 1919 in Weimar.

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-R08282 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5368187

 

 

Im Sommer 1919 wurde ein Foto veröffentlicht, das Noske gemeinsam mit dem künftigen Reichspräsidenten Friedrich Ebert in Badehose zeigte. Skandalös wurde es vor allem deswegen empfunden, weil auch bei Männern noch in der Kaiserzeit ein Ganzkörperbadeanzug üblich war. Dieses Bild benutzten viele Gegner der Republik, um gegen den Reichswehrminister und die neue, bürgerlich-demokratische Regierungsform zu polemisieren.[6]

Friedrich Ebert u.a. beim Baden im See

Das Badehosen-Foto: Friedrich Ebert und Gustav Noske (stehend, zweiter und dritter von rechts) mit Henry Everling und anderen Mitgliedern der Konsumgenossenschaft Produktion, Haffkrug, 16. Juli 1919

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 146-1987-076-13 / Wilhelm Steffen / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5483384

 

 

Aber auch Kommunisten nutzten dieses Bild als Vorlage zur Karikatur, um auf die unrühmliche Rolle Noskes als Verantwortlicher für die konterevolutionären Angriffe aufmerksam zu machen. Die kommunistische Zeitschrift „Die Pleite“ veröffentlichte 1923 eine an das Foto angelehnte Karikatur, die Ebert und Noske in Badehosen zeigte, allerdings nicht in der Ostsee, sondern in einem Meer von Blut.[8]

 

Nachdem er am 29. Februar 1920 in Absprache mit Ebert die reaktionären Freikorps, u. a. die Brigade Ehrhardt, auflöste, kam es zum reaktionären Kapp-Lüttwitz-Putsch vom 13. März 1920. Auch Reichspräsident Ebert konnte Noske nicht mehr halten; wegen „Begünstigung der Konterrevolution“ wurde Noske nach dem Kapp-Putsch zum Rücktritt als Reichswehrminister gezwungen.

Gustav Noske und Walter Lüttwitz

Gustav Noske (rechts) mit Walther von Lüttwitz (1920)

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-0718-501 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5347329

 

 

 

Noske wurde 1920 auf den Posten des Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover abgeschoben. Seine Versuche, nach 1920 in der SPD wieder Fuß zu fassen, scheiterten. So forderte z. B. der Bezirksvorstand der SPD Pommerns im Januar 1928 mit einem einstimmigen Beschluss den Parteivorstand der SPD auf, eine Kandidatur Noskes für die Reichstagswahl 1928 zu verhindern.

Noske, der nach dem nach dem Preußenschlag nicht, wie so viele andere sozialdemokratische, bzw. republiktreue Spitzenbeamte entlassen wurde, erhielt nach der Machtergreifung der Faschisten umgehend die Aufforderung sich in Berlin einzufinden. Am 06. Februar 1933 besprach Hermann Göring persönlich  mit ihm die Modalitäten seines Ausscheidens aus dem Amt des Oberpräsidenten. Noske wurde zugesichert, der könnte bis zum 01. Oktober 1933, also bis zum Erreichen der Altersgrenze, im Amt verbleiben. Allerdings müsse er bis dahin Urlaub nehmen. Noske willigte ein. Göring hielt seine Zusage in der Folgezeit nicht ein. Anfang Mai 1933 ließ er mitteilen, dass das Amt des Oberpräsidenten für Viktor Lutze freizumachen sei.

Gustav Noske

Gustav Noske(1933)

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 102-14240 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5481316

 

 

Mitte Mai 1933 wurde Noske in den einstweiligen Ruhestand versetzt.  Am 26. September 1933 schließlich unter Bezugnahme auf § 4 (mangelnde nationale Zuverlässigkeit)des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums endgültig entlassen. Ebenfalls 1933 verlor er seine Ehrenbürgerschaft der TH Hannover.

Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erinnert an den Radikalenerlass in der BRD in den 1970er und den 1980er Jahren.  Ob dieses Nazi-Gesetz als Vorbild diente oder es sich um einen Zufall handelt ist die Frage.

 

Noske war in die Pläne der Verschwörer eingeweiht, die für das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verantwortlich sind. Noske war im Schattenkabinett Beck/Goerdeler für den Fall eines gelungenen Staatsstreiches als Politischer Beauftragter im Wehrkreis IX(Kassel)eingeplant. Dass Goerdeler ein Reaktionär war, ist bekannt. Nun ja, man muss ich nicht darüber wundern.

Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Noske verhaftet und zuerst ins Lager Fürstenberg/Havel verbracht, das zum  KZ Ravensbrück gehörte. Er überlebte die insgesamt siebenmonatige Haft in diesem Lager und war dann im Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin-Moabit inhaftiert, aus dem er am 25. April 1945 entlassen wurde.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war Gustav Noske fast 80 Jahre alt und eine weitere politische Karriere war somit für ihn nicht mehr möglich. Dabei hätte er recht gut in das antikommunistische Klima in den Westzonen und der alten BRD gepasst.  Der bekannte antikommunistische Sozialdemokrat der Nachkriegszeit, Kurt Schuhmacher, stand auf der Seite von Gustav Noske, legte aber auf eine weitere politische Aktivität keinen Wert mehr.

Kurz vor seinem Tod im Jahre 1946 verfasste Noske einen Teil seiner Memoiren. Erschreckend, dass er da Nazi-Jargon verwandte, denn er brandmarkte darin den „ostjüdischen“ Einfluss in der deutschen Arbeiterbewegung. Er schrieb z.B. „daß die ostjüdischen ‚Marxisten‘ eine besondere Veranlagung dafür besaßen, den Sozialismus zu einem Dogma auszubilden […] Sie brüteten eine Geheimwissenschaft aus, die den deutschen Arbeitern stets unverständlich geblieben ist.“[12]

Unter Weglassung des Teils betreffs der Juden, wird der gleiche Inhalt seit jeher für antikommunistische Propaganda genutzt.

 

grab auf dem stadtfriedhof engesohde

Grab auf dem Stadtfriedhof Engesohde

 

Bildquelle: Von Benutzer:AxelHH – Foto aufgenommen von Benutzer:AxelHH, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11620826

 

 

Noskes Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Der 20. Juli 1944

Angesichts der unaufhaltsam näherrückenden Niederlage und des Aufschwungs der antifaschistischen Widerstandsbewegung suchte die Monopolbourgeoisie nach einem Ausweg. Führende Kreise der Monopolisten und reaktionären Militärs wollten auch nach dem verlorenen Krieg die Machtgrundlagen des deutschen Imperialismus und Militarismus erhalten. Eine grundlegende Umgestaltung der Herrschaftsverhältnisse und die Entmachtung und der imperialistischen Kriegsverbrecher lehnte sie ab.

Zu dieser Gruppierung gehörten neben anderen der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister Goerdeler und der ehemalige Generalstabschef Beck. Sie planten einen Putsch, bei dem Hitler beseitigt werden sollte. Den Krieg gegen die Sowjetunion wollten sie weiterführen, dagegen planten sie, mit den Westmächten sofort Frieden zu schließen.

Die Verschwörergruppe war jedoch politisch nicht einheitlich. Es gab darin auch einige wirklich patriotisch gesinnte Offiziere und Vertreter des Bürgertums. Zu ihnen gehörte vor allem Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Seine Auffassung war es, die faschistische Diktatur durch eine demokratische Republik zu ersetzten und sofort sowohl im Westen als auch im Osten Frieden zu schließen.

Stauffenberg

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Stauffenberg bewies große Tatkraft und Mut und brachte selbst am 20. Juli 1944 eine Bombe in das Hauptquartier Hitlers. Das Attentat misslang jedoch, und die Verschwörung brach daraufhin schnell zusammen. Stauffenberg und viele andere Teilnehmer der Verschwörung wurden von den Faschisten hingerichtet.

Die Hauptursache des Misserfolgs der Verschwörer vom 20. Juli war, dass sie es ablehnten sich auf das Volk zu stützen. Sie standen vor allem der Arbeiterklasse und der KPD ablehnend gegenüber. Deshalb suchten sie auch nicht die Unterstützung der antifaschistischen Widerstandsbewegung. Vielmehr wollten sie das Volk auch in Zukunft vom Mitregieren ausschließen. Außenpolitisch beabsichtigten die Verschwörer sich auf die Westmächte zu stützen. Sie hofften sogar auf einen Konflikt mit der Sowjetunion.

In der BRD(die alte BRD, sowie die heutige Groß-BRD) wird  häufig erklärt, die Verschwörung des 20. Juli 1944 sei der einzige bedeutende Widerstandskampf gegen den Faschismus gewesen. Reaktionäre Historiker und Politiker berufen sich auf die Ideen der Verschwörer des 20. Juli und behaupten, die BRD habe ihr Vermächtnis verwirklicht.

Der schon in der alten BRD aufkommende Neo-Faschismus und der nun große Zuspruch der rechten Parteien, wurde in der alten BRD und weiterhin bis heute verharmlost. Zugleich wird mit der Überbewertung der Verschwörung von Teilen der herrschenden imperialistischen Klasse der heldenhafte Kampf Zehntausender deutscher Kommunisten und Antifaschisten gegen den Faschismus abgewertet. Mit dem KPD-Verbot sind ihre Leistungen sogar aberkannt worden. Außerdem sind sie in die Nähe von Landesverrätern gerückt worden.

Mit dieser Darstellung ist der historische Führungsanspruch der Arbeiterklasse bestritten und die Wiedererrichtung des imperialistischen Systems in der BRD gerechtfertigt worden. Nun ist der historische Führungsanspruch der Arbeiterklasse für einen langen historischen Zeitraum zerschlagen worden und der Sieg des Imperialismus wird weiterhin mit dieser Darstellung des historischen Ereignisses gerechtfertigt.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

 

Original-Beitrag aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der 20. Juli 1944

 


 

Buchtitel Geschichte in Übersichten Kopie 2

 

Beitrag aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982

 

 

20.07.1944

PDF-Datei:

20.07.1944