Die Festigung des Bündnisses der DDR mit der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten

Entsprechend der damaligen historischen Aufgabe, in der DDR den Sozialismus weiter aufzubauen und dafür die günstigsten internationalen Bedingungen zu schaffen, orientierten das Zentralkomitee der SED und die Regierung der DDR zu Beginn der 1960er Jahre auf eine umfassendere Zusammenarbeit mit den sozialistischen Bruderländern. Im Vordergrund stand dabei die Weiterentwicklung des Bruderbundes mit der Sowjetunion.

Die Beziehungen zwischen der DDR und der UdSSR hatten sich seit dem Abschluss des Staatsvertrages von 1955 allseitig entwickelt. Sie bewährten sich vielfältig als unerschütterliche Grundlage für die Festigung der internationalen Stellung der DDR und für die Meisterung der komplizierten revolutionären Aufgaben des sozialistischen Aufbaus. Mit dem Vertrag über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der UdSSR vom 12. Juni 1964 wurde nun eine neue Periode brüderlicher Beziehungen zwischen den beiden Staaten und ihren Völkern eingeleitet. Damit wurde eine entscheidende Voraussetzung für die immer festere Verankerung der DDR in der sozialistischen Staatengemeinschaft geschaffen. Die Vertragspartner betonten die grundlegende Bedeutung der Unantastbarkeit der Staatsgrenze der DDR für die Europäische Sicherheit. Auf der Grundlage dieses Freundschaftsvertrages wurde in den folgenden Jahren eine Vielzahl weiterer Abkommen und Arbeitsvereinbarungen abgeschlossen. Der Vertrag diente der Politik der friedlichen Koexistenz, indem er sich gegen die imperialistische Politik des „kalten Krieges“ richtete und (zum damaligen Zeitpunkt) die Spekulationen auf eine auf eine „Eroberung der DDR“ durchkreuzte.

Auf ökonomischen wissenschaftlich-technischem Gebiet kam die neue Stufe der Zusammenarbeit vor allem in dem Handelsabkommen zwischen der DDR und der UdSSR für die Jahre 1966 bis 1970 zum Ausdruck. Die UdSSR verpflichtete sich darin zur Lieferung volkswirtschaftlich notwendiger Rohstoffe, von Ausrüstungen für Kraftwerke sowie zur Erweiterung der Lieferungen von Automatisierungs- und Rationalisierungsmitteln für die Industrie der DDR. Die DDR lieferte in die UdSSR Erzeugnisse des Maschinenbaus, der Chemieindustrie, des Schiffsbaus, des Landmaschinenbaus, Ausrüstungen für die Leicht-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie sowie industrielle Konsumgüter. Dieses Handelsabkommen war das bis dahin größte, das jemals zwischen zwei Staaten abgeschlossen worden war. Es sicherte die weitere Entwicklung der DDR als sozialistischer Industriestaat und ließ alle Versuche der BRD-Regierung scheitern, die DDR ökonomisch zu erpressen. Das ist der Stand zum damaligen Zeitpunkt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit mit der UdSSR diente auch die im Frühjahr 1966 gebildete Paritätische Regierungskommission für ökonomische und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Von 1966 bis 1971 wurden durch die Paritätische Regierungskommission der DDR und der UdSSR über 40 Regierungsabkommen und Vereinbarungen getroffen, die wichtige Schritte zur Forschungs- und Produktionskooperation auf den Gebieten der Chemie- und Grundstoffindustrie, der Elektronik, des Maschinenbaus u.a. festlegten.

Teilansicht des Petrochemischen Kombinats Schwedt, errichtet in den1960er Jahren
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Nachdem der Vertrag zwischen der DDR und der UdSSR von 1964 der entscheidende Schritt zur Einbeziehung der DDR in das zweiseitige Bündnis- und Beistandssystem der europäischen sozialistischen Staaten erfolgt war, entwickelte die DDR die Initiative zum Abschluss gleichartiger Verträge mit anderen sozialistischen Staaten.

Großbaustelle Kraftwerk Thierbach, Bezirk Leipzig: Hier entsteht 1967 nach sowjetischen Projekten in brüderlicher Zusammenarbeit der UdSSR, der Ungarischen VR, der VR Polen und der DDR ein modernes Großkraftwerk. Das Foto zeigt polnische Spezialisten beim Errichten der Kühltürme
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Im Jahre 1967 wurden Freundschafts- und Beistandsverträge mit der Volksrepublik Polen, der CSSR, der Ungarischen Volksrepublik und der Volksrepublik Bulgarien abgeschlossen.

Der Abschluss dieser Verträge stärkte die internationale Stellung der DDR. So konnte der nun untergegangene Staat als Mitglied des Warschauer Vertrages immer wirksamer zum Erhalt des Friedens in Europa beitragen. Seit Mitte der 1960er Jahre stand dabei der Kampf um die Verhinderung der atomaren Bewaffnung der BRD im Rahmen der NATO und für europäische Sicherheit im Mittelpunkt. Ausgehend von einer gemeinsamen Erklärung der Staaten des Warschauer Vertrages, wandte sich die Regierung der DDR Anfang des Jahres 1966 mit dem Vorschlag an die Regierungen aller europäischen Staaten, eine Verständigung über Fragen der Rüstungsbeschränkung, der Unverletzlichkeit der Grenzen und Normalisierung der staatlichen Beziehungen in Europa zu erzielen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Mit dieser und anderen Initiativen leistete die DDR im Rahmen der gemeinsamen Anstrengungen der der sozialistischen Staaten einen wichtigen Beitrag für die Sicherung des Friedens auf dem europäischen Kontinent.

Waffenbrüder
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der weitere Aufbau des Sozialismus in der DDR nach 1963

Im Januar 1963 fand in Berlin der VI. Parteitag der SED statt. Er beschloss ein neues Parteiprogramm, das die Aufgaben für die weitere Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft in der DDR festlegte. Ausgehend vom erreichten Stand der gesellschaftlichen Entwicklung, bestimmte das Programm den umfassenden Aufbau des Sozialismus in der DDR als Ziel der nächsten Entwicklungsetappe.

Das Programm der SED aus dem Jahre 1963 ging von der geschichtlichen Lehre des Kampfes der deutschen und internationalen Arbeiterklasse aus, dass die Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion für die Lösung dieser Aufgaben von erstrangiger Bedeutung sind. Die SED unterstrich, dass die DDR als sozialistischer Staat ein fester, unverrückbarer Bestandteil der sozialistischen Staatengemeinschaft ist. Die aktive Solidarität mit dem Freiheitskampf der Völker gegen Imperialismus und Kolonialismus und der Kampf um dauerhaften Frieden wurden als weitere Grundsätze der Politik des untergegangenen Staates gekennzeichnet. Der Parteitag bekräftigte den berechtigten Anspruch der DDR auf die Mitgliedschaft in der UNO und trat für Beziehungen der friedlichen Koexistenz zwischen beiden deutschen Staaten ein.

Die Partei der Arbeiterklasse ließ auch keinen Zweifel daran, dass die weitere Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft nur durch zielbewusste Arbeit, unter großen Anstrengungen, in einem komplizierten Kampf erreicht werden konnte. Große Aufmerksamkeit widmete der VI. Parteitag der SED den notwendigen Schritten zur weiteren Entwicklung der Volkswirtschaft. Om Mittelpunkt stand dabei die Notwendigkeit, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, die Selbstkosten der Erzeugnisse zu senken und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu beschleunigen. Dementsprechend mussten jene Zweige der Volkswirtschaft vorrangig entwickelt werden, die den wissenschaftlich-technischen Fortschritt durchsetzen halfen. Insbesondere betraf das die chemische Industrie, den Maschinenbau, den wissenschaftlichen Gerätebau sowie die Elektrotechnik und Elektronik. Zugleich war es notwendig, die Energie- und Rohstoffbasis zu erweitern und das Verkehrswesen zu vervollkommnen.

Insgesamt kam es darauf an, die Führungstätigkeit der SED und des sozialistischen Staates konsequent auf die Nutzung der Vorzüge des Sozialismus zu orientieren. Da einer der entscheidenden Vorzüge der sozialistischen Gesellschaft gegenüber der kapitalistischen in der verantwortungsbewussten Teilnahme der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen (Erwerbstätigen) an der Lösung der Produktionsaufgaben und an der Leitung und Planung der Wirtschaft besteht, musste die Leitungstätigkeit den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen, kollektiven und persönlichen Interessen bewusst beachten. Damit haperte es mit der Zeit und die sozialistische Gesellschaft ging ihrer Auflösung entgegen.

Entsprechend dieser Aufgabenstellung des VI. Parteitages der SED wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1963 in breiter demokratischer Diskussion Richtlinien für die Leitung und Planung der Volkswirtschaft ausgearbeitet. Eine Wirtschaftskonferenz des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR beriet diese Richtlinien und wertete erste Erfahrungen bei ihrer Anwendung aus, bevor sie als „Richtlinien für das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ in Kraft gesetzt wurden. Mit dieser Maßnahme wurde auch in der DDR eine sozialistische Wirtschaftsreform eingeleitet. (siehe Abschnitt 5.1.2) Die damit verbundenen Festlegungen über die Abhängigkeit der Höhe der Prämienfonds von der Planerfüllung und dem erwirtschafteten Gewinn des Betriebes, die Einführung von Schichtprämien, eines leistungsabhängigen Zusatzurlaubs und andere Maßnahmen waren darauf gerichtet, Interesse und Verantwortungsbewusstsein der Werktätigen (Erwerbstätigen) als sozialistische Eigentümer und Produzenten zu stärken. Die Partei der Arbeiterklasse musste sich aber auch mit Auffassungen auseinandersetzen, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt und die neuen Formen der Leitung und Planung allein eine Sache der Wirtschaftsfunktionäre (heute bezeichnet man diese als Manager), der Ingenieure und Techniker seien. Sie wandte sich entschieden gegen Erscheinungen der Geringschätzung der Initiative und des Ideenreichtums der Arbeiter.

 

Bitterfelder Kumpel diskutieren 1961 mit dem Künstler über sein Gemälde „Bergmann Erich Schacher“. Als erster ging Erich Schacher damals aus seiner guten in eine schwächere Bergbaubrigade, um sozialistische Hilfe zu leisten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die neue Etappe der gesellschaftlichen Entwicklung stellte aber nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet wachsende Anforderungen. Sie erforderte auch ein höheres Bildungs- und Kulturniveau der Werktätigen (Erwerbstätigen). Davon ausgehend, beschloss der VI. Parteitag der SED, ein einheitliches sozialistisches Bildungswesen zu schaffen. Auf der Grundlage dieses Beschlusses erarbeitete im Frühjahr 1963 eine Kommission im Auftrag des Ministerrates „Grundsätze für die Gestaltung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems“. Nach einer über ein Jahr dauernden Volksdiskussion, die zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung des Gesetzesentwurfs erbrachte, beschloss die Volkskammer der DDR im Februar 1965 das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“. Es war bis zum Ende der DDR die Grundlage für das einheitliche Wirken aller staatlichen und gesellschaftlichen Bildungseinrichtungen.

Auf der Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse, der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft, der sozialistischen Staatsmacht und der sozialistischen Beziehungen zwischen den Klassen und sozialen Schichten wurde es möglich, die sozialistische Nationalkultur schrittweise herauszubilden. Seit Beginn der 1960er Jahre trat die künstlerische Gestaltung der Probleme des sozialistischen Aufbaus, der neuen Beziehungen zwischen den Klassen und Schichten und vor allem von Arbeiterpersönlichkeiten in den Mittelpunkt vieler Kunstwerke. Der neue Charakter der Kunst zeigte sich aber auch in einer weiteren Entwicklung vielfältiger Formen des künstlerischen Volksschaffens und in einer engeren Zusammenarbeit von Berufs- und Laienkünstlern.

Auf Grund der Ergebnisse der gesellschaftlichen Entwicklung wurde es in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre immer notwendiger, die sozialistischen Errungenschaften und die weiteren gesellschaftlichen Aufgaben in einer neuen, sozialistischen Verfassung der DDR zu verankern. Deshalb wurde im Auftrag der Volkskammer der DDR der Entwurf einer neuen Verfassung erarbeitet und im Januar 1968 zur Diskussion veröffentlicht. In einer großen Volksaussprache, an der sich über 11 Millionen Bürgerinnen und Bürger beteiligten, wurde der Entwurf beraten und darüber diskutiert, wie die Aufgaben zur weiteren Stärkung der DDR noch erfolgreicher gelöst werden konnten. Auf der Grundlage der Vorschläge der Bevölkerung wurden über 100 Änderungen am Verfassungsentwurf vorgenommen. Beim Volksentscheid am 06. April 1968 stimmten dann fast 95 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der DDR für die sozialistische Verfassung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In der Verfassung wurden die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED, sowie die Rechte der Gewerkschaften bei der umfassenden Mitwirkung an der Leitung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zum Gesetz erhoben. Das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln, das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit der Klasse der Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen Schichten des Volkes kennzeichnete die Verfassung als Grundlagen der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Anschläge gegen die Staatsgrenze der DDR und Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft

Der ökonomische und politische Fortschritt in der DDR stieß auch weiterhin auf den erbitterten Hass der Feinde des Sozialismus in der BRD und in Westberlin. Während die Regierung der BRD alle Vorschläge der DDR zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der DDR und der BRD ablehnte, häuften sich zugleich die Anschläge gegen die Staatsgrenze der DDR. Revanchistische Kräfte ermordeten Grenzsoldaten der DDR, beschädigten Grenzsicherungsanlagen und versuchten, bewaffnete Konflikte zu provozieren. Auf Hetzkundgebungen in der BRD und in Westberlin wurde immer häufiger zur gewaltsamen Beseitigung der Staatsgrenze der DDR aufgefordert. Vertreter des Senats von Westberlin verlangten ein militärisches Eingreifen der Westmächte.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Zur großen Liste bitte Link klicken: Große Liste ermordeter Grenzsoldaten der DDR

Zum Bericht eines Überlebenden bitte Link klicken: Bericht eines Überlebenden

Die imperialistischen Politiker der Stärke hatten also ihren Plan nicht aufgegeben, den Sozialismus in der DDR zu beseitigen und sie in die imperialistische BRD einzugliedern.  Was ihnen damals nicht gelang, ist ihnen 1989/90 gelungen.

Westberliner Rowdys versuchen Grenzsicherungsorgane der DDR mit Steinen zu bombardieren (28. August 1961)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Auch als die Konterrevolution bereits wütete, randalierten abermals Rowdys an den Grenzanlagen der DDR von Westberlin aus. Diese waren am massenweisen illegalen Verlassen der DDR über Ungarn im Sommer 1989 beteiligt. Dieses Ereignis hat der Konterrevolution enormen Schub gegeben. Im selben Jahr ist die Grenzöffnung erfolgt.

 


Angesichts dieser Situation konnten sich die Arbeiterklasse und alle Werktätigen (Erwerbstätigen) der DDR nicht auf die Lösung der ökonomischen Aufgaben im Produktionsaufgebot beschränken. Damals war Arbeit und Beruf mit hohem Engagement verbunden. Sie mussten zugleich die Verteidigungsbereitschaft erhöhen, um die Ergebnisse ihrer Arbeit sicher zu schützen. Deshalb erklärten sich fast 300 000 Mitglieder der FDJ im Rahmen eines Aufgebotes des sozialistischen Jugendverbandes bereit, ihren Ehrendienst in den bewaffneten Organen zu leisten. Die DDR leitete weitere Maßnahmen zum Schutz ihrer Grenzen ein.

Im September 1961 wurde das Verteidigungsgesetz der DDR beschlossen, und im Januar 1962 verabschiedete die Volkskammer das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht. Mit diesem Gesetz wurde die Wehrpflicht von 18 Monaten für alle wehrtauglichen Bürger im Alter von 18 bis 25 Jahren eingeführt. Wie bei den Maßnahmen zur Sicherung der Staatsgrenze, so bewährte sich auch jetzt die brüderliche Solidarität der Sowjetunion und aller Mitglieder des Warschauer Vertrages. Dank ihrer Hilfe wurde die Nationale Volksarmee der DDR mit modernen Waffen ausgerüstet und noch besser für den Schutz der sozialistischen Errungenschaften befähigt. Das trug wesentlich dazu bei, die aggressiven Pläne des Imperialismus gegenüber der sozialistischen Staatengemeinschaft zu vereiteln und besonders die Staatsgrenze der DDR gegenüber der BRD und Westberlin zuverlässig zu schützen. Damit konnte der Frieden in Europa sicherer gemacht werden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Festigung der sozialistischen Staatsmacht der DDR

In der DDR hatte sich die politische Macht der Arbeiterklasse, die Diktatur des Proletariats (dieser Begriff ist missverständlich), im Verlaufe des einheitlichen revolutionären Prozesses in Form der Arbeiter-und Bauern-Macht herausgebildet.

Das Hauptinstrument, mit dem die Arbeiterklasse und die mit ihr verbündeten Klassen und Schichten die politische Macht ausüben, ist der sozialistische Staat. Dieses Hauptinstrument galt es, im revolutionären Umwälzungsprozess ständig zu stärken, weil die Aufgaben der Staatsmacht beim Aufbau des Sozialismus und im Sozialismus selbst gesetzmäßig anwachsen.

Anfang der 1950er Jahre standen folgende Aufgaben für die sozialistische Staatsmacht:

  1. Die gesellschaftliche Entwicklung noch bewusster und planmäßiger zu leiten;
  1. Dauerhafte freundschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten zu sichern;
  1. Die Arbeiter-und -Bauern-Macht gegen äußere und innere Feinde sicher zu schützen;
  1. Normale völkerrechtliche Beziehungen mit allen Ländern zu unterhalten, die die Souveränität und Unabhängigkeit der DDR achten.

Die entscheidende Voraussetzung für die Lösung dieser neuen Aufgaben beim Aufbau des Sozialismus war, dass die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen noch mehr an der Leitung und Verwaltung des Staates teilnahmen.

 

Die alte Gliederung der Verwaltung nach Länderregierungen und Landratsämtern genügte diesen Anforderungen nicht mehr. Sie war zu groß und berücksichtigte nicht die neuen Bedingungen der sozialistischen Entwicklung. Eine neue administrative und territoriale Gliederung der Staatsorgane (Verwaltung, Institutionen) wurde notwendig. Deshalb beschloss die Volkskammer der DDR auf Vorschlag der SED am 23. Juli 1952, eine Verwaltungsreform durchzuführen. Also weg vom Föderalismus, hin zum Zentralismus.

Als sich der Sieg der Konterrevolution abzeichnete und die Annexion der DDR durch die BRD kurz bevorstand, ging es in der letzten Zeit der DDR nur noch um Angleichung. So ging man wieder zurück zum Föderalismus und bildete erneut Bundesländer. Die heutigen neuen Bundesländer. Die Kreise wurden wieder vergrößert. Die neuen Bundesländer traten am 03.10.1090 der BRD bei und ab da ist die DDR tot. 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

An Stelle der bisher bestehenden fünf Landtage und Länderregierungen wurden 15 Bezirkstage (einschließlich Berlin) und Räte der Bezirke geschaffen. Die Anzahl der Kreise wurde von 132 auf 217 erhöht. Dabei wurde darauf geachtet, die die Bezirke und Kreise soweit als möglich einheitliche Wirtschaftsgebiete darstellten. Das half gleichzeitig, zahlreiche Hemmnisse zu beseitigen, die sich aus der alten territorialen Struktur für die Wirtschaft ergeben hatten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die Bildung der Bezirke und die Verkleinerung der Kreise gestatteten es, die staatlichen Leitungen eng mit der Bevölkerung und den Schwerpunkten des sozialistischen Aufbaus zu verbinden. Heute setzt man auf große Kreise, um Verwaltungskosten einzusparen. Ob das bürgerfreundlich ist interessiert dabei nicht.

Der Einfluss der Arbeiterklasse in den staatlichen Organen (Behörden, Institutionen) wurde wesentlich erhöht. Bereits kurze Zeit nach der Durchführung dieser Maßnahmen leisteten etwas 300 000 Werktätige (Erwerbstätige) auch ehrenamtlich gesellschaftliche Arbeit. Ihre Anzahl erhöhte sich bis Anfang 1957 auf etwa eine Million. 

Durch diese Verwaltungsreform wurden die Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus fest verankert. (In den 1980er Jahren kann von dieser Festigkeit keine Rede mehr sein, was 1989/90 in die Konterrevolution mündete.) Dem diente neben anderen Gesetzen vor allem das ebenfalls 1952 von der Volkskammer beschlossene „Gesetz zum Schutze des Volkseigentums“. Mit diesem Gesetz wurde das sozialistische Eigentum als ökonomische Grundlage der Arbeiter-und Bauern-Macht vor jedweden Angriffen staatlich geschützt. Das verwässerte sich allerdings in den 1980er Jahren. So wurde der Diebstahl von Kleinigkeiten nicht mehr ernst genommen. Doch viele Kleinigkeiten ergeben am Ende was Großes.

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre trat der Kampf um den Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse in seine entscheidende Etappe. Die zunehmende Masseninitiative erhöhte insbesondere die Rolle der örtlichen Volksvertretungen und ihrer Räte. Daher beschloss die Volkskammer im Januar 1957 zwei von der SED-Fraktion vorgeschlagene Gesetze über die Rechte und Pflichten der Volkskammer und über die örtlichen Organe (Behörden/Verwaltung) der Staatsmacht in der DDR.

Diese Gesetze waren vor ihrer Verabschiedung durch die Volkskammer von über 4,5 Millionen Bürgerinnen und Bürgern in Versammlungen der Nationalen Front diskutiert worden. Mehr als 10 000 Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit der staatlichen Organe (Behörden/Institutionen) waren dabei eingereicht worden. Die örtlichen Volksvertretungen erhielten nun die volle Verantwortung für den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Aufbau in ihrem Territorium auf der Grundlage der Gesetze der Republik. Ausdrücklich wurden die Räte verpflichtet, eng mit der Bevölkerung zusammenzuarbeiten und deren Erfahrungen, Anregungen und Kritiken für die Verbesserung ihrer Arbeit auszuwerten.

Entsprechend der wachsenden Rolle der örtlichen Volksvertretungen wurden in den folgenden Jahren immer breitere Kreise der Bevölkerung zur Leitung staatlicher Angelegenheiten befähigt. So wurden bei den Kommunalwahlen 1957 insgesamt etwa 200 000 Abgeordnete der Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen gewählt. Das waren 65 000 mehr, als bisher. Darüber hinaus wurden erstmalig Nachfolgekandidaten gewählt. Abgeordnete, die das Vertrauen ihrer Wähler nicht rechtfertigten und ihre Aufgaben vernachlässigten, konnten abberufen und durch Nachfolgekandidaten ersetzt werden.

Die letzten Kommunalwahlen in der DDR fanden 1989 statt. Die Konterrevolution marschierte. So steht der Vorwurf im Raum, dass bei diesen Kommunalwahlen Wahlfälschung betrieben worden wäre.

Durch Einbeziehung weiterer Hunderttausender Werktätiger (Erwerbstätiger) in die Lösung staatlicher Aufgaben wurde zu Beginn der 1960er Jahre eine höhere Stufe der sozialistischen Demokratie erreicht. Unter der Losung „Plane mit, arbeite mit, regiere mit!“ wurde die Lösung der zentralen staatlichen Aufgaben immer enger mit der Masseninitiative der Werktätigen (Erwerbstätigen) verbunden. Später löste sich das nach und nach auf und die arbeitenden Menschen verloren das Interesse.

Am 07. September 1960 war der Präsident der Deutschen Demokratischen Republik, Wilhelm Pieck, gestorben. Das Amt des Präsidenten wurde abgeschafft und durch den Staatsrat ersetzt. Mit Beschluss der Volkskammer zur Bildung des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik fand die Weiterentwicklung der Arbeiter-und-Bauernmacht ihren Ausdruck.

Am 07. September 1960 stirbt der Präsident der DDR, Wilhelm Pieck. Die engsten Kampfgefährten geben ihm das Ehrengeleit
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Zum Vorsitzenden des Staatsrates wählte die Volkskammer am 12. September 1960 den Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht. Die Bildung des Staatsrates war darauf gerichtet, die Kollektivität der staatlichen Leitung weiterzuentwickeln und ihre Einheit zu festigen.

In den 1950er Jahren wurde auch damit begonnen die sozialistische Revolution auf dem Gebiet der Ideologie und Kultur zu vollziehen. Es kam darauf an, dass die Arbeiterklasse auch bei der Entwicklung der sozialistischen Nationalkultur ihre führende Rolle verwirklichte und die Weltanschauung und Moral der Arbeiterklasse in allen Bereichen durchgesetzt wurde.

Im März 1955 finden die ersten Jugendweihen großen Ausmaßes in der DDR statt. Damit wird eine Tradition der Arbeiterbewegung mit Leben erfüllt
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Deshalb orientierte die Partei der Arbeiterklasse auf die sozialistische Umgestaltung des Bildungswesens. In der allgemeinbildenden Schule ging es darum, Bildung und Erziehung mit der sozialistischen Produktion zu verbinden und alle Schülerinnen und Schüler mit einer gründlichen polytechnischen Bildung auszurüsten. Entsprechend den gesellschaftlichen Anforderungen wurde im Dezember 1959 damit begonnen, die achtklassigen Grundschulen allmählich in zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschulen umzuwandeln. Dazu wurden neue Lehrpläne erarbeitet und eingeführt. Sie sahen unter anderem vor, den Anteil des mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehrstoffes am Gesamtlehrstoff von etwa 30 auf 50 Prozent zu erhöhen.

Dieser Entwicklung entsprechend gab es auch bedeutsame Veränderungen an den Hochschulen und Universitäten, die die den Erfordernissen der sich herausbildenden sozialistischen Gesellschaft Rechnung getragen wurde. Als neue Hauptrichtung erwies sich dabei die Verbindung von Lehre und Forschung an den Hochschulen und Universitäten mit der sozialistischen Praxis in den Betrieben, Genossenschaften, Einrichtungen und Schulen.

Schriftsteller und Künstler wandten sich in diesen Jahren mehr dem neuen Leben und den Problemen des sozialistischen Aufbaus zu. Es entstand eine breite Massenbewegung des künstlerischen Laienschaffens. Zirkel schreibender Arbeiter und Bauern wurden geründet. 1959 fanden im Bezirk Halle die ersten Arbeiterfestspiele der DDR statt. An ihnen beteiligten sich 11 000 Laien- und 5 000 Berufskünstler. Ende der 1950er Jahre erschienen bedeutende literarische Werke, die bei den werktätigen (erwerbstätigen) Menschen große Zustimmung fanden. So unter anderem „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz (1958), „Die Entscheidung“ von Anna Seghers (1959) und „Die Bauern von Karvenbruch“ von Benno Voelkner (1959). Eine neu Schriftstellergeneration stellte ihre ersten bedeutenden Werke vor, so zum Beispiel Dieter Noll seinen Roman „Die Abenteuer des Werner Holt“ (1960).

Auf Grundlage des sozialistischen Eigentums an Produktionsmitteln und der Arbeiter-und-Bauern-Macht begann sich eine sozialistische Kunst herauszubilden.

Vieles davon ist auch im Westen bekannt geworden. So war und ist es auch für Stadtbüchereien in Städten der BRD selbstverständlich Werke von Schriftstellern der DDR im Bestand zu haben und Lesungen zu veranstalten. So war Hermann Kant während der Zeit des Bestehens der DDR zu einer Lesung nach Bad Kreuznach gekommen. Auch heute noch kann man Bücher von DDR-Schriftstellern finden.

Doch was die bildende Kunst betrifft, ist vieles in den Depots verschwunden, falls es nicht ganz zerstört worden ist oder sich in der Privatgemächern von reichen Sammlern befindet.

Die Form der Schulbildung ist sofort nach der Konterrevolution „geschliffen“ worden. Wie in der alten BRD, sind nun auch in den Neu-Bundesländern die jeweiligen Bundesländer für Bildung und Kultur zuständig. Das ist rückschrittlich. Man ist zu rückschrittlichen Schulformen zurückgekehrt. Dass Finnland als kapitalistisches Land das Schulsystem der DDR übernommen hat, interessiert dabei nicht.

Auch ansonsten ist viel Kultur der DDR auf dem Müllhaufen, sei es wortwörtlich oder auf dem Müllhaufen der Geschichte, gelandet.

Der Palast der Republik ist nicht wegen Asbest abgerissen worden. Er durfte als Bauwerk nicht erhalten bleiben, um positive Erinnerungen an die DDR zu tilgen.

Die offizielle Geschichtsschreibung duldet möglichst keine Bewahrung der Kultur aus der DDR-Zeit und auch keine positive Darstellung der vergangenen DDR. So sind auch DDR-Museen ausgerichtet. Es gibt ein paar lobenswerte Leute, die in Eigeninitiative alternative DDR-Museen betreiben, bzw. sich jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung mit der Geschichte der DDR befassen und nach ihren Möglichkeiten verbreiten. Doch haben sie nicht die finanziellen und logistischen Mittel, wie staatlich geförderte Museen und die offizielle Geschichtsschreibung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR