Die Festigung des Bündnisses der DDR mit der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten

Entsprechend der damaligen historischen Aufgabe, in der DDR den Sozialismus weiter aufzubauen und dafür die günstigsten internationalen Bedingungen zu schaffen, orientierten das Zentralkomitee der SED und die Regierung der DDR zu Beginn der 1960er Jahre auf eine umfassendere Zusammenarbeit mit den sozialistischen Bruderländern. Im Vordergrund stand dabei die Weiterentwicklung des Bruderbundes mit der Sowjetunion.

Die Beziehungen zwischen der DDR und der UdSSR hatten sich seit dem Abschluss des Staatsvertrages von 1955 allseitig entwickelt. Sie bewährten sich vielfältig als unerschütterliche Grundlage für die Festigung der internationalen Stellung der DDR und für die Meisterung der komplizierten revolutionären Aufgaben des sozialistischen Aufbaus. Mit dem Vertrag über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der UdSSR vom 12. Juni 1964 wurde nun eine neue Periode brüderlicher Beziehungen zwischen den beiden Staaten und ihren Völkern eingeleitet. Damit wurde eine entscheidende Voraussetzung für die immer festere Verankerung der DDR in der sozialistischen Staatengemeinschaft geschaffen. Die Vertragspartner betonten die grundlegende Bedeutung der Unantastbarkeit der Staatsgrenze der DDR für die Europäische Sicherheit. Auf der Grundlage dieses Freundschaftsvertrages wurde in den folgenden Jahren eine Vielzahl weiterer Abkommen und Arbeitsvereinbarungen abgeschlossen. Der Vertrag diente der Politik der friedlichen Koexistenz, indem er sich gegen die imperialistische Politik des „kalten Krieges“ richtete und (zum damaligen Zeitpunkt) die Spekulationen auf eine auf eine „Eroberung der DDR“ durchkreuzte.

Auf ökonomischen wissenschaftlich-technischem Gebiet kam die neue Stufe der Zusammenarbeit vor allem in dem Handelsabkommen zwischen der DDR und der UdSSR für die Jahre 1966 bis 1970 zum Ausdruck. Die UdSSR verpflichtete sich darin zur Lieferung volkswirtschaftlich notwendiger Rohstoffe, von Ausrüstungen für Kraftwerke sowie zur Erweiterung der Lieferungen von Automatisierungs- und Rationalisierungsmitteln für die Industrie der DDR. Die DDR lieferte in die UdSSR Erzeugnisse des Maschinenbaus, der Chemieindustrie, des Schiffsbaus, des Landmaschinenbaus, Ausrüstungen für die Leicht-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie sowie industrielle Konsumgüter. Dieses Handelsabkommen war das bis dahin größte, das jemals zwischen zwei Staaten abgeschlossen worden war. Es sicherte die weitere Entwicklung der DDR als sozialistischer Industriestaat und ließ alle Versuche der BRD-Regierung scheitern, die DDR ökonomisch zu erpressen. Das ist der Stand zum damaligen Zeitpunkt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit mit der UdSSR diente auch die im Frühjahr 1966 gebildete Paritätische Regierungskommission für ökonomische und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Von 1966 bis 1971 wurden durch die Paritätische Regierungskommission der DDR und der UdSSR über 40 Regierungsabkommen und Vereinbarungen getroffen, die wichtige Schritte zur Forschungs- und Produktionskooperation auf den Gebieten der Chemie- und Grundstoffindustrie, der Elektronik, des Maschinenbaus u.a. festlegten.

Teilansicht des Petrochemischen Kombinats Schwedt, errichtet in den1960er Jahren
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Nachdem der Vertrag zwischen der DDR und der UdSSR von 1964 der entscheidende Schritt zur Einbeziehung der DDR in das zweiseitige Bündnis- und Beistandssystem der europäischen sozialistischen Staaten erfolgt war, entwickelte die DDR die Initiative zum Abschluss gleichartiger Verträge mit anderen sozialistischen Staaten.

Großbaustelle Kraftwerk Thierbach, Bezirk Leipzig: Hier entsteht 1967 nach sowjetischen Projekten in brüderlicher Zusammenarbeit der UdSSR, der Ungarischen VR, der VR Polen und der DDR ein modernes Großkraftwerk. Das Foto zeigt polnische Spezialisten beim Errichten der Kühltürme
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Im Jahre 1967 wurden Freundschafts- und Beistandsverträge mit der Volksrepublik Polen, der CSSR, der Ungarischen Volksrepublik und der Volksrepublik Bulgarien abgeschlossen.

Der Abschluss dieser Verträge stärkte die internationale Stellung der DDR. So konnte der nun untergegangene Staat als Mitglied des Warschauer Vertrages immer wirksamer zum Erhalt des Friedens in Europa beitragen. Seit Mitte der 1960er Jahre stand dabei der Kampf um die Verhinderung der atomaren Bewaffnung der BRD im Rahmen der NATO und für europäische Sicherheit im Mittelpunkt. Ausgehend von einer gemeinsamen Erklärung der Staaten des Warschauer Vertrages, wandte sich die Regierung der DDR Anfang des Jahres 1966 mit dem Vorschlag an die Regierungen aller europäischen Staaten, eine Verständigung über Fragen der Rüstungsbeschränkung, der Unverletzlichkeit der Grenzen und Normalisierung der staatlichen Beziehungen in Europa zu erzielen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Mit dieser und anderen Initiativen leistete die DDR im Rahmen der gemeinsamen Anstrengungen der der sozialistischen Staaten einen wichtigen Beitrag für die Sicherung des Friedens auf dem europäischen Kontinent.

Waffenbrüder
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der weitere Aufbau des Sozialismus in der DDR nach 1963

Im Januar 1963 fand in Berlin der VI. Parteitag der SED statt. Er beschloss ein neues Parteiprogramm, das die Aufgaben für die weitere Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft in der DDR festlegte. Ausgehend vom erreichten Stand der gesellschaftlichen Entwicklung, bestimmte das Programm den umfassenden Aufbau des Sozialismus in der DDR als Ziel der nächsten Entwicklungsetappe.

Das Programm der SED aus dem Jahre 1963 ging von der geschichtlichen Lehre des Kampfes der deutschen und internationalen Arbeiterklasse aus, dass die Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion für die Lösung dieser Aufgaben von erstrangiger Bedeutung sind. Die SED unterstrich, dass die DDR als sozialistischer Staat ein fester, unverrückbarer Bestandteil der sozialistischen Staatengemeinschaft ist. Die aktive Solidarität mit dem Freiheitskampf der Völker gegen Imperialismus und Kolonialismus und der Kampf um dauerhaften Frieden wurden als weitere Grundsätze der Politik des untergegangenen Staates gekennzeichnet. Der Parteitag bekräftigte den berechtigten Anspruch der DDR auf die Mitgliedschaft in der UNO und trat für Beziehungen der friedlichen Koexistenz zwischen beiden deutschen Staaten ein.

Die Partei der Arbeiterklasse ließ auch keinen Zweifel daran, dass die weitere Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft nur durch zielbewusste Arbeit, unter großen Anstrengungen, in einem komplizierten Kampf erreicht werden konnte. Große Aufmerksamkeit widmete der VI. Parteitag der SED den notwendigen Schritten zur weiteren Entwicklung der Volkswirtschaft. Om Mittelpunkt stand dabei die Notwendigkeit, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, die Selbstkosten der Erzeugnisse zu senken und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu beschleunigen. Dementsprechend mussten jene Zweige der Volkswirtschaft vorrangig entwickelt werden, die den wissenschaftlich-technischen Fortschritt durchsetzen halfen. Insbesondere betraf das die chemische Industrie, den Maschinenbau, den wissenschaftlichen Gerätebau sowie die Elektrotechnik und Elektronik. Zugleich war es notwendig, die Energie- und Rohstoffbasis zu erweitern und das Verkehrswesen zu vervollkommnen.

Insgesamt kam es darauf an, die Führungstätigkeit der SED und des sozialistischen Staates konsequent auf die Nutzung der Vorzüge des Sozialismus zu orientieren. Da einer der entscheidenden Vorzüge der sozialistischen Gesellschaft gegenüber der kapitalistischen in der verantwortungsbewussten Teilnahme der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen (Erwerbstätigen) an der Lösung der Produktionsaufgaben und an der Leitung und Planung der Wirtschaft besteht, musste die Leitungstätigkeit den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen, kollektiven und persönlichen Interessen bewusst beachten. Damit haperte es mit der Zeit und die sozialistische Gesellschaft ging ihrer Auflösung entgegen.

Entsprechend dieser Aufgabenstellung des VI. Parteitages der SED wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1963 in breiter demokratischer Diskussion Richtlinien für die Leitung und Planung der Volkswirtschaft ausgearbeitet. Eine Wirtschaftskonferenz des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR beriet diese Richtlinien und wertete erste Erfahrungen bei ihrer Anwendung aus, bevor sie als „Richtlinien für das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ in Kraft gesetzt wurden. Mit dieser Maßnahme wurde auch in der DDR eine sozialistische Wirtschaftsreform eingeleitet. (siehe Abschnitt 5.1.2) Die damit verbundenen Festlegungen über die Abhängigkeit der Höhe der Prämienfonds von der Planerfüllung und dem erwirtschafteten Gewinn des Betriebes, die Einführung von Schichtprämien, eines leistungsabhängigen Zusatzurlaubs und andere Maßnahmen waren darauf gerichtet, Interesse und Verantwortungsbewusstsein der Werktätigen (Erwerbstätigen) als sozialistische Eigentümer und Produzenten zu stärken. Die Partei der Arbeiterklasse musste sich aber auch mit Auffassungen auseinandersetzen, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt und die neuen Formen der Leitung und Planung allein eine Sache der Wirtschaftsfunktionäre (heute bezeichnet man diese als Manager), der Ingenieure und Techniker seien. Sie wandte sich entschieden gegen Erscheinungen der Geringschätzung der Initiative und des Ideenreichtums der Arbeiter.

 

Bitterfelder Kumpel diskutieren 1961 mit dem Künstler über sein Gemälde „Bergmann Erich Schacher“. Als erster ging Erich Schacher damals aus seiner guten in eine schwächere Bergbaubrigade, um sozialistische Hilfe zu leisten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die neue Etappe der gesellschaftlichen Entwicklung stellte aber nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet wachsende Anforderungen. Sie erforderte auch ein höheres Bildungs- und Kulturniveau der Werktätigen (Erwerbstätigen). Davon ausgehend, beschloss der VI. Parteitag der SED, ein einheitliches sozialistisches Bildungswesen zu schaffen. Auf der Grundlage dieses Beschlusses erarbeitete im Frühjahr 1963 eine Kommission im Auftrag des Ministerrates „Grundsätze für die Gestaltung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems“. Nach einer über ein Jahr dauernden Volksdiskussion, die zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung des Gesetzesentwurfs erbrachte, beschloss die Volkskammer der DDR im Februar 1965 das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“. Es war bis zum Ende der DDR die Grundlage für das einheitliche Wirken aller staatlichen und gesellschaftlichen Bildungseinrichtungen.

Auf der Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse, der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft, der sozialistischen Staatsmacht und der sozialistischen Beziehungen zwischen den Klassen und sozialen Schichten wurde es möglich, die sozialistische Nationalkultur schrittweise herauszubilden. Seit Beginn der 1960er Jahre trat die künstlerische Gestaltung der Probleme des sozialistischen Aufbaus, der neuen Beziehungen zwischen den Klassen und Schichten und vor allem von Arbeiterpersönlichkeiten in den Mittelpunkt vieler Kunstwerke. Der neue Charakter der Kunst zeigte sich aber auch in einer weiteren Entwicklung vielfältiger Formen des künstlerischen Volksschaffens und in einer engeren Zusammenarbeit von Berufs- und Laienkünstlern.

Auf Grund der Ergebnisse der gesellschaftlichen Entwicklung wurde es in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre immer notwendiger, die sozialistischen Errungenschaften und die weiteren gesellschaftlichen Aufgaben in einer neuen, sozialistischen Verfassung der DDR zu verankern. Deshalb wurde im Auftrag der Volkskammer der DDR der Entwurf einer neuen Verfassung erarbeitet und im Januar 1968 zur Diskussion veröffentlicht. In einer großen Volksaussprache, an der sich über 11 Millionen Bürgerinnen und Bürger beteiligten, wurde der Entwurf beraten und darüber diskutiert, wie die Aufgaben zur weiteren Stärkung der DDR noch erfolgreicher gelöst werden konnten. Auf der Grundlage der Vorschläge der Bevölkerung wurden über 100 Änderungen am Verfassungsentwurf vorgenommen. Beim Volksentscheid am 06. April 1968 stimmten dann fast 95 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der DDR für die sozialistische Verfassung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In der Verfassung wurden die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED, sowie die Rechte der Gewerkschaften bei der umfassenden Mitwirkung an der Leitung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zum Gesetz erhoben. Das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln, das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit der Klasse der Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen Schichten des Volkes kennzeichnete die Verfassung als Grundlagen der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Arbeit und Beruf in der DDR zu Beginn der 1960er Jahre

Anfang der 1960er Jahre waren auch in der DDR die Grundlagen des Sozialismus errichtet worden. Auf diesem festen gesellschaftlichen Fundament führten die Arbeiterklasse und alle Werktätigen (Erwerbstätigen) nach der Sicherung der Staatsgrenze 1961 den Kampf für die weitere ökonomische und politische Entwicklung der DDR. Im Vordergrund stand dabei die Aufgabe, die Folgen der imperialistischen Störtätigkeit und des „kalten Krieges“ einzuschränken und die DDR allseitig zu stärken.

Das erkannten damals viele der fortgeschrittenen Werktätigen (Erwerbstätigen). Die Arbeiter aus dem VEB Elektrokohle Berlin riefen die anderen Werktätigen (Erwerbstätigen) zu einem Produktionsaufgebot unter der Losung: „In der gleichen Zeit für das gleiche Geld mehr produzieren!“auf. Sie verpflichteten sich, die Arbeitszeit voll zu nutzen, die Arbeitsdisziplin zu erhöhen, die Qualität ihrer Erzeugnisse zu verbessern und weitre Reserven zu erschließen. Sie hatten erkannt, dass die in der Zeit der offenen Grenze entstandenen ökonomischen Schäden nur überwunden werden konnten, wenn es gelang, eine wesentliche Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Produktion bei zeitweilig gleichbleibenden Löhnen zu erreichen. Ihnen war aber auch bewusst, dass sie mit ihrem Aufruf ein überzeugendes Bekenntnis zur sozialistischen Zukunft der DDR, die nur bis 1989 dauerte, ablegten und dazu beitrugen, die Pläne des Imperialismus zur Annexion der DDR bis zum Jahre 1990 aufzuschieben. Deshalb verbanden sie den Kampf um höhere Leistungen in der Produktion mit dem Ringen um Klarheit über die politische Bedeutung des sozialistischen Wettbewerbs.

Da der Aufruf zum Produktionsaufgebot den Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen (Erwerbstätigen) entsprach, wurde er von zahlreichen Betrieben unterstützt. Im Herbst 1961 und im Verlaufe des Jahres 1962 entwickelte sich das Produktionsaufgebot zu einer Massenbewegung. In zunehmenden Maße waren die Wettbewerbsverpflichtungen darauf gerichtet, durch Ausnutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts die Arbeitsproduktivität zu steigern.

So forderte zum Bespiel die Brigade Porstmann aus dem VEB Installation Karl-Marx-Stadt in einem Brief an ihre Kollegen vom VEB Wohnungsbau Rostock die Durchsetzung einheitlicher Normen (Akkorde), die auf den besten Werten beruhen. Der von ihnen vertretene Grundsatz „Neue Technik – neue Normen“ richtete sich gegen Erscheinungen an Arbeitsnormen festzuhalten, die auf der Grundlage einer überholten Technologie und Arbeitsorganisation festgelegt worden waren und eine ungerechtfertigte Erhöhung der Löhne bewirkten.

Die Brigade Porstmann blieb kein Einzelbeispiel. Immer mehr Arbeiter und Brigaden betrachteten es als eine Sache der Arbeiterehre, die Normen (Akkorde) auf der Grundlage der fortgeschrittenen Technologie einheitlich zu gestalten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Brigadeberatung im VEB Großmaschinenbau „8. Mai“, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der Aufruf der Werkzeugmaschinenbauer des VEB „8.Mai“ an alle Betriebe der DDR, ebenso wie sie nach einem abgestimmten Plan für alle Brigaden und Abteilungen arbeiten, löste in vielen Betrieben ähnliche Initiativen aus. In Hunderten Betrieben waren die Werktätigen (Erwerbstätigen) bestrebt, ebenso wie im VEB „8.Mai“ exakte Programme zur Steigerung der Arbeitsproduktivität zu erarbeiten und diese in Verbindung mit dem Plan Neue Technik zu verwirklichen. Durch diese Entwicklung der Initiative und Schöpferkraft der Arbeiterklasse und aller Werktätigen (Erwerbstätigen) gelang es, das geplante Verhältnis in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität und des Durchschnittslohnes einzuhalten, die Industrieproduktion zu erhöhen und so den Sozialismus ökonomisch weiter zu stärken.

Dem sozialistischen Wettbewerb in der Industrie schlossen sich auch viele LPGs an. Das war Ausdruck des festen Bündnisses zwischen Arbeiterklasse und Genossenschaftsbauern. Im Vordergrund des sozialistischen Wettbewerbs in der Landwirtschaft standen die weitere Erhöhung der Hektarerträge und der tierischen Produktion auf der Grundlage einer immer besseren Organisation der genossenschaftlichen Arbeit.

Das Ringen um die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion war aber auch verbunden mit der Überwindung überkommener Gewohnheiten einzelbäuerlichen Wirtschaftens und noch vorhandener Zweifel über die sichere Perspektive der sozialistischen Landwirtschaft, die durch feindliche Propaganda genährt wurden. Dabei leisteten die SED, die Arbeiterklasse und die sozialistische Staatsmacht den Genossenschaftsbauern umfassende Hilfe. Erfahrene Arbeiter, Genossenschaftsbauern aus vorbildlichen LPGs, Mitarbeiter des Staatsapparates und Absolventen landwirtschaftlicher Hoch- und Fachschulen nahmen in Genossenschaften mit noch niedrigem Produktionsniveau ihre Tätigkeit auf. Der sozialistische Staat unterstützte die Genossenschaften durch Kredite für den Bau neuer Ställe, für den Kauf von Saatgut und Zuchtvieh sowie die Mechanisierung der Produktion. Die Arbeiterklasse stellte den Genossenschaftsbauern in den Jahren von 1960 bis 1963   50 000 Traktoren und 4 600 Mähdrescher zur Verfügung. Den LPGs wurde die Technik der MTS kostenlos übergeben. Insgesamt erhielten die LPGs und MTS in diesen Jahren Maschinen und Traktoren im Werte von 1,8 Milliarden Mark. Im Zusammenhang mit der Übergabe der Technik der MTS an die LPGs traten 51 000 Traktoristen und Spezialisten in die LPGs ein und stärkten so das Bündnis der Arbeiterklasse mit den Genossenschaftsbauern. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsmittel, der Boden und die Technik, waren damit genossenschaftliches Eigentum geworden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In den späteren Jahren der DDR erlahmte das Engagement, was Arbeit und Beruf angeht. Arbeit und Beruf waren eine normale Pflichterfüllung, wie überall auf der Welt. Oft waren Diebstähle von Kleinigkeiten an der Tagesordnung. Auch Dinge, die es in den Geschäften nicht zu kaufen gab, wurden oft gestohlen. Diebstahl am Arbeitsplatz hatte in der DDR nicht die Konsequenz, wie in kapitalistischen Ländern. Mit der Zeit läpperte sich das zusammen und es kam doch zu einem gewissen Maß an Schaden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Errichtung der materiell-technischen Grundlagen des Sozialismus und der Kampf um den Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse

Auf der Grundlage der Beschlüsse des III. Parteitages der SED wurde in der ersten Hälfte der 19fünfziger Jahre Zielstrebig daran gearbeitet, in der DDR sozialistische Produktionsverhältnisse zu schaffen und die materiell-technischen Grundlagen der sozialistischen Volkswirtschaft schrittweise aufzubauen.

Im Sommer 1952 geht in der LPG „Solidarität“ in Dommersleben, Kreis Wanzleben, zum ersten Mal der Pflug über jahrhundertealte Feldgrenzen hinweg
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Am 01. Januar 1951, dem ersten Tag des Fünfjahrplanes, wurde bei Fürstenberg (Oder), inmitten von Kiefernwäldern, der Grundstein zum Hochofen 1 des Eisenhüttenkombinates Ost gelegt. Dieses Werk war das größte und wichtigste Objekt des ersten Fünfjahrplanes. Bereits nach einer Bauzeit von neun Monaten konnte der erste Hochofen in Betrieb genommen werden. Bis Ende 1952 wurden vier Hochöfen errichtet. Das war eine großartige Leistung, die von der Arbeiterklasse unter der Führung der SED vollbracht wurde. In einem rückständigen Landstrich an der Oder entstand ein starkes Bollwerk der Arbeiterklasse, das zum Zentrum der sozialistischen Umgestaltung in diesem Gebiet wurde. Die Sowjetunion lieferte das Erz und die Volksrepublik Polen den Koks für das neue Hüttenwerk. Die Sowjetunion stellte außerdem wichtige Dokumentationen und Projektierungsunterlagen zur Verfügung und entsandte erfahrene Spezialisten. Bis Anfang der 1980er Jahre sprach man in Eisenhüttenstadt mit Hochachtung von dem Metallurgen Michailow und dem Mechaniker Shulgin aus Magnitogorsk, die sich um den Aufbau des Kombinats große Verdienste erwarben. So waren die Errichtung und Entwicklung dieses Werkes Ausdruck des proletarischen Internationalismus und der Entwicklung neuer Beziehungen zwischen den sozialistischen Staaten.

Bereits knapp vier Monate nach Baubeginn sind im EKO die Anlagen des Hochofens I deutlich sichtbar
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Darüber hinaus wurde damit begonnen, 24 Betriebe des Schwermaschinenbaus wiederherzustellen, auszubauen oder neu zu errichten. Darunter waren solche bedeutsamen Betriebe, wie der VEB Bergmann-Borsig, Berlin-Wilhelmsruh, der VEB Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“, Wildau, der VEB Lokomotivenbau Elektrotechnische Werke (LEW) „Hans Baimler“, Henningsdorf, der VEB „7. Oktober“, Berlin-Weißensee, der VEB „8. Mai“, Karl-Marx-Stadt, und der VEB Förderanlagenbau Lauchhammer.

Bei der Lösung dieser schwierigen Aufgabe wurden die Werktätigen (Erwerbstätigen) der DDR tatkräftig von der Sowjetunion unterstützt. So übergab die Regierung der UdSSR in den Jahren von 1950 bis 1953 insgesamt mehr als 120 SAG-Betriebe an die Regierung der DDR. Es handelte sich dabei um Großbetriebe, die unter sowjetischer Leitung zu modernen Produktionsstätten entwickelt worden waren.

Am 31. Dezember 1953 fand die Übergabe der restlichen 33 SAG-Betriebe in die Hände des deutschen Volkes statt. Unser Foto zeigt die Übergabe von Siemans-Plania, zur DDR-Zeit EAW Berlin-Treptow
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Darüber hinaus setzte die Regierung der UdSSR die noch zu zahlenden Reparationen 1950 um 50 Prozent herab und verzichtete 1953 völlig auf ihre Weiterzahlung. So wurden der DDR insgesamt 5,7 Milliarden Dollar Reparationen erlassen. Diese solidarische Hilfe erfolgte, obwohl die Sowjetunion selbst die Kriegsschäden noch nicht überwunden hatte. Unvergessen bleibt auch die umfangreiche Kredithilfe, welche die Sowjetunion in den Jahren des sozialistischen Aufbaus der DDR mehrfach gewährte.

Beim Aufbau der Karl-Marx-Allee in Berlin im Jahre 1952
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Ursprünglich hieß die Straße Stalinallee. Da auch in der DDR Stalin verdammt wurde, erfolgte die Umbenennung in Karl-Marx-Allee.

In den 1950er Jahren konnte auch die Energiewirtschaft bedeutend erweitert werden. Durch den Bau beziehungsweise Ausbau der Großkraftwerke Trattendorf, Vockerode, Erzdorf und Lübbenau wurden die Kraftwerkskapazitäten bis 1959 auf 150 Prozent gegenüber 1950 gesteigert.

Das erste Atomkraftwerk der DDR, das mit sowjetischer Unterstützung ab 1957 bei Rheinsberg errichtet wurde, vermittelte wichtige Erfahrungen bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie (Inbetriebnahme 1966).  In der BRD war und ist die Atomenergie sehr umstritten und es gab und gibt stets Proteste im Zusammenhang mit der Atomenergie. Außerdem ist die Atomenergie sehr gefährlich. Jeder menschliche Fehler und jede Naturkatastrophe lösen ein ungeheures Ausmaß an Schäden aus, wie die Erfahrungen aus Tschernobyl und Fukushima zeigen.

Eine wesentliche Rolle beim Aufbau der materiell-technischen Grundlagen des Sozialismus kam der Entwicklung der Chemieindustrie zu. Die chemische Industrie ist neben der energetischen Basis von hervorragender Bedeutung für die Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Unter der Losung Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit“ fand im November 1958 in den Leunawerken eine Chemiekonferenz statt. Sie beschloss ein umfangreiches Programm für die Entwicklung der chemischen Industrie in der DDR. Damit erfolgte die grundlegende Orientierung auf die Petrolchemie und Produktion von Plasten (in der DDR sagte man Plaste anstatt Plastik) und synthetischen Fasern. Das Chemieprogramm der DDR war Bestandteil der Beschlüsse des RGW über die Entwicklung der chemischen Industrie in den Bruderländern.

Allerdings achtete man nicht auf die Umwelt. Außerdem spielten die Finanzen (fehlende Devisen) eine Rolle und die Werke wurden auch später nicht umweltgerecht ausgerüstet, bzw. umgebaut. Diese Schwäche nutzten die Konterrevolutionäre gnadenlos aus. Es entstand die Umweltbibliothek, die Grüne Partei der DDR u.ä.. DIE GRÜNEN der BRD mischten bei den Konterrevolutionären Aktivitäten kräftig mit.  So ernst war es ihnen mit der Umwelt anscheinend nicht, obwohl sie sich als Umweltpartei darstellen. Denn sie gaben natürlich keine Finanzen, um die Chemiewerke umweltgerecht auszurüsten. Stattdessen gaben sie den Konterrevolutionären finanzielle und logistische Hilfe.

Entscheidende Voraussetzungen für die Entwicklung der Petrolchemie schuf der Bau der Erdölleitung „Freundschaft“ von der Sowjetunion über die Volksrepublik Polen in die DDR.  

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre erhöhte die Sowjetunion infolge der Ölkrise den Ölpreis für ihre osteuropäischen Abnehmer und Anfang der achtziger Jahre senkte sie sogar die Rohölmenge von 19 auf 17 Millionen Tonnen. (siehe Wikipedia).

Das Kombinat „Otto Grotewohl“ in Böhlen nahm 1967 die Erdölverarbeitung auf
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-F1228-0014-001 / Koch, Heinz / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5433458

Wie die Erfahrungen aus der Sowjetunion lehrten, kam es darauf an, die Schaffung sozialistischer Produktionsverhältnisse in Industrie und Landwirtschaft eng mit der Errichtung der materiell-technischen Basis des Sozialismus zu verbinden. Diese Aufgabe stellte die DDR vor besondere Probleme: Hier fehlte zum Beispiel fast völlig eine Hüttenindustrie. Imperialistische Kräfte der BRD versuchten unter anderem durch das Sperren bereits vereinbarter Stahllieferungen, die DDR ökonomisch zu erpressen. Unter diesen Umständen war der Aufbau einer eigenen Hüttenindustrie und die Entwicklung des Schwermaschinenbaus für die DDR eine Lebensfrage. Dieser Situation trug der erste Fünfjahrplan Rechnung.

Auf der Grundlage des Chemieprogramms wurde Ende der 1950er Jahre mit dem Bau des Chemiefaserwerkes Guben begonnen. Es begann der Bau des Petrolchemischen Kombinats Schwedt und der Aufbau von Leuna II. In den Buna-Werken wurde eine neue Karbidfabrik errichtet. Im Kunstfaserwerk in Schwarza entstand eine neue Dederonseidenanlage (etwas Ähnliches wie Nylon). Mit dem Bau eines Schwefelsäurewerkes wurde in Coswig begonnen.

Seit 1957 wurde am Rostocker Überseehafen gebaut. Es entstand die Volkswerft Stralsund.

64 000 Tonnen Steine sind für den Molenbau des Rostocker Hafens verarbeitet worden. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1958
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Das Zementwerk Karlsdorf II begann 1959 mit der Produktion. Am Rande von Frankfurt (Oder) wurde das Halbleiterwerk errichtet, dem für den wissenschaftlich-technischen Fortschritt und die Entwicklung der Elektronik in der DDR eine wesentliche Bedeutung zukam. In Schwedt wurde neben dem Petrolchemischen Kombinat eine Papierfabrik gebaut. Im Kreis Spremberg begann der Bau des ersten Fernsehkolbenwerkes der DDR. Bei Lauchhammer entstanden die Großkokerei und die Stadt Hoyerswerda.

Durch den Aufbau neuer volkseigener Betriebe wurde das Gesicht ganzer Bezirke, wie Rostock, Neubrandenburg, Frankfurt (Oder) und Cottbus, in denen früher fast ausschließlich Agrarproduktion betrieben wurde, verändert. Nach dem Sieg der Konterrevolution und folglich des Kapitalismus, ist von dem damals mühsam Aufgebauten nichts mehr übrig. Nun ist dort Ödland. Die Einwohner dort sind entweder weggezogen, alte Leute oder perspektivlose Sozialfälle.

Die Arbeiterklasse erwies sich damals unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei als entscheidende Kraft und Schöpfer der materiell-technischen Grundlagen des Sozialismus. Sie nahm die meisten Entbehrungen und Opfer auf sich, um trotz Schwierigkeiten die Grundlagen des Sozialismus zu errichten. Sie brachte die Neuerer- und Rationalisierungsbewegung hervor, die 1952 vom VEB Transformatoren- und Röntgenwerk Dresden ausging. Die von der Zittauer Weberin Frida Hockauf geprägten Worte „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben“ wurden zur populärsten Losung in der Zeit des ersten Fünfjahrplanes.

Unter Führung der Arbeiterklasse und der SED entwickelte sich in den 1950er Jahren eine breite Aktivisten- und Wettbewerbsbewegung. Der sozialistische Wettbewerb wurde immer mehr zur Hauptform des Kampfes der Werktätigen für die Lösung der ökonomischen Aufgaben und die weitere Entwicklung des sozialistischen Bewusstseins. Das fand seinen Ausdruck in dem Kampf um den Ehrentitel „Brigade der sozialistischen Arbeit“, zu dem Anfang 1959 die Jugendbrigade „Nikolei Mamani“ aus dem Elektrotechnischen Kombinat Bitterfeld aufrief.

Dies alles stärkte die führende Rolle der Arbeiterklasse. Sie umfasste am Ende der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus etwa drei Viertel der Bevölkerung der DDR. Ab den 1980er Jahren wendete sich das Blatt. Die Bevölkerung der DDR wurde immer unzufriedener und interesseloser. So begann der Übergang zurück zum Kapitalismus.

Über die Hälfte der Arbeiterklasse war in sozialistischen Großbetreiben beschäftigt. Aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess, ihrer Erfahrungen im Klassenkampf und beim Aufbau des Sozialismus verfügte die Arbeiterklasse über eine hohe Organisiertheit und Disziplin. Die Arbeiterklasse erwirtschaftete den größten Teil des Nationaleinkommens und schuf damit die materiellen und finanziellen Mittel für die Entwicklung aller Bereiche der Gesellschaft und für eine ständige Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen des ganzen Volkes. Das geriet später in Vergessenheit.

Neben der Errichtung der Grundlagen des Sozialismus in der Industrie war die Schaffung sozialistischer Produktionsverhältnisse in der Landwirtschaft die wichtigste Aufgabe der 1950er Jahre.  Bereits zu Beginn des ersten Fünfjahrplanes zeigte sich, dass die einzelbäuerlichen Wirtschaften einer weiteren Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion Grenzen setzten. Die großen Maschinen der Maschinenausleihstationen konnten auf den kleinen Feldern nur ungenügend eingesetzt werden. Eine umfassende Anwendung der modernen Erkenntnisse der Agrarwissenschaften war ebenfalls möglich.

Entsprechend dem Leninistischen Genossenschaftsplan und den Erfahrungen der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten orientierte die Partei der Arbeiterklasse deshalb auf den Zusammenschluss der Bauern in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG).  Dies war der einzig mögliche Weg, um die Vorzüge der landwirtschaftlichen Großproduktion auszunutzen, die Arbeit der werktätigen Bauern zu erleichtern und das Bündnis mit der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauern zu festigen.

Das war jedoch eine komplizierte Aufgabe, weil die Bauern mit althergebrachten Arbeitsmethoden und Lebensgewohnheiten brechen mussten. Zudem verstärkten die kapitalistischen Kräfte im Bunde mit imperialistischen Kreisen der BRD ihre antikommunistische Hetze und veranlassten viele Bauern zur Republikflucht. Aufgrund der schöpferischen und konsequenten Anwendung des Leninschen Genossenschaftsplanes durch die SED gelang es dem Gegner jedoch nicht, das Bündnis zwischen Arbeiterklasse und werktätigen Bauern zu untergraben.

Nachdem die ersten Bauern in den Gemeinden Worin, Merxleben und Schafstedt sich zu LPGs zusammengeschlossen hatten, wurden bis Ende des Jahres 1952 über 1 900 LPGs gegründet. Zur Unterstützung der jungen LPGs beschloss die Regierung der DDR zahlreiche Maßnahmen, darunter Steuer- und Ablieferungsvergünstigungen sowie die Herabsetzung der Kosten für Leistungen der Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS).

Tausende Arbeiter folgten einem Aufruf des Zentralkomitees der SED und halfen den Genossenschaftsbauern bei der Organisierung der sozialistischen Großraumwirtschaft. Zahlreiche VEBs und Institutionen schlossen Patenschaftsverträge mit den Genossenschaften ab. Auch Studierende und Schülerinnen und Schüler unterstützten durch Ernteeinsätze die Entwicklung der Genossenschaften. Von Jahr zu Jahr stellte der sozialistische Staat der Landwirtschaft mehr moderne Maschinen zur Verfügung.

Die relativ schnelle Festigung der LPGs ermöglichte es bereits im Dezember 1954, auch Großbauern als Mitglieder aufzunehmen. Etwa 2 000 Großbauern machten schon bis 1955 von dieser Möglichkeit Gebrauch. Auf diese Weise wurde es möglich, die Reste der Ausbeuterklassen auf dem Lande ohne Enteignung in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen. Die gut wirtschaftenden LPGs bewiesen gegen Ende der 1950er Jahre immer überzeugender die Vorzüge der mechanisierten genossenschaftlichen Produktion. Unter diesem Eindruck dieser Tatsachen und aufgrund beharrlicher Überzeugungsarbeit der SED, der befreundeten Parteien und der örtlichen Volksvertretungen überwand schließlich die Mehrheit der Einzelbauern ihre Vorurteile. Im Dezember 1959 konnte der Kreis Eilenburg im Bezirk Leipzig als erster Kreis der DDR berichten, dass sich alle Bauern in LPGs vereinigt hatten. Diesem Beispiel folgten in den ersten Monaten des Jahres 1960 auch die Bauern in den übrigen Kreisen und Bezirken der DDR. Im „sozialistischen Frühling“ des Jahres 1960 fand die knechtende Unterordnung der Bauern unter die Bedingungen der einzelbäuerischen Wirtschaft in der DDR für immer ihr Ende. Die Klasse der Genossenschaftsbauern bewirtschaftete fast 85 Prozent und die Volkseigenen Güter 8 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der DDR.

So sah es auf dem Wirtschaftshof der LPG Trinwillershagen 1956 aus
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die nachfolgenden Statistiken stellen den damaligen Stand dar. 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Auch den Mittelschichten und noch vorhandenen kapitalistischen Unternehmern wurde in den 1950er Jahren eine neue Perspektive eröffnet. Auf ihrer 3. Parteikonferenz im März 1956 beschloss die SED den Handwerkern, Einzelhändlern und Unternehmern den Übergang zu sozialistischen Produktionsverhältnissen zu ermöglichen.

Die SED berücksichtigte dabei Vorschläge von Angehörigen dieser Schichten und der befreundeten Parteien. So entstanden die ersten Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH). Im Februar 1956 hatten sich die Parteivorstände der CDU und der LDPD mit privatkapitalistischen Unternehmern beraten und dabei erklärt, dass es notwendig und wünschenswert sei, auf dem Wege staatlicher Beteiligung allmählich zu sozialistischen Produktionsformen überzugehen. Den privaten Einzelhändlern und Gewerbetreibenden wurde der Abschluss von Kommissionsverträgen mit HO und Konsum vorgeschlagen (Handelsketten in der DDR). Im Kapitalismus findet man ähnliches, wo sich selbstständige Händler großen Handelsketten anschließen.

Den kapitalistischen Unternehmern in der Industrie und im Bauwesen wurde die Aufnahme einer finanziellen staatlichen Beteiligung an ihrem Betrieb ermöglicht. Für die sozialistische Volkswirtschaft ergab sich damit die Möglichkeit einer engeren Einbeziehung dieser Bereiche in die staatlichen Pläne.

Diese Leistungen, die unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei vollbracht wurden, bildeten die Grundlage für den vorläufigen Sieg des Sozialismus der bis 1989/90 bestehenden DDR.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die ersten Maßnahmen der Arbeiter- und Bauernmacht

Mit der Gründung der DDR besaßen die von der SED geführte Arbeiterklasse und ihre Verbündeten die notwendige staatliche Basis, um die Errungenschaften der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung zu sichern, ihre Macht weiter auszubauen und die Grundlagen des Sozialismus zur errichten. Politisch erfahrende und im Klassenkampf bewährte Funktionäre der SED übernahmen die entscheidenden Positionen in der Regierung, in den anderen staatlichen Organen (Institutionen) und in der Wirtschaft.

Angehörigen der Blockparteien wurden wichtige Funktionen übertragen. Von den 18 Ministern der ersten, von Otto Grotewohl gebildeten Regierung gehörten acht der SED, vier der CDU, drei der LDPD, je einer der NDPD und der DBD an. Ein Minister war parteilos.

Die von der Volkskammer angenommene Verfassung verankerte die revolutionären Errungenschaften der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung. Sie erhob die Ausübung der Staatsgewalt durch die Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern und anderen Werktätigen (Erwerbstätigen), die Vernichtung der Monopole und des Großgrundbesitzes und die Schaffung einer volkseigenen Wirtschaft zu Verfassungsgrundsätzen. Sie erklärte alle Bodenschätze und Naturreichtümer zu Volkseigentum. Der antiimperialistische Charakter der Verfassung sicherte, dass die revolutionäre Umwälzung weitergeführt und dem Aufbau des Sozialismus der Weg gebahnt wurde.

In völliger Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Verfassung hob Otto Grotewohl in seiner Regierungserklärung vom 12. Oktober 1949 hervor, dass die Staatsmacht der Arbeiter und Bauern dazu dienen sollte, die revolutionären Umgestaltungen in der DDR fortzusetzen und dem Kampf um den Frieden, gegen die imperialistische Kriegs- und Spaltungspolitik eine feste Basis zu geben. Als wichtigste außenpolitische Aufgabe bezeichnete Otto Grotewohl in seiner Regierungserklärung die weitere Vertiefung der Freundschaft zur Sowjetunion. Sie müsse ihre Ergänzung finden im freundschaftlichen Verhältnis zu den Volksdemokratien (osteuropäische Länder), besonders zur polnischen Volksrepublik und der tschechoslowakischen Republik. Der Ministerpräsident erkannte im Namen aller Fraktionen der Volkskammer die Oder-Neiße-Grenze als rechtsgültig und endgültig an und wandte sich entschieden gegen jede Völkerverhetzung.

Am 15. Oktober 1949 nahmen die DDR und die UdSSR diplomatische Beziehungen auf. Sie und die darauffolgende Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und den volksdemokratischen Staaten (osteuropäische Staaten) waren Ausdruck des Vertrauens der Völker in die demokratischen Kräfte des deutschen Volkes. Die diplomatischen Anerkennungen trugen dazu bei, das Ansehen des deutschen Volkes Schritt für Schritt zurückzugewinnen.

Am 6. Juli 1950 unterzeichneten die Ministerpräsidenten Cyrankiewitz und Grotewohl im Namen ihrer Regierung das „Abkommen über die Markierung der Oder-Neiße-Grenze“ als einer Grenze des Friedens und der Freundschaft
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Im Juli 1950 weilte eine Regierungsdelegation der DDR zu Verhandlungen in Warschau, Prag und Budapest. Das Ergebnis der Beratungen bestand in der Deklaration über die beiderseitige Markierung der Oder-Neiße-Grenze als einer Grenze des Friedens und der Freundschaft zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk. Am 6. Juli 1950 unterzeichneten die Ministerpräsidenten beider Staaten ein entsprechendes Abkommen in der polnischen Grenzstadt Zgorzelec. Es leitete eine grundlegende Wende in der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen ein. Mit diesem ersten völkerrechtlichen Vertrag der DDR wurden die Voraussetzungen für friedliche und gutnachbarliche Beziehungen zwischen der DDR und Volkspolen geschaffen.

Boleslav Bierut: „In der Tat, die Geschichte hat uns..dazu berufen, ein für allemal die Kluft, die im Laufe der Eroberung und des Imperialismus, begleitet von Brand und Vernichtung, zwischen unseren Völkern aufgerissen hat, verschwinden zu lassen…“
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Er errichtete eine Barriere gegen die revanchistischen Kreise in der BRD, die die Ergebnisse des II. Weltkrieges nicht anerkennen wollten. Das Abkommen verdeutlichte, dass die DDR radikal mit der aggressiven Außenpolitik der deutschen Großbourgeoisie gebrochen hatte und willens war, als deutscher Friedensstaat in Europa zu wirken.

Auf Initiative der SED verabschiedete die Volkskammer der DDR ein umfassendes Gesetzeswerk zur Festigung und Weiterentwicklung der Staatsmacht.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Das „Gesetz zum Schutze der Arbeitskraft der in der Landwirtschaft Beschäftigten“ vom Dezember 1949 schränkte die kapitalistische Ausbeutung auf dem Land ein und sicherte den Landarbeitern soziale und politische Rechte, z.B. den 8-Stundentag und den bezahlten Jahresurlaub.

Das „Gesetz über die Teilnahme der Jugend am Aufbau der DDR und über die Förderung der Jugend in Schule und Beruf, bei Sport und Erholung“ vom Februar 1950 sah umfassende Maßnahmen zur Förderung der Jugend vor. Ihr sollten verantwortliche Aufgaben zur Leitung von Staat und Wirtschaft übertragen werden. Die Arbeitszeit für Jugendliche bis 16 Jahre wurde auf 42 Stunden, für Jugendliche bis 18 Jahre auf 45 Stunden wöchentlich festgelegt. Die FDJ wurde als Interessenvertretung der Jugend gesetzlich anerkannt. Mit einem Gesetz vom Mai 1950 setzte die Volkskammer das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 Jahre herab.

Die Volkskammer der DDR nimmt in Anwesenheit von Jugenddelegationen am 8. Februar 1950 das Gesetz zur Förderung der Jugend an
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Das „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ vom September 1950 legte die Grundsätze für die Gleichstellung der Frau in Ehe und Familie fest. Es schuf weitgehende Voraussetzungen, damit die verfassungsmäßig festgelegte Gleichberechtigung der Frauen in der DDR verwirklicht werden konnte. Zur Förderung der Frauen, zum Schutze von Mutter und Kind und zur Erleichterung des Lebens von Frauen stellte der Staat umfangreiche Mittel zur Verfügung.

Unter den von der Volkskammer beschlossenen Gesetzen nahm das Gesetz zum Schutze des Friedens einen hervorragenden Platz ein. Es erklärte die Kriegspropaganda und die Rassen- und Völkerhetze zu einem der schwersten Verbrechen gegen die Menschheit und wurde zu einer Waffe im Kampf gegen reaktionäre und konterrevolutionäre Kräfte.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Zum Schutz der revolutionären Errungenschaften der DDR schuf die Volkskammer auf Initiative der SED im Februar 1950 das Ministerium für Staatssicherheit. Gemeinsam mit dem Ministerium des Innern, dem Obersten Gericht und der Obersten Staatsanwaltschaft entwickelte es sich zu einem wirksamen Instrument der Arbeiter- und Bauernmacht, mit dem alle imperialistischen Anschläge gegen die beginnende Entwicklung in der DDR zerschlagen werden konnten. 1989 vermochte das Ministerium für Staatsicherheit nicht die DDR zu schützen. Bis heute ist das Ministerium für Staatssicherheit der DDR verhasst. Nach dem Sieg der Konterrevolution 1989/90 und der Annexion der DDR im Jahre 1990 ist eine staatliche Behörde (BStU) geschaffen worden, die angeblich die Akten verwalten soll. Darüber hinaus verbreitet sie antikommunistischen Hass und fälscht sogar Akten.

Eine hervorragende Rolle bei der Sicherung der DDR spielt die Deutsche Volkspolizei. Sie war unmittelbar nach der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus von bewährten Antifaschisten aufgebaut worden. Als zentralgeleitetes bewaffnetes Organ (Behörde) wurde sie Bestandteil der neuen Staatsmacht der DDR. Der Volkspolizei wurden größere Aufgaben bei der Sicherung des Staates übertragen. Die Bereitschaften der Deutschen Volkspolizei wurden ausgebaut; aus ihnen ging Ende 1952 die Kasernierte Volkspolizei (KVP) hervor. Ehemalige Widerstandskämpfer und Antifaschisten, Kämpfer der Internationalen Brigaden in Spanien, Funktionäre und Mitglieder der KPD und SED stellten sich dem Aufbau der Volkspolizei, bzw. der KVP zur Verfügung, wie zum Beispiel Armeegeneral Heinz Hoffmann, Generaloberst Heinz Keßler und Admiral Waldemar Verner. Tausende Funktionäre und Mitglieder der FDJ erklärten sich zum freiwilligen Dienst in der KVP bereit.

Der junge Staat hat verlässliche Beschützer: Am 1. Mai 1953 paradiert Kasernierte Volkspolizei vor der Ehrentribüne in Berlin
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die Schutz- und Sicherheitsorgane (-behörden) bewährten sich bei der Zerschlagung imperialistischer Agentengruppen und bei der Aufdeckung schwerer Wirtschaftsverbrechen. Sie trugen dazu bei, die demokratische Gesetzlichkeit zur allgemein anerkannten Norm des Zusammenlebens zu erheben. Sie halfen mit, die Werktätigen (Erwerbstätigen) zu neuen Verhaltensweisen gegenüber dem gesellschaftlichen Eigentum und zur Wachsamkeit gegenüber den Feinden der DDR zu erziehen. In den 1980er Jahren gelang dies immer weniger und sie konnten das Ende der DDR nicht verhindern.

Die Besetzung der wichtigsten staatlichen Funktionen mit Vertretern der revolutionären Arbeiterbewegung, die verfassungsmäßige Verankerung grundlegender Ziele der Arbeiterklasse und die ersten Gesetze der Arbeiter- und Bauernmacht in der DDR unterstrichen den neuen Charakter der Staatsmacht. Sie begann die Funktionen der Diktatur des Proletariats (dieser Begriff ist heute missverständlich) auszuüben: die wirtschaftlich-organisatorische, die kulturell-erzieherische und die Schutzfunktion. Dies bröckelte in den 1980er-Jahren, bis sie dies 1989/90 nicht mehr vermochte und die Konterrevolution gesiegt hat.

Die Errichtung der politischen Macht der Arbeiterklasse in der DDR war die unerlässliche Voraussetzung dafür, dass nunmehr die Grundlagen des Sozialismus erreichtet werden konnten.

Aus der Resolution der Berner Parteikonferenz der KPD (1939): „Die neue demokratische Republik wird die Schwächen der Weimarer Republik gegenüber der Reaktion nicht wiederholen…“  In der DDR wurde diese geschichtliche Lehre zunächst beherzigt, doch es wurden neue Fehler gemacht. Die Konterrevolution hat gesiegt.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die ersten Maßnahmen der Arbeiter-und Bauernmacht

Das Heranreifen von Bedingungen für den Übergang zur sozialistischen Revolution in der sowjetischen Besatzungszone

Seit 1946 sind in der sowjetischen Besatzungszone entscheidende Machtgrundlagen des Imperialismus beseitigt worden. Mit diesen grundlegenden Änderungen des gesellschaftlichen Lebens hatten die Arbeiterklasse, die über eine einheitliche revolutionäre Partei verfügte, und ihre Verbündeten in der sowjetischen Besatzungszone eine Ordnung errichtet, die ihrem sozialen Inhalt nach eine revolutionär-demokratische Diktatur der Arbeiter und Bauern (Aus heutiger Sicht ist das ein missverständlicher Begriff.) darstellte. Neben der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauern beteiligten sich auch Angehörige der städtischen Mittelschichten und der nichtmonopolitischen Bourgeoisie an der Machtausübung.

Die antifaschistisch-demokratische Ordnung hatte viele wichtige Gemeinsamkeiten mit den ökonomischen und politischen Verhältnissen in den Volksdemokratien (osteuropäische Länder). Die war aber im Unterschied zu diesen nicht aus dem antifaschistischen Befreiungskampf hervorgegangen. Ein wesentlicher Unterschied zu den volksdemokratischen Revolutionen (Osteuropa) bestand darin, dass sich die revolutionären Umgestaltungen in der sowjetischen Besatzungszone auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens vollzogen. Sie waren eng mit dem Kampf um einen Friedensvertrag und einen einheitlichen deutschen Staat verknüpft. Diese Aufgabe musste die SED berücksichtigen, als sich zwischen 1946 und 1948 unter ihrer Führung die antifaschistisch-demokratische Ordnung weiterentwickelte und festigte.

Die Arbeiterklasse und andere Werktätige (Erwerbstätige) hatten in diesen Jahren bis 1948 große Schwierigkeiten zu überwinden. Viele der dem Monopolkapital entrissenen Betriebe waren heruntergewirtschaftet und in schlechtem technischem Zustand. Überall mangelte es an Rohstoffen. Die einfachsten Gegenstände des täglichen Bedarfs waren nur auf Bezugsscheine erhältlich. Die Arbeitsproduktivität betrug im Jahre 1947 nur 56 Prozent des Standes von 1936; in Sachsen sank die Industrieproduktion von Oktober 1946 bis Februar 1947 um nahezu 40 Prozent. Der ungewöhnlich lange und strenge Winter 1946/47 verschärfte erheblich die Situation. 200 000 Tonnen Kohle aus dem Ruhrgebiet trafen nicht ein, weil die erstarkende Reaktion in den Westzonen die neue gesellschaftliche Ordnung in der sowjetischen Besatzungszone wirtschaftliche erdrosseln wollte.

Zerstörte Industrieanlagen in den westlichen Besatzungszonen und der sowjetischen Besatzungszone
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In dieser Lage folgten viele Menschen der desorientierten Losung: „Erst besser leben, dann mehr arbeiten!“  Andere glaubten der antisowjetischen Hetze, dass nicht der räuberische Krieg des deutschen Imperialismus und seine Folgen, sondern die im Potsdamer Abkommen festgelegten Wiedergutmachungsleistungen Ursache der Not und des Elends seien.

Am 11. Januar 1947 beschloss die SMAD im Auftrag der Sowjetregierung und nach vorheriger Absprache mit den Vorsitzenden der SED, die Demontage einzustellen und die Reparationslieferungen aus der laufenden Produktion herabzusetzen. Von den 202 SAG-Betrieben übergab die Sowjetunion 74 in Volkseigentum. Diese Entscheidung sicherte vielen Tausenden Arbeitern und Angestellten ihre Arbeitsplätze und stärkte die volkseigene Industrie als Basis der antifaschistisch-demokratischen Ordnung.

Im Herbst 1947 konnte die SED bereits einschätzen, dass es bedeutende Erfolge in der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung gab. Die Arbeiterklasse hatte sich unter Führung der SED zur bestimmenden Kraft der antifaschistisch-demokratischen Ordnung entwickelt. Es ging jetzt darum, die Wirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone planmäßig zu entwickeln und damit bespielhaft auf die Werktätigen (Erwerbstätigen) in den Westzonen zu wirken.

Der wirtschaftliche Aufbau sollte aus eigener Kraft, ohne Abhängigkeit vom Imperialismus, vor sich gehen. Unter der LosungMehr produzieren, gerechter verteilen, besser leben!“ mobilisierte die SED alle Werktätigen (Erwerbstätigen) für die Weiterführung der revolutionären Umgestaltung, für die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse.

Der planmäßigen Entwicklung und Leitung der Volkswirtschaft diente die Bildung der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK). Sie wurde im Juni 1947 als zentrales beratendes Organ (Institution) der SMAD ins Leben gerufen und im Februar 1948 mit weitergehenden Vollmachten ausgestattet. Sie übernahm die gesetzgeberische und administrative Verantwortung für den wirtschaftlichen Aufbau in der sowjetischen Besatzungszone und koordinierte ihn. Damit legte die SMAD die von ihr bis dahin ausgeübte Funktion der Wirtschaftsplanung und -leitung in die Hände bewährter Antifaschisten. Zum Leiter der Deutschen Wirtschaftskommission wurde der ehemalige Spanienkämpfer und SED-Politiker Heinrich Rau ernannt.

Mit den Beschlüssen über den Zweijahrplan 1949/50 und über die Festigung der neuen Staatsorgane (staatl. Institutionen) leitete die SED Mitte des Jahres 1948 die Etappe der allseitigen Festigung der antifaschistisch-demokratischen Ordnung ein. Der Zweijahrplan stellte den Übergang zur langfristigen Wirtschaftsplanung in der sowjetischen Besatzungszone dar. Die entscheidende sozialökonomische Grundlage für diesen Schritt waren die volkseigenen sowie die SAG-Betriebe. Durch den Ausbau der vorhandenen und den Aufbau neuer volkseigener Betriebe sowie die Steigerung ihrer Produktion wurde die Überlegenheit des Volkseigentums bewiesen und sein Übergewicht in der Volkswirtschaft hergestellt.

Plakat zum Zweijahrplan 1949/50
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Am Beginn des Zweijahrplanes wurde 1949 diese erste 100-Meter-Halle der Warnowwerft errichtet.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Während der Jahre 1949/50 entstanden solche wichtigen Betriebe, wie die Stahlwerke Brandenburg, Henningsdorf und Riesa, die Maxhütte Unterwellenborn, das Kupferwerk Ilsenburg und das Stickstoffwerk Piesteritz. Der Ausbau der Kraftwerke Böhlen, Espenhain und Zschornewitz wurde in Angriff genommen.

Der ursprüngliche Planvorschlag sah vor, die industrielle Produktion auf 81 Prozent des Standes von 1936 zu steigern; erreicht wurden am Ende 1950 110,7 Prozent. Das hätten die Werktätigen (Erwerbstätigen) der sowjetischen Besatzungszone nicht ohne die Hilfe der UdSSR verwirklichen können. Ungeachtet ihrer eigenen großen Schwierigkeiten bei der Überwindung der Kriegsschäden, unterstützte sie den Neuaufbau.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Traktoren aus der Sowjetunion treffen in der sowjetischen Besatzungszone ein.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In vielen volkseigenen Betrieben unterbreiteten Werktätige (dort arbeitende) Vorschläge zur Erfüllung und Übererfüllung des Zweijahrplanes. Auch die demokratischen Kräfte der CDU und LDPD unterstützten seine Ziele. Reaktionäre Politiker dieser beiden Parteien setzten ihm jedoch heftigen Widerstand entgegen. Die erkannten, dass mit der Erfüllung des Zweijahrplanes die Arbeiterklasse und deren Verbündete ihre führenden Positionen stärken würden, dass sich damit die Aussichten auf eine Wiederherstellung der alten Besitz- und Machtverhältnisse verschlechterten. Sie waren dafür, den privatkapitalistischen Sektor der Volkswirtschaft auf Kosten des volkseigenen zu stärken. Die SED mobilisierte alle Kräfte, um die konterrevolutionären Anschläge abzuwehren. Sie half den fortschrittlichen Kräften in den verbündeten Blockparteien, die schwierigen Probleme der revolutionären Umwälzung in der sowjetischen Besatzungszone besser zu verstehen. Innerhalb der CDU und LDPD führten die politischen Auseinandersetzungen zu einer weiteren Isolierung der reaktionären Politiker.

Im Frühjahr 1948 wurden zwei kleinbürgerlich-demokratische Parteien gegründet: die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD).              Die NDPD bezog auch ehemalige Nazianhänger und Militärangehörige, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hatten, in das politische Leben ein. Beide Parteien entstanden auf dem Boden der antifaschistisch-demokratischen Ordnung und schlugen von Anfang an einen entschiedenen demokratischen Weg an der Seite der Arbeiterklasse ein. Die Gründung dieser Parteien, die die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei, der SED anerkannten, und ihre Aufnahme in den Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien schwächten den Einfluss reaktionärer Politiker der CDU und der LDPD. Sie erleichterte den weiteren Zusammenschluss aller demokratischen Kräfte um die Arbeiterklasse. In der alten BRD sowie im heutigen Deutschland werden diese Parteien als „Blockflöten-Parteien“ verspottet. Doch es ist doch überall so, dass nur staatstragende Parteien legal agieren können. Auch z.B. die DKP bekennt sich zum Grundgesetz. Ansonsten wäre ihre Existenz nicht möglich.

Im Kampf um die Steigerung der Produktion entwickelte sich bereits 1948 unter Führung der SED einer breiten Aktivistenbewegung. Ihr Initiator war der Bergmann Adolf Hennecke, dessen Namen die Bewegung erhielt. Hennecke erfüllte am 13. Oktober 1948 im Karl-Liebknecht-Schacht in Oelsnitz seine Norm (Akkord) mit 387 Prozent. Diese Leistung erreichte er nach gründlicher Arbeitsvorbereitung und durch rationellen Einsatz der vorhandenen Technik.

 

Adolf Hennecke vollbringt am 13. Oktober 1948 seine historische Förderleistung
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Dies klingt unglaublich. Auch damals begegneten die arbeitenden Menschen der Leistung von Adolf Hennecke mit Unglauben. Aber politisch bewusste Arbeiter griffen sie begeistert auf.

Von Gegnern der neuen Ordnung wurde Adolf Hennecke angefeindet und mit üblen Verleumdungen überschüttet. Das setzt sich bis heute fort. Es ist nicht gelungen bei den Arbeitern in der alten BRD die Tat des Adolf Hennecke verständlich zu machen. Wer in der kapitalistischen Welt den „Akkord kaputt macht“ gilt als „Kollegenschwein“, bzw. als Verräter. Denn Arbeiter, die in der kapitalistischen Welt von sich aus Höchstleistungen vollbringen, wollen sich bei den Vertretern der Kapitalisten einschleimern. Sie sind tatsächlich Verräter ihrer Klasse. Wenn die Arbeiterklasse an der Macht ist, verhält sich das anders. Es ist nicht gelungen dies für die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung verständlich zu machen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Nach und nach fanden sich in allen volkseigenen Betrieben Aktivisten, die Hennecke-Schichten leisteten. Die Aktivistenbewegung entstand auf dem Boden des Volkseigentums. Sie bewies, dass die besten Arbeiter immer mehr den neuen Charakter der Arbeit in den volkseigenen Betrieben und ihre Verantwortung als Eigentümer der Produktionsmittel zu verstehen begannen. In den letzten Jahren der DDR ließ dieses Verständnis immer mehr nach. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Arbeiter ihre Betriebe, ihre Arbeitsplätze während der Konterrevolution nicht verteidigten.

Die Aktivistenbewegung trug entscheidend dazu bei, die Wirtschaftspläne zu erfüllen, die Lebenslage der Bevölkerung zu verbessern und das Bündnis der Arbeiterklasse mit den Bauern und den anderen Erwerbstätigen weiterzuentwickeln.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR 

Übergang zur sozialistischen Revolution in der sowjetischen Besatzungszone 

Adolf Hennecke

Adolf Hennecke, geboren am 25 März 1905 in Meggen/Westfalen; gestorben am 22. Februar 1975 in Berlin/DDR war FDGB– und SED-Funktionär. Berühmt wurde er durch seine Höchstleistung als Bergmann und Namensgeber der Hennecke-Aktivistenbewegung in der DDR.

Adolf Hennecke (1949)
Bildquelle: Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6536081

Hennecke war der Sohn eines Bergmanns und wuchs nach dem Tod seiner Eltern bei seinem Onkel auf. Nach der Schule absolvierte er von 1919 bis 1922 eine kaufmännische Lehre. Ab 1925 arbeitete er als Bergmann und wechselte 1926 in den sächsischen Steinkohlenbergbau nach Oelsnitz/Erzgeb. 1931 trat er in die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition und nach dem II. Weltkrieg 1946 in die SPD ein und wurde mit der Vereinigung von SPD und KPD SED-Mitglied. 1948 wurde er in die Betriebsgewerkschaftsleitung gewählt und war Mitglied der Wettbewerbskommission des Karl-Liebknecht-Werkes sowie im Verwaltungsrat der VVB Kohle. 1950 wurde Hennecke zum Studium an die Bergakademie Freiberg delegiert. Im Oktober 1950 wurde er in die Volkskammer gewählt. Später wurde Adolf Hennecke leitender Mitarbeiter der Staatlichen Plankommission der DDR und war bis zu seinem Tod Mitglied des Zentralkomitees der SED.

Adolf Hennecke wurde, nachdem der jüngere Bergmann Franz Franik die Durchführung einer Hochleistungsschicht abgelehnt hatte, da er die Reaktionen seiner Kollegen auf die „von oben“ angeordnete Sonderschicht fürchtete, vom Revierdirektor ausgewählt, um nach dem Vorbild des sowjetischen Bergmanns Alexei Stachanow eine Aktivistenbewegung in der Sowjetischen Besatzungszone (der späteren DDR) zu initiieren. Hennecke war 43 Jahre alt, SED-Mitglied und hatte eine Parteischule besucht. Anfangs weigerte er sich, da er befürchtete, dass ihm die Arbeitskollegen diese Aktion übelnehmen könnten (was dann auch in Form des Rufes Normbrecher geschah). Aber später erklärte er sich bereit, seine Hochleistungsschicht zu fahren. Der Unterschied zwischen einem „Strebi“, der in der kapitalistischen Welt den Akkord kaputt macht und einem Aktivisten in der sozialistischen Welt, der die Norm bricht, war der Mehrheit der arbeitenden Menschen nicht bekannt. So galt jemand, der den Akkord kaputt macht, bzw. die Norm bricht, überall als „Kollegenschwein“, bzw. Arbeiterverräter.

Adolf Hennecke vollbringt am 13. Oktober 1948 seine historische Förderleistung
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Adolf Hennecke fuhr in den Karl-Liebknecht-Schacht des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers ein und förderte am 13. Oktober 1948 statt der üblichen 6,3 Kubikmeter (Hauer-Norm) in einer gut vorbereiteten Schicht 24,4 Kubikmeter Kohle. Die Abbaustelle hatte er sich am Tag zuvor ausgesucht. Damit erfüllte er die Arbeitsnorm mit 387 Prozent. Für diese Leistung erhielt Hennecke 1,5 Kilogramm Fettzulage, drei Schachteln Zigaretten, eine Flasche Branntwein, 50 Mark Geldprämie sowie einen Blumenstrauß des Kollektivs (des Teams). Diese Normübererfüllung wurde zum Auslöser der sogenannten Hennecke-Bewegung. Ein Jahr später erhielt Hennecke 1949 als eine der ersten Personen den neu gestifteten Nationalpreis der DDR I. Klasse, der mit 100.000 Mark dotiert war. 1965 und 1970 wurde er mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold geehrt und 1964 mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet.

Der 13. Oktober wurde in der SED-Geschichtsschreibung zum Jahrestag der bahnbrechenden Tat Adolf Henneckes“ und in der DDR als Tag der Aktivisten gefeiert.

Plakat der Hennecke-Aktivistenbewegung 1948
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 175-01453 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5338535
Propagandaplakat der Bewegung (Fotomontage mit einmontierten Arbeitern)
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 175-00118 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5337526

Die erste Hennecke-Aktivisten-Konferenz des FDGB fand am 4. und 5. Februar 1949 in Berlin/DDR der Deutschen Staatsoper (später Metropol-Theater im Admiralspalast) statt. Zum Themenkreis der 1200 Hennecke-Aktivisten aus der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und aus Berlin gehörten u. a. Fragen des Leistungslohns und die Entwicklung der Aktivistenbewegung zu einer Massenbewegung.



Er wurde in der Grabanlage „Pergolenweg“ der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt. Die Grabstätte befindet sich im Pergolenweg 3.

Grab von Adolf und Helene Hennecke
Bildquelle: Von SpreeTom – Self-published work by SpreeTom, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1130953

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR

Was ist eine Errungenschaft?

Das Ziel der Arbeit in der sozialistischen Gesellschaft-allen Menschen ein Leben in sozialer Sicherheit und Wohlstand zu garantieren-macht deutlich, was der Sozialismus für die Menschen bedeutet, wofür die Arbeiterbewegung seit mehr als 150 Jahren gekämpft hat. Was ist für die Menschen im Sozialismus besser und vernünftiger, als im Kapitalismus?

Errungenschaften Sozialismus

Bildquelle: „Sascha´s Welt“ – Gab es einen Sozialismus in der DDR?https://sascha313.wordpress.com/2013/07/23/gab-es-einen-sozialismus-in-der-ddr/

 

Wie der Sozialismus den Interessen der Werktätigen(arbeitenden Menschen) entspricht, wird daran deutlich, dass gerade er auch die schwierigen Probleme der Werktätigen löst. Das ist der Vorzug des Sozialismus.

Solche Vorzüge, die sich die Werktätigen mit dem Sozialismus erkämpft und erarbeitet haben, nennen wir Errungenschaften.

Mit einigen Errungenschaften der DDR, die ja bekanntlich 1989/90 verlorengegangen sind, wollen wir uns beschäftigen. Dabei werden wir uns klarmachen müssen, inwiefern es sich um Errungenschaften handelt.

Errungenschaften DDR

Bildquelle: „Sascha´s Welt“ – Gab es einen Sozialismus in der DDR?https://sascha313.wordpress.com/2013/07/23/gab-es-einen-sozialismus-in-der-ddr/

 

Nehmen wir als Beispiel den Besuch einer Oberschule, Plicht für alle Jungen und Mädchen, ohne Schulgeld, gleich welchen Beruf die Eltern, welches Einkommen, welche Hautfarbe oder Religion sie haben mögen; alle Kinder hatten die gleiche Chance zum Lernen. Das wurde damals als selbstverständlich gesehen. Die Schülerinnen und Schüler in der DDR konnten es sich nicht anders vorstellen. Durch die demokratische Schulreform und den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft wurde das ermöglicht und gesichert.

Schule

Bildquelle: Stadt Netphen, Schulen
https://www.netphen.de/Bildung-Soziales/Bildung/Schulen

 

 

Was gehörte nun zu den wichtigsten, für die Menschen grundlegenden Errungenschaften?

Zu den grundlegenden sozialen und kulturellen Errungenschaften gehörten die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Gewährleistung der Erholung und gesundheitlichen Betreuung, die Sicherung einer hohen Bildung und des gleiches Lohnes für gleiche Arbeit.

Die Sicherheit des Arbeitsplatzeswar eine der wichtigsten Errungenschaften, die die Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei für das gesamte Volk erkämpft hatte. Jede Bürgerin, jeder Bürger der DDR hatte das Recht auf Arbeit, was auch die Pflicht zu arbeiten beinhaltete. Er oder sie hatte das Recht auf einen Arbeitsplatz und konnte diesen entsprechend den gesellschaftlichen Erfordernissen und seiner, bzw. ihrer persönlichen Qualifikation wählen. Ebenso war jeder Schülerin und jedem Schüler eine Ausbildungsstelle(Lehrstelle) garantiert.

sicherer Arbeitsplatz

Bildquelle: Ingenieurbüro Tobias Ritzer GmbH
https://wasserschaden-leckortung.de/index.php/karriere.html

 

Erste Schritte Berufsausbildung

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

 

Durch die Arbeit schaffte der Mensch alle Werte, die in der sozialistischen Gesellschaft dem Volk und jedem einzelnen zugute kamen.  Der gesicherte Arbeitsplatz gab jedem Werktätigen(arbeitende, Menschen) die Möglichkeit sine Bedürfnisse und die seiner Familie durch eigene Arbeit zu befriedigen. Er erlebte das Gefühl, gebraucht zu werden und nützlich zu sein. Das Einkommen aus der Arbeit, der Lohn, war eine wichtige Grundlage für ein Leben in Sicherheit, relativen Wohlstand und Geborgenheit. Heutzutage reicht der Lohn oftmals nicht zum Leben und es muss zusätzlich Hartz IV beantragt werden(Aufstocker). Das hatten sich die Bürgerinnen und Bürger der DDR nicht im Traume vorgesellt. Hätte jemand in die Zukunft sehen und sagen können, was auf sie zukommt, hätten sie es ohnehin nicht geglaubt. Im Sozialismus wurde der Mensch danach beurteilt, was er für die Gesellschaft leistet. Fleißige Arbeit genoss in der DDR höchste Anerkennung. Heute ist der Mensch nur noch ein Kostenfaktor und austauschbar. Die Leistungen genießen, in der Regel, keine Anerkennung, sondern gelten als selbstverständlich.

Nützlichkeit

Bildquelle: Beutner Group
https://beutner-logistik.de/stellenausschreibungen/

 

Arbeitslosigkeit-eine Geißel für die Werktätigen(arbeitende Menschen)

Arbeitslosigkeit

Bildquelle: „Kölner Stadtanzeiger“
https://www.ksta.de/koeln/koeln-archiv/arbeitsmarkt-statistik-von-februar-in-koeln-gibt-es-weniger-arbeitslose–25949448

 

Wir leben im „siegreichen Kapitalismus“. Bereits damals, als in der DDR und in Osteuropa der Sozialismus existierte, konnte das Recht auf Arbeit im Kapitalismus nicht gewährleistet werden. Schon damals waren ständig viele Werktätige(arbeitende Menschen) arbeitslos. Bereits damals erhielten hunderttausende von Jugendlichen keine Ausbildungsstelle(Lehrstelle) oder nach Beendigung ihrer Ausbildung(Lehrzeit) keinen Arbeitsplatz. Bereits damals waren Frauen, Ältere und Behinderte sowie Angehörige nationaler Minderheiten arbeitslos.                                                                                        Damals, das war noch harmlos gegenüber heute, nach Einführung von Hartz IV und Niedriglohnjobs. Wer Hartz IV bezieht ist gezwungen Niedriglohnjobs anzunehmen, damit das ohnehin karge Einkommen nicht gekürzt oder gestrichen wird.

Arbeitsamt BRD

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

 

Bereits als es in der DDR und Osteuropa die gesellschaftliche Alternative Sozialismus gab und in Westeuropa durch Zugeständnisse der Kapitalismus abgemildert werden musste, bedeutete Arbeitslosigkeit für die Betroffenen und ihre Familien nicht nur sozialen Abstieg, bei längerer Arbeitslosigkeit soziale Not, sondern auch eine große seelische Belastung, weil sie sich überflüssig und unnütz fühlten. Diese Situation hat sich heute verschärft. Nach Wegfall der gesellschaftlichen Alternative Sozialismus in Europa, sind die Hartz-Gesetze derart angelegt worden, dass davon ausgegangen wird, dass die Betroffenen unnütz und faul sind. Darum werden sie stets unter Druck gesetzt(Sanktionen, Androhung von Sanktionen), was wiederum die Psyche der Betroffenen belastet.

Hartz IV

Bildquelle: „We act“ Petitionsplattform von Campact
https://weact.campact.de/petitions/erhohung-des-hartz-iv-regelsatzes-sofort

 

Hier Stimmen von Arbeitslosen aus der damaligen Zeit, welche im Staatsbürgerkundebuch der DDR ihren Platz gefunden hatten.

Ein arbeitsloser Arbeiter sagte: Ich bin 56…Von Beruf bin ich Holzfacharbeiter. Ja, da ist leider nichts mehr zu machen, wollen alles junge Kräfte haben.“ Ein anderer: Ich habe den Kontakt zu meiner Umwelt verloren, ich fühle mich einsam, isoliert und überflüssig.“

 

Berlin, Arbeitsamt Sonnenallee, Arbeitslose

Arbeitsamt in Westberlin in den 1980er Jahren

Bildquelle: Wikipedia/Bundesarchiv bitte auf´s Bild klicken

 

Die Arbeitslosigkeit in den kapitalistischen Ländern gibt den Kapitalisten die Möglichkeit, andere für die Werktätigen(arbeitende Menschen) ungünstige Lösungen zu finden, die ihnen selbst aber höheren Profit bringen: Sie zahlen zum Beispiel Jugendlichen und Frauen niedrigere Löhne als erwachsenen männlichen Arbeitern. Nach dem Sieg des Kapitalismus ist Leiharbeit und andere Formen prekärer Arbeitsverhältnisse hinzugekommen. Das „Normalarbeitsverhältnis“ gibt es so gut wie nicht mehr.  Die Arbeitslosigkeit, nach dem Sieg des Kapitalismus verschärfte Sozialgesetze, wie die Hartz-Gesetze in der vergrößerten BRD, gibt den Kapitalisten eine Reserve an Arbeitskräften, von denen viele bereit sind, ja durch die Hartz-Gesetze gezwungen sind, für weniger Geld zu arbeiten. Bei Streiks werden sie gegen ihre Klassenbrüder(und –schwestern) als Streikbrecher eingesetzt. So geschieht dies heute durch Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen.

Leiharbeiter

Bildquelle: Lebensinhalte
http://lebensinhalte.com/leiharbeiter-in-deutschland-moderne-sklaverei-und-menschenhandel/

 

Das Leistungsprinzip

In der DDR war die alte Forderung der Arbeiterbewegung verwirklicht: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“  Das bedeutete die Beseitigung einer großen Ungerechtigkeit. Es war eine Errungenschaft die die Entlohnung nach dem Grundsatz ermöglichte: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“(Dieser alte Spruch aus der DDR ist zwar in der männlichen Form, meint aber stets Männer und Frauen). Dieses Leistungsprinzip durchzusetzen war nicht leicht, weil es nicht einfach ist, die unterschiedlichen Leistungen exakt zu messen. Deshalb war die bewusste Mitwirkung aller Werktätigen(arbeitende Menschen)auch für die Lösung dieser Aufgabe erforderlich.

Starke-Leistung

 

Bildquelle: Marktplatz für Finanzdienstleister
https://maklerkonzepte.com/starke-leistung/

 

Frauen verdienen real acht Prozent weniger

Bildquelle: Tageblatt Luxemburg
http://www.tageblatt.lu/nachrichten/ausland/gleicher-lohn-fur-frauen-und-manner-15437942/

 

 

Fortsetzung auf Seite 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Messe der Meister von Morgen, kurz MMM

Die Messe der „Meister von morgen“ war die bedeutendste Lehr- und Leistungsschau der Jugend der DDR. Die MMM fanden regelmäßig in allen Bereichen der Volkswirtschaft, Hoch-, Fach- und Oberschulen, den bewaffneten Organen und der GST, sowie danach in den kreisen und den Bezirken statt. Den Höhepunkt bildete die „Zentrale Messe der Meister von Morgen der DDR“.

1958 fand in Leipzig die 1. Zentrale MMM statt. Die MMM war Bestandteil der Wettbewerbsbewegung der Werktätigen (Berufstätigen).

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Bildquelle: Briefmarkenversand Welt.de

Unter Führung der FDJ wurden die Aktivität und Initiative von Jugendlichen gefördert, um den wissenschaftlich-technischen Fortschritt, die Erfüllung volkswirtschaftlicher Aufgaben und die Teilnahme an der praktischen Arbeit gefördert.