Der Kapp-Putsch und seine Niederschlagung

Die Vorbereitung des Putsches

Nach der Niederschlagung der Abwehrkämpfe des Proletariats im Frühjahr 1919 hielten besonders reaktionäre Gruppen des Finanzkapitals, des Junkertums und der Militaristen die Zeit für gekommen, die offene Militärdiktatur zu errichten. Sie meinten, dass sich so am besten die Herrschaft des Finanzkapitals sichern und die innenpolitischen Voraussetzungen für neue Kriegsabenteuer schaffen ließen. Deutschland sollte am imperialistischen Kreuzzug gegen die Sowjetunion teilnehmen.

Anknüpfend an die Tatsache, dass das Versailler Friedensdiktat den Volksmassen schwere Lasten aufbürdete, entfachten reaktionäre Kreise des Finanzkapitals eine chauvinistische und antidemokratische Hetze.

Der Vorsitzende einer ostpreußischen Kreditanstalt für Großgrundbesitzer, Kapp, sowie General Ludendorff und andere Militaristen organisierten bereits im Sommer 1919 ein Verschwörungszentrum. Daraus bildete sich ein sogenannter Nationalclub. Ihm gehörten unter anderen die Schwerindustriellen Stinnes, Kirdorf, Mannesmann und die erzreaktionären Politiker Hugenberg, Helfferich und Westarp an. Anfang 1920 sagten Direktoren der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, der Nationalbank, der Berliner Handelsgesellschaft und anderer Banken dem politischen Führer der Verschwörung, Kapp, für den geplanten Putsch finanzielle Unterstützung zu.

Forderungen von KappForderungen von Kapp 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Militärbefehlshaber des östlichen und mittleren Teils Deutschlands, General von Lüttwitz, beteiligte sich besonders aktiv an der Verschwörung. Anfang 1920 wurden konterrevolutionäre Truppenverbände zum Angriff auf Berlin zusammengezogen. Die KPD wies mehrmals auf diese Vorbereitungen der Reaktion hin. Die warnte davor, daran zu glauben, dass die Feinde des Volkes keine militärische Gewalt einsetzen würden. Die Regierung, die vom sozialdemokratischen Reichskanzler Bauer geleitet wurde und über die Putschpläne informiert war, ergriff aber keine wirksamen Maßnahmen gegen die sich formierende Verschwörung.

 

Der Verlauf des Kapp-Putsches und seine Niederschlagung durch die Arbeiterklasse

In der Nacht vom 12. Zum 13. März 1920 marschierten Truppen der Kapp-Putschisten nach Berlin. Die Reichsregierung forderte von der Reichswehrführung bewaffnetes Vorgehen gegen die Putschisten. Doch der Chef des Truppenamtes, General von Seeckt, verweigerte ihr die militärische Hilfe. Die Reichsregierung floh. Kapp ernannte sich zum Reichskanzler und bezeichnete das Putschistenregime als „Regierung der Ordnung, der Freiheit und der Tat“. Sie erklärte die Reichsregierung für abgesetzt, die Nationalversammlung und die preußische Landesversammlung für aufgelöst, verhaftete preußische Minister und verbot das Erscheinen der Presse. Bewaffnete Stoßtrupps gingen mit rücksichtslosem Terror gegen organisierte Arbeiter, aber auch gegen bürgerliche Demokraten vor.

Truppen der Kapp-Putschisten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Während die Reichregierung floh, erhoben sich Millionen Arbeiter, Mitglieder der KPD, der USPD, der SPD, der Gewerkschaften und unorganisierte Werktätige zum Widerstand gegen die Putschisten. In vielen Städten formierten sich Arbeiter und Angestellte zu Demonstrationszügen gegen die Kapp-Regierung. In Leipzig eröffneten Putschisten-Söldner am 14. März das Feuer auf eine derartige Massendemonstration. Sie erschossen 40 unbewaffnete Demonstranten und verletzten etwa 100. Empört über den blutigen Terror und voller Hass gegen die Militaristen, setzten sich die Leipziger Arbeiter mit allen greifbaren Mitteln zur Wehr. Sie errichteten Barrikaden, Lastkraftwagen aus Großbetrieben fuhren in die Waffenfabriken nach Suhl und schafften Gewehre für den Abwehrkampf heran. Gleichzeitig griffen die Arbeiter hier und in allen Industriezentren zur Waffe des Generalstreiks.

Mehr als 12 Millionen Arbeiter und Angestellte streikten in diesen Tagen in Deutschland. Kommunisten und linke Sozialdemokraten gingen auch in Mecklenburg und Vorpommern(heutiges Neu-Bundesland Mecklenburg-Vorpommern) den Werktätigen als Vorkämpfer voran. Aktionsausschüsse aus Vertretern der Arbeiterparteien entstanden unter anderem in Rostock, Wismar, Pasewalk, Torgelow, Anklam, Teterow und Malchin Rostock wurde zu einem der wichtigsten Zentren des Kampfes gegen die Kapp-Putschisten in Norddeutschland: Am 13. März beschloss der Aktionsausschuss Rostock, Arbeiterbataillone aufzustellen.

Arbeiter bildeten in diesen Tagen in vielen Orten bewaffnete Einheiten. Neben Berlin, der Niederlausitz, Mecklenburg, Sachsen und Thüringen war das Ruhrrevier ein Hauptzentrum des Kampfes gegen die Putschisten. Hier entstand aus bewaffneten Arbeitertrupps die erste deutsche Arbeiterarmee, in der Mitglieder der KPD, der SPD, der USPD, der Gewerkschaften und unorganisierte Arbeiter kämpften. Dieser roten Ruhrarmee gehörten etwa 100 000 Arbeitersoldaten an, darunter auch russische Kriegsgefangene sowie polnische Arbeiter. Am 15. März nahm die Rote Ruhrarmee den Kampf gegen die Putschisten auf, die Kapp unterstützten. 10000 bewaffnete Arbeiter stürmten Dortmund. Andere Abteilungen der Roten Ruhrarmee errichteten in Ahlen, Bochum und Hamm militärische Stützpunkte. Die Hauptkräfte der Roten Ruhrarmee konzentrierten sich im Westen des Industriereviers. Sie begannen, diesen Teil des Ruhrgebiets von reaktionären militärischen Verbänden zu säubern.

Kämpfer der Roten Ruhrarmee

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das gemeinsame Handeln der Arbeiterklasse für die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und demokratischen Rechte und Freiheiten zwang Kapp am 17. März zum Rücktritt. Der Generalstreik und die bewaffneten Abwehrreaktionen hatten die Putschisten von ihrer Basies in den ostelbischen Gebieten abgeschnitten, das Verkehrswesen und die gesamte Wirtschaft lahmgelegt. Kapp und andere führende Putschisten flohen ins Ausland. Damit war die Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920 vollendet. Das Zusammenwirken der Arbeiter und der anderen demokratischen Kräfte für ihre gemeinsamen Lebensinteressen, unabhängig von politischen und ideologischen Meinungsverschiedenheiten, hatte zum Erfolg geführt.

Kampf der Arbeiterklasse gegen den Kapp-Putsch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Haltung der rechten sozialdemokratischen Führer nach dem Kapp-Putsch

Ebert und die Reichsregierung kehrten nach Berlin zurück. Die Arbeitermassen verlangten harte Bestrafung der Putschisten und Maßnahmen zur Sicherung der demokratischen Rechte und Freiheiten.  Um die Arbeiterklasse zu beschwichtigen, versprach zwar die Regierung energisches Durchgreifen, tat jedoch in Wirklichkeit alles nur Mögliche, um die Putschisten vor Bestrafung zu schützen. Gleichzeitig rief die reformistische Führung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) zum Abbruch des Generalstreiks auf. Das spaltete die geschlossene Streikfront. Der Regierung erwuchs daraus die Möglichkeit, am Putsch beteiligte Söldnertruppen gegen die Gruppen der Arbeiter einzusetzen, die am aktivsten für den Sturz der Putschistenregierung gekämpft hatten und sich mit leeren Versprechungen der Regierung nicht abspeisen lassen wollten.

Vor allem beeilte sich die Reichsregierung, die Rote Ruhrarmee erst zu spalten und dann den revolutionären Kern blutig niederzuschlagen. Reichs- und Staatskommissar Severing(SPD) schloss am 24. März mit Vertretern der Vollzugsausschüsse und Stadtverwaltungen der wichtigsten Städte des Ruhrgebiets in Bielefeld ein Abkommen, das zum großen Teil auf demokratischen Forderungen der Arbeiter basierte. Es verlangte zwar von den Arbeitern Wiederaufnahme der Arbeit und Ablieferung der Waffen an die Behörden, versprach jedoch den Arbeitern gleichzeitig Auflösung der am Putsch beteiligten Truppen, Bestrafung der Putschisten, Bildung örtlicher Arbeiterwehren und entscheidende Einflussnahme der Arbeiterorganisationen auf die Neuregelung wirtschafts- und sozialpolitischer Fragen. Diesen Versprechungen vertrauend, legte ein großer Teil der Ruhrarbeiter die Waffen nieder und beendete den Streik. Die Reichsregierung gab aber keine Zusage, sich an das Bielefelder Abkommen zu halten. Ihre konterrevolutionären Truppen begannen vielmehr unter dem Vorwand, dass die Arbeiter die Bielefelder Abmachung nicht eingehalten hätten, einen blutigen Rachefeldzug gegen die sich auflösende Arbeiterarmee. Ihre Rückzugsstraßen wurden unter Feuer genommen, gefangene Arbeitersoldaten misshandelt und erschossen.

Aus Brief von Max ZellerAus Brief von Max Zeller 2Quellenangabe Brief Max Zeller

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Spaltung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse durch die rechten Führer der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften ermöglichte es den Militaristen im Ruhrgebiet und vielen anderen Teilen Deutschlands, einen blutigen Rachefeldzug gegen die Arbeiterklasse zu führen. Der Verrat der rechten sozialdemokratischen Führer an den Klasseninteressen des Proletariats brachte im März 1920 die deutschen Werktätigen um die Früchte ihres heroisch errungenen Sieges über die reaktionärsten Kräfte des deutschen Imperialismus.

 

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Originaltext:

Der Kapp-Putsch und seine Niederschlagung

 

 

 

 

 

Der Aufstand der schlesischen Weber

Die Ursachen des Aufstandes

 

Zu den am schlechtesten entlohnten Arbeitern gehörten in Deutschland die Heimarbeiter. Es waren meist Handweber, die zu Hause arbeiteten. Die kapitalistische Entwicklung hatte sie völlig von den Fabrikanten, Kaufleuten und Verlegern abhängig gemacht. Garn oder Wolle, die sie vom Verleger erhielten, verarbeiteten sie zu Leinwand oder Tuch und lieferten die fertigen Produkte wieder an den Verleger ab. Dieser setzte den Preis für das Ausgangsmaterial und die hergestellte Ware allein fest. Um überhaupt leben zu können, mussten sich die Weber dieser Willkür fügen. Sie lebten meist im Dorf, besaßen ein kleines Haus und ein winziges Stück Ackerland.

bild-schlesische-weber

 

In den schlesischen Gebieten war die Notlage der Heimarbeiter am größten. Hier mussten auch die Frau und die Kinder 14 bis 16 Stunden mit am Webstuhl sitzen, damit die Familie nicht verhungerte. Fleisch zur Mahlzeit gab es kaum. Kartoffeln und eine dünne Suppe waren für die meisten die tägliche Nahrung.

Vom kärglichen Verdienst mussten Steuern an den Staat, an den Gutsherren und an die Gemeinde gezahlt werden. Im Unterschied zu den Arbeitern in den Fabriken wurden die schlesischen Heimarbeiter nicht nur von den Kapitalisten, sondern gleichzeitig auch von den Junkern ausgebeutet.

Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die englische Industrie zu einer gefährlichen Konkurrenz für die schlesischen Textilfabrikanten und Verleger. Die mit modernen Maschinen ausgerüsteten Textilfabrikanten Englands lieferten ihre Erzeugnisse viel billiger auf den Markt. Um ihre Waren weiter absetzen zu können, versuchten die schlesischen Verleger, ihre handgewebten Produkte ebenso billig wie die englischen Kapitalisten zu verkaufen. Da sie aber auf keinen Fall ihren Profit schmälern wollten, kürzten sie die Arbeitslöhne. Besonders erpresserisch handelten die Verleger in den schlesischen Dörfern Peterswaldau und Langenbielau. Hier beuteten die Gebrüder Zwanziger und die Gebrüder Diering die Weber am schamlosesten aus.

Einige tausend Weber und Spinner wurden von diesen Großunternehmern beschäftigt, die mit ihrem Reichtum protzten, während die Arbeiter darbten. Allein die Gebrüder Zwanziger hatten ein jährliches Einkommen von 30 000 Talern. Dagegen verdiente ein Weber im Jahr nur 60 Taler.

wilhelm-wolff-uber-schlesische-weberquellenangabe-wolff-not-schlesische-weber

 

 

 

Der Verlauf des Aufstandes

 

In Peterswaldau entlud sich der wachsende Hass der Arbeiter auf die Fabrikanten zuerst in einem anklagenden Lied. Es wurde von den Webern als Flugblatt heimlich verbreitet und auch an die Türen der Verleger geheftet.

aus-das-blutgerichtquellenangabe-das-blutgericht

 

Mehrere Weber wurden verhaftet, weil sie dieses Lied gesungen hatten. Da riss den Arbeitern im Sommer 1844 die Geduld. Von den Fabrikanten aufs äußerste gepeinigt, erhoben sie sich, um mit Gewalt für das Recht des Lebens zu kämpfen. So begann im Jahre 1844 der schlesische Weberaufstand.

wolff-weberaufstand-1wolff-weberaufstand-2quellenangabe-wolff-weberaufstand

 

 

Von Peterswaldau griff der Aufstand auf andere Dörfer über. Im benachbarten Langenbielau zertrümmerten die Weber am 5. Juni die Geschäftsräume des verhassten Fabrikanten Dierig. Dann versammelten sie sich vor seinem Wohnhaus. Es wurden ihnen Geld und Lebensmittel versprochen. Geduldig warteten die Weber den ganzen Tag. Dierig hatte jedoch bereits heimlich Militär angefordert und hielt die Weber so lange hin, bis preußische Soldaten eintrafen. Ein Offizier forderte die Menge auf, sich nach Hause zu begeben. Als dieser Aufforderung nicht nachgekommen wurde, ließ er das Feuer eröffnen. Elf Menschen, darunter Frauen und Kinder, fielen unter den Gewehrsalven, 24 wurden schwer verletzt. Als Antwort auf diesen brutalen Mord gingen die Weber mutig mit Steinen, Knüppeln und Äxten gegen die Soldaten vor. Das Militär wurde aus dem Dorf gejagt.

Der Sieg der Weber war nur von kurzer Dauer. Als die Soldaten Verstärkung, darunter Artillerie und Kavallerie, erhalten hatten, besetzten sie am 6. Juni 1844 die aufständischen Weberdörfer. Über hundert Weber wurden verhaftet und in Breslau vor Gericht gestellt. Der jüngste von ihnen war 15 Jahre alt. 80 Arbeiter erhielten insgesamt 293 Jahre Zuchthaus und Festungshaft sowie 330 Peitschenhiebe.

 

 

Die Bedeutung des Aufstandes

 

Der Aufstand der schlesischen Weber im Jahre 1844 war die erste Klassenschlacht des deutschen Proletariats. Mit ihm begann der selbstständige Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoise und gegen den preußischen Staat.

Die Erhebung hatte mit den Aktionen der englischen Maschinenstürmer Einiges gemeinsam. Auch die schlesischen Weber hatten Maschinen zerstört. Gemeinsam war auch, dass die englischen Arbeiter und die schlesischen Weber ohne Organisation und ohne Klarheit über ihre Ziele aus Verzweiflung zum Mittel der Gewalt gegriffen hatten. Aber der Weberaufstand unterschied sich von der Maschinenstürmerei darin, dass er sich vor allem gegen die eigentlichen Feinde der Arbeiterklasse selbst, gegen die Kapitalisten, richtete.

Die Erhebung in Schlesien ermunterte die Arbeiter in anderen Gebieten Deutschlands. Mit Streiks und Demonstrationen kämpften besonders die Eisenbahnbauarbeiter in Preußen und Sachsen um höhere Löhne und gegen die Willkür der Unternehmer. An vielen Orten Deutschlands wurde für die Hinterbliebenen der Gefallenen und für die Eingekerkerten Geld gesammelt. Der Dichter Heinrich Heine stellte sich mit seinem Gedicht „Die Schlesischen Weber“ an die Seite der revolutionären Arbeiter. Eine Strophe lautete:

strophe-gedicht-heinrich-heine-schlesische-weber

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 8

 

Quelltext:

aufstand-der-schlesischen-weber20161214194259115

 

 

 

Die Aufstände der Seidenweber in Lyon

Mit der Anwendung neuer Kampfformen begann in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine neue Etappe des Klassenkampfes. Die französischen Arbeiter setzten sich mit Streiks, Koalitionen(Zusammenschlüssen) und bewaffneten Aufständen zur Wehr.

Die herausragenden Ereignisse waren die Aufstände der Seidenweber in der südfranzösischen Stadt Lyon.

Die Seidenweber mussten um das Jahr 1830 15 bis 16 Standen am Tage arbeiten. Trotzdem waren die Löhne so gering, dass die Arbeiter ständig hungerten. Deshalb legten die Seidenweber von Lyon 1831 geschlossen nieder und besetzten die Eingänge zu den Fabriken. Die Kapitalisten erschraken durch das einheitliche Vorgehen der Arbeiter und wandten sich an die französische Regierung. Diese schickte etwas 20 000 Soldaten gegen die Aufständischen. Die Seidenweber verteidigten sich hinter rasch errichteten Barrikaden, über denen eine schwarze Fahne wehte. Sie trug die Inschrift: „Arbeitend leben oder kämpfend sterben!“  Den Truppen gelang es nicht die Barrikaden zu erobern. Nach dreitägigem Kampf befand sich die ganze Stadt in den Händen der Arbeiter. Der bürgerlichen Stadtverwaltung gelang es aber, einen großen Teil der Aufständischen zu beschwichtigen. Deshalb konnten die Truppen nach zehn Tagen die Stadt zurückerobern. Hunderte von Arbeitern kamen ins Gefängnis und wurden wie Schwerverbrecher in Ketten gelegt.

seidenweberaufstand-lyon

Seidenweberaufstand in Lyon

 

Drei Jahre später erhoben sich die Lyoner Seidenweber erneut. Diesmal forderten sie nicht nur höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit, sondern riefen dazu auf die verhasste Monarchie zu stürzen, die nur die Interessen der Kapitalisten vertrat. Wieder schickte die Regierung Truppen nach Lyon. Vier Tage widerstanden die Arbeiter in blutigen Kämpfen dem Feuer der Kanonen. Dann unterlagen sie der Übermacht.

Die beiden Aufstände der Lyoner Seidenweber riefen in Frankreich, aber auch in anderen Ländern, einen großen Eindruck hervor. Erstmalig hatten die Arbeiter gezeigt, dass sie durch geschlossenes und selbstständiges Handeln in der Lage waren, der kapitalistischen Ausbeuterklasse entgegenzutreten.

ludwig-borne-zu-seidenweberaufstand

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

geschichte-07-ddr-seite-1

 

 

Quelltext:

seidenweberaufstand-lyon20161214191631355

 

 

Die Maschinenstürmer in England

In England waren in den letzten Jahrzehnten des 18. Und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts viele Fabriken entstanden. Zur Bedienung der Maschinen wurden zunehmend weniger Arbeitskräfte benötigt und deshalb viele Arbeiter entlassen. Oft senkten die Kapitalisten für diejenigen, die noch in Arbeit standen, den Lohn. Damals erkannten die Arbeiter nicht die wahren Ursachen ihrer Lage. Sie glaubten, dass die Maschinen ihr wachsendes Elend verursachen würden. Ihre Empörung richtete sich deshalb gegen die Maschinen.

Sie widersetzten sich darum der Bourgeoisie zuerst, indem sie versuchten, die Einführung der neuen Maschinen zu verhindern. Als das nicht gelang, zogen sie an vielen Orten in die Fabriken und zerstörten die Maschinen. Diese Aktion wird als Bewegung der Maschinenstürmer bezeichnet.

maschinensturmerei

Da diese Bewegung der Maschinenstürmer immer mehr um sich griff, forderten die Kapitalisten von der englischen Regierung, mit grausamen Strafen dagegen vorzugehen. Im Jahre 1812 führte man deshalb für die Zerstörung der Maschinen die Todesstrafe ein. Daraufhin wurden allein im Januar 1813 in York 18 Maschinenstürmer hingerichtet. Als 1830 die englischen Großgrundbesitzer die Dreschmaschine einsetzten, richtete sich der Hass der Landarbeiter gegen die Maschinen.

Die Arbeiter sahen jedoch, dass die Maschinen trotz ihres Widerstandes eingeführt wurden. Sie lernten zu erkennen, dass nicht die Maschinen ihre Feinde waren, sondern die Kapitalisten. Ihnen wurde somit klar, dass sie ihren Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung mit anderen Mitteln führen mussten. Die Arbeiter zogen die Lehren aus ihren ersten, noch unüberlegten und nicht genügend organisierten Kämpfen gegen die Bourgeoisie.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

geschichte-07-ddr-seite-1

 

Quelltext:

maschinensturmer-england-und-seidenweberaufstand-in-lyon

 

Erste Aktionen der deutschen und internationalen Arbeiterklasse gegen kapitalistische Ausbeutung

Wegen der besseren Lesbarkeit des Textes ist die Sprache nicht gegendert worden. Es sind stets Männer und Frauen gemeint.

streiks-und-lohnkampfe-1830-1847

 

 

Bestandsaufnahme

 

In den großen bürgerlichen Revolutionen des 17. Und 18. Jahrhunderts haben die Volksmassen die Macht des Feudaladels beseitigt und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zum Siege verholfen. In wichtigen Ländern Westeuropas und den USA war damit die Klasse der Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt.

schaubild-klassen-in-der-gesellschaft

Schaubild: Klassengesellschaft

 

 

 

 

fourier-englische-arbeiterklasse-1fourier-englische-arbeiterklasse-2

 

Gegenüber dem Feudalismus stellt der Kapitalismus eine höhere, fortschrittlichere Gesellschaftsordnung dar. Der Einsatz von Maschinen in der Industrie, die neuen Verkehrsmittel, die Ausweitung des Handels vermehrten den Reichtum der Gesellschaft. Dieser ständig wachsende Reichtum kommt jedoch nicht denen zugute, die ihn schaffen. Ihn eignen sich die Kapitalisten an, denn sie verfügen über die Fabriken, Maschinen und Rohstoffe. Die Arbeiter besitzen nur ihre Arbeitskraft.

Im Kapitalismus müssen Arbeiter/innen ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen, um leben zu können. Als Lohn erhalten sie so viel, dass sie ihre Arbeitskraft erhalten können. Oft nicht mal das, so müssen sie in machen Ländern, wie den USA, drei Jobs annehmen, um leben zu können. Im heutigen Deutschland hat sich der Niedriglohnsektor derart ausgeweitet, dass viele auf Hartz IV-Leistungen zu Aufstockung angewiesen sind, um ihre Existenz zu sichern.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmten darüber hinaus sehr lange Arbeitszeiten geringer Lohn, schlechte Wohnverhältnisse und die Furcht vor Arbeitslosigkeit die Lage der Arbeiter. Nach dem Wegfall der sozialistischen Länder in Europa, werden zwischenzeitlich erkämpfte Zugeständnisse und Verbesserungen für die Arbeiter in kapitalistischen Ländern Westeuropas wieder weggenommen. Insbesondere in Deutschland macht sich das nach dem Untergang der DDR bemerkbar. So geht die Tendenz rückwärts mit dem Ziel die damaligen Verhältnisse wieder zu realisieren.

Im 19. Jahrhundert waren die Arbeiter. auch politisch rechtlos und unterdrückt. Wehrten sie sich gegen Ausbeutung, so griff der bürgerliche Staat zugunsten der Kapitalisten ein. In der jetzigen Tendenz geht die Geschichte rückwärts, denn zwischenzeitlich erkämpfte Rechte für die Arbeiter werden nach und nach abgebaut. Der Wegfall der Länder in Europa, wo die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitig war, hat diese Rückwärtsentwicklung ermöglicht.                                                                                                           Die kapitalistische Ausbeuterordnung beruht auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln. Das ist die Ursache für den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapitalisten und Arbeitern, Besitzenden und Nichtbesitzenden, Ausbeutern und Ausgebeuteten.

Mit der Herausbildung des Kapitalismus begann der Kampf der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

So wurden die Bewegungen der Maschinenstürmer in England und die Aufstände der Seidenweber in Lyon besonders bekannt.

schaubild-erste-aktionen-der-arbeiterklasse

Schaubild: Erste Aktionen der Arbeiterklasse

 

 

Das Wirken der utopischen Sozialisten

 

fourier-englische-arbeiterklasse-1fourier-englische-arbeiterklasse-2

 

Die beiden Franzosen Henri de Saint-Simon(1760-1825) und Charles Fourier(1772-1837) sowie der Engländer Robert Owen(1771-1848) erkannten die furchtbare Lage der Arbeiter und die große Ungerechtigkeit der kapitalistischen Ausbeuterordnung. Sie schilderten in ihren Werken die Not des Proletariats und prangerten schonungslos Ausbeutung und Elend an, was der Kapitalismus für die Arbeiter gebracht hatte.

Mit Recht sahen diese scharfen Kritiker des Kapitalismus die Ursache dieser Zustände im Privateigentum der Kapitalisten an den Produktionsmitteln und in deren Profitsucht. Sie forderten eine Gesellschaftsordnung voller Gerechtigkeit, ohne feindliche Klassengegensätze und ohne Ausbeutung, also eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Allerdings waren ihre Vorstellungen von dieser Gesellschaftsordnung und vom Weg dahin nicht wissenschaftlich begründet, sondern utopisch. Deshalb wurden sie utopische Sozialisten genannt.

Die utopischen Sozialisten sahen im Proletariat nur eine leidende Klasse und nicht die revolutionäre Kraft, die in ihr ruht(e). Zu einer neuen Gesellschaftsordnung wollten sie durch Aufrufe zur Menschenliebe gelangen. Beispiele sollten so die Kapitalisten veranlassen, ihre eigene Gesellschaftsordnung zu verwerfen und an der Errichtung eines besseren Systems des Zusammenlebens der Menschen teilzunehmen. Die utopischen Sozialisten entwarfen kühne Pläne, wie die künftige Gesellschaft aussehen sollte.            Nach den Ideen Fouriers sollte das Privateigentum an Produktionsmitteln beseitigt werden. Alle Menschen sollten in Ackerbau- und Handwerksgesellschaften zusammenarbeiten und den Gewinn ihrer Arbeit gerecht verteilen.

saint-simon-plane

Saint-Simon war ebenfalls der Auffassung, dass alle Menschen arbeiten sollten. Er glaubte, man brauche nur den Plan einer besseren Gesellschaft auszuarbeiten und die Menschen von seiner Richtigkeit zu überzeugen, um diese sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten.

Robert Owen leitete eine große Baumwollspinnerei in Schottland. Er verkürzte die Arbeitszeit, erhöhte die Löhne und gründete für die Arbeiterkinder Musterschulen. Er erblickte in der Ordnung seines Betriebes das Beispiel für die neue sozialistische Gesellschaft.

robert-owens-fabriksiedlung

 

Der Bund der Gerechten

 

Französische und deutsche Handwerksgesellen erkannten, dass die Arbeiter sich zusammenschließen und organisieren müssen. Ihnen wurde bewusst, dass die Stellung der Arbeiterklasse und ihre Lebenslage nur dadurch verändert werden kann, wenn sie der Ausbeutung durch die Bourgeoisie und der Unterdrückung durch den Staat entgegentreten.

Die erste politische Organisation deutscher Arbeiter war der Bund der Gerechten. Er wurde 1836 von deutschen Arbeitern und Handwerksgesellen gegründete, die in Paris lebten. Sie befanden sich entweder auf Wanderschaft oder hatten die Heimat wegen der reaktionären politischen Verhältnisse verlassen müssen.

Da eine Vereinigung der Arbeiter in Deutschland verboten war, wirkten die Mitglieder des Bundes der Gerechten im geheimen. Sie lasen utopisch-sozialistische und revolutionäre Schriften, berieten darüber und verbreiteten die gewonnenen Erkenntnisse. Ihre Losung lautete: „Alle Menschen sind Brüder!“.

aus-statut-bund-der-gerechten

Einer der Führer des Bundes war der Schneidergeselle Wilhelm Weitling aus Magdeburg. In seiner Freizeit studierte er besonders fleißig die Schriften der utopischen Sozialisten.

wilhelm-weitling20161213191230939

Wilhelm Weitling(1808 bis 1874)

wilhelm-weitling-ausbeutung-arbeiterklasse-1wilhelm-weitling-ausbeutung-arbeiterklasse-2

 

Im Unterschied zu den utopischen Sozialisten lehrte Weitling jedoch die Arbeiter, dass die kapitalistische Ausbeutung und das Privateigentum an den Produktionsmitteln nur durch die Revolution des Proletariats beseitigt werden können. Allerdings stellte er sich die Revolution so vor, dass die verelendeten Massen sich zur zu erheben brauchen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Geschichtsbuch DDR 8

Quelltext:

internationale-aufgaben-arbeiterbewegung20161214174526495

Die Revolution von 1848

Übersicht

 

 

kampfe-18-marz-1848-in-berlin

 

Die historische Hauptaufgabe der Revolution von 1848/49

 

 

Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

Die Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

%22hut-ab%22-%22hute-ab%22

 

 

revolution-von-1848  (Beitrag aus Geschichtsbuch der DDR)

Geschichtsbuch DDR 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

In den bisherigen Kämpfen hatte sich erwiesen, dass die Bourgeoisie die Revolution ständig verriet und kleinbürgerliche Kräfte nicht den Mut und die Fähigkeit besaßen, die revolutionären Kräfte erfolgreich zu führen.

Das Proletariat(Arbeiter), das in allen Massenkämpfen in vorderster Reihe stand, begann sich im Verlaufe der Revolution seiner Rolle bewusst zu werden. Die Arbeiter gingen dazu über, sich selbstständige Organisationen zu schaffen, wie eine Vielzahl von örtlichen Arbeitervereinen. Diese Bewegung führte schon zu einem Zusammenschluss verschiedener Arbeiterorganisationen. 1848/49 entstanden erstmals nationale gewerkschaftliche Organisationen. Bei der Gründung und Entwicklung einer Reihe von lokalen Arbeiterorganisationen spielten die Mitglieder des Bundes der Kommunisten eine hervorragende Rolle.

Karl Marx und Friedrich Engels versuchten, Anfang 1849 der Arbeiterklasse eine Gesamtnationale Führung in Form einer revolutionären Massenpartei zu schaffen. Auf Kongressen verschiedener Landesteile- Süddeutschland, Norddeutschland, Thüringen, Württemberg, Bayern – traten die Arbeiter für die Gründung eines allgemeinen deutschen Arbeiterbundes ein, wie es in einer Resolution hieß. Die Kommunisten, vor allem Marx und Engels mit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unterstützen die Bestrebungen.

Die Siege der Konterrevolution erschwerten jedoch diese Bemühungen und machten sie schließlich zunichte. Der für Juni 1849 geplante Kongress aller Arbeiterorganisationen konnte nicht mehr stattfinden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8