Der Kampf der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung gegen Imperialismus und Kriegsgefahr von 1908 bis 1914

Der Kampf der deutschen Arbeiterbewegung gegen Militarismus und Reaktion

Die besondere Aggressivität des deutschen Imperialismus und die Verantwortung der deutschen Arbeiterklasse

Der deutsche Imperialismus hatte eine führende Stellung unter den europäischen Industriestaaten erlangt. Bei der Verteilung der Welt war er jedoch zu spät gekommen. Der im Vergleich zu anderen imperialistischen Ländern unbedeutende Kolonialbesitz, den Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts erobert hatte, und seine beschränkten Einflussgebiete standen im Widerspruch zu seinen wirtschaftlichen Ansprüchen und Möglichkeiten. (Siehe: „Der Beginn des Imperialismus“)

Dieser Widerspruch war die Ursache für die besondere Aggressivität, mit der der deutsche Imperialismus die Neuaufteilung der Welt zu seinen Gunsten anstrebte.

In seinen Aggressionsbestrebungen konnte der deutsche Imperialismus sich auf die preußisch- militaristischen Traditionen, die durch die Klasse der Junker verkörpert wurden, stützen.

Daraus ergab sich der besonders reaktionäre Charakter des deutschen Imperialismus.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Herrschaft des Imperialismus brachte dem deutschen Volk verstärkte Ausbeutung und politische Entrechtung. Der von den herrschenden Klassen gesteuerte Kriegskurs bedrohte die Existenz des deutschen Volkes. Die Beseitigung der unheilvollen Herrschaft des Imperialismus und Militarismus wurde zur vordringlichen Aufgabe. Von ihrer Lösung hing die weitere Entwicklung in Deutschland ab. Nur die sozialistische Revolution konnte letztlich diese Aufgabe lösen.

Die Hauptlast dieses Kampfes und zugleich eine hohe Verantwortung fiel der deutschen Arbeiterklasse, geführt von ihrer Partei, zu. In den harten Klassenauseinandersetzungen mit einem hochorganisierten, über starke Machtmittel verfügenden Bourgeoisie kämpfte sie um unmittelbare Verbesserungen der der Lebenslage der Werktätigen und gegen die volksfeindlichen imperialistischen Kriegspläne.

Als stärkste einflussreiche Partei in der II. Internationale trug die deutsche Sozialdemokratie darüber hinaus eine große Verantwortung vor der internationalen Arbeiterbewegung. Das galt besonders für den weltweiten Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Kriegsvorbereitung. Auf sie wurde geschaut, ihre Maßnahmen und ihre Taktik im Klassenkampf galten als Vorbild für andere Arbeiterparteien.

Streikbewegung in Deutschland von 1900 bis 1913
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Formierung der Antikriegsbewegung

Die wachsende Gefahr eines Weltkrieges äußerte sich in internationalen Spannungen und Konflikten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

1911 kam es erneut wegen Marokko zu einem ernsten Konflikt, zur zweiten Marokkokrise.

Imperialistische Kriege und Aggressionen bis 1914
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die übrigen imperialistischen Staaten Europas, besonders England, zwangen jedoch die deutsche Regierung, ihren erneuten Vorstoß nach Nordafrika rückgängig zu machen.

Ein Jahr später, im Herbst 1912, beschworen militärische Konflikte zwischen den Balkanstaaten unmittelbar die Gefahr eines Weltkrieges herauf. Auf dem Balkan trafen die Interessen fast aller europäischen imperialistischen Staaten aufeinander. Jede Einmischung in die Balkankriege musste den Weltkrieg zur Folge haben. 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Häufung der Konflikte ließ erkennen, dass die Vorbereitung des Krieges um die Neuaufteilung der Welt immer gefährlichere Ausmaße annahm.

Die bürgerlichen Parteien unterstützten fast ohne Ausnahme die Kriegsvorbereitungen ihrer Regierungen. Die bürgerlichen Friedensanhänger besaßen nicht die Kraft zu entscheidenden Aktionen. Nur die Arbeiterklasse unter Führung ihrer sozialistischen Parteien verfügte über die notwendige Organisation und politische Autorität, alle Friedensanhänger zu sammeln und der imperialistischen Kriegspolitik entgegenzutreten.

Die bedrohliche internationale Entwicklung veranlasste die II. Internationale, auf dem Internationalen Sozialistenkongress 1907 in Stuttgart eingehend zu Krieg und Militarismus Stellung zu nehmen.  Etwa 900 Delegierte aus 25 Ländern beteiligten sich an diesem Kongress, davon allein 289 aus Deutschland.

August Bebel eröffnet den Kongress in Stuttgart 1907. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In allen Fragen prallten die Auffassungen der Marxisten und die der Opportunisten aufeinander. Die Opportunisten lehnten den Kampf gegen die Kriegsgefahr mit revolutionären Mitteln ab. Sie stellten sich auf den nationalistischen Standpunkt ihrer Regierungen. Verpflichtungen zu gemeinsamen internationalen Aktionen erkannten sie nicht an.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die revolutionären Vertreter setzten nach heftigen Auseinandersetzungen ihre Auffassungen auf dem Kongress durch. Zum ersten Mal trat auf diesem Kongress eine Gruppe konsequenter Marxisten gemeinsam auf. Ihre hervorragendsten Vertreterinnen und Vertreter waren vor allem W.I. Lenin, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Julian Marchlewski. Auf Antrag Lenins und Rosa Luxemburgs wurde die von August Bebel vorgeschlagene Resolution gegen Militarismus und Kriegspolitik so ergänzt, dass sie eindeutige Forderungen für den revolutionären Antikriegskampf enthielt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der folgende Kongress der II. Internationale 1910 in Kopenhagen bekräftigte diese Verpflichtung.

Unmittelbar vor dieser Tagung fand die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen statt. (Die Internationale Sozialistische Frauenbewegung war auf Initiative der deutschen Linken während des Stuttgarter Kongresses 1907 entstanden.) Bedeutendes Ergebnis dieser Beratung war der Beschluss, jedes Jahr einen internationalen Frauentag zu veranstalten. Als Sekretärin der Internationalen Sozialistischen Frauenbewegung wurde Clara Zetkin wiedergewählt.

Der antimilitaristische Kampf der deutschen Linken. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

Der antimilitaristische Kampf gehörte von jeher zu den besten Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung. Unter der berühmt gewordenen Losung

„Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!“

lehnte die Sozialdemokratie jede Militär-, Marine- und Kolonialforderung ab. Außerdem wurde der Militarismus mit seinem entwürdigenden Drill und Soldatenmisshandlungen immer wieder angeprangert. In Wort und Tat nahm die Sozialdemokratie gegen die Aggressionen und Kriegsvorbereitungen der deutschen Imperialisten Stellung.

Die deutschen Linken gingen im antimilitaristischen Kampf noch einen Schritt weiter. Sie stellten der Partei die Aufgabe, eine verstärkte Aufklärung gegen den Militarismus durchzuführen und gegebenenfalls auch außerparlamentarische Kampfmittel gegen ihn einzusetzen.  Karl Liebknecht bemühte sich besonders um eine antimilitaristische Jugenderziehung. Bei den jungen Arbeitern sollte, bevor sie zum Militärdienst einberufen wurden, ein proletarisches Klassenbewusstsein geweckt und entwickelt werden, dass keine Kaserne und kein Drill mehr zu verschütten mochten.

Karl Liebknecht (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Titelseite der Schreift von Karl Liebknecht
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

1907 erschien die bedeutende Schrift „Militarismus und Antimilitarismus“ von Karl Liebknecht. In ihr hat er das weit verzweigt System des Militarismus aufgedeckt und dessen gefährlichen und volksfeindlichen Charakter nachgewiesen.

Damit gab er der revolutionären Arbeiterbewegung ein Mittel in die Hand, den Kampf gegen Militarismus und Kriegsvorbereitung konsequent zu führen. Wie sehr di herrschenden Klassen diesen antimilitaristischen Kampf fürchteten, beweist die Anklage gegen Karl Liebknecht wegen Hochverrats vor dem Leipziger Reichsgericht.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Karl Liebknecht wurde als Sohn des bedeutenden deutschen Arbeiterführers Wilhelm Liebknecht am 13. August 1871 in Leipzig geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er in Leipzig und Berlin Rechtswissenschaft und Nationalökonomie. 1897 promovierte er an der Universität Würzburg. Am 1899 unterhielt er mit seinem älteren Bruder Theodor eine gemeinsame Anwaltspraxis in Berlin. Als Rechtsanwalt verteidigte er vornehmlich angeklagte Sozialisten in politischen Prozessen; beim werktätigen Volk galt er als „Anwalt der Armen und Unterdrückten“. Seit der Jahrhundertwende stand Karl Liebknecht in vorderster Front des politischen Kampfes gegen Imperialismus, Militarismus und Reaktion. 1901 wurde er Stadtverordneter in Berlin, 1908 Abgeordneter des Preußischen Abgeordnetenhauses und 1912 Mitglied des Reichstages. Karl Liebknecht entwickelte sich zu einem hervorragenden revolutionären Führer der deutschen Arbeiterklasse und stand an der Spitze der deutschen Linken.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Rosa Luxemburg wurde am 05. März 1871 in Zamocz (Polen) als Tochter eines Kaufmanns geboren. Als eine der besten Schülerinnen des Gymnasiums in Warschau wurde ihr wegen „ihrer oppositionellen Haltung gegenüber der Autorität“ eine verdiente Auszeichnung nicht gegeben.

Rosa Luxemburg (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Schon in ihrer Schulzeit hatte sie sich der illegalen Bewegung in Polen angeschlossen. Mit 18 Jahren musste sie ihre Heimat verlassen. Sie studierte in Zürich. Nach ihrer Promotion siedelte sie 1898 nach Deutschland über, das ihre zweite Heimat wurde. In Deutschland war sie als Redakteurin sozialdemokratischer Zeitungen, als Lehrerin an der zentralen Parteischule, als Schriftstellerin und Propagandistin tätig. Wie Karl Liebknecht gehörte sie zu den führenden Kräften der deutschen Linken.

Franz Mehring (1846 bis 1919); bedeutender Marxistischer Historiker und Publizist; Redakteur der „Leipziger Volkszeitung“ und führend bei den deutschen Linken. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Wahlrechtskämpfe

Preußen als das mächtigste Land im Deutschen Reich übte einen entscheidenden Einfluss auf die reaktionäre Politik in Deutschland aus. Dabei konnte sich die preußische Regierung auf ein Parlament stützen, das auf besonders undemokratische Weise zustande kam. Das preußische Abgeordnetenhaus wurde nach dem öffentlichen, indirekten Dreiklassen-Wahlrecht gewählt.

Nach ihrem Vermögen, beziehungsweise der Höhe der direkten Steuern, wurden die wahlberechtigten Männer (die Frauen besaßen bis 1918 in Deutschland kein Wahlrecht) in den Wahlbezirken in drei Wahlklassen eingeteilt. Unabhängig von der Zahl der Wähler hatte jede Klasse die gleiche Anzahl von Wahlmännern, die dann erst in einem zweiten Wahlgang die Abgeordneten wählten. Die Wahlen fanden an Arbeitstagen statt, so dass viele Werktätige an der Ausübung ihres Wahlrechts gehindert waren. Die öffentliche Stimmabgabe hatte außerdem für Wähler der Sozialdemokratie noch häufig Nachteile.

Ähnliche reaktionäre Wahlrechtsbestimmungen gab es auch in Sachsen, Mecklenburg und den meisten deutschen Ländern.

Der Kampf um die Beseitigung dieser Wahlsysteme als Teil des Kampfes um die Herstellung wirklich demokratischer Verhältnisse in Deutschland erreichte 1910 seinen Höhepunkt. Mit Versammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen protestierten die Arbeiter, unterstützt durch fortschrittliche bürgerliche Kräfte, gegen das Dreiklassenwahlrecht in verschiedenen deutschen Staaten, besonders in Preußen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Plakat des Berliner Polizeipräsidenten gegen die Wahlrechtsdemonstration im Februar 1910
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

An der Spitze der immer machtvolleren Wahlrechtsbewegung standen die deutschen Linken. So hat Rosa Luxemburg dieser Bewegung im Frühjahr 1910 folgende weitergehende Kampfziele gegeben:

Errichtung einer demokratischen Republik und Einführung des Frauenwahlrechtes. Die Erreichung dieser Ziele hätte die Macht der Junker und Monopolisten wesentlich eingeschränkt und günstige Bedingungen für den weiteren Kampf um Demokratie und Sozialismus geschaffen. Doch der Vorstand der Sozialdemokratie, der schwere Zusammenstöße mit dem Staatsapparat befürchtete, machte sich zentristische Auffassungen zu eigen und bremste die Wahlrechtsbewegung ab. Die kampfgewillten Massen wurden von der sozialdemokratischen Führung zur Abrechnung mit dem Klassengegner auf die nächste Reichstagswahl vertröstet.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Arbeiterbewegung am Vorabend des I. Weltkrieges

Die weiteren Kämpfe der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung gegen die imperialistische Kriegspolitik

Die zweite Marokkokrise, die erneut die Weltkriegsgefahr verstärkte, löste in Deutschland und anderen Ländern machtvolle Kundgebungen und Demonstrationen gegen die Aggressions- und Kriegspolitik der imperialistischen Staaten aus.

In Berlin beteiligten sich am 03. September 1911 über 200 000 Werktätige an einer Protestkundgebung gegen die aggressive marokko-Politik der deutschen Imperialisten. Von zehn Tribünen im Treptower Park sprachen sozialdemokratische Führer, darunter Karl Liebknecht, zu den Kundgebungsteilnehmern.

Nachdem Karl Liebknecht im Treptower Park in Berlin gesprochen hat, stimmen die Teilnehmer einer Protestresolution gegen die imperialistische deutsche Marokko-Politik zu. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

1912 entstand mit den Balkankriegen eine gefährliche Lage für den Weltfrieden. Die sozialistischen Parteien organisierten in allen europäischen Hauptstädten Kundgebungen für den Frieden, an denen Hundertausende teilnahmen. Bereits im Oktober 1912 fand in Berlin eine Kundgebung mit 250 000 Teilnehmern statt.

Im November waren es 150 000 Menschen. In Berlin sprachen O’Grady (England), Jean Jaurès(Frankreich) und Karl Renner (Österreich). Karl Liebknecht trat in Budapest auf, andere deutsche Vertreter in Amsterdam und Paris.

Zu einem Höhepunkt der Antikriegsbewegung gestaltete sich der Außerordentliche Sozialistenkongress der II. Internationale 1912 in Basel. Nach einer eindrucksvollen Demonstration durch Basel sprachen einige der bekanntesten Führer er internationalen Arbeiterbewegung im und vor dem Baseler Münster. Diese Kundgebung brachte sie feste Entschlossenheit der Sozialisten zum Ausdruck, alles zu tun, um den imperialistischen krieg zu verhindern. Der proletarische Internationalismus beherrschte das Antikkriegstreffen der II. Internationale in Basel. In einem umfangreichen Manifest wurden für die einzelnen Parteien der II. Internationale unterschiedliche Aufgaben festgelegt. Die Delegierten gelobten, in ihren Ländern entsprechend den Beschlüssen des Stuttgarter Sozialistenkongresses gegen den drohenden Krieg zu kämpfen.

Massendemonstration während des internationalen Sozialistenkongresses in Basel 1912. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Baseler Kongress der II. Internationale demonstrierte die Macht der sozialistischen Bewegung. Die herrschenden Klassen mussten nicht zuletzt unter der Wirkung dieser mächtigen Aktionen in allen europäischen Ländern auf die Entfesselung des Weltkrieges vorerst noch verzichten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Kraft der internationalen Arbeiterbewegung wurde jedoch zunehmend durch die innere Spaltung geschwächt.

In den meisten Parteien und Gewerkschaften hatten die Opportunisten wichtige Funktionen erobert. Sie lehnten nach wie vor revolutionäre Massenaktionen gegen den Krieg ab. Das jeweilige imperialistische Land betrachteten sie uneingeschränkt als ihr Vaterland und die Teilnahme der Arbeiterklasse an einem imperialistischen Krieg als Selbstverständlichkeit.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Widerspruch zwischen den revolutionären Beschlüssen der II. Internationale sowie der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse und der opportunistischen Zersetzung der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter in den einzelnen Ländern wuchs.

August Bebel – ein entschiedener Kämpfer gegen Imperialismus, Militarismus und Kriegsvorbereitung

Am 13. August 1913 starb August Bebel. Lenin würdigte Bebel als „Vorbild eines Arbeiterführers, der in seiner Entwicklung und seiner politischen Tätigkeit eine ganze historische Periode aus dem Leben nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Sozialdemokratie“ verkörperte. (W.I. Lenin: Werke. Bd. 19, Berlin 1962, S. 291 und S. 285.)

August Bebel. (Fotografie aus seinen letzten Lebensjahren)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Es war in erster Linie das Verdienst August Bebels gewesen, dass es 1869 zur Gründung der ersten marxistischen Massenpartei in Deutschland gekommen war. Unter seiner Führung erlangte die deutsche Sozialdemokratie internationales Ansehen und Gewicht.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Bis zu seinem Tode blieb August Bebel der marxistischen Weltanschauung und dem Kampf für die sozialistische Gesellschaftsordnung treu. Bei der Feier seines 70. Geburtstages 1910 rief er den Genossen zu: „Den Tag möchte ich noch erleben, wo ich euch das rote Banner zum Sturm vorantragen kann.“

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Bebels Auffassungen vom politischen Kampf und von den Aufgaben der Partei waren durch die Verhältnisse des 19. Jahrhunderts geprägt worden. Er konnte sie veränderten Bedingungen und Erfordernisse des Klassenkampfes im imperialistischen Zeitalter nicht immer richtig erkennen. Daraus ergaben sich bei ihm Fehler und Irrtümer in Theorie und Praxis. Doch niemals hat er die revolutionäre Klassenkampfposition verlassen, und er blieb der entschiedene Gegner des Militarismus und Imperialismus.

Obwohl Bebel zu den Auffassungen der Linken nicht mehr vordringen konnte, stand er mit ihnen auf der gleichen revolutionären Klassenposition.

Die Haltung der sozialdemokratischen Führer und Reichstagsabgeordneten zur großen Wehrvorlage von 1913

Im ersten Halbjahr 1913 kam die bisher größte Wehrvorlage im Reichstag zur Verhandlung und Annahme. Die Kostendeckung dieser ungeheureren Militärverstärkung bereitete erhebliche Schwierigkeiten. Es gab darüber erregte Auseinandersetzungen selbst innerhalb der herrschenden Klassen. Bei der Beratung der Wehrvorlage im Reichstag enthüllte Karl Liebknecht die Machenschaften der deutschen und internationalen Rüstungsmonopole, die Spannungen zwischen den Staaten zu verschärfen und die Rüstungen im Interesse des Profits ins Maßlose zu steigern. Unter anderem wies er nach, dass die Firma Krupp in Berlin ein Spionagebüro unterhielt, das vertrauliche Nachrichten über Rüstungsangelegenheiten einzuholen hatte, um auf die Rüstungspolitik Einfluss zu nehmen. Staatsbeamte und Militärs wurden mit hohen Summen bestochen. Dabei wurde eine enge Verbindung der Monopolisten mit der Regierung deutlich.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Folgerichtig lehnten die sozialdemokratischen Abgeordneten die Wehrvorlage ab. Doch bei der Gesetzesvorlage, die zur Finanzierung dieses Wehrgesetzes eingebracht wurde, konnten die opportunistischen Kräfte einen Sieg davontragen, indem sie die Zustimmung zu Teilen des Gesetzes (Wehrbeitrag, Vermögenssteuergesetz) durchsetzen. Mit der Zustimmung zu Teilen der Deckungsvorlage durchbrachen die Opportunisten zum ersten Mal das Prinzip der Sozialdemokratie: „Diesem System keinen Mann und keinen Groschen! Das war das deutliche Zeichen dafür, dass die opportunistischen Kräfte die Sozialdemokratie in eine reformistische Arbeiterpartei umgewandelt hatten.

Kaiser Wilhelm II. und Krupp im Jahre 1912. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Arbeiterklasse zu Beginn der imperialistischen Herrschaft

Die Auswirkungen der imperialistischen Herrschaft auf die soziale Lage der Arbeiterklasse

Die Herausbildung des Monopolkapitalismus brachte für alle Klassen und Schichten große Veränderungen.

Die Anzahl der Arbeiter wuchs. Sie waren vor allem in den Großbetrieben konzentriert. 1909 zählten nur 1,1 Prozent der der Betriebe in den USA zu den Großbetrieben. In diesen waren aber 30,5 Prozent aller Industriearbeiter beschäftigt.

Auch innerhalb der Arbeiterklasse kam es mit der Herausbildung des Imperialismus zu Veränderungen der sozialen Struktur. Die Anzahl der ungelernten Arbeiter stieg stark an. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Vorarbeiter, Meister, Techniker und Spezialisten zu. Die Arbeitslosigkeit wurde eine ständige Begleiterscheinung des Kapitalismus, die dazu benutzt wurde, die Löhne zu drücken. Das hat sich bis heute nicht geändert. Frauen und Kinder erhielten zum Teil bevorzugt Arbeit in bestimmten Monopolbetrieben (vor allem in der Textilindustrie), weil sie schlechter bezahlt wurden. Die Intensität der Arbeit stieg. Ständig steigende Intensität der Arbeit ist uns auch heute wohlbekannt.

Ein trauriges Kapitel imperialistischer Ausbeutung war die Kinderarbeit. 1910 arbeiteten in den USA knapp 2 Millionen Kinder im Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Das waren 5,2 Prozent der Beschäftigten und 10,8 Prozent aller Kinder. Es gibt auch heutzutage noch Länder, wo Kinderarbeit gang und gäbe ist.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse verschlechterten sich nach 1910 in Deutschland. Zölle und indirekte Steuern trieben die Preise der Lebensmittel und Kleidung in die Höhe. Etwa 25 Prozent ihres Lohnes mussten die Arbeiter in den Großstädten als Miete für eine vielfach ungesunde, lichtarme Wohnung bezahlen. Nun ja, die Mieten sind heute genauso ein Problem, auch wenn es die ungesunden Wohnungen in diesem Sinne nicht mehr gibt. Dafür müssen viele, die sich die Mieten in einer Großstadt nicht leisten können, lange Wege zur Arbeit in Kauf nehmen und pendeln.

Der Kampf gegen den vordringenden Opportunismus in der internationalen und deutschen Arbeiterbewegung

Durch die verschärfte Ausbeutung der Arbeiter, der Kolonialvölker und abhängigen Länder sowie durch die Monopolstellung auf den Märkten erzielten die Finanzkapitalisten hohe Profite. Zum Teil verwandten sie diese Geldmittel auch dazu, bestimmte Arbeiterschichten (Meister, Techniker, spezialisierte Facharbeiter usw.) bevorzugt zu behandeln. Mit Hilfe einer unterschiedlichen Entlohnung und Gewährung von Sonderrechten (Werkswohnungen, Beamtenpensionen usw.) sollten diese Arbeiterschichten, Arbeiteraristokratie genannt, bestochen werden. Das hat sich bis heute auch nicht geändert. Die mit der Großindustrie entstandene Differenzierung wurde (wird) so von den Monopolherren bewusst genutzt, um das einheitliche Handeln der Arbeiterklasse zu untergraben.

Die Arbeiteraristokratie und die kleinbürgerlichen Elemente bildeten die soziale Grundlage für die Herausbildung einer besonderen opportunistischen Strömung in der Arbeiterbewegung. Ihre Wortführer behaupten, dass unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen die Lehren von Marx und Engels nicht mehr voll gültig wären, sondern abgeändert, revidiert werden müssten. Diese Thesen kennen wir heute auch noch. Sie wurden (werden) deshalb Revisionisten genannt. Der Revisionismus lehnte (lehnt) den revolutionären Klassenkampf ab und trat (tritt) für die Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Klassen ein. Die Revisionisten behaupteten (behaupten), es sei möglich, durch Reformen im Rahmen der bestehenden kapitalistischen Ausbeutergesellschaft allmählich und friedlich in den Sozialismus hineinzuwachsen. Sie verzichteten (verzichten) auf das revolutionäre Ziel der Arbeiterbewegung: die Eroberung der politischen Macht.

Entsprechend dieser theoretischen Grundlage entwickelten die Opportunisten eine reformistische Politik. Der Reformismus wollte die Arbeiterbewegung auf parlamentarisches und gewerkschaftliches Handeln beschränken.

Der Opportunismus konnte sich in der Arbeiterbewegung rasch ausbreiten, weil mit dem Imperialismus soziale Grundlagen (Arbeiteraristokratie, kleinbürgerliche Elemente in der Arbeiterbewegung) dafür entstanden waren. Die Gefährlichkeit des Opportunismus bestand (besteht) darin, dass er die ideologische Spaltung der Arbeiterklasse und damit die Schwächung der Arbeiterorganisationen in ihrem Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus bewirkte.

Der Opportunismus fand (findet) Anhänger in der gesamten internationalen Arbeiterbewegung. Überall beherrschten (beherrschen) diese Kräfte (nach und nach) wichtige Schlüsselpositionen in den Arbeiterparteien und Gewerkschaften.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Das Auftreten der Revisionisten und Reformisten löste in der deutschen Arbeiterbewegung heftige Auseinandersetzungen über das Ziel, den Weg und die Mittel des Klassenkampfes aus. Diese Auseinandersetzungen wurden auf den Parteitagen, in der Presse sowie innerhalb der Mitgliedschaft der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften geführt. Auf dem Parteitag in Dresden im September 1903 rechnete der Führer der Sozialdemokratie, August Bebel, scharf mit den Opportunisten ab.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die überwiegende Mehrheit der sozialdemokratischen Parteimitglieder lehnte die opportunistischen Ansichten und Bestrebungen entschieden ab.

Die Arbeiter erlebten und erkannten, dass die Junker und Monopolisten ihre Macht allein für ihre Klasseninteressen einsetzten und nicht im Entferntesten daran dachten, dem werktätigen Volk freiwillig demokratische und politische Rechte zu gewähren. Alle Reformen, Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsverhältnisse und politischen Rechte hatte die Arbeiterklasse im harten Arbeitskampf, einschließlich ihres parlamentarischen Wirkens errungen. Das hat sich bis heute nicht geändert. 

Die Preisgabe des Klassenkampfes hätte die Entwaffnung der Arbeiterbewegung, ihre völlige Unterordnung unter die Politik der Imperialisten bedeutet. Heute ist der Klassenkampf preisgegeben worden. Insbesondere nach der großen Niederlage 1989/90. Die Arbeiterklasse spielt heute politisch nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie hat sich spätestens 1989/90 der Politik der Imperialisten untergeordnet.

Der Dresdner Parteitag war ein Höhepunkt im Kampf der revolutionären Kräfte gegen Revisionismus und Reformismus. Mit nur wenigen Gegenstimmen wurde di Resolution angenommen, die die revisionistischen Bestrebungen entschieden verurteilt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Trotz der entschiedenen Ablehnung und Verurteilung des Revisionismus konnte er seinen Einfluss in der Arbeiterbewegung verstärken, weil keine organisatorischen Konsequenzen – Ausschluss der Opportunisten– gezogen wurden.

Der Crimmitschauer Textilarbeiterstreik

Unter den vielen Klassenkämpfen in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ragt besonders der Crimmitschauer Textilarbeiterstreik hervor, der vom 22. August 1903 bis Ende Januar 1904 andauerte.

Bei unzureichendem Lohn mussten die Textilarbeiter 11 und mehr Stunden am Tag arbeiten, obwohl durch die Einführung schnelllaufender Spindeln die Intensität der Arbeit und die Gewinne der Textilfabrikanten gestiegen waren. Mit Recht forderten die Arbeiter Verkürzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden und Lohnerhöhung um 10 Prozent. Nachdem die Fabrikanten diese Forderungen abgelehnt hatten, legten am 22. August 1903 600 Textilarbeiter des sächsischen Städtchens Crimmitschau die Arbeit nieder. Die Drohung mit der Aussperrung seitens der Fabrikanten beantworteten andere Arbeiter mit Streik. Schließlich befanden sich Ende August 1903 sämtliche Textilarbeiter von Crimmitschau im Kampf; 9 000 Textil- und Heimarbeiter streikten oder waren ausgesperrt. Mit Bestechungsgeldern versuchten die Fabrikanten, die Einheitsfront der Arbeiter zu erschüttern. In allen Teilen Deutschlands und im Ausland versuchten sie darüber hinaus Streikbrecher zu werden, allerdings mit wenig Erfolg.

Flugblatt der Textilfabrikanten von Crimmitschau
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Flugblatt der streikenden Crimmitschauer Textilarbeiter
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Da die Kampffront der Textilarbeiter unerschüttert blieb, griff die staatliche Macht mit starken, schwerbewaffneten Polizeikräften ein. Jede Versammlung, jede Zusammenkunft der Arbeiter sowie das Streikpostenstehen wurden verboten. Doch die Arbeiter beharrten unbeirrt auf ihren Forderungen, die Frauen und Mädchen standen fest an ihrer Seite. Der Kampf förderte das Klassenbewusstsein der Arbeiter. Die Streikenden wurden von den Arbeitern ganz Deutschlands und dem Ausland wirksam unterstützt. Die deutschen Arbeiter brachten über 1 ¼ Millionen Mark zu Unterstützung ihrer kämpfenden Klassengenossen auf. Der Streik wurde erst im Januar 1904 von opportunistischen Gewerkschaftsführern gegen den Willen der streikenden Textilarbeiter von Crimmitschau abgebrochen.

Die Anfänge der Arbeiterjugendbewegung

Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen hatten es im damaligen Deutschland besonders schwer. Sie erhielten sehr geringen Lohn bei einer bis zu 12 Stunden ausgedehnten Arbeitszeit. Dazu waren sie der Willkür ihrer Arbeits- und Lehrherren recht- und schutzlos ausgesetzt. Schläge und Misshandlungen waren an der Tagesordnung.

Doch die Jugend war bereits von sozialistischen Ideen erfasst. Immer mehr junge Arbeiter erkannten, dass sie nur im gemeinsamen Kampf und in Verbindung mit der Arbeiterbewegung ihre Lage verbessern konnten.

Lehrling (zum Meister, der eben seinen Dreijährigen versohlt): „Meester, lernt der ooch schon Lehrling?“ Karikatur aus dem „Wahren Jacob“ zur Prügelstrafe gegen Lehrlinge
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Im Oktober 1904 entstanden gleichzeitig in Berlin und in Mannheim selbstständige proletarische Jugendvereine, die sich über Nord- und Süddeutschland ausbreiteten und Ende 1906 zur Gründung von zwei Arbeiterjugendorganisationen führten, dem Verband junger Arbeiter Deutschlands (Sitz Mannheim) und der Vereinigung der freien Jugendorganisationen (Sitz Berlin). Die norddeutsche Organisation gab seit 1905 die Monatszeitschrift „Die arbeitende Jugend“ und die süddeutsche Organisation seit 1906 „Die junge Garde“ heraus. Die revolutionären Kräfte der deutschen Arbeiterbewegung unterstützten die Arbeiterjugendorganisationen mit Rat und Tat. In Karl Liebknecht hatte die Arbeiterjugend einen bewährten Freund, ideologischen Führer und Förderer ihrer Organisation.  Durch die Jugendorganisationen im revolutionären Geist erzogen, beteiligten sich die jungen Proletarier aktiv am Kampf gegen Reaktion, Militarismus und Imperialismus.

Im August 1907 wurde die Sozialistische Jugendinternationale gegründet. Karl Liebknecht wurde zum Vorsitzenden des Büros gewählt.

Kopf der Zeitschrift „Die junge Garde“
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Aufgrund des Reichsvereinsgesetzes siehe in Beitrag „Der beginnende Kampf um die Neuaufteilung der Welt….“ verfielen die Arbeiterjugendorganisationen der Auflösung. Ihre Zeitschriften mussten das Erscheinen einstellen. Doch der revolutionäre Geist unter der Arbeiterjugend konnte durch die Unterdrückungsversuche der herrschenden Klasse nicht mehr erstickt werden.

Die neuen Anforderungen an den Kampf der revolutionären Arbeiterbewegung

Mit dem Übergang zum Imperialismus hatte der Kapitalismus seine höchste Entwicklungsstufe erreicht. Der Widerspruch zwischen der reaktionären Politik der herrschenden Klassen im Innern und nach außen einerseits und den Lebensinteressen der Völker andererseits forderte gebieterisch die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und den Übergang zum Sozialismus. Der Imperialismus war zugleich der Vorabend der proletarischen Revolution. Aus dieser neuen Situation ergaben sich für die Arbeiterbewegung neue Aufgaben.

Die antidemokratische Innen- und die aggressive Außenpolitik der imperialistischen Staaten erforderte die Zusammenfassung aller Kräfte, die für Demokratie und Frieden kämpften. Die Führung einer solchen antiimperialistischen Volksbewegung konnte nur die revolutionäre Arbeiterbewegung übernehmen, die weitergehende Ziele- die sozialistische Revolution- verfolgte und über eine revolutionäre Theorie sowie starke Organisation der Arbeiterklasse verfügte.

Für die sozialistische Bewegung ergab sich mit dem Beginn der imperialistischen Herrschaft die Notwendigkeit, wirksamere Mittel des Massenkampfes anzuwenden. Entscheidende Bedeutung erlangten die außerparlamentarischen Aktionen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Arbeiterklasse dazu über, im ökonomischen und politischen Kampf den Massenstreik anzuwenden.  1902 streikten über 300 000 belgische Arbeiter für ein demokratisches Wahlrecht. 1903 fand ein Massenstreik in den Niederlanden, 1904 ein Massenstreik in Italien statt.

Die Herausbildung des Imperialismus erforderte von den Arbeiterparteien, sich für die neuen Bedingungen des Klassenkampfes organisatorisch und ideologisch zu wappnen. Notwendig war die Beseitigung des opportunistischen Einflusses auf die Partei; die Arbeiterpartei musste auf dem Boden des Marxismus stehen und ihn weiterentwickeln, den proletarischen Internationalismus festigen und eine straff organisierte revolutionäre Kampforganisation bilden. Eine solche revolutionäre Kampfpartei entstand zunächst in Russland.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel.

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen das Sozialistengesetz

Zweck und Inhalt des Sozialistengesetzes

Junker und Großkapitalisten sahen voller Unruhe, wie schnell die sozialistische Arbeiterpartei erstarkte. Die herrschenden Klassen und ihre Regierung sahen in der sozialistischen Bewegung ein entscheidendes Hindernis für die weitere Ausbeutung des Volkes und die Erhöhung der Profite und Staatseinnahmen. So nutzten sie zwei 1878 erfolgte Attentatsversuche auf den Kaiser, mit denen die Sozialdemokratie nichts zu tun hatte, um am 21. Oktober 1878 das sogenannte Sozialistengesetz durchzusetzen, das sich gegen die gesamte Arbeiterklasse richtete.

Das Sozialistengesetz wird durch das Reichsgesetzblatt verkündet
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Die wichtigsten Bestimmungen des Soziallistengesetzes
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Unterdrückung der Arbeiterorganisationen, das Verbot aller Arbeiterzeitungen und der Terror der Polizei und Justiz minderten die Kraft der Arbeiterklasse und des Volkes. Das nutzten die herrschenden Klassen, und sie begannen einen seit langem geplantem Raubzug auf die Taschen des Volkes. Im Juli 1879 wurden die Schutzzollgesetze angenommen. Die Zölle für ausländisches Eisen, Getreide, Vieh, Holz und viele andere Waren trieben natürlich die Preise in Deutschland in die Höhe. Die Regierung erhöhte darüber hinaus die indirekten Steuern für Salz und Zucker. Diese Einnahmen dienten vor allem der weiteren Rüstung.

Die Salzsteuer galt weiterhin bis in die Zeit des heutigen Deutschlands. Sie wurde erst mit Wirkung ab dem 01. Januar 1993 aufgehoben. Näheres siehe Wikipedia.

Die Zuckersteuer galt ebenso bis in die Zeit des heutigen Deutschlands. Sie wurde erst zum 01. Januar 1993 mit Hinblick auf den EU-Binnenmarkt abgeschafft. Krankenkassenfachleute und Nicht-Regierungsorganisationen, wie FOODWATCH werben für die Wiedereinführung der Zuckersteuer in Deutschland und werden dabei von Mitgliedern des Bundestages-Gesundheitsausschusses unterstützt. Zucker gilt als schädlich und ungesund. Näheres siehe Wikipedia.

Zölle und Verbrauchssteuern
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Arbeiterklasse trotzt dem Terror

Das Sozialistengesetz traf die Arbeiterklasse schwer. Von 47 Parteizeitungen wurden 45 sofort verboten. Die mit den Ersparnissen der Arbeiter mühsam aufgebauten Genossenschaftsdruckereien wurden geschlossen. 17 gewerkschaftliche Zentralorganisationen wurden sofort verboten, dazu viele lokale Organisationen und Vereine. Bereits im November 1878 wurden 67 führende Sozialdemokraten aus Berlin ausgewiesen.

Der Kampf der Arbeiter und revolutionären Führer richtete sich auch gegen opportunistische Kräfte in der Partei, die bei der Umstellung der Partei auf die neuen Kampfbedingungen hervortraten und die Existenz der revolutionären Kampfpartei bedrohten. Eine Gruppierung trat gegen den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse auf, eine andere propagierte eine putschistische, anarchistisch beeinflusste Taktik. Die revolutionären Führer wiesen mit Unterstützung von Marx und Engels diese Kräfte zurück. Die Arbeiter nahmen unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Kampf gegen das Sozialistengesetz auf. So wurde eine Unterstützungsaktion für Ausgewiesene eingeleitet. Das Unterstützungskomitee leitete August Bebel. Dadurch entstanden auch wieder die ersten Verbindungen unter den Genossen.

Ausweiskarte für einen ausgewiesenen Sozialdemokraten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
August Bebel über eine illegale Versammlung Dresdner Genossen
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Sozialdemokraten entwickelten neue Methoden des Kampfes. Geheime, illegale Verbindungen wurden ergänzt durch legale Zusammenkünfte in Turn-, Wander- und Gesangsvereinen.

Die Sozialdemokraten nutzten die Reichstagswahlen zur Agitation und wirkten in sogenannten Hilfskassen zur Krankenunterstützung. Die Abgeordneten im Reichstag und in den Landtagen legten die Auffassungen zu wichtigen politischen Ereignissen dar und konnten auf diese Weise auch den Kampf der Arbeiter lenken. Erstmalig entwickelte so eine proletarische Massenpartei eine Kampftaktik unter besonders schweren Kampfbedingungen: die Verbindung der illegalen mit der legalen Arbeit. Dieser Kampf war schwer, denn überall setzte die Polizei ihre Spitzel ein.

Teilnehmer einer illegalen sozialdemokratischen Veranstaltung in der Nähe von Berlin werden von der Polizei abgeführt. (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Klugheit und Mut gehörten dazu, die Polizei zu überlisten.

Die „Rote Feldpost“

Um erfolgreich kämpfen zu können, brauchte die Arbeiterklasse eine Zeitung, die unbeeinflusst von der Polizeikontrolle Anleitung gab und die Ziele des Kampfes verbreitete. Mit Hilfe von Karl Marx und Friedrich Engels wurde seit dem 28. September 1879 in Zürich in der Schweiz „Der Sozialdemokrat“ herausgegeben.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Wöchentlich wurde „Der Sozialdemokrat“ illegal nach Deutschland gebracht und verbreitet. Tapfere Sozialisten sorgten für den Vertrieb. Ihre Organisation nannten die Arbeiter die „Rote Feldpost“.

Die Mitarbeiter der „Roten Feldpost“ arbeiteten sehr geschickt und mutig, so dass die Polizei nur selten eine Sendung Zeitungen abfangen konnte. Im Jahre 1886 wurden bereits 10 000 Exemplare der Zeitung „Sozialdemokrat“ in Deutschland verbreitet.

Im „Sozialdemokrat“ erschienen Artikel von Karl Marx und Friedrich Engels, August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Aber auch sehr viele Arbeiter berichteten von ihren Erfahrungen.

Julius Motteler, der als Verantwortlicher für den Versand des „Sozialdemokraten“ den Ehrennamen „Der rote Feldpostmeister“ erhielt. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Kampf gegen „Zuckerbrot und Peitsche“

Die Kampfentschlossenheit der Arbeiter, die sich in den Erfolgen der Sozialdemokratie bei Wahlen (wichtigste Ergebnisse..) widerspiegelten, zeigte den herrschenden Klassen, dass mit Unterdrückung und Terror die sozialistische Bewegung nicht zu beseitigen war. Bismarck versuchte daher, soziale Forderungen der Arbeiter aufzugreifen, einige soziale Verbesserungen zu gewähren, um dadurch die Arbeiter vom revolutionären Klassenkampf abzulenken.

Die „Peitsche“ des Terrors wurde durch das „Zuckerbrot“ der Sozialgesetze ergänzt.

Bismarck 1844 über die Sozialgesetze
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Die Sozialgesetze
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Sozialgesetze brachten für einen Teil der Arbeiter gewisse soziale Verbesserungen. Wieder regten sich opportunistische Kräfte in der Partei, die in den Sozialgesetzen die Verwirklichung des Sozialismus sahen. Solchen Auffassungen traten die revolutionären Parteiführer entgegen. Unter der Losung „Das Zuckerbrot verachten wir, die Peitsche zerbrechen wir!“ kämpfte die Partei weiter. Die Organisation wurde fester.

Von den Sozialgesetzen profitieren wir noch heute. Bismarck wird als der große Wohltäter dargestellt, weil er diese eingeführt hatte. In diesem Beitrag sehen wir aber, dass es sich in Wirklichkeit anders verhalten hatte.  Es wird an den Sozialgesetzen Abbau betrieben. Doch ganz abschaffen kann man sie nicht, da sie vom Reaktionär Bismarck geschaffen wurden, um Aufstände oder gar eine Revolution zu verhindern.

1886/87 organisierte die Partei umfangreiche Aktionen gegen Militarismus und Völkerhetze, für proletarischen Internationalismus. Den 10. Jahrestag des Sozialistengesetzes „feierten“ die Sozialdemokraten mit Flugblattaktionen und geheimen Versammlungen. An den Türen und Schornsteinen, ja sogar auf einigen Polizeigebäuden, wehten rote Fahnen. Die Gewerkschaften entstanden neu, und die Streiktätigkeit stieg seit Mitte der 1880er Jahre schnell an. Höhepunkt des Kampfes war der große Bergarbeiterstreik vom 04. Mai bis 06. Juni 1889. 

Militärstreife während des Streiks im rheinisch-westfälischen Industriegebiet 1889. Insgesamt wurden gegen die Streikenden 5 000 Infanteristen und fast 1 000 Kavalleristen eingesetzt. (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Nahezu 150 000 Bergarbeiter aller deutschen Steinkohlereviere streikten für die Achtstundenschicht, für 15 Prozent Lohnerhöhung, Beseitigung der Lohnabzugssysteme (Strafmaßnahmen der Unternehmer) und Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dieser Streik traf die herrschenden Klassen schwer, denn solche Industriegebiete wie das Ruhrgebiet – hier lag der Schwerpunkt des Streiks – waren lebenswichtige Zentren der Schwer- und Rüstungsindustrie.

Wenn der Streik auch nur Teilerfolge auf sozialem Gebiet für die Arbeiter brachte, so war er doch von großer Bedeutung für die Einbeziehung neuer Schichten der Arbeiterklasse in den revolutionären Kampf. Für viele Bergarbeiter zeigte sich nicht zuletzt während der schweren Streiktage, dass die revolutionäre Sozialdemokratie der beste Sachwalter aller Arbeiter war.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das preußisch-deutsche Reich als Militärstaat

Der Klassencharakter des Staates

Preußen und der preußische Militarismus hatten bei der Einigung Deutschlands auf reaktionäre Weise die entscheidende Rolle gespielt.

Daher sicherten sich die Junker auch im neugegründeten Reich ihre politischen Machtpositionen. In den Regierungen Preußens und des Reiches, in den Verwaltungen und im Militärwesen, überall saßen vornehmlich Junker.

Die wirtschaftlich stärkste Klasse im Reich war die Bourgeoisie. Um hohe Profite zu erreichen, versuchte sie, reaktionäre Hemmnisse für die Entwicklung der Wirtschaft zu beseitigen. Junker und Bourgeoisie hatten als gemeinsames Hauptinteresse die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen (Erwerbstätige), insbesondere der Arbeiterklasse. So arbeiteten Junker und Bourgeoisie zusammen und festigten das schon früher entstandene Klassenbündnis. In diesem Bündnis hatten die Junker die wichtigsten politischen Positionen inne.

Das politische System und die Verfassung entsprachen diesen Klassenverhältnissen. Der Kaiser berief den Reichskanzler und die Leiter der Reichsämter (Ministerien), er hatte den Oberbefehl über Marine und Heer und vertrat das Reich gegenüber dem Ausland. Der Reichskanzler – bis 1890 Otto von Bismarck – war nur dem Kaiser rechenschaftspflichtig. Bismarck nutzte die verschiedenen Klassenwidersprüche im Reich, um sich eine diktatorische Stellung zu schaffen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Genehmigung eines Gesetzes
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Bundesrat setzte sich aus Regierungsbeauftragten der Einzelstaaten zusammen, war also nicht gewählt; er konnte Gesetzentwürfen zustimmen oder diese auch ablehnen. Im Bundesrat führte der Reichskanzler den Vorsitz. 25 Einzelstaaten mit insgesamt 58 (später 61) Stimmen waren in ihm vertreten. Preußen hatte allein 17 Stimmen und mit den Stimmen der von ihm abhängigen Kleinstaaten eindeutig das Übergewicht.

Der Reichstag wurde in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl von männlichen Bürgern über 25 Jahre gewählt. Die Einführung dieses Wahlrechts und einiger anderer demokratischer Rechte waren ein Ergebnis des Kampfes des Volkes. Aber aus Angst vor dem Volke wurden die Rechte des Reichstages sehr beschnitten. Gesetze, die vom Reichstag beschlossen wurden, konnten beispielsweise vom Bundesrat abgelehnt werden. Der Kaiser konnte den Reichstag einfach auflösen.

Durch politischen Druck und durch Beherrschung der Zeitungen konnten die herrschenden Klassen die Wähler beeinflussen. Die Junker und die Bourgeoisie hatten immer die Mehrheit im Reichstag.

Der preußisch-deutsche Militarismus

Nach dem deutsch-französischen Krieg breitete sich der preußische Militarismus weiterhin über Deutschland aus.

Der Kaiser hatte die oberste Kommandogewalt über die deutschen Streitkräfte. Er ernannte Offiziere und Generäle.

Das preußische Kriegsministerium – dem Reichstag nicht rechenschaftspflichtig – wurde das Organisationszentrum des Heeres, und der preußische Generalstab – nur dem Kaiser verantwortlich entwarf die Kriegs- und Operationspläne.

Im Heer selbst besaßen die Junker als Generale und Offiziere eine beherrschende Stellung.

Wie spiegeln sich die Rolle des Junkertums und das reaktionäre Klassenbündnis von Junkertum und Großbourgeoisie in der Armee wider?

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Junkertum und Bourgeoisie förderten vor allem den Ausbau und die Machterweiterung des preußischen Militarismus. Die herrschenden reaktionären Klassen nutzten die außenpolitischen Spannungen aus und verstärkten die Rüstungen. (Siehe: Die Außenpolitik des preußisch-deutschen Reiches)

Während die Bevölkerungszahl von 1872 bis 1893 um etwa 25 Prozent stieg, wuchs die Heeresstärke um nahezu 50 Prozent. Die Rüstungsausgaben verschlangen den größten Teil der Staatseinnahmen. In Preußen wurden zum Bespiel 1873 zwei Millionen Taler für Volksschulen ausgegeben, aber 60 Millionen Taler für Heer und Flotte.

Die wachsenden Rüstungskosten und die Folgen für das Volk. (Karikatur aus „Der wahre Jakob“)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Kapitalisten und Bankiers sahen in der Verstärkung des preußisch-deutschen Heeres eine Voraussetzung für ihre Ausbeutungs– und Eroberungspläne. Die Rüstung war zudem für sie eine gute Profitquelle. Nicht nur die Werke Krupps, die vor allem schwere Waffen lieferten, nahmen einen großen Aufstieg. Am Rüstungsgeschäft war der Besitzer großer Betriebe im Saargebiet, Stumm, beteiligt. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes zu militärischen Zwecken brachte Stahlwerksbesitzern, den Lokomotivfabrikanten und anderen Firmen, die Eisenbahnausrüstungen herstellten, große Profite.  Die sich entwickelnde Elektroindustrie verdiente am Ausbau des militärischen Telefon- und Telegrafensystems. Und die Zeiss-Werke in Jena belieferten sehr bald die Heeresleitung mit Feldstechern und anderen optischen Instrumenten. Bauunternehmer schließlich verdienten am Festungs- und Kasernenbau. So waren Militarismus und Kapitalismus eng miteinander verbunden.

Der Militärapparat wurde nicht nur für außenpolitische Zwecke ausgebaut. Nach dem Motto der Junker aus der Revolution 1848/49 „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten! wurde das Militär auch gegen das eigene Volk eingesetzt.

Die Militärorganisation im Deutschen Reich
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die bevorzugte Stellung des Militärapparates beeinflusste das gesamte gesellschaftliche Leben. Kriegervereine und den Militarismus preisende Studentenverbindungen, militärische Aufmärsche zu Sedan-Feiern und Kaiser-Geburtstagen bestimmten das äußere Bild. In den Schulen und Universitäten, in Zeitungen und sogar durch Postkarten wurde der Krieg und das Militär verherrlicht.

Die Herrschaft der Junker und der Großbourgeoisie und die bestimmende Rolle des preußischen Militarismus kennzeichneten das Deutsche Reich als einen preußisch-deutschen Militärstaat.

Die Unterdrückung aller demokratischen Kräfte und der Arbeiterbewegung

Dem Wesen des preußisch-deutschen Militarismus entsprach die Verfolgung aller Gegner der Politik der herrschenden Klassen, insbesondere der Sozialdemokraten.

Schon zu Beginn des Krieges gegen Frankreich ließ der Militärbefehlshaber in Norddeutschland am 09. September 1870 den Braunschweiger Ausschuss der SDAP (Parteileitung) verhaften und in die Festung Lötzen verschleppen. Am 17. Dezember 1870 wurden August Bebel und Wilhelm Liebknecht verhaftet und bis zum März 1871 eingekerkert. Auch bürgerliche Demokraten, die gegen die Politik der Regierung auftraten, wurden verhaftet.

Die Unterdrückung der demokratischen Kräfte, insbesondere der Sozialdemokratie, wurde nach dem Kriege fortgesetzt. Zeitungsredakteure wurden verhaftet und ins Gefängnis gesperrt, die Mitglieder des Braunschweiger Ausschusses wegen angeblicher Vergehen gegen die öffentliche Ordnung zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Einen vorläufigen Höhepunkt dieser Terrormaßnahmen, die auch der Einschüchterung aller oppositionellen Kräfte dienen sollten, bildete der Leipziger Hochverratsprozess gegen Wilhelm Liebknecht und August Bebel. In diesem Prozess der im März 1872 in Leipzig stattfand, sollte den beiden Arbeiterführern Vorbereitung zum Hochverrat nachgewiesen werden.

Der Hochverratsprozess gegen Bebel und Liebknecht in Leipzig 1872.(Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Liebknecht und Bebel nutzten die Verhandlungen zu einer ausführlichen, leidenschaftlichen Darlegung der Ziele der SDAP und der Grundsätze des Sozialismus. Arbeiterzeitungen und teilweise auch bürgerliche Zeitungen berichteten ausführlich über den Prozess und trugen damit wesentlich zur Ausbreitung der Gedanken und der politischen Grundsätze der revolutionären Sozialisten bei. So wurde der Prozess durch das mutige Auftreten der Angeklagten zu einem Erfolg für die Sache des Sozialismus. Obwohl Liebknecht und Bebel die gegen sie erhobenen Vorwürfe widerlegten und nachwiesen, dass die Sozialdemokraten den Interessen der Nation dienten, wurden sie zu je zwei Jahren Festungshaft verurteilt. Dieses Urteil rüttelte viele Arbeiter auf.

Die Unterdrückung nationaler Minderheiten

Eine besonders brutale Unterdrückungspolitik betreiben die herrschenden Klassen gegenüber den im Deutschen Reich lebenden nationalen Minderheiten. Die preußisch-deutschen Junker und Militaristen gaben vor, diesen Völkern eine „höhere Kultur“ bringen zu wollen. Die richteten aber tatsächlich ihre Bestrebungen darauf, die zu „germanisieren“, das Heißt, die nationalen Minderheiten zu unterdrücken und zu verdrängen. Am stärksten waren die in den von Preußen eroberten Gebieten lebenden Polen betroffen. Die Verwaltung und Rechtsprechung in diesen Gebieten lagen in den Händen preußischer Beamter. In den Ämtern, vor Gericht und in den Schulen wurde die polnische Sprache schrittweise verboten. Die Lehrer demütigten und misshandelten(mobbten) die polnischen Kinder, wenn sie gegen dieses Verbot verstießen. Besondere Ansiedlungsgesetze sollten die polnischen Bauern zwingen, ihr Land zu billigen Preisen zu verkaufen und es preußischen Großgrundbesitzern und Großbauern zu überlassen.

Vertreibung eines polnischen Bauern von seinem Land durch preußische Polizei.(Zeitgenössische Darstellung auf einem damals heimlich verbreiteten Flugblatt)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die gleiche Politik der nationalen Entrechtung wurde gegenüber den Sorben betrieben.

In Elsass-Lothringen erhielt die Bevölkerung erst 1874 das Wahlrecht. Preußische Beamte und Offiziere spielten sich als die Herren auf. 42 Jahre nach der Annexion kam es noch zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und Militär, die durch die von preußischen Offizieren an einheimischen Rekruten verübten Schikanen ausgelöst worden waren.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Trennung der Arbeiterklasse von der Bourgeoisie. Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863

Um ihre historische Mission (S. 21) zu verwirklichen, brauchte die Arbeiterklasse eine selbständige, revolutionäre Arbeiterpartei. Machten die Streiks den Interessengegensatz zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie auf ökonomischem Gebiet deutlich, so wurde der politische Gegensatz besonders im Kampf um die nationalstaatliche Einigung sichtbar. Die fortgeschrittesten Arbeiter erkannten, dass sie sich selbständig organisieren mussten, um entschieden für die Gegenwarts- und Zukunftsinteressen der Arbeiterklasse und damit des ganzen Volkes kämpfen zu können.

1862 schieden die oppositionell eingestellten Arbeiter aus dem unter bürgerlicher Führung stehenden Leipziger Arbeiterbildungsverein aus. Auf der Suche nach einem Programm kamen die Arbeiter mit dem Rechtsanwalt und Schriftsteller Ferdinand Lassalle (1825 bis 1864) in Verbindung, der sich an die Spitze der proletarischen Selbstständigkeitsbewegung stellte.

Im Mai 1863 wurde in Leipzig unter Führung Lassalles die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) vollzogen. Der ADAV erfasste die fortgeschrittesten deutschen Arbeiter. 1864 zählte er 3000 Mitglieder. Mit dem ADAV entstand eine selbständige, von der Bourgeoisie unabhängige Arbeiterorganisation in Deutschland. Darin bestand das Verdienst Lassalles.

Lassalle orientierte die Arbeiterbewegung auf den politischen Kampf. Aber er gab ihr keine revolutionäre Zielsetzung, obwohl der Karl Marx und dessen Arbeiten kannte.

Lassalle sah im Kampf um das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht das Hauptmittel des politischen Kampfes und erzeugte dadurch die Illusion, als könne die Herrschaft der Arbeiterklasse durch Wahlen erobert werden. Er verbreitete die Ansicht, dass die kapitalistische Ausbeutung durch Produktivgenossenschaften mit Hilfe des preußischen Staates überwunden werden könne. Mit dieser Auffassung vom „friedlichen Hineinwachsen“ in den Sozialismus lenkte er die Arbeiterklasse vom revolutionären Kampf ab. Das war Opportunismus. Das Wort wurde abgeleitet von „opportun“(lat.)=passend; nützlich, angebracht. Es deutet auf die „Anpassung an die herrschenden Klassen hin. Siehe auch die Begriffserklärung.

Lassalle missachtete ferner den ökonomischen Kampf der Arbeiterklasse. Schließlich begünstigte er die antidemokratische Einigung Deutschlands durch Preußen. Dadurch erschwerte er es der Arbeiterklasse, die führende Kraft für die Einigung von unten zu werden. Diese konnte sich nur im Kampf gegen den preußischen Militarismus, gegen die Bourgeoisie und gegen die Theorien Lassalles bilden.

Die Trennung des Verbandes deutscher Arbeitervereine von der Bourgeoisie

Um den Selbständigkeitsbestrebungen der Arbeiter und möglichen Ausstrahlungen des ADAV entgegenzuwirken, gründeten bürgerliche Politiker im Juni 1863 den Verband der deutschen Arbeitervereine. Er fasste die unter bürgerlichem Einfluss stehenden Arbeitervereine zusammen. Aber die Bourgeoisie konnte nicht verhindern, dass sich die Arbeiter ihrer eigenen Interessen bewusst wurden.

1865 fanden über 150 Streiks statt, einige hatten über 1000 Teilnehmer. Die Arbeiter wandten sich gegen die „Blut und Eisen“-Politik Bismarcks, die von der Bourgeoisie unterstützt wurde. Sie forderten demokratische Freiheiten. Entgegen den Bemühungen der Bourgeoisie nahmen die Arbeiter immer größeren Einfluss auf den Verband deutscher Arbeitervereine. Die führende Rolle in diesem Prozess spielten August Bebel und Wilhelm Liebknecht.

August Bebel
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Wilhelm Liebknecht
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In enger Kampfgemeinschaft erreichten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in unermüdlicher Arbeit, dass sich die Arbeitervereine allmählich von der Bourgeoisie lösten. Von entscheidender Bedeutung war dabei die Hilfe von Karl Marx und Friedrich Engels. Seit 1865 bildeten sich in Deutschland die ersten Sektionen der I. Internationale. August Bebel wurde 1866 Mitglied der I. Internationale. Wilhelm Liebknecht stand mit Marx und Engels in ständiger Verbindung.

Die fortgeschrittesten Arbeiter begannen, die Ideen des „Kapitals“ aufzunehmen. Sie erkannten dadurch klarer das Wesen des Kapitalismus, die Notwendigkeit seiner Überwindung und vor allem die historische Mission der Arbeiterklasse als „Totengräber“ der kapitalistischen Gesellschaft. Damit wurden auch die Ideen Lassalles widerlegt.

1867 wurde August Bebel Präsident des Verbandes der deutschen Arbeitervereine. Zur gleichen Zeit wurden Bebel und dann auch Liebknecht als Abgeordnete in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt.

1968 fand der 5. Vereinstag des Verbandes deutscher Arbeitervereine in Nürnberg statt. 115 Delegierte vertraten 93 Vereine mit etwa 13 000 Mitgliedern.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Geführt von Bebel und Liebknecht erklärte der Vereinstag mit überwältigender Mehrheit seine Übereinstimmung mit dem Programm der I. Internationale und beschloss den Anschluss an die Bestrebungen der Internationalen Arbeiterassoziation“.

Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1869

Von Bebel, Liebknecht und anderen marxistischen Kräften der deutschen Arbeiterbewegung gründlich vorbereitet, tagte im August 1869 in Eisennach der bis dahin größte Arbeiterkongress. 262 Delegierte vertraten mehr als 10 000 Arbeiter. Aus der Einsicht, dass die politische und ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gemeinsam und einheitlich den Kampf führt, beschlossen sie die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. (SDAP).

Der Kongress nahm Programm und Statut, die Bebel ausgearbeitet hatte, an. Nach ihrem Gründungsort wurden die Mitglieder dieser Partei von den Arbeitern auch Eisenacher genannt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In der SDAP schlossen sich die unter Führung Bebels und Liebknechts stehenden Arbeitervereine, die proletarische Opposition, die sich vom ADAV getrennt hatte, und Mitglieder von Gewerkschaftsorganisationen zusammen. Die Mitglieder der I. Internationale bildeten in ihnen die bewusstesten und aktivsten Kräfte.

Auf dem Eisenacher Kongress schuf sich die deutsche Arbeiterklasse auf marxistischer Grundlage erneut eine revolutionäre proletarische Partei. Sie bekämpfte das Junkertum, die Bourgeoisie und deren Staatsmacht unversöhnlich. Damit hatten die Lehren von Marx und Engels in der deutschen Arbeiterbewegung einen wichtigen Sieg errungen. Die SDAP war die erste im Rahmen eines Landes organisierte sozialistische Arbeiterpartei überhaupt. Die Arbeiterklasse gewann in der SDAP eine zuverlässige Führung im Kampf um die Interessen des Volkes. Mit der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach wurde die wichtigste Voraussetzung für die Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterbewegung auf marxistischer Grundlage geschaffen.

Zur deutschen Arbeiterbewegung von 1850 bis 1869
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

August Bebel

August Bebel
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

August Bebel (1840 bis 1913).

Er wurde als Sohn eines preußischen Unteroffiziers in Köln geboren. Die Not der Armen lernte August Bebel von Jugend auf kennen. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater. Mit 13 Jahren verlor er seine Mutter. August Bebel kam zu einem Drechsler in Wetzlar in die Lehre. Als Handwerksgeselle durchzog er Süddeutschland und Österreich und kam schließlich nach Leipzig. Bebel sagt selbst, dass diese Reise nach Leipzig für seine weitere Zukunft entscheidend wurde. Dort fand er Anschluss an die Arbeiterbewegung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel