Der Frühkapitalismus in Deutschland: Der Vorabend der Revolution

Ende des 15. Und zu Beginn des 16. Jahrhunderts vollzogen sich Veränderungen, welche die Macht der Kirche und der Feudalherren erschütterten.

Die Ursachen dafür sind im schweren Leben der Bauern im Spätmittelalter(15. Jahrhundert) und in der Lage der Bevölkerung in den Städten zu finden

 

Das Entstehen einer revolutionären Bewegung

Die Handwerker und Kaufleute kämpften um Mitbestimmung in der Stadt, unterstützt durch die Stadtarmut. Die Lohnarbeiter in den Bergwerken streikten, um höhere Löhne zu erhalten. Am Anfang der revolutionären Bewegung stand die Bauernerhebung von 1476. Wie es nach mittelalterlichem Brauch üblich war, wurde auch 1476 am Sonntag nach dem 24. März auf Volksfesten der Winter ausgetrieben. An diesem Sonntag predigte der Hirte und Musikant Hans Böheim neben der Kirche von Niklashausen. Prediger wir Hans Böheim, auch Pfeiferhänslein genannt, traten vor dem Volk auf. Da war nicht ungewöhnlich. Doch neu waren die Ideen, die Hans Böheim verbreitete: Er predigte vom Horn Gottes gegen die Priester, verkündete, dass es bald weder Papst noch Kaiser geben solle. Abgaben, Frondienste und Zinsen sollten abgeschafft werden. Wald, Wasser und Weide frei sein. Es werde dazu kommen, „dass die Fürsten und Herrn noch umb einen Taglone mussen arbeiten“. Hans Böheim stellte in dem ersten überlieferten Aufstandsprogramm Forderungen auf, die 50 Jahre später im Bauernkrieg wiederzufinden sind.

Predigt des Pfeifers

Predigt des Pfeifers

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh – eine mächtige Bauernverschwörung

Im Jahre 1493 entstand die erste Verschwörung unter dem Zeichen des Bundschuhs.

Bauern mit Bundschuhfahne

Bauern mit Bundschuhfahne

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh war die Fußbekleidung des armen Mannes, ein grober Schuh aus Rindsleder, dessen Schaft bis an die Wade reichte. Er wurde mit langen Riemen kreuzweise gebunden. Jacob Hanser gründete die Bundschuhbewegung im Elsaß. Die Mitglieder des Geheimbundes wollten die Wucherer vertreiben, die Gerichte abschaffen, die Klöster beseitigen und die verschiedenen Steuern, Zölle und Abgaben einschränken. Die Mitglieder des Bundschuhs kamen nachts zusammen und berieten über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Herren. Sie wollten Schlettstadt erobern und dann von hier aus die Bevölkerung zu den Waffen rufen. Das Geheimnis wurde verraten. Die Feudalherren ließen die Verschwörer verhaften. Der Bundschuh wurde unterdrückt.

Eine neue Bundschuhbewegung wurde 1502 unter Joß Fritz organisiert. Er war ein junger leibeigener Bauer aus Untergrombach bei Bruchsal. Hier in Süddeutschland hatten die Feudalherren die Abgaben erhöht. Die Bauern durften Wald und Weide nicht mehr uneingeschränkt nutzen. Eine langanhaltende Teuerung zog Hungersnot und Seuchen nach sich.

So scharten sich die Bauern und zahlreiche Landsknechte um Joß Fritz. Auf seiner Blau-weißen Fahne stand die Losung „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes“. Er gab der gesamten Bewegung ein revolutionäres Programm, das auf die Beseitigung der bestehenden Gesellschaftsordnung gerichtet war.

Aufstandsgebiete

Aufstandsgebiete

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh wollte zu Ostern 1502 losschlagen. Es war beabsichtigt Schloss Obergrombach und die Stadt Bruchsal zu erobern und von dort aus einen großen Aufstand zu beginnen. Doch ein Landsknecht hatte den Plan in der Beichte dem Priester mitgeteilt, der ihn einem Feudalherrn verriet(Der Priester hat das Beichtgeheimnis nicht eingehalten. Eigentlich eine große Sünde. In diesem Fall interessierte das niemanden, denn es ging ja um den Erhalt der Macht der Feudalherren.). Die Feudalherren ließen 100 Mann verhaften, zehn davon wurden hingerichtet. Doch Joß Fritz entkam.

1513 stand Joß Fritz an der Spitze eines neuen Bundschuhs in Lehen bei Freiburg im Breisgau. Sein Kampf richtete sich jetzt nicht nur gegen die Pfaffen, sondern auch gegen den Adel. Außerdem war er zur Erkenntnis gelangt, dass sich die Bauern mit den Handwerkern und dem armen Volk der Städte verbinden müssen. Diese Verschwörung und auch die 1517 am Oberrhein vorbereitete wurden vor dem geplanten Aufstand entdeckt. Zur gleichen Zeit begannen Unruhen unter der städtischen Bevölkerung, z.B. in Würzburg. Es erhob sich 1514 die württembergische Bevölkerung im Aufstand des „Armen Konrad“. Doch dieser Aufstand wurde von den Feudalherren niedergeschlagen.

Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts waren breite Schichten des deutschen Volkes in Bewegung geraten. Die Entwicklung drängte auf eine grundlegende Umwälzung der Verhältnisse in Stadt und Land, auf eine Revolution hin. Die Volksmassen wollten nicht mehr in Not und Elend leben. Damit begann eine neue Phase von Klassenkämpfen in Deutschland.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Vorabend Revolution

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

Die Bedeutung der frühbürgerlichen Revolution zur DDR-Zeit und heute

Nach der frühbürgerlichen Revolution versuchten Fürsten und andere Volksfeinde, die revolutionären Kräfte und vor allem Thomas Müntzer zu verleumden. Herrschende Kreise in imperialistischen Ländern trachten heute noch danach. Das ist gerade heute, nach der Niederlage des Sozialismus in Europa und der Annexion der DDR durch die BRD aktuell. Der Geburtsort Stolberg sowie der Sterbeort Mühlhausen erhielten in der DDR den offiziellen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“. (Mühlhausen 1975 anlässlich des 450. Todestages) Nach der Annexion der DDR wurden die Beinamen aberkannt und getilgt. Im Gegensatz dazu sind die Beinamen der „Lutherstädte“ Eisleben und Wittenberg bestehen geblieben. Dieses Geschichtsverständnis der vergrößerten heutigen BRD sagt doch einiges aus.

Thomas Müntzer

Thomas Müntzer. Stich von Christian Sichem, 1608

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Welches Geschichtsverständnis Italien und Österreich in Bezug auf die Bauernkriege in Tirol hat, weis DIE TROMMLER (Petra Reichel) nicht. Italiener und Österreicher, die das wissen, können sich gerne melden.

 

Bauern bei der Fronarbeit, Briefmarke DDR 1975

Bauern bei der Fronarbeit, Briefmarke der DDR(1975)

entnommen Wikipedia

Für uns steht fest: Im deutschen Bauernkrieg sammelte unser Volk Erfahrungen im Kampf um seine Befreiung. Für die Massen der Aufständischen war es ein gewaltiges Ereignis in ihrem schweren Leben, die Burgen und Klöster, die Bastionen ihrer Unterdrücker, zerstört gesehen zu haben. Tausende erlebten zwischen 1524 und 1526, was es heißt, frei zu werden und Herr im eigenen Lande zu sein. Die Aufständischen hatten das Recht auf ihrer Seite. Sie kämpften für die Zukunft.

Der Bauernkrieg war ein großartiger Versuch der Volksmassen, eine neue, gerechtere Ordnung zu schaffen. Es wurde seitdem nie mehr vergessen, dass die Aufständischen trotz ungünstiger Bedingungen den Kampf gegen ihre Ausbeuter aufnahmen und ihr Leben für eine bessre Gesellschaftsordnung einsetzten.

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

 

Das Geschichtsbuch der DDR sagt an dieser Stelle: „Wir Bürger der DDR sind stolz auf diese Epoche unserer Geschichte!“ Nun ja, das wurde Schulkindern beigebracht. Ob sich dies für ihr weiteres Leben eingeprägt hat oder in Vergessenheit geraten ist, sei mal dahingestellt. Vielleicht haben die damaligen Schulkinder Zuhause was Anderes gehört. Wir wissen es nicht. Ich denke im Taumel der Konterrevolution 1989/90 ist dieses Stück Schulwissen aus der DDR verloren gegangen. Als gegen Ende der DDR das Panoramamuseum mit dem großen Kunstwerk von Werner Tübke, zu Ehren von Thomas Müntzer, fertiggestellt wurde, kam dies bei der Bevölkerung nicht an. (siehe Beitrag „Bauernkriegspanorama“)

Das Geschichtsbuch der DDR erklärt noch folgendes, das auf die Bauernkriege bezogen ist, aber nach dem Scheitern des Sozialismus in Europa und der Annexion der DDR durch die BRD wieder oft zitiert wird:

In einem (später entstandenen) Lied heißt es: „Geschlagen ziehen wir nach Haus. Unsre Enkel fechten´s besser aus!“ Ein schwacher Trostspruch.

Kurt Bartel, ein Dichter aus der DDR, schrieb 1948: Schwer ist es, aufzustehen, schwerer, zu siegen.“

Und nun ist der Kampf um eine gerechte Gesellschaftsordnung, ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wieder verloren worden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel    

Zur entsprechenden Passage aus dem Geschichtsbuch:

Bitte auf den Link klicken.

Frühbürgerliche Revolution, DDR-Zeit und heutige Zeit

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

Die Bauernkriege(Übersicht)

Rücktitelbild Geschichtsbuch DDR, 6 Klasse

Rücktitelbild des Geschichtsbuches der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Erklärung zu Rücktitelbild

Erklärung zum Rücktitelbild


 

Zu den Ausführungen der genannten Unterthemen:

Bitte auf das jeweiligen Unterthema klicken

 

Der Beginn des Bauernkrieges

 

Der Bauernkrieg in Süddeutschland

 

Der Bauernkrieg in Thüringen mit Thomas Müntzer

 

Der Bauernkrieg in den Alpenländern mit Michael Gaismair

 

Rücktitel Geschichtsbuch 6.Klasse DDR page 3

Rücktitel Geschichtsbuch DDR 6. Klasse

 

Zur Passage aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982:

Bitte auf das Wort „Bauernkriege“ klicken

 

Bauernkriege

 

 

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982 und

Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Ergebnisse und Auswirkungen der frühbürgerlichen Revolution

Rücktitelbild Geschichtsbuch DDR, 6 Klasse

Rücktitel Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Trotz der Niederlage der deutschen Bauern ging in manchen Orten die revolutionäre Volksbewegung bis zu Jahre 1535 weiter. Die Reformation wurde zur Fürstenreformation. Die Macht der Fürsten festigte sich.

 

Die Niederlage des Bauernkrieges und die weitere Volksbewegung

Bauern beim Steuereinnehmer, 1539

Bauern beim Steuereinnehmer

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Ursachen der Niederlage

 

Friedrich Engels:

Friedrich Engels zu Niederlage Bauernkriege

entnommen aus dem Geschichtsbuch er DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die revolutionären Bauern und Plebejer erlitten im Bauernkrieg eine Niederlage. Dafür gab es mehrere Gründe:

 

  • Die Aufständischen kämpften uneinheitlich, weil die Haufen unterschiedliche Interessen hatten. Die einen wollten weiterkämpfen, den anderen genügte der Sturm auf die Burg ihres Fronherren.

 

  • Die Aufständischen hatten keine einheitliche militärische Führung. Die Bauernhaufen kämpften isoliert in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. Die Fürsten vereinigten ihre Streitmacht. Sie bekamen von den Fuggern Geld zur Anwerbung von Söldnern.

 

  • Die Aufständischen waren zu gutgläubig und vertrauensselig. Die Bauern verhandelten, anstatt sich ihr Recht zu erkämpfen. Die Fürsten gewannen dadurch Zeit.

 

  • Die Aufständischen wurden vor allem deshalb geschlagen, weil sie zu wenig Unterstützung von den Städten erhielten. Die Bürger waren für Luthers Reformation, aber die Müntzersche Volksreformation fürchteten sie. Sie bangten um ihren Besitz.

 

  • Schließlich musste die deutsche frühbürgerliche Revolution scheitern, weil das Bürgertum als Klasse in Deutschland damals noch zu schwach war, die Macht zu übernehmen. Der Kapitalismus war noch zu wenig entwickelt.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

Der Bauernkrieg in den Alpenländern und Michael Gaismair

Im Alpengebiet, in Tirol, wurde der Kampf noch ein ganzes Jahr lang bis 1526 mit großer Erbitterung geführt. Hier hatte der Aufstand erst im Mai 1525 begonnen. Die Aufständischen wählten Michael Gaismair zu ihrem Führer.

Waffen der Bauern in Bauernkriegen 2

Waffen der Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Einen großen Erfolg errangen die Aufständischen im Salzburgischen. Sie eroberten am 03. Juli 1525 die Stadt Schlading und vernichteten ein Adelsheer. Es war der größte Sieg der Bauern während des gesamten Bauernkrieges. Aber die Bauern nutzten den Sieg nicht aus. Anstatt den geschlagenen Gegner zu verfolgen und ihn endgültig zu vernichten, zogen sie sich zurück. Die Tiroler Aufständischen belagerten Ende August 1525 die Stadt Trient, konnten sie nicht einnehmen und erlitten eine Niederlage.

Michael Gaismair war den Feudalherren schon vorher in die Falle gegangen. Sie hatten ihm vorgeschlagen, er möge nach Innsbruck kommen, um mit ihnen über die Erfüllung der Forderungen der Aufständischen zu beraten. Als er dann tatsächlich nach Innsbruck kam, ließ man ihn verhaften. Doch Anfang Oktober 1525 floh Gaismair aus dem Gefängnis. Er nahm sofort den Kampf wieder auf und begann, Truppen von Bewaffneten um sich zu sammeln. Im Winter hielt er sich in Graubünden verborgen. Dort arbeitete er seine „Tiroler Landesordnung“ aus. Er wollte die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigen. Es sollte keine Standesunterschiede mehr geben. Alle Menschen sollten gleich sein. Das Privateigentum an Produktionsmitteln sollte beseitigt werden. Gaismair wollte den Städten in Tirol ihre Vorrechte nehmen. Trient sollte ein Handelszentrum werden. Aber es gelang Gaismair nicht mehr, das Volk zum großen Aufstande zu bewegen. Im Juni 1526 siegte er über zwei Fähnlein des Schwäbischen Bundes. Mit 2000 Mann zog er durch Tirol. Er konnte einige Städte einnehmen, aber die Bevölkerung schloss sich ihm nicht an. Sie war durch die Nachrichten von der Niederlage der Bauern in Schwaben, Thüringen und im Elsaß eingeschüchtert. Gaismair musste schließlich mit seinen Truppen Tirol verlassen. Von Venedig aus versuchte er erfolglos, den Kampf fortzusetzen. Damit war der Bauernkrieg in Tirol beendet.

Welches Geschichtsverständnis Italien und Österreich in Bezug auf die Bauernkriege in Tirol hat, weis DIE TROMMLER (Petra Reichel) nicht. Italiener und Österreicher, die das wissen, können sich gerne melden.

 

Der Bauernkrieg in Thüringen und Thomas Müntzer

Bauern verteidigen ihre Wagenburg

Bauern bei Verteidigung der Wagenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Höhepunkt des Bauernkrieges in Thüringen

Thomas Müntzer kehrte im Februar 1525 aus Süddeutschland nach Thüringen zurück. Wichtige Aufstandszentren waren Mühlhausen und Frankenhausen. In Mühlhausen vereinigten sich Teile des Bürgertums mit der Stadtarmut und den Bauern zu gemeinsamen Kampf. Am 16. Und 17. März 1525 stürzten die Aufständischen in Mühlhausen den Rat der Stadt. Sie setzten einen „Ewigen Rat“ ein, wie Thomas Müntzer es empfohlen hatte. Thomas Müntzer warb neue Kampfgefährten für seinen „Ewigen Bund Gottes“. Er ließ eine Fahne anfertigen, die als Zeichen die Regenbogenfarben trug. Er sandte seine getreuen Boten nach Hessen, Würzburg und Leipzig. Die Führer des Bergknappenaufstandes in Joachimstal in Böhmen orientierten ihr Programm an dem Müntzers. Überall versuchten die Anhänger Thomas Müntzers, den gemeinsamen Kampf zu organisieren und das Volk zu den Waffen zu rufen.

Waffen der Bauern in Bauernkriegen

Waffen der Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Müntzers Kampfgefährten machten sich mit ihm gemeinsam Gedanken darüber, wie es nach dem Sieg der Volksreformation und des Bauernkrieges in Deutschland weitergehen sollte. Wer sollte denn die politische Macht übernehmen, wenn die weltlichen und geistlichen Feudalherren vertrieben sein würden, wie Thomas Müntzer und seine Anhänger es erstrebten? Thomas Müntzer antwortete darauf: „Die Macht soll gegeben werden dem gemeinen Manne.“ Er meinte damit das Bürgertum, die Stadtarmut und die Bauern. So träumten die revolutionären Müntzer-Anhänger von einem Land ohne Ausbeutung, ohne die Missstände in der Kirche, ohne den Feudalismus, von einem „Reich Gottes auf Erden“, wie sie es nannten.

Siegel von Thomas Müntzer

Siegel von Thomas Müntzer

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Im April 1525 erhoben sich die Bauern in Thüringen. Es begann der Kampf auf Leben und Tod. Der Aufstand verbreitete sich in wenigen Tagen über das ganze Land. Bis Anfang Mai errangen die Aufständischen den vollen Sieg über die weltlichen und geistlichen Herren. Die meisten Schlösser, Adelssitze und Klöster wurden eingenommen. Das war zugleich das Signal für die Kämpfe in den meisten thüringischen Städten. Sogar Adlige schlossen sich der Übermacht des Volkes an. Und das geschah ohne Blutvergießen. Bald zeigte sich aber, dass viele Aufständische, besonders in den Städten, nicht mit den Bauernhaufen weiterziehen wollten. Auch die Fürsten waren nicht untätig geblieben. Sie rüsteten überall zur Vernichtung der Bauern. Die Fugger(eine der ersten Kapitalisten) gaben das Geld!

 

Die Schlacht bei Frankenhausen

Thomas Müntzer wollte die Burg Heldrungen stürmen. Dort hatten sich die Truppen des Adels verschanzt. Müntzer beabsichtigte, sich mit den Mansfelder Bergleuten zu vereinen. Doch ein einflussreicher Führer der Aufständischen von Mühlhausen hörte nicht auf ihn. Statt dessen zogen die Mühlhäuser ins Eichsfeld und zerstörten Klöster. Bei Frankenhausen hatten sich mehrere tausend Bauern in einem Lager zusammengefunden. Müntzer zog mit 300 Bewaffneten dorthin, um den Bauern Mut zu machen. Einige begannen zu verzagen, als die Fürsten mit ihren Heeren heranrückten. Am 14. Mai 1525 traf Phillip von Hessen mit Truppen ein und griff die Bauern zunächst ergebnislos an. Er verlangte die Auslieferung Müntzers. Die Bauern lehnten ab. Sie hatten auf dem Schlachtberg bei Frankenhausen hinter einer Wagenburg Stellung bezogen. Am 15. Mai 1525 traf auch Herzog Georg von Sachsen mit Truppen ein. Erst jetzt fühlten sich die Fürsten stark genug zum Angriff. Noch während der Verhandlungen über die Auslieferung Müntzers hatten sie die Bauern heimlich umzingelt. Müntzer hielt den Bauern eine Rede. Da griffen die Fürsten das Lager der Bauern an. Darauf waren die Bauern noch nicht vorbereitet. Ehe sie die Gegenwehr organisieren konnten, durchbrachen die Truppen den Fürsten die Wagenburg. Es begann ein fürchterliches Gemetzel. Die Bauern flohen in die Stadt. Etwa 6000 Aufständische wurden getötet, nur wenige entkamen.

Bauern verteidigen ihre Wagenburg

Bauern bei Verteidigung der Wagenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Müntzer geriet mit zahlreichen Aufständischen in Gefangenschaft. Die Sieger brachten ihn nach Heldrungen. Dort ließen sie ihn foltern. Am 27. Mai 1525 wurde Thomas Müntzer in der Nähe von Mühlhausen enthauptet. (siehe Beitrag zu Thomas Müntzer)

Die Fürsten nahmen grausame Rache an den Bauern. Ganze Dörfer wurden geplündert, niedergebrannt und die Einwohner gemartert. Wer sich führend am Aufstand beteiligt hatte, den ließen die Fürsten hinrichten.

In den Monaten Mai und Juni 1525 fiel die Entscheidung im Bauernkrieg. In den wichtigsten Zentren des Aufstandsgebietes waren die Bauern geschlagen.

Thomas Müntzer und seinen Anhängern gelang es durch unermüdliche Arbeit, in vielen Gegenden und Städten den Kampf vorzubereiten. Thüringen konnte kurze Zeit frei werden. Unterschiedliche Interessen der Aufständischen und die militärische Stärke, Kampferfahrung und List der Feudalherren führten zur Niederlage der Bauern bei Frankenhausen.

Schlachtberg vor Panoramamuseum

Der Schlachtberg vor Panoramamuseum

Bildquelle: Von H.Stolze – H.Stolze, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Der deutsche Bauernkrieg war der Höhepunkt des Klassenkampfes der Bauern und Plebejer gegen den Feudaladel in Deutschland. Er richtete sich gegen feudale Ausbeutung und Unterdrückung.

Friedrich Engels über die Ursachen des Scheiterns von Thomas Müntzer:

„Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft der Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert…..Er ist…gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist…“

 

 

 

Der Bauernkrieg in Süddeutschland

Bauernheer auf dem Marsch, Holzschnitt

Bauernheer auf dem Marsch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die Programme der Aufständischen

Die Feudalherren waren zunächst machtlos. In den ersten Monaten des Aufstandes, Ende 1524/Anfang 1525, konnten sie keine Truppen gegen die Bauern entsenden, da der Kaiser gerade in Frankreich Krieg führte. So zeigten sie sich freundlich gegenüber den Bauern und versprachen, alle Beschwerden zu berücksichtigen. In Wirklichkeit wollten sie nur Zeit gewinnen, um genügend Truppen zur Vernichtung der Bauern aufzubieten.

Die Bauern blieben aber nicht untätig. Sie eroberten Burgen und stürmten Klöster. Vor allem aber berieten sie, was zu tun sei und welche Forderungen sie an die Feudalherren richten wollten.

Das radikalste Programm war das der Schwarzwälder Bauern. Dieser „Artikelbrief“ wurde aber nicht gedruckt. Auf Grund der mehr als 300 Beschwerden fasste der Feldschreiber des Baltringer Haufens „Zwölf Artikel“ zusammen. Diese „Zwölf Artikel“ waren das verbreitetste und wirksamste Kampfprogramm der Bauern. Darin wurde unter anderem gefordert:

  • Abschaffung der Leibeigenschaft
  • Abschaffung des Zehnten
  • Jagd, Fischfang und Holzung sollten frei sein
  • Rückgabe der Allmende und des Gemeindewaldes an die Bauern
  • Freie Pfarrerwahl durch die Gemeinde

Im März 1525 erschienen erstmals die „Zwölf Artikel“ gedruckt. Mehr als 25mal wurden sie nachgedruckt. Fahrende Buchhändler brachten sie von Ort zu Ort. Überall stimmten die Bauern den „Zwölf Artikeln“ zu und entwickelten sie zu eigenen Programmen weiter.

In Franken bildeten sich nach dem Vorbild derer vom Bodensee drei weitere große Bauernhaufen: der Taubertaler, der Neckartal-Odenwälder(der „helle, lichte Haufen“) und der Bildhäuser Haufen. Der Taubertaler Haufen kämpfte besonders konsequent gegen den Feudalismus. Er forderte ähnlich wie im „Artikelbrief“ der Schwarzwalbauern, dass Edelmann und Geistlichkeit ohne Vorrechte dem Bauern völlig gleich sein sollten. Alle Schlösser und Burgen sollten zerstört werden. Der „helle, lichte Haufen“ lud für Mitte Mai Vertreter aller Bauernhaufen aus Franken und Süddeutschland nach Heilbronn ein. Man wollte darüber beraten, was in Süddeutschland nach dem Siege der Bauern geschehen sollte.

Ein für die damalige Zeit wichtiges Programm war der Reichsreformentwurf, der nun als „Heilbronner Programm“ bekannt wurde. Es sah vor:

  • Neuordnung und Reformation im Reich
  • Neuordnung der Gerichte
  • Vereinheitlichung der Münzen, Maße und Gewichte
  • Abschaffung der Zölle

Diese Pläne einer bürgerlichen Reform hätten in dieser Zeit gelöst werden müssen, da sie für Handel und Wirtschaft günstig waren. Aber dieses Programm drängte die Forderungen der Bauern zurück, und somit konnte es nicht Grundlage für das notwendige Bündnis zwischen Bürgern und Bauern werden.

Geheimes Siegel der Bauern aus Würzburg

Geheimes Sieges der aufständischen Bauern in Würzburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Gegenangriff der Feudalherren

Aber auch die Feudalherren bleiben nicht untätig. Die Bauern konnten kaum ihre Programme beraten, als sie schon zum Kampf gezwungen wurden. Inzwischen hatten die Fugger(eine der ersten Kapitalisten) das nötige Geld für Söldner beschafft, der „Schwäbische Bund“ seine Truppen aufgestellt und die Kampfhandlungen eröffnet.

Waffen der Bauern in Bauernkriegen

Waffen der Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die Truppen waren vom „Schwäbischen Bund“, einer Vereinigung süddeutscher Feudalherren und Städte, angeworben worden. An der Spitze dieser Truppen stand der kaiserliche Truchseß von Waldburg, ein verschlagener, bei Niederwerfung von Aufständen bewährter und grausamer Feind der Bauern. Am 04. April 1525 schlug er bei Leipheim den Baltringer Haufen. Die war ihm gelungen, da die Allgäuer und sie Seebauern ihren Brüdern nicht geholfen hatten. Das zeigte sich als schwerwiegender Fehler. Vereint waren die Bauernhaufen mächtig, aber getrennt konnte die leicht geschlagen werden. Nach dem Sieg über die Baltringer griff der gerissene Truchseß nicht sofort die Allgäuer und die Seebauern an, sondern er verwickelte sie in Verhandlungen. Er versprach ihnen, ihre Forderungen zu erfüllen, wenn sie ihre Waffen niederlegen und nach Hause gehen würden. Die Bauern fielen darauf herein uns schlossen mit ihm den sogenannten „Weingartener Vertrag“ab. Sie glaubten den Herren aufs Wort und wurden betrogen. Nachdem die Mehrzahl der Bauern die Forderungen erfüllt hatte, ließ sie der Truchseß in ihren Dörfern überfallen und bestrafen. So rächten sich die Feudalherren an den Bauern. Die Bauern in Franken konnten in einzelnen Haufen geschlagen werden. Zwar zogen sich die Kämpfe noch vereinzelt hin, im Wesentlichen war aber der Bauernkrieg in Süddeutschland beendet.

In ihren Programmen drückten die Aufständischen sowohl Forderungen aus, die ihr Leben betrafen, als auch solche, die ein einheitliches deutsches Reich im Sinne des aufstrebenden Bürgertums verlangten. Die Bauern konnten in Süddeutschland geschlagen werden, weil sie nicht einheitlich handelten und dem Truchseß von Waldburg Glauben schenkten.

Zum Gedenken wurde oberhalb des Biberhackens westlich von Leipheim am Rand der Flur zu Echlishausen an der B10 ein Bauernkriegsdenkmal errichtet.

Leider gibt es davon kein Bild. Zumindest gibt es doch in einem Alt-Bundesland ein Bauernkriegsdenkmal.


Nachtrag in eigener Sache:

 Die Schreibweise des Namens Truchseß von Waldburg habe ich dem Geschichtsbuch der DDR entnommen. Möglicherweise ist das der gebräuchliche Rufname, da ja Namen von Adligen oft ellenlang sind. Auf Wikipedia ist die Schreibweise des Namens, bzw. der volle Name Georg Truchsess von Waldburg-Zeil.

 Auf Wikipedia sind die Schlachtenverläufe ausführlicher dokumentiert. Für DIE TROMMLER ist der Umfang der Darstellung des Geschichtsbuches der DDR schon von großem Umfang. Wer sich ausführlicher informieren will, kann ja gerne auf Wikipedia nachsehen.