George Stephenson

George Stephenson wurde am 09. Juni 1781 in Wylam bei Newcastle upon Tyne, Northumberland geboren. Am 12. August 1848 ist er in Tapton House bei Chesterfield gestorben. Er war ein englischer Ingenieur und Hauptbegründer des Eisenbahnwesens. Er war Autodidakt und erwarb sich umfangreiche technische Kenntnisse.

George Stephenson

George Stephenson

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George Stephenson wurde als Sohn armer Eltern geboren. Mit 14 Jahren musste er bereits in einer Kohlegrube arbeiten. Seine erste Tätigkeit bestand in der Bedienung einer Dampfmaschine. Bei einem Unfall mit einer Dampfmaschine erblindete sein Vater. Dieser Unfall veranlasste Stephenson sich intensiv mit Dampfmaschinen zu beschäftigen. Bald wurde er im Nordosten Englands „Maschinendoktor“ genannt. Er zeichnete sich durch die zweckmäßige Einrichtung eines Pumpenwerkes aus. Er wurde Aufseher und leitete später die Kohlenwerke von Lord Ravensworth bei Darlington.

1803 wurde sein Sohn Robert geboren. Zwei Jahre später starb seine Frau. Trotz seiner relativ guten Stellung im Kohlenbergbau musste Stephenson Schuhe reparieren, um seinem Sohn eine gute Schulbildung zu ermöglichen, die ihm selbst versagt geblieben war. Zusammen mit seinem Sohn verbesserte er seine eigenen Kenntnisse im Lesen und Schreiben.

1814 baute er für die dort angelegte Eisenbahn eine Dampflokomotive, die über lange Zeit als die erste brauchbare Lokomotive angesehen wurde. Allerdings war George Stephenson nicht der Erfinder der Lokomotive, aber er hatte sie entscheidend verbessert.  George Stephenson war wohl aber der erfolgreichste Eisenbahnpionier des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Lok von George Stephenson

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Zeichnung einer „Locomotivmaschine des Hrn. R. Stephenson“ von 1836

Zeichnung einer „Locomotivmaschine des Hrn. R. Stephenson“ von 1836[1]

Bildquelle: Von Unbekannt – http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj048/ar048048, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52349026

 

 

Parallel mit Humphry Davy (Davysche Sicherheitslampe) erfand Stephenson eine Sicherheitslampe für Grubenarbeiter.

Unter der Leitung Stephensons wurde am 27. September 1825 zwischen Stockton und Shildon die erste öffentliche Eisenbahn der Welt eingeweiht. Seine „Locomotion“ wurde vor 38 Wagen gespannt, die teilweise mit Kohlen und Weizen beladen waren. Die meisten Wagen waren jedoch mit Sitzplätzen für ca. 600 Festteilnehmer versehen. Tags darauf begann der regelmäßige Betrieb mit dem Personenwagen „Experiment“, der jedoch noch über Jahre hinweg durch ein Pferd gezogen wurde. Auf dieser Strecke fuhren drei von Stephenson konstruierte Lokomotiven. Die Gleise hatten eine Spurweite von 4 Fuß 8½ Zoll (1435 mm, Normalspur).

Der Bau der Liverpool-Manchester-Eisenbahn 1829 begründete seinen Ruf für immer. Beim berühmten Rennen von Rainhill für die beste und schnellste Lokomotive dieser Bahn, welche ihr dreifaches Gewicht mit 10 englischen Meilen Geschwindigkeit in der Stunde ziehen sollte, ohne Rauch zu erzeugen, errang The Rocket von George Stephenson und seinem Sohn Robert den Preis, indem sie ihr fünffaches Gewicht zog und 14 bis 20 englische Meilen in der Stunde zurücklegte, also die gestellten Bedingungen weit übertraf. Dieser Erfolg war hauptsächlich der Einführung des Blasrohrs und des Röhrenkessels zuzuschreiben. Das Blasrohr verbesserte die Verbrennung, während mit dem Röhrenkessel eine größere Dampfentwicklung erreicht werden konnte.

Lokomotive „The Rocket“ von George und Robert Stephenson von 1829 im Londoner Science Museum

Lokomotive „The Rocket“ von George und Robert Stephenson von 1829 im Londoner Science Museum

Bildquelle: Von William M. Connolley (Diskussion · Beiträge) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1233520

 

 

Von da an leitete Stephenson den Bau der bedeutendsten Eisenbahnen in England oder baute Maschinen für dieselben und wurde zu gleichem Zweck nach Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien berufen. Die erste deutsche Lokomotive „Adler“ kam aus der in Newcastle-upon-Tyne errichteten Maschinenbauanstalt. Von 1847 bis 1848 war George Stephenson Präsident der Institution of Mechanical Engineers.

Lokomotive „Blücher“ von George Stephenson, 1814

Lokomotive „Blücher“ von George Stephenson, 1814

Bildquelle: Lässt sich  hier nicht einsetzen. Bild ist entsprechend verlinkt.

 

 

Er war zuletzt auch Eigentümer mehrerer Kohlegruben und der großen Eisenwerke von Claycross und starb am 12. August 1848 in Tapton House bei Chesterfield. Seine Statue wurde in Newcastle auf der Stephensonbrücke aufgestellt.

Sein einziger Sohn Robert Stephenson war ebenfalls Ingenieur. Dieser war Pate von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung.

Aufgrund seiner Bedeutung für den Eisenbahnverkehr wurde die Straße mit der Hauptverwaltung des Personenverkehrs der Deutschen Bahn AG in Frankfurt am Main nach Stephenson benannt.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Thema „Interzonenzug“

Gastbeitrag von Roland Loeckelt

Wenn man eine Reise in der DDR tat, fand diese fast immer mit der Bahn statt.

So tat auch ich eine ganze Reihe von Heimfahrten während meiner Zeit bei der

Nationalen Volksarmee und der Volksmarine der DDR mit der Deutschen Reichsbahn.

Da die Zeit der Beurlaubung immer recht kurz bemessen war, wurden durch mich auf der Strecke

Zwischen Sarmund / Rügen und Schwerin , sowie zwischen Sarmund / Rügen und Dresden gerne die

„Interzonenzüge“ benutzt.

Auf der Strecke nach Schwerin konnte ich diesen Zug bis Bad Kleinen nutzen, dann musste ich Umsteigen. Bis Dresden konnte ich ohne Unterbrechung reisen.

Nett waren die Unterhaltung mit den Fahrgästen in diesen Zügen, wobei man natürlich aufpassen musste, damit keine Informationen über die Einheit / Dienststelle, der Waffengattung, dem Standort und die Truppenstärke preisgegeben wurden.

Da gab es so manchen Reisenden, der hier versuchte mit geschickter Fragestellung, an Informationen zu gelangen. Doch dachte ich da nicht in erster Linie an den Klassenfeind sondern an den Test durch das Ministerium für Staatssicherheit.

Ab dem zweiten Mal, konnte ich diese Reisen in Zivil antreten, so dass hier ein Auffallen unter den Fahrgästen nicht so schnell möglich war.

Welche Züge wurden hier durch mich genutzt. Es waren Züge die über den Fährhafen Saßnitz in Richtung Stralsund, Rostock, Bad Kleinen, Hamburg, Amsterdam fuhren oder Richtung Stralsund, Berlin, Dresden, Prag, Bratislawa, Wien.

Diese Züge waren gegenüber dem normalen Fernverkehr in der DDR zu 100% Pünktlich, da war nicht mal die 15 Minuten Verspätung im Fahrplan eingerechnet.

„Interzonenzug“

Als Interzonenzug wurden die Reisezüge zwischen der BRD und der DDR bezeichnet. In späteren Jahren wurde zwischen Transitzügen die in erster Linie dem Transitverkehr nach Westberlin dienten und den eigentlichen Interzonenzügen unterschieden. Letztere bedienten eine Reihe von Orten in der DDR, Berliner Bahnhöfe wurden von ihnen generell nicht angefahren.(Zu den Transitzügen mehr in der Augustausgabe DIE TROMMLER)

Bezeichnungen:

 

Der Begriff Interzonenzug wurde im Jahre 1946 von der Deutschen Reichsbahn in der Sowjetischen Besatzungszone eingeführt.[1] Er war auch nach der Bildung der beiden deutschen Staaten eine Zeitlang die offizielle Bezeichnung für deutsch-deutsche Reisezüge bei beiden Bahnverwaltungen, bei der Deutschen Reichsbahn (DR) bis 1954, bei der Deutschen Bundesbahn (DB) bis in die 1960er Jahre. Umgangssprachlich hat sich Interzonenzug bis zum Ende der DDR gehalten. Erst mit der Annexion der DDR entfiel der Begriff. Im offiziellen Sprachgebrauch änderte sich die Bezeichnungen als Folge der jeweiligen politischen Situation mehrfach. Bei der DR war beispielsweise 1960 von Zügen DDR−Westdeutschland die Rede, in den 1970ern und 1980ern von Zügen DDR−BRD. Die Züge galten als Internationale Reisezüge und standen daher im Internationalen Kursbuch der DR. Bei der DB sprach man von Zügen DB−DR (1970), in den 1980er Jahren ebenfalls von Zügen Bundesrepublik Deutschland − Deutsche Demokratische Republik bzw. Berlin (West). Auf Fachebene war auch der Ausdruck Wechselverkehrszüge üblich.

Interzonenverkehr nach 1945:

 

Bereits am 5. August 1945 fuhr der erste Güterzug aus dem Ruhrgebiet nach Berlin. Der durchgehende Personenverkehr wurde jedoch erst im Mai 1946 aufgenommen. Der erste (und bis 1949 einzige) Interzonen-Schnellzug – ausschließlich für ausländische Reisende reserviert – verkehrte zwischen Berlin und Osnabrück. Dort bestand Anschluss an den Nord-Express nach Amsterdam und Paris. Der Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und den Westzonen war vom 23. April 1948[2] an bis zum 12. Mai 1949 während der Berlinblockade wegen angeblicher „technischer Schwierigkeiten“ auf sowjetische Weisung unterbrochen.[3]

Da das einzige Schnellzugpaar im Interzonenverkehr (FD 111/112) zwischen Köln und Berlin ständig überlastet war, wurden ab dem 10. September 1949 fünf zusätzliche Schnellzugpaare über die innerdeutsche Grenze angeboten, die erstmals auch Wagen der (damaligen) zweiten Klasse mitführten:

Im Sommer 1949 gab es eine Besonderheit: Die Reichsbahndirektion Nürnberg setzte zur Bewältigung des ansteigenden Verkehrs zusätzliche Züge ein, die über Ludwigsstadt bis an die Demarkationslinie fuhren. Hier mussten die Reisenden aussteigen und die Grenze zu Fuß überqueren (Übergang Fernverkehrsstraße 85). Ab Probstzella bestand neben lokalem Verkehr ab dem 25. August 1949 eine Verbindung mit einem Schnelltriebwagen nach Berlin-Friedrichstraße (FDt 79/80).

Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten bis 1961:

 

DDR-Bürger, die in die Bundesrepublik reisen wollten, brauchten, um diese Züge nutzen zu dürfen, einen Interzonenpass, ab 1953 eine Ausreisegenehmigung der DDR.

In den folgenden Jahren wurde das Angebot nach und nach erweitert. Es verkehrten laut Fahrplan 1960/61 bis zum Mauerbau Züge

  • über Lübeck/Herrnburg: D 1061/1062 Hamburg–Güstrow und D 161/162 Hamburg–Saßnitz Hafen
  • über Büchen/Schwanheide: D 163/164, Ex 165/166 und D 1065/66 (nur im Sommer) Hamburg–Berlin
  • über Wolfsburg/Oebisfelde: D 135/136 Düsseldorf–Leipzig, D 1035/1036 Aachen–Leipzig
  • über Helmstedt/Marienborn: D 109/110, D 111/112, D 119/120 (Aachen–)Köln–Berlin, D 105/106 Paris–Moskau, D 1009/1010 Paris–Berlin und D 1011/1012 Hannover–Magdeburg (nur im Sommer).
  • über Bebra/Wartha: D 1/2 Basel–Berlin, D 197/198 Mönchengladbach–Leipzig, D 199/200 und D 1001/1002 Frankfurt–Leipzig, D 1099/1100 Frankfurt–Weimar
  • über Ludwigsstadt/Probstzella: D 129/130 München–Saßnitz Hafen, D 151/152 München–Leipzig–Berlin, D 1029/1030 München/Augsburg–Leipzig (nur im Sommer), D 1051/1052 Stuttgart–Leipzig
  • über Hof/Gutenfürst: D 137/138 München–Gera–Leipzig, D 145/146 München–Dresden

Die meisten dieser Züge hielten auch auf Bahnhöfen in der DDR, waren jedoch dort nur in Ausnahmefällen für den Binnenverkehr freigegeben (D 1035 ab Magdeburg, D 197 ab Eisenach, D 1001 und D 1099 ab Gotha, D 1029 ab Saalfeld, D 137 ab Gera, D 145 ab Plauen. Bei den jeweiligen Gegenzügen mussten DDR-Binnenverkehrsreisende den Zug spätestens an diesen Bahnhöfen verlassen).

 

Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten zwischen 1961 und 1989:

 

Nach dem 13.08.1961 wurden die Kontrollen an der DDR-Grenze Intensiviert. Die Grenzbahnhöfe wurden verstärkt gesichert.

Es kam zu einer deutlichen Angebotstrennung zwischen den Zügen nach Berlin und den Zügen in die DDR.

Die Interzonenzüge waren D-Züge zu Endbahnhöfen in der DDR mit teilweise langen Laufwegen, zum Beispiel Köln–Rostock über Lübeck, Frankfurt am MainFrankfurt (Oder) oder München–Rostock über Leipzig und Potsdam. Ab dem ersten Halt im Hinterland nach dem Grenzkontrollbahnhof dienten die Züge auch dem Binnenverkehr der DDR. Daher verkehrten sie nicht über Westberliner Gebiet. Interzonenzüge, die durch den Großraum Berlin fuhren, benutzten daher den Berliner Außenring und hielten im damaligen Potsdamer Hauptbahnhof, auf der Route Köln–Görlitz auch im außerhalb des Berliner Stadtgebietes gelegenen Flughafenbahnhof Berlin Schönefeld. Für Reisen zwischen der Bundesrepublik und Berlin/DDR nutzten die meisten Reisenden die Züge des Transitverkehrs, die den in Berlin/DDR gelegenen Bahnhof Friedrichstraße bedienten, wobei die Grenzkontrollen an der Kontrollstelle des Bahnhofs stattfanden. Je Tag und Strecke gab es bei den Interzonenzügen in der Regel nur ein bis zwei Zugpaare.

Die Grenzkontrollen waren recht umfangreich. So blieb der Interzonenzug Köln–Rostock–Köln in Herrnburg bei Ein- und Ausreise 40 Minuten für eingehende Personen- und Gepäckkontrollen stehen. Im anschließenden Streckenabschnitt bis Bad Kleinen wurde weitere 40 Minuten im fahrenden Zug kontrolliert. Analog wurde an den anderen Grenzübergängen verfahren. Auch innerhalb der DDR wurden diese Züge – zumindest in Grenznähe – von Mitarbeitern der DDR-Transportpolizei(zur Transportpolizei folgt ein Beitrag in der August-Ausgabe DIE TROMMLER) begleitet. Auf bundesdeutscher Seite wurden die Passkontrollen ohne weitere Verzögerung der Fahrt im fahrenden Zug vorgenommen.

In den letzten Jahren der Existenz der DDR wurde das Angebot schrittweise ausgeweitet. So verkehrten seit Mitte der 1980er Jahre einige Eilzüge am Wochenende als kleiner Grenzverkehr für Tagesreisende aus der Bundesrepublik etwa zwischen Lübeck und Schwerin, Lichtenfels und Saalfeld oder Helmstedt und Eilsleben. Als Folge von Reiseerleichterungen für DDR-Bürger wurden 1988/89 zusätzliche Züge eingeführt.

Nach dem 11.09.1989 versuchten beide deutsche Staatsbahnen, durch viele neu eingelegte Züge die sprunghaft gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Nach der Wiedervereinigung wurden die Züge in das normale Angebot der Bahnen integriert; einige aber auch ersatzlos wieder eingestellt (z. B. die Verbindung Köln–Görlitz und Köln–Paderborn–Ellrich–Halle).

Grenzbahnhöfe:

Folgende Grenzbahnhöfe wurden benutzt (von Nord nach Süd bzw. West nach Ost)

BRD/DDR:

DDR/West-Berlin (nur für Transitverkehr):

Aus der DDR konnte West-Berlin mit der Eisenbahn nur über den Grenzübergang im Bahnhof Friedrichstraße mit der Berliner S-Bahn erreicht werden.

Im Güterverkehr wurden zusätzlich die Grenzübergänge Walkenried/Ellrich an der innerdeutschen Grenze und Drewitz/Berlin-Wannsee genutzt.

Einzelne Textpassagen Wikipedia

Siehe auch Grenzübergang Gerstungen.

Abfahrt des ersten Interzonenzuges am 12. Mai 1949 um 14 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße Bildquelle: „Bundesarchiv Bild 183-S85182, Berlin, Abfahrt des ersten Interzonenzuges“ von Bundesarchiv, Bild 183-S85182 / Rudolph / CC-BY-SA. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons -

Abfahrt des ersten Interzonenzuges am 12. Mai 1949 um 14 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße
Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-S85182, Berlin, Abfahrt des ersten Interzonenzuges“ von Bundesarchiv, Bild 183-S85182 / Rudolph / CC-BY-SA. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

Grenzübergang (Bahnhof) Gerstungen

Vorgeschichte:

Im September 1849 erhielt Gerstungen Eisenbahnanschluss. Am 25. September eröffnete die Thüringer Bahn das letzte Teilstück ihrer „Stammbahn“ von Eisenach nach Gerstungen, drei Tage vorher hatte die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn ihre Strecke von Bebra nach Gerstungen in Betrieb genommen.

Die Thüringer Bahn endete im Thüringer Bahnhof, die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn im Hessischen Bahnhof. Diese beiden Bahnhöfe, welche kaum 100 Meter voneinander entfernt lagen, verband ein durchgehender Schienenstrang, aber staatsrechtliche Verträge verhinderten den uneingeschränkten Bahnverkehr. Reisende mussten umsteigen oder waren sogar gezwungen, ein Quartier in Gerstungen zu suchen. In Bahnhofsnähe entstanden Herbergen und eine stark frequentierte Gastronomie. Der Frachtverkehr war gleichfalls von diesem Separatismus betroffenen. Güterwagen mussten in Gerstungen umgeladen werden, es kam zu unnötigem Zeitverlust und oft auch zu Beschädigungen. Der Fuhrpark der Bahngesellschaften sollte nicht vermischt werden. Lediglich Militärtransporte und Sonderzüge erhielten Ausnahmegenehmigungen. Da der Traktionswechsel und das Umladen sehr viel Personal erforderte, siedelten sich in Bahnhofsnähe zahlreiche Bahnarbeiter an, so dass sich die Einwohnerzahl Gerstungens durch Bahnpersonal und ihre Familien um über 500 Personen erhöhte.

Mit der Reichsgründung 1871 erhielt die Preußische Staatsbahn den Auftrag, für eine Vereinheitlichung der Schienennetze im Reich zu sorgen. Dies führte rasch zur Überwindung der Kleinstaatlichkeit auf dem Schienennetz.[1] 1882 wurden beide Bahngesellschaften durch die Preußische Staatsbahn aufgekauft, der Hessische Bahnhof wurde geschlossen. Eine besondere betriebliche Bedeutung erlangte Gerstungen 1898 als Hauptrangierbahnhof zwischen Kassel und Weißenfels. Seit der Eröffnung der Strecke Gerstungen–Berka am 1. Oktober 1903, die bis 1905 schrittweise nach Vacha verlängert wurde, ist der Bahnhof Gerstungen ein Trennungsbahnhof. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Bahnhof als strategisches Ziel erfasst und 1944 bombardiert, hierbei wurden auch angrenzende Wohnhäuser getroffen und mehrere Bewohner wurden getötet. Auch fahrende Züge wurden im Abschnitt Gerstungen-Eisenach aus der Luft angegriffen.[2]

Grenzbahnhof/Grenzübergang:

Direkt nach dem zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge über Herleshausen und Bebra in Sammellager überstellt.

Bereits während der US-amerikanischen Besatzungszeit in Thüringen florierte der Schmuggel.

Der Bahnhof Gerstungen wurde nach der Teilung Deutschlands in BRD und DDR zum Grenzübergang.

In den 1950er Jahren wurden die grenznahen Orte bei Eisenach durch ihre verkehrsgünstige Lage zur Drehscheibe von Fluchthelfern und Menschenhändlern. Entsprechend scharf wurde deshalb der Bahnverkehr in die westlichen Nachbarorte von Eisenach überprüft. Personenzüge nach Gerstungen wurden am Bahnhof Wartha verschlossen, um das Abspringen im hessischen Gebiet um den Bahnhof Herleshausen zu verhindern. 1952 wurde der Personenverkehr nach Eisenach eingestellt. Es wurden ersatzweise Buslinien für die Personenbeförderung nach Gerstungen eingerichtet. Die Gleisanlagen dienten dem Güterverkehr (insbesondere Kalibergbau) und durchfahrenden „Interzonenzügen“, deren Grenzabfertigung auf DDR-Seite bereits im Bahnhof Wartha stattfand. Von und nach Westberlin verkehrende Militärzüge der Besatzungsmächte passierten den Bahnhof ohne Kontrollen.

Am 13. April 1962 wurde eine Strecke von Förtha nach Gerstungen eingeweiht, die das bundesdeutsche Gebiet um Herleshausen umging. Der Binnenverkehr von Gerstungen in Richtung Eisenach wurde wieder aufgenommen. Ab 28. September 1963 wurde die Grenzabfertigung der Interzonenzüge von Wartha nach Gerstungen verlegt, die Züge nutzten seitdem die neue Strecke.[3] Die alte Strecke über Wartha wurde nur noch im geringen Umfang vom Güterverkehr genutzt. Von 1963 bis 1978 verkehrte planmäßig ein Güterzugpaar am Tag über die alte Strecke, er diente der Versorgung der Grenzorte mit Brennstoffen und Industriegütern.[4] In Gerstungen befand sich eine der größten Ziegeleien in Thüringen, welche für den Wiederaufbau nach dem Krieg unentbehrlich war.

Der Grenzbahnhof Gerstungen wurde erheblich umgebaut. 1966/67 war auf der Nordseite des Bahnhofs ein separater Bahnhofsteil für die Abfertigung der Interzonenzüge eingerichtet worden. Der alte Bahnhofsteil wurde zum Kopfbahnhof umgestaltet und diente den Personenzügen nach Eisenach. Beide Bahnhofsteile waren über einen 150 Meter langen Tunnel verbunden. Zwischen beiden Teilen befanden sich umfangreiche Anlagen für den Güterverkehr. Eine Besonderheit waren Kalizüge, die aus dem Raum Philippsthal und Heringen in Hessen kamen und mangels einer direkten Strecke zum Restnetz der Deutschen Bundesbahn über die Bahnstrecke Gerstungen–Vacha in die DDR fuhren und in Gerstungen Fahrtrichtungswechsel machten, bevor sie in Richtung Bebra zurück in die Bundesrepublik fuhren.[3] Eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen, etwa Schutzweichen, verhinderten das Betreten der Züge durch Unbefugte oder die Fahrt von Zügen in Richtung Bundesrepublik ohne Genehmigung durch die Grenzbehörden.[5] Anders als an den meisten anderen Grenzbahnhöfen zwischen der DDR und der Bundesrepublik war kein Übergang zwischen Interzonenzügen und Binnenverkehrszügen möglich, Ein- und Aussteigen war bei den Interzonenzügen generell nicht gestattet. Während in früheren DR-Auslandskursbüchern gesondert auf diesen Fakt hingewiesen wurde,[6] wurde in späteren Jahren der Halt im Bahnhof gar nicht mehr dargestellt.[7]

Bei den Modelleisenbahnfreunden Bremen e.V. (auf dem Gelände der Jacobs University in Bremen Burg) kann ein Miniatur-Nachbau des Gerstunger Grenzbahnhofs besichtigt werden.[8]

Nach dem 09.11.1989:

Nach dem 09.11.1989 verlor der Bahnhof Gerstungen schrittweise seine Funktion als Grenzübergang.

In die in Gerstungen haltenden Schnellzüge durfte ein- und ausgestiegen werden, das Zugangebot über die Grenze nahm deutlich zu. Am 3. März 1990 reiste Willy Brandt mit dem D 455 nach Thüringen und sprach bei einem Zwischenhalt auf dem Gerstunger Bahnhof vor zahlreichen Einwohnern. Zu diesem Zweck war auf dem Bahnsteig eine kleine Rednertribüne aufgebaut worden.[10]

Im September 1990 entfielen die Halte der Schnellzüge in Gerstungen. 1991 verlängerte die Deutsche Bundesbahn ihre Nahverkehrszüge aus Bebra, die bis dahin im hessischen Obersuhl endeten, nach Gerstungen. In Richtung Eisenach musste allerdings bis 1992 meistens weiterhin umgestiegen werden, da es noch keine Gleisverbindung vom ursprünglichen Bahnhofsteil in Richtung Hessen gab und die Züge den alten Grenzbahnhof nutzen mussten. Am 25 Mai 1991 ging die traditionelle Strecke der Thüringer Bahn über Wartha nach 13 Jahren Betriebsruhe wieder zunächst eingleisig in Betrieb. Bis zu ihrer zweigleisigen Fertigstellung am 27. September 1992 nutzten die Nahverkehrszüge noch die Umgehungsstrecke über Förtha. Diese wurde danach nicht mehr benötigt. Am 19. Juli 1994 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung der Strecke,[11] die in den folgenden Jahren abgebaut wurde.

Am 28. Mai 1995 wurde der elektrische Betrieb zwischen Bebra und Neudietendorf und damit auch im Bahnhof Gerstungen aufgenommen. Am 16. Juni 1996 nahm das elektronische Stellwerk Eisenach seinen vollen Betrieb auf. Von dort wird seitdem der gesamte Abschnitte zwischen Gerstungen und Gotha gesteuert, die örtlichen Stellwerke gingen außer Betrieb. Im Werratalmuseum Gerstungen wurde ein eigener Ausstellungsraum zur Geschichte des Gerstunger Bahnhofs eingerichtet. Gezeigt werden historische Eisenbahntechnik und zahlreiche Bilddokumente.

Im Mai 2012 begann der Abriss des Bahnbetriebswerkes und des Grenzbahnhofs, um Platz für einen Solarpark zu schaffen[12] Auch der ehemalige Lokschuppen und der Wasserturm sollen beseitigt werden.[13]

Der Bahnhof Gerstungen heute:

Seit 2006 bedient die Cantus-Bahn (für zehn Jahre) auf ihrer Linie R6 (Bebra–Gerstungen–Eisenach) Gerstungen im Stundentakt, Samstags, Sonntags und an Feiertagen alle 120 Minuten. Die Strecke Gerstungen–Vacha dient ausschließlich dem Güterverkehr.

Einzelne Textpassagen Wikipedia

Deutsche Reichsbahn (1945-1993)

Die Bahn der DDR hieß Deutsche Reichsbahn(DR). Nach der Annexion der DDR wurde die Deutsche Reichsbahn(DR) bis 1993 in den neuen Bundesländern betrieben.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Deutsche Reichsbahn aus den Teilen weitergeführt, die sich in der Sowjetischen Besatzungszone(SBZ) und in Berlin befanden.

Durch den „Einigungsvertrag“ ging die Deutsche Reichsbahn(DR) als Sondervermögen in Bundesbesitz über und bestand nach der Annexion der DDR bis zum 31. Dezember 1993. Die Deutsche Reichsbahn(DR) wurde anschließend mit der Deutschen Bundesbahn(DB) zum bundeseigenen Konzern Deutsche Bahn AG(DB AG) vereinigt.

Zeitweilig war die DR der größte Arbeitgeber der DDR.

Der Name Deutsche Reichsbahn wurde beibehalten, damit sie die Betriebsrechte in Westberlin behielt. Mit Zustimmung der Westalliierten wurden die gesamten Anlagen in Westberlin von der Deutschen Reichsbahn betrieben. Im Zuge des Kalten Krieges kam es doch zu Streitigkeiten. So wurde dazu aufgerufen in Westberlin die S-Bahn zu boykottieren. Nach dem ersten Berliner S-Bahn-Streik(dazu mehr in einer späteren Ausgabe DIE TROMMLER) im Sommer 1949 wurden der Reichsbahn auf alliierte Anordnung die Nutzungsrechte des nicht unmittelbar dem Betrieb dienenden Vermögens und der Liegenschaften in Westberlin entzogen und der Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermögens (VdeR) unterstellt. Bis zur Annexion der DDR, 1990 gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen östlichen, westlichen und alliierten Behörden wegen unterschiedlicher Rechtsauffassungen. Auch spielten Vermögenswerte der DR im Ausland im Streit zwischen DB und DR hinsichtlich der Beibehaltung des Namens eine Rolle. Dies betraf besonders die Servicegesellschaft Mitropa. Eine Diskussion zum Namen der DDR-Staatsbahn wurde in der DDR in den späten 1950er Jahren von offizieller Seite unterbunden. Als äußerlich erkennbarer Unterschied zu anderen DDR-Diensten hatten die Dienstmützen der DR die schwarz-rot-goldene Kokarde.

Mehr zur Geschichte der Berliner S-Bahn in einer der nächsten Ausgaben DIE TROMMLER.

Der Beginn der Deutschen Reichsbahn nach dem Zweiten Weltkrieg war infolge der hohen Reparationsleistungen an die Sowjetunion schwierig. So wurde mit Ausnahme der Magistrale Frankfurt (Oder)BerlinHalle/LeipzigErfurt auf allen zweigleisigen Strecken ein Gleis abgebaut. Der Wiederaufbau der entfernten Gleisanlagen ist bis heute nicht vollständig abgeschlossen (beispielsweise Cottbus–Görlitz, Jüterbog–Falkenberg/Elster und Leipzig–Chemnitz).

Der 1945 wieder eingerichtete elektrische Betrieb im Dreieck Magdeburg/Leipzig/Halle mit der Strecke nach Probstzella (Grenzübergang zur Amerikanischen Besatzungszone) wurde auf Anordnung der sowjetischen Besatzungsmacht im März 1946 eingestellt. Die Anlagen wurden abgebaut und zusammen mit den Lokomotiven als Reparationsgut in die Sowjetunion gebracht.

Die Mitarbeiterzeitung der Deutschen Reichsbahn erschien erstmals am 1. Mai 1949 unter dem Titel „Frei Fahrt“, später umbenannt in „Fahrt frei“.

Am 1. April 1949 wurden fast alle auf dem Gebiet der – noch nicht gegründeten- DDR verbliebenen Privatbahnen von der Deutschen Reichsbahn übernommen. Mit den Sicherungsmaßnahmen an der Grenze zur BRD endete 1952 der Verkehr auf vielen grenzüberschreitenden Bahnstrecken.

Der Bau des Berliner Außenringes war eine der ersten großen Investitionen der Deutschen Reichsbahn in der DDR. Unter Einbeziehung älterer Streckenabschnitte (Güteraußenring, Umgehungsbahn, Umfahrungsstrecken) wurde er von 1951 bis 1956 erbaut und ermöglichte im Bahnverkehr die politisch gewollte Umfahrung von West-Berlin.

1952 gab die Sowjetunion die beschlagnahmten elektrischen Lokomotiven, Kraftwerks- und Fahrleitungsanlagen des mitteldeutschen und des schlesischen Netzes gegen 300 neugebaute Reisezugwagen an die DR zurück. Damit endete auch die Diskussion darüber, ob der Wiederaufbau der elektrischen Zugförderung mit 25 kV 50 Hz Industriestrom erfolgen sollte. Im Bahnkraftwerk Muldenstein wurde am 27. Juli 1955 der erste Turbosatz angefahren und eine Bahnstromleitung zum Unterwerk Köthen in Betrieb genommen. Ab dem 1. September 1955 fuhren wieder elektrische Züge zwischen Halle (Saale) und Köthen.

952 wurden Doppelstockzüge für den Berufsverkehr in Betrieb genommen. Die ersten Diesellokomotiven beschaffte die DR 1960 (V 15, V 180), die sich bis ins Bahn-AG-Zeitalter behaupteten. Ein Jahr später konnte die DR mit der E 11 die erste neue Elektrische Lokomotive übernehmen. Verhandlungen für einen Lizenzbau von E-Loks der Deutschen Bundesbahn waren zuvor gescheitert. Die E-Loks wurden im VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ (LEW) in Hennigsdorf produziert. Die Dieselloks kamen zunächst aus dem Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg, später nach dessen Umprofilierung von den LEW.

1968 begann die DR mit dem Transport von Großcontainern. Sukzessive wurden Containerbahnhöfe (GCUP) gebaut, zwischen denen Ganzzüge mit Großcontainertransportwagen (später auch im Einzelwagenverkehr) verkehrten.

Viele Streckenteile erhielten wieder das zweite Gleis, das erste Elektrifizierungsprogramm wurde bis 1970 vorangetrieben. Danach setzte die Staatsführung mehr auf die Ablösung des Dampfbetriebes durch Dieselloks.

Der Bau von schweren Dieselloks (Baureihe V 180 / BR 118) in der DDR musste nach einem Beschluss des RGW eingestellt werden. Großdieselloks wurden fortan aus der Sowjetunion (V 200 bzw. BR 120, V 300 bzw. BR 130, 131, 132, 142) und aus Rumänien (DR-Baureihe 119) eingeführt. Insbesondere die aus Rumänien importierte Baureihe 119 war schon bei der Auslieferung technisch unzureichend und im Betrieb störanfällig, so dass diese Fahrzeuge von der DR nur mit sehr hohem Aufwand bis hin zum Motorentausch dauerhaft betriebstüchtig gemacht werden konnten. Nach dem Ende des Importprogramms wurde begonnen, die aus DDR-Produktion stammenden Diesellokomotiven mit stärkeren Motoren auszurüsten; die neu motorisierte BR 110 wurde als BR 112 und BR 114 und die umgebaute BR 118.2–4 als 118.6–8 bezeichnet.

Zeitweise wurden bei der Deutschen Reichsbahn mehr Güter transportiert als auf dem mehr als doppelt so großen Netz der Deutschen Bundesbahn. 1986 erreichte die DR einen Beförderungsgrad von 86 % für Waren (über deren gesamten Transportweg und für alle transportierten Güter betrachtet). In der DDR wurde auf den Gütertransport mit der Bahn gesetzt. In der BRD stattdessen mit dem LKW.

Trotz der hohen wirtschaftlichen Bedeutung als Transportmittel wirkten sich die wirtschaftlichen Probleme der DDR auch auf das Schienennetz aus. Die DR hatte dabei besonders unter den gelegentlich unvorbereitet aus wirtschaftlichen Zwängen und politischen Entscheidungen entstehenden Problemen zu leiden.

Erst ab Anfang der 1970er Jahre wurden die Aufwendungen für Instandhaltungen erhöht und auch Oberbaumaschinen aus Österreich importiert. Danach erhielten die wichtigsten Magistralen ihre zweiten Gleise zurück und die Streckenhöchstgeschwindigkeiten konnten wieder auf 120 km/h angehoben werden. Von 1976 bis 1981 wurden Betonschwellen verbaut, die aufgrund einer fehlerhaften Betonmischung mit Ostseesand nach wenigen Jahren alkaligeschädigt zerfielen. Die Folge diese Materialfehlers waren zahlreiche neue Langsamfahrstellen, deren Höhepunkt 1986 eintrat. Die meist kurz zuvor umgebauten Streckenabschnitte konnten daher nur noch mit 50 km/h befahren werden. Die DR hatte hohe zusätzliche Aufwendungen für den erneuten Umbau (Aktion Netzstabilisierung), um die schadhaften Schwellen zu ersetzen. Unter anderem beschaffte man zwei Schnellumbaumaschinen und sieben Hochleistungsmaschinenkomplexe (bestehend aus kontinuierlich arbeitender Stopfmaschine, Schotterpflug und Dynamischem Gleisstabilisator) bei Plasser & Theurer. Die geschädigten Schwellen wurden in den Folgejahren schrittweise ausgetauscht oder die Gleise stillgelegt und zurückgebaut.

Steigende Erdölpreise und zurückgehende Importe machten ab 1976 eine rasche Streckenelektrifizierung notwendig. Als erstes war die Elektrifizierung der Strecken aus dem Süden der DDR nach Berlin vorgesehen, danach der Anschluss der Seehäfen und des Fährhafens Mukran an das elektrische Netz und schließlich die Umstellung der Kohleabfuhrstrecken aus dem Niederlausitzer Braunkohlerevier. Hinzu kamen viele Ergänzungsstrecken. Größtenteils durch direkt aus dem 50-Hertz-Landesnetz gespeiste, rotierende Synchron-Synchron-Umformer wurde eine dezentrale Energieversorgung der neu elektrifizierten Strecken aufgebaut. Energieträger war vorwiegend heimische Braunkohle. Ab 1982 übernahm ein „Zentrales FDJ-Jugendobjekt“ den Streckenausbau. Bis zum 30. September 1989 wurden 2000 km Oberleitung neu gebaut. Das E-Lok-Neubauprogramm war mit den Baureihen 250 und 243 erfolgreich, viele dieser Fahrzeuge sind 2012 noch in Betrieb. Die 1982 vom LEW vorgestellte Baureihe 112/212 bzw. 143/243 ist eine der erfolgreichsten E-Lok-Konstruktionen der deutschen Eisenbahnen. Heute fahren Loks dieser Baureihen im gesamten Bundesgebiet.

1976 startete das System der Städteexpresszüge, die jeweils morgens aus den meisten Bezirksstädten in der Hauptstadt Berlin eintrafen und sie abends wieder verließen (im Volksmund auch „Bonzenschleudern“ genannt). Die Wagen – ursprünglich alle Bauart 1. Klasse – kamen aus einer geplanten Lieferung an die ČSSR, die aber dort wegen Geldmangel nicht abgenommen wurde. In den 1980er Jahren gelangten Städteexpress-Wagen aus DR-eigener Produktion (UIC-Z-Wagen) (des Raw Halberstadt) in den Verkehr.

1979 betrug die Streckenlänge 14.164 Kilometer, davon waren 1.621 Kilometer elektrifiziert und insgesamt 290 Kilometer schmalspurig.

1981 wurden die ölgefeuerten Dampflokomotiven bis auf die 18 201 und eine Maschine der Baureihe 50 abgestellt. Dafür fuhren wieder verstärkt kohlegefeuerte Dampfloks. Zahlreiche Dampflokomotiven wurden auf Rostfeuerung zurückgebaut, Maschinen der bereits abgestellten Baureihen 01 und 41 reaktiviert. Der Planbetrieb von Dampflokomotiven auf Regelspur endete erst 1988.

Die Fahrpreise im Personenverkehr lagen vier Jahrzehnte lang bei 8 Pfennig pro Kilometer für die zweite Wagenklasse und 11,6 Pfennig pro Kilometer für die erste Klasse plus Zuschlägen für Eil-, D- und Expresszüge. Durch teilweise schlechten Oberbauzustand (Langsamfahrstellen), noch viele eingleisige Strecken und intensive Streckennutzung waren die Reisezeiten allerdings lang. Die Höchstgeschwindigkeit der Züge im Reiseverkehr lag bei 120 km/h. Verspätungen kamen vor allem in den letzten Jahren häufig vor. Planungen für Strecken bis 160 km/h waren nicht realisierbar.

Für den Schutz der Bahnhöfe und Anlagen der DR war die Transportpolizei verantwortlich, die Teil des Ministeriums des Innern war, sowie das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Durch die zahlreichen Militärtransporte für die NVA und die sowjetische Armee (GSSD) wurde die DR als besonders sicherungsbedürftig angesehen. Für die Sicherung dieser Transporte im Falle eines Krieges wurden viele nicht planmäßig genutzte Verbindungskurven angelegt, unter anderem zur Umfahrung von Knotenbahnhöfen und größeren Brücken.

Das Netz der Reichsbahn war um 1990 zu rund 30 % (3829 km) elektrifiziert und zu 70 % eingleisig (4223 km). Beschäftigt wurden 1990 224.000 Mitarbeiter.[3]

Das Fahrplanangebot war unter den genannten Umständen wenig attraktiv; so gab es keinen leistungsfähigen Personen(fern)verkehr; denn die Züge des Städteschnell-/Städteexpress-Verkehrs und die D-Züge, aber auch die Nahverkehrsleistungen besonders in der „Fläche“ waren nicht vertaktet und hatten nur eine geringe Reisegeschwindigkeit. Da aber auch der motorisierte Individualverkehr keine adäquate Alternative darstellte, kam der DR dennoch eine große Bedeutung im Personenverkehr zu.

Die heutige Bahn hat den Anspruch eine moderne Bahn zu sein. Aber herrscht da oft Chaos und es gibt viele Verspätungen. So mache/r schaut dann wehmütig auf die Zeit der Deutschen Reichsbahn(DR) zurück.

Deutsche_Reichsbahn_DDR Logo

Logo der Reichsbahn Bildquelle: „Deutsche Reichsbahn DDR“ von Unbekannt – (Originaltext: SVG erstellt mit CorelDraw)Drawn by: ChristianBier and (the last versions) RsVe. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons –

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