Aus dem Leben von Marx und Engels und ihrem Lebenswerk

Karl Marx wurde am 05.Mai 1818 als Sohn eines fortschrittlichen Rechtsanwalts in Trier geboren. Trier gehörte damals zu Preußen. Marx beuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt und legte mit 17 Jahren das Abitur ab.

karl-marx

 

Marx kannte die wichtigsten Werke der Literatur, auch in Originalsprache. Auf Wunsch seines Vaters studierte er in Bonn Rechtswissenschaften und wechselte nach einem Jahr nach Berlin, um an der dortigen Universität seine Studien fortzusetzen. Hier beschäftigte er sich vor allem mit Philosophie und Geschichte. An der Universität Jena erwarb er 1841 den Titel des Doktors der Philosophie.

Marx wollte Hochschullehrer werden. Er musste jedoch diesen Plan, von einer Universität aus sich am Kampf zwischen Fortschritt und Reaktion zu beteiligen bald aufgeben. Wegen seiner fortschrittlichen philosophischen und politischen Ansichten musste er seine Hoffnung begraben an einer deutschen Universität lehren zu können.

Er ging ins Rheinland zurück und schrieb hier vor allem Aufsätze für die damals bedeutendste bürgerlich-demokratische Zeitung Deutschlands, die „Rheinische Zeitung“. In seinen Artikeln griff Marx den Adel und den preußischen Staat an. Er hatte inzwischen erkannt, dass die bestehenden reaktionären Verhältnisse durch politischen Kampf verändert werden mussten. Unablässig und mit großem Nachdruck trat er für die Freiheit der Presse und die Verbesserung der Lage der Armen ein. Seine Aufsätze erwiesen sich als die scharfsinnigsten und besten des Blattes. Wegen seiner meisterhaften Sprache, seiner umfassenden Kenntnisse und seines großen Mutes war er allen anderen Mitarbeitern der Zeitung überlegen. Deshalb ernannten ihn die Herausgeber des Blattes im Oktober 1842 zum Chefredakteur.

karl-marx-redaktion-%22rheinische-zeitung%22

Marx in der Redaktion der „Rheinischen Zeitung“

 

Nachdem Marx die Leitung der „Rheinischen Zeitung“ übernommen hatte, stieg die Zahl ihrer Abonnenten von 885 auf 3400 im Januar 1843. Die Haltung des Blattes wurde immer entschiedener. Sie griff den preußischen Junkerstaat heftig an und forderte energisch eine Verfassung und demokratische Rechte für die Volksmassen. Mehr als einmal überlistete Marx die mit der Überwachung der Zeitung beauftragten Beamten. Schließlich entschloss sich die preußische Regierung, die „Rheinische Zeitung“ zu verbieten. Karl Marx legte schon Tage vor dem Verbot die Chefredaktion nieder, da ihn die eingeschüchterten kapitalistischen Eigentümer der Zeitung politisch ungenügend unterstützt hatten.

Die reaktionären Verhältnisse in Deutschland machten es Karl Marx unmöglich, sich öffentlich politisch zu betätigen. Deshalb siedelte er noch im gleichen Jahre nach Paris über.

Kurz zuvor hatte er seine Jugendfreundin Jenny von Westfalen geheiratet.

jenny-marx

Jenny Marx

 

Die Hochzeit fand in Bad Kreuznach in der Pauluskirche statt. Wo Karl Marx mit seiner Frau in Bad Kreuznach wohnte, war lange Zeit unbekannt. Als es bekannt wurde, war die entsprechende Häuserzeile längst abgerissen.

Der Aufenthalt in Frankreich war für Marx’ politische Entwicklung sehr wichtig. Er studierte hier die Arbeiten der utopischen Sozialisten und die Geschichte der französischen bürgerlichen Revolution. Er lernte die französische Arbeiterbewegung kennen und nahm Verbindung zum Bund der Gerechten auf. Wissenschaftliche Studien und der Kampf der Arbeiter ließen ihn erkennen, dass das Proletariat(Arbeiter) berufen und in der Lage war, die Menschheit für immer von Not und Ausbeutung zu befreien. Deshalb widmete er von da an all seine schöpferische Kraft und sein tiefes Wissen, seine hohe Begabung und unermüdlichen Fleiß dem Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse vom kapitalistischen Joch.

Friedrich Engels wurde als Sohn eines Textilfabrikanten am 28. November 1820 in der preußischen Industriestadt Barmen(heute ein Stadtteil von Wuppertal)im Ruhrgebiet geboren. Sein Elternhaus war wenig religiös.

friedrich-engels

Friedrich Engels

 

Am Gymnasium waren seine Lieblingsfächer Geschichte, Literatur, Fremdsprachen und Mathematik. Er hätte gern die Universität besucht. Sein Vater bestand jedoch darauf, dass er Kaufmann wurde. So trat er die Lehre bei einem Großkaufmann in Bremen an.

In seiner Freizeit las er viel. Daneben treib er Sport, wie Schießen, Wandern, Reiten und Fechten.

Friedrich Engels war sehr sprachbegabt. Bereits mit 19 Jahren sprach er Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Holländisch. Er begann auch in Zeitungen und Zeitschriften Artikel über Literatur, über politische Fragen und über das soziale Elend der Fabrikarbeiter seiner Heimat zu veröffentlichen. Als er 1841 seinen Militärdienst in Berlin ableistete, hörte er als Gast Vorlesungen an der Universität.

Engels’ Vater war in der englischen Stadt Manchester Mitinhaber einer Baumwollspinnerei. 1842 reiste der junge Engels dorthin, um seine kaufmännischen Kenntnisse zu vervollständigen. Der mehrjährige Aufenthalt in dem damals entwickelsten kapitalistischen Land der Welt vermittelte ihm wichtige Kenntnisse und Erfahrungen. Noch deutlicher, als in seiner Heimat sah er, welch unermessliches Elend der Kapitalismus für die Arbeiter brachte. So machte er sich mit der Lebenslage der englischen Arbeiter und deren politischen Problemen vertraut. Engels besuchte Arbeiterviertel, durchwanderte Gassen mit ihren baufälligen Häusern und stieg in die kalten und modrigen Kellerlöcher hinunter, in denen die Arbeiter wohnten.

friedrich-engels-in-den-elendsvierteln-v20161128160604122

Friedrich Engels in den Elendsvierteln von Manchester

 

In Manchester besuchte Friedrich Engels auch Versammlungen der Arbeiter. Er nahm Verbindungen zur englischen Arbeiterbewegung auf und schrieb für ihre Zeitungen. 1845 veröffentlichte er sein erstes großes Buch unter dem Titel „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. Dieses Werk ist eine leidenschaftliche Anklage gegen den Kapitalismus. Im Unterschied zu anderen sozialistischen Schriftstellern sah Engels im ausgebeuteten Proletariat nicht nur eine leidende, sondern auch eine kämpfende Klasse. Er zeigt, dass durch revolutionären Klassenkampf der Arbeiter Ausbeutung und Unterdrückung für immer beseitigt werden können.

Auf der Rückreise von England nach Deutschland besuchte Engels für zehn Tage Marx in Paris. Die beiden Schriftsteller lernten sich näher kennen. Ihre Auffassungen über die Entwicklung der Gesellschaft stimmten überein. Sie stellten sich auf den Standpunkt der Arbeiterklasse. Das bestimmte ihr weiteres Leben. Sie schlossen Freundschaft und arbeiteten von nun an zusammen. Erst der Tod hat die Freundschaftsbande zwischen Marx und Engels lösen können.

karl-marx-und-friedrich-engels

Karl Marx und Friedrich Engels

 

Marx und Engels hatten unabhängig voneinander erkannt, dass das Proletariat erst wirklich menschlich leben kann, wenn der Kapitalismus gestürzt und an seine Stelle der Sozialismus/Kommunismus getreten ist. Diese von Ausbeutung freie Gesellschaftsordnung muss sich die Arbeiterklasse selbst erkämpfen. Dazu benötigt sie nicht nur Mut und Opferbereitschaft, sondern auch eine wissenschaftliche Lehre, die Weg und Ziel festlegt. Diese wissenschaftliche Grundlage für den Klassenkampf des Proletariats(Arbeiter) erarbeiteten Marx und Engels. Mit dem wissenschaftlichen Kommunismus schufen Karl Marx und Friedrich Engels eine auf der Erkenntnis der Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung beruhende wissenschaftliche Lehre vom Befreiungskampf der Arbeiterklasse und von der Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung. In gemeinsamer Arbeit verfassten Marx und Engels viele wissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Dabei stützten sie sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse ihrer Zeit. Die bisherigen Theorien von der Gesellschaft wurden von ihnen untersucht und ausgewertet.

1845 wurde Marx auf Drängen der preußischen Regierung aus Frankreich ausgewiesen. Er ging mit seiner Familie nach Brüssel. Dort geriet er in große finanzielle Not, die er aber mit Hilfe von Friedrich Engels überwinden konnte. So standen sich die Freunde mit Rat und Tat bei.

Marx und Engels begnügten sich nicht damit, die wissenschaftliche Lehre vom Befreiungskampf der Arbeiterklasse auszuarbeiten. Ihre Erkenntnisse verbreiteten sie unter den Arbeitern. So begannen sie den wissenschaftlichen Kommunismus mit der Arbeiterbewegung zu verbinden. Marx und Engels stützten sich auf den Bund der Gerechten und englische Arbeiterorganisationen. Die gründeten 1846 in Brüssel ein Kommunistisches Korrespondenzkomitee. Mit Hilfe des Bundes der Gerechten entstanden auch in anderen Städte Korrespondenzkomitees. Das Brüsseler Korrespondenzkomitee versandte Rundschreiben und Briefe, in denen Marx und Engels den wissenschaftlichen Kommunismus darlegten uns sich mit falschen Auffassungen in der Arbeiterbewegung auseinandersetzten. Ihr Ansehen wuchs. Als die Führer des Bundes der Gerechten ein neues Programm vorbereiteten, war es deshalb selbstverständlich, dass sie diese Aufgabe nur unter Mitwirkung von Marx und Engels lösen konnten. So forderten sie Marx und Engels zunächst auf, Mitglieder des Bundes der Gerechten zu werden. Marx und Engels folgten der Aufforderung mit der Absicht, den Bund der Gerechten zu einer revolutionären Arbeiterpartei mit einem wissenschaftlichen Programm umzuwandeln.

Im Juni 1847 hielt der Bund der Gerechten in London einen geheimen Kongress ab. Bereits bei seiner Vorbereitung hatten Marx und Engels tatkräftig mitgewirkt. Am Kongress konnte nur Engels teilnehmen. Marx fehlte das Reisegeld. Engels gelang es, ihre gemeinsamen Auffassungen auf der Tagung erfolgreich zu vertreten. So wurde der Geheimbund in eine revolutionäre Kampfpartei umgestaltet. Anstelle der bisherigen Losung des Bundes: „Alle Menschen sind Brüder“ trat der Schlachtruf: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“

Die Teilnehmer des Kongresses stimmten dem Vorschlag von Marx und Engels zu, den Bund umzubenennen. Er hieß von nun an Bund der Kommunisten. Mit der Umwandlung des Bundes der Gerechten in den Bund der Kommunisten im Jahre 1847 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Die Bildung einer revolutionären Kampfpartei wurde auf dem zweiten Kongress des Bundes der Kommunisten Ende 1847 in London vollendet. Deshalb nahm neben Friedrich Engels auch Karl Marx an den Beratungen teil. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die Diskussionen um ein wissenschaftliches Programm. Marx und Engels hatten dafür einen Entwurf vorgelegt. Die Konferenz stimmte ihren wissenschaftlichen Grundsätzen zu.

Vom zweiten Kongress des Bundes der Kommunisten in London erhielten Marx und Engels den Auftrag, ein Parteiprogramm auszuarbeiten. Es sollte Auffassungen und Ziele der Kommunisten vor der Öffentlichkeit darlegen. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus England gingen die beiden Freunde daran, diese Aufgabe zu erfüllen.

manifest-der-kommunistischen-partei-titel-der-erstausgabe

Manifest der Kommunistischen Partei, Titel der Erstausgabe

 

Bereits Anfang 1848 konnte in einer kleinen Druckerei in London ihre Broschüre gedruckt werden. Sie erschien im Februar 1848 in deutscher Sprache mit dem Titel „Manifest der Kommunistischen Partei“. Die Erstausgabe umfasste 23 Seiten und wurde in wenigen hundert Exemplaren gedruckt. Sie wurden an die Gemeinden des Bundes der Kommunisten verschickt und hier von Hand zu Hand weitergegeben. Das Kommunistische Manifest war die Geburtsurkunde des wissenschaftlichen Kommunismus. Mit dem Kommunistischen Manifest besaß die Arbeiterklasse zu erstenmal ein wissenschaftliches Programm. Seitdem wird der Kampf um den Sozialismus/Kommunismus auf wissenschaftlicher Grundlage geführt.

Marx und Engels fassten im Kommunistischen Manifest alle ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfahrungen aus bisherigen Kämpfen des Proletariats(Arbeiter) zusammen. Sie legten in meisterhafter Sprache die Grundlagen ihrer Lehre von der Befreiung der Arbeiterklasse und der ganzen Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung dar. Als die weltgeschichtliche Aufgabe der Arbeiterklasse bezeichneten sie den Sturz des Kapitalismus und die Errichtung des Sozialismus/Kommunismus. Dabei betonnten sie, dass dieses Ziel nur unter der Führung einer revolutionären Kampfpartei zu erreichen ist. Das Kommunistische Manifest war das Werk, in dem zum erstenmal die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft wissenschaftlich erklärt wurde. Marx und Engels bewiesen, dass es der Klassenkampf ist, der die geschichtliche Entwicklung vorwärts treibt. Der Klassenkampf führt mit Notwendigkeit zur Ablösung einer überlebten Gesellschaftsordnung durch eine neue und fortschrittlichere. Wie der Feudalismus durch den Kapitalismus ersetzt wurde, so erklärten sie, wir der Kapitalismus durch den Sozialismus/Kommunismus ersetzt werden.

letzte-satze-des-kommunistischen-manifestes

Die letzten Sätze des Kommunistischen Manifests

lenin-uber-kommunistisches-manifest

Lenin über das Kommunistische Manifest

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

siehe PDF-Datei

karl-marx-und-friedrich-engels20161125164814744

Die Revolution von 1848

Übersicht

 

 

kampfe-18-marz-1848-in-berlin

 

Die historische Hauptaufgabe der Revolution von 1848/49

 

 

Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

Die Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

%22hut-ab%22-%22hute-ab%22

 

 

revolution-von-1848  (Beitrag aus Geschichtsbuch der DDR)

Geschichtsbuch DDR 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

Die Ergebnisse der Revolution

 

Im Unterschied zur siegreichen bürgerlichen Revolution in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts löste die Revolution von 1848/49 in Deutschland keine ihrer historischen Aufgaben. Die Hauptaufgabe der Revolution, durch die völlige politische und ökonomische Entmachtung des Feudaladels einen einheitlichen Nationalstaat zu schaffen, wurde nicht erfüllt. Die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795 hatte die Monarchie gestürzt, die Republik geschaffen und den Feudalismus restlos besiegt. In Deutschland endete die Revolution damit, dass Fürsten und Adel ihre politische Macht wiederherstellen konnten. Damit blieb die nationale Zersplitterung als Hemmnis der kapitalistischen Entwicklung bestehen. Die Reaktion beseitigte nach ihrem Sieg die Rechte und Freiheiten, die sich die Volksmassen im März 1848 erobert hatten. Der Weg für eine ungehinderte Fortentwicklung der bürgerlichen deutschen Nation konnte nicht geebnet werden.

Obwohl die Revolution ihre Hauptaufgabe nicht gelöst hatte, war sie nicht ergebnislos. Aus Furcht vor neuen revolutionären Erhebungen mussten die feudalen Kräfte einige Zugeständnisse machen.

Mit einem Gesetz beseitigte die preußische Regierung 1850 noch bestehende feudale Fesseln der Landbevölkerung. Für die Abschaffung der Dienste und Abgaben mussten die Bauern jedoch hohe Geldsummen an die Junker zahlen.

Ein weiteres Zugeständnis war auch die Beibehaltung der 1848 eingeführten Verfassung in Preußen. Sie konnte zwar zu keinem wirksamen Mittel der Bourgeoisie werden, die junkerliche Regierungspolitik zu beeinflussen. Aber eine Rückkehr zum offenen Feudalabsolutismus, wie er vor der Revolution bestanden hatte, war nicht mehr möglich.

Die feudale Reaktion bereitete der vollen Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise noch große Schwierigkeiten. Aber den Sieg des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung konnte sie nicht verhindern.

 

Die wesentlichen Ursachen für die Niederlage der Revolution

 

%22hut-ab%22-%22hute-ab%22

 

Es war für die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland schwieriger als für die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795, den Sieg über Fürsten und Adel zu erringen. Frankreich bildete damals bereits einen einheitlichen Staat. In Deutschland dagegen fand die Revolution unter den Bedingungen der Kleinstaaterei statt. Die revolutionären Volksmassen brachten sich in Frankreich nur mit einem König und einer Regierung auseinanderzusetzen. Die deutsche Revolution hatte es mit den Regierungen von 38 Staaten zu tun.

Schuld an der Niederlage der Revolution trug die Bourgeoisie. Statt in ihrer eigenen Revolution die Massen zu führen, wie es ihre Aufgabe war, verriet sie den revolutionären Kampf. Die Angst vor der Arbeiterklasse und den demokratischen Kräften trieb sie zum Bündnis mit den Junkern und Fürsten gegen das Volk. Diese verräterische Politik kostete sie die Errungenschaften, die ihr die Volksmassen am Beginn der Revolution erkämpft hatten. Als die Bourgeoisie im Kampf gegen die Weiterführung der Revolution ihre Schuldigkeit getan hatte, gab ihr die feudale Reaktion den verdienten Fußtritt. So verlor die Bourgeoisie ihre politischen Rechte.

Aus dem demokratischen Kleinbürgertum waren viele verdiente Revolutionäre gekommen. Aber als politisch wenig einheitliche und ökonomisch schwache Klasse war das deutsche Kleinbürgertum nicht in der Lage, selbstständig die Revolution zu Ende zu führen. In entscheidenden Augenblicken schwankten die kleinbürgerlichen Führer und zögerten, zusammen mit den Arbeitern die Feinde der Revolution gemeinsam zu bekämpfen.

Die junge deutsche Arbeiterklasse war 1848 noch zu gering an Zahl und zu wenig organisiert. Deshalb konnte sich noch nicht die Führung in der Revolution übernehmen. Aber die Arbeiterklasse brachte in allen Kämpfen die meisten Opfer. Von allen Klassen hatte sich das Proletariat am mutigsten und revolutionärsten gezeigt. Es war am konsequentesten für die Weiterführung der Revolution eingetreten. Das entschiedenste Programm der Revolution wurde von der Vorhut der deutschen Arbeiterklasse, vom Bund der Kommunisten, unter Leitung von Karl Marx und Friedrich Engels, ausgearbeitet. Die Masse der Arbeiterorganisationen stand jedoch noch unter kleinbürgerlichem Einfluss und beschränkte sich auf ökonomische Ziele.

 

 

Die historische Bedeutung der Revolution und ihre Lehren

 

Im 19. Jahrhundert war die Revolution von 1848/49 das größte politische Ereignis in der deutschen Geschichte. Die Volksmassen ganz Deutschlands erhoben sich, um eine bessere Zukunft zu erkämpfen. Sie wollten durch ihre Kraft einen einheitlichen demokratischen Staat schaffen, der ihre Interessen erfüllt.

In der Revolution erwies sich die Unfähigkeit der Bourgeoisie, die Belange der deutschen Nation zu vertreten. Kurzsichtig verfocht sie nur ihre egoistischen Klassenziele. Das veranlasste sie zum Zusammengehen mit den feudalreaktionären Kräften. Die Bourgeoisie zog keine Lehren aus dem Verlauf der Revolution. Es war fernerhin ihre Politik, eher das Bündnis mit den herrschenden feudalen Kräften als mit dem Volk anzustreben.

Karl Marx und Friedrich Engels zogen aus den vielfältigen Erfahrungen der europäischen Revolution von 1848/49 wichtige Lehren für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kommunismus. In verschiedenen Werken stellten sie besonders die neuen Erkenntnisse über den bürgerlichen Staat und seine Rolle als Instrument der herrschenden Klasse in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung dar. Mit der Feststellung, das die politische Machtergreifung des Proletariats die Zerstörung des alten Staatsapparates der Ausbeuterklassen erfordert, entwickelte Karl Marx die Ideen des Kommunistischen Manifests weiter. Marx und Engels formulierten in ihren Werken auch bereits Grundgedanken über das notwendige Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft. Sie legten dar, dass die Bauern nur in der Arbeiterklasse ihren natürlichen Verbündeten und Führer finden.

Während der Revolution sammelten die Arbeiter wertvolle Kampferfahrungen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

In den bisherigen Kämpfen hatte sich erwiesen, dass die Bourgeoisie die Revolution ständig verriet und kleinbürgerliche Kräfte nicht den Mut und die Fähigkeit besaßen, die revolutionären Kräfte erfolgreich zu führen.

Das Proletariat(Arbeiter), das in allen Massenkämpfen in vorderster Reihe stand, begann sich im Verlaufe der Revolution seiner Rolle bewusst zu werden. Die Arbeiter gingen dazu über, sich selbstständige Organisationen zu schaffen, wie eine Vielzahl von örtlichen Arbeitervereinen. Diese Bewegung führte schon zu einem Zusammenschluss verschiedener Arbeiterorganisationen. 1848/49 entstanden erstmals nationale gewerkschaftliche Organisationen. Bei der Gründung und Entwicklung einer Reihe von lokalen Arbeiterorganisationen spielten die Mitglieder des Bundes der Kommunisten eine hervorragende Rolle.

Karl Marx und Friedrich Engels versuchten, Anfang 1849 der Arbeiterklasse eine Gesamtnationale Führung in Form einer revolutionären Massenpartei zu schaffen. Auf Kongressen verschiedener Landesteile- Süddeutschland, Norddeutschland, Thüringen, Württemberg, Bayern – traten die Arbeiter für die Gründung eines allgemeinen deutschen Arbeiterbundes ein, wie es in einer Resolution hieß. Die Kommunisten, vor allem Marx und Engels mit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unterstützen die Bestrebungen.

Die Siege der Konterrevolution erschwerten jedoch diese Bemühungen und machten sie schließlich zunichte. Der für Juni 1849 geplante Kongress aller Arbeiterorganisationen konnte nicht mehr stattfinden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Die Revolution von 1848, Teil 3

Das revolutionäre Wirken von Marx und Engels

 

Mit dem Ausbruch der deutschen Revolution eilten Marx und Engels aus Paris nach Deutschland zurück, ausgerüstet mit ihrem Programm für den revolutionären Kampf, den 17 „Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland“ Sie nahmen ihren Wohnsitz in Köln.

forderungen-der-kommunisten-1848

 

Nun verwirklichten Marx und Engels ihren Plan, eine große Zeitung herauszugeben. Das war für sie das wirksamste Mittel, um die Feinde der Revolution, die Fürsten, den Adel und auch schon Teile der Bourgeoisie, zu entlarven und den Arbeitern zu helfen, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen. Ab 1. Juni 1848 erschien unter der Chefredaktion von Karl Marx die „Neue Rheinische Zeitung“. Zur Finanzierung der Zeitung opferte Marx sein väterliches Erbteil.

Zu den Redakteuren der „Neuen Rheinischen Zeitung“ zählten neben Wilhelm Wolff auch die deutschen Dichter Georg Weerth und Ferdinand Freiligrath. Beide waren Mitglieder des Bundes der Kommunisten und enge Freunde von Marx und Engels. Weerth, der erste Dichter des Proletariats, verspottete die Feinde der Arbeiter und Demokraten in bissigen Erzählungen. Freiligraths revolutionäre Gedichte rüttelten die Massen auf.

Vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus griff die „Neue Rheinische Zeitung“ tatkräftig in die Ereignisse ein. Ihre Hauptangriffe führte sie gegen die noch nicht vernichtete Macht der Fürsten und des Adels. Leidenschaftlich verurteilte sie alle Schritte der Bourgeoise, die sich gegen das Volk richteten. Aber auch die Bundesgenossen der Arbeiter, die demokratischen Kleinbürger, beobachtete die Zeitung und kritisierte deren Mängel und Schwächen. In ihrer Zeitung entwickelten Marx und Engels die Grundsätze einer demokratischen Außenpolitik. Sie gingen davon aus, dass eine Nation nur frei sein kann, wenn sie für die Freiheit der Nachbarvölker eintritt. Deshalb unterstützten sie energisch den Kampf der Polen, Ungarn und Italiener um ihre nationale Unabhängigkeit

Die „Neue Rheinische Zeitung“ trug entscheidend dazu bei, dass sich das junge Proletariat seiner Kraft bewusst wurde und selbständige Arbeiterorganisationen zu bilden begann. Viele Mitglieder des Bundes der Kommunisten waren hervorragend an der Gründung lokaler Arbeiterorganisationen beteiligt. Anfang September 1848 wurde auf Initiative des Schriftsetzers Stephan Born ein Arbeiterkongress in Berlin abgehalten, an dem Delegierte aus Berlin, Hamburg, Leipzig und anderen Städten teilnahmen. Der Kongress beschloss die Bildung einer Arbeiterverbrüderung, welche die schon bestehenden Arbeitervereine zusammenfassen sollte. Allerdings hatte Born nur wirtschaftliche Kampfziele. Die Bestrebungen von Marx und Engels gingen jedoch dahin, eine gesamtnationale, revolutionäre Massenpartei der Arbeiterklasse zu schaffen, die stark und konsequent genug war, um gemeinsam mit den Volksmassen die Ziele der Revolution durchzusetzen.

Die „Neue Rheinische Zeitung“ war die mutigste und berühmteste Zeitung der deutschen Revolution. Ihre Artikel wurden von vielen anderen demokratischen blättern nachgedruckt. Sie half den Arbeitern und Demokraten, Freund und Feind zu unterscheiden und die Aufgaben der Revolution zu erkennen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8