Die ideologischen Kriegsvorbereitungen und der Klassencharakter des Faschismus

Die faschistischen Irrlehren zur Vorbereitung des Volkes auf den Krieg

Dem aggressiven und verbrecherischen Charakter des deutschen Faschismus, den räuberischen Zielen und seiner Politik entsprach die faschistische Ideologie und Propaganda. Sie war in allen ihren Bestandteilen darauf ausgerichtet, das Volk auf einen Krieg vorzubereiten.

Aus Hitlerrede 1936Quellenangabe Hitlerrede 1936

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Hauptbestandteil der faschistischen Ideologie war ein bis auf das Äußerste gesteigerter Antikommunismus. Der Antikommunismus durchdrang das gesamte gesellschaftliche Leben. Er äußerte sich in der hetze und im Terror gegen die Kommunisten. Aber auch Sozialdemokraten und andere Antifaschisten fielen der antikommunistischen Hetze zum Opfer. Der Antikommunismus widerspiegelte sich in den hasserfüllten Ausfällen gegen die internationale Arbeiterbewegung und vor allem gegen die Sowjetunion. Die antikommunistische Hetze sollte die Arbeiterklasse über das wahre Wesen des Sozialismus hinwegtäuschen und auf den Krieg gegen die Sowjetunion vorbereiten.

Der gleichen verbrecherischen Zielsetzung, der Vorbereitung des deutschen Volkes auf einen Raubkrieg, diente die berüchtigte Lüge vom „Volk ohne Raum“. Diese Lüge wurde bereits vor der Zeit des Faschismus verbreitet.

Das „Recht“, diesen angeblich fehlenden Lebensraum durch den Krieg gegen die Sowjetunion und andere Völker zu erobern, wurde aus der sogenannten Rassentheorie abgeleitet. Es wurde darin erklärt, dass der Deutsche ein „Herrenmensch“ sei und deshalb über die „Untermenschen“, also die Angehörigen anderer Völker, zu bestimmen habe. Dieser verderbenbringenden Erziehung und Beeinflussung war besonders die Jugend ausgesetzt. Die Barbarei der faschistischen Rassentheorie wurde besonders im Antisemitismus deutlich.

Der Name Antisemitismus stammt von Sem, einem Sohn der biblischen Gestalt Noah. Die Semiten stellen eine sprachlich und anthropologisch verwandte Gruppe von Völkern, besonders Vorderasiens und Nordafrikas, dar. Der Name Semiten galt allgemein als Bezeichnung für die Juden.

1935 wurden die sogenannten „Nürnberger Rassegesetze“ erlassen, nach denen Juden keine Ehepartner „deutschen Blutes“ mehr heiraten und keine Berufe wie Arzt, Rechtsanwalt usw. ausüben durften.

Plakat gegen Juden

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im November 1938 wurde von der Naziführung eine große Verfolgung der Juden organisiert. Als Anlass diente den Faschisten die Tat eines siebzehnjährigen Juden, der Anfang November 1938 in Paris einen Nazidiplomaten erschoss, um sich wegen der Behandlung seiner Angehörigen in Deutschland zu rächen. In der Nacht vom 09. Zum 10. November 1938, der Progromnacht(früher als „Kristallnacht“ bezeichnet, „Kristallnacht“ klingt verharmlosend und daher wird diese Bezeichnung für diese schrecklichen Ereignisse nicht mehr verwendet.), misshandelten SS und SA die Juden, schleppten sie in Konzentrationslager, steckten Synagogen in Brand und zertrümmerten Tausende jüdischer Geschäfte.

Aus Schreiben Heydrichs 1938Schreiben Heydrichs 2Quellenangabe Schreiben Heydrichs

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Zerstörung Synagoge in Eberswalde 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Juden mussten die von den Nazibanden angerichteten Schäden selbst bezahlen und dem Staat eine „Buße“ von 1,25 Milliarden Mark entrichten. Von dieser Zeit an durften Juden keine Betriebe mehr führen. Die deutschen Monopole und Banken bereicherten sich skrupellos am Eigentum der Juden.

Massenderportaion jüdischer Mitbürger 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Klassencharakter des Faschismus

Der Hitlerfaschismus verkörperte alle reaktionären, volksfeindlichen und antidemokratischen Entwicklungstendenzen des deutschen Imperialismus und Militarismus.

Er war zugleich die Fortführung und schrecklicher Höhepunkt aller volksfeindlichen und antihumanistischen Tendenzen in der deutschen Geschichte.

Der Faschismus in Deutschland war die Antwort der reaktionärsten Kräfte des Finanzkapitals auf das veränderte Kräfteverhältnis sei dem Beginn der allgemeinen Krise des kapitalistischen Systems. Oft wird von der allgemeinen Krise des Kapitalismus gesprochen und geschrieben. Doch er ist stark und steigt aus jeder Krise, wie Phönix aus der Asche, immer wieder gestärkt empor. Er wurde im Interesse der reaktionärsten Kreise des Finanzkapitals an die Macht gebracht, um die Arbeiterklasse und alle anderen Schichten des deutschen Volkes zu unterdrücken.

Hitler mit Vertretern des Monopolkapitals 1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

1935 verallgemeinerte Georgi Dimitroff die Erfahrungen und Erkenntnisse des Klassenkampfes gegen den Faschismus in der Definition: „Der Faschismus an der Macht…ist…die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“   

Quelle: W.Pieck/G. Dimitroff/p.Togliatti: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunisten im Kampf für die Volksfront gegen Krieg und Faschismus. Berlin 1960, S. 87.

 

Resolution VII Weltkongress KOM. Internationale 1935Resolution VII. Kom. Weltkongress 1935 2Quellenangabe Resolution VII KOM. Weltkongress 1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Einer der Beweise für den Klassencharakter des Faschismus war das „Gesetz über die Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft“ von 1934. Dieses Gesetz, durch Vorschläge der Monopolisten, insbesondere von Krupp, vorbereitet, hatte zum Ziel, die Macht der Monopole noch stärker mit der des faschistischen Staatsapparates zu verbinden. Das wurde beispielsweise durch die Aufgliederung der gesamten Wirtschaft in sechs Reichsgruppen, denen alle Unternehmen angehören mussten, gefördert. An der Spitze der Reichsgruppen standen Vertreter der mächtigsten Konzerne. So war Krupp der erste Vorsitzende der Reichsgruppe Industrie. Auf diese Weise beherrschten die Monopolvertreter, mit staatlichen Vollmachten ausgestattet, sehr bald den gesamten Wirtschafts- und Finanzapparat.

Entsprechend wirkte in der Landwirtschaft der Reichsnährstand. Mit seiner Hilfe brachten die Monopole und Junker die gesamte Landwirtschaft unter ihre Kontrolle.

Abgerundet wurde dieses staatsmonopolistische System mit der Regulierung aller Seiten des kulturellen Lebens durch das Goebbels-Ministerium für „Volksaufklärung und Propaganda“ und die Reichskulturkammer.

Faschistische Institutionen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

So vollzog sich unter den Bedingungen der faschistischen Diktatur die Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus in bedeutendem Maße.

In diesen Jahren erreichte die Verschmelzung der Macht der reaktionären Monopolgruppen mit der des Staates, die völlige Unterordnung des Staatsapparates unter die Herrschaft derMonopole, ihren bisherigen Höhepunkt in Deutschland.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Ideologische Kriegsvorbereitungen und der Klassencharakter des Faschismus

 

Aufgaben Thema Faschistische Ideologie und Klassencharakter

Aufgaben aus dem Geschichtsbuch der DDR (Stand 1982)

 

Die innen- und außenpolitischen Kriegsvorbereitungen des faschistischen deutschen Imperialismus

Die beschleunigte Aufrüstung – Grundlage einer zielgerichteten Aggressionspolitik des Hitlerregime

Nachdem sich das faschistische Regime vor allem durch Terror und Demagogie schrittweise gefestigt hatte, leitete es entscheidende Maßnahmen zur Aufrüstung und damit zur Vorbereitung der Aggression gegen andere Völker ein. Von großer Bedeutung waren in diesem Zusammenhang die Anstrengungen des faschistischen deutschen Imperialismus zur Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland. (Durch den Versailler Vertrag war das Saargebiet für 15 Jahre der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt. Eine für den 13. Januar 1935 festgelegte Volksabstimmung sollte über den Status des Gebietes entscheiden.)                                                                                                   Das Ziel bestand darin, die Wirtschaftskraft des Saargebietes in das Rüstungspotential des faschistischen Deutschlands einzugliedern und die Grenzen gegenüber Frankreich vorzuverlegen. Ein Entscheid der Saarbevölkerung für den Anschluss an Deutschland musste darüber hinaus das außenpolitische Ansehen des Naziregimes heben

Die KPD trat gegen diese faschistischen Pläne auf. Sie forderte die Aufrechterhaltung der Verwaltung durch den Völkerbund auch nach dem Januar 1935. Das hätte die Stärkung der faschistischen Kriegstreiber verhindert, aber auch die Möglichkeit geboten, das Saargebiet nach dem Sturz Hitlers einem friedlichen und demokratischen Deutschland anzugliedern.

Hitlers Leibstandarte in Saarbrücken (1935)

Hitlers Leibstandarte zieht in Saarbrücken ein(1935)

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Nach der Saarabstimmung konzentrierten sich die Faschisten in verstärktem Maße auf die Verwirklichung der Rüstungspläne. Das bedeutete beispielsweise die Errichtung von 300 Rüstungsbetrieben, unter anderem von 50 bis 60 Flugzeugwerken, 45 Werken für Kraftfahrzeuge und Panzerwagen, 70 chemischen Werken und 15 Werften. An dieser Aufrüstung war der USA-Imperialismus durch Investitionen von Milliarden Dollars in fast allen entscheidenden deutschen Konzernen beteiligt. Es ist heutzutage unangenehm dies zuzugeben und wird „unter den Teppich gekehrt.

Zu diesen wirtschaftlichen Maßnahmen der Kriegsvorbereitung gehörte auch der Bau von Autobahnen. Von den geplanten 6600 Kilometern waren bis zum Ausbruch des Krieges 1939 etwa 3300 Kilometer fertiggestellt. Viele sehen bis heute den Autobahnbau als positive Seite des Hitlerfaschismus.

In Übereinstimmung mit diesen Rüstungsmaßnahmen setzte die faschistische Regierung ihre Politik, schrittweise entscheidende Bestimmungen des Versailler Vertrages zu zerreißen, fort. Am 13. März 1935 erklärte die Hitlerregierung, dass sie sich an die Bestimmung des Versailler Vertrages, keine Luftwaffe aufzubauen, nicht mehr gebunden fühle.

Flugzeugproduktion in DeutschlandQuellenangabe Flugzeugproduktion in Deutschland

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

RüstungsausgabenQuellenangabe Rüstungsausgaben

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

-Hurrah, Butter ist alle-

„Hurrah, die Butter ist alle“, Fotomontage von John Hartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Einfuhr Deutschlands 1929 bis 1938Quellenangabe Einfuhr Deutschlands

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 16. März 1935 wurde die durch den Versailler Vertrag verbotene allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt. Das bedeutete, dass die in Versailles festgelegte Truppenstärke von     100 000 Mann Reichswehr durch die Wehrmacht in Stärke von insgesamt etwa 550 000 Mann bei einjähriger Dienstzeit ersetzt wurde. Schließlich wurden durch ein Gesetz vom 26. Juni 1935 alle männlichen Personen von 18 bis 25 Jahren zu einjähriger Dienstzeit im Reichsarbeitsdienst (RAD)verpflichtet. Der RAD, der bis Ende 1936 schon 300 000 Mann zählte, war eine halbmilitärische Organisation, durch die billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sowie für den strategischen Straßenbau und andere wichtige militärische Objekte zur Verfügung standen.

 

Die faschistische Außenpolitik im Dienste der Kriegsvorbereitung. Die sowjetische Diplomatie im Kampf für Frieden und Sicherheit

Die faschistische Außenpolitik sah in den Jahren von 1933 bis 1936 ihre Hauptaufgabe darin, die Herrschaft nach außen hin abzusichern und günstige Bedingungen für die Aufrüstung und eine erfolgreiche Aggressionspolitik zu schaffen. Ihr Hauptstoß richtete sich deshalb ebenfalls, wie alle Maßnahmen zur Aufrüstung, gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages.

Alle innen- und außenpolitischen Kriegsvorbereitungen durch die Hitlerregierung lösten in aller Welt große Besorgnis aus. Trotzdem versuchten die imperialistischen Regierungen Englands und Frankreichs der Bedrohung in erster Linie dadurch zu entgehen, dass sie sich mit Hitlerdeutschland verständigten, um es als imperialen Stoßtrupp gegen die Sowjetunion zu benutzen. Von solchen Überlegungen ausgehend, schloss die Regierung Großbritanniens am 18. Juni 1935 ein Flottenabkommen mit Deutschland.

Fotomontage Flottenabkommen Großbritannien -Hitlerdeutschland

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Dieses Abkommen ermöglichte die Erhöhung der Tonnage der faschistischen Kriegsflotte von 78 000 auf 200 000 Bruttoregistertonnen. Dabei wurde vereinbart, dass die Größe der faschistischen U-Bootflotte der britischen gleich sein könne. Auf diese Weise half die englische Regierung den Faschisten den Versailler Vertrag zu brechen und legalisierte die deutsche Aufrüstung.

Chronik faschistische Außenpolitik 1933-1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Allein die Sowjetunion nahm den konsequenten Kampf gegen die aggressive Politik der faschistischen deutschen Regierung auf. Sie stellte der Politik der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung der herrschenden Kreise Deutschlands, die von den imperialistischen Regierungen der USA, Englands und Frankreichs geduldet und gefördert wurde, ihre Aktivität zur Zügelung des Aggressors entgegen.

Chronik der sowjetischen Außenpolitik 1933-1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Auswirkungen der faschistischen Diktatur auf die Lage der verschiedenen Klassen und Schichten des deutschen Volke

Der Hitlerfaschismus und seine reaktionäre Politik nach innen und außen brachte für die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen(arbeitende Menschen/Erwerbstätige) neben politischer Unterdrückung und Terror auch verstärkte soziale Unterdrückung und Ausbeutung.

Von 1932 bis 1937 stieg die Produktion von Produktionsmitteln um 174 Prozent, die der Konsumtionsgüter stieg um 32 Prozent.

Durch verlängerte Arbeitszeit und erhöhte Arbeitsintensität stieg die Leistung je Arbeiter in der Eisen- und Stahlindustrie um 44 Prozent, in der Fahrzeugindustrie um 87 Prozent.

Die Bruttowochenlöhne stiegen dagegen nur um 15,8 Prozent, von 22.88 Mark auf 26,50 Mark im Durchschnitt. Im gleichen Zeitraum stiegen die Lebenshaltungskosten um 6 Prozent.

Ständig wuchs die Anzahl der gemeldeten Unfälle. Sie betrug 1932 noch 826 980, im Jahre 1937 wies sie 1 799 512 Unfälle aus

Der verstärkten Ausbeutung unterlagen auch die werktätigen Bauern und die städtischen kleinbürgerlichen Schichten. So stieg die Zahl der versteigerten Bauernhöfe – trotz der Versprechen der Nazis, das für immer zu unterbinden – von 1518 im Jahre 1934 auf 2270 im Jahre 1935. Allein von 1933 bis 1939 verloren die Wirtschaften der werktätigen Bauern etwa 25 Prozent ihres Pferde- und 15 Prozent ihres Rinderbestandes.

Diese ständig wachsende Ausbeutung wurde durch die faschistische Propaganda und einem sozialen Massenbetrug größten Ausmaßes verschleiert. So wurden von den Goebbels-Propagandisten die allmähliche Belebung der Wirtschaft und der Rückgang der Arbeitslosigkeit, als „Erfolge“ des Hitlerregimes gepriesen. Bis heute wird vielfach dieser Propaganda noch immer geglaubt und sieht dies als eine gute Seite des Hitlerregimes an. Die wirklichen Ursachen lagen jedoch darin, dass Hitler die Regierungsgewalt übernommen hatte, als der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise bereits überwunden war und die Nazis sofort mit der Aufrüstung begannen

Im Rahmen des organisierten Massenbetruges spielte die faschistische Organisation „Kraft durch Freude“(KdF) eine große Rolle. Die von dieser Organisation durchgeführten Urlaubsreisen, Theaterbesuchte, Konzerte usw. wurden in den höchsten Tönen gepriesen. Sogar bis heute sehen viele Leute die KdF gute Seite der Zeit des Faschismus. Bevor der Hitlerfaschismus an die Macht kam, konnte sich niemand einen Urlaub leisten, was durch KdF möglich wurde. Nur der KdF-Wagen, der spätere VW-Käfer wird als Betrug angesehen, da viele darauf sparten, aber die Ersparnisse dann für die Kriegsfinanzierung verwendet wurden.

Jeder Arbeiter musste zwangsweise einen Beitrag für die KdF leisten, jährlich etwa insgesamt 140 Millionen Mark. So war das, bis heute von vielen Leuten gepriesene „soziale Wunderwerk“ ein Raubzug auf die Taschen der arbeitenden Menschen.

Die Nutznießer dieser faschistischen Politik waren die Herren von Kohle und Stahl, aber auch in wachsendem Maße der Chemie- und Elektroindustrie, wie Krupp, Thyssen, Röchling, Siemens, Krauch und andere. Das bewies letztendlich das Ansteigen der Profite dieser Monopolkapitalisten.

Rüstungsprofite der IG FarbenQuellenangabe Rüstungsprofite der IG Farben

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Innen und außenpolitische Kriegsvorbereitungen deutscher Faschisten

 

 

 

 

 

Die Errichtung und Festigung der faschistischen Diktatur in Deutschland

Die Stellung der Arbeiterparteien und der freien Gewerkschaften zum Machtantritt der Faschiste

Mit der Machtübernahme durch die Hitlerregierung am 30. Januar 1933 begann in Deutschland die faschistische Diktatur.

Die Übertragung der Macht an die Faschisten war keine zufällige, persönliche Entscheidung des Reichspräsidenten von Hindenburg. Dieser Schritt erfolgte auf Drängen der reaktionärsten Kräfte des deutschenMonopolkapitals.

Siehe: Das Ende der Weimarer Republik

Den Monopolvertretern waren die wirklichen Ziele der Nazipartei bekannt. Sie begrüßten und förderten jene Absichten, die die rücksichtslose Unterdrückung der Arbeiterklasse und der anderen demokratischen Kräfte zum Ziele hatten.

Fackelzug anlässlich Machtübernahme Hitlers 30.01.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aus Protokoll Hitlerregierung 30.Januar 1933Quellenangabe Protokoll Hitlerregierung 30.01.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aber auch die Pläne der Faschisten, andere Völker, insbesondere die Sowjetunion, auszurauben und zu versklaven, entsprangen den Interessen und Forderungen des Deutschen Imperialismus und Militarismus.

 

Geheime Ansprache Hitlers 03.02.1933Geheime Ansprache Hitlers 03.02.1933 2Quellenangabe Geheime Ansprache Hitlers 03.02.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Den konterrevolutionären Plänen der Nazis sagte die KPD einen kompromisslosen Kampf an. Sie rief noch am 30. Januar 1933 zum Kampf für den Sturz der Hitlerdiktatur auf. Ein entsprechendes Angebot zur Organisierung des gemeinsamen Kampfes aller Arbeiter, mit dem Ziel, die Aktionseinheit der Arbeiterklasse herzustellen, wurde noch am selben Tage dem Parteivorstand der SPD überbracht.

Aus Aufruf der KPD zum Generalstreik 30.01.1933Quellenangabe Aus Aufruf der KPD zum Generalstreik 30.01.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der sozialdemokratische Parteivorstand und die sozialdemokratischen Führer des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) lehnten das Angebot der KPD ab. Die feste Bindung an den imperialistischen Weimarer Staat und der tief verwurzelte Antikommunismus hinderten sozialdemokratische Führer wie Otto Wels(Vorsitzender der SPD) und Theodor Leipart(Vorsitzender des ADGB), gemeinsam, mit der KPD den antifaschistischen Abwehrkampf aufzunehmen. Diese Führer waren voller Illusionen über den Faschismus und glaubten, dass die SPD und die Gewerkschaften weiter existieren könnten, während der Faschismus bald „abwirtschaften“ würde.

Aus Aufruf SPD 31.01.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aus Aufruf ADGB 30.01.1933Quellenangabe Aufruf SPD 31.01.1933 und ADGB 30.01.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Viele Mitglieder der SPD und der Gewerkschaften sahen jedoch weiter als ihre Führer. Sie erkannten, dass nur der gemeinsame Kampf dem Hitlerfaschismus eine Niederlage bereiten konnte, Sie schlossen sich deshalb in vielen Teilen Deutschlands zum Kampf zusammen

In Berlin-Charlottenburg zum Beispiel kam es zwischen Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftsmitgliedern und unorganisierten Arbeitern einerseits und faschistischen Terrorgruppen andererseits zu Straßenschlachten. Zahlreiche Städte, so Braunschweig, Breslau, Chemnitz, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Halle, Hamburg, Leipzig und andere, erlebten machtvolle Streiks, am 3. Februar in Lübeck, am 6. Februar in Staßfurt und am 24. Februar in Hannover. Diese und andere Aktionen rissen auch in der Folgezeit nicht ab. Sie bewiesen die Bereitschaft bedeutender Teile der Arbeiterklasse zum Kampf gegen die Hitlerdiktatur.

 

Die Entfesselung des faschistischen Terrors. Die Reichsbrandprovokation. Das Ermächtigungsgesetz

Durch die Verstärkung ihres Terrors suchten die Faschisten die antifaschistischen Kampfaktionen zu unterbinden und ihre Position weiter zu festigen. Ihr wütender Hass richtete sich vor allem gegen die Kommunisten, die die Interessen des arbeitenden Volkes am konsequentesten vertraten. Die KPD stellte deshalb auch das ernsthafteste Hindernis für die Pläne der Hitlerregierung dar, bei den für den 5. März 1933 festgesetzten Neuwahlen die absolute Mehrheit oder sogar eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag zu erringen.

Polizei durchsucht Karl-Liebknecht-Haus 23.02.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um dieses Ziel zu erreichen, bildeten die Monopole einen Wahlfonds zur Unterstützung der Nazipartei in Höhe von drei Millionen Mark. Gegen die KPD und andere Antifaschisten wurden in Preußen bewaffnete SA- und SS-Formationen als Hilfspolizei aufgeboten. Am 23. Februar 1933 wurde das Karl-Liebknecht-Haus, der Sitz des Zentralkomitees der KPD und der Redaktion der „Roten Fahne“, durch die Polizei besetzt und durchsucht. Diese Kette von Terrormaßnahmen erreichte am Abend des 27. Februar 1933 mit der Reichstagsbrandprovokation einen Höhepunkt.

 

Reichstagsbrand 27.02.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Gegen 21:00 Uhr stand das Reichstagsgebäude in hellen Flammen. Die unmittelbar danach eintreffenden faschistischen Führer Goebbels, Göring und Hitler behaupteten sofort, der Brand sei von den Kommunisten als Signal für einen kommunistischen Aufstand gelegt worden. Die Brandstifter waren jedoch die Faschisten selbst. Dafür zeugt vor allem, dass diese Provokation nur in ihre Pläne passte und sie sie sofort ausnutzten, um eine Hetze gegen die Kommunisten zu entfachen und andere Antifaschisten einzuschüchtern. Der Terror raste. Allein in Berlin wurden in der gleichen Nacht nach vorbereiteten Listen 1500 Antifaschisten, Kommunisten, Sozialdemokraten und aufrechte Demokraten, in ganz Deutschland mehr als 10 000, verhaftet. Die Verhafteten waren grausamen Foltern ausgesetzt, bei denen zahlreiche Antifaschisten den Tod fanden. Am 03. März wurde Ernst Thälmann verhaftet und verschleppt.

 

Dimitroff zu Hintergründen des ReichstagsbrandesQuellenangabe zu Dimitroff Hintergründe Reichstagsbrand

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 09. März 1933 wurden Georgi Dimitroff, der in Berlin das Westeuropäische Büro der Kommunistischen Internationale geleitet hatte, und zwei weitere bulgarische Kommunisten, Popoff und Taneff, verhaftet. Sie sollten vor Gericht unter die unsinnige Anklage gestellt werden, an der Reichstagsbrandstiftung beteiligt gewesen zu sein.

 

Nach dem Reichstagsbrand

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Dieser Terror, verbunden mit einer ständig anwachsenden antikommunistischen Hetze, war durch die Notverordnung des Reichspräsidenten von Hindenburg vom 28. Februar 1933 legalisiert worden. Mit dieser Verordnung wurde der politische Ausnahmezustand bestimmt, der bis zum Sturz des Hitlerregimes, oftmals verschärft, fortdauerte. Unter diesen Ausnahmebedingungen fanden am 05. März 1933 die Reichstagswahlen statt. Trotz der schweren Bedingungen errang die KPD 4,85 Millionen Stimmen. Das war ein großer Erfolg. Obwohl die Faschisten 17. Millionen Stimmen erhielten, konnten sie mit diesen 43,9 Prozent der Stimmen keine absolute Mehrheit im Reichstag erringen.

Um sich dennoch die Zweidrittelmehrheit für die Annahme eines verfassungsändernden Gesetzes zu sichern, erklärte die Hitlerregierung am 09. März gegen jedes Reicht und Gesetzt die 81 Reichstagsmandate der Kommunistischen Partei Deutschlands für ungültig. Außerdem ließ sie mehrere Abgeordnete der Sozialdemokratischen Partei verhaften.

Ergebnisse Reichstagswahl 05.03.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die auf diese Weise zusammengeschobene Mehrheit beschloss am 23. März 1933 im Reichstag das Ermächtigungsgesetz. Damit wurde der Naziregierung das Recht übertragen, unter Ausschaltung des Reichstages Reichsgesetze zu erlassen und Verträge mit anderen Staaten abzuschließen. Schon in den ersten Stunden wurden über 460 Sondergesetze und Verordnungen verkündet und somit die bürgerlich-parlamentarische Republik auch formal beseitigt.

Verbot der SPD, Beseitigung und Selbstauflösung aller bürgerlichen Parteien

Am 22. Juni 1933 wurde die Sozialdemokratische Partei Deutschlands verboten. Dieses Verbot war zugleich der Ausgangspunkt für die Beseitigung oder die Selbstauflösung aller bürgerlicher Parteien. Durch ein Gesetz vom 14. Juli 1933 wurde die Nazipartei die einzige in Deutschland zugelassene Partei.

 

Umwidmung des 1. Mai und Verbot der Gewerkschaften

Die zutiefst antidemokratische, gegen die Arbeiterklasse und die Nation gerichtete faschistische Politik widerspiegelte sich auch in den nächsten Gewalttaten der Hitlerregierung. Nachdem die Faschisten den 1. Mai, den internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiter der Welt, als „Tag der nationalen Arbeit“ gefeiert hatten, um den arbeiterfeindlichen Charakter der Naziherrschaft zu verschleiern, zerschlugen sie am 2. Mai 1933 die freien Gewerkschaften. Den Arbeitern wurde das Recht, sich in den Gewerkschaften als Klassenorganisationen der Arbeiterklasse zur Verteidigung ihrer Interessen zusammenzuschließen, geraubt. Das Millionenvermögen der Gewerkschaften, das die Arbeiter durch ihre Beiträge Groschen für Groschen in Jahrzehnten zusammengetragen hatten, rissen die Faschisten an sich.

 

Bücherverbrennung

Am 10. Mai 1933 verbrannten die Faschisten in den deutschen Hochschulstädten auf riesigen Scheiterhaufen Bücher. Mit diesem Akt der Barbarei wurden die Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus und der Führer der deutschen Arbeiterbewegung sowie Werke der deutschen national- und Weltliteratur, unter anderem Werke von Henry Barbusse, Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Heinrich Mann, Thomas Mann und Arnold Zweig, aus den Bibliotheken verbannt. Gleichzeitig wurden zahlreiche humanistische Geistesschaffende verfolgt, eingekerkert oder außer Landes getrieben. Diese Maßnahmen der Faschisten hatten das Ziel, alles fortschrittliche, humanistische Gedankengut auszumerzen und der Durchsetzung der faschistischen Ideologie den Weg zu bereiten.

Bücherverbrennung 10.05.1933

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die KZs

Seit Ende 1933 übernahm der faschistische Staat den Ausbau der Folterkeller der SA zu einem Netz von Konzentrationslagern. Die berüchtigten ersten Lager waren das Columbia Haus in Berlin, Börgermoor, Dachau, Burg Hohnstein(Sachsen) und Oranienburg. In diesen Konzentrationslagern wurden Zehntausende Kommunisten von den Nazis ohne Gerichtsurteil gefangengehalten. Sie mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen, unzureichend ernährt und bekleidet, bei körperlich härtester Arbeit vegetieren. Brutale Misshandlungen gehörten zum Alltag dieser Stätten des Grauens.

KZ Sachsenhausen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Legalisierung der Verbrechen der Nazis durch die faschistische Justiz

Diese Verbrechen der Nazis wurden durch die faschistische Justiz legalisiert. 1934 wurde hierfür durch die Hitlerregierung der Volksgerichtshof als oberstes politisches Sondergericht geschaffen. Dieses Sondergericht wütete mit Todes- und Zuchthausurteilen gegen deutsche und ausländische Antifaschisten. Dennoch vermochte es dieser Terror niemals, den antifaschistischen Widerstandskampf völlig zu unterdrücken.


F.C. „Der rote Fetzen“ (1933)Quellenangabe Weiskopf -Der rote Fetzen-(1933)

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Alle diese verbrecherischen Maßnahmen und Gesetze wurden Schritt für Schritt zu einem umfassenden System der Terrorisierung und Bespitzelung der Bevölkerung ausgebaut. Dieses faschistische Terrorsystem stützte sich vor allem auf die Gestapo(Abkürzung für „Geheime Staatspolizei“), den Sicherheitsdienst, die SS und SA, den Leitungsapparat der NSDAP, von den Reichsleitern bis hinab zu den Blockleitern in den Wohngebieten sowie auf die verschiedensten Naziorganisationen. Diese Kräfte überwachten ständig die gesamte Bevölkerung. Ihr Einfluss reichte in jedes Haus, in fast jede Familie. Mit Hilfe dieses Systems wurde die faschistische Ideologie verbreitet und gegen Andersdenkende der Terror organisiert.

 

 

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Entstehung und Festigung des Faschismus in Deutschland

 

Ehrung der Zwangsarbeiterinnen

Am 8. März ehren wir auch die Zwangsarbeiterinnen. Diese Frauen führten ein elendes Sklavendasein.

Für die Kinder der Zwangsarbeiterinnen folgte weiteres Elend.

Zwangsarbeiterin Kopie

Ukrainische Zwangsarbeiterin während der Zeit des Faschismus

 

Es gibt viele Webseiten, die sich mit diesem Thema befassen. DIE TROMMLER hat als Beispiel die Website aus Göttingen herausgesucht.

Es geht hier um ein Forschungsprojekt der Historikerin Dr. Cordula Tollmien aus Göttingen.

Hier ist leichtverständlich die Situation der Zwangsarbeiterinnen beschrieben und es gibt auch eine Zusammenfassung, die nachfolgend in DIE TROMMLER wiedergegeben wird.

siehe folgende Links:

http://www.tollmien.com/zwangsarbeiterinnen.html

http://zwangsarbeit-in-goettingen.de

Auszug aus der Web-Site:

Im August 1944 waren von den 5,7 Millionen registrierten ausländischen Zivilarbeitern 1.924.912 Frauen, genau ein Drittel. Die Ausländerinnen kamen zu 87 % aus Osteuropa (bei den Männern waren es 62 %). Je niedriger in der politischen und rassistischen Hierarchie der Nationalsozialisten die einzelnen Ausländergruppen angesiedelt waren, desto höher war der Frauenanteil: Von 3 % bei den mit den Deutschen verbündeten Ungarn bis 51,1% bei den zivilen Arbeitskräften aus der Sowjetunion, den sog. Ostarbeitern. 1944 arbeiteten mehr „Ostarbeiterinnen“ in Deutschland als zivile männliche und weibliche Arbeitskräfte aus Belgien, Frankreich und Holland zusammen.
Zahlen aus: Ulrich Herbert, Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Dietz-Verlag Berlin-Bonn 1985, S. 271

Die Zwangsarbeiterfrage ist also zu großen Teilen eine Frauenfrage!

Fast immer waren die Zwangsarbeiterinnen noch einmal schlechter gestellt als die männlichen Zwangsarbeiter. Obwohl sie die gleiche Arbeit wie die Männer verrichteten, erhielten sie eine noch schlechtere Bezahlung und waren zudem weitgehend schutzlos Übergriffen durch deutsche Arbeiter und Lagerführer ausgesetzt. So kam es immer wieder zu Vergewaltigungen durch das überwiegend männliche Wachpersonal in den Zwangsarbeiterlagern. Wenn die Frauen schwanger wurden (ob durch Vergewaltigung oder durch eine Beziehung zu einem anderen Zwangsarbeiter), mußten sie entweder abtreiben oder man zwang sie umgekehrt dazu, das Kind auszutragen. Denn im Juni 1943 hatte das nationalsozialistische Rassedenken einen weiteren perversen Höhepunkt mit der Unterscheidung von „gutrassigen“ und „schlechtrassigen“ Zwangsarbeiterkindern erreicht: „Gutrassige“ Zwangsarbeiterkinder sollten als Deutsche (entweder in Heimen oder bei Familien) erzogen werden, während „schlechtrassige“ in extra eingerichteten sog. Ausländerkinderpflegestätten gebracht wurden, wo sie zumeist an Unterernährung oder Krankheiten infolge gezielter Vernachlässigung innerhalb weniger Wochen oder Monate starben. Lediglich den Zwangsarbeiterinnen, die in deutschen Familien als Haus- und Kindermädchen arbeiteten, ging es zumeist besser als ihren Leidensgenossinnen, die in den Rüstungsfabriken schufteten. Vor allem die Ernährung war in den Familien in der Regel besser. Aber auch hier waren sie vor persönlicher Misshandlung oder sexuellen Übergriffen nicht sicher.

Zwangsarbeiterkinder in Göttingen

In Göttingen wurden während des Krieges fast 300 Kinder von Polinnnen und „Ostarbeiterinnen“ geboren. Die meisten dieser Kinder kamen in einer speziell für „Ostarbeiter“ und Polen eingerichteten Krankenbaracke zur Welt, einige aber auch im für Geburten, Wöchnerinnen und Säuglinge in keiner Weise eingerichteten größten „Ostarbeiterlager“ Göttingens auf dem Schützenplatz. Die meisten Zwangsarbeitermütter, die in Göttingen niederkamen, arbeiteten bei Bauern im Landkreis und kehrten nach der Geburt dorthin zurück. In der Regel konnten sie wohl auch ihren Säugling mit an ihre Arbeitsstelle nehmen. Seit Frühjahr 1944 existierte in Göttingen aber auch ein Kleinkindlager bei der Großwäscherei Schneeweiß (heute Steritex). Dort waren bis Kriegsende mindestens 28 Säuglinge mit ihren Müttern untergebracht. Die Mütter arbeiteten bei Schneeweiß, eine war jeweils abgestellt, um die Säuglinge zu versorgen. Die Sterblichkeit in diesem Kleinkindlager lag bei etwa 40 % und damit anderthalb mal so hoch wie die Säuglingssterblichkeit in dem bei den Gebärenden vor allem wegen der dort herrschenden schrecklichen hygenischen Bedingungen gefürchteten Lager Schützenplatz. Nach dem Tod ihrer Kinder mussten die Mütter das Lager Schneeweiß verlassen. Siehe dazu Cordula Tollmien, Slawko, Stanislaw und France Marie. Das Mütter- und Kinderlager bei der Großwäscherei Schneeweiß in Göttingen 1944/45, in: Andreas Frewer, Günther Siedbürger (Hg.), Medzin und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Einsatz und Behandlung von „Ausländern“ im Gesundheitswesen, Campus Verlag Frankfurt/Main 2004, S. 363-388

 

Die Situation der Frauen während der Zeit des Faschismus

Die Faschisten wollten zu Anfang der Zeit des Faschismus, dass die Frau nur Mutter und Ehefrau war. Sie sollte viele Kinder bekommen und auf diese Weise den Fortbestand des Dritten Reiches sichern. Der Mann dagegen wurde als Ernährer und Beschützer dargestellt. Um den Frauen die Mutterschaft schmackhaft zu machen, betrieben sie einen großen Mutterkult und priesen sie als besonders wertvoll, da es ihre Aufgabe sei, dem Führer und dem Volk neue Kinder zu schenken. Vermutlich war es für die Frau sehr schmeichelhaft, als „Quelle der Nation“ betrachtet oder besonders ehrenvoll behandelt zu werden, wenn sie viele Kinder hatte.
Doch mit dem Krieg musste sich ihre Rolle verändern. Nun musste sie auch die Rolle des abwesenden Mannes einnehmen und mit ihrer Rolle als Mutter kombinieren. Während des schwierigen Kriegszustandes, der ohnehin viele Opfer von ihnen verlangte, war dies kaum zu bewältigen, da sie sich darum kümmern musste, dass ihre Kinder sicher waren und genug zu essen bekamen.
Während des zweiten Weltkrieges war es für die Faschisten nicht mehr nützlich, als sie in den Jahren vor dem Krieg ständig betont hatten, dass die Frau nur eine gute deutsche Mutter und Ehefrau sein sollte, die keinen Platz im Berufsleben hatte. Sicherlich war die Frau durch die Mutterschaft schon eine „Stütze“ des Dritten Reiches, aber nachdem die Männer als Soldaten in den Krieg gegangen waren, musste sie auch die Aufgaben bewältigen, die ihr vorher verboten worden waren. Trotz dieser vielen Aufgaben wurde die Frau bis zum Ende des Kriegs stets nur als Mutter geehrt, während die harten Kriegsarbeiten, die sie machte, kaum erwähnt wurden. Die Frau sollte weiterhin in der faschistischen Öffentlichkeit nur als Mutter dastehen.

Auszug aus einem Text von Carolin Bendel, bearbeitet von Petra Reichel

entnommen aus der Website:

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Warum sagte man in der DDR zur Nazi-Zeit Faschismus und nicht Nationalsozialismus?

Wenn von Nazis, bzw. der Nazi-Zeit oder NS-Zeit(1933-1945) die Rede ist, spricht man oft von „Nationalsozialisten“, bzw. dem „Nationalsozialismus“. Dieser Begriff ist irreführend und verharmlosend. Darum wurde in der DDR die Bezeichnung Faschismus, bzw. Faschisten verwendet.

Die reaktionärsten Gruppen des Großkapitals finanzierten die Nazi-Partei und errichteten den Faschismus. Allein der Name der Partei NSDAP(Nationalsozialistische Arbeiterpartei) ist irreführend und Demagogie. Demagogie spielte eine große Rolle, um durch Täuschung von revolutionären Ideen abzulenken.

Die Bezeichnung Faschismus wurde von den italienischen Faschisten nach dem ersten Weltkrieg geprägt. Sie hatten als Symbol für die von Benito Mussolini 1921 gegründete Partei, die im alten Rom den Konsuln und Magistraten vorangetragenen höchsten Amtszeichen, mit Lederriemen umschnürte Rutenbündel(fasces), aus denen ein Beil hervor sah, das sie übernahmen. Der Faschismus wurde zuerst in Italien errichtet.