Frankreich vor der Revolution

Das Leben von Adel, hoher Geistlichkeit und Hof

Seit der Zeit Colberts( Finanzminister unter Ludwig XIV.) waren in Frankreich 300 neue Manufakturen errichtet worden. Die Kaufleute vervierfachten ihren Handel mit dem Ausland. Um so verächtlicher musste den Bürgern das unnütze Leben des Adels, der hohen Geistlichkeit und des Hofes erscheinen.

Der erste und der zweite Stand, wie man Geistliche und Adlige damals bezeichnete, vermehrten nicht den Reichtum des Landes. Sie brauchten keine Steuern zu zahlen, lebten von den Abgaben der Bauern und erhielten als hohe Beamte, Offiziere und Bischöfe noch große staatliche Zuwendungen. Zum ersten Stand gehörten aber auch die Pfarrer in den Städten und Dörfern, die jedoch nur ein geringes Gehalt bezogen und sich oft mit dem Volk verbunden fühlten.

Von den Staatseinnahmen, zu denen allein der dritte Stand– Bürgertum, städtische Volksmassen und Bauern- beitrug, verbrauchte der Hof Ludwigs XVI. in Versailles ein Viertel!

Wenn ein Graf oder Herzog aus der Umgebung des Königs Spielschulden machte, ersetzte sie ihm Ludwig XVI. Diese königlichen „Geschenke“ kosteten die Staatskasse allein schon jährlich 40 Millionen Livres. Die Feudalklasse Frankreichs führte also ein völlig nutzloses Dasein.

Gesellschaftsaufbau Frankreichs vor der Revolution

Der Gesellschaftsaufbau Frankreichs vor der bürgerlichen Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Lage der französischen Bauern

Von den 25 Millionen Franzosen waren 20 Millionen Bauern. Die meisten von ihnen lebten in strohbedeckten Lehmhütten, die nur einen niedrigen Wohnraum besaßen. Glasfenster kannten sie nicht. Im Winter wie im Sommer trugen die Bauern die gleiche Kleidung. Das Paar dicker, benagelter Schuhe, das sie sich zur Hochzeit anschafften, musste für den Rest ihres Lebens aushalten. Fleisch kam nur an Feiertagen auf den Tisch. Sonst aßen sie schlechtes Hafer- und Roggenbrot sowie Suppen, ebenfalls aus Hafer und Buchweizen.

Wie sehr sich die Bauern und ihre Familien auch anstrengten und von früh bis in die Nacht hinein arbeiteten, sie konnten ihre Lage nicht verbessern. Die Feudalherren, der Staat und die Kirche pressten sie unbarmherzig aus.

Grafeneinkünfte Baumont

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Der Boden gehörte den Feudalherren. Die Bauern bewirtschafteten ihn und mussten dem Feudalherren dafür einen Grundzins entrichten. Sie lieferten ihm außerdem ein Viertel ihrer Ernte ab und bezahlten Geld, wenn sie Wege, Brücken, Mühlen und Backöfen in seinem Gebiet benutzten. Die Bauern hatten auch auf den Feldern des Herren zu arbeiten und in seinem Hause Dienste zu leisten. So blieb ihnen wenig Zeit, um das eigene Stück Land zu versorgen. Dessen Erträge wurden außerdem durch die Tauben und das Wild geschädigt, die  ungestraft die Äcker der Bauern verwüsteten, denn nur der Feudalherr hatte das Recht zu jagen, zu fischen und Tauben zu halten.

Karikatur vor Revolution in Frankreich

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Was der Feudalherr von den Erträgen der Bauern übrigließ, nahm der Staat. Der Bauer musste für seinen Boden, ja selbst für seine Person, für den Wein und das Salz Steuern zahlen. Auch der Kirche lieferte er den „Zehnten“ der Ernte und des Viehs ab. Die Bauern waren die Lasttiere der Gesellschaft in Frankreich vor der Revolution.

 

Der Absolutismus als Fessel für Handel und Industrie

Die Kaufleute und die Besitzer der Handelsschiffe in den Hafenstädten, wie zum Beispiel in Bordeaux und Marseille, hatten große Reichtümer angehäuft. Ihre Schiffe brachten Zucker, Kaffee und Baumwolle nach Europa, sie verkauften dafür französische Weine, Stoffe, Kleider und Möbel. Mit dem angesammelten Kapital führten sie aus England Spinnmaschinen, mechanische Webstühle und Dampfmaschinen ein und bauten Fabriken. So entwickelte sich auch in Frankreich die kapitalistische Produktionsweise von der Manufaktur zur Fabrik weiter. Die französischen Kapitalisten wollten noch mehr Lohnarbeiter ausbeuten, ihre Familien erweitern und noch mehr verkaufen, da ihre Waren im Ausland großen Absatz fanden. Doch es stellten sich ihnen viele Hindernisse entgegen:

  1. Die Bauern waren zu arm, um mehr Waren kaufen zu können.
  2. Wie für das Handwerk, so galten auch für die junge Industrie die alten Zunftvorschriften. Die Intendanten bestimmten zum Beispiel, welches Höchst- und Mindestgewicht wollene Decken haben sollten. Manche Waren durften überhaupt nicht hergestellt werden.
  3. Die Zölle an den Stadttoren, an den Brücken und zwischen dem Inneren Frankreichs und den Grenzprovinzen verteuerten die Waren. Colberts Reformen erwiesen sich als Stückwerk. Es war billiger, eine Ware über das Meer nach den Kolonien zu transportieren als vom Norden nach dem Süden Frankreichs.
  4. Die ungerechte Steuerverteilung bedrückte nicht nur die Bauern und Handwerker, sondern verärgerte auch die Manufaktur- und Fabrikbesitzer, die dadurch einen Teil ihres Gewinns einbüßten.

Das Leben der ersten beiden Stände auf Kosten des Volkes und der Absolutismus hemmten die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise in Frankreich. Die selbstbewusste reiche Bourgeoisie wollte die Fesseln, die der Absolutismus ihren Geschäften anlegte, nicht mehr länger ertragen. Sie strebte danach, auch die Regierung des Landes zu übernehmen.

Barnave über Anspruch der Bourgeoise auf politische Macht

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Frankreich vor der Revolution