Die Festigung des Bündnisses der DDR mit der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten

Entsprechend der damaligen historischen Aufgabe, in der DDR den Sozialismus weiter aufzubauen und dafür die günstigsten internationalen Bedingungen zu schaffen, orientierten das Zentralkomitee der SED und die Regierung der DDR zu Beginn der 1960er Jahre auf eine umfassendere Zusammenarbeit mit den sozialistischen Bruderländern. Im Vordergrund stand dabei die Weiterentwicklung des Bruderbundes mit der Sowjetunion.

Die Beziehungen zwischen der DDR und der UdSSR hatten sich seit dem Abschluss des Staatsvertrages von 1955 allseitig entwickelt. Sie bewährten sich vielfältig als unerschütterliche Grundlage für die Festigung der internationalen Stellung der DDR und für die Meisterung der komplizierten revolutionären Aufgaben des sozialistischen Aufbaus. Mit dem Vertrag über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der UdSSR vom 12. Juni 1964 wurde nun eine neue Periode brüderlicher Beziehungen zwischen den beiden Staaten und ihren Völkern eingeleitet. Damit wurde eine entscheidende Voraussetzung für die immer festere Verankerung der DDR in der sozialistischen Staatengemeinschaft geschaffen. Die Vertragspartner betonten die grundlegende Bedeutung der Unantastbarkeit der Staatsgrenze der DDR für die Europäische Sicherheit. Auf der Grundlage dieses Freundschaftsvertrages wurde in den folgenden Jahren eine Vielzahl weiterer Abkommen und Arbeitsvereinbarungen abgeschlossen. Der Vertrag diente der Politik der friedlichen Koexistenz, indem er sich gegen die imperialistische Politik des „kalten Krieges“ richtete und (zum damaligen Zeitpunkt) die Spekulationen auf eine auf eine „Eroberung der DDR“ durchkreuzte.

Auf ökonomischen wissenschaftlich-technischem Gebiet kam die neue Stufe der Zusammenarbeit vor allem in dem Handelsabkommen zwischen der DDR und der UdSSR für die Jahre 1966 bis 1970 zum Ausdruck. Die UdSSR verpflichtete sich darin zur Lieferung volkswirtschaftlich notwendiger Rohstoffe, von Ausrüstungen für Kraftwerke sowie zur Erweiterung der Lieferungen von Automatisierungs- und Rationalisierungsmitteln für die Industrie der DDR. Die DDR lieferte in die UdSSR Erzeugnisse des Maschinenbaus, der Chemieindustrie, des Schiffsbaus, des Landmaschinenbaus, Ausrüstungen für die Leicht-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie sowie industrielle Konsumgüter. Dieses Handelsabkommen war das bis dahin größte, das jemals zwischen zwei Staaten abgeschlossen worden war. Es sicherte die weitere Entwicklung der DDR als sozialistischer Industriestaat und ließ alle Versuche der BRD-Regierung scheitern, die DDR ökonomisch zu erpressen. Das ist der Stand zum damaligen Zeitpunkt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit mit der UdSSR diente auch die im Frühjahr 1966 gebildete Paritätische Regierungskommission für ökonomische und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Von 1966 bis 1971 wurden durch die Paritätische Regierungskommission der DDR und der UdSSR über 40 Regierungsabkommen und Vereinbarungen getroffen, die wichtige Schritte zur Forschungs- und Produktionskooperation auf den Gebieten der Chemie- und Grundstoffindustrie, der Elektronik, des Maschinenbaus u.a. festlegten.

Teilansicht des Petrochemischen Kombinats Schwedt, errichtet in den1960er Jahren
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Nachdem der Vertrag zwischen der DDR und der UdSSR von 1964 der entscheidende Schritt zur Einbeziehung der DDR in das zweiseitige Bündnis- und Beistandssystem der europäischen sozialistischen Staaten erfolgt war, entwickelte die DDR die Initiative zum Abschluss gleichartiger Verträge mit anderen sozialistischen Staaten.

Großbaustelle Kraftwerk Thierbach, Bezirk Leipzig: Hier entsteht 1967 nach sowjetischen Projekten in brüderlicher Zusammenarbeit der UdSSR, der Ungarischen VR, der VR Polen und der DDR ein modernes Großkraftwerk. Das Foto zeigt polnische Spezialisten beim Errichten der Kühltürme
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Im Jahre 1967 wurden Freundschafts- und Beistandsverträge mit der Volksrepublik Polen, der CSSR, der Ungarischen Volksrepublik und der Volksrepublik Bulgarien abgeschlossen.

Der Abschluss dieser Verträge stärkte die internationale Stellung der DDR. So konnte der nun untergegangene Staat als Mitglied des Warschauer Vertrages immer wirksamer zum Erhalt des Friedens in Europa beitragen. Seit Mitte der 1960er Jahre stand dabei der Kampf um die Verhinderung der atomaren Bewaffnung der BRD im Rahmen der NATO und für europäische Sicherheit im Mittelpunkt. Ausgehend von einer gemeinsamen Erklärung der Staaten des Warschauer Vertrages, wandte sich die Regierung der DDR Anfang des Jahres 1966 mit dem Vorschlag an die Regierungen aller europäischen Staaten, eine Verständigung über Fragen der Rüstungsbeschränkung, der Unverletzlichkeit der Grenzen und Normalisierung der staatlichen Beziehungen in Europa zu erzielen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Mit dieser und anderen Initiativen leistete die DDR im Rahmen der gemeinsamen Anstrengungen der der sozialistischen Staaten einen wichtigen Beitrag für die Sicherung des Friedens auf dem europäischen Kontinent.

Waffenbrüder
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der weitere Aufbau des Sozialismus in der DDR nach 1963

Im Januar 1963 fand in Berlin der VI. Parteitag der SED statt. Er beschloss ein neues Parteiprogramm, das die Aufgaben für die weitere Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft in der DDR festlegte. Ausgehend vom erreichten Stand der gesellschaftlichen Entwicklung, bestimmte das Programm den umfassenden Aufbau des Sozialismus in der DDR als Ziel der nächsten Entwicklungsetappe.

Das Programm der SED aus dem Jahre 1963 ging von der geschichtlichen Lehre des Kampfes der deutschen und internationalen Arbeiterklasse aus, dass die Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion für die Lösung dieser Aufgaben von erstrangiger Bedeutung sind. Die SED unterstrich, dass die DDR als sozialistischer Staat ein fester, unverrückbarer Bestandteil der sozialistischen Staatengemeinschaft ist. Die aktive Solidarität mit dem Freiheitskampf der Völker gegen Imperialismus und Kolonialismus und der Kampf um dauerhaften Frieden wurden als weitere Grundsätze der Politik des untergegangenen Staates gekennzeichnet. Der Parteitag bekräftigte den berechtigten Anspruch der DDR auf die Mitgliedschaft in der UNO und trat für Beziehungen der friedlichen Koexistenz zwischen beiden deutschen Staaten ein.

Die Partei der Arbeiterklasse ließ auch keinen Zweifel daran, dass die weitere Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft nur durch zielbewusste Arbeit, unter großen Anstrengungen, in einem komplizierten Kampf erreicht werden konnte. Große Aufmerksamkeit widmete der VI. Parteitag der SED den notwendigen Schritten zur weiteren Entwicklung der Volkswirtschaft. Om Mittelpunkt stand dabei die Notwendigkeit, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, die Selbstkosten der Erzeugnisse zu senken und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu beschleunigen. Dementsprechend mussten jene Zweige der Volkswirtschaft vorrangig entwickelt werden, die den wissenschaftlich-technischen Fortschritt durchsetzen halfen. Insbesondere betraf das die chemische Industrie, den Maschinenbau, den wissenschaftlichen Gerätebau sowie die Elektrotechnik und Elektronik. Zugleich war es notwendig, die Energie- und Rohstoffbasis zu erweitern und das Verkehrswesen zu vervollkommnen.

Insgesamt kam es darauf an, die Führungstätigkeit der SED und des sozialistischen Staates konsequent auf die Nutzung der Vorzüge des Sozialismus zu orientieren. Da einer der entscheidenden Vorzüge der sozialistischen Gesellschaft gegenüber der kapitalistischen in der verantwortungsbewussten Teilnahme der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen (Erwerbstätigen) an der Lösung der Produktionsaufgaben und an der Leitung und Planung der Wirtschaft besteht, musste die Leitungstätigkeit den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen, kollektiven und persönlichen Interessen bewusst beachten. Damit haperte es mit der Zeit und die sozialistische Gesellschaft ging ihrer Auflösung entgegen.

Entsprechend dieser Aufgabenstellung des VI. Parteitages der SED wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1963 in breiter demokratischer Diskussion Richtlinien für die Leitung und Planung der Volkswirtschaft ausgearbeitet. Eine Wirtschaftskonferenz des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR beriet diese Richtlinien und wertete erste Erfahrungen bei ihrer Anwendung aus, bevor sie als „Richtlinien für das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ in Kraft gesetzt wurden. Mit dieser Maßnahme wurde auch in der DDR eine sozialistische Wirtschaftsreform eingeleitet. (siehe Abschnitt 5.1.2) Die damit verbundenen Festlegungen über die Abhängigkeit der Höhe der Prämienfonds von der Planerfüllung und dem erwirtschafteten Gewinn des Betriebes, die Einführung von Schichtprämien, eines leistungsabhängigen Zusatzurlaubs und andere Maßnahmen waren darauf gerichtet, Interesse und Verantwortungsbewusstsein der Werktätigen (Erwerbstätigen) als sozialistische Eigentümer und Produzenten zu stärken. Die Partei der Arbeiterklasse musste sich aber auch mit Auffassungen auseinandersetzen, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt und die neuen Formen der Leitung und Planung allein eine Sache der Wirtschaftsfunktionäre (heute bezeichnet man diese als Manager), der Ingenieure und Techniker seien. Sie wandte sich entschieden gegen Erscheinungen der Geringschätzung der Initiative und des Ideenreichtums der Arbeiter.

 

Bitterfelder Kumpel diskutieren 1961 mit dem Künstler über sein Gemälde „Bergmann Erich Schacher“. Als erster ging Erich Schacher damals aus seiner guten in eine schwächere Bergbaubrigade, um sozialistische Hilfe zu leisten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die neue Etappe der gesellschaftlichen Entwicklung stellte aber nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet wachsende Anforderungen. Sie erforderte auch ein höheres Bildungs- und Kulturniveau der Werktätigen (Erwerbstätigen). Davon ausgehend, beschloss der VI. Parteitag der SED, ein einheitliches sozialistisches Bildungswesen zu schaffen. Auf der Grundlage dieses Beschlusses erarbeitete im Frühjahr 1963 eine Kommission im Auftrag des Ministerrates „Grundsätze für die Gestaltung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems“. Nach einer über ein Jahr dauernden Volksdiskussion, die zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung des Gesetzesentwurfs erbrachte, beschloss die Volkskammer der DDR im Februar 1965 das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“. Es war bis zum Ende der DDR die Grundlage für das einheitliche Wirken aller staatlichen und gesellschaftlichen Bildungseinrichtungen.

Auf der Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse, der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft, der sozialistischen Staatsmacht und der sozialistischen Beziehungen zwischen den Klassen und sozialen Schichten wurde es möglich, die sozialistische Nationalkultur schrittweise herauszubilden. Seit Beginn der 1960er Jahre trat die künstlerische Gestaltung der Probleme des sozialistischen Aufbaus, der neuen Beziehungen zwischen den Klassen und Schichten und vor allem von Arbeiterpersönlichkeiten in den Mittelpunkt vieler Kunstwerke. Der neue Charakter der Kunst zeigte sich aber auch in einer weiteren Entwicklung vielfältiger Formen des künstlerischen Volksschaffens und in einer engeren Zusammenarbeit von Berufs- und Laienkünstlern.

Auf Grund der Ergebnisse der gesellschaftlichen Entwicklung wurde es in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre immer notwendiger, die sozialistischen Errungenschaften und die weiteren gesellschaftlichen Aufgaben in einer neuen, sozialistischen Verfassung der DDR zu verankern. Deshalb wurde im Auftrag der Volkskammer der DDR der Entwurf einer neuen Verfassung erarbeitet und im Januar 1968 zur Diskussion veröffentlicht. In einer großen Volksaussprache, an der sich über 11 Millionen Bürgerinnen und Bürger beteiligten, wurde der Entwurf beraten und darüber diskutiert, wie die Aufgaben zur weiteren Stärkung der DDR noch erfolgreicher gelöst werden konnten. Auf der Grundlage der Vorschläge der Bevölkerung wurden über 100 Änderungen am Verfassungsentwurf vorgenommen. Beim Volksentscheid am 06. April 1968 stimmten dann fast 95 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der DDR für die sozialistische Verfassung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In der Verfassung wurden die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED, sowie die Rechte der Gewerkschaften bei der umfassenden Mitwirkung an der Leitung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zum Gesetz erhoben. Das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln, das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit der Klasse der Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen Schichten des Volkes kennzeichnete die Verfassung als Grundlagen der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Stockholmer Appell

Der Stockholmer Appell vom 19. März 1950 war ein Aufruf zur Ächtung der Atombombe und speziell zur Verurteilung des Ersteinsatzes von Atomwaffen. Er ging aus vom Ständigen Komitee des Weltkongresses der Kämpfer für den Frieden (dem späteren Weltfriedensrat), einer Organisation, die von der Sowjetunion und den großen kommunistischen Parteien unterstützt wurde.

Der Appell wurde bei der Stockholmer Tagung dieses Gremiums beschlossen und erhielt daher seinen gängigen Namen. Frédéric Joliot-Curie, Vorsitzender des Präsidiums des Komitees, Nobelpreisträger für Chemie 1935, Hochkommissar des französischen Commissariat à l’énergie atomique (CEA) und Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, leistete die erste Unterschrift.

Dies war der Startschuss zu einer weltweiten, sehr intensiv betriebenen Unterschriftenkampagne in den folgenden Monaten. Nach Angaben des Weltfriedensrats signierten den Stockholmer Appell über 500 Millionen Menschen; vier Fünftel der Unterschriften stammten allerdings aus der Sowjetunion, der Volksrepublik China und mit diesen verbündeten Staaten. Doch auch in einigen westlichen Ländern kam es zu einer erheblichen Mobilisierung, insbesondere in Frankreich und Italien. Die kaum überprüfbaren Zahlenangaben des Weltfriedensrats sind vielfach relativiert worden, doch besteht Einigkeit, dass der Appell eine sehr große weltweite Öffentlichkeitswirkung erzielte und weit über die Anhängerschaft der kommunistischen Parteien hinaus unterstützt wurde. Zugleich hatten Unterstützer und Unterzeichner des Appells in vielen Ländern mit Pressionen von Seiten staatlicher, kirchlicher und anderer Akteure zu rechnen. Im Zeichen des Kalten Krieges galt der Aufruf vielen als kommunistischer Infiltrationsversuch unter dem Deckmantel des populären Friedensthemas.

Der Aufruf wurde am letzten Tag der Stockholmer Tagung des „Ständigen Komitees“, dem 19. März 1950, in französischer Sprache vorgetragen. Joliot-Curie baute den Text in seine Rede ein, Pierre Cot, Völkerrechtler, französischer Luftfahrtminister in den 1930er Jahren und Abgeordneter für die Savoie(ein französisches Department, ähnlich einem Bezirk in der DDR oder einem Kanton in der Schweiz) in der französischen Nationalversammlung(franzözisches Parlarment), stellte ihn den Delegierten vor. In der offiziellen deutschen Übersetzung lautet er:

„Wir fordern das absolute Verbot der Atomwaffe als einer Waffe des Schreckens und der Massenvernichtung der Bevölkerung.
Wir fordern die Errichtung einer strengen internationalen Kontrolle, um die Durchführung des Verbotes zu sichern.
Wir sind der Ansicht, daß die Regierung, die als erste die Atomwaffe gegen irgendein Land benutzt, ein Verbrechen gegen die Menschheit begeht und als Kriegsverbrecher zu behandeln ist.
Wir rufen alle Menschen der Welt, die guten Willens sind, auf, diesen Appell zu unterzeichnen.“

Der Text wies einige Merkmale auf, die für die ungewöhnlich starke Rezeption prägend waren. Zunächst war er mit vier Sätzen sehr kurz: „Es war wohl der kürzeste [Text], den wir je annahmen“, erinnerte sich Ilja Ehrenburg(sowjetischer Schriftsteller), der gleichfalls Mitglied des Präsidiums war, in seinen Memoiren. Diese Kürze, die ihn für einen millionenfach zu verteilenden Aufruf sehr geeignet machte, wurde durch die Konzentration auf ein einziges Thema möglich: die Atombombe.

Der Text verlangte keine Stellungnahme zu der sich entwickelnden Blockkonfrontation und auch keine prinzipielle Kriegsgegnerschaft, sondern ausschließlich ein Bekenntnis gegen die atomare Rüstung.

Dieses Thema war sehr aktuell. Gerade sechs Wochen vor Beginn des Kongresses, am 31. Januar 1950, hatte der amerikanische Präsident Harry S. Truman sein Programm zur Entwicklung der Wasserstoffbombe öffentlich verkündet. Die USA setzten damit, nachdem die Sowjetunion 1949 ihr Atombombenmonopol durchbrochen hatte, weiterhin auf atomare Aufrüstung. Einige Atomphysiker, die an der Entwicklung der amerikanischen Bombe beteiligt gewesen waren und nach wie vor wichtige Positionen in der amerikanischen Kernforschung einnahmen, kritisierten diese Entscheidung heftig, unter anderem Robert Oppenheimer, Robert Bacher, Enrico Fermi und Isidor Isaac Rabi. Albert Einstein erklärte am 13. Februar 1950, das Verschwinden des Lebens von der Erde werde nun zur technischen Möglichkeit. Der Stockholmer Appell zielte nicht zuletzt darauf, in diese Auseinandersetzungen einzugreifen. Frédéric Joliot-Curie selbst war zu diesem Zeitpunkt noch Hochkommissar der französischen Atomenergiekommission und konnte so sein fachliches Ansehen und seine internationalen wissenschaftlichen Beziehungen in die Waagschale werfen.

Die in den beiden ersten Sätzen formulierten „Forderungen“ beziehen sich auf die erste Resolution, die die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 24. Januar 1946 angenommen hatte. Inhalt war die Einrichtung einer Atomenergie-Kommission, die sich unter anderem mit der „Eliminierung von Atomwaffen und allen anderen größeren Waffen, die zur Massenvernichtung verwendbar sind, aus den nationalen Rüstungen“ befassen sollte. Nicht nur der Terminus der Massenvernichtungswaffe, sondern auch der Begriff der „Kontrolle“ geht direkt auf diese Resolution zurück.

Im Rahmen dieser UN-Kommission hatten die USA im Juni 1946 den Baruch-Plan vorgelegt. Darin boten sie an, alle Atomwaffen einer neu zu schaffenden internationalen Behörde zu übergeben – allerdings erst, nachdem diese das Recht zur unangemeldeten Inspektion sämtlicher Atomanlagen in allen Staaten sowie – unter Ausschluss des Vetorechts – zur „automatischen Bestrafung“ von vertragsverletzenden Staaten erhalten hätte. Die Sowjetunion hatte diesen Plan hauptsächlich aus zwei Gründen abgelehnt: Sie befürchtete, dass dies zur Verewigung des amerikanischen Atomwaffenmonopols führen würde, da das amerikanische Know-how erhalten bliebe, die Sowjetunion aber unter diesen Bedingungen keine Chance hätte, selbst Atomwaffen zu entwickeln; zudem hätte sie aufgrund ihrer Isolierung in den Vereinten Nationen nur geringe Einflusschancen auf diese Behörde gehabt. Die von Andrej Gromyko(langjähriger Außenminister der Sowjetunion) vorgestellten Gegenvorschläge der Sowjetunion liefen auf eine Umkehrung der Reihenfolge hinaus: zuerst eine internationale Konvention zum „Verbot der Atomwaffe“ nebst Zerstörung der Arsenale, dann Inspektionen durch eine UN-Behörde zur Kontrolle des Verbots. Es kam zu keiner Einigung, so dass die Verhandlungen in eine Sackgasse gerieten und schließlich unbestimmt vertagt wurden.

Der Stockholmer Appell nahm, in eher allgemeinen, vagen Formulierungen, also nicht nur den einvernehmlich verabschiedeten Resolutionstext der UN auf, sondern auch die sowjetische Verhandlungsposition. Insbesondere die Formel des „Verbots der Atomwaffe“, aber auch die Reihenfolge der beiden Forderungen stand mit dem sowjetischen Standpunkt im Einklang. Der Appelltext konkretisierte freilich weder die heftig umstrittene Frage der Kontrollmaßnahmen noch einzelne Umsetzungsschritte. Entsprechend seinem Charakter als kurzer, an die Weltöffentlichkeit gerichteter Aufruf ließ er diese Punkte offen.

Mehr Zündstoff bot der dritte und längste Satz des Appells, der nicht in die Form einer Forderung gekleidet war, sondern als politisch-moralisches Urteil (im Original: „nous considérons“) daherkam. Die Verurteilung eines atomaren Erstschlags richtete sich eindeutig gegen die USA, die einzige Macht, die atomare Waffen bereits eingesetzt hatte, zur atomaren Kriegsführung imstande war und bereits während des amerikanischen Atombombenmonopols eine Reihe von Plänen entwickelt hatte, die im Kriegsfall nukleare Angriffe gegen zahlreiche größere Städte der Sowjetunion vorsahen. Die amerikanische Militärstrategie ging von einer großen konventionellen Überlegenheit der Sowjetunion in Europa aus, der im Falle eines sowjetischen Angriffs mit Atomwaffen begegnet werden sollte. Der Appell verurteilte damit eine Strategie der im Vorjahr (April 1949) gegründeten NATO, die noch lange nach 1950 galt – selbst im Dezember 1998, also Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, drang der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer mit seinem Vorschlag nicht durch, den Ersteinsatz von Kernwaffen aus der NATO-Strategie zu streichen.

Auch in diesem Punkt bezog sich der Stockholmer Appell auf eine einvernehmliche Vereinbarung aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, nämlich das Londoner Statut vom 8. August 1945, die Grundlage der Nürnberger Prozesse. Insbesondere der Begriff der Verbrechen gegen die Menschheit war dort erstmals definiert worden; auch für den Tatbestand des Kriegsverbrechens war in London eine neue Definition gefunden worden. Der Text des Appells rückte damit den Ersteinsatz von Atomwaffen in die Nähe der in Nürnberg verhandelten Verbrechen des faschistischen Deutschen Reichs.

Hier wirkte sich die Beschränkung des Appells auf die Ächtung der Atombombe besonders deutlich aus, denn zu einem denkbaren Angriff mit konventionellen Waffen äußerte er sich nicht. Dies wurde wenige Monate später im Koreakrieg akut: Das amerikanische Mitglied des Präsidiums des Ständigen Komitees, O. John Rogge, forderte im August 1950 eine entsprechende Ergänzung des Aufrufs; er hatte keinen Erfolg damit und wurde später nicht in den neuen Weltfriedensrat gewählt. Die Reaktionen von westlicher Seite waren heftig: So sprach das amerikanische Komitee für unamerikanische Umtriebe geradezu von einem „nationalen Selbstmord“, den der Appell von den USA verlange. Festzuhalten bleibt allerdings, dass der Stockholmer Appell den konventionellen Krieg nicht rechtfertigte; er beschränkte sich darauf, die Entfesselung eines Atomkriegs zu brandmarken.

Die ersten drei Sätze des Appells richteten sich an überstaatliche Institutionen. Ganz anders hingegen der Schlusssatz, der eine sehr breite Unterstützerschaft ins Auge fasste. Mit einer Anspielung auf einen Vers aus dem Lukas-Evangelium, der auch im Text der katholischen Messe vorkommt (vgl. Lk  2,14 EU, im Messtext noch ähnlicher: „et in terra pax hominibus bonae voluntatis“, also: „und Friede auf Erden den Menschen guten Willens“) und daher gerade in christlichen Kreisen sehr vertraut geklungen haben dürfte, zielte der Appell auf alle Menschen „guten Willens“, also weit über die kommunistischen Parteien und die Arbeiterbewegung hinaus.

Die Handlung, zu der der Aufruf dieses große weltweite Publikum aufforderte, bestand ausschließlich im Unterzeichnen des Appells bzw. im Sammeln von solchen Unterschriften. Dies war keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Im vorausgegangenen halben Jahr hatten unter anderem die Kommunistische Partei Frankreichs und das Journal des Kominform massiv zu „praktischen Aktionen“ aufgerufen, vor allem zu Streiks der Hafenarbeiter und Eisenbahnarbeiter gegen amerikanische Waffentransporte, aber auch zur Weigerung von Wissenschaftlern, an der Entwicklung von Atomwaffen teilzunehmen. Auch bei der Stockholmer Tagung des Ständigen Komitees wurden solche Aktionen noch, etwa von Louis Saillant, dem Generalsekretär des Weltgewerkschaftsbunds, als „beste Form der Friedenspropaganda überhaupt“ gefeiert. Doch im Stockholmer Appell selbst fanden diese Aktionsformen keinerlei Erwähnung mehr, obwohl das im Tagungsverlauf gefordert worden war. Nach Rüdiger Schlaga war dies vor allem auf Ilja Ehrenburgs Betreiben zurückzuführen, der eine ausschließliche Konzentration auf das Verbot der Atombombe verlangte.

Aus historischer Distanz ist der Text des Stockholmer Appells mehrfach als „relativ harmlos“ („relatively innocuous“), ja als „völlig unpolitisch“ („parfaitement apolitique“) bezeichnet worden. Die Beschränkung auf eine strikt legale und „vergleichsweise banale“ Aktionsform ermöglichte erst die Massenzustimmung, bedeutete aber zugleich, dass der Appell auf ein Bekenntnis reduziert wurde. Er verzichtete darauf, Wege zur Durch- und Umsetzung der Forderungen anzugeben – jenseits der Unterschriftenleistung und -sammlung. So konnte etwa das amerikanische Friedenskomitee seine Werbeflugblätter mit der Zeichnung einer schreibenden Hand und der Überschrift „Your hand can stop atomic war – Sign for peace!“ ausstatten.

Der Appell trug ursprünglich keine Überschrift und wurde unterschiedlich bezeichnet. So gab ihm das amerikanische Friedenskomitee den Titel „World Peace Appeal“, in anderen Fällen wurde die zeremonielle Benennung „Aufruf des Ständigen Komitees des Weltkongresses der Kämpfer für den Frieden“ gewählt (etwa auf einer sowjetischen Briefmarke). Bald bürgerte sich aber die Kurzbezeichnung „Stockholmer Appell“ ein, die den Vorteil der Neutralität hatte: Das bereits stark beanspruchte Wort Frieden war nicht nötig, und die Benennung nach der Hauptstadt eines neutralen Staates kam der Absicht zugute, ein sehr breites Publikum zu erreichen, an das man nicht von vornherein weltanschauliche Ansprüche stellen konnte.

Tage Erlander, dem sozialdemokratischen schwedischen Ministerpräsidenten, gefiel das nicht. „Die ZEIT“ zitierte ihn mit den Worten, es sei Schweden „unbehaglich zu wissen, dass die kommunistische Propaganda den Namen“ seiner Hauptstadt missbrauche. Solche Gedankengänge haben offenbar auch eine Rolle bei der Entscheidung der britischen Regierung gespielt, den im November 1950 zunächst für London, dann für Sheffield vorgesehenen Ersten Weltfriedenskongress zu verhindern: Man wollte unter anderem einen „Londoner Appell“ vermeiden.

Eingesetzt worden war das Ständige Komitee, der Träger des Appells, vom Weltkongress der Kämpfer für den Frieden, der vom 20. bis zum 25. April 1949 in Paris und Prag tagte. Es sollte einen weiteren Kongress vorbereiten und bis zu diesem Zeitpunkt regelmäßige Treffen veranstalten. In dem Kongress von 1949 flossen drei Strömungen zusammen, die voneinander allerdings nicht unabhängig waren: der Weltkongress der Intellektuellen zur Verteidigung des Friedens, der auf eine Initiative aus der kommunistischen Polnischen Arbeiterpartei zurückging; die Combattants de la Liberté, eine von Yves Farge geleitete französische Organisation, die die Ziele und Ideale der Résistance in der Nachkriegszeit fortführen wollte; und nicht zuletzt die im Kommunistischen Informationsbüro (Kominform) koordinierte Tätigkeit der kommunistischen Parteien.

Die Endfassung des Stockholmer Appells mag erst auf der Stockholmer Tagung entstanden sein, der Text hat aber eine Vorgeschichte. Am 2. Dezember 1949 brachte eine interfraktionelle Gruppe einen Antrag in die Französische Nationalversammlung ein, der die französische Regierung aufforderte, bei den Vereinten Nationen eine internationale Konvention vorzuschlagen. Diese sollte „diejenigen für schuldig eines Verbrechens gegen die Menschheit erklären, die im Fall eines Ausbruchs von Feindseligkeiten als erste die Atomwaffe benutzen“. Die Berufung auf das Londoner Statut („Verbrechen gegen die Menschheit“) und die Verdammung des Ersteinsatzes von Atomwaffen, zwei zentrale Komponenten des späteren Appells, finden sich bereits hier. Die interfraktionelle Gruppe bestand aus prominenten Mitgliedern christdemokratischer (Mouvement républicain populaire), gaullistischer, radikalsozialistischer und anderer Zusammenschlüsse, sie enthielt kein Mitglied der kommunistischen Fraktion. Einige Wochen später, am 4. Januar 1950, veröffentlichte das Blatt der Combattants pour la paix et la liberté, Action, ein „Manifest“, das diese – in der Nationalversammlung erfolglose – Petition wieder aufnahm. Hier wurde das Verbot der Atombombe und der Massenvernichtungswaffen durch die Vereinten Nationen bereits in sehr ähnlichen Ausdrücken wie im endgültigen Appelltext gefordert.
Zwei Wochen später, am 17. Januar 1950, beriet das Politbüro der KPdSU in Moskau über die künftige Friedenspolitik. Hier wurde ein millionenfach zu unterschreibender Appell beschlossen, der teilweise bis ins sprachliche Detail dem Stockholmer Appell entspricht, allerdings mit einigen bemerkenswerten Differenzen: Es fehlte der Bezug auf die „Verbrechen gegen die Menschheit“ ebenso wie der Schlusssatz mit seinem Aufruf an „alle Menschen guten Willens“. Diesem Beschluss war ein Besuch des Präsidenten des Ständigen Komitees, Frédéric Joliot-Curie, in Moskau vorausgegangen (im November 1949), über dessen genauen Ablauf nichts bekannt ist.
Aus dieser Vorgeschichte werden unterschiedliche Schlüsse gezogen. So geht Yves Santamaria davon aus, dass es für die nationalen Friedenskomitees kaum Spielräume für eigene Initiativen gegeben habe und der Text weitgehend die „atomare Neuzentrierung“ der sowjetischen Außenpolitik abbilde. Michel Pinault hingegen vertritt die These, dass der Appell im Wesentlichen in verschiedenen französischen Zirkeln der Linken entstanden sei und entsprechend eine Mischung christlicher, humanistischer, sozialistischer und kommunistischer Einflüsse spiegele, die lediglich nachträglich von Moskau abgesegnet worden sei.

Sowjetische Briefmarke von 1951 mit dem vollständigen Text des Appells. Auf der roten Fahne steht- Für den Frieden!

Sowjetische Briefmarke von 1951 mit dem vollständigen Text des Appells. Auf der roten Fahne steht: Für den Frieden!

 

Bildquelle:
Von Unbekannt – Soviet Post, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Der Einfluss der kommunistischen Parteien im Ständigen Komitee war unzweifelhaft groß. Über die Frage, in welche Richtung der Einfluss der Kommunisten wirkte und inwieweit die gesamten Komiteeaktivitäten inklusive des Stockholmer Appells kommunistisch gelenkt waren, gibt es jedoch Kontroversen.

 

entnommen aus Wikipedia Bearbeitet von Petra Reichel

Weltfriedensrat

Der Weltfriedensrat (englisch World Peace Council, WPC) ist eine internationale Organisation, die im November 1950 auf dem 2. Weltfriedenskongress in Warschau zur Förderung der friedlichen Koexistenz und der nuklearen Abrüstung gegründet wurde. Sein Vorläufer war ein Internationales Verbindungsbüro, das im August 1948 aus dem Weltkongress der Kulturschaffenden für den Frieden in Wrocław(polnischer Name für Breslau) hervorging. Dieser knüpfte an die Amsterdam-Pleyel-Bewegung an, die 1932 und 1933 Aktivitäten gegen die Vorbereitung eines neuen Weltkrieges entwickelte.

Die Organisation wurde von kommunistischen Intellektuellen dominiert. Frédéric Joliot-Curie(französischer Physiker) war der Gründungspräsident, Generalsekretär war Jean Laffitte(französischer, sozialistischer Schriftsteller), Vizepräsident Ilja Ehrenburg( sowjetischer Schriftsteller).
Im Weltfriedensrat engagierten sich aber auch Personen, die zwar keine Kommunisten waren, aber aufgrund ihres Engagements für den Frieden im Westen keinen Rückhalt hatten.

Frédéric Joliot-Curie, Briefmarke der DDR 1964

 

Frédéric Joliot-Curie, Briefmarke der DDR 1964

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Von Deutsche Post der DDR – Eigener Scan und Bearbeitung, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

Der Weltfriedensrat diente auch dem KGB(Geheimdienst der Sowjetunion) als Frontorganisation(bzw. Tarnorganisation).

Berlin, Finanzministerium, geschmückt

Außerordentliche Tagung des Weltfriedensrates im Mai 1954 im Gebäude des Finanzministeriums der DDR in Berlin/DDR

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Von Bundesarchiv, Bild 183-24721-0002 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Mit dem Aufkommen der „Neuen Linken“ Mitte der 1960er Jahre(auch bekannt als 68er-Bewegung) in Westeuropa und Nordamerika war der Weltfriedensrat für die Friedensbewegung westlicher Länder weniger bedeutend.

Ihren ersten Hauptsitz hatte die Organisation in Paris. Sie wurde jedoch schon kurz darauf von der französischen Regierung beschuldigt, die „Fünfte Kolonne“ der Kommunisten zu sein, und ausgewiesen. Ihr Sitz wurde nach Prag verlegt und im Jahr 1954 nach Wien, das noch unter alliierter Besatzung stand. Nach Wiedererlangung der vollen Souveränität verwies auch die österreichische Regierung die Organisation wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ im Jahr 1957 des Landes. 1968 wurde ein neues Hauptquartier in Helsinki eröffnet.

Briefmarken der DDR zum Weltfriedenstreffen in Berlin 1969

Briefmarken der DDR zum Weltfriedenstreffen in Berlin 1969

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Von Deutsche Post der DDR – Eigener Scan und Bearbeitung, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Nachdem es keine sozialistischen Länder in Europa mehr gibt und folglich des Wegfalls der Finanzierung durch die Sowjetunion, wurde der Sitz in Helsinki 1990 aufgelöst. Heute ist wieder Wien der Sitz des World Peace Council(Weltfriedensrat).

Der Friedensrat der DDR war Mitglied des Weltfriedensrats. Manfred Feist, Schwager von Erich Honecker, war als Leiter der ZK-Abteilung Auslandsinformation in der DDR zuständig für Weltfriedensrat und den Friedensrat der DDR. Otto Nuschke und Karl Kleinschmidt gehörten der deutschen Delegation an, die im April 1949 am Gründungskongress der Weltfriedensbewegung in Paris teilnahm – Otto Nuschke war dort der Sprecher dieser Delegation. Johannes Herz und Erwin Eckert wurden 1950 in den Weltfriedensrat gewählt.

 

siehe Wikipedia bearbeitet von Petra Reichel

Friedensrat der DDR

Der Friedensrat der DDR war eine gesellschaftliche Organisation in der DDR, die statutgemäß für den Weltfrieden, Entspannung, für friedliche Koexistenz von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnungen, für Abrüstung, Freiheit, nationale Unabhängigkeit und für die Abschaffung von Neokolonialismus, Rassismus und für antiimperialistische Solidarität eintrat.

 

Briefkopf_Friedensrat_der_DDR

Briefkopf mit Friedenstaube

Bildquelle:
Von unbekannt – eigener Scan, PD-Schöpfungshöhe, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Der Friedensrat der DDR war Teil der echten Friedensbewegung der DDR, also staatsnah, weil ja die Politik der DDR auf Frieden ausgerichtet war. Heute wird das meist negativ dargestellt. Die heutige offizielle Geschichtsschreibung tilgt die guten Seiten der DDR.

Dem Friedensrat der DDR gehörten rund 300 Personen an. Diese waren meist Politiker der SED und der Blockpartien und Massenorganisationen der Nationalen Front. 

Auch Personen aus dem kulturellen Leben und der Kirche waren Mitglied im Friedensrat der DDR.

Innerhalb der SED war der Friedensrat seit 1975 der ZK-Abteilung Auslandsinformation zugeordnet, die seit 1966 von Manfred Feist, Schwager von Erich Honecker, geleitet wurde.

Der Friedensrat der DDR war Mitglied des Weltfriedensrates und entsandte Vertreter in die Nationale Front.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die am 9. November 1892 gegründete Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) in den Westzonen Deutschlands neu konstituiert. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später der DDR wurden die Anträge auf Zulassung nicht bewilligt. Aus dem Organisationskomitee und aus dem Kreis der Tagungsteilnehmer für den 1. Weltfriedenskongress 1949 wurde dort am 10. Mai 1949 das „Deutsche Komitee der Kämpfer für den Frieden“ gebildet, aus dem der Friedensrat der DDR hervorging.
Im Laufe der Jahre wurde sein Name mehrfach geändert:
• 10. Mai 1949: Konstituierung in Berlin als Deutsches Komitee der Kämpfer für den Frieden
• Dezember 1950: Deutsches Friedenskomitee
• Januar 1953: Deutscher Friedensrat, zum Präsidium gehörte Emil Fuchs
• Juni 1963: Friedensrat der DDR
• 1990: Der Friedensrat wurde nach Annexion der DDR als Deutscher Friedensrat e. V. neu gegründet.
Nach dem zentralen Komitee der Kämpfer für den Frieden (dem der katholische Kirchenhistoriker Erzpriester Max Rauer und der Schweriner Domprediger Karl Kleinschmidt angehörten) kam es zu Gründungen von Friedenskomitees in den Ländern (später Bezirken), Kreisen und Gemeinden der DDR. Diese gingen später in die Friedensräte der Länder bzw. Bezirke und Kreise über. Die zunehmend dominierende Rolle der Nationalen Front bei der allseitigen Propagierung staatlicher Friedenspolitik führte 1962/63 zur Umstrukturierung des Friedensrates zum Friedensrat der DDR, zur Auflösung aller nachgeordneten Gliederungen und ihrer Verschmelzung mit den entsprechenden örtlichen Ausschüssen der Nationalen Front.

Als SED nahe Organisation sollte der Friedensrat der DDR oppositionelle Bewegungen in der BRD im Sinne der sowjetischen Sicherheitspolitik beeinflussen.

1955 führte der Deutsche Friedensrat erste Gespräche mit der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) der BRD und entwickelte in der 1957 eingerichteten Deutschlandkommission Vorschläge für die Lösung der Berlin- und Deutschlandfrage, deren Grundlage bis in die 1960er-Jahre das Ziel der Wiedervereinigung auf einer Verständigungsbasis bildete.

Angeleitet wurde der Friedensrat bis 1981 vom Politbüromitglied Albert Norden. Mitarbeiter des Friedensrats wurden vom MfS verstärkt kontrolliert, da der Friedensrat auch zu westlichen Friedensgruppen Kontakte hatte.
Das MfS kontrollierte auch Briefe, die der Friedensrat aus dem Westen bekam. Der Friedensrat diente auch dem MfS als Deckadresse für Westkontakte und lieferte Informationen über westliche Friedensgruppen. Dass sich der Geheimdienst für solche Kontakte interessiert ist ganz normal. Vermutlich hat in der BRD der Verfassungsschutz und der BND sich auch damit befasst. Und doch hatte es das MfS nicht vermocht zu unterbinden, dass die sich „unabhängige Friedensbewegung“ nennenden Konterrevolutionäre aus dem Westen unterstützt wurden.

Der Friedensrat der DDR war auch Finanzvermittler, um Devisen an das Hauptquartier des Weltfriedensrates in Helsinki weiterzuleiten.

Der Friedensrat organisierte oder beteiligte sich unter anderem an folgenden Aktivitäten:

• Aktionen zu den jährlichen Weltfriedenstagen(1. September);
• Unterschriften-Kampagne für den am 19. März 1950 verabschiedeten Stockholmer Appell zur Ächtung der Atomwaffen;
• Konferenzen des Christlichen Arbeitskreises mit Pfarrern und Theologen, erstmals 1952 zur Vorbereitung des Wiener Völkerkongresses;
• Teilnahme am Völkerkongress 1952 in Wien und an Friedenskonferenzen, 1953 in Budapest, 1954 und 1956 in Stockholm, 1955 in Helsinki, 1957 in Tokio und 1958 in Prag, Organisation des Weltfriedenstages 1984 in Ost-Berlin;
• Im Januar 1960 reisten Robert Havemann und Gerald Götting im Auftrag des Friedensrates gemeinsam zu Albert Schweitzer nach Gabun
• Aufruf gegen die Politik der Johnson-Regierung in den Vereinigten Staaten und der Erhard-Regierung in der Bundesrepublik BRD; im Vietnamkrieg und gegenüber der Dominikanischen Republik; gegen die Militarisierung der BRD;
• In den 1970er-Jahren Beteiligung in der Bewegung Free Angela zur Befreiung der kommunistischen Bürgerrechtlerin Angela Davis (USA) aus dem Gefängnis;
• Benennung einer Potsdamer Schule am 1. September 1987 mit dem Namen „Dean Reed“ (Umbenennung nach der Konterrevolution)

Mit dem Erstarken der sich „unabhängige Friedensbewegung“ nennenden Konterrevolutionäre, wurde der zur echten Friedensbewegung der DDR gehörende Friedensrat schwächer und am Ende ins politische Abseits gedrängt.

entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Olof-Palme-Friedensmarsch

Der Olof-Palme-Friedensmarsch war eine drei Länder übergreifende Friedens-Demonstration. Der Marsch setzte sich aus mehreren Pilgerwegen zusammen, die vom 1. bis zum 18. bzw. 19.September 1987 quer durch das Staatsgebiet der DDR führten.

Namensgeber des Marsches war der ehemalige schwedische Ministerpräsident Olof Palme, der am 28. Februar 1986 ermordet worden war. Palme hatte sich angesichts des Wettrüstens für einen atomwaffenfreien Korridor in Mitteleuropa ausgesprochen.

Initiiert wurde der Friedensmarsch von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen in der BRD, dem Friedensrat der DDR und dem Friedenskomitee der ČSSR. Neben staatlichen Vertretern der Friedensbewegung wurde es auf Drängen der Mutinitiatoren der BRD auch dem Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR gestattet, an dem Friedensmarsch teilzunehmen. Unter dem Dach der Kirche konnten Konterrevolutionäre, die sich Friedensbewegung nannten, legal teilnehmen. Man hätte diese ohnehin nicht aus den ehrlichen Friedensfreundinnen und -freunden herausfiltern können. Der Marsch war bereits im Frühjahr 1987 im „Neuen Deutschland“ angekündigt worden und fiel mit dem Besuch Erich Honeckers in der BRD vom 7. bis 11. September 1987 zusammen.

Der Friedensmarsch startete am 1. September am Olof-Palme-Platz in Stralsund und führte unter anderem über Burow, Potsdam, Wittenberg und Meißen nach Dresden. Parallel dazu fanden an verschiedenen Orten eigenständige Veranstaltungen statt, die zumeist von der Evangelischen Kirche organisiert wurden. Am 5. September nahmen an einer Demonstration im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, die von der Zionskirche zur Gethsemanekirche führte, rund 1000 Menschen teil.

Der Höhepunkt war ein auf Anregung von Aktion Sühnezeichen durchgeführter mehrtägiger Pilgerweg von der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zur Gedenkstätte Sachsenhausen. Die Route erinnerte an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen 1945. Die Teilnehmer des Friedensmarsches wurden in den einzelnen Ortschaften von Bürgermeister und Pfarrer begrüßt. Nach dem Friedensgebet in der Kirche pflanzten echte Friedensfreundinnen und -freunde, sowie Konterrevolutionäre gemeinsam den „Friedensbaum“. Auf dem Pilgerweg wurden Transparente der Konterrevolutionäre mit innenpolitischen Forderungen und dem Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ mitgeführt.

Echte Friedensfreundinnen und -freunde trugen Transparente mit Losungen, wie die Forderung nach einem chemie- und atomwaffenfreien Korridor in Europa nach Palmes und Honeckers Vorstellungen.

Auf der zeitlich letzten Wegstrecke am 19. September von der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald bis zum Evangelischen Gemeindezentrum „Thomas Müntzer“ in Kapellendorf liefen etwa 500 Teilnehmer, zu denen auch die spätere Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gehörte. Die Pfarrer von der Herderkirche in Weimar sowie von Denstedt begrüßten die Friedenspilger auf ihrem Weg.Dieser Marsch wurde von der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) Thüringen, die Pro-DDR war(Kirche im Sozialismus), unter der Leitung des evangelischen Pfarrers Peter Franz organisiert.

Von der CFK Thüringen organisierter Demonstrationszug des Olof-Palme-Friedensmarsches am 19. September 1987 vom KZ Buchenwald nach Kapellendorf

Von der CFK Thüringen organisierter Demonstrationszug des Olof-Palme-Friedensmarsches am 19. September 1987 vom KZ Buchenwald nach Kapellendorf

 

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Von BrThomas, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Schon damals machten sich viele Konterrevolutionäre Hoffnungen, dass nun bald die Konterrevolution beginnen möge. In Folge des Honecker-Besuchs in der BRD gab es einige Lockerungen. Später wurden die Zügel wieder fester angezogen. Doch die Staatsmacht der DDR wurde mit den Konterrevolutionären nicht fertig. DIE TROMMLER hat sich bereits mit diesem Thema beschäftigt. Entsprechende Beiträge kann man in DIE TROMMLER-ARCHIV nachlesen. So führte das Treiben der Konterrevolutionäre 1989 zum Erfolg.

 

entnommen aus Wikipedia bearbeitet von Petra Reichel

Echte Friedensdemos in der DDR

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Friedensdemonstration beim Pfingsttreffen der Jugend in Schwerin im Mai 1982

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Von Bundesarchiv, Bild 183-1982-0529-012 / Pätzold, Ralf / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5422572

 

ODF (Opfer des Faschismus)-Kundgebung in Berlin/DDR, 1984

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Von Bundesarchiv, Bild 183-1984-0909-406 / Karl-Heinz Schindler / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5423053

Frauen für den Frieden

Frauen für den Frieden – unter diesem Namen agieren Frauen aus aller Welt als Teil der Internationalen Friedensbewegung. Frauen für den Frieden ist in den 1970er Jahren aus dem Einsatz von Frauen gegen den Nordirlandkonflikt entstanden.

In Westberlin und der BRD entstanden fast hundert neue Frauenfriedensgruppen zwischen dem Kongress der Courage 1979 gegen Atom und Militarismus, dem Appell der Anstiftung der Frauen für Frieden vom 27. Februar 1980 und der Umweltfrauenkonfernz in Kopenhagen im Juni 1980 ermuntert durch den in der „taz“ abgedruckten Appell skandinavischer Frauen zur Abrüstung zwischen NATO und Warschauer Vertrag. Diese Gruppen gingen von der Supermachttheorie aus, die als autonome Frauen-Friedensgruppen eine Vielzahl von Aktionen und Kampagnen insbesondere gegen den atomaren Rüstungswettlauf zwischen NATO und Warschauer Vertrag initiierten.

Insgesamt ca. 40.000 Unterschriften wurden für die UNO-Frauenkonferenz im Juni 1980 in Kopenhagen gesammelt und übergeben.

Vom 1. bis 8. März 1981 organisierten Frauengruppen aus der BRD eine bundesweite Aktionswoche in hunderten von Städten der BRD zum Thema Atomenergie und Atomwaffen, Friedenserziehung und Umwelterziehung, Gewaltbilder in den Medien, Gewalt gegen Frauen, Abrüstung etc. Zusammen mit den skandinavischen Frauen für Frieden. 1981 gab es einen großen Friedensmarsch von Kopenhagen nach Paris, wo der 24. Mai als Aktionstag der Frauen für Frieden und Abrüstung ausgerufen wurde.

Als Nachbereitung für den Friedensmarsch Kopenhagen-Paris 1981 fand in Westberlin ein Frauen-Plenum statt. Es sollten dann mehrere Friedensmärsche quer durch Europa stattfinden. Eine Wegstrecke von Westberlin nach Bremen sollte auch durch die DDR führen, was von den DDR-Behörden nicht erlaubt wurde. Durch bürokratisches Ablehnen des Marsches bot man den Konterrevolutionären Anlass die Friedensbewegung in der DDR für sich zu vereinnahmen.

Der Friedensmarsch 1982 (1200 km gewaltfreie Aktion) für eine atomwaffenfreie Welt, gegen Krieg und Gewalt und gegen Umweltzerstörung, schließt ab mit dem „Wiener Appell“ der Frauen für den Frieden und der Donaufrauen, einem Empfang im Bundeskanzleramt in Wien, einem Friedens-Camp und einer großen Abschlusskundgebung, an der mehrere zehntausend Menschen teilnehmen. Es noch einmal eine internationale Frauen-Friedenskonferenz in Wien und den internationalen Widerstandstag der Frauen für Frieden am 17. Oktober 1983 in der Aktionswoche der Friedensbewegung.

Sommer 1983 fanden weitere Friedensmärsche statt. Die Frauen für den Frieden organisierten erneut einen Frauenfriedensmarsch.

Zum internationalen Frauentag organisierten sie mit Hildegard von Meier und vielen andern eine Frauenkette zwischen der US-Botschaft und dem UdSSR-Konsulat in Westberlin-Dahlem.

Organisatorinnen von Frauen für den Frieden waren auch in der Geschäftsführung des Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung führend bei der Organisation der großen Bonner Friedensdemonstrationen 1981–1983 der Unterstützung der Blockade in Mutlangen, später in Hasselbach, der Demos in Stuttgart und vor allem durch ihre Initiative zur Menschenkette 1983, die die DFG/VK dann mit den Kirchen und Gewerkschaften organisierte vertreten, eine besondere Frauenfriedensaktion war die Umzingelung der Hardthöhe (Standort des Verteidigungsministeriums der BRD). Frauen für Frieden vernetzten sich europaweit und teilweise weltweit und waren waren an der Organisation großer Friedensdemos in Europa und den USA beteiligt.

Wie die übrige Friedensbewegung, war auch Frauen für den Frieden in den Händen von Konterrevolutionären. Der äußere Anlass für die Gründung Frauen für den Frieden durch Frauen der Konterrevolution war das damals neue Wehrdienstgesetz vom März 1982. Die konterrevolutionären Frauen behaupteten, dass dieses Gesetz die Wehrpflicht für Frauen beinhalten würde und richteten einen Protestbrief an Erich Honecker. Der Protestbrief war sinnlos, denn ihre Behauptung entsprach nicht der Wahrheit. Die Wehrpflicht für Frauen hätte es nur im Falle eines Krieges, bzw. Mobilmachung gegeben. Ansonsten konnten Frauen freiwillig in der NVA und den Grenztruppen Dienst tun. Z.B. im Nachrichtenwesen und dem medizinischen Dienst.

Bild Funkerin DDR

Wehrdienst Frauen in der DDR JEPG

entnommen aus Jugendlexikon-Militärwesen, DDR 1984

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Mit vielfältigen spektakulären Aktionen waren die Frauen in den 1980er Jahren in konterrevolutionären Gruppen aktiv, insbesondere gegen die Sicherheitspolitik der DDR.
1989 waren die sogenannten Friedensfrauen bei der Konterrevolution aktiv und gründeten konterrevolutionäre Gruppen.

Obwohl die Politik der DDR Friedenspolitik war, ist es der SED, der FDJ, dem Friedensrat und sonstiger Organisationen nicht gelungen, offiziell und einheitlich, unter Einbeziehung der Bevölkerung, die Friedensbewegung zu bilden und gemeinsam mit der Friedensbewegung aus westlichen Ländern zu agieren. Tragisch, da es doch gerade die DDR und die anderen sozialistischen Länder waren, die als Erste von den Atomwaffen bedroht waren.

Die Frauen für Frieden und vielerlei Friedensfrauen sind weiter aktiv. Einige haben das Thema in die Europapolitik gebracht, andere arbeiten weiter in globalen Frauen-Friedensnetzwerken und konkreten Hilfsaktionen für Frauen und Kinder in Kriegs- und Krisenregionen: Tschernobyl, Bosnien, Mittelamerika oder Tschetschenien. Einige der Frauen für Frieden sind inzwischen grandmothers for peace.

entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Schwerter zu Pflugscharen

„Schwerter zu Pflugscharen“ ist ein Teilzitat aus der Bibel. Über Herkunft und Auslegung mögen die Leute debattieren, welche sich mit der Bibel beschäftigen. Hier geht es darum, wie die Konterrevolutionäre der DDR zu diesem Spruch und Symbol gekommen sind.

Am 04. Dezember 1959 schenkte die Sowjetunion der UNO eine Bronzeskulptur, die das biblische Motiv bildlich-plastisch darstellt. Die Skulptur wurde im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York City aufgestellt. Ihr Modell befindet sich vor der Zweigstelle der Tretjakow-Galerie für moderne Kunst in Moskau.

Damit bekräftigte die Sowjetunion ihre Bereitschaft zur friedlichen Koexistenz. Seit 1960 bot die Sowjetunion dem Westen eigene Abrüstungsinitiativen an und versuchte vor allem, die NATO zur Abkehr von ihrer Strategie des Ersteinsatzes von Atomwaffen zu bewegen. Trotzdem ließ sich die Sowjetunion und ihre Verbündeten auf die Spirale des Wettrüstens ein.

Weitere Einzelheiten Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch

Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch

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Von Neptuul – Eigenes Werk, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im uckermärkischen Gramzow ließ der dortige Pfarrer und Superintendent Curt-Jürgen Heinemann-Grüder 1971 an den Gefallenengräbern einen Gedenkstein mit den Worten „Schwerter zu Pflugscharen“ aufstellen. Die Jahreszahlen 1933 und 1938 erinnern an die Verschleppung von Kommunisten und Sozialdemokraten in Zuchthäuser und Konzentrationslager und an den Beginn der Judenvernichtung. Dies war die erste öffentliche Darstellung dieses Textes in der DDR. In diesem Fall sinnvoll und legitim.

 

Gedenkstein in Gramzow

Gedenkstein in Gramzow

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Von Haobe – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

„Schwerter zu Pflugscharen“ als Symbol der Konterrevolution

Später wurde der Spruch,nebst Symbol, welches 1971 in Gramzow nicht dargestellt wurde, von den Konterrevolutionären der DDR missbraucht.

Als 1978 in der DDR das Schulfach „Wehrerziehung“ eingeführt wurde, gab es große Aufregung. Der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR legte dagegen erfolglos Widerspruch ein und stellte ein Alternativprogramm „Erziehung zum Frieden“ vor.

Das war ein Anlass, welcher den Konterrevolutionären Aufschwung gab. Da auch sich auch in der BRD über das Schulfach „Wehrerziehung“ aufgeregt wurde, war dies Rückendeckung für die Konterrevolutionäre. Regelmäßige Seminare, etwa in Königswalde (Ortsteil von Werdau in Sachsen), zogen Jugendliche aus der ganzen DDR an. Gegen das Ködern der Jugendlichen reagierte die Staatsmacht der DDR hilflos mit Repression, was die Jugendlichen erst recht irreleitete und in die Arme der Konterrevolutionäre trieb.

Das Abbild der sowjetischen Skulptur zusammen mit dem Schriftzug „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde erstmals als Lesezeichen für eine Einladung zum Gottesdienst am Buß- und Bettag des Jahres 1980 von evangelischen Jugendgruppen in der DDR verwendet. Dieser Feiertag war als Abschluss einer ersten zehntägigen „Friedensdekade“ mit dem DDR-Kirchenbund verabredet worden. Die Anregung dazu kam vom überkonfessionellen Interkirchlichen Friedensrat in den Niederlanden, der als erste kirchliche Vereinigung einen Totalabbau aller Atomwaffen in Europa forderte und dies mit dem Votum der Reformde Kerk begründete, wonach Friedenssicherung durch atomare Abschreckung mit dem Christsein völlig unvereinbar sei.

Die erste Friedensdekade ging aus der intensiven Vorbereitungsarbeit des Evangelischen Jungmännerwerks (Ostwerk) und einer Arbeitsgruppe des CVJM (Westwerk) im Oktober 1979 hervor. Ein weiteres Arbeitstreffen fand nachts in Berliner Privatwohnungen statt. (Wohnungen standen auch in der DDR unter besonderem Schutz und durften nicht so einfach überwacht und durchsucht werden.Für nachts gab es nochmals Hürden bevor eine Durchsuchung genehmigt wurde. Ähnlich, wie in anderen Ländern auch. Es gab nur einen Unterschied. Während in anderen Ländern der Richter eine Durchsuchung genehmigen muss, war es in der DDR und anderen Ländern der Staatsanwalt.) Die Initiatoren waren besorgt über die Hochrüstung beiderseits der Staatsgrenze der DDR, die gleichzeitig die Grenze zwischen Warschauer Vertrag und NATO war. Dabei wurde nicht die unterschiedliche Herangehensweise der Systeme zum Thema Rüstung berücksichtigt. Sie forderten die vollständige Entmilitarisierung beider deutscher Staaten ohne die damals aktuellen und historischen Zusammenhänge zu beachten. Das erarbeitete Material wurde als Auftrag an die Konferenz der evangelischen Landesjugendpfarrer in der DDR weitergeleitet, eine gemeinsame Friedensaktion zu realisieren: die erste Friedensdekade. Diese sollte gleichzeitig in allen Gliedkirchen beider deutscher Kirchenbünde stattfinden und wurde diesen daher vorgeschlagen.

Die Einladung gestaltete der damalige sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider; die Grafikerin Ingeborg Geißler schuf eine druckfähige Zeichnung dafür. Das Lesezeichen wurde in einer Auflage von 120.000 Stück in der Druckerei Abraham Dürninger der Herrnhuter Brüdergemeine auf Vliesstoff gedruckt, da dies als „Textiloberflächenveredlung“ galt und keine staatliche Druckgenehmigung erforderte. Der Einladungstext wies auf Gottesdienste, Jugend- und Gemeindeabende und eine „Friedensminute“ hin:

Am Bußtag um 13:00 Uhr sollten landesweit die Kirchenglocken gleichzeitig mit der staatlichen Sirenenübung zum Gebet mahnen.(In der DDR fand jeden Mittwoch Probealarm statt.) Nachdem die DDR-Regierung dies als Gefährdung des Zivilschutzes und Aufruf zur Arbeitsniederlegung untersagte, wurde das Läuten auf 13:15 Uhr verlegt. Auch dies eine hilflose Reaktion der Staatsmacht. Hätten da nicht besser die echten Friedenskräfte der DDR dies aufgreifen und selbst zur Aktion aufrufen und diese unterstützen sollen?

Das Motto der Dekade lautete „Frieden schaffen ohne Waffen“. Dasselbe Motto verwendete unabhängig davon auch die Aktion Sühnezeichen aus der BRD. Es ging auf ein weltweites Treffen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zurück: Er hatte 1975 in Nairobi allen Mitgliedskirchen empfohlen, gegenüber den je eigenen Regierungen ihre Bereitschaft zu erklären, „ohne den Schutz von Waffen zu leben“. Dies blieb den meisten Kirchengemeinden zunächst unbekannt und wurde von kaum einer Kirchenleitung publik gemacht. Die EKD sprach in ihren offiziellen Erklärungen stets vom „Friedensdienst mit und ohne Waffen“ und rechtfertigte die Abschreckung sogar mit Atomwaffen 1982 wie schon 1959 weiterhin als „christlich mögliche Handlungsweise“.

Die sozialistischen Länder konnten sich den Verzicht auf Waffen nicht leisten. Wie oben beschrieben, gab es auch innerhalb der christlichen Kirchen verschiedene Sichtweisen.

Im Juni 1980 griff die Evangelische Studentengemeinde Dresden als erste Gruppe in der DDR die Empfehlung des ÖRK auf, um einen Diskussionsprozess in den Gemeinden auszulösen. Unter dem wachsenden Druck der kirchlichen Jugend beschloss die Konferenz der Kirchenleitungen daraufhin die erste Friedensdekade. Nach Gesprächen mit dem Sekretariat des DDR-Kirchenbundes, Manfred Stolpe, wurde die Einladung dazu mitsamt der Grafik des Lesezeichens genehmigt. Nun trugen viele Jugendliche spontan diesen Aufnäher auf ihrer Straßenkleidung.

 

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Bildquelle:
Von unbekannt – http://www.kirche-sebnitz.de/Logos/Schwerter_zu_Pflugscharen3.jpg; vektorisiert von Benutzer:Gnubold, Logo, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im Frühjahr 1981 schlugen einige Kirchengemeinden ihren Synoden vor, einen zweijährigen Sozialen Friedensdienst (In der BRD gab es den Ersatzdienst für Wehrdienstverweigerer. Dieser war oft mit unangenehmen Arbeiten verbunden. Ob die Initiatoren in der DDR darüber nachdachten, als sie einen solchen Dienst forderten, ist zu bezweifeln.) als gleichberechtigte Alternative zum staatlichen Wehrdienst in der NVA und zu den Bausoldaten einzuführen. Einige Landessynoden stellten sich bis zum Jahresende öffentlich hinter diese Forderung, andere lehnten ab. Ein Treffen der Kirchenleitungen mit dem Staatssekretär für Kirchenfragen Klaus Gysi im September endete mit der strikten staatlichen Ablehnung der Idee.

Am 10. Oktober 1981 fand auf der Hofgartenwiese in Bonn mit etwa 300.000 Teilnehmern die bislang größte Demonstration gegen den NATO-„Doppelbeschluss“ in der alten BRD statt. Während die traditionellen, häufig der DKP nahestehenden Gruppen meist das bekannte Symbol der blauen Friedenstaube von Pablo Picasso verwendeten, zeigten vor allem christliche Friedensgruppen aus Solidarität mit den konterrevolutionären Organisationen der DDR, die sich als Friedensgruppen darstellten, das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“. Den christlichen Gruppen in der alten BRD ist das nicht unbedingt zum Vorwurf zu machen. Ihnen war meist nicht bewusst, dass es sich in der Regel nicht um ihre Glaubensschwestern und -brüder, sondern um Konterrevolutionäre handelte, die unter dem Dach der Kirche agierten. Vielfach wurden diese Plakate auch mit Hinweisen auf die Solidarność in Polen verbunden. In den Medien der BRD wurde die Solidarność als Gewerkschaft dargestellt. In Wirklichkeit handelte es sich um eine konterrevolutionäre Organisation. Das war der Mehrheit der BRD-Bürgerinnen und -bürger nicht bewusst. Erst heute ist die Solidarność tatsächlich eine Gewerkschaft, aber sie ist nun bedeutungslos geworden.

Diese Forderungen sind irreführend:

• eine von sowjetischen oder großdeutschen Interessen unabhängige, blockübergreifende Friedensbewegung anzumahnen,
• auf das gemeinsame Abrüstungsinteresse von Arbeiterbewegung und Friedensbewegung hinzuweisen,
• das Friedensthema mit dem Thema der Demokratisierung und sozialen Gerechtigkeit zu verbinden.

 

Damals gab es keine „großdeutschen Interessen“. Im luftleeren Raum kann niemand agieren. Was soll das Gerede von „unabhängig“ und „blockübergreifend“ in Rüstungsfragen zur damaligen Zeit? Der Begriff „Arbeiterbewegung“ hat nicht das Geringste mit der tatsächlichen Arbeiterbewegung zu tun. Ebenso gehört die soziale Gerechtigkeit zum Sozialismus. Dieses Gerede ist ähnlich, wie das später von Gorbatschow, wo die Menschheitsinteressen vor Klasseninteressen gesetzt wurden. Da sind zu Viele darauf hereingefallen. Das Ergebnis ist die Beseitigung des Sozialismus in Europa und die Annexion der DDR durch die BRD.

Die folgende Friedensdekade vom 8. bis 18. November 1981 wurde erstmals gleichzeitig auch innerhalb des EKD der BRD durchgeführt und stand unter dem Thema „Gerechtigkeit – Abrüstung – Frieden“. Da nicht mit einer Druckgenehmigung der DDR-Behörden für Aufkleber oder Anstecker zu rechnen war, wurde das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ mit nochmals 100.000 Stück auf Vliesstoff gedruckt und als Aufnäher weiterverwendet. In der Nikolaikirche (Leipzig) wurde wenig später eine große Schautafel mit dem Symbol aufgestellt.

Während der Staat hilflos mit Repressionen auf das Tragen der Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ reagierte,nahmen Kirchenvertreter die Träger in Schutz. Denn die Herkunft des abgebildeten Symbols stammte ja von offizieller Seite. Das sowjetische Denkmal war auch im Geschichtsbuch für die 6. Klasse abgebildet. Das Lehrbuch für die Jugendweihe von 1975 erläuterte:

„Wir schmieden Schwerter zu Pflugscharen um.“ Die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“ der DDR zitierte zum Jahresbeginn 1982 die Jesajastelle und schrieb dazu:

„Welcher Marxist würde behaupten wollen, dass religiöser Glaube in dieser Form reaktionär sei und, obwohl er selbst noch kein wissenschaftlich fundiertes Bewusstsein darstellen konnte, unvereinbar mit Wissenschaftlichkeit sei? Dieser […] Glaube ahnt gewissermaßen die wissenschaftliche Erkenntnis von einer klassenlosen Gesellschaft, in der es keine Kriege mehr gibt, voraus.“

Unter Berufung darauf gelang es den Kirchenbehörden zunächst, ein Verbot des Aufnähers abzuwenden. Hier wäre der Zeitpunkt günstig gewesen in der DDR eine offizielle Friedensbewegung zu organisieren. Gleichzeitig hatte die Notwendigkeit des damals neuen Wehrdienstgesetzes erklärt werden müssen. Doch es wurde nichts dergleichen getan. So war der Raum gegeben, dass die Konterrevolutionäre die Friedensbewegung in der Hand hatten und das Friedenssymbol „Schwerter zu Pflugscharen“ für ihre Zwecke missbrauchten.

Nun reagierte der Staat hilflos mit Repression.

Ab November 1981 erhielt der sächsische Landesbischof Johannes Hempel die amtliche Mitteilung: „Wegen Missbrauchs dürfen diese Aufnäher in Schule und Öffentlichkeit nicht mehr getragen werden.“ Dahinter stand das Bemühen der SED, Akzeptanz für das neue Wehrdienstgesetz zu organisieren. Die falsche und hilflose Reaktion der Staatsmacht stärkte die Konterrevolutionäre, anstatt sie zu schwächen.

Die Mehrheit der Jugendlichen in der DDR war nicht politisch engagiert und ließ sich durch Westmedien beeinflussen. Ohne nachzudenken lehnten sich viele junge Leute gegen Staat und Gesellschaft der DDR auf, weil damals diese Art des Aufbegehrens Mode war. Ein „gefundenen Fressen“ für die Konterrevolutionäre, die die irregeleiteten Jugendlichen für ihre Zwecke benutzten.

Am 25. Januar 1982 veröffentlichte Rainer Eppelmann, damals Pastor in Berlin/DDR seinen „Berliner Appell“. Darin forderte er den Abzug aller Atomwaffen aus der DDR, der Bundesrepublik und Mitteleuropa. Stefan Heym und Robert Havemann unterstützten den Aufruf und forderten öffentlich eine autonome Friedensbewegung in der DDR. DIE TROMMLER weist hier darauf hin, dass Rainer Eppelmann später als Verteidigungsminister während der Konterrevolution dafür verantwortlich war, dass Rüstungsgüter der DDR in Krisen- und Kriegsgebiete verkauft wurden. Also wird im Nachgang die Unglaubwürdigkeit dieser Forderung bewiesen.

Zum 13. Februar 1982 riefen Jugendliche, die glaubten, dass das zivile Leben in der DDR immer mehr militarisiert würde, aus Anlass des 37. Jahrestags der Luftangriffe auf Dresden zu einer Gedenkfeier an der Frauenkirche auf. Über die politischen Hintergründe wussten die Jugendlichen nichts, da sie lediglich rebellierten. Außerdem waren die Jugendlichen durch die Westmedien beeinflusst worden. Hinzu kam die falsche Reaktion der Staatsmacht der DDR, d.h. Repression statt Aufklärung.
Um befürchtete Zusammenstöße der Demonstranten mit dem MfS und der Volkspolizei zu vermeiden, bot die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens in der Dresdner Kreuzkirche ein „Forum Frieden“ als Alternative zu der illegalen Versammlung an. Etwa 5.000 Besucher nahmen an dem Diskussionsforum teil. Die Ablehnung der NATO-Aufrüstung wurde mit der Rüstung in der DDR gleichgesetzt. Bischof Hempel erfuhr viel Kritik, weil er vom Tragen des Aufnähers abriet, da dies den Staat provoziere, die Handlungsspielräume der Kirche verenge und diese die Jugend nicht vor Strafverfolgung schützen könne. Der Rat des Bischof Hempel war vernünftig. Die Veranstaltung der Kirche wirkte als Puffer und war in diesem Fall eine vernünftige Lösung. Von der Veranstaltung aus zogen einige hundert Menschen zur Ruine der Frauenkirche, standen dort schweigend mit Kerzenlichtern oder sangen Lieder. Das offene Forum und das folgende schweigende Gedenken werden seither jährlich am 13. Februar in Dresden begangen. Eine gute Sache. Auch hier hat der Staat, bzw. offizielle Organisationen der DDR es versäumt die Veranstaltung in die Hand zu bekommen oder sie zumindest gemeinsam mit der Kirche auszurichten. Schon wieder wurde den Konterrevolutionären Gelegenheit gegeben sich diese Gedenkveranstaltung anzueignen.

Zwischen dem Aufruf Eppelmanns und dem Dresdner Forum bestand kein direkter Zusammenhang. „Unabhängige Friedensinitiativen“ in der DDR waren nicht landesweit organisiert. Das war ihre Stärke, anstatt ihre Schwäche. Die meisten kirchlichen Jugendgruppen der DDR lehnten damals weitreichende Forderungen nach Abzug der Besatzungstruppen und Austritt der deutschen Staaten aus den Militärbündnissen ab. Sie wollten zunächst die Spielräume für Eigeninitiative und soziales Engagement(Welches soziale Engament? Ob diese Jugendlichen bereit gewesen wären ehrenamtlich zu arbeiten, ist zu bezweifeln) erweitern. Das heißt so viel wie, sie wollten rebellieren.

Am 12. Mai 1983 entrollten Petra Kelly, Gert Bastian und drei weitere Bundestagsabgeordnete der GRÜNEN auf dem Alexanderplatz in Berlin/DDR ein Transparent mit der Aufschrift „Die Grünen – Schwerter zu Pflugscharen“ und trafen sich anschließend mit Konterrevolutionären der DDR. Dies duldeten die DDR-Behörden nach ihrer vorübergehenden Festnahme, weil die GRÜNEN der BRD den NATO-„Doppelbeschluss“ ablehnten.

Am 24. September 1983 fand während eines evangelischen Kirchentages in Wittenberg auf dem Lutherhof eine symbolische Aktion statt: Der örtliche Schmied Stefan Nau schmiedete vor etwa 4000 Teilnehmern ein Schwert zu einer Pflugschar um. Wegen der Präsenz von westlichen Medienvertretern und Richard von Weizsäcker als Gast griffen die Staatsorgane nicht ein. Manche Quellen sprechen die Idee zu dieser Aktion Stefan Nau selbst zu; Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche Wittenberg, trug die Initiative dazu mit. Er hatte bereits 1980 einen Friedenskreis gegründet, der sich auch nach dem Verbot des Aufnähers und dem Abklingen der Friedensbewegung der BRD hielt.

Oktober 1983 wurden Petra Kelly, Gerd Bastian und weitere Mitglieder der GRÜNEN aus der BRD von Erich Honecker empfangen. Petra Kelly gelang es Erich Honecker hereinzulegen. Darüber spricht die bekannte Konterrevolutionärin Vera Lengsfeld offen und ehrlich (siehe DIE TROMMLER-ARCHIV) In Folge dessen besuchten sie Konterrevolutionäre der DDR, wie z.B.Bärbel Bohley.

Im Juli 1989 ging aus dem Wittenberger Friedenskreis eine konterrevolutionäre Organisation hervor, die sich mit anderen Vorläufern zur Initiative Demokratischer Aufbruch   verband.  Auch in der Nikolaikirche Leipzig entwickelte sich unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ ein regelmäßiges offenes Montagsgebet, das zur Keimzelle der späteren Montagsdemonstrationen vom Herbst 1989 wurde.

Die Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ des Runden Tisches übernahm das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ in ihren Verfassungsentwurf. Laut Artikel 43 des Entwurfs sollte es das Staatswappen der DDR werden. Dazu kam es bekanntlich nicht, weil die DDR von der BRD annektiert worden ist.

Die Konterevolutionäre eigneten sich ein sowjetisches Bildmotiv an und kehrten es gegen Staat und Gesellschaftsordnung der DDR.

Das Ziel, die Einheit von Volk, Staat und Partei zu realisieren ist misslungen. Anstatt die Kirchen als Kirche im Sozialismus mit „ins Boot zu holen“, ließ man die Kirche Schaukelpolitik betreiben und ließ es soweit kommen, dass die Konterrevolutionäre unter dem Dach der Kirche agieren konnten. Anstatt Aktionen der „unabhängigen Friedensbewegung“, die in Wahrheit eine konterrevolutionäre Bewegung war, zu vereinnahmen und irregeleitete Jugendliche in die echte Friedensbewegung zu integrieren, reagierte die Staatsmacht hilflos mit Repression. Dabei ging sie oft dilettantisch vor. Das stärkte die konterrevolutionäre Bewegung, anstatt sie zu schwächen.

Zahlen und Fakten Wikipedia Bearbeitung Petra Reichel