Der Aufstand der schlesischen Weber

Die Ursachen des Aufstandes

 

Zu den am schlechtesten entlohnten Arbeitern gehörten in Deutschland die Heimarbeiter. Es waren meist Handweber, die zu Hause arbeiteten. Die kapitalistische Entwicklung hatte sie völlig von den Fabrikanten, Kaufleuten und Verlegern abhängig gemacht. Garn oder Wolle, die sie vom Verleger erhielten, verarbeiteten sie zu Leinwand oder Tuch und lieferten die fertigen Produkte wieder an den Verleger ab. Dieser setzte den Preis für das Ausgangsmaterial und die hergestellte Ware allein fest. Um überhaupt leben zu können, mussten sich die Weber dieser Willkür fügen. Sie lebten meist im Dorf, besaßen ein kleines Haus und ein winziges Stück Ackerland.

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In den schlesischen Gebieten war die Notlage der Heimarbeiter am größten. Hier mussten auch die Frau und die Kinder 14 bis 16 Stunden mit am Webstuhl sitzen, damit die Familie nicht verhungerte. Fleisch zur Mahlzeit gab es kaum. Kartoffeln und eine dünne Suppe waren für die meisten die tägliche Nahrung.

Vom kärglichen Verdienst mussten Steuern an den Staat, an den Gutsherren und an die Gemeinde gezahlt werden. Im Unterschied zu den Arbeitern in den Fabriken wurden die schlesischen Heimarbeiter nicht nur von den Kapitalisten, sondern gleichzeitig auch von den Junkern ausgebeutet.

Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die englische Industrie zu einer gefährlichen Konkurrenz für die schlesischen Textilfabrikanten und Verleger. Die mit modernen Maschinen ausgerüsteten Textilfabrikanten Englands lieferten ihre Erzeugnisse viel billiger auf den Markt. Um ihre Waren weiter absetzen zu können, versuchten die schlesischen Verleger, ihre handgewebten Produkte ebenso billig wie die englischen Kapitalisten zu verkaufen. Da sie aber auf keinen Fall ihren Profit schmälern wollten, kürzten sie die Arbeitslöhne. Besonders erpresserisch handelten die Verleger in den schlesischen Dörfern Peterswaldau und Langenbielau. Hier beuteten die Gebrüder Zwanziger und die Gebrüder Diering die Weber am schamlosesten aus.

Einige tausend Weber und Spinner wurden von diesen Großunternehmern beschäftigt, die mit ihrem Reichtum protzten, während die Arbeiter darbten. Allein die Gebrüder Zwanziger hatten ein jährliches Einkommen von 30 000 Talern. Dagegen verdiente ein Weber im Jahr nur 60 Taler.

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Der Verlauf des Aufstandes

 

In Peterswaldau entlud sich der wachsende Hass der Arbeiter auf die Fabrikanten zuerst in einem anklagenden Lied. Es wurde von den Webern als Flugblatt heimlich verbreitet und auch an die Türen der Verleger geheftet.

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Mehrere Weber wurden verhaftet, weil sie dieses Lied gesungen hatten. Da riss den Arbeitern im Sommer 1844 die Geduld. Von den Fabrikanten aufs äußerste gepeinigt, erhoben sie sich, um mit Gewalt für das Recht des Lebens zu kämpfen. So begann im Jahre 1844 der schlesische Weberaufstand.

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Von Peterswaldau griff der Aufstand auf andere Dörfer über. Im benachbarten Langenbielau zertrümmerten die Weber am 5. Juni die Geschäftsräume des verhassten Fabrikanten Dierig. Dann versammelten sie sich vor seinem Wohnhaus. Es wurden ihnen Geld und Lebensmittel versprochen. Geduldig warteten die Weber den ganzen Tag. Dierig hatte jedoch bereits heimlich Militär angefordert und hielt die Weber so lange hin, bis preußische Soldaten eintrafen. Ein Offizier forderte die Menge auf, sich nach Hause zu begeben. Als dieser Aufforderung nicht nachgekommen wurde, ließ er das Feuer eröffnen. Elf Menschen, darunter Frauen und Kinder, fielen unter den Gewehrsalven, 24 wurden schwer verletzt. Als Antwort auf diesen brutalen Mord gingen die Weber mutig mit Steinen, Knüppeln und Äxten gegen die Soldaten vor. Das Militär wurde aus dem Dorf gejagt.

Der Sieg der Weber war nur von kurzer Dauer. Als die Soldaten Verstärkung, darunter Artillerie und Kavallerie, erhalten hatten, besetzten sie am 6. Juni 1844 die aufständischen Weberdörfer. Über hundert Weber wurden verhaftet und in Breslau vor Gericht gestellt. Der jüngste von ihnen war 15 Jahre alt. 80 Arbeiter erhielten insgesamt 293 Jahre Zuchthaus und Festungshaft sowie 330 Peitschenhiebe.

 

 

Die Bedeutung des Aufstandes

 

Der Aufstand der schlesischen Weber im Jahre 1844 war die erste Klassenschlacht des deutschen Proletariats. Mit ihm begann der selbstständige Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoise und gegen den preußischen Staat.

Die Erhebung hatte mit den Aktionen der englischen Maschinenstürmer Einiges gemeinsam. Auch die schlesischen Weber hatten Maschinen zerstört. Gemeinsam war auch, dass die englischen Arbeiter und die schlesischen Weber ohne Organisation und ohne Klarheit über ihre Ziele aus Verzweiflung zum Mittel der Gewalt gegriffen hatten. Aber der Weberaufstand unterschied sich von der Maschinenstürmerei darin, dass er sich vor allem gegen die eigentlichen Feinde der Arbeiterklasse selbst, gegen die Kapitalisten, richtete.

Die Erhebung in Schlesien ermunterte die Arbeiter in anderen Gebieten Deutschlands. Mit Streiks und Demonstrationen kämpften besonders die Eisenbahnbauarbeiter in Preußen und Sachsen um höhere Löhne und gegen die Willkür der Unternehmer. An vielen Orten Deutschlands wurde für die Hinterbliebenen der Gefallenen und für die Eingekerkerten Geld gesammelt. Der Dichter Heinrich Heine stellte sich mit seinem Gedicht „Die Schlesischen Weber“ an die Seite der revolutionären Arbeiter. Eine Strophe lautete:

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

 

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Quelltext:

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Die Maschinenstürmer in England

In England waren in den letzten Jahrzehnten des 18. Und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts viele Fabriken entstanden. Zur Bedienung der Maschinen wurden zunehmend weniger Arbeitskräfte benötigt und deshalb viele Arbeiter entlassen. Oft senkten die Kapitalisten für diejenigen, die noch in Arbeit standen, den Lohn. Damals erkannten die Arbeiter nicht die wahren Ursachen ihrer Lage. Sie glaubten, dass die Maschinen ihr wachsendes Elend verursachen würden. Ihre Empörung richtete sich deshalb gegen die Maschinen.

Sie widersetzten sich darum der Bourgeoisie zuerst, indem sie versuchten, die Einführung der neuen Maschinen zu verhindern. Als das nicht gelang, zogen sie an vielen Orten in die Fabriken und zerstörten die Maschinen. Diese Aktion wird als Bewegung der Maschinenstürmer bezeichnet.

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Da diese Bewegung der Maschinenstürmer immer mehr um sich griff, forderten die Kapitalisten von der englischen Regierung, mit grausamen Strafen dagegen vorzugehen. Im Jahre 1812 führte man deshalb für die Zerstörung der Maschinen die Todesstrafe ein. Daraufhin wurden allein im Januar 1813 in York 18 Maschinenstürmer hingerichtet. Als 1830 die englischen Großgrundbesitzer die Dreschmaschine einsetzten, richtete sich der Hass der Landarbeiter gegen die Maschinen.

Die Arbeiter sahen jedoch, dass die Maschinen trotz ihres Widerstandes eingeführt wurden. Sie lernten zu erkennen, dass nicht die Maschinen ihre Feinde waren, sondern die Kapitalisten. Ihnen wurde somit klar, dass sie ihren Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung mit anderen Mitteln führen mussten. Die Arbeiter zogen die Lehren aus ihren ersten, noch unüberlegten und nicht genügend organisierten Kämpfen gegen die Bourgeoisie.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

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Quelltext:

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Erste Aktionen der deutschen und internationalen Arbeiterklasse gegen kapitalistische Ausbeutung

Wegen der besseren Lesbarkeit des Textes ist die Sprache nicht gegendert worden. Es sind stets Männer und Frauen gemeint.

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Bestandsaufnahme

 

In den großen bürgerlichen Revolutionen des 17. Und 18. Jahrhunderts haben die Volksmassen die Macht des Feudaladels beseitigt und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zum Siege verholfen. In wichtigen Ländern Westeuropas und den USA war damit die Klasse der Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt.

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Schaubild: Klassengesellschaft

 

 

 

 

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Gegenüber dem Feudalismus stellt der Kapitalismus eine höhere, fortschrittlichere Gesellschaftsordnung dar. Der Einsatz von Maschinen in der Industrie, die neuen Verkehrsmittel, die Ausweitung des Handels vermehrten den Reichtum der Gesellschaft. Dieser ständig wachsende Reichtum kommt jedoch nicht denen zugute, die ihn schaffen. Ihn eignen sich die Kapitalisten an, denn sie verfügen über die Fabriken, Maschinen und Rohstoffe. Die Arbeiter besitzen nur ihre Arbeitskraft.

Im Kapitalismus müssen Arbeiter/innen ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen, um leben zu können. Als Lohn erhalten sie so viel, dass sie ihre Arbeitskraft erhalten können. Oft nicht mal das, so müssen sie in machen Ländern, wie den USA, drei Jobs annehmen, um leben zu können. Im heutigen Deutschland hat sich der Niedriglohnsektor derart ausgeweitet, dass viele auf Hartz IV-Leistungen zu Aufstockung angewiesen sind, um ihre Existenz zu sichern.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmten darüber hinaus sehr lange Arbeitszeiten geringer Lohn, schlechte Wohnverhältnisse und die Furcht vor Arbeitslosigkeit die Lage der Arbeiter. Nach dem Wegfall der sozialistischen Länder in Europa, werden zwischenzeitlich erkämpfte Zugeständnisse und Verbesserungen für die Arbeiter in kapitalistischen Ländern Westeuropas wieder weggenommen. Insbesondere in Deutschland macht sich das nach dem Untergang der DDR bemerkbar. So geht die Tendenz rückwärts mit dem Ziel die damaligen Verhältnisse wieder zu realisieren.

Im 19. Jahrhundert waren die Arbeiter. auch politisch rechtlos und unterdrückt. Wehrten sie sich gegen Ausbeutung, so griff der bürgerliche Staat zugunsten der Kapitalisten ein. In der jetzigen Tendenz geht die Geschichte rückwärts, denn zwischenzeitlich erkämpfte Rechte für die Arbeiter werden nach und nach abgebaut. Der Wegfall der Länder in Europa, wo die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitig war, hat diese Rückwärtsentwicklung ermöglicht.                                                                                                           Die kapitalistische Ausbeuterordnung beruht auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln. Das ist die Ursache für den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapitalisten und Arbeitern, Besitzenden und Nichtbesitzenden, Ausbeutern und Ausgebeuteten.

Mit der Herausbildung des Kapitalismus begann der Kampf der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

So wurden die Bewegungen der Maschinenstürmer in England und die Aufstände der Seidenweber in Lyon besonders bekannt.

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Schaubild: Erste Aktionen der Arbeiterklasse

 

 

Das Wirken der utopischen Sozialisten

 

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Die beiden Franzosen Henri de Saint-Simon(1760-1825) und Charles Fourier(1772-1837) sowie der Engländer Robert Owen(1771-1848) erkannten die furchtbare Lage der Arbeiter und die große Ungerechtigkeit der kapitalistischen Ausbeuterordnung. Sie schilderten in ihren Werken die Not des Proletariats und prangerten schonungslos Ausbeutung und Elend an, was der Kapitalismus für die Arbeiter gebracht hatte.

Mit Recht sahen diese scharfen Kritiker des Kapitalismus die Ursache dieser Zustände im Privateigentum der Kapitalisten an den Produktionsmitteln und in deren Profitsucht. Sie forderten eine Gesellschaftsordnung voller Gerechtigkeit, ohne feindliche Klassengegensätze und ohne Ausbeutung, also eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Allerdings waren ihre Vorstellungen von dieser Gesellschaftsordnung und vom Weg dahin nicht wissenschaftlich begründet, sondern utopisch. Deshalb wurden sie utopische Sozialisten genannt.

Die utopischen Sozialisten sahen im Proletariat nur eine leidende Klasse und nicht die revolutionäre Kraft, die in ihr ruht(e). Zu einer neuen Gesellschaftsordnung wollten sie durch Aufrufe zur Menschenliebe gelangen. Beispiele sollten so die Kapitalisten veranlassen, ihre eigene Gesellschaftsordnung zu verwerfen und an der Errichtung eines besseren Systems des Zusammenlebens der Menschen teilzunehmen. Die utopischen Sozialisten entwarfen kühne Pläne, wie die künftige Gesellschaft aussehen sollte.            Nach den Ideen Fouriers sollte das Privateigentum an Produktionsmitteln beseitigt werden. Alle Menschen sollten in Ackerbau- und Handwerksgesellschaften zusammenarbeiten und den Gewinn ihrer Arbeit gerecht verteilen.

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Saint-Simon war ebenfalls der Auffassung, dass alle Menschen arbeiten sollten. Er glaubte, man brauche nur den Plan einer besseren Gesellschaft auszuarbeiten und die Menschen von seiner Richtigkeit zu überzeugen, um diese sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten.

Robert Owen leitete eine große Baumwollspinnerei in Schottland. Er verkürzte die Arbeitszeit, erhöhte die Löhne und gründete für die Arbeiterkinder Musterschulen. Er erblickte in der Ordnung seines Betriebes das Beispiel für die neue sozialistische Gesellschaft.

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Der Bund der Gerechten

 

Französische und deutsche Handwerksgesellen erkannten, dass die Arbeiter sich zusammenschließen und organisieren müssen. Ihnen wurde bewusst, dass die Stellung der Arbeiterklasse und ihre Lebenslage nur dadurch verändert werden kann, wenn sie der Ausbeutung durch die Bourgeoisie und der Unterdrückung durch den Staat entgegentreten.

Die erste politische Organisation deutscher Arbeiter war der Bund der Gerechten. Er wurde 1836 von deutschen Arbeitern und Handwerksgesellen gegründete, die in Paris lebten. Sie befanden sich entweder auf Wanderschaft oder hatten die Heimat wegen der reaktionären politischen Verhältnisse verlassen müssen.

Da eine Vereinigung der Arbeiter in Deutschland verboten war, wirkten die Mitglieder des Bundes der Gerechten im geheimen. Sie lasen utopisch-sozialistische und revolutionäre Schriften, berieten darüber und verbreiteten die gewonnenen Erkenntnisse. Ihre Losung lautete: „Alle Menschen sind Brüder!“.

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Einer der Führer des Bundes war der Schneidergeselle Wilhelm Weitling aus Magdeburg. In seiner Freizeit studierte er besonders fleißig die Schriften der utopischen Sozialisten.

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Wilhelm Weitling(1808 bis 1874)

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Im Unterschied zu den utopischen Sozialisten lehrte Weitling jedoch die Arbeiter, dass die kapitalistische Ausbeutung und das Privateigentum an den Produktionsmitteln nur durch die Revolution des Proletariats beseitigt werden können. Allerdings stellte er sich die Revolution so vor, dass die verelendeten Massen sich zur zu erheben brauchen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

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Quelltext:

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Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

In den bisherigen Kämpfen hatte sich erwiesen, dass die Bourgeoisie die Revolution ständig verriet und kleinbürgerliche Kräfte nicht den Mut und die Fähigkeit besaßen, die revolutionären Kräfte erfolgreich zu führen.

Das Proletariat(Arbeiter), das in allen Massenkämpfen in vorderster Reihe stand, begann sich im Verlaufe der Revolution seiner Rolle bewusst zu werden. Die Arbeiter gingen dazu über, sich selbstständige Organisationen zu schaffen, wie eine Vielzahl von örtlichen Arbeitervereinen. Diese Bewegung führte schon zu einem Zusammenschluss verschiedener Arbeiterorganisationen. 1848/49 entstanden erstmals nationale gewerkschaftliche Organisationen. Bei der Gründung und Entwicklung einer Reihe von lokalen Arbeiterorganisationen spielten die Mitglieder des Bundes der Kommunisten eine hervorragende Rolle.

Karl Marx und Friedrich Engels versuchten, Anfang 1849 der Arbeiterklasse eine Gesamtnationale Führung in Form einer revolutionären Massenpartei zu schaffen. Auf Kongressen verschiedener Landesteile- Süddeutschland, Norddeutschland, Thüringen, Württemberg, Bayern – traten die Arbeiter für die Gründung eines allgemeinen deutschen Arbeiterbundes ein, wie es in einer Resolution hieß. Die Kommunisten, vor allem Marx und Engels mit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unterstützen die Bestrebungen.

Die Siege der Konterrevolution erschwerten jedoch diese Bemühungen und machten sie schließlich zunichte. Der für Juni 1849 geplante Kongress aller Arbeiterorganisationen konnte nicht mehr stattfinden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

1. Mai

Plakatserie DGB 2015

Bildquelle: Berlin DGB.de Plakatserie 1. Mai 2015

Am 1. Mai finden Kundgebungen der Gewerkschaften statt. In vielen Ländern ist der 1. Mai gesetzlicher Feiertag.

In der DDR und anderen sozialistischen Ländern war der 1. Mai ein großartiger Feiertag. Im Ursprungsland, den USA ist der 1. Mai kein Feiertag.

Geschichte des 1. Mai

Ursprung:

Am 1. Mai 1886 begann in Chicago (Illinois/USA) ein mehrtägiger, von den Gewerkschaften organisierter Streik, um eine Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden durchzusetzen. Die mit diesem und den darauf folgenden Tagen verbunden Ereignisse werden als Haymerket Riot, Haymarket Affair und Haymarket Massacre bezeichnet und begründeten die Tradition der internationalen Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften, den 1. Mai zum Kampftag der Arbeiterklasse zu erklären.

Am Abend des 1. Mai 1886 fand eine Arbeiterversammlung auf dem Haymarket in Chicago statt. Deren Redner war der Chefredakteur und Herausgeber der anarchistischen „Arbeiter-Zeitung“, August Spies. Neben dem Streik für den Achtstundentag war einer der Gründe der Versammlung, dass die Gewerkschaft zuvor ihren ersten großen Sieg verbuchen konnte. In einer Fabrik für landwirtschaftliche Geräte hatte sich die Mehrheit der Arbeiter gegen die Betriebsleitung solidarisch erklärt und wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Fabrik mit Streik gedroht Für einen 12 Stunden-Arbeitstag wurden 3 US-Dollar gezahlt.(Zeitwert: Für 3 US-Dollar bekam man im Jahr 1886 in einem Restaurant ein mageres Abendessen). Die Folge waren Massenaussperrungen. Die dadurch 800 bis 100 freien Stellen sollten nun mit neuen Einwanderen, die in solchen Fällen am Fabriktor Schlange standen ,besetzt werden. Infolge der Kampagne der „Arbeiter-Zeitung“ meldeten sich jedoch nur 300 neue Arbeiter. Das kann als erster großer Sieg der Gewerkschaft gewertet werden. Nach der Haymarket-Versammlung folgte ein mehrtägiger Streik in Chicago.

Als am 3. Mai die Polizei einschritt, um eine Versammlung von Streikenden nahe dem Erntemaschinen-Betrieb McCormick aufzulösen, wurden sechs Arbeiter erschossen und einige weitere verletzt. In der folgenden Nacht versammelte sich eine Menge von mehreren tausend Streikenden und marschierte zum Haymarket Square. Wiederum versuchte die Polizei, auch unter dem Eindruck der gewalttätigen Auseinandersetzungen zuvor, die Versammlung aufzulösen. Der Protestmarsch wurde aber fortgesetzt und verlief friedlich. Auch der Bürgermeister der Stadt, Carter Harrison Sr., ging, nachdem er die Lage überprüft hatte, früh nach Hause.

Die Lage eskalierte am nächsten Tag, dem 4. Mai, als jemand eine Bombe in die Menge warf, die sich wieder am Haymarket-Square versammelt hatte. Zwölf Menschen, darunter der Polizist Mathias J. Degan, starben noch am Ort des Geschehens. Sechs weitere Polizisten erlagen später ihren Verletzungen. Die Polizei eröffnete daraufhin das Feuer und tötete und verletzte eine unbekannte Zahl von Protestierenden. Da einige der Redner dieses Tages Anarchisten gewesen waren, ging man davon aus, dass ein Anarchist die Bombe geworfen hatte. Ein Beweis für eine solche Verbindung konnte allerdings nicht erbracht werden. Bis heute ist unklar, wer die Bombe geworfen hat.

Obgleich niemand überhaupt den Bombenwerfer erkannt hatte, wurden acht Männer, die den Streik mitorganisiert hatten, angeklagt und für schuldig befunden. Es gab keine Beweise für eine Verbindung der Angeklagten zu dem Bombenanschlag. Vielmehr argumentierte der Richter Joseph Gary, dass der Bombenwerfer auf Grund der Ideen der Männer gehandelt habe und diese damit ebenso schuldig seien, als hätten sie selbst den Anschlag verübt. Albert Parsons, August Spies, der Chefredakteur und Herausgeber der sozialistischen Arbeiter-Zeitung, George Engel und Adolph Fischer wurden erhängt. Louis Lingg beging in seiner Zelle Selbstmord mit einer geschmuggelten Stange Dynamit, durch die er sich selbst enthauptete (eine Quelle spricht von einer Revolverpatrone, die zwischen die Zähne geklemmt, mit einer Kerze zur Explosion gebracht wurde). Oscar Neebe wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Todesurteile gegen Michael Schwab und Samuel Fielden wurden von Gouverneur Richard James Oglesby in lebenslange Haft umgewandelt.

Die Verurteilungen führten zu einem Aufschrei in internationalen Arbeiterkreisen und zu Protesten rund um die Welt. Zu den Unterstützern des Protestes gehörten unter anderem George Bernard Shaw, William Morris und Peter Kropotkin. 25.000 Menschen nahmen in Chicago an der Beerdigung der Hingerichteten teil.[5]

August Spies wird weiterhin mit den Worten zitiert:

„Die Zeit wird kommen, wo unser Schweigen stärker ist, als die Stimmen, die Sie heute erdrosseln.“

und mit den Worten, die er während der Arbeiterversammlung auf Haymarket am Abend des 1. Mai 1886 in Chicago mehrfach sagte:

„Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!“

Am 26. Juni 1893 erließ der Gouverneur von Illinois, John Peter Altgeld, einen Gnadenerlass für Samuel Fielden, Oscar Neebe und Michael Schwab, die dadurch freikamen. Er war zu der Überzeugung gelangt, dass alle Angeklagten unschuldig gewesen seien. Der Grund für den Bombenwurf sei die mangelnde Aufklärung und Verfolgung von zwei Tötungen durch die Detektei Pinkerton. In der Bevölkerung war diese Entscheidung unpopulär und trug zum Ende von Altgelds politischer Karriere bei.

Deutschland:

Der Versuch der Weimarer Nationalversammlung, am 15 April 1919 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu bestimmen, scheiterte.

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1929 war die innenpolitische Lage in Deutschland jedoch so aufgeheizt, dass es zu schweren Unruhen kam. Der Kurs ging schon damals in Richtung Kriegsvorbereitung und eine offene terroristische Diktatur. Dazu hielt der Polizeipräsident Berlins, Karl Zörgiebel, ein Demonstrationsverbot vom13. Dez. 1928 aufrecht. Dennoch folgten 200000 Arbeiter in Berlin dem Aufruf der kommunistischen Partei Deutschlands(KPD) zur Demonstration. Es ging um soziale Forderungen, gegen Kriegsvorbereitungen und für die Verteidigung der Sowjetunion. Die Polizei provozierte Zusammenstöße und schoss. Arbeiter bauten spontan Straßensperren und im Wedding und Neukölln Barrikaden zur Abwehr. Das Polizeimassaker forderte 33 Tote und mehrere 100 Verletzte. Die KPD stand an der Seite der Arbeiter. Sie durchschaute die Provokation und ließ sich nicht auf den bewaffneten Kampf ein.

Zeit des Faschismus 1933 bis 1945

Ab dem 1. Mai 1933 wurde erklärten die Nazis diesen Tag zum gesetzlichen Feiertag. Das Reichsgesetz vom10. April 1933 benannte diesen Tag zum „Tag der nationalen Arbeit“. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften in Deutschland verboten und die Gewerkschaftshäuser gestürmt. Im Jahr 1034 wurde der 1. Mai durch eine Gesetzesnovelle zu einem „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ erklärt. Die Nazis haben den Tag umgewidmet und ihm eine andere Bedeutung gegeben.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der 1. Mai 1946 durch den alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen durften jedoch nur eingeschränkt durchgeführt werden.

Alte BRD und  heutiges Deutschland(Groß-BRD)

Der 1. Mai ist in der BRD nach den Feiertagsgesetzen der Länder ein gesetzlicher Feiertag. Die amtliche Bezeichnung in Deutschland ist durch die einzelnen Bundesländer geregelt.

Oft wird im allgemeinen Sprachgebrauch und auf Kalender dieser Tag als „Tag der Arbeit“ bezeichnet. Das ist aber im Rückblick der Sinn des Tages, den ihm die Nazis gegeben haben und hat nichts mit dem wirklichen Sinn dieses Feiertages zu tun. Oft wird auch propagiert, dass der 1 Mai ein Wandertag sein soll. Das dient der Ablenkung den Tag in seinem wirklichen Sinne zu gestalten.

In der Alt-BRD, bzw. heute, halten seit jeher die Gewerkschaften Demonstrationen und Kundgebungen ab.

Leider gibt es seit den 1980er Jahren auch Ausschreitungen von Seiten einiger Chaoten. So in Berlin-Kreuzberg (Westberlin).

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1.Mai-Plakat 20 Jahre DDR Bildquelle: Andreas Herzog´s Blog

DDR

 In der DDR und auch den anderen sozialistischen Länder Osteuropas war der 1. Mai ein großartiger Feiertag. Die Demonstrationen dort waren Festumzüge. Es gab auch Militärparaden.

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Mai-Demo DDR 1970 Bildquelle Posterlounge

 

Einzelne Textpassagen aus Wikipedia und Wörterbuch der Geschichte Dietzverlag, Berlin 1984 entnommen

Mai-Demonstration 1974 Berlin

1. Mai-Demo DDR 1974 Bildquelle: Artflakes

EuroMayDay

2001 hat ein Netzwerk von italienischen, französischen und katalanischen Aktivisten am 1. Mai zu einer EuroMayDay-Parade aufgerufen, die in Mailand dann auch erstmals stattfand. Zentrales Anliegen war und ist es, den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung in Arbeit und Leben, die durch die klassischen Institutionen der Arbeiterbewegung und der Linken nicht (mehr) organisiert werden können, einen Ausdruck zu geben. Dabei geht es nicht um Repräsentation und/oder Einheitlichkeit, sondern um ein Sichtbarmachen der Vielheit der Wünsche, Lebens- und Kampfformen. Im Zentrum stehen dabei Selbstorganisation und Vernetzung. Die Organisation des MayDay am oder um den 1. Mai soll genau dieses Spannungsverhältnis auch symbolisch aufzeigen. Der EuroMayDay findet jährlich in verschiedenen Städten Europas statt.

Geschichte

Die Beteiligung am MayDay ist ständig gewachsen. Von 5.000 Leuten 2001 auf 50.000 im Jahr 2003. 2004 waren es schließlich schon 100.000 Demonstranten, die mit ihrer Parade gegen die Prekarisierung von Arbeit und Leben demonstrierten − und zwar mit einer Vielfalt von Aktionen, die über das Format der klassischen Demonstration weit hinausgehen. 2004 fand der MayDay zum ersten Mal auch in anderen Städten Europas statt, neben Mailand war vor allem Barcelona Ort einer ausgedehnten Wiederaneignung der Innenstadt. Das Europäische Sozialforum in London diente schließlich dazu, Bewegung und Prozess des EuroMayDay auf viele weitere Städte (vorwiegend in Westeuropa) auszudehnen. Unter anderem fanden MayDayParaden in Amsterdam, Barcelona, Berlin, Bochum, Dortmund, Genf, Hamburg, Hanau, Helsinki, Jyväskylä, Kopenhagen, L’Aquila, León, London, Lüttich, Mailand, Maribor, Marseille, Neapel, Palermo, Paris, Sevilla, Stockholm, Tübingen, Wien, aber auch in Tokyo mit vielen tausenden Teilnehmern statt. 2007 sollte der EuroMayDay erstmals offiziell Westeuropa verlassen und als MondoMayDay weltweit zur Organisierung Prekarisierter beitragen.

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San Precario ist eine Figur, die von italienischen Aktivisten für den EuroMayDay erfunden wurde, mittlerweile aber auch darüber hinaus zu Bekanntheit gekommen ist. Er soll als Schutzheiliger aller von Prekarisierung Betroffenen fungieren. San-Precario-Figuren werden mittlerweile bei Sozialprotesten in ganz Europa mitgetragen. In Wien bildet Santa Precaria seit 2012 ein weibliches Pendant, da in Österreich vor allem Frauen von prekären Arbeitsbedingungen betroffen sind.

Entnommen aus Wikipedia

DGB-Plakat 1. Mai 2015

DGB-Plakat 1. Mai 2015 Bildquelle: DGB.de

Der Rote Front Kämpferbund, kurz RFB

Der Rote Frontkämpferbund(RFB) war eine von der KPD organisierte Schutz- und Wehrorganisation während der Zeit der Weimarer Republik. Der RFB wurde nach einem Beschluss der KPD-Zentrale vom 31.05.1924 im Sommer des gleichen Jahres gebildet. Seit 1925 stand Ernst Thälmann an seiner Spitze. Die Jugendabteilung des RFB war die Rote Jungfront.

Der RFB unterstütze die KPD, leistete Aufklärungsarbeit gegen den Krieg und schützte Veranstaltungen der Arbeiter.

Zu den Mitgliedern des RFB gehörten auch parteilose Arbeiter und Sozialdemokraten. Sie betrieben Wehrsport, führten Märsche durch, übten sich in Selbstverteidigung und machten sich in der waffentechnischen Entwicklung vertraut. Die Mitglieder waren uniformiert, aber unbewaffnet.

Im Frühjahr 1929 umfasste der RFB mehr als 100 000 Mitglieder.

Logo Roter Front Kämpferbund

Logo Rote Front Kämpferbund Bildquelle: Bildquelle Wikipedia „RFB Emblem – Roter Frontkaempfer Bund Logo 1“ von Kille – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons –

Im Jahr 1929 ging der Kurs immer stärker auf die Errichtung einer faschistischen Diktatur. Der RFB erwies sich für diese Pläne als ernstes Hindernis. Der sozialdemokratische Innenminister Carl Severing(1875-1952) nahm deshalb die von der Polizei provozierten Zusammenstöße vom 01.05.1929 – 03.05.1929 zum Anlass, den RFB zu verbieten. Er konnte nur noch illegal weiterarbeiten. Der mutige Kampf des RFB gegen Militarismus, Faschismus und Krieg gehörte zu den militärischen Traditionen der DDR.