Tod am Checkpoint Charly

Werden Terroristen immer als solche angesehen? Wenn es um Terrorismus gegen die DDR ging, wird dies von der offiziellen Geschichtsschreibung als Widerstand umgedeutet. (siehe Text der BStU)

Das Thema dieses Films ist ein Terroranschlag auf einen Grenzübergang der DDR. In jedem anderen Land hätten Terroristen, in einer solchen Situation, damit rechnen müssen erschossen zu werden. Möglicherweise wäre in anderen Ländern sogar schneller geschossen worden, während es in der DDR buchstäblich in letzter Minute war, bevor der Terrorist nach Westberlin entkommen konnte.

 

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Filmquelle:
Mauer und Grenze. Materialsammlung der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Film bündelt vielfältiges Stasi-Material zum Thema Mauer und innerdeutsche Grenze.
Quelle: DVD „Feindbilder – die Fotos und Videos der Stasi“, bpb/BStU 2. Auflage 2009

Symbol Filmrolle

Symbol Filmrolle
Bildquelle:
Wadeco

Grenztruppen der DDR

Einsatzübung im Kreis Mühlhausen am 27. März 1982

Einsatzübung im Kreis Mühlhausen am 27. März 1982

Bildquelle:

„Bundesarchiv Bild 183-1982-0327-006, Kreis Mühlhausen, Einsatzübung von Grenztruppen“ von Bundesarchiv, Bild 183-1982-0327-006 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

Die Grenztruppen waren in den Staaten des Warschauer Vertrags Schutzorgane, die dafür bestimmt waren die Unverletzlichkeit der Staatsgrenzen und die Ordnung und Sicherheit im Grenzgebiet zu gewährleisten.

Grenztruppen, bzw. Grenzschutz oder Grenzpolizei gab es zur damaligen Zeit und gibt es auch heute noch in zahlreichen anderen Staaten der Welt. Dort haben sie in der Regel auch eine innere Funktion. In der alten BRD war es der Bundesgrenzschutz, die heutige Bundespolizei. Z.B in der Schweiz sind es die Grenzwächter(Swissborderguard). Siehe You Tube Kanal der Swissborderguard.

Im November 1946 wurden die ersten Einheiten der Deutschen Grenzpolizei aufgestellt. Offiziell galt der 01.12. als Gründungsdatum. Darum ist das der Ehrentag der Grenztruppen der DDR. An diesem Tag ehren heute noch Freundinnen und Freunde der DDR die damaligen Angehörigen der Grenztruppen der DDR.

Einweisung eines Grenzpostens

Angesichts eines geplanten Überfalls von NATO-Streitkräften auf die DDR erließ der Minister für Nationale Verteidigung am 12.08.1961 den Befehl über die militärische Sicherung der Staatsgrenze zur BRD und zu Westberlin. Entsprechend einem Beschluss des Nationalen Verteidigungsrats der DDR vom 15.09.1961 wurde die Deutsche Grenzpolizei zu Grenztruppen reorganisiert und dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. Gleichzeitig wurde das Kommando der Grenztruppen als deren Führungsorgan gebildet.

Grenztruppen DDR im Winter

DDR-Grenztruppen im Winter

Zu den Grenztruppen der DDR gehörten die Truppenteile für die Grenzsicherung(Grenzregimenter) und für die Ausbildung(Grenzausbildungsregimenter). Außerdem gab es Spezialtruppen, wie z.B. Nachrichten- und Pioniereinheiten, Hubschrauberkräfte für die Aufklärung und andere Aufgaben, sowie Bootskompanien für die Sicherung der Staatsgrenze auf Flüssen und anderen Binnengewässern und maritime Kräfte für die Sicherung der Seegrenze. Ihre Bewaffnung und Ausrüstung entsprach ihren Aufgaben, d.h. sie waren vor allem mit Schützenwaffen(Maschinenpistolen, Maschinengewehre, Panzerbüchsen) ausgerüstet. Außerdem gehörten zur Ausrüstung geländegängige Kraftfahrzeuge, Schneemobile, Mehrzweckhubschrauber vom Typ Mi-2 und Grenzsicherungsboote.

Emblem für Fahrzeuge der Grenztruppen

Emblem für Fahrzeuge der Grenztruppen

Bildquelle:

„Vehicle roundel of Border Troops of GDR“ von vektorisiert: Jwnabd – Verordnung über Flaggen, Fahnen und Dienstwimpel der Deutschen Demokratischen Republik. – Flaggenverordnung – vom 12. Juli 1979.. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons -Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Grenztruppen der DDR(kurz GT) waren als bewaffnetes Schutzorgan der sozialistischen Staatsmacht ein Bestandteil der Landesverteidigung der DDR. Ihre Hauptaufgabe war es, alle erforderlichen Maßnahmen für den zuverlässigen Schutz der Staatsgrenze zu treffen und im engen Zusammenwirken mit den anderen Schutz-und Sicherheitsorganen die territoriale Integrität(Integrität=im Völkerrecht Begriff der territorialen Unversehrtheit)der DDR und die Unverletzlichkeit ihrer Staatsgrenze und Territorialgewässer zu gewährleisten. Sie hatten in Zusammenarbeit mit den zuständigen Staatsorganen und der Bevölkerung die Sicherheit und Ordnung in den Grenzgebieten und den Seegewässern zu garantieren. Ihre Pflichten und Befugnisse waren in dem von der Volkskammer am 25.03.1983 beschlossenen „Gesetz über die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik – Grenzgesetz“ festgelegt.

Bestenabzeichen (1986–1990)

Bestenabzeichen (1986-1990)

Bildquelle:

„Bestenabzeichen DDR Grenztruppen“ von Fornax – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons -Bild ist entsprechend verlinkt

Die Grenztruppen sicherten die 1400 km lange Staatsgrenze zur BRD, die 164 km lange Staatsgrenze zu Westberlin und die Seegrenze der DDR an der Ostseeküste mit einer Basislänge von 310 km. Außerdem überwachten sie die Staatsgrenzen der DDR zu den damaligen verbündeten Ländern. Das waren die damalige Volksrepublik Polen und die CSSR mit einer Gesamtlänge von etwa 700 km.

Einweisung eines Grenzpostens

Die Sicherung der Staatsgrenze der DDR zur BRD war eine außerordentlich bedeutsame und verantwortungsvolle Aufgabe, denn diese Grenze war Trennlinie zwischen Sozialismus und Imperialismus. Auf dem Territorium der alten BRD war die stärkste Gruppierung der NATO stationiert.

Ebenso wichtig war die Sicherung der Staatsgrenze zu Westberlin, da die reaktionärsten imperialistischen Kreise versuchten dieses Territorium als Brückenkopf der Diversion(Spionage, ideologische Zersetzung, politische Aktionen gegen die Staatsmacht, Terror, Wirtschaftssabotage, bewaffnete Aktionen konterrevolutionärer Kräfte) und Spionage gegen die DDR zu benutzen.

Grenze Berlin

Bildquelle:

Bhetanews

Die Sicherung der Staatsgrenze zur BRD und zu Westberlin war eine Gefechtsaufgabe für den Frieden. Sie war für die Sicherung des Friedens und Gewährleistung der Sicherheit der Völker der sozialistischen Staatengemeinschaft von großer Bedeutung. Das ergab sich insbesondere aus dem Anspruch der BRD-Regierung einen imperialistischen deutschen Staat in den Grenzen von1937 zu schaffen. In diesem Zusammenhang wurde die völkerrechtswidrige These von der „innerdeutschen Grenze“ benutzt. Auch im Nachhinein wird diese These von der offiziellen Geschichtsschreibung benutzt. Dieses Ziel war im Bezug auf die osteuropäischen Staaten für die Politik der BRD-Regierung nicht auf Dauer haltbar. Der Kniefall von Willy Brandt am 07.12.1970 am Ehrenmal der Helden des Ghettos in Warschau war das Symbol zur Änderung der Politik gegenüber Osteuropa. Allerdings war die Gefahr nicht gebannt. Auch wenn sich die offizielle Regierungspolitik der BRD geändert hat, so agierten die Revanchistenverbände weiterhin. Was die DDR betrifft, ist dieses Ziel erreicht worden.

Flagge Grenzbrigade Küste

Flagge der Grenzbrigade Küste

Bildquelle:

„Flag of border brigade coast (East Germany)“ von User Jwnabd from German-Wikipedia – Jugendlexikon. a-z. 10. Auflage. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig 1981. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons -Bild ist entsprechend verlinkt

Bis zum Ende der DDR gab es zahllose Anschläge auf die Staatsgrenze der DDR zur BRD und Westberlin, die den Frieden in Europa gefährdeten.  Denn auch nach der Änderung der Politik gegenüber den osteuropäischen Ländern, war es weiterhin die Politik der BRD die DDR nicht als Ausland anzusehen und die These von der „innerdeutschen Grenze“ ist weiterhin beibehalten worden.

Ehemalige Grenztruppenunterkunft in Oebisfelde-Buchhorst im Drömling

Ehemalige Grenztruppenunterkunft in Oebisfelde-Buchhorst im Drömling

Bildquelle:

„Oebisfelde Grenztruppenkaserne“ von Benutzer:AxelHH – Foto aufgenommen von Benutzer Benutzer:AxelHH. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons –  Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Dienstlaufbahnabzeichen der Grenztruppen.

Dienstlaufbahnabzeichen der Grenztruppen

Bildquelle:

 

„Dienstlaufbahnabezeichen der Grenztruppen der DDR“ von Hauptinspekteur der Nationalen Volksarmee – Handbuch Militärisches Grundwissen NVA-Ausgabe 1980 – Ausbildungsmittel für Offiziere der NVA. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ Stand vom 30.11.1983, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Grenztruppen DDR Buch Jugendlexikon Militärwesen

 

 

Artikel aus Der Welt vom 12.08.2007 :

Gastbeitrag von Roland Loeckelt

Artikel aus der „Welt“:

Die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) hat eine Anweisung der DDR-Staatssicherheit, ohne Zögern auch auf Frauen und Kinder zu schießen, als „höchst bedeutsamen Fund“ eingestuft. „Dieser Befehl ist so unverhüllt und deutlich, wie er bis jetzt noch nicht vorgelegen hat“, sagte Behördenchefin Marianne Birthler.

Doch die Meldung vom sensationellen Archivfund hatte nicht lange Bestand: Ein Schießbefehl mit wortgleichem Text liegt nach Recherchen dieser Zeitung seit einem Jahrzehnt in gedruckter Form vor. Bereits 1997 ist ein entsprechender Schießbefehl von dem BStU-Forscher Helmut Müller-Enbergs in dem Buch „DDR-Geschichte in Dokumenten“ publiziert worden.

In dem Sammelband wird unter der Überschrift „Auftrag: Fahnenfluchten verhindern“ folgende geheime Anordnung aus dem Dezember 1974 wiedergegeben: „Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zur Kenntnis gemacht haben.“ Genau diese Formulierung enthält auch jenes Dokument, das die Birthler-Behörde jetzt in ihrer Magdeburger Außenstelle gefunden hat.

Behördensprecher Andreas Schulze hat eingeräumt, der als neu deklarierte Fund sei nicht so neu wie zunächst dargestellt. „Da ist uns ein ärgerlicher Fehler unterlaufen“, sagte er. Der Behörde sei nicht präsent gewesen, dass man einen solchen Schießbefehl schon einmal veröffentlicht habe. Zugleich betonte Schulze: „Das nimmt dem jetzt gefundenen Dokument aber nichts von seiner Brutalität.“ Den Vorwurf, die Behörde wolle mit dem als „aufsehenerregend“ deklarierten Aktenfund ihren Fortbestand sichern, wies er entschieden zurück.

Irritierende Argumentation der Birthler-Behörde

Der Historiker Hubertus Knabe hingegen sagte dieser Zeitung, es sei „irritierend“, dass die Behörde ein bereits vor vielen Jahren herausgegebenes Dokument kurz vor dem Jahrestag des Mauerbaus als neu verkünde. Schärfer noch fällt die Kritik des CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz aus, der die Vorgehensweise der Behörde „nicht akzeptabel“ nannte. „Sie ist offenbar daran interessiert, positiv in die Schlagzeilen zu kommen“, sagte der frühere Dresdner Bürgerrechtler. Ebenso wie die Öffentlichkeit sei er „auf die Meldung vom vermeintlichen Sensationsfund hereingefallen“, so Vaatz.

Der Leiter der BStU-Außenstelle in Magdeburg, Jörg Stoye, sagte dagegen: „Das 1997 von einem anderen Historiker publizierte Dokument hat sich in der öffentlichen Diskussion zum Thema Schießbefehl bisher nicht widergespiegelt. Das finde ich bedauerlich. Dem Fund an sich ist seine Bedeutung jedoch keineswegs genommen, nur weil er bereits einmal veröffentlicht, aber seinerzeit nicht genügend gewürdigt worden ist.“

In der Tat ist unstrittig, dass der im Magdeburger Archiv entdeckte Schießbefehl die Diskussion um das Grenzregiment der DDR belebt hat. Alle Sonntagszeitungen und die Fernsehnachrichten griffen das Thema auf. In der Regel hieß es dabei, es handele sich um den ersten schriftlichen Beleg für den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer. Darum jedoch geht es in dem Dokument gar nicht. Vielmehr ist es ein Rahmenbefehl für die Mitglieder einer Stasi-Spezialeinheit, die von 1968 bis 1985 bestanden hat und deren Aufgabe es war, normale Grenztruppen-Einheiten konspirativ zu „infiltrieren“ und Fahnenfluchten zu verhindern.

Da die SED-Führung kein Vertrauen in die Loyalität ihrer Grenzsoldaten hatte, wurde jede einzelne Einheit durch Inoffizielle Mitarbeiter (IM) sowie durch Offiziere überwacht. Dass zusätzlich speziell ausgebildete „Einzelkämpfer“ beauftragt waren, auf fahnenflüchtige Grenzer ohne Rücksicht auf Verluste zu schießen und gegebenenfalls auch Frauen und Kinder zu töten, war bislang weitgehend unbeachtet geblieben.

Einen eigentlichen Schießbefehl hat es wahrscheinlich nie gegeben

Einen eigentlichen Schießbefehl der DDR-Führung im Sinne einer einzelnen schriftlichen Anordnung hat es dagegen wahrscheinlich nie gegeben. Zwar war es eindeutig der politische Wille der SED-Führung, dass zwischen August 1961 und April 1989 an der Berliner Mauer sowie der innerdeutschen Grenze möglichst jede Flucht von Menschen aus der DDR mit Waffengewalt verhindert werden sollte. Allerdings waren die zuständigen Stellen vorsichtig genug, diese Anweisung in scheinbar unverdächtigen Formen zu erlassen – als „Dienstanweisungen zum Schusswaffengebrauch“ zum Beispiel oder im DDR-Grenzgesetz von 1982.

Daher behaupten alte Stasi-Kader seit geraumer Zeit, es habe nie eine Weisung zum Mord an Flüchtlingen gegeben; das Wort Schießbefehl verwenden sie nur in Anführungszeichen. In PDS-nahen Verlagen wie „Edition Ost“ oder „GNN“ erscheinen Bücher, die gegen jede historische Wahrheit die Existenz des einzigartig mörderischen Grenzregimes bestreiten, mit dem die DDR ihre Bürger an der Flucht in die Freiheit hindern wollte – stets gestützt auf die Tatsache, dass es den einen schriftlichen Schießbefehl nicht gab. Allerdings: Genauso wenig gab es den einen Hitler-Befehl zum Holocaust – und nur Rechtsextremisten bezweifeln deshalb, dass der NS-Diktator den millionenfachen Mord gewollt hat.

Grenzsoldaten wurden zum Todesschuss vergattert

In der DDR wurde zahlreichen Zeitzeugen-Aussagen zufolge jeder in den Streifendienst geschickte Grenzsoldat vor Dienstantritt „vergattert“, im Falle einer Flucht in seinem Grenzabschnitt „von der Schusswaffe rücksichtslos Gebrauch zu machen“. Und selbst von den obersten Chargen des SED-Staats gab es intern entsprechende mündliche Anweisungen. So existiert die Filmaufnahme einer Rede von Heinz Hoffmann, 1960 bis 1985 DDR-Verteidigungsminister und damit oberster Chef aller Grenztruppen, in der der Spitzenfunktionär achselzuckend sagt: „Wer unsere Grenze nicht respektiert, der bekommt die Kugel zu spüren.“

Ein weiterer Beweis, dass die SED-Spitze das Morden an der Mauer eindeutig in Auftrag gab und billigte, war – neben den Schusswaffeneinsätzen über Jahrzehnte hinweg – der Umgang mit jenen Männern, die diesen Befehl ausgeführt hatten: Grenzsoldaten, die einen Flüchtling erschossen hatten, wurden in aller Regel belobigt und ihren Kameraden als positive Beispiele vorgeführt. Wer dagegen eine Flucht in seinem Grenzabschnitt „zugelassen“ hatte, ohne den untersuchenden Stasi-Offizieren gegenüber das Nicht-Schießen oder Nicht-Treffen „begründen“ zu können, musste mit drakonischen Disziplinarstrafen rechnen.

Ein weiterer klarer Beweis ist die Aufhebung des allgemeinen Schießbefehls am 3. April 1989. Erich Honecker selbst legte fest: „Lieber einen Menschen abhauen lassen als in der jetzigen politischen Situation die Schusswaffe anzuwenden.“ Der Befehl musste nach wenigen Tagen wiederholt werden, weil einige Kontrolleure trotzdem am 8. April 1989 am Grenzübergang an der Chausseestraße auf Flüchtlinge gefeuert hatten. In schriftlicher Form bestätigte der Stasi-Oberst Günter Nieter die mündliche Anweisung, „die Schusswaffe im Grenzdienst Staatsgrenze zur BRD und zu Berlin (West) zur Verhinderung von Grenzdurchbrüchen nicht anzuwenden.“ Das „nicht“ ist im Original unterstrichen.

Dem Schießbefehl der SED-Führung fielen allein zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer mindestens 133, vielleicht aber auch mehr als 200 Menschen zum Opfer. Insgesamt schätzen Historiker die Zahl der Grenztoten zwischen 1945 und 1989 auf mindestens 700 bis über 1200.

Genaue Angaben werden sich nie feststellen lassen. Das ist schließlich eine Frage der Definition: Sind auch DDR-Grenzer, die bei Waffenunfällen während ihres Dienstes getötet wurden, Opfer der Mauer? Oder ältere DDR-Bürger, die während des Wartens auf ihre Kontrolle für einen Besuch im Westen an Grenzübergangsstellen an Hertzinfarkten verstarben? Oder West-Berliner, die in selbstmörderischer Absicht ihre Autos gegen die Mauer lenkten?

 

Klaus-Dieter Baumgarten

Klaus-Dieter Baumgarten war Chef der Grenztruppen der DDR.

Er wurde am 01. März 1931 in Werna(Landkreis Nordhausen im heutigen Bundesland Thüringen) geboren und ist am 17. Februar 2008 in Zeuthen(bei Berlin) gestorben.

Klaus-Dieter Baumgarten war der Sohn eines Gärtners. In Ellrich(Landkreis Nordhausen im heutigen Bundesland Thüringen) erlernte er den Beruf des Zimmermanns und arbeitete bis 1949 in diesem Beruf.

1946 trat er in die Freie Deutsche Jugend (FDJ), zwei Jahre später in die SED ein. Am 7. Februar 1949 erfolgte seine Anstellung bei der Deutschen Volkspolizei (VP). Zunächst in verschiedenen Dienststellungen, besuchte er 1953/54 die Hochschule der Kasernierten Volkspolizei und wurde zum Major ernannt. Bis 1959 leitete er die Abteilung Gefechtsausbildung im Kommando der DDR-Grenzpolizei. Danach absolvierte er eine sowjetische Militärakademie. 1963/64 war er 1. Stellvertreter des Kommandeurs der Grenzbrigade Kalbe (Milde). 1964/65 hatte er einen Lehrstuhl an der Militärakademie der NVA in Dresden inne. Von 1965 bis 1970 amtierte Baumgarten als 1. Stellvertreter des Chefs der Grenztruppen der DDR. 1970 bis 1972 studierte er an der Generalstabsakademie der Sowjetunion. Von 1973 bis 1978 war er Kommandeur des Grenzkommandos Süd und wurde 1974 zum Generalmajor ernannt. 1978 wechselte er als Stabschef in das Kommando der Grenztruppen.

Vom 1. August 1979 bis 31. Dezember 1989 war Baumgarten, als Nachfolger von Erich Peter, Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Grenztruppen der DDR. Der SED-Bezirksleitung Erfurt gehörte er von 1974 bis 1979 an, ab 1981 war er Kandidat des Zentralkomitees (ZK) der SED. 1988 wurde er zum Generaloberst befördert. Als Chef der Grenztruppen war Baumgarten verantwortlich für den Ausbau der DDR-Grenzanlagen an der Grenze zur BRD und Westberlin mit Splitterminen und Selbstschussanlagen. Im Februar 1990 wurde er in den Ruhestand versetzt. 1990 wurde Baumgarten Mitglied der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), 2001 trat er aus der Partei aus. Baumgarten erlag am 17. Februar 2008 in Zeuthen einem Krebsleiden.

Nach der Konterrevolution in der DDR ermittelte die Staatsanwaltschaft des Landes Berlin gegen Baumgarten und andere Generale der Grenztruppen, der Prozess begann am 27. Oktober 1995. Am 10. September 1996 wurde Klaus-Dieter Baumgarten wegen elffachen Totschlags und fünffachen versuchten Totschlags, begangen an Menschen, welche sich unbefugt im Grenzgebiet aufhielten(nach BRD-Lesart als Flüchtlinge bezeichnet), zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Fünf mitangeklagte Ex-Generäle der DDR-Grenztruppen erhielten Strafen zwischen drei Jahren neun Monaten und drei Jahren drei Monaten. Ab dem 12. November 1996 war er in U-Haft (Berlin-Moabit) wegen Fluchtgefahr. (Das ist lachhaft, aber das war die Sichtweise der Justiz nach der Konterrevolution) Später saß er in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Plötzensee ein. 1997 verwarf der Bundesgerichtshof die Revision Baumgartens. In den Prozessen und Schriften beteuerte Baumgarten, dass es keinen Schießbefehl gab. Auch dass die Minen und Selbstschussanlagen nicht bis zum Ende der DDR an der Grenze existent waren und dass die Schließung der Grenze in Berlin notwendig war, brachte Klaus-Dieter Baumgarten vor. Doch die damalige Justiz nach der Konterrevolution, sowie die offizielle Geschichtsschreibung sehen dies als Leugnung an. Laut Richter Föhrig wurde Baumgarten „in seiner Hartleibigkeit und Uneinsichtigkeit […] von keinem mir einschlägig bekannten Angeklagten […] auch nur annähernd erreicht.“ Klaus Dieter Baumgarten ist standhaft geblieben und hat sich nicht verbiegen lassen. Das ist beachtlich, wo doch so viele, die in der DDR Verantwortung trugen, sich während und nach der Konterrevolution fix dem Zeitgeist angepasst haben.

Seit 1997 war er Freigänger, im Dezember 1999 wurde er von Justizsenator und Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen nach der Verbüßung etwa der Hälfte der Haftzeit ohne Begründung gegen den Widerstand von Staatsanwaltschaft, des Gnadenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses und des Tatgerichts unter Richter Friedrich-Karl Föhrig, begnadigt und am 15. März 2000 aus der Haft entlassen. Seit 1990 verfasste Baumgarten Beiträge für die Tageszeitung „Neues Deutschland“. An PDS-Zeitungen verschickte er nach seiner Inhaftierung „Briefe aus dem Kerker“. „Der Spiegel“ hat in einem Nachruf geschrieben, dass Baumgarten bis zu seinem Tod völlig uneinsichtig gewesen sei. So werden standhafte Verantwortungsträger der DDR von den heutigen Medien und der offiziellen Geschichtsschreibung gesehen.

 

Zahlen, Fakten und einzelne Textpassagen Wikipedia

Todesfälle unter DDR-Grenzern

Vor der Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls( 1949-1961)

 Siegfried Apportin († 2. Juli 1950 in Palingen), von seinem fahnenflüchtigen Posten erschossen.

Herbert Liebs († 21. Februar 1951 in Pferdsdorf), von US-Soldaten erschossen.

Werner Schmidt und

Heinz Janello († 2. März 1951 Obersuhl), von US-Soldaten erschossen.

 Rudolf Spranger († 7. August 1951)

Manfred Portwich († 27. Oktober 1951 bei Wendehausen), von Republikflüchtlingen getötet.

Ulrich Krohn († 16. Mai 1952 bei Thurow), als Postenführer von seinem desertierenden Posten erst niedergeschlagen und dann erschossen. Der Täter wurde 1952 in Lüneburg zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Helmut Just († 30. Dezember 1952 in Berlin), von unbekannten Tätern erschossen.

Waldemar Estel († 3. September 1956 in Buttlar), durch einen spanischen Staatsbürger nach dessen Festnahme wegen illegalen Grenzübertrittes erschossen.

 

Während des Bestehens des antifaschistischen Schutzwalls(1961-1989)

Jörgen Schmidtchen († 18. April 1962 in Griebnitzsee), erschossen von zwei fahnenflüchtigen NVA-Offiziersschülern aus der Flakartillerie-Schule Stahnsdorf

Manfred Weiss († 19. Mai 1962 in Henneberg), von seinem fahnenflüchtigen Posten erschossen.

Peter Göring († 23. Mai 1962 in Berlin), beschoss zusammen mit anderen DDR-Grenzsoldaten einen 14-jährigen Flüchtling und wurde im darauffolgenden Schusswechsel von West-Berliner Polizisten erschossen.

Reinhold Huhn († 18. Juni 1962 in Berlin), von einem Fluchthelfer erschossen.

Rudi Arnstadt († 14. August 1962 in Wiesenfeld), von einem BGS-Beamten erschossen.

Günter Seling († 30. September 1962 in Teltow), bei der Postenkontrolle irrtümlich von einem DDR-Grenzsoldaten erschossen.

Siegfried Widera († 8. September 1963 in Berlin), von Flüchtenden am 23. August 1963 niedergeschlagen.

unbekannter Volkspolizist († 15. September 1964)

Egon Schultz († 5. Oktober 1964 in Berlin), irrtümlich erschossen von einem Kameraden bei Entdeckung des Tunnels 57.

Hans-Adolf Scharf († 10. Juni 1966), erschossen von einem Volkspolizisten.

Rolf Henniger († 15. November 1968 in Klein Glienicke), erschossen von dem flüchtenden Volkspolizisten Horst Körner.

Lutz Meier († 18. Januar 1972 in Schierke), starb durch Schüsse aus der Kalaschnikow eines DDR-Grenzsoldaten, möglicherweise Suizid.

Klaus Peter Seidel und

Jürgen Lange († 19. Dezember 1975 in Harras), beide erschossen durch den fahnenflüchtigen NVA-Soldaten Werner Weinhold.

Ulrich Steinhauer († 4. November 1980 in Schönwalde), als Postenführer von seinem fahnenflüchtigen Posten mit einem Schuss in den Rücken getötet. Die Flucht des Täters gelang, er wurde in West-Berlin 1981 wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt. Die Strafe wurde später auf 4 Jahre und neun Monate reduziert.

Klaus-Peter Braun († 1. August 1981 in Rustenfelde), von seinem fahnenflüchtigen Posten erschossen.

Eberhard Knospe († 5. Mai 1982 in Sommersdorf), als Postenführer von seinem fahnenflüchtigen Posten erschossen.

Uwe Dittmann († 22. März 1985 in Spichra), erschossen von einem fahnenflüchtigen GSSD-Soldaten, der danach auf der Werra-Brücke nach Pferdsdorf-Spichra selbst erschossen wurde.

Horst Hnidyk († 3. August 1989), von einem fahnenflüchtigen GSSD-Angehörigen getötet. Hnidyk wurde in den DDR-offiziellen Listen der getöteten Grenzsoldaten nicht (mehr) genannt.

 

Liste entnommen aus Wikipedia