Die Mainzer Republik

In verschiedenen deutschen Städten errichteten Bürger und Bauern Freiheitsbäume, um die französische Revolution zu feiern.

Ein besonderes Beispiel ist Mainz. Im Oktober 1792 wurde die Stadt und ihre Umgebung von der französischen Revolutionsarmee besetzt. Der Kurfürst und die Adligen dieses Gebietes flohen. Damit war die Stunde der Bewährung für die Revolutionäre gekommen, die in Georg Forster einen hervorragenden Führer fanden.

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Sofort begannen sie ihre Ideen zu verwirklichen. Im Februar 1793 schritten die vor kurzem noch als Untertanen des Kurfürsten geltenden Bürger und Bauern zur Wahl von 130 Abgeordneten für den „Rheinisch-deutschen Nationalkonvent“. Forster nannte diese Abgeordneten, von denen mehr als die Hälfte Bauern waren, „Stellvertreter des freien deutschen Volkes“. Die Abgeordneten leiteten verschiedene Maßnahmen ein, die dem Wohle des Volkes dienten. Sie hoben die Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit auf. Das Eigentum der geflohenen und ausgewiesenen Feudalherren wurde beschlagnahmt.

Das revolutionäre Werk konnte nicht vollendet werden. Nach einer viermonatigen Belagerung musste die Stadt vor den Truppen der feudalen Mächte am 23. Juli 1793 die Waffen strecken. Die Kerker füllten sich mit aufrechten Demokraten. Georg Forster weilte bereits seit März im Auftrage des Nationalkonvents in Paris. Er blieb den revolutionären Ideen bis zu seinem Lebensende treu. Die Mainzer Republik nimmt in der deutschen Geschichte einen ehrenvollen Platz ein. Sie war die erste demokratische Republik auf deutschem Boden. (Es handelt sich hier um eine bürgerliche Demokratie. Das war seinerzeit ein gesellschaftlicher Fortschritt, der aufgehalten wurde.)

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Bald nach Forsters Tod geriet sein Werk außerhalb der Fachwelt fast vollständig in Vergessenheit, wohl nicht zuletzt als Folge seines Engagements während der französischen Revolution. Je nach politischer Zeitströmung wurde Forster bis in die Gegenwart hinein jeweils unterschiedlich beurteilt.

Generell aber verdeckte in der Zeit des aufkeimenden Nationalismus im nachnapoleonischen Deutschland das Bild des angeblichen „Vaterlandsverräters“ Forster zusehends das des Forschers und Schriftstellers. Während des Deutschen Kaiserreichs und erst recht zur Zeit des Faschismus blieb das Andenken Forsters verfemt.

Die DDR dagegen bezog die Erinnerung an den Forscher und Revolutionär in ihre eigene Traditionsbildung ein. So wurde beispielsweise die erste deutsche Forschungsstation in der Antarktis, die 1976 von der DDR eingerichtet wurde, Georg-Forster-Station benannt. Eine Oberschule, heute Gymnasium, in Berlin-Friedrichsfelde trägt Forsters Namen.

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35-Pfennig-Sondermarke der DDR-Post (1979) aus der Reihe „Bedeutende Persönlichkeiten“

Bildquelle:
Von Hochgeladen von –Nightflyer (talk) 18:27, 21 November 2009 (UTC) – eigener Scan, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Auch in der BRD suchte man nach demokratischen Traditionen der deutschen Geschichte. Seit den 1970er Jahren setzte eine differenzierte Betrachtung Forsters ein. Die Universitätsgesellschaft Kassel stiftet in den 1980er Jahren den Georg-Forster-Preis für herausragende Leistungen an der Universität Kassel, die nicht nur fachlich herausragen, sondern auch den Horizont des eigenen Fachs überschreiten. Auch die Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt einen Georg-Forster-Forschungspreis.

Mittlerweile tragen auch Schulen im Westen Deutschlands Forsters Namen, seit 2007 beispielsweise die Integrierte Gesamtschule Wörrstadt, die auf dem Gebiet der einstigen Mainzer Republik liegt, und seit 2012 das Städtische Gymnasium von Kamp-Lintfort am Niederrhein. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz trägt seit 2013 ein Neubau, der unter anderem die Sozialwissenschaften beherbergt, den Namen „Georg-Forster-Gebäude“.

Darüber hinaus sind die Forsterseeschwalbe und ein Mega-Containerschiff des französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmens CMA CGM nach ihm benannt.

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Die CMA CGM „Georg Forster“

Bildquelle:
Von Hummelhummel, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982 und Wikipedia

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Freiheitsbestrebungen in Deutschland(bürgerliche Umgestaltung) in den Jahren 1789-1840

Die französische Revolution löste in Deutschland ein vielfaches Echo aus. Viele Bauern und Bürger sahen im Sturm auf die Bastille das Signal für eine eigene revolutionäre Tat.

In benachbarten Gebieten Frankreichs brauchen zuerst Unruhen aus; z. B. in Baden und in der Pfalz. Aber auch in von Frankreich weiter entfernten Gebieten geriet das Volk in Bewegung.

An verschiedenen Orten zogen die Bauern, mit alten Gewehren, Sensen und Dreschflegeln bewaffnet, vor die Schlösser der Feudalherren, um den Verzicht auf alle Feudallasten zu erzwingen.

Im Sommer 1790 erhoben sich die Bauern in Sachsen. Adelssitze wurden gestürmt, verhasste Gutsherren und Beamte verprügelt oder gar zum Spießrutenlaufen verurteilt. Viele Bauern stellten ihre Frondienste ein und forderten Land, das ihren Vorfahren geraubt worden war. In zahlreichen Dörfern trieb man die Schafe der Gutsherren von den bäuerlichen Feldern.

Als Wortführer der sächsischen Bauern und Kleinbürger trat der Handwerker Christian Benjamin Geißter aus Liebstadt auf. Aber schon 1790 wurde er verhaftet. Die Feudalherren übten grausame Rache. Über 15 Jahre musste Geißter im Zuchthaus Torgau schmachten.

Im Allgemeinen wurden aber die Bauern in Sachsen von den Stadtbewohnern nur wenig unterstützt. So kam es, dass die mehr als 5000 aufgebotenen Soldaten den Aufstand schon Anfang September niederschlagen konnten.

In den Städten nahmen besonders die Handwerksgesellen die revolutionäre Kunde aus Frankreich begeistert auf. Das rücksichtslose Vorgehen und die Bedrückung durch die Behörden und Meister beantworteten sie in vielen Orten mit Streiks und Demonstrationen, so in Berlin, Bremen, Dresden, Hamburg und Nürnberg.

Der feudale Staat setzte alle Machtmittel gegen das Volk ein. In Breslau wurde im Frühjahr 1793 gegen demonstrierende Gesellen und Arbeiter sogar Artillerie aufgefahren und ein furchtbares Blutbad angerichtet. Mehr als 30 Tote waren zu beklagen. In allen diesen Gebieten gab es nach kleinen Anfangserfolgen keinen Sieg für die Volksbewegungen.

Wichtige Ereignisse der Freiheitsbestrebungen

 

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In der langen Geschichte der Menschheit hatte nach dem Zerfall der Urgesellschaft stets eine Ausbeuterordnung die andere ersetzt. Das wurde erst 1917 vorübergehend anders. Mit der Oktoberrevolution in Russland und der Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung wurde zum ersten male in der Geschichte eine Ordnung geschaffen, in der es keine Ausbeutung durch den Menschen gab. In den bürgerlichen Revolutionen des 17. Und 18. Jahrhunderts waren es die Bauern, Handwerker und Manufakturarbeiter, die dem absoluten Königtum und dem Feudaladel die macht entrissen und es dem Bürgertum ermöglichten seine politische Herrschaft aufzurichten

 

 

 

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Aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse

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PDF-Dokument: Zum Wesen der bürgerlichen Revolutionen

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PDF-Dokument: Freiheitsbestrebungen 1789-1840

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Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

Die Ergebnisse der Revolution

 

Im Unterschied zur siegreichen bürgerlichen Revolution in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts löste die Revolution von 1848/49 in Deutschland keine ihrer historischen Aufgaben. Die Hauptaufgabe der Revolution, durch die völlige politische und ökonomische Entmachtung des Feudaladels einen einheitlichen Nationalstaat zu schaffen, wurde nicht erfüllt. Die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795 hatte die Monarchie gestürzt, die Republik geschaffen und den Feudalismus restlos besiegt. In Deutschland endete die Revolution damit, dass Fürsten und Adel ihre politische Macht wiederherstellen konnten. Damit blieb die nationale Zersplitterung als Hemmnis der kapitalistischen Entwicklung bestehen. Die Reaktion beseitigte nach ihrem Sieg die Rechte und Freiheiten, die sich die Volksmassen im März 1848 erobert hatten. Der Weg für eine ungehinderte Fortentwicklung der bürgerlichen deutschen Nation konnte nicht geebnet werden.

Obwohl die Revolution ihre Hauptaufgabe nicht gelöst hatte, war sie nicht ergebnislos. Aus Furcht vor neuen revolutionären Erhebungen mussten die feudalen Kräfte einige Zugeständnisse machen.

Mit einem Gesetz beseitigte die preußische Regierung 1850 noch bestehende feudale Fesseln der Landbevölkerung. Für die Abschaffung der Dienste und Abgaben mussten die Bauern jedoch hohe Geldsummen an die Junker zahlen.

Ein weiteres Zugeständnis war auch die Beibehaltung der 1848 eingeführten Verfassung in Preußen. Sie konnte zwar zu keinem wirksamen Mittel der Bourgeoisie werden, die junkerliche Regierungspolitik zu beeinflussen. Aber eine Rückkehr zum offenen Feudalabsolutismus, wie er vor der Revolution bestanden hatte, war nicht mehr möglich.

Die feudale Reaktion bereitete der vollen Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise noch große Schwierigkeiten. Aber den Sieg des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung konnte sie nicht verhindern.

 

Die wesentlichen Ursachen für die Niederlage der Revolution

 

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Es war für die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland schwieriger als für die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795, den Sieg über Fürsten und Adel zu erringen. Frankreich bildete damals bereits einen einheitlichen Staat. In Deutschland dagegen fand die Revolution unter den Bedingungen der Kleinstaaterei statt. Die revolutionären Volksmassen brachten sich in Frankreich nur mit einem König und einer Regierung auseinanderzusetzen. Die deutsche Revolution hatte es mit den Regierungen von 38 Staaten zu tun.

Schuld an der Niederlage der Revolution trug die Bourgeoisie. Statt in ihrer eigenen Revolution die Massen zu führen, wie es ihre Aufgabe war, verriet sie den revolutionären Kampf. Die Angst vor der Arbeiterklasse und den demokratischen Kräften trieb sie zum Bündnis mit den Junkern und Fürsten gegen das Volk. Diese verräterische Politik kostete sie die Errungenschaften, die ihr die Volksmassen am Beginn der Revolution erkämpft hatten. Als die Bourgeoisie im Kampf gegen die Weiterführung der Revolution ihre Schuldigkeit getan hatte, gab ihr die feudale Reaktion den verdienten Fußtritt. So verlor die Bourgeoisie ihre politischen Rechte.

Aus dem demokratischen Kleinbürgertum waren viele verdiente Revolutionäre gekommen. Aber als politisch wenig einheitliche und ökonomisch schwache Klasse war das deutsche Kleinbürgertum nicht in der Lage, selbstständig die Revolution zu Ende zu führen. In entscheidenden Augenblicken schwankten die kleinbürgerlichen Führer und zögerten, zusammen mit den Arbeitern die Feinde der Revolution gemeinsam zu bekämpfen.

Die junge deutsche Arbeiterklasse war 1848 noch zu gering an Zahl und zu wenig organisiert. Deshalb konnte sich noch nicht die Führung in der Revolution übernehmen. Aber die Arbeiterklasse brachte in allen Kämpfen die meisten Opfer. Von allen Klassen hatte sich das Proletariat am mutigsten und revolutionärsten gezeigt. Es war am konsequentesten für die Weiterführung der Revolution eingetreten. Das entschiedenste Programm der Revolution wurde von der Vorhut der deutschen Arbeiterklasse, vom Bund der Kommunisten, unter Leitung von Karl Marx und Friedrich Engels, ausgearbeitet. Die Masse der Arbeiterorganisationen stand jedoch noch unter kleinbürgerlichem Einfluss und beschränkte sich auf ökonomische Ziele.

 

 

Die historische Bedeutung der Revolution und ihre Lehren

 

Im 19. Jahrhundert war die Revolution von 1848/49 das größte politische Ereignis in der deutschen Geschichte. Die Volksmassen ganz Deutschlands erhoben sich, um eine bessere Zukunft zu erkämpfen. Sie wollten durch ihre Kraft einen einheitlichen demokratischen Staat schaffen, der ihre Interessen erfüllt.

In der Revolution erwies sich die Unfähigkeit der Bourgeoisie, die Belange der deutschen Nation zu vertreten. Kurzsichtig verfocht sie nur ihre egoistischen Klassenziele. Das veranlasste sie zum Zusammengehen mit den feudalreaktionären Kräften. Die Bourgeoisie zog keine Lehren aus dem Verlauf der Revolution. Es war fernerhin ihre Politik, eher das Bündnis mit den herrschenden feudalen Kräften als mit dem Volk anzustreben.

Karl Marx und Friedrich Engels zogen aus den vielfältigen Erfahrungen der europäischen Revolution von 1848/49 wichtige Lehren für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kommunismus. In verschiedenen Werken stellten sie besonders die neuen Erkenntnisse über den bürgerlichen Staat und seine Rolle als Instrument der herrschenden Klasse in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung dar. Mit der Feststellung, das die politische Machtergreifung des Proletariats die Zerstörung des alten Staatsapparates der Ausbeuterklassen erfordert, entwickelte Karl Marx die Ideen des Kommunistischen Manifests weiter. Marx und Engels formulierten in ihren Werken auch bereits Grundgedanken über das notwendige Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft. Sie legten dar, dass die Bauern nur in der Arbeiterklasse ihren natürlichen Verbündeten und Führer finden.

Während der Revolution sammelten die Arbeiter wertvolle Kampferfahrungen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Die Revolution von 1848, Teil 5

Die Reichsverfassungskämpfe 1849

 

Die Ursachen für die Reichsverfassungskämpfe

 

Die von den Abgeordneten der Paulskirche ausgearbeitete Reichsverfassung war die erste bürgerliche Verfassung Deutschlands. Ihre Verwirklichung wäre ein bedeutender Fortschritt gegenüber den Zuständen vor der Revolution gewesen. Die Bourgeoisie hoffte, dass der preußische König die Verfassung annehmen und helfen werde, sie in ganz Deutschland einzuführen. Die Abgeordneten des Frankfurter Parlaments hatten deshalb den preußischen König zum deutschen Kaiser gewählt. Aber er wies die Krone zurück. Gleichzeitig lehnte er die Reichsverfassung ab und versprach allen Fürsten, die sie gleichfalls ablehnten, militärische Hilfe gegen das Volk. Die Haltung des preußischen Königs machte die Bourgeoise ratlos.

Anfang Mai 1849 erhoben sich in Dresden, im Rheinland, in Baden und in der Pfalz Arbeiter, Handwerksgesellen, Studenten und fortschrittliche Kleinbürger. Es ging ihnen nicht nur um die Einführung der Reichsverfassung. Sie wollten im revolutionären Kampf die Fürsten endgültig besiegen.

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Die Kämpfe in Baden und in der Pfalz

 

Besondere Bedeutung erhielten die Kämpfe in Baden und in der Pfalz. Fast die gesamte badische Armee lief zu den Revolutionären über. Der Großherzog von Baden, seine Minister und reaktionären Offiziere flüchteten aus dem Land. Eine demokratische Regierung übernahm die Verwaltung. Die Volksbewaffnung wurde eingeführt, die Offiziere wurden von den Soldaten gewählt. Aus den Volkswehren, aus den Freiwilligen und aus den zum Volk übergelaufenen badischen und pfälzischen Soldaten entstand eine Revolutionsarmee. Aus ganz Deutschland, Polen, Ungarn, Frankreich und der Schweiz eilten Revolutionäre herbei, um den badischen Aufständischen zu helfen.

Die Lage der Aufständischen war jedoch von Anfang an nicht sehr günstig. Die kleinbürgerlichen Führer der Erhebung unterließen vieles, was zum endgültigen Sieg des Aufstandes notwendig gewesen wäre. So versäumten sie, die revolutionäre Bewegung über Baden und die Pfalz hinaus in die benachbarten deutschen Länder zu tragen.

Es folgte die Auseinandersetzung mit den konterrevolutionären Truppen aus Preußen, die mit Übermacht in die Pfalz und nach Baden einfielen. Den preußischen Konterrevolutionären war es gelungen die revolutionäre Bewegung im Rheinland rasch niederzuschlagen. Die „Neue Rheinische Zeitung“ musste ihr Erscheinen einstellen. Friedrich Engels hatte sich unverzüglich ins süddeutsche Aufstandsgebiet begeben, während Karl Marx nach Paris eilte, um Hilfe zu organisieren.

Vor den Mauern der Festung Raststatt kam es zum letzten großen Kampf. Die Schlacht dauerte zwei Tage. Da umgingen preußische Truppen die Stellungen der Revolutionäre und fielen ihnen in den Rücken. Den Teil der Revolutionsarmee, in dem auch Engels kämpfte, konnte sich in die Schweiz zurückziehen. Der Rest wurde in der Festung Rastatt eingeschlossen. Als nach drei Wochen Munition und Lebensmittel aufgebraucht waren, musste sich die Festung am 23. Juli 1849 ergeben.

Die preußische Reaktion übte an den Wehrlosen grausame Rache. 28. Revolutionäre wurden zum Tode verurteilt. Viele andere wurden in den Festungskellern eingekerkert. Hunger und Krankheit wüteten unter den Gefangenen.

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Gefangene Revolutionäre in den Kasematten von Rastatt.(Zeitgenössische Darstellung)

 

Als die preußische Armee in Südwestdeutschland einfiel, hatten sich die Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung von Frankfurt am Main nach Stuttgart zurückgezogen. Dort wurden sie vom Militär auseinandergetrieben.

In zahlreichen Kämpfen hatten die Volksmassen versucht, die Konterrevolution zurückzuschlagen. Zahlenmäßig schwächer sowie ungenügend organisiert und geführt, mussten Aufständischen der Übermacht des preußischen Militärs unterliegen. Mit dem Fall der Festung Rastatt fand die bürgerlich-demokratische Revolution 1848/49 ihr Ende.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel.

Geschichtsbuch DDR 8

Die Revolution von 1848, Teil 4

Der Vormarsch der Konterrevolution

 

Die Niederschlagung des Pariser Juniaufstandes

 

Der Verlauf der Revolution in ganz Europa wurde von den Vorgängen in Frankreich entscheidend bestimmt. Hier trieb die Bourgeoise mit den Arbeitern ein hinterlistiges Spiel. Dabei ist die Bourgeoise durch den Kampf der Arbeiter an die Macht gekommen. Sie ging zunächst zum Schein auf die Forderungen der Arbeiter nach gesicherten Arbeitsplätzen ein. In Paris wurden die über 100 000 Arbeitslosen vorwiegend mit Erdarbeiten beschäftigt. Dann schuf sich die Regierung eine aus Strolchen zusammengesetzte Polizeitruppe, welche ihren Interessen diente. Nun fühlte sich die Bourgeoise stark genug, um die Ausgaben für die Arbeiter loszuwerden. Die Erdarbeiten wurden beendet und die Arbeiter ohne jede Unterstützung auf die Straße gesetzt.

Auf diese Herausforderung antworteten 40 000 Pariser Arbeiter am 23. Juni 1848 mit dem bewaffneten Aufstand. Drei Tage lang tobte in den Arbeitervierteln der französischen Hauptstadt eine erbitterte Schlacht. Ohne Führung und ungenügend bewaffnet unterlagen sie der 150 000 Mann starken bewaffneten Macht der Bourgeoisie. Die Konterrevolution richtete unter den Aufständischen ein furchtbares Blutbad an. Nur 500 Arbeiter waren im Kampf gefallen. 10 000 wurden nach dem Sieg der Bourgeoisie ermordet und 3 500 verbannt.

Der Pariser Juniaufstand war die erste große bewaffnete Klassenschlacht zwischen Arbeitern und der Bourgeoisie. Die Niederlage der Arbeiter gab in ganz Europa den Feinden der Revolution Auftrieb. Adel und Fürsten schöpften wieder Hoffnung und trafen Vorbereitungen, um ihre Macht zurückzugewinnen.

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Die Niederschlagung der nationalen Befreiungskämpfe der Polen, Tschechen, Italiener und Ungarn

 

Schon vor der Pariser Junischlacht, im April und Mai 1848, war der Aufstand in Polen blutig niedergeschlagen worden. Dies war das Werk der bürgerlichen Regierung Camphausen/Hansemann in Preußen. Diese hatte die königlich-preußischen Truppen rücksichtslos gegen die Befreiungskämpfer eingesetzt.

Mitte Juni 1848 warfen die Soldaten des österreichischen Kaisers eine Erhebung der tschechischen Arbeiter und Studenten in Prag nieder, indem sie die Stadt mit Artillerie beschossen.

Auch in Italien ging zur gleichen Zeit die österreichische Armee zum Kampf gegen die Befreiungsarmee über. Nach mehreren Schlachten und Gefechten gelang es ihr, Norditalien wieder für die Habsburger Monarchie zurückzuerobern.

Einen anderen Verlauf nahm die österreichische Offensive gegen die revolutionäre Bewegung der Ungarn. Als die österreichische Armee im September 1848 in Ungarn einfiel, holte sie sich blutige Köpfe und musste nach schweren Niederlagen fast das gesamte Land wieder räumen. Ungarn erklärte sich im April 1849 zur Republik. An der Spitze der revolutionären Regierung stand Lajos Kossuth. Der österreichische Kaiser ersuchte den russischen Zaren um Hilfe und erbat Unterstützung gegen die Revolution in Ungarn. Im Mai 1849 rückte daraufhin eine zaristische Armee von 80 000 Man in Ungarn ein. Zusammen mit den österreichischen Truppen warfen sie die revolutionäre Erhebung nieder. Kossuth musste fliehen. Die Sieger brannten ungarische Dörfer nieder, folterten die Freiheitskämpfer und ermordeten viele von ihnen.

 

Die Niederschlagung des Oktoberaufstandes in Wien

 

Ermutigt durch die Niederschlagung des Pariser Juniaufstandes begann die adlige Konterrevolution ihren Angriff in Wien.

Hier war es am 06. Oktober 1848 zu einem Aufstand der Arbeiter und Studenten gekommen. Sie verhinderten damit, dass weitere österreichische Truppen zum Kampf gegen das revolutionäre Ungarn ziehen konnten. Überall in der Stadt wurden Barrikaden errichtet. Am 23. Oktober war die Stadt von kaiserlichen Truppen eingeschlossen. Da die in Wien verbliebene Bourgeoise und die Kleinbürger feige oder unentschlossen waren, mussten die Arbeiter und Studenten den Kampf gegen die 100 000 Mann starke konterrevolutionäre Armee alleine führen. Nach einer erbitterten Schlacht, die acht Tage dauerte, erlagen die Arbeiter und Studenten der Übermacht.

 

Der Sieg der Konterrevolution in Preußen im November 1848

 

Die Nachricht vom Fall Wiens ermunterte auch den preußischen König und die Junker, entscheidende Schritte zur Rückgewinnung ihrer politischen Alleinherrschaft zu unternehmen.

Die bürgerliche Regierung war schon früher vom König entlassen worden. Anfang November 1848 berief der König ein Ministerium, das nur aus reaktionären Adligen zusammengesetzt war. Die Konterrevolution ging gleichzeitig gegen die preußische Abgeordnetenversammlung vor, die bisher noch die Rechte des Volkes zu wahren versucht hatte. Der König befahl den Abgeordneten, Berlin zu verlassen. Als ein Teil von ihnen sich weigerte, ließ der König 20 000 Soldaten unter General Wrangel in Berlin einmarschieren und verhängte über die Stadt den Belagerungszustand.

Demokratische Zeitungen und Vereine wurden verboten.

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Die Bourgeoise leistete keinen Widerstand. Sie ließ ihre von der Konterrevolution verfolgten Abgeordneten im Stich. Die Bürgerwehr lieferte ihre Waffen ab und ließ sich auflösen. Allein die Arbeiter wollten kämpfen. Ihr Angebot wurde jedoch von meist kleinbürgerlichen Abgeordneten, die den Mut verloren hatten, nicht angenommen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Die Revolution von 1848, Teil 1

Die Krise des Jahres 1847

 

In den Staaten des Deutschen Bundes entstand im Jahre 1847 eine revolutionäre Situation. Es war Wirtschaftskrise. Diese ist zuerst in England und den USA ausgebrochen. Die Kapitalisten versuchten, die Lasten der Krise auf die Arbeiter abzuwälzen. Viele Arbeiter wurden entlassen, anderen der ohnehin knappe Lohn noch mehr herabgesetzt.

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Zugleich wuchsen seit 1845 Not und Elend der arbeitenden Menschen durch schlechte Getreide- und Kartoffelernten. Die Händler nutzten die Lage aus, um die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben. In einigen Gegenden Deutschlands wütete der Hungertyphus. Gegen die wucherischen Preissteigerungen kam es in vielen Städten zu Tumulten und Unruhen.

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Hungerrevolte 1847

Der Wirtschaftskrise und den Hungerunruhen standen die feudalen Regierungen hilflos gegenüber. Sie waren nicht mehr in der Lage, aus der entstanden revolutionären Situation einen Ausweg zu finden.

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Der Beginn der revolutionären Kämpfe im Frühjahr 1848

 

Der Sieg der Februarrevolution in Frankreich

Auch in Frankreich hatte sich im Frühjahr 1848 eine revolutionäre Situation entwickelt.

Die Regierung des seit 1830 herrschenden Königs Louis Philippe war im Volke tief verhasst. Ihre Politik lag nur im Interesse der Bankkapitalisten. Diese bereicherten sich schamlos. Die Industriekapitalisten, Handwerker, Bauern und Arbeiter waren ohne politischen Einfluss. Sie besaßen nicht einmal das Wahlrecht.

Als die Regierung eine Kundgebung, in der die Erweiterung des Wahlrechts gefordert werden sollte, am 22. Februar 1848 verbot, zogen Arbeiter, Handwerker und Studenten dennoch auf die Straße. Sie forderten den Rücktritt der Regierung und politische Reformen. Als die Truppen des Königs auf die Demonstranten schossen, entbrannten blutige Barrikadenkämpfe. Schließlich stürmten Arbeiter und Studenten den Königspalst und zwangen König Louis Philippe zur Flucht.

In der Februarrevolution hatten die Pariser Arbeiter durch ihren mutigen Einsatz die Republik erkämpft. Am 25. Februar 1848 wurde eine bürgerliche provisorische Regierung eingesetzt, der aber nur ein Arbeiter angehörte. Die meisten Minister waren Vertreter der Industriebourgeoisie.

 

Der Sturz des Metternich-Regimes

 

Eine der reaktionärsten Feudalstaaten in Europa war das Habsburger Kaiserreich unter der Regierung des Fürsten Metternich.

Das Bürgertum besaß noch weit weniger Bewegungsfreiheit als in Frankreich oder Preußen. Es bestanden noch nicht mehr zeitgemäße Zunftgesetze. Fabriken und Eisenbahnlinien durften nur in beschränkter Anzahl gebaut werden. Hohe Zölle unterbanden den Handel mit anderen Ländern. Die kapitalistische Entwicklung wurde dadurch stark beeinträchtigt.

Als die Nachricht vom Ausbruch der Februarrevolution in Wien eintraf, stellte die Bevölkerung dem Kaiser Forderungen:

  • Verfassung
  • Volksbewaffnung
  • Absetzung Metternichs

 

Auch hier löste der Einsatz von Militär gegen die Demonstranten Straßenkämpfe aus. Arbeiter und Studenten trugen dabei den Hauptanteil an den bewaffneten Kämpfen. Am Abend des 13. März 1848 war das Volk Sieger. Metternich floh verkleidet nach England. Sein Regime brach zusammen. Der Kaiser und die verbliebenen Minister sahen sich gezwungen, eine Verfassung zu versprechen und die Volksbewaffnung durchzuführen.

 

Die nationalen Erhebungen der Italiener, Ungarn, Tschechen und Polen

 

Das Habsburger Reich war ein wahres Völkergefängnis. Der Feudaladel hielt mit Polizei und Militär die Italiener, Ungarn , Tschechen und Polen und andere Völker nieder, die sich von den feudalen Fesseln und nationaler Unterdrückung befreien wollten. Ermutigt von der französischen Februarrevolution und dem Aufstand in Wien brachen in vielen Teilen des Habsburger Reichs revolutionäre Erhebungen aus.

Im Norden Italiens erhob sich das Volk gegen die österreichische Fremdherrschaft. Nach einem fünftägigen Barrikadenkampf zwang die Bevölkerung Mailands am 22. März 1848 die österreichischen Truppen zum Abzug. In Venedig wurde die Republik ausgerufen und eine provisorische Regierung aus Vertretern des Bürgertums geschaffen.

In Ungarn lag die revolutionäre und nationale Bewegung in den Händen des kleinen und mittleren Adels. Ihr Führer war der Rechtsanwalt Lajos Kossuth. Unter seinem Einfluss unternahm die ungarische Regierung Schritte zur Herstellung der Unabhängigkeit des Landes. Er verkündete bürgerliche Reformen, hob Frondienste und feudale Abgaben der Bauern auf, bildete eine nationale ungarische Regierung und entzog das Heer der Ungarn dem Oberbefehl des österreichischen Kaisers.

In Böhmen gerieten das tschechische Bürger- und Kleinbürgertum und Bauern in Bewegung. Sie erkämpften sich Presse- und Versammlungsfreiheit. Sie traten für die Erlangung nationaler Rechte und die Abschaffung der Feudallasten ein.

In Polen brach die revolutionäre Erhebung vor allem in den Landesteilen aus, die sich Preußen während der Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts angeeignet hatte. Hier waren an den Erhebungen vor allem Bauern und der Kleinadel beteiligt. Die Aufständischen verhandelten mit dem preußischen König um die Gewährung nationaler Unabhängigkeit. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde gelichzeitig ein polnisches Heer aufgestellt.

 

Die revolutionäre Bewegung in Süd- und Südwestdeutschland

 

Angeregt von den Ereignissen in Frankreich fanden Ende Februar und Anfang März 1848 in Süd- und Südwestdeutschland, vor allem in Mannheim, Stuttgart, Mainz, Hanau und München große Volksversammlungen statt. Arbeiter, Handwerker, Studenten, Kaufleute und Fabrikanten verlangten von den Fürsten

  • Volksbewaffnung
  • Pressefreiheit
  • Die Einberufung eines deutschen Parlaments
  • Reformen im Gerichtswesen

 

Die revolutionäre Welle griff auch auf die Landbevölkerung über. In Baden, Württemberg, Bayern und Hessen erhoben sich die Bauern gegen den Adel.

Sie zogen vor die Herrensitze und forderten die Abschaffung aller Frondienste und Abgaben. Wo ihnen Widerstand geleistet wurde, stürmten sie Schlösser, verbrannten Zinsbücher und erklärten die Feudalrechte für aufgehoben.

Voller Angst um ihre Throne gaben die Fürsten dem Druck der Volksmassen nach. Sie entließen besonders verhasste adlige Minister und beriefen Vertreter des Bürgertums in die Regierungen. So entstanden die Märzministerien. Zugleich wurde die Presse- und Versammlungsfreiheit verkündet. Die Bourgeoisie durfte bewaffnete Abteilungen – Bürgerwehren – bilden. Mit diesen Ergebnissen war die Bourgeoisie der süd- und südwestdeutschen Staaten bereits zufrieden, obwohl Fürsten und Adel noch immer die wichtigsten Machtstellungen besaßen, die Armeen kommandierten und die Verwaltungen beherrschten.

 

Die Märzkämpfe in Berlin

Der 18. März 1848

 

Auch Preußen wurde von der revolutionären Bewegung erfasst. Die Nachrichten über die Wiener Revolution und die revolutionären Bewegungen in Süd- und Südwestdeutschland rüttelten das Volk auf. Die Arbeiter erhoben unüberhörbar Forderungen nach einem menschenwürdigerem Leben. Als immer mehr Volksversammlungen stattfanden und die Diskussionen auf Straßen, Plätzen und Wirtshäusern immer heftiger wurden, traf die Regierung militärische Vorbereitungen. Sie ließ Kanonen an verschiedenen Stellen der Stadt auffahren und gab Kavallerieabteilungen den Befehl, die Straßen mit Gewalt zu räumen, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Infolge des brutalen Einschreiten des Militärs hatte es in Berlin bis zum 16. März schon 20 Tote gegeben. Daher bestand die Bevölkerung auf den unbedingten Abzug der Truppen aus der Stadt. Unter dieser Hauptlosung fand am 18. März vor dem Berliner Schloss eine Massendemonstration statt.

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Infanterie und Kavallerie standen in der Nähe des Platzes in Bereitschaft. Gegen 14 Uhr erschien der König auf dem Balkon des Schlosses. Vieltausendstimmig schallte dem König der Ruf entgegen: „Fort mit dem Militär“. Der König gab den Truppen den Befehl, den Schlossplatz zu räumen. Als zwei Schüsse fielen, brach die Erhebung los. Mit dem Ruf: „Verrat, Verrat! Zu den Waffen! Auf die Barrikaden!“ begann die große Berliner Barrikadenschlacht vom 18. März. Während sich die Bourgeoisie feige zurückzog, handelten Arbeiter, Handwerksgesellen und Studenten. Rasch errichteten sie in der gesamten Innenstadt zahlreiche Barrikaden.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Bearbeitet von Petra Reichel

 

Geschichtsbuch DDR 8

Die historische Hauptaufgabe der Revolution von 1848/49 in Deutschland

Die Ursachen der Revolution und die Klassengegensätze vor 1848

 

Ursache für die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland war der Widerspruch zwischen der Kapitalistischen Entwicklung und der politischen Herrschaft des Adels und der Fürsten.

Mit dem Einsetzen der industriellen Revolution(Entwicklung zur Massenproduktion in der Fabrik)und der Bildung des deutschen Zollvereins 1834 hatte sich das kapitalistische Wirtschaftsleben immer stärker entwickelt. Es waren neue Manufakturen und Fabriken entstanden. Der Eisenbahnbau hatte günstige Verkehrsverhältnisse geschaffen. Damit entfaltete sich die ökonomische Kraft der Bourgeoisie. Auch die Arbeiterklasse war zahlenmäßig und politisch gewachsen.

Dem vollen Sieg des Kapitalismus standen jedoch viele Hindernisse im Wege. Eines davon waren unterschiedliche Münzen, Maße und Gewichte. Alle diese Hindernisse hatten ihre Ursache in der unbeschränkten politischen Macht der Feudalklasse und der Zersplitterung Deutschlands.

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Wie vor allen bisherigen bürgerlichen Revolutionen bestand auch in Deutschland der gesellschaftliche Hauptwiderspruch zwischen dem historisch überlebten Adel und der ökonomisch erstarkten Bourgeoisie. Als Träger einer neuen Ordnung wünschten die Kapitalisten einen Anteil an der politischen Macht, um ihre Interessen in Staat und Gesellschaft durchzusetzen.

Der Weberaufstand von 1844 hatte gezeigt, dass durch die kapitalistische Entwicklung in Deutschland auch bereits der Gegensatz zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat entstanden war.

Daneben gab es gegensätzliche Interessen zwischen Adel und Bauern. Sie beruhte darauf, dass der größte Teil der Bauern den Großgrundbesitzern noch durch Abgaben, Dienste und die Zahlung von Ablösegeldern verpflichtet war.

Neben diesen wesentlichen Klassengegensätzen bestand ein Gegensatz zwischen den herrschenden Klassen in Preußen und Österreich und den von ihnen unterdrückten Völkern der Polen, Tschechen, Ungarn und Italiener.

Durch die Vielzahl der gesellschaftlichen Widersprüche in Deutschland wurde der Klassenkampf besonders kompliziert. Aber nur durch den gemeinsamen Kampf der Bourgeoisie, der Bauern, des Kleinbürgertums und des Proletariats gegen den Feudaladel konnte die bürgerlich-demokratische Revolution siegen. Die Führung musste dabei die Bourgeoisie übernehmen, denn sie war Träger der fortschrittlichen kapitalistischen Produktionsweise und die stärkste antifeudale Klasse.

 

Die historische Aufgabe der Revolution

 

Hauptaufgabe der Revolution war die endgültige Durchsetzung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung gegen die feudalen Kräfte. Das verlangte vor allem die ökonomische und politische Entmachtung des Feudaladels und die nationale Einigung Deutschlands auf bürgerlich-demokratischer Grundlage.

Das klarste und konsequenteste Programm zur Lösung dieser Aufgabe besaß der Bund der Kommunisten unter der Führung von Karl Marx und Friedrich Engels. Ihre 17 „Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland“ enthielten alle wesentlichen Ziele der Revolution, die sie erreichen musste.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Beginn des I. Weltkrieges

Durch die ungleichmäßige Entwicklung der kapitalistischen Staaten hatten sich die Gegensätze verschärft. Die imperialistischen Großmächte drängten auf die Neuaufteilung der Welt.

Am 28. Juni 1914 verübten serbische Nationalisten in Sarajevo ein Attentat auf den österreichischen Thronfolger. Das war der Vorwand für die deutschen Kriegstreiber, dieses Ereignis als Anlass für den 1. Weltkrieg zu benutzen.

Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn an Serbien den Krieg. Jetzt wurden die Kriegsbündnisse wirksam. Am 1. August erklärte die deutsche Regierung Russland und am 3. August Frankreich den Krieg. In den nächsten Jahren wurden viele andere Völker in den Krieg getrieben.

Schließlich befanden sich 38 Staaten im Kriegszustand. Der erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918.

Die Imperialisten aller Länder heuchelten vor ihren Völker, sie müssten das eigene Land vor den Angreifern verteidigen. In Wirklichkeit ging es um die Interessen der herrschenden Klassen ihre imperialistischen Ziele mit Hilfe dieses Krieges zu verwirklichen.

In der alten BRD lernte man in Geschichte, dass Deutschland bei der Aufteilung der Kolonien zu spät gekommen wäre. Vermutlich wird so ein Unsinn auch heute, nun in ganz Deutschland, im Fach Geschichte gelehrt. DIE TROMMLER orientiert sich nun an einem alten Geschichtsbuch aus der DDR, um eine andere Sichtweise zu vermitteln.

Kriegsziele erster Weltkrieg

Kriegsziele einiger imperialistischer Staaten

(weitere Ausführungen siehe Auszug aus dem Geschichtsbuch der DDR(PDF-Dokument im Anschluss diesen Beitrages)

Kriegsziele 1. Weltkrieg Deutschland Teil 1

Kriegsziele 1. Weltkrieg Deutschland Teil 2

Diese Kriegsziele, an deren Grundsätzen die deutsche Regierung während des Krieges festhielt, wurden lange vor dem Volk geheim gehalten.

Annexionsziele in Europa 1. Weltkrieg Deutschland

Annexionsziele Deutschlands im I. Weltkrieg in Europa

 

Kriegsziel I. Weltkrieg seitens Deutschlands:

Kriegsziel 1. Weltkrieg Gründung mitteleuropäischer Wirtschaftsverband

Kriegsziel erster Weltkrieg seitens Deutschland: Die Gründung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes unter deutscher Führung.

Nun ja, heute haben wir die EU, die diese Funktion erfüllt. Hat sich im Nachgang doch das damalige deutsche Kriegsziel verwirklicht.

 

Die Volksmassen wollten keinen Krieg. Am 26. Juli 1914 leiteten in Deutschland die klassenbewussten Arbeiter Leipzigs mit einer großen Antikriegskundgebung eine Kette von Protestveranstaltungen ein. (weitere Ausführungen siehe Auszug aus dem Geschichtsbuch der DDR(PDF-Datei).

Entgegen dem Friedenswillen großer Teile des deutschen Volkes versuchte die opportunistische Führung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften die Volksmassen irre zu führen. Um das Vertrauen der Mitglieder nicht zu verlieren, ging der sozialdemokratische Parteivorstand dem Schein nach auf die Antikriegsstimmung ein. Er empfahl den Arbeitern am 25. Juli, ihren Friedenswillen in Massenversammlungen zu bekunden.

Gleichzeitig verhandelten die sozialdemokratischen Führer heimlich mit der Reichsregierung. Sie versicherten den Herrschenden, dass die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften nichts gegen den Krieg unternehmen würden.

Als die deutsche Regierung an Russland und Frankreich den Krieg erklärte, gingen die rechten Parteiführer offen in das Lager des Imperialismus über. Da Deutschland sich jetzt verteidigen müsse, so erklärten sie, sei der Klassenkampf abzubrechen. Auch die Arbeiter müssten jetzt ihr „Vaterland“ verteidigen.

So schloss die rechte sozialdemokratische Parteiführung Burgfrieden mit dem Todfeind der Arbeiterklasse, dem deutschen Imperialismus.

Am 04. August wurde der Reichstag einberufen. Die Abgeordneten sollten der Regierung die Kriegskredite bewilligen. Vor der Sitzung des Reichstages berieten die Mitglieder des Reichstages in den Fraktionen über den Antrag der Regierung. Die meisten der 110 sozialdemokratischen Abgeordneten waren Opportunisten. Nur 14 von ihnen – darunter Karl Liebknecht– forderten in der Fraktionssitzung die Ablehnung der Kriegskredite. Dem Willen der Mehrheit der sozialdemokratischen Abgeordneten entsprechend(Fraktionszwang, dass kennen wir ja heute noch), stimmte die Fraktion in der Reichstagssitzung geschlossen für die Kriegskredite.

In der Mehrheit aller Parteien der II. Internationale (Zusammenschluss sozialdemokratischer Parteien), besaßen die Opportunisten die Oberhand. In England und Österreich-Ungarn fassten sie ähnliche Beschlüsse, wie in Deutschland. In Russland reifen die Menschewiki(russische Sozialdemokraten) die Arbeiter auf, die Kriegspolitik des Zarismus zu unterstützen. In Deutschland, Frankreich und Belgien traten einige opportunistische Arbeiterführer während des Krieges sogar als Minister oder hohe Beamte in die imperialistischen Regierungen und Verwaltungen ein. So unterstützten sie die Kriegspolitik der herrschenden Klassen ihrer Länder und zerschnitten das brüderliche Band zwischen den Parteien der II. Internationale und sprengten die Einheit der internationalen Arbeiterklasse.

Am 2. Dezember sollte der Reichstag weitere Kriegskredite bewilligen. In der sozialdemokratischen Fraktion hielten zwar einige Abgeordnete Liebknechts Forderung, die Gelder zu verweigern, für richtig. Aber sie beugten sich wieder dem Fraktionszwang. Karl Liebknecht jedoch stimmte gegen die neuen Kriegskredite.

Karl Liebknecht

Die Kunde von seiner mutigen Tat drang bis in die Schützengräben. Sein „Nein“ rüttelte die Welt auf. Um Karl Liebknecht mundtot zu machen, wurde er als Soldat eingezogen und nur zu den Reichstagssitzungen beurlaubt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

 

Link zum Quelltext, bzw. zu den näheren Erläuterungen:

Beginn 1.Weltkrieg

 

Erich Honecker

Erich Honecker wurde am 25. August 1912 in Neunkirchen(heutiges Bundesland Saarland) geboren und ist am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile gestorben.

Erich Honecker

Erich Honecker (1976)

 

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Von Bundesarchiv, Bild 183-R1220-401 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Sein Vater Wilhelm Honecker (1881-1969) war Bergarbeiter und heiratete 1905 Caroline Catharina Weidenhof(1883-1963). Zusammen hatten sie sechs Kinder. Von Neunkirchen(Saar) zog die Familie nach Wiebelskirchen(heute Stadtteil von Neunkirchen).

Elternhaus Erich Honeckers

Erich Honeckers Elternhaus(Neunkirchen, Kuchenbergstraße)

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Von EPei aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

Nach seinem zehnten Geburtstag, im Sommer 1922, wurde Erich Honecker Mitglied der Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen, mit 14 trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland(KJVD) bei, mit 17 auch der KPD. Im KJVD wurde er 1928 zum Ortsgruppenleiter gewählt.

Da Erich Honecker nach seiner Schulzeit nicht gleich eine Lehrstelle fand, arbeitete er zunächst zwei Jahre bei einem Bauern in Pommern. 1928 kehrte er nach Wiebelskirchen zurück und begann bei seinem Onkel eine Lehre als Dachdecker. Vom KJVD wurde er zum Studium an die Internationale Lenin-Schule der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau delegiert. Dieser Schulbesuch fand in den Jahren1930/1931 statt.

1930 trat Erich Honecker der KPD bei. Sein politischer Ziehvater war Otto Niebergall, der später für die KPD im Bundestag saß.

Nach Rückkehr von der Internationalen Lenin-Schule in Moskau, wurde Erich Honecker Bezirksleiter des KJVD Saargebiet.

Ab 1933 war die Arbeit der KPD nur noch im Untergrund möglich. Das Saargebiet gehörte nicht zum Deutschen Reich. Nachdem Erich Honecker kurz in Deutschland inhaftiert war, kehrte er 1934 ins Saargebiet zurück. Dort arbeitete er in der Initiative gegen die Wiederangliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich. In dieser Zeit arbeitete Honecker mit Herbert Werner zusammen, welcher später zur SPD wechselte. Bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 stimmten jedoch 90,73 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Angliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich. (Nazi-Kampagne „Heim ins Reich“) Erich Honecker floh, wie viele Andere auch, zunächst nach Frankreich.

Am 28. August 1935 reiste Honecker illegal nach Berlin und war wieder im Widerstand tätig. Im Dezember 1935 wurde er von der Gestapo(Nazi-Geheimdienst) verhaftet und zunächst bis 1937 in Berlin in Untersuchungshaft genommen. Im Juni 1937 wurde Honecker zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er saß im Zuchthaus Brandenburg-Görden ein.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Erich Honecker von Hans Mahle in die Gruppe Ulbricht aufgenommen. Hans Mahle war Gründungsmitglied des NKFD und nach 1945 für den Aufbau der DDR Rundfunks verantwortlich.

1946 war Erich Honecker Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend(FDJ) und wurde ihr Vorsitzender.

Seit dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD im April 1946 war
war Honecker Mitglied der SED.

Als FDJ-Vorsitzender organisierte er die drei Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin ab 1950 und wurde einen Monat nach dem erstenDeutschlandtreffen der Jugend als Kandidat ins Politbüro des ZK(Zentralkomitee) der SED aufgenommen.

Zittau, Jugend-Dreiländertreffen, Erich Honecker

Honecker 1950 auf dem Dreiländertreffen der Jugend in Zittau

 

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Von Bundesarchiv, Bild 183-08583-0017 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

In den innerparteilichen Auseinandersetzungen um die Ereignisse des 17. Juni 1953 stand Erich Honecker auf der Seite von Walter Ulbricht.

Am 27. Mai 1955 gab er denFDJ-Vorsitz ab. Von 1955 bis 1957 hielt er sich zu Schulungszwecken in Moskau auf und erlebte den XX. Parteitag der KPdSU(Kommunistische Partei der Sowjetunion) mit der sogenannten Geheimrede Chruschtschows, wo sich von Stalin distanziert wurde. Das war der Beginn des inneren Aufweichens des Sozialismus.

Nach seiner Rückkehr wurde Honecker 1958 vollwertiges Mitglied des Politbüros, wo er die Verantwortung für Militär- und Sicherheitsfragen übernahm.

Als Sicherheitssekretär des ZK der SED war Honecker August 1961 der maßgebliche Organisator für die Errichtung des Antifaschistischen Schutzwalls.

Auf Betreiben der sowjetischen Führung musste Walter Ulbricht zurücktreten. Erich Honecker wurde am 03. Mai 1971 sein Nachfolger als Erster Sekretär(ab 1976 Generalsekretär) des Zentralkomitees der SED. 1971 wurde Honecker auch Ulbrichts Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrats. Am 29. Oktober 1976 wählte die Volkskammer
Erich Honecker zum Vorsitzenden des Staatsrates. Willi Stoph, der seit 1973 dieses Amt inne gehabt hatte, wurde erneut, wie vor 1973, Vorsitzender des Ministerrates.

30 Jahre MfS, Erich Honecker, Erich Mielke

Erich Honecker beglückwünscht Erich Mielke zum 30. Jahrestag der Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit

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Von Bundesarchiv, Bild Y 10-0097-91 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Während der Amtszeit von Erich Honecker erlangte die DDR weltweit Anerkennung und wurde Mitglied der UNO. Es war aber auch die Zeit der sozialdemokratischen „Entspannungspolitik“. Diese war die indirekte Strategie, um den Sozialismus von innen aufzuweichen und der erste Schritt zum Untergang der DDR.

Honeckers engster Mitarbeiter war Joachim Hermann. Dieser war für die Medienarbeit der Partei zuständig. Die Medienarbeit war fehlerhaft und ungeschickt und kam bei der Bevölkerung nicht an. Es wurde nur Positives berichtet und das auch noch im langweiligen Stil. So wandte sich die Bevölkerung den West-Medien zu und glaubte alles, ohne zu hinterfragen, was dort verbreitet wurde.

Honecker mit Breschnew

Erich Honecker(links) mit Leonid Breschnew

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Berlin, 70. Geburtstag Erich Honecker

Bischof Werner Krusche gratuliert Honecker zum 70. Geburtstag (1982)

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Von Bundesarchiv, Bild 183-1982-0825-113 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

1981 empfing Erich Honecker den Bundeskanzler der BRD, Helmut Schmidt im Jagdschloss Hubertusstock am Werbellinsee.

Am 07. Oktober 1987 besuchte Erich Honecker die BRD und wurde von Bundeskanzler Helmut Kohl empfangen. Dieser Besuch war bereits 1983 geplant, kam aber erst 1987 zustande.

Wiebelskirchen, Besuch Erich Honecker

DDR-Staatsratsvorsitzender Honecker 1987 beim Besuch seines Geburtsorts im Saarland (rechts neben ihm Oberbürgermeister Peter Neuber)

 

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Von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0910-052 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

1988 war Erich Honecker unter Anderem auf Staatsbesuch in Paris. Geplant war auch ein offizieller Besuch in den USA. Dieses Ziel wurde nicht mehr erreicht.

Auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Vertrages am 7. und 08. Juli 1989 in Bukarest, im Rahmen des „Politisch-Beratenden Ausschusses“ der RGW(Wirtschaftsgemeinschaft der damaligen sozialistischen Staaten)-Staaten des Warschauer Vertrages, gab die Sowjetunion offiziell die Breschnew-Doktrin auf. Stattdessen verkündete sie die „Freiheit der Wahl“:Die Beziehungen untereinander sollten künftig, wie es im Bukarester Abschlussdokument heißt, „auf der Grundlage der Gleichheit, Unabhängigkeit und des Rechtes eines jeden Einzelnen, selbstständig seine eigene politische Linie, Strategie und Taktik ohne Einmischung von außen auszuarbeiten“ entwickelt werden. Die sowjetische Bestandsgarantie für die Mitgliedsstaaten war damit in Frage gestellt.

Honecker musste seine Teilnahme an dem Treffen abbrechen. Am Abend des 07. Juli 1989 wurde er mit schweren Gallenkoliken ins rumänische Regierungskrankenhaus eingeliefert und dann nach Berlin ausgeflogen.

Auf Grund seiner Krankheit war Erich Honecker bis September 1989 nicht im Amt. Lediglich im August 1989 nahm er einige Termine wahr. Die Geschäfte führte das Politbüro. Informationen gelangten nur über Günter Mittag und Joachim Hermann zu Honecker.

In den Städten der DDR wuchsen die konterrevolutionären Demonstrationen. Viele Bürgerinnen und Bürger der DDR kehrten ihrem Staat den Rücken und verließen die DDR illegal über andere (noch) sozialistische Länder. So wurden auch Reisen in diese Länder eingeschränkt. Diese Maßnahmen heizten allerdings die konterrevolutionäre Stimmung an.

Die Beziehung zwischen Honecker und Gorbatschow war gespannt. Honecker hatte Gorbatschow durchschaut und erkannt, dass Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika in den Untergang führen musste. So wurden in der DDR keine Publikationen mehr zu Glasnost und Perestroika veröffentlicht, bzw. nicht mehr in den Handel gebracht.

Als am 06. und 07. Oktober (07. Oktober=Gründungstag der DDR) die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR stattfanden, riefen Einige dem anwesenden Michail Gorbatschow „Gorbi, Gorbi hilf uns“ zu. Heute sieht man auf Bildern und in Filmen, dass Gorbatschow bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR, die man im Nachgang als Abschiedsfeierlichkeiten sehen kann, desinteressiert war.

Von Juli bis 1. Oktober 1989 nahm Honecker aus Krankheitsgründen nicht mehr an den Politbürositzungen teil. Die nächste fand am 17. Oktober statt. Auf der hatte Willi Stoph die Abberufung Erich Honeckers beantragt, die mehrheitlich von den Sitzungsteilnehmern bestätigt wurde. Honecker selbst war von dieser Entscheidung überrascht. So, wie es sich darstellt, war es ein Komplott seiner jahrelangen Gefolgsleute. Da die Konterrevolution in der DDR weiterhin marschierte, erklärte er schon am 18. Oktober auf dem 9. Plenum des ZK der SED seinen Rücktritt als Generalsekretär, als Vorsitzender des Staatsrates der DDR und als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates. Als seinen Nachfolger schlug er Egon Krenz vor.

Nach der konterrevolutionären Großdemonstration am 04. November 1989 und dem Fall des Antifaschistischen Schutzwalls am 09. November 1989 begann die Treibjagd auf Erich Honecker.

Nach dem 10. Plenum am 8. November leitete der Genosse Hans Jürgen Joseph, Staatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft der Noch-DDR ein Ermittlungsverfahren gegen Erich Honecker wegen Amtsmissbrauch und Korruption ein. Aber es ging weiter. Am 23. November 1989 strengte die Zentrale Parteikontrollkommission der SED ein Parteiverfahren gegen ihn an. Auf dem letzten Plenum des ZK der SED am 3. Dezember 1989 wurde er aus der SED, die er seit 1971 geleitet hatte, hinausgeworfen.

Kurios. Nun ermittelte ein SED-Genosse gegen den schwer erkrankten, quasi am Boden liegenden, vom Tode gezeichneten Genossen wegen Hochverrats, was heißen soll, Honecker habe sich des schweren Staatsverbrechens schuldig gemacht. Anfang Januar 1990 ereilte das Ehepaar Honecker die schockierende Nachricht, Erich habe Nierenkrebs. Der sofort herbei gerufene Urologe der Charité Prof. Dr. Peter Althaus nahm ihn nach guter DDR-Sitte in seine Obhut und begleitete ihn in die Charité, wo er am 10. Januar den bösartigen Tumor aus der rechten Niere entfernte. Die rechte Niere, so erklärte mir Prof. Althaus, musste aus medizinischer Indikation belassen werden.

Am 28. Januar 1990 erschienen an Honeckers Krankenbett zwei DDR-Staatsanwälte, die Herren Kessler und Gaunitz, und erklärten ihn im Krankenzimmer für vorläufig festgenommen, obwohl Prof. Althaus den frisch operierten Patienten für haftunfähig erklärt hatte. Doch keinen der beiden Herren interessierte dieser Tatbestand. Schon am folgenden Tag wurde der von Krankheit und Operation schwer gezeichnete Erich Honecker mit Polizeigefolge und großem Medienrummel ins Gefängnis Berlin-Rummelsburg verfrachtet. Dort traf er auf den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Lothar Reuter, einen Genossen und kommunistischen Strafrechtsexperten. Der Vorwurf Reuters lautete auf Hochverrat. Dagegen verwahrte sich Honecker energisch und verlangte seine Freilassung und nach seinen Anwälten. Zum zweiten Mal in seinem Leben war er politischer Häftling. Hierzu schrieb der SPIEGEL am 1.2.1990: „Hier soll einer fertig gemacht werden.“ Nach einem Tag Gefängnis in Rummelsburg musste Honecker Ende Januar wegen Haftunfähigkeit entlassen werden. Damit stellte sich die frage: Wohin? Die neu zusammengewürfelte Partei SED/PDS hatte nichts unternommen, dem Ehepaar Honecker ein halbwegs würdiges Obdach zu gewähren. Man hatte es sogar bewusst unterlassen. Das Ehepaar Honecker wurde praktisch obdachlos.

Ausgerechnet ein Christ, der Pfarrer Uwe Holmer aus Lobetal bei Berlin, gewährte ihnen eine Bleibe gemäß Matthäusevangelium 11;28 „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Schande für diese Partei, der sie jahrzehntelang angehört hatten. Am 24. März 1990 sollte das Kirchenasyl beim Pfarrerehepaar in Lobetal beendet sein und die Honeckers sollten im benachbarten Heim in Lindow eine Bleibe erhalten.

Nachdem die Medien sehr gezielt über diesen Wohnungswechsel berichtet hatten, fand sich schon bei der Abfahrt ein aufgeputschter Haufen von Menschen zusammen, die voller Hass mit Fäusten und Knüppeln auf das Dach der Limousine einschlugen, sogar drohten, das Heim in Lindow zu stürmen. Daraufhin kehrte das Ehepaar in Todesangst zum Pfarrer Holmer nach Lobetal zurück. Honecker, der viele Jahre lang von internationalen Persönlichkeiten, darunter Papst Johannes Paul II, Indira Gandhi, Francois Mitterand, Fidel Castro, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, empfangen worden war, wurde Anstand und Menschenwürde verwehrt.

Das Ende der DDR und die Annexion der DDR durch die BRD am 03. Oktober 1990 erlebte das Ehepaar Honecker im sowjetischen Militärhospital.
Bei erneuten Untersuchungen auf Haftfähigkeit stellten dort die Ärzte bei Honecker die Verdachtsdiagnose eines bösartigen Lebertumors. Am 02. Oktober 1990, am Vorabend der Annexion der DDR durch die BRD, wurden die Ermittlungsakten im Fall Erich Honecker von der Generalstaatsanwaltschaft der DDR an die BRD übergeben. Am 30. November 1990 erließ das Amtsgericht Tiergarten einen weiteren Haftbefehl gegen Honecker wegen des Verdachts, dass er den „Schießbefehl“(den es gar nicht gab) an der innerdeutschen Grenze 1961 verfügt und 1974 bekräftigt habe. Der Haftbefehl war aber nicht vollstreckbar, da Honecker sich in Beelitz unter dem Schutz sowjetischer Stellen befand. Am 13. März 1991 wurde das Ehepaar mit einem sowjetischen Militärflugzeug von Beelitz nach Moskau ausgeflogen.

Da in der Sowjetunion die Konterrevolution ebenfalls marschierte und die Sowjetunion sich in der Auflösung befand, wurde Erich Honecker nach Deutschland ausgeflogen, verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Moabit verbracht. Margot Honecker konnte direkt nach Chile reisen, wo sie zunächst bei ihrer Tochter Sonja unterkam.

Nun saß Erich Honecker wieder im Gefängnis. Kohl, der Honecker einstmals als Staatsgast empfangen hatte, war immer noch Bundeskanzler.

Honeckers Anwälte beantragten wegen seines schlechten Gesundheitszustandes die Einstellung des Verfahrens. Nachdem das Landgericht und das Kammergericht die Anträge abgewiesen haben, ist eine Verfassungsbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof am 12. Januar 1993 erfolgreich. Der wirft dem Kammergericht und dem Landgericht vor, das Grundrecht Honeckers auf Achtung seiner Menschenwürde verletzt zu haben. Honecker kommt frei und fliegt am 13. Januar 1993 zu seiner Familie nach Chile.

Am Morgen des 29. Mai 1994 starb er dort. Er wurde nicht, wie er es sich gewünscht hatte, in Saarbrücken neben seiner Mutter oder auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde bestattet. Seine sterblichen Überreste ruhen in fremder Erde. „Vaterlandsloser Geselle“, wie schon zu Kaisers Zeiten Kommunisten geheißen wurden.

 

Zahlen und Fakten aus Wikipedia und DDR-Kabinett Bochum Blogspot

zusammengestellt und bearbeitet von Petra Reichel

Deutscher Volkskongress

Der Deutsche Volkskongress war ein auf Initiative der SED und unter Teilnahme der Parteien und Organisationen des Antifaschistisch-demokratischen Blocks, anlässlich der Londoner Außenministerkonferenz im November/Dezember 1947, aus Delegierten aus ganz Deutschland, erstmals am 6. Dezember 1947 zusammen getretenes Gremium. Seine wichtigste Forderung war die nach einer zentralen deutschen Regierung. Die SED ging damals von einer Vereinigung Deutschlands auf antifaschistisch-demokratischer Grundlage aus. Das wird heute als „gesamtdeutscher Anspruch der SED“ interpretiert.

Sonderbriefmarke zur Tagung des 3. Volkskongresses (Sowjetische Besatzungszone 1949)

Sonderbriefmarke zur Tagung des 3. Volkskongresses(Sowjetische Besatzungszone 1949)

Bildquelle:Von scanned by NobbiP – scanned by NobbiP, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

Ihm vorausgegangen waren Differenzen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion auf der Londoner Außenministerkonferenz vom 25. November bis 15. Dezember 1947, die schließlich am 15. Dezember 1947 abgebrochen wurde.

Berlin, Volkskongress in der Staatsoper

Volkskongreß in der Staatsoper UBz: die Delegierten aus allen Zonen. Aufn.: Heinscher-Illus 8.12.47 1017-47

Die Teilnehmer auf den Zuschauerplätzen im Admiralspalast in Berlin, 08. Dezember 1947

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Von Bundesarchiv, Bild 183-S77672 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zusammenarbeit der vier Siegermächte bald durch den Ost-West-Gegensatz überlagert, der in den Kalten Krieg mündete.

Die Vier-Mächte-Verwaltung über ganz Deutschland endete spätestens mit der letzten Tagung des Kontrollrates am 20. März 1948.

Die Volkskongressbewegung wurde auf Initiative der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 26. November 1947 gegründet.

Aus der Bewegung gingen die Deutschen Volkskongresse hervor, deren erster am 6./7. Dezember 1947 aus 2000 Delegierten aller Besatzungszonen zusammengesetzt war. Nach Widerständen gegen diese SED-Initiative von Seiten der CDU und der Absetzung ihrer Vorsitzenden Jakob Kaiser(danach wirkte er in Westberlin) und Ernst Lemmer(danach wirkte er in Westberlin) durch die SMAD(Sowjetische Militäradministration in Deutschland) verboten die westlichen Besatzungsmächte die Mobilisierung für die Volkskongresse in der Trizone( westliche Besatzungszonen, Gebiet der späteren BRD).

Berlin, III. Deutscher Volkskongreß, Rede Kastners

Illus/Heilig Die Tagung des III. Deutschen Volkskongresses. Am 29. und 30. Mai 1949 tagte in der Deutschen Staatsoper in Berlin der III. Deutsche Volkskongress. Der Hauptpunkt der Tagesordnung lautete „Deutschland und die Pariser Konferenz“, über den Otto Nuschke (CDU), Prof. Dr. Hermann Kastner (LDP) und Vincenz Müller (NPD) referierten. Anschließend an die Aussprache über diesen Punkt der Tagesordnung wählte der III. Deutsche Volkskongreß die deutsche Delegation zur Pariser Konferenz der Aussenminister. Vor der Neuwahl des Deutschen Volksrates bestätigte der Kongreß den Volksratsbeschluß vom 19. März 1949 über die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik. UBz: Prof. Kastner bei seinen Ausführungen. Aufn.: Illus/Heilig 3342-49 29.5.49

Hermann Kastner beim III. Deutschen Volkskongress im Admiralspalast in Berlin (1949)

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Von Bundesarchiv, Bild 183-S85476 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

Der FDGB hatte von Beginn an für die Konstituierung und die Inhalte der Volkskongressbewegung mobilisiert.

Erster deutscher Volkskongress:

Themen waren die Ablehnung der geplanten Errichtung eines westdeutschen Teilstaates und die Kritik an der amerikanisch-britischen Besatzungspolitik. Man diskutierte über die Vorbereitung eines Friedensvertrags sowie eine gesamtdeutsche Regierung „aus Vertretern aller demokratischen Parteien“. Dabei lehnte sich der Kongress sehr an die sowjetische Deutschlandpolitik an und unterstützte diese. Dies ist der Grund dafür, dass diese Bewegung von der sowjetischen Militäradministration gebilligt und von der SED unterstützt wurde.
Der Kongress bestimmte eine 17-köpfige Delegation, die auf der Londoner Außenministerkonferenz (November–Dezember 1947) die Positionen des Kongresses vertreten sollte. Die Außenminister sahen jedoch keine Legitimation dieser Delegation und empfingen sie nicht.

Zweiter Deutscher Volkskongress:

Der Zweite Deutsche Volkskongress tagte am 17./18. März 1948. Der Termin wurde mit dem 18. März auf den 100. Jahrestag der Revolution 1848/1849 gelegt. An dem Volkskongress nahmen 1898 Delegierte teil, darunter 512 aus den Westzonen. Es wurde die Ablehnung des Marshallplans, die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie(polnische Westgrenze nach dem Zweiten Weltkrieg) und ein Volksbegehren zur deutschen Einheit beschlossen, das vom 23. Mai bis 13. Juni 1948 stattfand. Er gab das Presseorgan „Deutschlands Stimme“ heraus.
Weiterhin wurde der Erste Deutsche Volksrat gewählt, der 400 Mitglieder umfasste, von denen 100 aus Westdeutschland kamen. Es wurde ein Verfassungsausschuss gebildet, der unter der Leitung Otto Grotewohls stand und einen Entwurf einer Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik ausarbeiten sollte.

Dritter Deutscher Volkskongress:

Der Dritte Deutsche Volkskongress wurde von der Bevölkerung der Sowjetischen Besatzungszone am 15. und 16. Mai 1949 durch eine Abstimmung bestätigt. Die Frage der Abstimmung lautete:

„Ich bin für die Einheit Deutschlands und einen gerechten Friedensvertrag. Ich stimme darum für die nachstehende Kandidatenliste zum Dritten Deutschen Volkskongreß.“

Diese Abstimmung wird heute als Scheinwahl interpretiert. Der Vorwurf der Wahlfälschung steht im Raum. Bei heutigen Volksabstimmungen sind die Fragen viel unverständlicher formuliert. Der Vorwurf der Scheinwahl zielt ja auf die DDR als Ganzes, von Anfang bis Ende und weniger, ob die Leute die Frage verstanden hatten.

Am 29. zum 30. Mai 1949 tagte der III. Deutsche Volkskongress in Berlin. 1400 Delegierte kamen aus der Sowjetischen Besatzungszone, 610 aus den Westzonen (Trizone), die sich am 23. Mai als Bundesrepublik Deutschland(BRD) konstituiert hatte.

Der Entwurf einer Verfassung, den der Verfassungsausschuss des Volksrats ausgearbeitet hatte, wurde am 30. Mai bei einer Gegenstimme angenommen, sowie der Zweite Deutsche Volksrat gewählt. Der Volksrat konstituierte sich unter dem Eindruck der Gründung der Bundesrepublik Deutschland(BRD) (23. Mai 1949) als Provisorische Volkskammer taggleich mit der am 7. Oktober 1949 neu gegründeten DDR.

entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Folie09

Volkskongressbewegung