Der Beginn eines neuen Zeitalters

Bourgeoisie und Proletariat – die Grundklassen des Kapitalismus

Die industrielle Umwälzung erstreckte sich nicht nur auf den Übergang von der Hand- zur Maschinenarbeit. Sie durchdrang auch die gesamte gesellschaftliche Entwicklung und führte dazu, dass Bourgeoisie und Proletariat zu den beiden entscheidenden Klassen der Gesellschaft wurden.

Die technischen und gesellschaftlichen Umwälzungen waren von so großer Bedeutung, dass dieser Vorgang als die industrielle Revolution bezeichnet wird.

Die Vorteile, die die Anwendung der Maschinen mit sich brachte, genossen die Kapitalisten. Ihnen gehörten die Fabriken und die Maschinen. Ihnen gehörte auch das von den Arbeitern mit Hilfe der Maschinen erzeugte Produkt. Die Arbeiter erhielten nur so viel Lohn, das sie gerade leben konnten.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach dem weltweiten Sieg 1990 ist sogar so, dass der Lohn oftmals nicht mal zum Leben reicht. In Deutschland können die Betroffenen mit Hartz IV aufstocken. In anderen Ländern gibt es nicht mal das und die armen Menschen müssen in drei Jobs gleichzeitig arbeiten. Das Geschichtsbuch der DDR schreibt in der Vergangenheitsform, da die DDR zu einer einstmals besseren Welt gehörte. Im Jahre 1990 ist zugleich mit dieser besseren Welt die DDR hinweggefegt worden. Die Vergangenheitsform ist in der Bearbeitung geblieben, da es im Laufe der Zeit doch einige durch die Arbeiterklasse erkämpfte Verbesserungen geben hat, die noch nicht alle abgebaut werden konnten. Doch die Gefahr besteht, dass dies vollends geschieht und man wieder zu den alten Verhältnissen zurückkehrt. Es besteht ja keine Systemkonkurrenz mehr.

Für die englischen Arbeiter bedeutete die industrielle Revolution Not und Entbehrung. Die Maschinen bestimmten das Arbeitstempo. Die Fabrikbesitzer waren interessiert, die Arbeiter im Laufe eines Tages möglichst lange an den Maschinen arbeiten zu lassen. In den ersten Jahrzehnten der industriellen Revolution mussten die Arbeiter in der Regel 12 Stunden, oft sogar 16 Stunden und mehr, am Tage arbeiten! Die lange Arbeitszeit lähmte die Aufmerksamkeit. Sie konnten dem hohen Arbeitstempo der Maschinen nicht mehr folgen. Das führte häufig zu Unfällen, ja zum Tode.

Beschreibung englische Fabrikverhältnisse

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die gemeinsame Beschäftigung vieler Arbeiter in den Fabriken und in den englischen Industriestädten brachte ihnen deutlicher als vorher in der Manufaktur zu Bewusstsein, dass die alle im gleichen Verhältnis zu den Fabrikbesitzern und zu den Maschinen standen: Sie arbeiteten für einen kümmerlichen Lohn an den Maschinen, um den Gewinn des Fabrikbesitzers, des Bourgeois, zu vergrößern. So wurde zum ersten Male deutlich erkennbar, dass zwischen den englischen Arbeitern und der englischen Bourgeoisie ein Gegensatz in Gestalt eines Ausbeutungsverhältnissen bestand. Die Ausbeutung war mit dem Übergang zur Maschinenarbeit um vieles größer als in der Manufaktur. Dem kümmerlichen Lohn der Arbeiter entsprach auch ihre Ernährung.

Zur Ernährung der englischen Arbeiter

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Frauen- und Kinderarbeit

Die Handhabung der ersten Maschinen der industriellen Revolution war einfach und auch von ungelernten Frauen und sogar von Kindern auszuführen. Von dieser Möglichkeit machten die englischen Fabrikanten Gebrauch, weil sie den Frauen und Kindern noch weniger Lohn zu zahlen brauchten als den erwachsenen männlichen Arbeitern. Andererseits mussten die Eltern ihre Kinder in die Fabrik schicken, da der Lohn des Vaters längst nicht ausreichte, um die Familie einigermaßen zu ernähren. Das geschah in schon sehr frühem Alter.

Beginn der Kinderarbeit

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Arbeitszeit, der Lohn und die Arbeitsbedingungen hingen von der Willkür des Fabrikanten ab. Es gab keine Gesetze, die die Kinderarbeit regelten oder verboten. Viele arbeiteten ebenso lange wie die Erwachsenen. Manche Kinder schliefen sogar gleich in der Fabrik, auf irgendeinem Haufen Stroh und Lumpen, um den Heimweg zu sparen. Oft wurden sie von den Aufsehern misshandelt, viele im Kindesalter derart geschlagen, dass sie für den Rest ihres Lebens behindert waren. Eine Schulpflicht gab es nicht. Der Schulbesuch, meistens am Sonntag, war freiwillig. Die Kinder, durch ihre Arbeit übermüdet, konnten oftmals dem Unterricht nicht folgen und schliefen ein. Auf Grund der Entbehrungen und Überanstrengungen starben viele Kinder schon frühzeitig.

In einigen Teilen der Welt gibt es immernoch Kinderarbeit.

Kinderarbeit in England

Kinderarbeit in England

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Glanz und Elend der englischen Industriestädte

Industriezentren in England

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Viele Fabriken entstanden in den Städten. Das wurde möglich, weil die Dampfmaschine den bisherigen Antrieb durch Wasserkraft verdrängte. Andere Fabriken konzentrierten sich in ehemals kleinen Orten in der Nähe von Kohlebergwerken.

Dadurch stieg die Bevölkerungszahl innerhalb weniger Jahrzehnte gewaltig an. London zählte um 1700 etwa 650 000 Einwohner, um 1800 eine Million und um 1830 1 500 000 Einwohner. London war damals die bei weitem größte Stadt in England und in der Welt.

Bevölkerungswachstum einiger Industriestädte

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Geschäftsviertel sowie die „besseren Gegenden“, in denen die Bourgeoisie wohnte, waren jedoch streng abgesondert von jenen großen Elendsvierteln, in denen die arbeitenden Menschen hausen mussten. Und wie sie hausten! Diese Elendsviertel waren die Brutstätten ansteckender Krankheiten, die sich über das ganze Land verbreiteten.

Wenn man die Bedeutung der industriellen Revolution richtig verstehen will, so darf man nicht nur ihre technische Seite sehen. Man muss auch die gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen beachten, die in England im Gefolge der Weiterentwicklung der Produktivkräfte durch die industrielle Revolution eintraten.

Zusammenfasend können wir deshalb sagen: Im Laufe der industriellen Revolution in England verbesserte sich die englische Produktionstechnik sprunghaft. Dadurch erfolgte der Übergang von der Handarbeit zur Maschinenarbeit und von der Manufaktur zur Fabrik. In der Folge entstanden große Industriestädte.

Die industrielle Revolution führte zu einer raschen Entwicklung der Produktivkräfte Englands und leitete eine neue Epoche des Kapitalismus ein. Maschinen und Fabriken sowie wissenschaftliche Erkenntnisse erhöhten zwar den Produktionsausstoß, aber sie steigerten gleichzeitig auch die Ausbeutung des englischen Proletariats. Der vermehrte gesellschaftliche Reichtum kam der englischen Bourgeoisie zugute. Die englischen Arbeiter erhielten kaum soviel Lohn, wie sie zum Leben brauchten. Auf diese Weise vergrößerten sich mit dem Reichtum der englischen Bourgeoisie auch die Not und das Elend des englischen Proletariats, und die Klassenpositionen beider Grundklassen der kapitalistischen Produktionsweise grenzten sich deutlich voneinander ab.

Wohnbedingungen in London um 1840

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Beginn eines neuen Zeitalters

George Stephenson

George Stephenson wurde am 09. Juni 1781 in Wylam bei Newcastle upon Tyne, Northumberland geboren. Am 12. August 1848 ist er in Tapton House bei Chesterfield gestorben. Er war ein englischer Ingenieur und Hauptbegründer des Eisenbahnwesens. Er war Autodidakt und erwarb sich umfangreiche technische Kenntnisse.

George Stephenson

George Stephenson

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George Stephenson wurde als Sohn armer Eltern geboren. Mit 14 Jahren musste er bereits in einer Kohlegrube arbeiten. Seine erste Tätigkeit bestand in der Bedienung einer Dampfmaschine. Bei einem Unfall mit einer Dampfmaschine erblindete sein Vater. Dieser Unfall veranlasste Stephenson sich intensiv mit Dampfmaschinen zu beschäftigen. Bald wurde er im Nordosten Englands „Maschinendoktor“ genannt. Er zeichnete sich durch die zweckmäßige Einrichtung eines Pumpenwerkes aus. Er wurde Aufseher und leitete später die Kohlenwerke von Lord Ravensworth bei Darlington.

1803 wurde sein Sohn Robert geboren. Zwei Jahre später starb seine Frau. Trotz seiner relativ guten Stellung im Kohlenbergbau musste Stephenson Schuhe reparieren, um seinem Sohn eine gute Schulbildung zu ermöglichen, die ihm selbst versagt geblieben war. Zusammen mit seinem Sohn verbesserte er seine eigenen Kenntnisse im Lesen und Schreiben.

1814 baute er für die dort angelegte Eisenbahn eine Dampflokomotive, die über lange Zeit als die erste brauchbare Lokomotive angesehen wurde. Allerdings war George Stephenson nicht der Erfinder der Lokomotive, aber er hatte sie entscheidend verbessert.  George Stephenson war wohl aber der erfolgreichste Eisenbahnpionier des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Lok von George Stephenson

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Zeichnung einer „Locomotivmaschine des Hrn. R. Stephenson“ von 1836

Zeichnung einer „Locomotivmaschine des Hrn. R. Stephenson“ von 1836[1]

Bildquelle: Von Unbekannt – http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj048/ar048048, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52349026

 

 

Parallel mit Humphry Davy (Davysche Sicherheitslampe) erfand Stephenson eine Sicherheitslampe für Grubenarbeiter.

Unter der Leitung Stephensons wurde am 27. September 1825 zwischen Stockton und Shildon die erste öffentliche Eisenbahn der Welt eingeweiht. Seine „Locomotion“ wurde vor 38 Wagen gespannt, die teilweise mit Kohlen und Weizen beladen waren. Die meisten Wagen waren jedoch mit Sitzplätzen für ca. 600 Festteilnehmer versehen. Tags darauf begann der regelmäßige Betrieb mit dem Personenwagen „Experiment“, der jedoch noch über Jahre hinweg durch ein Pferd gezogen wurde. Auf dieser Strecke fuhren drei von Stephenson konstruierte Lokomotiven. Die Gleise hatten eine Spurweite von 4 Fuß 8½ Zoll (1435 mm, Normalspur).

Der Bau der Liverpool-Manchester-Eisenbahn 1829 begründete seinen Ruf für immer. Beim berühmten Rennen von Rainhill für die beste und schnellste Lokomotive dieser Bahn, welche ihr dreifaches Gewicht mit 10 englischen Meilen Geschwindigkeit in der Stunde ziehen sollte, ohne Rauch zu erzeugen, errang The Rocket von George Stephenson und seinem Sohn Robert den Preis, indem sie ihr fünffaches Gewicht zog und 14 bis 20 englische Meilen in der Stunde zurücklegte, also die gestellten Bedingungen weit übertraf. Dieser Erfolg war hauptsächlich der Einführung des Blasrohrs und des Röhrenkessels zuzuschreiben. Das Blasrohr verbesserte die Verbrennung, während mit dem Röhrenkessel eine größere Dampfentwicklung erreicht werden konnte.

Lokomotive „The Rocket“ von George und Robert Stephenson von 1829 im Londoner Science Museum

Lokomotive „The Rocket“ von George und Robert Stephenson von 1829 im Londoner Science Museum

Bildquelle: Von William M. Connolley (Diskussion · Beiträge) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1233520

 

 

Von da an leitete Stephenson den Bau der bedeutendsten Eisenbahnen in England oder baute Maschinen für dieselben und wurde zu gleichem Zweck nach Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien berufen. Die erste deutsche Lokomotive „Adler“ kam aus der in Newcastle-upon-Tyne errichteten Maschinenbauanstalt. Von 1847 bis 1848 war George Stephenson Präsident der Institution of Mechanical Engineers.

Lokomotive „Blücher“ von George Stephenson, 1814

Lokomotive „Blücher“ von George Stephenson, 1814

Bildquelle: Lässt sich  hier nicht einsetzen. Bild ist entsprechend verlinkt.

 

 

Er war zuletzt auch Eigentümer mehrerer Kohlegruben und der großen Eisenwerke von Claycross und starb am 12. August 1848 in Tapton House bei Chesterfield. Seine Statue wurde in Newcastle auf der Stephensonbrücke aufgestellt.

Sein einziger Sohn Robert Stephenson war ebenfalls Ingenieur. Dieser war Pate von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung.

Aufgrund seiner Bedeutung für den Eisenbahnverkehr wurde die Straße mit der Hauptverwaltung des Personenverkehrs der Deutschen Bahn AG in Frankfurt am Main nach Stephenson benannt.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Das Fabriksystem

Von der Manufaktur zur Fabrik

In der Manufaktur wurden alle Erzeugnisse mit Hilfe von Handarbeit hergestellt. Jetzt aber arbeitete man bereits mit Maschinen.  Die Maschine in der Fabrik trat an die Stelle des handwerklichen Werkzeuges in der Manufaktur. Zum Beispiel löste die Spinnmaschine das handbetriebene Spinnrad ab. Da nach und nach immer bessere und speziellere Maschinen erfunden wurden, stellte man viele Arbeitsverrichtungen von Hand auf Maschinenarbeit um. Die Maschinen mussten von den Arbeitern bedient werden.

Fabrikhalle Beginn 19. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Um jedoch ein Produkt zu erzeugen, mussten viele Arbeiter und Maschinen sinnvoll zusammenwirken. Das Zusammenwirken der Maschinen untereinander und mit den Arbeitern erforderte eine einheitliche Leitung der Fabrik. Diese Leitung lag in den Händen es kapitalistischen Unternehmers, dem die Maschinen und die Fabrik gehörten. Die Fabrik war also Produktionsstätte, in der mit Maschinen gearbeitet wurde und die unter Leitung eines Kapitalisten stand.

Die maschinelle Produktion, zum Beispiel des Woll- und Baumwollgarnes sowie anderer Produkte, bewirkte, dass ein Arbeiter an einer Maschine in der gleichen Zeit soviel herstellen konnte, wie vorher 10 oder 20 Arbeiter in der Manufaktur. Somit brachten die maschinellen Produkte den Fabrikbesitzern einen zusätzlichen Gewinn. Deshalb wollten alle Manufakturbesitzer Maschinen haben. Auf diese Weise wurden die Manufakturen schließlich durch die Fabriken verdrängt.

 

Die Produktion von Maschinen

Die ersten Arbeitsmaschinen wurden zum größten Teil von Handwerkern aus Holz gebaut, so  zum Beispiel die „spinning-Jenny“. Das Holz jedoch hielt die starke Beanspruchung nicht  aus, es brach oder nutzte sich schnell ab. So ging man dazu über, Maschinen aus Eisen und Stahl zu fertigen. Beide Metalle zeigten sich viel dauerhafter, ließen sich aber schwerer bearbeiten. In dem Maße, wie immer mehr Maschinen aus Eisen und Stahl hergestellt wurden, mussten sich auch neue Herstellungs- und Bearbeitungsmethoden des Eisens entwickeln.

Hand in Hand mit dem Übergang von hölzernen zu eisernen Maschinen ging die Umstellung von der handwerklichen zu maschinellen Fertigung der Maschinen. Dazu mussten entsprechende Maschinen zur Eisenbearbeitung entwickelt werden, zum Beispiel Dampfhammer, Drehbank, Fräsbank, Bohrmaschine. Diese waren fast ausnahmslos englische Erfindungen. Ihre massenhafte Anwendung fiel teilweise erst in die Zeit nach 1840.

 

Eisen, Stahl und Kohle als wichtigste Rohstoffe

Die massenhafte Anwendung eiserner Maschinen vermehrte den Bedarf an Eisen und Stahl gewaltig. In gleicher Richtung wirkten auch der Bau von Eisenbahnen, Schiffen, Brücken und Hochöfen; 1779 wurde die erste Brücke aus Eisen, 1790 das erste eiserne Schiff erbaut. Von 1740 bis 1830 stieg die englische Roheisenproduktion von rund 20 000 Tonnen auf rund 680 000 Tonnen! Der vermehre Eisenbedarf steigerte auch die englische Kohleproduktion. Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts konnten jedoch die reichen englischen Steinkohlevorkommen nicht zum Schmelzen des Eisens verwendet werden. Man benutzte Holzkohle, da Steinkohle Stoffe enthält, die minderwertiges Eisen ergeben. DA das Holz allmählich knapp wurde, musste man einen anderen Weg suchen. Die englischen Eisenschmelzer fanden, dass sich Steinkohle, zu Koks geschwelt, noch viel besser als Holzkohle eignete, um Roheisen herzustellen. Seitdem verzeichnete auch die englische Steinkohleförderung ein starkes Wachstum. Der Steinkohlenverbrauch nahm gleichfalls durch den sich schnell vergrößernden Bedarf der Eisenbahn zu.

Man darf jedoch nicht nur den schnellen und gewaltigen Zuwachs der Produktion sehen. Von noch größerer Bedeutung war, dass sich auch bei der Herstellung und Verarbeitung des Eisens neue Methoden durchsetzten. Die Gewinnung von Roheisen mit Hilfe des Steinkohlenkokses statt der Holzkohle ist eine solche neue Methode, die die Qualität des Eisens außerdem stark verbesserte. Auch im Bergbau wurde, angeregt durch den steigenden Bedarf an Eisenerzen und Steinkohle, nach neuen Methoden gearbeitet. So entstanden nicht nur neue Produktionsmittel, sondern es wuchsen auch die Anforderungen an die Kenntnisse der Menschen im Umgang mit den neuen Produktionsmitteln. Beide bewirkte eine beschleunigte Entwicklung der Naturwissenschaften.

England Zeit der industriellen Umgestaltung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

England, die „Werkstatt der Welt“

Die industrielle Umwälzung ging in allen kapitalistischen Ländern vor sich. In England vollzog sie sich jedoch zuerst. Sie begann etwa 1780, und um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren alle hauptsächlichsten Zweige der englischen Industrie mechanisiert, das heißt, die produzierten mit Hilfe von Maschinen. Daraus ergab sich die führende Stellung, die die  englische Industrie seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gegenüber den anderen Ländern innehatte. Diese führende Stellung erstreckte sich auf die Konstruktion und Anwendung von Maschinen und auf die Menge der hergestellten Produkte. Englische Produkte wurden in alle Teile der Welt exportiert. Man begehrte sie, weil sie billiger und besser waten als die Produkte der anderen Länder. Um 1850 produzierte England über vier Zehntel aller in der Welt erzeugten Industriewaren. Die Produktionsmenge der englischen Industrie und ihre führende Stellung wurden bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts von keinem anderen Land der Welt übertroffen. Deshalb bezeichnete man England in dieser Zeit als „Werkstatt der Welt“.

 

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das Fabriksystem

James Watt

James Watt wurde am 19. Januar(julianischer Kalender)/30. Januar 1736(gregorianischer Kalender) in Greenock geboren und ist am 25. August 1819 gestorben. Er war ein schottischer Erfinder. Seine einflussreichste Erfindung war die Verbesserung des Wirkungsgrades der Dampfmaschine durch die Verlagerung des Kondensationsprozesses aus dem Zylinder in einen separaten Kondensator. Watt selbst hielt das von ihm entworfene Gestänge, das Wattsche Parallelogramm, für seine größte Erfindung. Erstattete seine Dampfmaschinen mit dem vom Windmühlenbau bekannten Fliehkraftreglern zur Konstanthaltung der Drehzahl bei Belastungsschwankungen aus.

James Watt

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

James Watt wurde als Sohn armer, aber sehr gebildeter Eltern geboren. Sein Vater war Zimmermann und Konstrukteur von nautischen Geräten, Watts Großvater war ein Mathematiklehrer und schottischer Nationalist. James war ein kränkliches Kind, das unter anderem unter chronischen Kopfschmerzen litt. Die Eltern unterrichteten ihn deshalb teilweise selbst. Schon als Junge experimentierte er gern und soll die Funktionsweise von jedem Gegenstand, den er in die Finger bekam, erforscht haben. Darüber hinaus war Watt ein eifriger Sammler von Pflanzen und Steinen, las viel und erfand Geschichten.

Für ein Medizinstudium, für welches Watt sich interessierte, waren seine Eltern jedoch zu arm. Deshalb begann Watt in London eine inoffizielle Mechanikerlehre, nachdem er im schottischen Glasgow keinen Lehrherrn finden konnte. Da diese ihm jedoch schon bald nichts Neues mehr zu bieten hatte, brach er sie vor Ablauf der vorgeschriebenen sieben Jahre ab. Eine eigene Werkstatt konnte er wegen der nicht abgeschlossenen Ausbildung nicht eröffnen, da die Glasgower Zünfte Einspruch erhoben. Watt erhielt 1757 eine Stelle als Instrumentenmacher an der Universität von Glasgow. Dort fertigte und reparierte er für die Universität Instrumente wie Kompasse und Quadranten. Sein Einraum-Labor, das er nach einem Jahr um einen zweiten – zur Straße gelegenen – Raum mit Schaufenstern erweiterte, entwickelte sich schon bald zum Treffpunkt von Dozenten und Studenten. Watt fand an der Universität viele Freunde, obwohl er „nur“ ein Handwerker war. Unter anderem war er mit dem Ökonomen Adam Smith befreundet. Er wurde von seinen Zeitgenossen als außerordentlich bescheiden und liebenswürdig beschrieben.

1760 heiratete Watt seine Cousine und Jugendliebe, die 1736 geborene Margaret Miller. Margaret Watt starb 1773 bei der Geburt des sechsten Kindes. Von ihren gemeinsamen Kindern überlebte nur der 1769 geborene Sohn James. 1775 heiratete Watt Anne Macgregor.[2]

Watts Werkstatt (Science Museum, London)

Watts Werkstatt (Science Museum, London)

Bildquelle: Von Frankie Roberto – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5736070

 

1764 erhielt Watt als Universitätsmechaniker den Auftrag, das Modell einer Dampfmaschine nach der Bauart von Thomas Newcomen zu reparieren. Watt erkannte, dass ein großer Teil des einströmenden Wasserdampfes verbraucht wurde, um nach jedem Zyklus erneut die Zylinderwandung aufzuheizen. Watt beschloss, die Maschine – basierend auf Vorarbeiten von Denis Papin – zu verbessern. Er lernte neben Französisch und Italienisch auch Deutsch, um deutsche Schriften zur Wärmetheorie zu lesen. Um das wechselweise Aufheizen und Abkühlen des Zylinders zu vermeiden, führte er zur Kondensation des Wasserdampfs einen separaten Behälter ein, den Kondensator. Zusätzlich umgab er den Zylinder mit einer sogenannten ‚Steam Jacket‘ (Dampf-Doppelmantel). Der Zylinder wurde so mit Dampf umspült, um dessen Wärmeverluste zu verringern. Den Doppelmantel isolierte er mit senkrecht angebrachten Holzbrettern. 

Watt gab seine Stelle an der Universität Glasgow auf, um sich stärker der Weiterentwicklung der Dampfmaschine zu widmen. Obwohl er nebenbei als Feldvermesser arbeitete, häufte er Schulden an. Auch war er häufig krank. Erst 1769 fand er in dem Eisenfabrikanten John Roebuck (1718–1794) einen Finanzier und reichte am 5. Januar 1769 das englische Patent Nr. 913 „A New Invented Method of Lessening the Consumption of Steam and Fuel in Fire Engines.“ (dt.: Eine neu erfundene Methode zur Verringerung des Dampf- und Brennstoffverbrauchs bei Verbrennungsmaschinen.) ein, das am 29. April 1769 registriert wurde.[3] Watts Verbesserungen ermöglichten gegenüber der von John Smeaton optimierten Newcomen-Dampfmaschine eine Ersparnis an Steinkohle von über 60 Prozent.

Es gelang zunächst nicht, einen dampfdichten Zylinder herzustellen. Inzwischen wurde sein Förderer John Roebuck insolvent. Der Industriebaron Matthew Boulton erklärte sich bereit, Roebucks Nachlass zu übernehmen, wenn er die Verlängerung des Patentes um 25 Jahre bis zum Jahr 1800 erreichen könne. Nach erfolgreicher Lobbyarbeit wurde die Firma Boulton & Watt für die Dauer der Gültigkeit des Patents gegründet. Boulton sicherte sich für seinen Anteil 2/3 der Einnahmen. Die erste einsatzfähige Dampfmaschine nach dem Wattschen Prinzip wurde 1776 in der Fabrik von John Wilkinson installiert. Wilkinsons Firma war es gelungen, einen Zylinder aus Eisen in der erforderlichen Qualität zu fertigen: Er nutzte ein von ihm entwickeltes und patentiertes Verfahren zum präzisen Erweitern der Bohrung von Kanonenrohren, bei dem der Bohrmeißel an beiden Enden fixiert wird und sich der Zylinder um diesen dreht. In der Folge wurden Zylinder, Kondensator und Luftpumpe für ‚Boulton & Watt‘ in Soho bei Birmingham hergestellt. Zusammengesetzt wurden die Dampfmaschinen erst beim Kunden. Wilkinson lieferte die Zylinder direkt an den Aufstellungsort und weitere benötigte Materialien wurden vor Ort dazugekauft und angepasst. Anfangs wurden die Dampfmaschinen durch ‚Boulton & Watt‘ nicht verkauft, sondern über die Patentlaufzeit vermietet. Als Nutzungsentgelt verlangten sie ein Drittel der gegenüber der optimierten Newcomen-Dampfmaschine gesparten Brennstoffkosten. Zu dessen besserer Berechnung konstruierte Watt eigens einen manipulationssicheren Zähler für die Kolbenbewegungen.

1781 wandelte Watt den Kolbenhub mittels eines Kreisschubgetriebes in eine Drehbewegung um. 1782 konstruierte er eine Dampfmaschine, bei der der Kolben von beiden Seiten durch Dampf bewegt wird. Damit hatte James Watt nun eine Dampfmaschine entwickelt, bei der die komplette Arbeit vom Dampfdruck geleistet wurde. Zuvor war der Kolben durch den Unterdruck bewegt worden, der bei der Kondensation des Dampfs entsteht. Auf diese Weise wurden wesentlich stärkere Maschinen möglich. Bei den mit Dampfdruck arbeitenden Maschinen drückt der Kolben den Balancier nach oben und zieht ihn auch wieder nach unten. Damit diese in zwei Richtungen wirkenden Kräfte übertragen werden konnten, wurde statt einer Kette eine Kolbenstange benutzt. Zur linearen Führung der Kolbenstange am pendelnden Balancier erfand Watt 1784 das Wattsche Parallelogramm, das er selbst als seine größte Erfindung ansah.

Seit 1788 stattete er seine Dampfmaschinen mit den bereits erfolgreich in Windmühlen benutzten Fliehkraftreglern aus, um die Drehzahl der Antriebsachse unter Belastungsschwankungen konstant zu halten. Auch führte er die Pferdestärke (PS) als Maßeinheit für die Leistung ein. Im selben Jahr wurde in Soho die Münzprägung begonnen, angetrieben von Watts Dampfmaschine.[4]

Die Dampfmaschinen von Watt erreichten schließlich einen Wirkungsgrad von 3 %, das dreifache der optimierten Newcomen-Dampfmaschinen. Die Umsetzung der Hochdruckdampfmaschine in die Praxis verzögerte sich wegen Watts Sicherheitsbedenken und seinem bis zum Jahr 1800 verlängerten Patent über die Dampfkondensation außerhalb des Zylinders.

Watts Dampfmaschine

Watts Dampfmaschine

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Watt stieg im Jahre 1800 aus seinem Unternehmen aus und übergab seine Anteile an seine Söhne James und Gregory. Er selbst zog sich in sein Haus Heathfield in Handsworth, Birmingham, zurück, wo er an diversen weiteren Erfindungen arbeitete, darunter Dingen, die eher dem Zeitvertreib als dem ernsthaften technischen Einsatz dienten. Er lebte äußerst gesellig und seine Gäste schwärmten, dass man sich mit ihm über alle Themen unterhalten könne. Der schottische Nationaldichter Walter Scott äußerte sich einmal erleichtert darüber, dass Watt Ingenieur geworden war. Dessen Talent zum Geschichtenerzählen hätte ihm sonst ernsthaft Konkurrenz gemacht.

In Birmingham empfing Watt Erzherzog Johann aus der Steiermark, der sich 1815 und 1816 bei Reisen nach England über die Errungenschaften der englischen Industrie informieren wollte.[6]

Am 25. August 1819 starb Watt. Er wurde in der St. Mary’s Church in Handsworth bei Birmingham beigesetzt.

James Watt Denkmal in Glasgow

James Watt Denkmal in Glasgow

Bildquelle: Von Hajotthu – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12087907

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel