Die Trennung der Arbeiterklasse von der Bourgeoisie. Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863

Um ihre historische Mission (S. 21) zu verwirklichen, brauchte die Arbeiterklasse eine selbständige, revolutionäre Arbeiterpartei. Machten die Streiks den Interessengegensatz zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie auf ökonomischem Gebiet deutlich, so wurde der politische Gegensatz besonders im Kampf um die nationalstaatliche Einigung sichtbar. Die fortgeschrittesten Arbeiter erkannten, dass sie sich selbständig organisieren mussten, um entschieden für die Gegenwarts- und Zukunftsinteressen der Arbeiterklasse und damit des ganzen Volkes kämpfen zu können.

1862 schieden die oppositionell eingestellten Arbeiter aus dem unter bürgerlicher Führung stehenden Leipziger Arbeiterbildungsverein aus. Auf der Suche nach einem Programm kamen die Arbeiter mit dem Rechtsanwalt und Schriftsteller Ferdinand Lassalle (1825 bis 1864) in Verbindung, der sich an die Spitze der proletarischen Selbstständigkeitsbewegung stellte.

Im Mai 1863 wurde in Leipzig unter Führung Lassalles die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) vollzogen. Der ADAV erfasste die fortgeschrittesten deutschen Arbeiter. 1864 zählte er 3000 Mitglieder. Mit dem ADAV entstand eine selbständige, von der Bourgeoisie unabhängige Arbeiterorganisation in Deutschland. Darin bestand das Verdienst Lassalles.

Lassalle orientierte die Arbeiterbewegung auf den politischen Kampf. Aber er gab ihr keine revolutionäre Zielsetzung, obwohl der Karl Marx und dessen Arbeiten kannte.

Lassalle sah im Kampf um das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht das Hauptmittel des politischen Kampfes und erzeugte dadurch die Illusion, als könne die Herrschaft der Arbeiterklasse durch Wahlen erobert werden. Er verbreitete die Ansicht, dass die kapitalistische Ausbeutung durch Produktivgenossenschaften mit Hilfe des preußischen Staates überwunden werden könne. Mit dieser Auffassung vom „friedlichen Hineinwachsen“ in den Sozialismus lenkte er die Arbeiterklasse vom revolutionären Kampf ab. Das war Opportunismus. Das Wort wurde abgeleitet von „opportun“(lat.)=passend; nützlich, angebracht. Es deutet auf die „Anpassung an die herrschenden Klassen hin. Siehe auch die Begriffserklärung.

Lassalle missachtete ferner den ökonomischen Kampf der Arbeiterklasse. Schließlich begünstigte er die antidemokratische Einigung Deutschlands durch Preußen. Dadurch erschwerte er es der Arbeiterklasse, die führende Kraft für die Einigung von unten zu werden. Diese konnte sich nur im Kampf gegen den preußischen Militarismus, gegen die Bourgeoisie und gegen die Theorien Lassalles bilden.

Die Trennung des Verbandes deutscher Arbeitervereine von der Bourgeoisie

Um den Selbständigkeitsbestrebungen der Arbeiter und möglichen Ausstrahlungen des ADAV entgegenzuwirken, gründeten bürgerliche Politiker im Juni 1863 den Verband der deutschen Arbeitervereine. Er fasste die unter bürgerlichem Einfluss stehenden Arbeitervereine zusammen. Aber die Bourgeoisie konnte nicht verhindern, dass sich die Arbeiter ihrer eigenen Interessen bewusst wurden.

1865 fanden über 150 Streiks statt, einige hatten über 1000 Teilnehmer. Die Arbeiter wandten sich gegen die „Blut und Eisen“-Politik Bismarcks, die von der Bourgeoisie unterstützt wurde. Sie forderten demokratische Freiheiten. Entgegen den Bemühungen der Bourgeoisie nahmen die Arbeiter immer größeren Einfluss auf den Verband deutscher Arbeitervereine. Die führende Rolle in diesem Prozess spielten August Bebel und Wilhelm Liebknecht.

August Bebel
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Wilhelm Liebknecht
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In enger Kampfgemeinschaft erreichten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in unermüdlicher Arbeit, dass sich die Arbeitervereine allmählich von der Bourgeoisie lösten. Von entscheidender Bedeutung war dabei die Hilfe von Karl Marx und Friedrich Engels. Seit 1865 bildeten sich in Deutschland die ersten Sektionen der I. Internationale. August Bebel wurde 1866 Mitglied der I. Internationale. Wilhelm Liebknecht stand mit Marx und Engels in ständiger Verbindung.

Die fortgeschrittesten Arbeiter begannen, die Ideen des „Kapitals“ aufzunehmen. Sie erkannten dadurch klarer das Wesen des Kapitalismus, die Notwendigkeit seiner Überwindung und vor allem die historische Mission der Arbeiterklasse als „Totengräber“ der kapitalistischen Gesellschaft. Damit wurden auch die Ideen Lassalles widerlegt.

1867 wurde August Bebel Präsident des Verbandes der deutschen Arbeitervereine. Zur gleichen Zeit wurden Bebel und dann auch Liebknecht als Abgeordnete in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt.

1968 fand der 5. Vereinstag des Verbandes deutscher Arbeitervereine in Nürnberg statt. 115 Delegierte vertraten 93 Vereine mit etwa 13 000 Mitgliedern.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Geführt von Bebel und Liebknecht erklärte der Vereinstag mit überwältigender Mehrheit seine Übereinstimmung mit dem Programm der I. Internationale und beschloss den Anschluss an die Bestrebungen der Internationalen Arbeiterassoziation“.

Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1869

Von Bebel, Liebknecht und anderen marxistischen Kräften der deutschen Arbeiterbewegung gründlich vorbereitet, tagte im August 1869 in Eisennach der bis dahin größte Arbeiterkongress. 262 Delegierte vertraten mehr als 10 000 Arbeiter. Aus der Einsicht, dass die politische und ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gemeinsam und einheitlich den Kampf führt, beschlossen sie die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. (SDAP).

Der Kongress nahm Programm und Statut, die Bebel ausgearbeitet hatte, an. Nach ihrem Gründungsort wurden die Mitglieder dieser Partei von den Arbeitern auch Eisenacher genannt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In der SDAP schlossen sich die unter Führung Bebels und Liebknechts stehenden Arbeitervereine, die proletarische Opposition, die sich vom ADAV getrennt hatte, und Mitglieder von Gewerkschaftsorganisationen zusammen. Die Mitglieder der I. Internationale bildeten in ihnen die bewusstesten und aktivsten Kräfte.

Auf dem Eisenacher Kongress schuf sich die deutsche Arbeiterklasse auf marxistischer Grundlage erneut eine revolutionäre proletarische Partei. Sie bekämpfte das Junkertum, die Bourgeoisie und deren Staatsmacht unversöhnlich. Damit hatten die Lehren von Marx und Engels in der deutschen Arbeiterbewegung einen wichtigen Sieg errungen. Die SDAP war die erste im Rahmen eines Landes organisierte sozialistische Arbeiterpartei überhaupt. Die Arbeiterklasse gewann in der SDAP eine zuverlässige Führung im Kampf um die Interessen des Volkes. Mit der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach wurde die wichtigste Voraussetzung für die Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterbewegung auf marxistischer Grundlage geschaffen.

Zur deutschen Arbeiterbewegung von 1850 bis 1869
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Volksbewegung und herrschende Klassen im Kampf um die nationalstaatliche Einigung Deutschlands

Der Aufschwung der Volksbewegung

Hervorgerufen durch die Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche, steigerte sich seit Ende der 1850er Jahre die politische Aktivität aller Klassen in Deutschland. Große Teile des deutschen Volkes traten in den Kampf um die demokratische Einigung Deutschlands ein.

Die Feiern zum 100. Geburtstag Friedrich Schillers im November 1859 wurden zu einem Höhepunkt der Volksbewegung. Im Hamburg demonstrierten 17 000, in Frankfurt am Main 8000 Menschen, in Berlin waren es Zehntausende Handwerker und Arbeiter.

Schillerfeier auf dem Gendarmenmarkt in Berlin am 10. November 1859.(Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In den Turn-, Wehr- und Schützenvereinen, in der Sängerbewegung gewann die demokratische Volksbewegung organisatorische Formen. Bis 1862 entstanden 1284 Turnvereine. 55 Prozent der Mitglieder waren Handwerker, 14 Prozent Arbeiter und Bauern, die übrigen Kaufleute, Lehrer Studenten und Schüler.

Der Aufschwung der Volksbewegung zeigte die Bereitschaft des Volkes, die Einigung Deutschlands von unten zu verwirklichen. Aber die Bourgeoisie fürchtete die Volksmassen. Als Ausbeuterklasse war sie trotz aller Unterschiede und Gegensätze mehr mit dem Junkertum als mit den Volksmassen verbunden. Statt die feudalen Zustände durch eine Revolution zu beseitigen, steuerte die Bourgeoisie auf ein festes Klassenbündnis mit dem Junkertum hin.

Im Jahre 1859 entstand als gesamtdeutsche Organisation der Bourgeoisie der Deutsche Nationalverein. 1862 zählte er bereits 25 000 Mitglieder. Arbeiter konnten nicht Mitglied werden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Im Jahre1861 schuf sich die preußische Bourgeoisie die Deutsche Fortschrittspartei. Sie trat ebenfalls für die Einigung Deutschlands durch Preußen ein und für einen größeren Einfluss der Bourgeoisie auf die preußische Politik.

In der Volksbewegung gewann die Arbeiterklasse eine besondere Stellung. Trotz scharfer Verfolgung hatte die Reaktion nach 1848 die Organisationsbestrebungen der Arbeiter nicht brechen können. Immer wieder bildeten sich örtliche Fachvereine und Hilfskassen von Arbeitern gleicher Berufe. Über 800 solcher Fachvereine der Maurer, Buchdrucker, Tabakarbeiter, Zimmerleute usw. bestanden.

Die Verschärfung des Klassengegensatzes zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie zeigte sich in den Streikkämpfen, die besonders seit 1857 zunahmen. Im Jahre 1857 fanden mehr Streiks statt als in den fünf Jahren davor zusammengenommen. Ökonomische Kämpfe und politische Auseinandersetzungen um die demokratische Einigung Deutschlands förderten das selbständige Auftreten der Arbeiterklasse als politisch selbstständige Kraft. Seit dem Ende der 1850er Jahre entstanden in vielen Städten Arbeiterbildungsvereine. 1860 bestanden ungefähr 50, 1862 schon 100 solcher Vereine. Im Unterschied zu den Wehr- und Turnvereinen waren die meisten ihrer Mitglieder Arbeiter, und zwar der unterschiedlichsten Berufe. Von der Bourgeoisie gegründet, um qualifizierte Facharbeiter heranzubilden und die Arbeiter im bürgerlichen Sinne zu beeinflussen, wurden sie jedoch von den Arbeitern mehr und mehr zur Verständigung über ihre sozialen und politischen Interessen genutzt. So trat in ihnen bald der politische Gegensatz der Arbeiterklasse zur Bourgeoisie in den Vordergrund.

Versammlung eines Arbeiterbildungsvereins in den 1860er Jahren.(Zeitgenössisch Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1984

Die „Blut und Eisen“-Politik Bismarcks in den 1860er Jahren

Die Zuspitzung der Widersprüche löste in Preußen eine politische Krise aus. Auf ihrem Höhepunkt wurde der Junker Otto von Bismarck im Jahre 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt. Sein Ziel war die Niederwerfung der demokratischen Volksbewegung und die Vorherrschaft Preußens in Deutschland. Dieses Ziel wollte er mit allen Mitteln der Politik, nach seinen eigenen Worten sogar mit „Blut und Eisen“, erreichen.

Otto Fürst von Bismarck (1815 bis 1898). Seit 1862 war er als Preußischer Ministerpräsident entscheidend an der Einigung Deutschlands auf undemokratischem Wege beteiligt. (Fotografie 1871)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Bismarck wollte der sich entwickelten Volksbewegung zuvorkommen und so die preußische Monarchie und die weitere Herrschaft des Junkertums überhaupt retten. Andererseits erkannte Bismarck aber auch, dass die weitere kapitalistische Entwicklung nicht aufzuhalten war. Deshalb versuchte er, mit Hilfe des junkerlich-militaristischen preußischen Staates die dringendsten Bedürfnisse der kapitalistischen Entwicklung zu befriedigen. Gleichzeitig wollte er aber verhindern, dass die Bourgeoisie die politische Macht gewann. Er nutzte dabei die Furcht der Bourgeoisie vor den Volksmassen aus. Der Verrat der Bourgeoisie an der Nation und am gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichte es ihm, seine Pläne in die Tat umzusetzen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Im Jahre 1864 versuchte Dänemark, sich Schleswig-Holstein anzueignen. Das deutsche Volk protestierte. Schon forderten Arbeiter und bürgerliche Demokraten in Volksversammlungen die Volksbewaffnung. Erste Freiwilligenverbände bildeten sich. Die Herrschenden in Preußen und auch in Österreich befürchteten einen revolutionären Volkskrieg, der sich nicht nur gegen Dänemark, sondern auch gegen die deutschen Fürsten richten könnte. Um dies zu verhindern, erklärten die Regierungen Österreichs und Preußens selbst den Krieg. Dänemark wurde im deutsch-dänischen Krieg schnell besiegt. Die Siegermächte besetzten Schleswig und Holstein.

Im Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland war Österreich der stärkste Gegner Preußens. 1866 führte Bismarck den Krieg mit Österreich herbei. Im preußisch-österreichischen Krieg schlug das preußische Heer die österreichischen Truppen in der Schlacht bei Königgrätz in Böhmen. Damit war der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland entschieden. Österreich schied aus dem deutschen Staatenverband aus.

Durch den Verrat der Bourgeoisie konnte Bismarck die Entscheidung über den Weg zu einem einheitlichen Nationalstaat gegen die demokratischen Kräfte herbeiführen.

Im Ergebnis des preußisch-österreichischen Krieges wurde im Jahre 1967 unter Vorherrschaft Preußens der Norddeutsche Bund gegründet. Ihm gehörten 21 Kleinstaaten und Freie Städte an. Der Reichstag des Norddeutschen Bundes wurde durch allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht gewählt. Die tatsächliche Macht im Bunde besaß jedoch der preußische König. Die Regierungsgeschäfte des Norddeutschen Bundes führte der preußische Ministerpräsident.

Der Norddeutsche Bund
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die süddeutschen Länder (siehe Karte) blieben auf Grund eines Einspruches des französischen Kaisers Napoleon III., der eine Verschiebung der politischen Macht in Europa zuungunsten der französischen Bourgeoisie fürchtete, und aus Misstrauen gegen Preußen außerhalb des Norddeutschen Bundes.

Nach dem Sieg über Österreich sprach die preußische Bourgeoisie Bismarck im preußischen Abgeordnetenhaus ihr Vertrauen aus. Damit gab sie offiziell ihren historischen Anspruch auf die Führung der Nation preis.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Widerspruch zwischen dem reaktionären System und der kapitalistischen Entwicklung in Deutschland

Das Wiedererstarken der Reaktion

Die Revolution von 1848/49 hatte die gesellschaftlichen und politischen Zustände in Deutschland nicht zu ändern vermocht. Die historisch überlebten feudalen Kräfte – Könige, Fürsten und Junker – behielten weiter die politische Macht. Die Zersplitterung Deutschlands in über 30 Einzelstaaten blieb erhalten.

Die bürgerlichen Revolutionen 1848/49 in Europa
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die reaktionären Kräfte versuchten, die Niederlage der Revolution zur Festigung ihrer Herrschaft zu benutzen. So wurde der Deutsche Bund wiederbelebt. Er sollte dazu beitragen, dass die reaktionären Zustände in Deutschland erhalten blieben. Zwar gerieten Österreich und Preußen im Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Bund in zunehmenden Gegensatz zueinander, aber bei der Unterdrückung der Volksmassen wirkten sie einträchtig zusammen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Durch Gesetze und Verordnungen, Polizeiterror und Justizwillkür versuchten die Einzelstaaten und der Deutsche Bund, jede demokratische Regung und erst recht die Arbeiterbewegung zu ersticken. Die demokratischen Volksvereine und die Arbeiterorganisationen wurden unterdrückt, Presse und Versammlungen einer strengen Aufsicht unterworfen. Die Geheimpolizei wurde vergrößert.

Im Jahre 1851 gelang es der Polizei, führende Mitglieder des Bundes der Kommunisten zu verhaften. Nach achtzehnmonatiger Untersuchungshaft fand 1852 gegen zwölf Angeklagte der berüchtigte Kölner Kommunistenprozess statt. Trotz der Haltlosigkeit der Anklage, die auf Fälschungen und Meineiden beruhte, wurden 7 Angeklagte zu insgesamt 36 Jahren Festungshaft verurteilt.

Mit der Verurteilung der ersten internationalen und deutschen Arbeiterpartei sollte die Arbeiterbewegung als gesellschaftliche Kraft ausgeschaltet und die gesamte demokratische Bewegung entscheidend getroffen werden.

Zur Wirtschaft Deutschlands um 1860
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Zuspitzung der Widersprüche in Deutschland

Selbst die angestrengsten Bemühungen der Reaktion, eine politische Friedhofsruhe in Deutschland zu schaffen, konnten die Entwicklung nicht rückgängig machen. Gegen die gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten war die Reaktion machtlos. Sie konnte nicht verhindern, dass sich auch in Deutschland der Kapitalismus in Industrie und Landwirtschaft schnell entwickelte.

So wirkten damals in Deutschland die gesellschaftlichen Widersprüche weiter, die schon zur Revolution von 1848/49 geführt hatten. Die kapitalistische Wirtschaft verlangte grundlegende politische Veränderungen. Wenn die deutsche Bourgeoisie auf dem Weltmarkt Schritt halten wollte, dann mussten die Fesseln fallen, die die kapitalistische Entwicklung hemmten. Noch immer gab es unterschiedliche Maße, Münzen und Gewichte, noch immer war die Gesetzgebung in den Einzelstaaten uneinheitlich. Die Bourgeoisie aber brauchte einen einheitlichen und starken Staat, der ihre Interessen im Inland wie auf dem Weltmarkt zu unterstützen vermochte.

Die Bildung des einheitlichen Nationalstaates musste antifeudalen Charakter tragen, als Aufgabe einer bürgerlichen Revolution sein. Während der Revolution war es die Aufgabe der Bourgeoisie, die Macht des Junkertums und der Dynastien zu beseitigen. Ein bürgerlich-demokratischer Nationalstaat lag aber nicht nur im Interesse der Bourgeoisie, sondern auch im Interesse der Arbeiterklasse. In einem solchen Staat hätte die Arbeiterklasse günstigere Bedingungen für ihre Organisation und die Entfaltung des proletarischen Klassenkampfes gegen die Bourgeoisie gehabt.

 

Die beiden Wege zur Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates

Nur zwei Kräfte waren nach 1848/49 in der Lage, die nationalstaatliche Einigung gegen den Widerstand der Einzelstaaten herzustellen: die Volksmassen oder das junkerlich-militaristische Preußen. Diesen beiden entgegengesetzten Kräften entsprachen zwei mögliche Wege zur nationalstaatlichen Einigung.

Der Weg, den die Volksmassen gehen wollten, war die Revolution von unten. Nur eine revolutionäre Volksbewegung gegen die historisch überlebten, aber noch die Macht ausübenden feudalen Kräfte konnte zur Beseitigung der vielen Herrscherhäuser und ihrer Stützen, zur Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates mit demokratischen Verhältnissen, zur Befreiung der national unterdrückten Völker und zur Herstellung friedlicher Verhältnisse zu den Nachbarvölkern führen. Dieser Weg war nur im Kampf gegen das junkerlich-militaristische Preußen für eine demokratische Republik möglich.

Der andere Weg, den das junkerlich-militaristische Preußen einschlagen wollte, war die Einigung Deutschlands von oben mit Gewalt durch den preußischen Militarismus. Dieser Weg richtete sich gegen die demokratischen Kräfte des deutschen Volkes und hatte die Erhaltung der Junker und Fürsten, die Vorherrschaft des reaktionären Preußens in Deutschland zum Ziel.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die I. Internationale

Die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes der Arbeiter aller Länder

Die Entwicklung des Kapitalismus und die Weltwirtschaftskrise von 1857 bis 1859 lösten einen neuen Aufschwung der Arbeiterbewegung aus. In allen kapitalistischen Ländern verschärfte sich der Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Die fortgeschrittenen Arbeiter suchten nach den richtigen Wegen und Mitteln ihres Kampfes. Die englischen Arbeiter zum Beispiel verfügten über Erfahrungen im ökonomischen Kampf und in der Organisation. Die französischen Arbeiter hatten in den Revolutionen von 1830 und 1848 wichtige politische Erfahrungen gesammelt. Diese verschiedenen Erfahrungen mussten nun für den Kampf aller Arbeiter fruchtbar gemacht werden.

Die Arbeiterklasse aller Länder befand sich in der gleichen Klassenlage: Sie war die sozial ausgebeutete und politisch unterdrückte Klasse. Sie hatte in allen Ländern den gleichen Feind: die Bourgeoisie und die kapitalistische Ausbeuterordnung. Die Arbeiter aller Länder verbanden deshalb die gleichen gemeinsamen Interessen: Der Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, für die Befreiung der Arbeiterklasse.

Der Kapitalismus hatte sich inzwischen im Weltmaßstab durchgesetzt. Die Arbeiterklasse konnte ihn nur erfolgreich bekämpfen, wenn sich die Arbeiter aller Länder gegen ihn zusammenschlossen. Der Kampf der Arbeiterklasse wurde durch politische Krisen in den wirtschaftlich fortgeschrittensten Ländern verstärkt. So spitzten sich in Deutschland die gesellschaftlichen Widersprüche zu. Die Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates wurde unumgänglich. 1863 erhob sich das polnische Volk gegen die zaristische Unterdrückung. Solidarisch unterstützten die Arbeiter vieler Länder den heldenhaften Kampf des polnischen Volkes. Sie verstanden, dass internationale Entscheidungen auf den Kampf der internationalen Arbeiterbewegung zurückwirken mussten.

Das elementare Streben der Arbeiter nach Einheit, internationaler Zusammenarbeit und Solidarität führte zur Gründung der I. Internationale.

Die Gründung der I. Internationale

Am 28. September 1864 versammelten sich in London etwa 2000 Arbeiter aus England, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und anderen Ländern. Einmütig beschlossen sie die Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation (I. Internationale). Die Gründungsversammlung wählte ein Komitee, das ein Programm und ein Statut für die neugegründete Organisation ausarbeiten sollte. Dieses Komitee übernahm als Generalrat die Leitung der I. Internationale. Zu seinen Mitgliedern gehörten Karl Marx und später auch Friedrich Engels.

Friedrich Engels‘ Mitgliedskarte der I. Internationale für das Jahr 1865
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Durch seine selbstlose Hingabe für die Sache der Arbeiterklasse, sein riesiges Wissen und seine tiefe Einsicht in die Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft wurde Karl Marx zum Organisator und Führer der I. Internationale.

Gründungsversammlung der I. Internationale in der Londoner St. Martin’s Hall am 28. September 1864. (Kohlezeichnung von Erst Schaumann, 1963)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Karl Marx arbeitete das Programm und das Statut aus. Dabei berücksichtigte er den unterschiedlichen Entwicklungsstand der Arbeiterbewegung in den einzelnen Ländern und die verschiedenartigen Einflüsse, denen die Arbeiterorganisationen ausgesetzt waren. Karl Marx betrachtete es unter diesen Bedingungen als Aufgabe der I. Internationale, die verschiedenen nationalen Abteilungen der internationalen Arbeiterbewegung fest zusammenzuschließen. Er wies der Arbeiterklasse den Weg zur allseitigen Entfaltung des Klassenkampfes, besonders zum politischen Kampf und zur Schaffung wirklich selbstständiger, das heißt von der Bourgeoisie unabhängiger revolutionärer Klassenorganisationen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Die I. Internationale
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Einheit der internationalen Arbeiterklasse ist die entscheidende Voraussetzung für ihr erfolgreiches Ringen, sie verwirklicht sich im Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung.

Diese internationale Solidarität und den gemeinsamen Kampf der Arbeiter aller Länder gegen soziale Ausbeutung und politische Unterdrückung nennen wir proletarischen Internationalismus.

Die I. Internationale trieb die Lösung der Arbeiterbewegung sowohl vom politischen als auch vom ideologischen Einfluss der Bourgeoisie wesentlich voran.

Sie gab die organisatorische, politische und theoretische Grundlage für die Entfaltung der selbständigen Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern und förderte damit die Entstehung revolutionärer Arbeiterparteien.

Die Kampferfahrungen der Arbeiter und die Tätigkeit der I. Internationale drängten falsche, antimarxistisch Auffassungen über die Aufgabe, den Weg und das Ziel der Arbeiterbewegung zurück. Die I. Internationale begann, den wissenschaftlichen Sozialismus mit der Massenbewegung der Arbeiterklasse im internationalen Maßstab zu vereinigen.

Das Erscheinen des ersten Bandes des „Kapitals“

Karl Marx und Friedrich Engels lebten seit der Niederlage der Revolution von 1848/49 bis zu ihrem Tode in der Emigration.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Aus Paris ausgewiesen, war Karl Marx 1849 nach London übergesiedelt. Auch Friedrich Engels war nach England gegangen. Er trat in eine Textilfabrik in Manchester ein, in der sein Vater Teilhaber war. So war er in der Lage, Karl Marx und dessen Familie finanziell zu unterstützen. Dennoch konnte er bittere Not nicht abwenden.

Karl Marx und seine Familie nahmen größte Opfer und Entbehrungen auf sich, um der Sache der Arbeiterklasse zu dienen. Unermüdlich studierte Karl Marx in der Bibliothek des Britischen Museums und dann zu Hause bis in die tiefe Nacht hinein. Über 1 500 Bücher las er in der jeweiligen Originalsprache und verarbeitete sie. So eignete er sich kritisch die Ergebnisse der Wissenschaft, besonders auf den Gebieten der Geschichte, der Wirtschaft, der Natur- und Rechtswissenschaften, an. Aufmerksam analysierte er alle wichtigen politischen Ereignisse in der Welt.

Als Ergebnis der vieljährigen unermüdlichen Arbeit von Karl Marx konnte 1867 der I. Band seines Hauptwerkes „Das Kapital“ erscheinen. Karl Marx arbeitete darin das Wesen und die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus heraus. Er bewies durch umfangreiches Tatsachenmaterial den unvermeidlichen Untergang der kapitalistischen Ausbeuterordnung und die geschichtliche Aufgabe der Arbeiterklasse als Totengräber des Kapitalismus und Schöpfer der kommunistischen Gesellschaft. Nun hat der Kapitalismus, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, weltweit gesiegt. Die Arbeiterbewegung ist weitgehend zerschlagen worden. Klassenbewusstsein innerhalb der heutigen Arbeiterklasse sucht man in der Regel vergeblich.

„Das Kapital“ umfasst drei Bände. Marx konnte die Bände II. und III. allerdings nicht mehr selbst druckfertig machen. Das übernahm Friedrich Engels. Er gab nach dem Tode von Marx 1885 den II. und 1894 den III. Band des „Kapitals“ heraus.


Jenny Marx
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Kampf der Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Unterdrückung

Streikkämpfe der Arbeiterklasse und die Herausbildung der Gewerkschaften

Der unversöhnliche Klassengegensatz zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie war auf ökonomischem Gebiet für die Arbeiter besonders sichtbar. Die Arbeiter erkannten deshalb bald, dass sie selbst die geringsten Forderungen – höheren Lohn, kürzere Arbeitszeit, bessere Arbeitsbedingungen – nur im ständigen Kampf gegen die Bourgeoisie durchsetzen konnten. Ein wirksames Mittel im Klassenkampf war die Verweigerung der Arbeit, der Streik. (Das Wort „Streik“ kommt vom englischen to Strike=schlagen und wurde zuerst 1856 im Sinne von „die Kapitalisten schlagen“ verwendet.)

Um erfolgreich kämpfen zu können, müssen sich die Arbeiter zusammenschließen. So entstanden zunächst örtliche Vereinigungen von Arbeitern eines Berufes, die Fachvereine. Sie bildeten die Grundlage für die Herausbildung zentraler Gewerkschaften.

In England, dem damals entwickelsten kapitalistischen Land, waren die Arbeiter am besten organisiert. Die Arbeiter verlangten die Abschaffung der vielen Überstunden. Daraufhin sperrten die Kapitalisten 1852 15 000 Arbeiter der Maschinenfabriken, darunter 3500 Gewerkschaftsmitglieder, in London und Lancashire aus. (Bei einer Aussperrung lassen die Kapitalisten die Arbeiter nicht an ihre Arbeitsplätze und zahlen ihnen keinen Lohn. Dadurch versuchen sie die Arbeiter zu zwingen, bestimmte Bedingungen anzunehmen.) Die Kapitalisten versuchten damit, die Arbeiter zum Austritt aus der Gewerkschaft zu zwingen. Nach dreimonatigem Ringen mussten die Arbeiter den Kampf abbrechen. Die Kapitalisten erreichten ihr Ziel jedoch nicht: Die Arbeiter blieben ihrer Organisation treu. Die Gewerkschaft der Maschinenbauer, die sich im Kampf bewährt hatte, wurde zum Vorbild für andere Gewerkschaften.

1858/59 forderten die Bauarbeiter Londons den neunstündigen Arbeitstag. Durch eine Massenaussperrung, von der 24 000 Arbeiter betroffen wurden, wollten die Kapitalisten die Bauarbeiter-Gewerkschaften sprengen. Arbeiter ganz Englands unterstützten das Ringen der Bauarbeiter Londons, das von August 1858 bis Februar 1860 währte. Die organisiert kämpfenden Arbeiter erwiesen sich als unbezwingbar.

Auch in Deutschland fanden in dieser Zeit Streiks statt. In der Zeit von 1852 bis 1859 kam es zu über 100, allerdings kleineren Streiks. Mehr als die Hälfte davon wurde polizeilich niedergeworfen.

Mit der Verschärfung des Gegensatzes zwischen der Arbeiterklasse und den Kapitalisten nahmen die Streiks zu, und die Gewerkschaften breiteten sich aus. Bisher noch nicht organisierte Arbeiter traten den Gewerkschaften bei. Fachvereine schlossen sich zentralen Verbänden an. Neue Gewerkschaften bildeten sich. Die Arbeiterklasse konnte den Klassenkampf gegen die Bourgeoise umfassender und erfolgreicher führen.

 

 

Streik um 1860 in einem Werk in L Creuzot (Frankreich). (Zeitgenössische Darstellung)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Vereinigte Gesellschaft der Maschinenbauer, 1851 gegründet, war die größte Gewerkschaft Englands. Die zählte 1851 5000 Mitglieder, 1866/67 waren es bereits 33 000. Um 1870 waren 375 000 englische Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.

In Deutschland wurden die Arbeiterorganisationen rücksichtslos unterdrückt. Dennoch bestanden von 1852 bis 1859 über 800 lokale Arbeitervereinigungen, darunter Fachvereine und gewerkschaftliche Hilfskassen. Ein Teil knüpfte untereinander Verbindungen an. Es entstanden die ersten zentralen Gewerkschaftsverbände der Tabakarbeiter (1865) und der Buchdrucker (1866).

Die einzelnen Gewerkschaften erfassten die Arbeiter eines Berufs. Größere Kämpfe aber erforderten das Zusammenwirken der Gewerkschaften über die Berufsgrenzen hinaus. Veranlasst durch den Bauarbeiterstreik 1859/1860 entstand 1860 der Londoner Gewerkschaftsrat. Ihm gehörten viele Leiter von gewerkschaftlichen Zentralverbänden an. Er wurde bald zum führenden Organ der gesamten englischen Gewerkschaftsbewegung.

Bedeutung und Grenzen des ökonomischen Klassenkampfes des Proletariats

Der Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen bildete einen wichtigen Bestandteil des proletarischen Klassenkampfes. Durch ihn konnten auch noch nicht klassenbewusste Arbeiter in den Kampf einbezogen werden. So förderte er den Organisationsprozess der Arbeiterklasse. Dadurch wurden die Arbeiter aktionsfähiger; sie wurden zum gesellschaftlichen Machtfaktor. Die Gewerkschaften waren reine Arbeiterorganisationen. Durch ihren Kampf setzte die Arbeiterklasse -allerdings nur geringe- Lohnerhöhungen durch und erzwang die Verkürzung der Arbeitszeit.

Dieser ökonomische Kampf diente zunächst der Verbesserung der Lage der Arbeiter innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Er war überhaupt nicht auf die Beseitigung der Ausbeutung ausgerichtet. Deshalb konnte er die gesellschaftliche Lage der Arbeiterklasse im Kapitalismus als ausgebeutete und politisch unterdrückte Klasse nicht grundsätzlich ändern. Die Arbeiterklasse muss darum ihr ökonomisches Ringen mit dem politischen Kampf verbinden.

 

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Bourgeoisie setzte ihre wirtschaftliche und politische Macht gegen die Organisationsbestrebungen der Arbeiter ein. Jeder Fortschritt in der Organisierung der Arbeiter musste deshalb gegen die Bourgeoisie und ihren Staat erkämpft werden.

In Frankreich verbot das Gesetz „Le Chapelier“ von 1791 alle Arbeiterorganisationen und Streiks. Aber auch der französische Kaiser Napoleon III. und seine Polizei- und Militärmacht erwiesen sich außerstande, die Bildung von Arbeitervereinen und die Durchführung von Streiks zu verhindern. Durch ihren Kampf erzwang die Arbeiterklasse 1864 die teilweise Aufhebung dieses Gesetzes.

In allen kapitalistischen Staaten musste sich die Arbeiterklasse demokratische Rechte, wie das Versammlungs- und Vereinigungsrecht, selbst erkämpfen. Das Ringen um diese demokratischen Rechte ist Bestandteil des politischen Kampfes. Er muss sich letztendlich gegen das Herrschaftssystem der Bourgeoisie richten und zur Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse führen. Der politische Kampf ist die höchste und wirkungsvollste Form des proletarischen Klassenkampfes.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982. Bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Zuspitzung der Klassenkämpfe in den imperialistischen Ländern

Die Weltwirtschaftskrise

Weltwirtschaftskrise New York

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In das Jahr 1929 fiel der Beginn einer Weltwirtschaftskrise. Das Monopolkapital hatte in den vorangegangen Jahren einerseits um des Profites willen die Warenproduktion unaufhörlich gesteigert, andererseits aber durch die verschärfte Ausbeutung die Kaufkraft der Volksmassen nicht erhöht, im Vergleich zur Produktion sogar gesenkt.

Entwicklung Industrieproduktion 1929 bis 1933

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

So häuften sich die Waren auf dem Markt, weil die Masse der Werktätigen(arbeitenden Menschen) nicht über das notwendige Geldeinkommen verfügte, um diese zu kaufen. Da riesige Mengen an Waren auf dem Markt nicht verkauft werden konnten, fehlte es den kapitalistischen Betrieben auch bald an Kapital zur Fortsetzung des Produktionsprozesses. Es entstand ein außerordentlicher Mangel an Bargeld und Krediten. Vor allem in den USA und in allen imperialistischen Ländern der Welt wurde ein großer Teil der Produktion stillgelegt, Millionen Arbeiter entlassen, Produktivkräfte zerstört.

Vergleich Arbeitslosigkeit 1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Abgerissene Hochöfen während Weltwirtschaftskrise

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Während am Vorabend der Weltwirtschaftskrise 6 Millionen Arbeiter ohne ständigen Erwerb waren, wuchs die Anzahl der Erwerbslosen jetzt auf 30 bis 40 Millionen an. Das heißt, es mussten – die Familienmitglieder zugerechnet- in der kapitalistischen Welt mehr als 120 Millionen Menschen die furchtbaren Folgen der Arbeitslosigkeit ertragen.

Viele Menschen suchten verzweifelt nach irgendwelcher Arbeit, aber Hundertausende Maschinen waren stillgelegt worden. Millionen  Arbeiter hungerten, doch das Getreide der guten Ernte faulte in den Lagern, weil es an genügend zahlungskräftigen Käufern fehlte. Weizen wurde in Lokomotiven verheizt, Milch in die Abwässer geschüttet und Obstplantagen abgeholzt, um die Preise hochzuhalten.

Auch heutzutage werden Lebensmittel vernichtet, um die Preise hochzuhalten. Anderseits bekommen Bauern, wie z.B. die Milchbauern, keinen ausreichenden Erlös für ihre Arbeit und müssen ihre Existenzen aufgeben. Ausländische Bauern bekommen ebenso zu wenig Erlös für die von Ihnen produzierten Lebens- und Genussmittel, die in den Export gehen. Es gibt zwar fair gehandelte Waren, doch dies ist nur eine Nische und nicht die Masse. So ist die Kampagne „fairer Handel“ zwar eine gute Sache, doch die Masse der Geringverdiener und Arbeitslosen kann sich diese Waren nicht leisten. Es hat sich an diesen Zuständen nichts geändert.

Brasilien Kaffe wird ins Meer geschüttet

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Texas Großfarmer schütten Milch in Gully

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Imperialisten nutzten den Prozess der Verschmelzung der Monopole mit dem Staatsapparat aus und ließen sich große Krisen-Zuschüsse zahlen. Die Regierung der USA gab zum Beispiel den größten Banken und Industriemonopolen 3,5 Milliarden Dollar aus Steuergeldern, während den kleineren Unternehmen solche finanziellen Unterstützungen vorenthalten wurden. Mehr als 100 000 kleinere Handels- und Industrieunternehmer nachten bankrott. Viele wirtschaftlich schwache Unternehmen wurden von den großen Monopolen aufgesogen, die somit auch während der Krise den Prozess der Konzentration des Kapitals vorantrieben.

Auch das kommt uns bekannt vor, da heutzutage ebenso verfahren wird.

 

Die Verschärfung der Klassenkämpfe und die Förderung des Faschismus durch kreise der Monopolbourgeoisie

In der Weltwirtschaftskrise verschärften sich die Klassengegensätze. Teile der Arbeiterklasse wahrten sich mit Streiks und Demonstrationen gegen die wachsende Verelendung.

Aktionen Arbeiterklasse gegen Unterdrückung in Weltwirtschaftskrise

Aktionen gegen Ausbeutung und Unterdrückung während der Weltwirtschaftskrise

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

In den USA wuchs die Zahl der Streikenden von 337 000 im Jahre 1931 bis mehr als eine Million im Jahre 1933. Millionen Arbeitslose organisierten  1931 einen Hungermarsch durch Washington. Großes Ausmaß nahmen auch die Demonstrationen der Arbeitslosen in Japan an. Sie forderten Arbeitslosenunterstützung, kostenlose Verteilung der Reisvorräte und Erlass der Wohnungsmieten. In England beteiligten sich in dreieinhalb Jahren der Krise 1 260 000 Arbeiter an Streiks. Französische Berg-, Metall- und Textilarbeiter, Eisenbahner und Seeleute erhoben sich zu gewaltigen Streikaktionen, die sich nicht selten zu Barrikadenkämpfen gegen die Polizei entwickelten. In Spanien formierte sich aus den unzufriedenen Arbeiter, Bauern sowie kleinen und mittleren Unternehmern eine antimonarchistische revolutionäre Bewegung. Massenstreiks, Demonstrationen, Meutereien von Truppenteilen und Straßenkämpfe erschütterten das monarchistische Regime. Der König floh 1931 ins Ausland. Der Block der Bourgeoisie und der liberalen Großgrundbesitzer verkündete offiziell die Errichtung der Republik.

In vielen kapitalistischen Ländern war die Monopolbourgeoisie nicht mehr imstande, ihre Ausbeutungs- und Eroberungspolitik gegen den wachsenden Wiederstand der Werktätigen(arbeitenden Menschen) im Inneren und gegen die ausländischen imperialistischen Konkurrenten mit herkömmlichen bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsmetoden und mit ökonomischen und diplomatischen Mitteln durchzusetzen. Sie waren bestrebt, den Ausweg in einer offen terroristischen Herrschaftsform, in der faschistischen Diktatur zu suchen.

Bezeichnung Faschismus

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Durch diese offene Diktatur nach innen sollte der Aggressionskrieg nach außen vorbereitet werden.

In einigen imperialistischen Ländern entwickelte sich der Faschismus zunächst als eine politische Bewegung und ideologische Strömung, die den Ausbeutungs- und Eroberungsinteressen der reaktionärsten Kreise entsprach. Diese Gruppen förderten den Faschismus, um damit die Herrschaft des Monopolkapitals zu stabilisieren.

In Japan versuchte die faschistische Nationale Föderation junger Offiziere 1932 eine offene Militärdiktatur zu errichten. Sie verbreiteten Flugblätter, in denen sie demagogisch erklärten, dass die jungen Offiziere das Volk in seinem Kampf gegen die „Geschäftemacher und Spekulanten“, gegen die „Liebhaber müheloser Profite“ unterstützen wollten. Am 15. Mai 1932 ermordeten faschistische Verschwörer den japanischen Ministerpräsidenten Inukai. Aber wegen ihrer demagogischen agitatorischen(propagandistischen) Angriffe auf das Finanzkapital wurden die faschistischen Verschwörer von führenden Monopolgruppen mehr für gefährlich als nützlich gehalten. Deshalb endete die Verschwörung nur mit einem Teilerfolg. Ihr Führer erhielt lediglich im neuen Koalitionskabinett der „nationalen Einheit“ den Posten des Kriegsministers.

Ebenfalls im Jahre 1932 forderten die reaktionärsten Vertreter der Großbourgeoisie Frankreichs die Beseitigung des parlamentarischen Regierungssystems und die Errichtung eines Autoritären Regimes. Um alle linksorientierten Kräfte zu isolieren, bezichtigten die profaschistischen Elemente die Kommunisten des Mordes am Präsidenten Doumer. Doch die kommunistische Presse entlarvte rechtzeitig den Mörder als Weißgardisten und Verbindungsmann der französischen Geheimpolizei. Die Provokation scheiterte.

Kundgebung Volksfront Paris 1934

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Anfang Februar 1934 unternahmen mehr als 20 000 bewaffnete französische Faschisten einen Putsch mit dem Ziel, die faschistische Diktatur im Interesse französischer Industrie- und Bankmonopolisten zu errichten. In gewaltigen Aktionen unter Führung der Kommunistischen Partei Frankreichs und des Unabhängigen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, die in einen Generalstreik von 4,5 Millionen Arbeitern am 12. Februar 1934 mündeten, wurden die Faschisten zurückgeschlagen. Das sogenannte einheitliche Handeln der Arbeiterklasse im antifaschistischen Kampf schuf auch die Grundlagen für eine demokratische Bewegung in Frankreich. Unter dem Druck einer wachsenden antifaschistischen Massenbewegung waren schließlich im Juli 1935 die Führer der französischen Sozialisten gezwungen, ein Einheitsfrontabkommen mit der Kommunistischen Partei abzuschließen. Gemeinsam mit anderen demokratischen, antifaschistischen Parteien und Organisationen bildeten sie die Volksfront, die bei den Parlamentswahlen 1936 einen Sieg errang. Damit war bewiesen, dass die einheitliche Aktion der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten den Faschismus schlagen kann.

In Österreich nahm im Februar 1934 ein Teil der Arbeiterklasse den bewaffneten Kampf gegen bewaffnete Banden der sogenannten Heimwehr und der Nazipartei auf, um die Demokratie zu verteidigen. Da es hier durch die Haltung rechter sozialdemokratischer Führer nicht zum Generalstreik kam, erlitten die Arbeiter im dreitägigen Kampf eine blutige Niederlage.

Österreichische Regierungstruppen

Österreichische Regierungstruppen sorgen in Wien für „Ruhe und Ordnung“

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Im Oktober 1934 nahmen die Arbeiter Spaniens in einheitlicher Front den Massenkampf gegen die Vorstöße der Reaktion auf. In Asturien ging der Generalstreik teilweise in den bewaffneten Kampf über. Die mehrtägigen Kämpfe endeten mit einer Niederlage der Arbeiter. In der Folgezeit wuchs jedoch die Einheitsfrontbewegung und der Einfluss der Arbeiterorganisationen an. Das führte schließlich am 15. Januar 1936 zu einem Volksfrontabkommen zwischen der Kommunistischen Partei Spaniens, der Linksrepublikanischen und Sozialdemokratischen Partei. Die Volksfront ging aus folgenden Wahlen im Februar 1936 als Sieger hervor. Volksfrontparteien bildeten in Spanien eine antifaschistische Regierung.

Madrid am Tage der Ausrufung der Republik

Madrid am Tage der Ausrufung der Republik

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Orignal-Text

Zuspitzung der Klassenkämpfe in imperialistischen Ländern

 

Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR, Seite 6: Zusammenfassung

Zusammenfassung

Durch die fleißige Arbeit der Werktätigen(arbeitenden Menschen)unter der zunächst weitsichtigen Führung der SED, wurden in der DDR gegen den erbitterten Widerstand der Imperialisten eine leistungsfähige sozialistische Industrie und eine moderne sozialistische Landwirtschaft aufgebaut.

fleißige Arbeiter

Bildquelle: Schorn
http://www.schorngmbh.com/produkt/poly-m-fleissige-arbeiter

 

Im Zuge der sozialdemokratischen „Entspannungspolitik“ und nach der Ablösung von Walter Ulbricht durch Erich Honecker, bröckelte die Weitsicht der SED immer mehr und man machte den Imperialisten immer mehr Zugeständnisse.  Die Bürgerinnen und Bürger der DDR hatten immer mehr Grund zur Unzufriedenheit. Durch den Einfluss der Westmedien und des Versagens der eigenen Medien, wurde die Unzufriedenheit der Menschen in die falsche Richtung gelenkt.

Die damalige Zeit stellte neue, hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft, um die sozialistischen Errungenschaften zu sichern und schrittweise weiter auszubauen, den Frieden zu sichern und die Angriffe der Imperialisten abzuwehren. Diesen war man 1989 nicht mehr gewachsen.

Scheitern_Experiment

 

Bildquelle: Geld verdienen mit Nischenblogs
http://www.geld-verdienen-mit-nischenblog.de/2011/07/07/scheitern-eines-experimentes-exklusive-facebookinhalte/

 

Eine solide fachliche und politische Bildung aller Werktätigen(arbeitende Menschen), besonders der Jugend und ihre volle Leistungsbereitschaft wären grundlegende Voraussetzungen gewesen, um die damals zu lösenden Aufgaben, welche die Geschichte den Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern der DDR stellte, bewältigen zu können.

Herausforderungen bewältigen

Bildquelle: Ass Compact
http://www.asscompact.de/nachrichten/herausforderungen-der-idd-besser-bewältigen

 

Die Bildung in Geschichte und Politik in der DDR war sehr gut. Doch was nützte das, wenn das Gelernte nicht angenommen und beherzigt wurde?  Für diesen Beitrag war das Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1986, Vorlage.   Die Eltern der damaligen Schülerinnen und Schüler mögen Zuhause was anderes erzählt und das Gelernte zunichte gemacht haben. Die Eltern hätten lieber mitlernen sollen. Stattdessen glaubte man, dass im Westen insbesondere der BRD, alles Glück der Erde läge.

Heute kann niemand sagen, nicht gewarnt worden zu sein. Es wurde gelehrt was Kapitalismus bedeutet und dass die sozialen Errungenschaften im Sozialismus nicht selbstverständlich waren. Was zu tun war um diese Errungenschaften zu erhalten und in der Geschichte zu bestehen, wurde gelehrt. Doch die Warnungen und das Erlernte wurden in den Wind geschlagen.

Warnung in den Wind schlagen bei Windstille

Bildquelle: Gute Zitate
https://gutezitate.com/zitat/122729

Nun hat der Kapitalismus gesiegt und von einzelnen Ausnahmen abgesehen die Welt wieder erobert.


 

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1986, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Staatsbürgerkunde DDR 7 Stand 1986

Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR, Seite 5: Soziale Errungenschaften und Klassenkampf

Soziale Errungenschaften und Klassenkampf

Auch auf den anderen Gebieten der sozialen und kulturellen Entwicklung – im Bildungswesen, auf dem Gebiet der Kultur, Im Gesundheits- und Sozialwesen und bei der Sozialversicherung und den Renten – wurde zielstrebig daran gearbeitet, die erreichten Errungenschaften zu sichern und Schritt für Schritt auszubauen. Das kam auch in den ständig steigenden Ausgaben des Staates für diese Bereiche zum Ausdruck.

Staatsausgaben DDR Soziales und Kultur

Staatsausgaben der DDR für Soziales und Kultur

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

 

Weil diese sozialen Errungenschaften die Vorzüge des Sozialismus deutlich machten, haben sich die Feinde des Sozialismus darum bemüht, die Verwirklichung des sozialpolitischen Programms zu verhindern oder wenigstens zu behindern. Sie haben dabei viele Methoden angewendet. Eine Methode waren sozialpolitische Zugeständnisse in ihren Ländern, die nach  dem Sieg des Kapitalismus und Beseitigung der DDR wieder zurückgefahren worden sind und aktuell weiter Sozialabbau betrieben wird.

Eine der gefährlichsten Methoden war  die beispiellose Hochrüstung.Diese sollte die sozialistischen Länder zu so hohen Ausgaben für die Landesverteidigung zwingen, so dass für das Sozialprogramm nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen sollten. Die Gefährlichkeit dieser Methode bestand darin, dass die Gefahr eines III: Weltkrieges, auch unter Anwendung von Atomwaffen, erhöht  wurde. Letztendlich ist es gelungen die sozialistischen Länder totzurüsten. In der DDR ging die Friedensbewegung in die falsche Richtung. Anstatt gegen die Hochrüstung des Westens unter Führung der USA, richtete sie sich gegen die Verteidigung des eigenen Landes und seiner Verbündeten.

Es wurden gegen die sozialistischen Länder Maßnahmen ergriffen, damit sie bestimmte Waren(Maschinen, Rohstoffe, Technologien) nicht erhalten konnten. Man nennt das Embargopolitik. Das ist ja heute noch bei den verbliebenen sozialistischen Ländern Kuba und Nordkorea aktuell. Wir erinnern uns an die Verschärfung des Ölembargos gegen Nordkorea um Weihnachten 2017 herum.

Selbst abgeschlossene Verträge über Exporte sozialistischer Länder wurden gekündigt, damit diese Länder nicht genügend Geld einnehmen, um die von ihnen bestellten Waren bezahlen zu können. Sie sollten gezwungen werden, sich Geld zu leihen, Kredite aufzunehmen, für die hohe Zinsen gezahlt werden mussten. (Hochzinspolitik) So ist es erklärlich, dass sich die DDR auf den Deal mit dem Erzfeind Franz-Josef Strauß einließ, der der DDR einen Milliardenkredit vermittelte.

So fand ein Handelskrieg gegen die sozialistischen Länder statt: Die Imperialisten wollten den Sozialismus in die Knie zwingen. Damit haben sie 1989 letztendlich Erfolg gehabt. Das Sozialprogramm war ihnen als Errungenschaften der Werktätigen(arbeitenden Menschen) im Sozialismus ein Dorn im Auge. Nun haben sie es geschafft dieses zu beseitigen.

 

Worauf es ankam

In den letzten Jahren der DDR wurde es immer schwieriger die erreichten sozialen und kulturellen Errungenschaften zu sichern und schrittweise weiterzuführen.

Wollte man deshalb aufgeben?

Alle wussten, dass man nur das verbrauchen konnte, was vorher produziert worden ist. Man musste produzieren, was wirklich gebraucht wurde und was man mit Gewinn verkaufen konnte, sei es im Inland oder Export. Im Zuge der sozialdemokratischen „Entspannungspolitik“ ging vieles in den Export, was im Inland fehlte. Mit der sozialdemokratischen „Entspannungspolitik“ wurden falsche Hoffnungen gemacht, doch es war die „Konterrevolution auf Filzlatschen“, wie schon frühzeitig Otto Winzer (1965 bis 1975 Außenminister der DDR)erkannte. Die Bevölkerung der DDR wurde so immer unzufriedener, was sie dann mehrheitlich 1989 auf die Straße trieb.

Ein hoher Stellenwert für die Lösung der wirtschaftlichen  und sozialen Aufgaben wäre das Bewusstsein der Werktätigen(arbeitenden Menschen) gewesen. Der feste Wille, die Aufgaben zu meistern, die Bereitschaft, neue Leistungen zu vollbringen, Anstrengungen auf sich zu nehmen und nachzudenken, wie man neue Wege findet, wäre notwendig gewesen. Dazu hätte fleißig und diszipliniert gearbeitet werden müssen. Außerdem hätte man lernen müssen neue Maschinen, Technologien und Werkstoffe zu beherrschen. Gute Fachleute waren gefragt. Konnte man aber nicht erst ein guter Fachmann, eine gute Fachfrau sein, wenn man wusste, wofür die eigenen Anstrengungen notwendig waren, was auf dem Spiel stand, wie die Zusammenhänge in der Gesellschaft zwischen Arbeit und Lebensniveau waren, also wenn man einen klaren Standpunkt zu vielen Fragen der Zeit hatte?

Kopf zerbrechen

Bildquelle: K&K Management Lorenz
https://kukmanagementlorenz.de.tl/Krisenmanagement.htm

 

Gute fachliche und politische Kenntnisse, Leistungsbereitschaft und Disziplin sowie die Bereitschaft, anderen zu helfen, das waren die Eigenschaften, die jede Staatsbürgerin, jeder Staatsbürger der DDR brauchte, damit die Aufgaben gemeinsam gelöst werden konnten.

Im Staatsbürgerkundebuch der DDR werden einige Stimmen wiedergegeben, die diese Gedanken zum Ausdruck bringen. Doch in der Praxis war das eine Minderheit. Genauso wie in den Medien der DDR stets über die Arbeit geredet wurde. Das war der Bevölkerung nach Feierabend einfach zuviel und interessierte nicht. So mag es die damaligen Schülerinnen und Schüler auch nicht interessiert haben.

Es werden noch damals neue Techniken aufgeführt und vermerkt, dass es wichtig war, diese zu beherrschen ohne „Bruch“ zu machen. Außerdem wurde appelliert mit Material, Energie und allen Ergebnissen der Arbeit sparsam umzugehen und sie vor mutwilliger Zerstörung zu schützen.

Im Staatsbürgerkundebuch wurde zum Nachdenken darüber angeregt, wie man das Lebensniveau hätte sichern können. Man kam immer wieder auf die Erkenntnis zurück, das viel vom Wissen, von der Haltung, vom Charakter und vom Willen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)abhing.

Die heutige Erkenntnis ist bitter, wenn man feststellt, dass es damit haperte und die Werktätigen(arbeitenden Menschen) einen großen Anteil am Gelingen der Konterrevolution hatten. Die Westmedien hatten mit der Beeinflussung  Erfolg. Selbst Besuch aus dem Westen, wie z.B. der BRD, wurde nicht geglaubt, wenn dieser die  wahren Verhältnisse dort beschrieb.

Montagsdemo 1989 Kopie 2

Montagsdemo 1989

Bildquelle: Lemo https://www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/friedliche-revolution/montagsdemonstrationen.html

 

 

Fortsetzung Seite 6(Zusammenfassung)