Gedächtnisprotokoll von Rudi Mittig zum Thema konterrevolutionäre Gruppen

Gedächtnisprotokoll  vom 26.09.1989

Gedächtnisprotokoll über die Beratung von Rudi Mittig mit Führungskräften des MfS am 26.09.1989

Das Anliegen der Beratung bestand darin, die damals aktuelle Lage zu beurteilen und die notwendigen Aufgaben davon abzuleiten. 

Hauptsächlich ging es um die Einleitung von Maßnahmen gegen die Herausbildung der konterrevolutionären Gruppe „Neues Forum“(NF) und anderer konterrevolutionärer Zusammenschlüsse zur Schaffung einer Sammlungsbewegung entschieden entgegenzuwirken. Insbesondere ging es darum zu verhindern, dass es den Konterrevolutionären gelingt eine Massenbasis, insbesondere unter der Arbeiterklasse, unter befreundeten Parteien und berufsspezifischen Personengruppen und Organisationsstrukturen der sozialistischen Gesellschaft zu unterwandern und zu missbrauchen.

Es ging um die Verhinderung des Missbrauchs öffentlicher Veranstaltungen durch Verlesen des Aufrufs des „Neuen Forums“ sowie der Unterschriftensammlung. Das Ziel des „Neuen Forums“ bestand darin, insbesondere Personenkreise aus den Bereichen Kunst und Kultur, der Intelligenz, der Jugend und der ASTA(Vertretungen der Studierenden an Universitäten) zu gewinnen bzw. einzubeziehen.

Die grundsätzliche Aufgabe war, eine DDR-weite konterrevolutionäre Sammlungsbewegung zu verhindern, einschließlich einer möglichen Vernetzung mit konterrevolutionären Gruppen anderer sozialistischer Länder.

Das Vorgehen der inneren und äußeren Feinde hatte eine neue Qualität erreicht. Z.B., waren am 25.09.1989 erneut in Leipzig konterrevolutionäre Personen wirksam. (Im Dokument werden sie offiziell als „feindlich-negative Personen“ bezeichnet. Die Gruppen aber werden verharmlosend als „oppositionelle Gruppen“ bezeichnet.) In der Nikolei-Kirche waren 2000 und auf dem Platz davor nochmals 1000 Personen zusammengekommen.

Durch zwei namentlich bekannte Pfarrer wurden Hetzreden gehalten. Die Sicherheitskräfte wurden diskreditiert. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung wurden demagogisch Losungen gerufen wie Freiheit und Brüderlichkeit bis hin zum Missbrauch der Internationalen.

Dort wurde auch für das „Neue Forum“ geworben und dessen Zulassung gefordert. 

Während der Veranstaltung wurde eine ausgesprochen aggressive Atmosphäre geschaffen. Es wurde festgestellt, dass unter Einbindung der erfolgten Festnahmen die Konfrontation mit den Sicherungskräften gesucht wurde. Es war gelungen, durch da Absperren der Innenstadt das anwesende ZDF nicht in diesem Raum zuzulassen. 

Wie sollte es nun weitergehen? Rudi Mittig erinnerte mit Nachdruck an die durch den Minister, Erich Mielke geforderten weiteren Maßnahmen.

Es ging um das Herausfiltern der Konterrevolutionäre, die man strafrechtlich verfolgen  oder abschieben(i.d.R. in die BRD)konnte

Es wurde festgestellt, dass die Veranstaltung in der Nikolei-Kirche keine Leipziger Lokalangelegenheit war, sondern alle anging. Zur damaligen Zeit war in Leipzig der fruchtbarste Boden für die feindliche Tätigkeit der Konterrevolutionäre und auch das größte organisatorische Potenzial. Es wurde  eine hohe Wachsamkeit gefordert und hingewiesen, dass damit zu rechnen war, dass gegnerische Kräfte das Gleiche in anderen Bezirken organisieren würden. Es wurde Festgestellt, dass die Stimmung in der Bevölkerung ausreichte, dass zumindest in Teilen, die Konterrevolutionäre Sympathisanten gewannen. Es wurde eingeschätzt, dass es nicht mehr möglich war diese Situation rasch zu beseitigen und darauf hingewiesen, dass nun überall in der DDR mit derartigen Aktivitäten zu rechnen wäre.

Es wurde der Einsatz der Sicherungskräfte des MfS, der VP, der Kampfgruppen und der gesellschaftlichen Kräfte gefordert. 

Der Erfolg von Gegenmaßnahmen wäre aber nur gegeben, wenn man an Informationen über die feindlichen Absichten gelangen würde. 

Allerdings wurde festgestellt, dass es sich bei diesen Feinden teilweise um Profis handelte, welche die Strategie und Taktik des MfS bestens kannten. 

Beim Einsatz der Sicherungskräfte sollten die individuellen Besonderheiten der jeweiligen Stadt, wie z.B. Leipzig, berücksichtigt werden

Die Unterschriftensammlungen der Konterrevolutionäre wirkten motivierend. Es wurde eingeschätzt, das es ihnen gelungen war eine beachtliche Anzahl von Menschen zu aktivieren, insbesondere unter dem Aspekt der Ökologie, der Volksbildung, der Philosophie u.a. mehr. Den Konterrevolutionären ist es in relativ kurzer Zeit gelungen ein großes Potenzial von Menschen zu beeinflussen.

Das MfS erneuerte die Forderung an die SED-Bezirksleitungen und SED-Kreisleitungen den weiteren Einsatz gesellschaftlicher Kräfte zu organisieren. Allerdings wurde das ignoriert und dem MfS alles überlassen. Ein Markstein auf dem Weg des Untergangs der DDR.

Nach der Ablehnung der Bildung des „Neuen Forums“ durch das MdI(Innenministerium der DDR)war eine Zunahme von Initiativen und Aktivitäten festzustellen. Die Absicht bestand darin, bis zum 07.10.1989 vollendete Tatsachen zu schaffen. Es bestand die Aufgabe der Feststellung weiterer Unterschriftensammlungen. Eppelmann u.a. beabsichtigten, eine Zusammenführung insgesamt zu einer einheitlichen legalen Opposition zu erreichen, und mit Berufung auf die Verfassung der DDR setzten sie unvermindert ihre Aktivitäten fort. In acht Bezirken erfolgten bisher Anmeldungen des „Neuen Forums“.  Die Konterrevolutionäre betrachteten sich nicht als verfassungsfeindlich und machten unverfroren weiter. Sie wollten sich an die DDR-Gerichte wenden. Die weitere Berichterstattung bestand über die West-Medien. Es bestand die Absicht, ein zentrales Büro einzurichten, eine zentrale Kartei anzulegen und des bestand das Ziel, bis Ende 1989 10 000 Unterschriften zu sammeln.

Sie wollten in allen Bezirken sogenannte Bezirksverantwortliche für das „Neue Forum“ bilden. Es ging ihnen um die Weiterverbreitung des Aufrufes und um die Fortsetzung von Unterschriftensammlungen. Dabei wurden Kulturveranstaltungen genutzt, Unterhaltungskünstler einbezogen und in Wohngebieten Unterschriften gesammelt. Am 02.10.1989 war ein territoriales Treffen von  Unterzeichnern geplant.

Nun wird in dem Dokument auf weitere konterrevolutionäre Organisationen eingegangen.

SPD-Meckel

Seit Januar 1990 SPD, davor SDP

…beabsichtigte u.a. 500 Interessenten zu gewinnen. Am 07.10.1989 wollten sie die Sozialdemokratische Partei gründen, was dann auch geschah.

 

Demokratischer Aufbruch

Am 01.10.1989 war in der Berliner Samarita-Gemeinde ein Treffen durch Eppelmann vorgesehen, um die Vereinigung fortzusetzen und am 07.10.1989 die Bildung des Demokratischen Aufbruchs vorzunehmen. Dazu hatte Pfarrer Richter aus Erfurt ein entsprechendes Programm erarbeitet.

Regulär wurde der Demokratische Aufbruch am 29.10.1989 gegründet. 

 

Demokratische Initiative

Hierzu fand am 24.09.1989 in Leipzig in der Markus-Kirche ein Vertretertreffen konterrevolutionärer Gruppen(Bohley) statt. Hier wurden Vorstellungen entwickelt und über die Westmedien verbreitet, eine Dachorganisation zu bilden.  Bärbel Bohley sagte hierzu nein, es sollten einzelne Gruppen selbständig bestehen bleiben. 

Rudi Mittig vermerkte in seinem Protokoll, dass das MfS diese Widersprüche nutzen sollte und das Bärbel Bohley auf jeden Fall eine Feindin ist.

 

Demokratie Jetzt

Mitinitiator ist Hans-Jürgen Fischbeck

Diese konterrevolutionäre Gruppe wurde durch Bischof Leich befürwortet.

Es gab zu jener Zeit keinen einzigen kirchlichen Würdenträger, der sich gegen das „Neue Forum“ sowie generell gegen die konterrevolutionäre Bewegung ausgesprochen hätte. Im Gegenteil, die kirchlichen Würdenträger stellten ihre kirchlichen Räume bereit, sie leisteten Rechtsbeistand und solidarisierten sich mit den konterrevolutionären Kräften. Rudi Mittig vermerkte, dass mit weiteren Initiativen der feindlichen Kräfte zu rechnen wäre.

Rudi Mittig forderte an dieser Stelle, dass das MfS noch präziser arbeiten, buchhalterisch jede geringste Kleinigkeit der Aktivitäten feststellen, dokumentieren und dabei insbesondere auf ihre Dynamik beachten müsse. Er forderte, eine aktuelle Tagesübersicht durch die HA XX zu gewährleisten. Dazu müssten alle entsprechenden Informationen aus den Bezirken der HA XX übermittelt werden. Mittig forderte Schluss zu machen mit dem Unsinn, dass sich manche Leiter eine Informationssperre vorbehalten und dadurch zu treffende Entscheidungen verzögern. Andererseits wurde gefordert, dass dadurch zu treffende Entscheidungen nicht ohne exakte Grundlage getroffen werden durften. Jeder Leiter sollte für die Informationsberichte die volle persönliche Verantwortung tragen. In den Informationen müsste die Objektivität und eine klare Rechtsposition enthalten sein.

Seit dem 17.09.1989 hing in der Umweltbibliothek  über einem Appell „Böhlener Plattform – Vereinigte Linke“. Hierüber erfuhr das MfS erst durch das ZDF(„Heute“ vom 23.09.1989).

4 Pfarrer, Mitglied der CDU(CDU der DDR), aus Weimar haben einen Brief an CDU-Wahlvorstände verschickt. Diese Absender waren bisher progressiv(DDR-Amtsdeutsch für Pro-DDR oder fortschrittlich)in Erscheinung getreten. Sie stellten jetzt viele Fragen.  Es wurde die aktive Auseinandersetzung damit gefordert. Es gab auch Vorstellungen, sie aus der CDU rauszuschmeißen. Doch wo sollten sie hin? Es wurde gesehen, dass man sie so nur zum „Neuen Forum“ drängen würde. Darum sollte in Gesprächen mit ihnen festgestellt werden, ob es sich um Suchende oder um Provokateure handelt. Durch die BRD-Medien erfolgte eine zielgerichtet Informationssammlung und Instruierung konterrevolutionärer Gruppen. Zu diesem Zweck wurden von den Vertretern des „Neuen Forums“ Videos gefertigt, um sie weit bekannt zu machen. Es gab verstärkte Aktivitäten des Treffens von BRD-Politikern mit PUT(PUT ist eine amtliche Abkürzung des MfS für politische Untergrundtätigkeit)Kräften der DDR

Seit Ende August 1989 war eine Zunahme staatsfeindlicher Hetze spürbar. Inhaltlich war diese gegen die SED und gegen den Sozialismus gerichtet bis hin zu Forderungen nach Machtveränderung.

Bei den Akteuren handelte es sich um Organisatoren des politischen Untergrundes, um ASTA(Studentenvertretungen) und andere Einzeltäter.

Mittig forderte, die notwendigen Leitungsentscheidungen zu treffen, um z.B. die Kriminaltechnik(z.B. Schriftenfahndung)auf den neuesten Stand zu bringen. Außerdem stellte er fest, dass die Aufklärungsquote unzureichend war und er verwies nochmal darauf zu prüfen, ob die Anzahl und Qualität des Schriftenfahnderpotentials ausreichend sei.

 

Kunst und Kultur

Es wurde eine gemeinsame Plattform durch feindliche Kräfte initiiert, die gegen die Partei(SED) ausgerichtet war. Die Resolution wurde durch Krahl(Gruppe Silly)und Bärbel Bohley erarbeitet. Danach hatten die Unterzeichner sich eindeutig mit den Zielen des „Neuen Forums“ identifiziert. So erfolgte in Rathenow(Bezirk Potsdam)durch die Sängerin Tamara Danz das Verlesen des Aufrufs des „Neuen Forums“.

In diesem Zusammenhang wäre es falsch gewesen, diese Veranstaltungen zu verbieten. So kann man keine Politik machen. Ständig und immer wieder hätte man diesen Leuten über gesellschaftliche Kräfte und durch den Veranstalter Auflagen erteilen müssen. Rudi Mittig verwies darauf, dass man durch ein Verbot oder Abbruch einer Veranstaltung nur Sympathie für die feindlichen Kräfte erzeugt und die Besucher solcher Kulturveranstaltungen zusätzlich verärgert. Es kam hinzu, dass sie sowieso den Inhalt durch die Westmedien bereits kannten.

Ähnliche Aktivitäten wie die der Rockmusiker gab es durch Schauspieler, wie zum Beispiel durch Jutta Wachowiak  sowie durch einzelne Schriftsteller, die massive Angriffe gegen die Partei(SED) richteten. Eine Resulution wurde in Berlin durch Christa Wolf und in Potsdam durch Helga Schütz verlesen.

Derartige Aktivitäten muss man richtig einordnen. Bis zum damaligen Zeitpunkt war es jeweils gelungen diese Resolutionen mit Stimmenmehrheit abzulehnen. Solche Tendenzen des Missbrauchs der Kunst und Kultur hätte man unterbinden müssen. Es hätten sachliche Gespräche mit den Künstlern auf der Grundlage ordentlicher Informationen stattfinden müssen. Da stand die Frage im Raum, wie bis dahin mit diesen Leuten gearbeitet wurde.  Bei den politischen Gesprächen hätte beachtet werden müssen, dass sich diese Personen oft im kapitalistischen Ausland aufhielten. 

 

Befreundete Parteien

Es gab zunehmend Aktivitäten, das Parteienbündnis in Frage zu stellen. Es gab politische Kräfte in diesen Parteien, die für konterrevolutionäre Aktivitäten zugeneigt waren. Insbesondere ging es dabei um die LDPD und die CDU. Doch die Geschichte ist so verlaufen, dass die LDPD, die CDU u.a. Blockparteien der DDR ihre Richtung geändert haben und in der heutigen FDP und CDU aufgegangen sind.

Auch in dieser Richtung hätte das MfS seine Aufmerksamkeit widmen müssen. Die Mitarbeiter der Bezirks- und Kreisvorstände dieser Parteien waren in der Regel stabil. Aber an der Parteibasis gab es viele Unzufriedene und Veränderungen Fordernde. Es ging darum das kameradschaftliche Zusammenwirken mit den befreundeten Parteien zu pflegen und das Anwachsen der Unzufriedenheit zu verhindern. Die geheimdienstliche Arbeit wäre auf solche Personen zu konzentrieren, die  ihr konterrevolutionäres Verhalten im Zusammenwirken mit dem politischen Untergrund durchführten.

 

Gesundheitswesen

Hier war die geheimdienstliche Kontrolle der Vereinigung „Ärzte für den Frieden“ vonnöten.  Diese Organisation wollte ihre personelle Basis stärken und sie zu Sammlungsbewegung nutzen. Inhaltlich beschäftigten sie sich mit Friedenserziehung, mit Problemen der Psyche Feindbild, der Nutzung der Atomenergie und forderten gesellschaftliche Veränderungen. Auch hier gab es enge Verbindungen zwischen Seidel und Bohley und Unterzeichnern des „Neuen Forums“ und es war hier gleichfalls eine neue Qualität sichtbar geworden.

 

Jugend

Die geheimdienstliche Arbeit  sollte helfen, den Prozess verstärkter Auseinandersetzung zu unterstützen. Schwerpunkte bildeten Studierende an den Hochschulen und Universitäten. Hier wären Hinweise über Unmut u.ä. aufzuklären gewesen. Die Bekämpfung von Gruppierungen unter Jugendlichen (Skin/Faschos, u.a.) auch  bei Geringfügigkeit, hätte noch stärker erfolgen müssen. Gesellschaftliche Kräfte hätten mit einbezogen werden müssen, denn geheimdienstliche Arbeit konnte nicht alleine die Lösung des Problems sein


 

Rudi Mittig ging nochmal auf die weitere Methodische Arbeit des MfS ein. U.a. um die Verhinderung des Eindringens konterrevolutionärer Kräfte in Teile der Arbeiterklasse, in die Gewerkschaft und in die mittlere Funktionärsebene der SED, einschließlich der Personen mit Profilierungsbestrebungen in den Blockparteien. Wie wir heute wissen, ist dies nicht gelungen. Rudi Mittig hatte bereits damals das ein oder andere selbstkritisch gesehen und appellierte, die gesellschaftlichen Kräfte vor Ort wirksam einzusetzen, dass jeder einzelne Kommunist(bzw. Kommunistin)kämpfen müsste und dass viele das Kämpfen verlernt hätten. Mittig sah an diesem Punkt bereits zum damaligen Zeitpunkt die Existenzfrage der DDR. Er appellierte, dass es keine andere Möglichkeit gäbe die Macht zu behaupten, außer durch kämpfen.

Es wurde nicht gekämpft, sondern die Macht kampflos aus den Händen gegeben.


 

Im Dokument folgen noch die Aufgaben für die Bezirksverwaltungen

Der Leiter der HA XX, Generalleutnant Kienburg ergänzte noch einiges und machte Ausführungen zum Einsatz von IM(Undercover agierende).

Am Ende verwies  Rudi Mittig nochmals darauf, keine Panik zuzulassen, die Lage sachlich zu beurteilen und dass die Partei(SED)kämpfen müsse. Nach vielen Jahren der Ruhe wäre dies besonders notwendig. Doch im Großen und Ganzen ist die SED nicht aus ihrer Ruhe erwacht. Sie ist zu einer der Quellparteien der heutigen Partei DIE LINKE geworden und im kapitalistischen System und dem bürgerlichen Politikbetrieb im heutigen Deutschland angekommen.

 

Entnommen aus der MfS-Mediathek, bearbeitet wiedergegeben von Petra Reichel

 

 

Dokument:

Gedächtnisprotokoll Rudi Mittig zu konterrevolutionäre Gruppen

 

 

Bärbel Bohley

Bärbel Bohley, geborene Brosius, wurde am 24. Mai 1945 in Berlin geboren und ist am 11. September 2010 in Strasburg, Landkreis Uecker-Randow, gestorben. Sie war Malerin und eine bekannte Konterrevolutionärin der DDR. Sie war Mitbegründerin des „Neuen Forums“.

Nach dem Abitur 1963 absolvierte sie eine Ausbildung als Industriekauffrau und arbeitete anschließend als Lehrausbilderin. Ab 1969 studierte sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo sie 1974 einen Diplomabschluss als Malerin erhielt. 1970 heiratete sie den Maler Dietrich Bohley und gebar im selben Jahr einen Sohn. Ab 1974 betätigte sich Bärbel Bohley als freischaffende Künstlerin; ihre Vorbilder waren nach eigenen Angaben Francisco de Goya und Käthe Kollwitz.

1979 wurde Bärbel Bohley in die Sektionsleitung Malerei und den Bezirksvorstand des Verbandes Bildender Künstler der DDR(VBK)gewählt.

1982 gründete sie die Gruppierung „Frauen für den Frieden“.

Daraufhin wurde sie ein Jahr später aus dem Bezirksvorstand des WBK ausgeschlossen und kam wegen landesverräterischer Nachrichtenübermittlung  gemeinsam mit Ulrike Poppe, die auch eine wichtige Figur der Konterrevolution in der DDR war, in Berlin-Hohenschönhausen in Untersuchungshaft.  Das MfS hatte  unter anderem Kontakt zu den GRÜNEN in der BRD festgestellt. Die Konsequenz war, dass sie keine staatlichen Aufträge mehr erhielt und ihre Werke nicht mehr öffentlich ausstellen durfte. Da stellt sich die Frage, von was Bärbel Bohley dann ihren Lebensunterhalt finanzierte.

Mitte der 1980er Jahre gründete sie die „Initiative Frieden und Menschenrechte“ mit.

Berlin, Demonstration, Bärbel Bohley, Christa Wolf

Bärbel Bohley (1989)

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-045 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5424795

 

Petra Kelly, eine Politikerin der GRÜNEN der BRD war mit Bärbel Bohley befreundet. Gemeinsam legten sie Erich Honecker herein. Frau Lengsfeld ist mal ausnahmsweise ehrlich und erzählt, wie es gemacht wurde.

1988 missbrauchte Bärbel Bohley, ihr Lebensgeführte Werner Fischer u.a. ihrer Kumpane  die Demonstration zu Ehren von  Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, damals der 69. Jahrestag ihrer Ermordung, um für ihre konterrevolutionären Ziele zu werben und die Demo umzuwidmen. Heute sieht man keinen der damaligen Konterrevolutionäre bei der Liebknecht-Luxemburg-Demo.

Der Staatsmacht der DDR fiel nichts Besseres ein, als diese Leute zu einem sogenannten Bildungsaufenthalt ins Vereinigte Königreich(Großbritannien)zu schicken. Das  Ganze war ein Witz. Die drückten sich dort an der Uni rum, zeigten sich in den Westmedien, aber haben niemals erfahren, wie es z.B. Angehörigen der Arbeiterklasse, armen Menschen u.a. Benachteiligten im Vereinigten Königreich geht. Möglicherweise hätte sie das zur Besinnung gebracht. Aber dem war ja nicht so.  Wikipedia schreibt von einem aufgezwungen Exil. Davon kann keine Rede sein, da dieser Auslandsaufenthalt von vornherein nur vorübergehend sein sollte. Bärbel Bohley und ihr Lebensgefährte Werner Fischer konnten durchsetzen, einen DDR-Pass zu erhalten. Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt im Vereinigten Königreich kehrten sie wieder in die DDR zurück und richteten weiterhin Schaden an, der im Untergang der DDR mündete

Am 09. September 1989 war Bohley Mitinitiatorin der konterrevolutionären Organisation „Neues Forum“.

Bärbel Bohley übernahm den Kontakt zu Journalisten aus der BRD und meldete gemeinsam mit der Zahnärztin Jutta Seidel die Tätigkeit des „Neuen Forums“ beim Innenministerium der DDR an. Die Staatsmacht reagierte zunächst mit Ablehnung, knickte aber ein, nachdem mehrere konterrevolutionäre Demonstrationen stattgefunden hatten.  Am 08.09.1989 wurde die Anmeldung bestätigt.

Während der Konterrevolution war die Wohnung von Bärbel Bohley die Bürozentrale der konterrevolutionären Sammlungsbewegung, die schnell 250 000 Unterstützer fand.

Von Mai bis Dezember 1990 vertrat sie das „Neue Forum“ in der Stadtverordnetenversammlung von Berlin/DDR. Im September 1990 besetzte sie zusammen mit anderen Konterrevolutionären unter dem Motto „Meine Stasi-Akte gehört mir!“ das Gebäude des ehemaligen MfS in der Berliner Normannenstraße. Mit einem Hungerstreik und einer Mahnwache erstritt sie gemeinsam mit anderen Konterrevolutionären die Öffnung der MfS-Akten für die persönliche und wissenschaftliche Nachforschung. Das ist was Besonderes in der Geschichte, da Geheimdienst-Akten erst nach vielen Jahren, meist sogar erst nach mehr als hundert Jahren nach den jeweiligen historischen Ereignissen, geöffnet werden.

Nachdem Bärbel Bohley Einsicht in ihre MfS-Akte genommen hatte, beschuldigte sie 1993 den PDS-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Gregor Gysi, der inoffiziellen Mitarbeit im MfS. Gysi war während ihrer Haft in der DDR ihr Rechtsanwalt. Gegen diese Behauptung wehrte sich Gysi in mehreren Prozessen erfolgreich.

Bärbel Bohley 1990

Bärbel Bohley (1990)

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv_Bild_183-1990-0905-019,_Berlin,_Besetzung_Stasizentrale,_Bärbel_Bohley.jpg: Uhlemann, Thomasderivative work: Stepro (talk) – Bundesarchiv_Bild_183-1990-0905-019,_Berlin,_Besetzung_Stasizentrale,_Bärbel_Bohley.jpg, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11458670

 

Während der Räumung besetzter Häuser in der Mainzer Straße am 14. November 1990(siehe Wikipedia)war sie maßgeblich an den Verhandlungen zwischen den Besetzern und dem Innenstadtrat und der Polizei beteiligt.

1994 trat sie als Spitzenkandidatin für das „Neue Forum“ zur Europawahl an. Im Jahre 2002 unterstützte sie die FDP im Wahlkampf zur Bundestagswahl.

Für ihre Verdienste um die Konterrevolution in der DDR und der darauffolgenden Annexion der DDR durch die BRD wurde sie 1994 mit dem Bundesverdienstkreuz und im Jahre 2000 mit dem Nationalpreis ausgezeichnet.  Der Deutsche Nationalpreis würdigt Personen der Zeitgeschichte, die für die Beseitigung der DDR und des Sozialismus in Europa eingetreten sind. Dies wird als Einigung Deutschlands und Europas verkauft.  Der Name Nationalpreis ist irreführend. Es handelt sich hierbei nicht um eine staatliche Auszeichnung, sondern von einer privaten Stiftung vergebenen Preis. Die einzig offizielle Verdienstauszeichnung der BRD ist das Bundesverdienstkreuz. (siehe Wikipedia)

Seit 1996 machte sie einen kleinen Teil von ihrem angerichteten Schaden gut, indem sie sich u.a. im Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawien engagierte. Von 1996 bis 1999 leitete sie dort für die nach dem Dayton-Friedensabkommen von 1995 eingesetzte Internationale Friedensbehörde für Bosnien und Herzegowina OHR (Office of The High Representative) in Sarajevo ein Wiederaufbauprogramm für im Bosnienkrieg zerstörte Häuser und organisierte die Rückkehr von Kriegsflüchtlingen in ihre Heimat. Der Jugoslawienkrieg war nach Beseitigung der DDR möglich geworden.

Ehrenamtlich gründete Bärbel Bohley unter anderem die Hilfsorganisation Seestern e. V., die Kinder aus bosnischen Flüchtlingsfamilien aller örtlichen Ethnien kostenlose gemeinsame Sommerferien ermöglicht. Seit Sommer 2006 hilft die Organisation auch Kriegsflüchtlingen vor Ort, sie baute in der Region Domanovići nahe Mostar unter finanzieller Unterstützung des deutschen Auswärtigen Amts für 28 Flüchtlingsfamilien Zisternen zur Wasserversorgung. Bis März 2007 entstanden, finanziert vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, weitere 71 Zisternen, mit denen die Ansiedlung von im Krieg Vertriebenen in der Region gefördert werden soll.[22][23]

Im Jahre 2001 kehrte sie vorübergehend aus Kroatien zurück und war gemeinsam mit u. a. dem Konterrevolutionär Wolfgang Templin und dem früheren SED-Politbüro-Mitglied und Verräter Günter Schabowski Mitglied im „Gesprächskreis Innere Einheit“ des damaligen CDU-Kandidaten für das Amt des Berliner Regierenden Bürgermeisters, Frank Steffel.[24]

Im März 1996 verklagte Bohley das Satiremagazin „Eulenspiegel“, das eine „miese Porno-Montage mit Kanzler Kohl“ auf seinem Titelblatt abgedruckt hatte, auf 100.000 DM Schadensersatz. Die satirische Darstellung spielte auf das Treffen ehemaliger Konterrevolutionäre der DDR mit dem damaligen Bundeskanzler in Berlin an. Auf Grund eines Vergleiches vor dem Landgericht Hamburg zahlte „Eulenspiegel“ schließlich 20.000 DM an Bohley.[20]

Bohley war Gründungsmitglied des im Juni 1996 gegründeten „Bürgerbüros e. V. – Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur“.

Bis zum heutigen Tage und darüberhinaus wird nicht mit Steuergeldern gespart, um Hetze gegen die DDR zu betreiben. Egal, wie lange der Untergang der DDR zurückliegt. Die folgenden Generationen sollen nicht erfahren, dass, trotz aller Mankos, die DDR  für die Menschen viel Gutes getan hatte, was diese aber nicht zu schätzen wussten. Niemals soll der Gedanke aufkommen, dass der Sozialismus das bessere Gesellschaftssystem ist. Dagegen versucht DIE TROMMLER mit bescheidenen Mitteln anzugehen.

 

Bärbel Bohley, die seit ihrer Studienzeit starke Kettenraucherin war, erlag einem Bronchialkarzinom.

Ihr Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Ihr Grab ist 2016 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet. Ihr politischer Nachlass wird im Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft aufbewahrt.

Grabstätte Bärbel Bohley

Grabstätte von Bärbel Bohley

Bildquelle: Von Z thomas – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52554218

 

Nach der Schilderstürmerei in den heutigen Neu-Bundesländern, wobei die Namen von Kommunistinnen und Kommunisten sowie sonstiger fortschrittlicher Menschen  getilgt worden sind, bekommen nun Konterrevolutionäre ihre Straßen. So findet man an der Grenze der Berliner Ortsteile Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg den Bärbel-Bohley-Ring.

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Hans-Jürgen Fischbeck

Hans-Jürgen Fischbeck wurde am 18. Dezember 1938 in Tanganjika, heute Tansania geboren. Er ist ein deutscher Physiker und eine Figur der Konterrevolution in der DDR.

Dr. Hans-Jürgen Fischbeck

Hans-Jürgen Fischbeck  1990

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0130-304 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5425084

 

Hans-Jürgen Fischbeck studierte in Berlin Physik und arbeitete bis 1991 im Zentralinstitut für Elektronenphysik in Berlin, einem Forschungsinstitut der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Seit 1977 war Fischbeck Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Er arbeitete in verschiedenen kirchlichen Initiativgruppen mit, die in Richtung Konterrevolution gingen.

Während der Konterrevolution in der DDR gehörte er zu den Mitbegründern der konterrevolutionären Gruppe „Demokratie Jetzt“ und war Mitglied des Sprecherrates.

Von 1990 bis 1992 war er Mitglied der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Berliner Abgeordnetenhaus.

Seit 1992 war Fischbeck Studienleiter an der Evangelischen Akademie in Mülheim an der Ruhr. Als Beiratsmitglied der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler(VDW) sowie der „NaturwissenschaftlerInnen-Initiative Verantwortung für den Frieden“ war er für das Arbeitsgebiet Wissenschaftsethik, Wissenschaftstheorie und Wissenschaftspolitik verantwortlich.

2002 schloss er sich der Kommunität Grimnitz e.V. in Joachimstal an. Er ist Mitinitiator des Wissenschaftsrings Barnim-Uckermark.

Seit mehreren Jahren setzt er sich für eine neue, an christlichen Werten orientierte Wirtschaftsweise ein. Ach nee, sehr sinnig. Er hat doch mit für den Kapitalismus gekämpft. Was will er nun? Den dritten Weg? Als Wissenschaftler müsste er doch wissen, dass es keinen dritten Weg gibt. Auf jeden Fall ist das sozialistische Wirtschaftssystem den christlichen Werten näher, als das kapitalistische. Das hat die Mehrheit der Kirchenvertretungen in der DDR aber anders gesehen und hat das Rad der Geschichte entscheidend in Richtung Konterrevolution zurück zum Kapitalismus angestoßen.

1997 wurde Hans-Jürgen Fischbeck mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Na, das passt doch. Schließlich war Fischbeck Beitragender zum Sieg der Konterrevolution und der Annexion der DDR durch die BRD am 03.10.1990.

 

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Schwerter zu Pflugscharen

„Schwerter zu Pflugscharen“ ist ein Teilzitat aus der Bibel. Über Herkunft und Auslegung mögen die Leute debattieren, welche sich mit der Bibel beschäftigen. Hier geht es darum, wie die Konterrevolutionäre der DDR zu diesem Spruch und Symbol gekommen sind.

Am 04. Dezember 1959 schenkte die Sowjetunion der UNO eine Bronzeskulptur, die das biblische Motiv bildlich-plastisch darstellt. Die Skulptur wurde im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York City aufgestellt. Ihr Modell befindet sich vor der Zweigstelle der Tretjakow-Galerie für moderne Kunst in Moskau.

Damit bekräftigte die Sowjetunion ihre Bereitschaft zur friedlichen Koexistenz. Seit 1960 bot die Sowjetunion dem Westen eigene Abrüstungsinitiativen an und versuchte vor allem, die NATO zur Abkehr von ihrer Strategie des Ersteinsatzes von Atomwaffen zu bewegen. Trotzdem ließ sich die Sowjetunion und ihre Verbündeten auf die Spirale des Wettrüstens ein.

Weitere Einzelheiten Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch

Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch

Bildquelle:
Von Neptuul – Eigenes Werk, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im uckermärkischen Gramzow ließ der dortige Pfarrer und Superintendent Curt-Jürgen Heinemann-Grüder 1971 an den Gefallenengräbern einen Gedenkstein mit den Worten „Schwerter zu Pflugscharen“ aufstellen. Die Jahreszahlen 1933 und 1938 erinnern an die Verschleppung von Kommunisten und Sozialdemokraten in Zuchthäuser und Konzentrationslager und an den Beginn der Judenvernichtung. Dies war die erste öffentliche Darstellung dieses Textes in der DDR. In diesem Fall sinnvoll und legitim.

 

Gedenkstein in Gramzow

Gedenkstein in Gramzow

Bildquelle:
Von Haobe – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

„Schwerter zu Pflugscharen“ als Symbol der Konterrevolution

Später wurde der Spruch,nebst Symbol, welches 1971 in Gramzow nicht dargestellt wurde, von den Konterrevolutionären der DDR missbraucht.

Als 1978 in der DDR das Schulfach „Wehrerziehung“ eingeführt wurde, gab es große Aufregung. Der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR legte dagegen erfolglos Widerspruch ein und stellte ein Alternativprogramm „Erziehung zum Frieden“ vor.

Das war ein Anlass, welcher den Konterrevolutionären Aufschwung gab. Da auch sich auch in der BRD über das Schulfach „Wehrerziehung“ aufgeregt wurde, war dies Rückendeckung für die Konterrevolutionäre. Regelmäßige Seminare, etwa in Königswalde (Ortsteil von Werdau in Sachsen), zogen Jugendliche aus der ganzen DDR an. Gegen das Ködern der Jugendlichen reagierte die Staatsmacht der DDR hilflos mit Repression, was die Jugendlichen erst recht irreleitete und in die Arme der Konterrevolutionäre trieb.

Das Abbild der sowjetischen Skulptur zusammen mit dem Schriftzug „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde erstmals als Lesezeichen für eine Einladung zum Gottesdienst am Buß- und Bettag des Jahres 1980 von evangelischen Jugendgruppen in der DDR verwendet. Dieser Feiertag war als Abschluss einer ersten zehntägigen „Friedensdekade“ mit dem DDR-Kirchenbund verabredet worden. Die Anregung dazu kam vom überkonfessionellen Interkirchlichen Friedensrat in den Niederlanden, der als erste kirchliche Vereinigung einen Totalabbau aller Atomwaffen in Europa forderte und dies mit dem Votum der Reformde Kerk begründete, wonach Friedenssicherung durch atomare Abschreckung mit dem Christsein völlig unvereinbar sei.

Die erste Friedensdekade ging aus der intensiven Vorbereitungsarbeit des Evangelischen Jungmännerwerks (Ostwerk) und einer Arbeitsgruppe des CVJM (Westwerk) im Oktober 1979 hervor. Ein weiteres Arbeitstreffen fand nachts in Berliner Privatwohnungen statt. (Wohnungen standen auch in der DDR unter besonderem Schutz und durften nicht so einfach überwacht und durchsucht werden.Für nachts gab es nochmals Hürden bevor eine Durchsuchung genehmigt wurde. Ähnlich, wie in anderen Ländern auch. Es gab nur einen Unterschied. Während in anderen Ländern der Richter eine Durchsuchung genehmigen muss, war es in der DDR und anderen Ländern der Staatsanwalt.) Die Initiatoren waren besorgt über die Hochrüstung beiderseits der Staatsgrenze der DDR, die gleichzeitig die Grenze zwischen Warschauer Vertrag und NATO war. Dabei wurde nicht die unterschiedliche Herangehensweise der Systeme zum Thema Rüstung berücksichtigt. Sie forderten die vollständige Entmilitarisierung beider deutscher Staaten ohne die damals aktuellen und historischen Zusammenhänge zu beachten. Das erarbeitete Material wurde als Auftrag an die Konferenz der evangelischen Landesjugendpfarrer in der DDR weitergeleitet, eine gemeinsame Friedensaktion zu realisieren: die erste Friedensdekade. Diese sollte gleichzeitig in allen Gliedkirchen beider deutscher Kirchenbünde stattfinden und wurde diesen daher vorgeschlagen.

Die Einladung gestaltete der damalige sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider; die Grafikerin Ingeborg Geißler schuf eine druckfähige Zeichnung dafür. Das Lesezeichen wurde in einer Auflage von 120.000 Stück in der Druckerei Abraham Dürninger der Herrnhuter Brüdergemeine auf Vliesstoff gedruckt, da dies als „Textiloberflächenveredlung“ galt und keine staatliche Druckgenehmigung erforderte. Der Einladungstext wies auf Gottesdienste, Jugend- und Gemeindeabende und eine „Friedensminute“ hin:

Am Bußtag um 13:00 Uhr sollten landesweit die Kirchenglocken gleichzeitig mit der staatlichen Sirenenübung zum Gebet mahnen.(In der DDR fand jeden Mittwoch Probealarm statt.) Nachdem die DDR-Regierung dies als Gefährdung des Zivilschutzes und Aufruf zur Arbeitsniederlegung untersagte, wurde das Läuten auf 13:15 Uhr verlegt. Auch dies eine hilflose Reaktion der Staatsmacht. Hätten da nicht besser die echten Friedenskräfte der DDR dies aufgreifen und selbst zur Aktion aufrufen und diese unterstützen sollen?

Das Motto der Dekade lautete „Frieden schaffen ohne Waffen“. Dasselbe Motto verwendete unabhängig davon auch die Aktion Sühnezeichen aus der BRD. Es ging auf ein weltweites Treffen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zurück: Er hatte 1975 in Nairobi allen Mitgliedskirchen empfohlen, gegenüber den je eigenen Regierungen ihre Bereitschaft zu erklären, „ohne den Schutz von Waffen zu leben“. Dies blieb den meisten Kirchengemeinden zunächst unbekannt und wurde von kaum einer Kirchenleitung publik gemacht. Die EKD sprach in ihren offiziellen Erklärungen stets vom „Friedensdienst mit und ohne Waffen“ und rechtfertigte die Abschreckung sogar mit Atomwaffen 1982 wie schon 1959 weiterhin als „christlich mögliche Handlungsweise“.

Die sozialistischen Länder konnten sich den Verzicht auf Waffen nicht leisten. Wie oben beschrieben, gab es auch innerhalb der christlichen Kirchen verschiedene Sichtweisen.

Im Juni 1980 griff die Evangelische Studentengemeinde Dresden als erste Gruppe in der DDR die Empfehlung des ÖRK auf, um einen Diskussionsprozess in den Gemeinden auszulösen. Unter dem wachsenden Druck der kirchlichen Jugend beschloss die Konferenz der Kirchenleitungen daraufhin die erste Friedensdekade. Nach Gesprächen mit dem Sekretariat des DDR-Kirchenbundes, Manfred Stolpe, wurde die Einladung dazu mitsamt der Grafik des Lesezeichens genehmigt. Nun trugen viele Jugendliche spontan diesen Aufnäher auf ihrer Straßenkleidung.

 

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Bildquelle:
Von unbekannt – http://www.kirche-sebnitz.de/Logos/Schwerter_zu_Pflugscharen3.jpg; vektorisiert von Benutzer:Gnubold, Logo, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im Frühjahr 1981 schlugen einige Kirchengemeinden ihren Synoden vor, einen zweijährigen Sozialen Friedensdienst (In der BRD gab es den Ersatzdienst für Wehrdienstverweigerer. Dieser war oft mit unangenehmen Arbeiten verbunden. Ob die Initiatoren in der DDR darüber nachdachten, als sie einen solchen Dienst forderten, ist zu bezweifeln.) als gleichberechtigte Alternative zum staatlichen Wehrdienst in der NVA und zu den Bausoldaten einzuführen. Einige Landessynoden stellten sich bis zum Jahresende öffentlich hinter diese Forderung, andere lehnten ab. Ein Treffen der Kirchenleitungen mit dem Staatssekretär für Kirchenfragen Klaus Gysi im September endete mit der strikten staatlichen Ablehnung der Idee.

Am 10. Oktober 1981 fand auf der Hofgartenwiese in Bonn mit etwa 300.000 Teilnehmern die bislang größte Demonstration gegen den NATO-„Doppelbeschluss“ in der alten BRD statt. Während die traditionellen, häufig der DKP nahestehenden Gruppen meist das bekannte Symbol der blauen Friedenstaube von Pablo Picasso verwendeten, zeigten vor allem christliche Friedensgruppen aus Solidarität mit den konterrevolutionären Organisationen der DDR, die sich als Friedensgruppen darstellten, das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“. Den christlichen Gruppen in der alten BRD ist das nicht unbedingt zum Vorwurf zu machen. Ihnen war meist nicht bewusst, dass es sich in der Regel nicht um ihre Glaubensschwestern und -brüder, sondern um Konterrevolutionäre handelte, die unter dem Dach der Kirche agierten. Vielfach wurden diese Plakate auch mit Hinweisen auf die Solidarność in Polen verbunden. In den Medien der BRD wurde die Solidarność als Gewerkschaft dargestellt. In Wirklichkeit handelte es sich um eine konterrevolutionäre Organisation. Das war der Mehrheit der BRD-Bürgerinnen und -bürger nicht bewusst. Erst heute ist die Solidarność tatsächlich eine Gewerkschaft, aber sie ist nun bedeutungslos geworden.

Diese Forderungen sind irreführend:

• eine von sowjetischen oder großdeutschen Interessen unabhängige, blockübergreifende Friedensbewegung anzumahnen,
• auf das gemeinsame Abrüstungsinteresse von Arbeiterbewegung und Friedensbewegung hinzuweisen,
• das Friedensthema mit dem Thema der Demokratisierung und sozialen Gerechtigkeit zu verbinden.

 

Damals gab es keine „großdeutschen Interessen“. Im luftleeren Raum kann niemand agieren. Was soll das Gerede von „unabhängig“ und „blockübergreifend“ in Rüstungsfragen zur damaligen Zeit? Der Begriff „Arbeiterbewegung“ hat nicht das Geringste mit der tatsächlichen Arbeiterbewegung zu tun. Ebenso gehört die soziale Gerechtigkeit zum Sozialismus. Dieses Gerede ist ähnlich, wie das später von Gorbatschow, wo die Menschheitsinteressen vor Klasseninteressen gesetzt wurden. Da sind zu Viele darauf hereingefallen. Das Ergebnis ist die Beseitigung des Sozialismus in Europa und die Annexion der DDR durch die BRD.

Die folgende Friedensdekade vom 8. bis 18. November 1981 wurde erstmals gleichzeitig auch innerhalb des EKD der BRD durchgeführt und stand unter dem Thema „Gerechtigkeit – Abrüstung – Frieden“. Da nicht mit einer Druckgenehmigung der DDR-Behörden für Aufkleber oder Anstecker zu rechnen war, wurde das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ mit nochmals 100.000 Stück auf Vliesstoff gedruckt und als Aufnäher weiterverwendet. In der Nikolaikirche (Leipzig) wurde wenig später eine große Schautafel mit dem Symbol aufgestellt.

Während der Staat hilflos mit Repressionen auf das Tragen der Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ reagierte,nahmen Kirchenvertreter die Träger in Schutz. Denn die Herkunft des abgebildeten Symbols stammte ja von offizieller Seite. Das sowjetische Denkmal war auch im Geschichtsbuch für die 6. Klasse abgebildet. Das Lehrbuch für die Jugendweihe von 1975 erläuterte:

„Wir schmieden Schwerter zu Pflugscharen um.“ Die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“ der DDR zitierte zum Jahresbeginn 1982 die Jesajastelle und schrieb dazu:

„Welcher Marxist würde behaupten wollen, dass religiöser Glaube in dieser Form reaktionär sei und, obwohl er selbst noch kein wissenschaftlich fundiertes Bewusstsein darstellen konnte, unvereinbar mit Wissenschaftlichkeit sei? Dieser […] Glaube ahnt gewissermaßen die wissenschaftliche Erkenntnis von einer klassenlosen Gesellschaft, in der es keine Kriege mehr gibt, voraus.“

Unter Berufung darauf gelang es den Kirchenbehörden zunächst, ein Verbot des Aufnähers abzuwenden. Hier wäre der Zeitpunkt günstig gewesen in der DDR eine offizielle Friedensbewegung zu organisieren. Gleichzeitig hatte die Notwendigkeit des damals neuen Wehrdienstgesetzes erklärt werden müssen. Doch es wurde nichts dergleichen getan. So war der Raum gegeben, dass die Konterrevolutionäre die Friedensbewegung in der Hand hatten und das Friedenssymbol „Schwerter zu Pflugscharen“ für ihre Zwecke missbrauchten.

Nun reagierte der Staat hilflos mit Repression.

Ab November 1981 erhielt der sächsische Landesbischof Johannes Hempel die amtliche Mitteilung: „Wegen Missbrauchs dürfen diese Aufnäher in Schule und Öffentlichkeit nicht mehr getragen werden.“ Dahinter stand das Bemühen der SED, Akzeptanz für das neue Wehrdienstgesetz zu organisieren. Die falsche und hilflose Reaktion der Staatsmacht stärkte die Konterrevolutionäre, anstatt sie zu schwächen.

Die Mehrheit der Jugendlichen in der DDR war nicht politisch engagiert und ließ sich durch Westmedien beeinflussen. Ohne nachzudenken lehnten sich viele junge Leute gegen Staat und Gesellschaft der DDR auf, weil damals diese Art des Aufbegehrens Mode war. Ein „gefundenen Fressen“ für die Konterrevolutionäre, die die irregeleiteten Jugendlichen für ihre Zwecke benutzten.

Am 25. Januar 1982 veröffentlichte Rainer Eppelmann, damals Pastor in Berlin/DDR seinen „Berliner Appell“. Darin forderte er den Abzug aller Atomwaffen aus der DDR, der Bundesrepublik und Mitteleuropa. Stefan Heym und Robert Havemann unterstützten den Aufruf und forderten öffentlich eine autonome Friedensbewegung in der DDR. DIE TROMMLER weist hier darauf hin, dass Rainer Eppelmann später als Verteidigungsminister während der Konterrevolution dafür verantwortlich war, dass Rüstungsgüter der DDR in Krisen- und Kriegsgebiete verkauft wurden. Also wird im Nachgang die Unglaubwürdigkeit dieser Forderung bewiesen.

Zum 13. Februar 1982 riefen Jugendliche, die glaubten, dass das zivile Leben in der DDR immer mehr militarisiert würde, aus Anlass des 37. Jahrestags der Luftangriffe auf Dresden zu einer Gedenkfeier an der Frauenkirche auf. Über die politischen Hintergründe wussten die Jugendlichen nichts, da sie lediglich rebellierten. Außerdem waren die Jugendlichen durch die Westmedien beeinflusst worden. Hinzu kam die falsche Reaktion der Staatsmacht der DDR, d.h. Repression statt Aufklärung.
Um befürchtete Zusammenstöße der Demonstranten mit dem MfS und der Volkspolizei zu vermeiden, bot die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens in der Dresdner Kreuzkirche ein „Forum Frieden“ als Alternative zu der illegalen Versammlung an. Etwa 5.000 Besucher nahmen an dem Diskussionsforum teil. Die Ablehnung der NATO-Aufrüstung wurde mit der Rüstung in der DDR gleichgesetzt. Bischof Hempel erfuhr viel Kritik, weil er vom Tragen des Aufnähers abriet, da dies den Staat provoziere, die Handlungsspielräume der Kirche verenge und diese die Jugend nicht vor Strafverfolgung schützen könne. Der Rat des Bischof Hempel war vernünftig. Die Veranstaltung der Kirche wirkte als Puffer und war in diesem Fall eine vernünftige Lösung. Von der Veranstaltung aus zogen einige hundert Menschen zur Ruine der Frauenkirche, standen dort schweigend mit Kerzenlichtern oder sangen Lieder. Das offene Forum und das folgende schweigende Gedenken werden seither jährlich am 13. Februar in Dresden begangen. Eine gute Sache. Auch hier hat der Staat, bzw. offizielle Organisationen der DDR es versäumt die Veranstaltung in die Hand zu bekommen oder sie zumindest gemeinsam mit der Kirche auszurichten. Schon wieder wurde den Konterrevolutionären Gelegenheit gegeben sich diese Gedenkveranstaltung anzueignen.

Zwischen dem Aufruf Eppelmanns und dem Dresdner Forum bestand kein direkter Zusammenhang. „Unabhängige Friedensinitiativen“ in der DDR waren nicht landesweit organisiert. Das war ihre Stärke, anstatt ihre Schwäche. Die meisten kirchlichen Jugendgruppen der DDR lehnten damals weitreichende Forderungen nach Abzug der Besatzungstruppen und Austritt der deutschen Staaten aus den Militärbündnissen ab. Sie wollten zunächst die Spielräume für Eigeninitiative und soziales Engagement(Welches soziale Engament? Ob diese Jugendlichen bereit gewesen wären ehrenamtlich zu arbeiten, ist zu bezweifeln) erweitern. Das heißt so viel wie, sie wollten rebellieren.

Am 12. Mai 1983 entrollten Petra Kelly, Gert Bastian und drei weitere Bundestagsabgeordnete der GRÜNEN auf dem Alexanderplatz in Berlin/DDR ein Transparent mit der Aufschrift „Die Grünen – Schwerter zu Pflugscharen“ und trafen sich anschließend mit Konterrevolutionären der DDR. Dies duldeten die DDR-Behörden nach ihrer vorübergehenden Festnahme, weil die GRÜNEN der BRD den NATO-„Doppelbeschluss“ ablehnten.

Am 24. September 1983 fand während eines evangelischen Kirchentages in Wittenberg auf dem Lutherhof eine symbolische Aktion statt: Der örtliche Schmied Stefan Nau schmiedete vor etwa 4000 Teilnehmern ein Schwert zu einer Pflugschar um. Wegen der Präsenz von westlichen Medienvertretern und Richard von Weizsäcker als Gast griffen die Staatsorgane nicht ein. Manche Quellen sprechen die Idee zu dieser Aktion Stefan Nau selbst zu; Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche Wittenberg, trug die Initiative dazu mit. Er hatte bereits 1980 einen Friedenskreis gegründet, der sich auch nach dem Verbot des Aufnähers und dem Abklingen der Friedensbewegung der BRD hielt.

Oktober 1983 wurden Petra Kelly, Gerd Bastian und weitere Mitglieder der GRÜNEN aus der BRD von Erich Honecker empfangen. Petra Kelly gelang es Erich Honecker hereinzulegen. Darüber spricht die bekannte Konterrevolutionärin Vera Lengsfeld offen und ehrlich (siehe DIE TROMMLER-ARCHIV) In Folge dessen besuchten sie Konterrevolutionäre der DDR, wie z.B.Bärbel Bohley.

Im Juli 1989 ging aus dem Wittenberger Friedenskreis eine konterrevolutionäre Organisation hervor, die sich mit anderen Vorläufern zur Initiative Demokratischer Aufbruch   verband.  Auch in der Nikolaikirche Leipzig entwickelte sich unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ ein regelmäßiges offenes Montagsgebet, das zur Keimzelle der späteren Montagsdemonstrationen vom Herbst 1989 wurde.

Die Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ des Runden Tisches übernahm das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ in ihren Verfassungsentwurf. Laut Artikel 43 des Entwurfs sollte es das Staatswappen der DDR werden. Dazu kam es bekanntlich nicht, weil die DDR von der BRD annektiert worden ist.

Die Konterevolutionäre eigneten sich ein sowjetisches Bildmotiv an und kehrten es gegen Staat und Gesellschaftsordnung der DDR.

Das Ziel, die Einheit von Volk, Staat und Partei zu realisieren ist misslungen. Anstatt die Kirchen als Kirche im Sozialismus mit „ins Boot zu holen“, ließ man die Kirche Schaukelpolitik betreiben und ließ es soweit kommen, dass die Konterrevolutionäre unter dem Dach der Kirche agieren konnten. Anstatt Aktionen der „unabhängigen Friedensbewegung“, die in Wahrheit eine konterrevolutionäre Bewegung war, zu vereinnahmen und irregeleitete Jugendliche in die echte Friedensbewegung zu integrieren, reagierte die Staatsmacht hilflos mit Repression. Dabei ging sie oft dilettantisch vor. Das stärkte die konterrevolutionäre Bewegung, anstatt sie zu schwächen.

Zahlen und Fakten Wikipedia Bearbeitung Petra Reichel

„Unabhängige Friedensbewegung“ in der DDR?

Oft ist von einer „unabhängigen“ Friedensbewegung in der DDR die Rede. Von Repression seitens des Staates ist die Rede. Doch was hat es damit auf sich?

Die sozialistischen Länder, so auch die DDR, waren nicht an einem Krieg interessiert. Hochrüstung ging immer von NATO-Seite aus. Für die sozialistischen Länder war es eine hohe Belastung Abwehrmaßnahmen zu treffen. So fehlte das entsprechende Potenzial z.B. in der Wirtschaft. Das wiederum führte zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung. So hatte auf lange Zeit die NATO Erfolg, indem sie die sozialistischen Länder totgerüstet hat.

Die „unabhängige Friedensbewegung“ in der DDR war nichts anderes, als eine konterrevolutionäre Bewegung. 1989 hatte sie ja schließlich Erfolg.

In der DDR kursierten seit Mitte der 1960er Jahre Diskussionspapiere zur Kriegsdienstverweigerung und über Methoden der gewaltfreien Verteidigung, die schließlich Anfang der 1980er Jahre eine sich Friedensbewegung nennende („Schwerter zu Pflugscharen“) konterrevolutionäre Bewegung schufen.

So sehr es wünschenswert ist ohne Gewalt auszukommen, musste die DDR, wie die anderen Warschauer Vertragsstaaten, verteidigungsbereit sein. Pazifismus konnte sie sich in der damaligen Situation nicht leisten. Da wäre es schon viel früher zu Ende gewesen. In den Beiträgen über die NVA ist ja ausgeführt worden, dass Kriegsvermeidung ihr Ziel war. Es war aber möglich aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe zu verweigern und Bausoldat zu werden.

Die Konterrevolutionäre wollten die Beseitigung der NVA. Das ist ja dann 1989/90 gelungen. Junge Leute wurden mit schönen Sprüchen über Frieden und Gewaltlosigkeit geködert. Die Mehrheit der Jugendlichen in der DDR war nicht politisch engagiert und ließ sich durch Westmedien beeinflussen. Ohne nachzudenken lehnten sich viele junge Leute gegen Staat und Gesellschaft der DDR auf, weil damals diese Art des Aufbegehrens Mode war. Ein „gefundenen Fressen“ für die Konterrevolutionäre, die die irregeleiteten Jugendlichen für ihre Zwecke benutzten.

Die Niederschlagung der versuchten Konterrevolution in der CSSR 1968 gab der konterevolutionären Bewegung, die unter dem Deckmantel „Frieden“ agierte, Auftrieb.

Rebellierende Jugendliche trugen den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“. Dieser war in der DDR verboten. Der Staat reagierte mit Repression, anstatt die Jugendlichen über die Ziele der Konterrevolutionäre aufzuklären. Schulverweise und berufliche Nachteile waren ebenso ein großer Fehler. So trieb man die Jugendlichen erst recht in die Arme der Konterrevolutionäre.

Die sich Friedensbewegung nennenden Konterrevolutionäre schreiben sich auf ihre Fahnen, dass die Konterrevolution unblutig verlief. Mag die Kirche ihren Anteil gehabt haben, so waren es doch die damals politisch Verantwortlichen, die besonnen gehandelt haben.

Weit her war es während und nach der Konterrevolution nicht mehr mit dem Frieden. Der Pfarrer Rainer Eppelmann, während der Konterrevolution Verteidigungsminister, war dafür verantwortlich, dass die Rüstungsgüter der DDR in Kriegs- und Krisengebiete verkauft wurden. Von der „unabhängigen Friedensbewegung“ der DDR gab´s keine Spur mehr. Sie hat ihre Aufgabe erfüllt.

siehe DIE TROMMLER- ARCHIV

entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel