Auf einem römischen Latifundium

Die Sklaven arbeiteten in einer Reihe. Sie schwiegen und bückten sich. Alle Kraft, die in ihren schmerzenden Körpern war, brauchten sie, um im geforderten Tempo mit der Hacke den Boden aufzulockern.

Sklavenarbeit auf Latifundium

Sklavenarbeit auf einem römischen Latifundium

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

 

Sieben Stunden arbeiteten sie heute schon. Soeben begannen sie auf einem neuen Feld. Ihre Gesichter waren stumpf und müde. Noch weitere sieben Stunden Arbeit! Beim Aufbrüllen des Sklavenaufsehers zuckten alle zusammen. Wen wird der Peitschenschlag treffen? Wer war in der Reihe ein wenig zurückgeblieben? Wem war die Harke aus den schwieligen Händen gerutscht? Die Peitsche klatschte auf dem Rücken des Galliers. Kaum wagte einer, den Kopf zu ihm zu drehen. Im Sklavenkeller hatten all in der Nacht sein leises Stöhnen gehört. Unruhig hatte er sich auf dem schmutzigen Stroh gewälzt. Sein einziger Gedanke war: „Nur nicht krank werden! Von den Schmerzen im Rücken darf der Aufseher nichts erfahren.“ Die jetzt die Reihe neben ihm arbeiteten, hatten ihn am Morgen angesehen.  „Wirst du es schaffen?“ schienen ihre Augen zu fragen. Alle Sklaven auf dem Latifundium wussten, was geschah, wenn einer krank wurde. Reichte die Brotzuteilung schon so nicht, um satt zu werden, konnte der bittere, mit Wasser verdünnte Wein den Durst nicht stillen, ein kranker Sklave bekam nur die Hälfte des Brotes und des Weins. Bei einer solchen Verpflegung ließen die Kräfte ganz nach. Und ein grauhaariger, abgemagerter Sklave wurde behandelt, wie abgenutztes, unbrauchbares Werkzeug. Ein solches Werkzeug wurde weggeworfen, ein solcher Sklave davongejagt. Er starb an Krankheit oder vor Hunger. Sollte dies das Schicksal des Galliers sein? Er hatte gegen die Römer gekämpft, als sie seine Heimat besetzten. Seine Familie hatte er schützen wollen. Dabei fingen ihn die Römer, auf dem Sklavenmarkt kaufte ihn der Latifundienbesitzer. Mit über hundert Sklaven trat er den langen Marsch zum Latifundium an. Aneinandergekettet, von Bluthunden umkreist und von Wächtern verprügelt, kamen sie an. In drei Jahren wurde der Gallier unter der heißen Sonne, der nicht endenden Arbeit und den Schlägen der Aufseher ein alter Mann. Er konnte nicht stolz sein auf den herrlichen römischen Wein, der aus den Reben entstand, die er gepflückt hatte. Er bewunderte nicht das Öl der Oliven, die er gepflegt hatte. Der Gallier hasste die Arbeit auf den Olivenfeldern und in den Weinbergen. Am meisten hasste er den, der das Latifundium besaß und dem er gehörte, den reichen Sklavenhalter.

 

Geschichtsbuch DDR 5. Klasse Titel

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die fünfte Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

siehe Originaltext:

Die Sklaven in Rom

 

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Die Landwirtschaft Roms

Der Boden Italiens war fruchtbar, das Klima mild. So spielte in der Wirtschaft der Römer im Unterschied zu den Griechen die Landwirtschaft die größte Rolle. Hier hatten früher freie Bauern den Boden bearbeitet. In den großen Eroberungskriegen mussten die Bauern aber jahrelang als Soldaten in fremden Gebieten kämpfen. Ihre Familien verschuldeten sich bei Großgrundbesitzern. Wenn diese den Schuldbetrag zurück verlangten, blieb oft nur das Ackerland zur Bezahlung der Schulden.

Not der römischen Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

 

Ein großer Teil der von ihrem Land vertriebenen Bauern zog in die Hauptstadt Rom. Dort fristeten die meisten ihr Leben mit Gelegenheitsarbeiten. Es waren bald so viele landlose Bauern in Rom, dass sie eine Gefahr für die reichen Römer wurden. Um sie im Kampf vom Kampf gegen den Reichtum der angesehensten Sklavenhalter abzuhalten, verteilten diese Brotgetreide, manchmal auch Geld. Das besserte etwas die Lage der ehemaligen Bauern.

Auf den Gütern der Großgrundbesitzer, den Latifundien, wurden fast ausschließlich  Sklaven eingesetzt. Natürlich hing der Gewinn, der der Latifundienbesitzer herauswirtschaften konnte, vor allem davon ab, wie stark er seine Sklaven ausbeutete. Zugleich aber musste er nach anderen Wegen suchen, um seinen Ernteertrag zu erhöhen. Deshalb wurden neue und bessere Produktionsinstrumente eingesetzt. Der Pflug mit eiserner Schar, den die Griechen schon um 450 v.u.Z. gekannt hatten, setzte sich endgültig durch. Zu den neuen Produktionsinstrumenten gehörten Egge, Sense und Räderpflug. Für das Mahlen von Korn kamen immer mehr Wassermühlen in Gebrauch. Außerdem entwickelten die Römer bereits besondere Getreidemühlen und Mähmaschinen. Schließlich gab es verbesserte Ölpressen.

Getreidemühle (altes Rom)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

 

römische Landwirtschaftsgeräte

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

 

Die Bedeutung der Landwirtschaft zeigte sich auch darin, dass sich zahlreiche Schriftsteller(heute würde man sagen Berater oder Experten) mit Fragen des Ackerbaus und der Viehzucht befassten. Sie gaben Ratschläge, wie eine Wirtschaft geleitet werden müsste. Besonders schrieben sei in ihren Werken über den Anbau von Wein, Oliven und Getreide. Dabei kamen sie zu neuen Erkenntnissen. So teilten sie den Boden in verschiedenen Klassen ein, bestimmten für jede Klasse die geeignetsten Anbauprodukte und Bearbeitungsformen.

über den römischen Ackerbau

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

 

Es gab zahlreiche römische Güter, auf denen man fast nur Gemüse anbaute, auf anderen stand die Geflügelzucht im Mittelpunkt. Meistens lagen solche Güter in der Nähe größerer Städte, die diese Produkte abnahmen.

Wein, Öl und Wolle wurden in so großen Mengen erzeugt, dass sie zu den wichtigsten Ausfuhrprodukten Roms zählten.

Die Landwirtschaft war der Hauptwirtschaftszweig im Römischen Reich. Durch den Einsatz von neuen Produktionsinstrumenten und neuen Bearbeitungsmethoden auf den Latifundien stieg die Arbeitsproduktivität in diesem wichtigen Wirtschaftszweig.

 

 

Geschichtsbuch DDR 5. Klasse Titel

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5.Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

siehe auch Originaltext

Landwirtschaft (altes Rom)