Marx und Engels und die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert

Marx und Engels und die Positionen der Arbeiterbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts

Am 14. März 1883 starb Karl Marx. Sein ganzes Leben hatte er dem Kampf der Arbeiterklasse gewidmet.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Nach dem Tode von Karl Marx setzte Friedrich Engels das Werk fort. Er vollendet wichtige Arbeiten von Marx und schrieb noch bedeutende Werke. Sein Haus wurde zum Zentrum der internationalen Arbeiterbewegung. Als Engels am 05. August 1895 starb, wurde er wie Karl Marx von den Arbeitern der ganzen Welt betrauert.

Marx und Engels in den 1880er Jahren. (Gemälde von Hans Mocznay, 1953)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Leben und Werk von Karl Marx und Friedrich Engels bestimmten grundlegend die Entwicklung der proletarischen Bewegung im 19. Jahrhundert und damit auch die Zukunft der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung.

Karl Marx und Friedrich Engels haben die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung erforscht. Aus der Untersuchung des Systems des Kapitalismus entwickelten sie die Lehre von der historischen Mission der Arbeiterklasse: Die Arbeiterklasse hat die Aufgabe und die Kraft, sich selbst und die anderen Werktätigen von der Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien. Sie kämpft um die Errichtung der kommunistischen Gesellschaft. Weg und Ziel des Kampfes zeigt ihnen die von Marx und Engels ausgearbeitete wissenschaftliche Theorie des Kommunismus. Zu ihrer Verwirklichung braucht die Arbeiterklasse eine revolutionäre Partei. Sie ist der Vortrupp der Klasse, der den Weg und die Mittel im Kampf um die politische Macht weist und unter dessen Leitung der proletarische Staat errichtet wird. Mit dem Bund der Kommunisten hatten Marx und Engels die erste proletarische Organisation geschaffen, die den wissenschaftlichen Kommunismus zur Grundlage der Politik machte und ihn mit der Arbeiterbewegung verband. Eine neue Stufe erreichte die Ausbreitung der Erkenntnis von der Rolle des Proletariats im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, für die Befreiung der Menschheit, für den Kommunismus mit der Gründung und Entwicklung der I. Internationale (1864 bis 1876). Diese von Marx und Engels gegründete und geleitete Organisation schuf die Voraussetzungen dafür, dass in den verschiedenen Ländern revolutionäre Massenparteien gegründet werden konnten. Auf der Basis der schnellen Entwicklung des Proletariats konnten die von Marx und Engels mit hohem theoretischem Wissen ausgerüsteten Arbeiterführer immer mehr Arbeiter für den Befreiungskampf gewinnen. Im täglichen Klassenkampf erfuhren die Arbeiter, dass die Lehre von Marx und Engels, dargelegt in solchen bedeutenden Werken wie dem „Manifest der Kommunistischen Partei“, dem „Kapital“, den „Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei“ und anderen, ihren Interessen entsprach.

Zudem hatten Marx und Engels persönlich und brieflich Verbindung mit allen bedeutenden Arbeiterführern der verschiedenen Länder.

 

Zur Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Sie gaben ihnen Hilfe in theoretischen Fragen und vermittelten ihnen ihre umfangreichen Erfahrungen aus revolutionären Kämpfen. So gab es am Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern proletarische Massenparteien. Sie vereinigten etwa 300 000 Mitglieder in ihren Reihen. In zehn Ländern gab es über 200 sozialistische Abgeordnete. In den verschiedenen Gewerkschaften Europas und der USA waren rund 4 Millionen Werktätige organisiert.

Die Gründung der II. Internationale

Marx und Engels hatten in ihren Werken und in der praktischen Politik immer betont, dass eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf der Arbeiter jedes einzelnen Landes die internationale Solidarität ist. Nach ihrer Losung aus dem Kommunistischen Manifest „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ handelten immer mehr Arbeiter in den einzelnen Parteien. Daher entstand in den 1880er Jahren das Bedürfnis, die Arbeiterparteien politisch und organisatorisch zusammenzuführen.

Am 14. Juli 1889, dem 100. Jahrestag des Sturmes auf die Bastille, versammelten sich rund 370 Delegierte aus 20 Ländern in Paris zu einem Kongress. Dieser Arbeiterkongress wurde zur Gründungsversammlung der II. Internationale.

Bedeutenden Anteil an der Gründung der II. Internationale hatte Friedrich Engels. Die deutsche Arbeiterpartei genoss großes Ansehen in der internationalen Arbeiterbewegung. Ihr Kampf gegen das Sozialistengesetz, gegen den Militarismus und gegen die Ausbeutung machte sie zur führenden Partei der II. Internationale.

Zu Beginn des Kongresses gedachten die Teilnehmer der Helden aus dem Revolutionsjahr 1848 und der Kämpfer der Pariser Kommune. Der Kongress fasste bedeutende Beschlüsse. Alljährlich am 1. Mai sollte das internationale Proletariat für seine Interessen demonstrieren.

Der 1. Mai war im Gedenken an US-amerikanische Arbeiter gewählt worden, die Anfang Mai 1886 in Chicago einer hinterhältigen Polizeiaktion zum Opfer gefallen waren.  Unmittelbares Ziel der Maidemonstration wurde zunächst der Kampf um den Achtstundentag. Im Jahre 1890 wurde der 1. Mai erstmalig als Kampf- und Feiertag der internationalen Arbeiterklasse begangen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen das Sozialistengesetz

Zweck und Inhalt des Sozialistengesetzes

Junker und Großkapitalisten sahen voller Unruhe, wie schnell die sozialistische Arbeiterpartei erstarkte. Die herrschenden Klassen und ihre Regierung sahen in der sozialistischen Bewegung ein entscheidendes Hindernis für die weitere Ausbeutung des Volkes und die Erhöhung der Profite und Staatseinnahmen. So nutzten sie zwei 1878 erfolgte Attentatsversuche auf den Kaiser, mit denen die Sozialdemokratie nichts zu tun hatte, um am 21. Oktober 1878 das sogenannte Sozialistengesetz durchzusetzen, das sich gegen die gesamte Arbeiterklasse richtete.

Das Sozialistengesetz wird durch das Reichsgesetzblatt verkündet
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Die wichtigsten Bestimmungen des Soziallistengesetzes
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Unterdrückung der Arbeiterorganisationen, das Verbot aller Arbeiterzeitungen und der Terror der Polizei und Justiz minderten die Kraft der Arbeiterklasse und des Volkes. Das nutzten die herrschenden Klassen, und sie begannen einen seit langem geplantem Raubzug auf die Taschen des Volkes. Im Juli 1879 wurden die Schutzzollgesetze angenommen. Die Zölle für ausländisches Eisen, Getreide, Vieh, Holz und viele andere Waren trieben natürlich die Preise in Deutschland in die Höhe. Die Regierung erhöhte darüber hinaus die indirekten Steuern für Salz und Zucker. Diese Einnahmen dienten vor allem der weiteren Rüstung.

Die Salzsteuer galt weiterhin bis in die Zeit des heutigen Deutschlands. Sie wurde erst mit Wirkung ab dem 01. Januar 1993 aufgehoben. Näheres siehe Wikipedia.

Die Zuckersteuer galt ebenso bis in die Zeit des heutigen Deutschlands. Sie wurde erst zum 01. Januar 1993 mit Hinblick auf den EU-Binnenmarkt abgeschafft. Krankenkassenfachleute und Nicht-Regierungsorganisationen, wie FOODWATCH werben für die Wiedereinführung der Zuckersteuer in Deutschland und werden dabei von Mitgliedern des Bundestages-Gesundheitsausschusses unterstützt. Zucker gilt als schädlich und ungesund. Näheres siehe Wikipedia.

Zölle und Verbrauchssteuern
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Arbeiterklasse trotzt dem Terror

Das Sozialistengesetz traf die Arbeiterklasse schwer. Von 47 Parteizeitungen wurden 45 sofort verboten. Die mit den Ersparnissen der Arbeiter mühsam aufgebauten Genossenschaftsdruckereien wurden geschlossen. 17 gewerkschaftliche Zentralorganisationen wurden sofort verboten, dazu viele lokale Organisationen und Vereine. Bereits im November 1878 wurden 67 führende Sozialdemokraten aus Berlin ausgewiesen.

Der Kampf der Arbeiter und revolutionären Führer richtete sich auch gegen opportunistische Kräfte in der Partei, die bei der Umstellung der Partei auf die neuen Kampfbedingungen hervortraten und die Existenz der revolutionären Kampfpartei bedrohten. Eine Gruppierung trat gegen den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse auf, eine andere propagierte eine putschistische, anarchistisch beeinflusste Taktik. Die revolutionären Führer wiesen mit Unterstützung von Marx und Engels diese Kräfte zurück. Die Arbeiter nahmen unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Kampf gegen das Sozialistengesetz auf. So wurde eine Unterstützungsaktion für Ausgewiesene eingeleitet. Das Unterstützungskomitee leitete August Bebel. Dadurch entstanden auch wieder die ersten Verbindungen unter den Genossen.

Ausweiskarte für einen ausgewiesenen Sozialdemokraten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
August Bebel über eine illegale Versammlung Dresdner Genossen
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Sozialdemokraten entwickelten neue Methoden des Kampfes. Geheime, illegale Verbindungen wurden ergänzt durch legale Zusammenkünfte in Turn-, Wander- und Gesangsvereinen.

Die Sozialdemokraten nutzten die Reichstagswahlen zur Agitation und wirkten in sogenannten Hilfskassen zur Krankenunterstützung. Die Abgeordneten im Reichstag und in den Landtagen legten die Auffassungen zu wichtigen politischen Ereignissen dar und konnten auf diese Weise auch den Kampf der Arbeiter lenken. Erstmalig entwickelte so eine proletarische Massenpartei eine Kampftaktik unter besonders schweren Kampfbedingungen: die Verbindung der illegalen mit der legalen Arbeit. Dieser Kampf war schwer, denn überall setzte die Polizei ihre Spitzel ein.

Teilnehmer einer illegalen sozialdemokratischen Veranstaltung in der Nähe von Berlin werden von der Polizei abgeführt. (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Klugheit und Mut gehörten dazu, die Polizei zu überlisten.

Die „Rote Feldpost“

Um erfolgreich kämpfen zu können, brauchte die Arbeiterklasse eine Zeitung, die unbeeinflusst von der Polizeikontrolle Anleitung gab und die Ziele des Kampfes verbreitete. Mit Hilfe von Karl Marx und Friedrich Engels wurde seit dem 28. September 1879 in Zürich in der Schweiz „Der Sozialdemokrat“ herausgegeben.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Wöchentlich wurde „Der Sozialdemokrat“ illegal nach Deutschland gebracht und verbreitet. Tapfere Sozialisten sorgten für den Vertrieb. Ihre Organisation nannten die Arbeiter die „Rote Feldpost“.

Die Mitarbeiter der „Roten Feldpost“ arbeiteten sehr geschickt und mutig, so dass die Polizei nur selten eine Sendung Zeitungen abfangen konnte. Im Jahre 1886 wurden bereits 10 000 Exemplare der Zeitung „Sozialdemokrat“ in Deutschland verbreitet.

Im „Sozialdemokrat“ erschienen Artikel von Karl Marx und Friedrich Engels, August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Aber auch sehr viele Arbeiter berichteten von ihren Erfahrungen.

Julius Motteler, der als Verantwortlicher für den Versand des „Sozialdemokraten“ den Ehrennamen „Der rote Feldpostmeister“ erhielt. (Fotografie)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Kampf gegen „Zuckerbrot und Peitsche“

Die Kampfentschlossenheit der Arbeiter, die sich in den Erfolgen der Sozialdemokratie bei Wahlen (wichtigste Ergebnisse..) widerspiegelten, zeigte den herrschenden Klassen, dass mit Unterdrückung und Terror die sozialistische Bewegung nicht zu beseitigen war. Bismarck versuchte daher, soziale Forderungen der Arbeiter aufzugreifen, einige soziale Verbesserungen zu gewähren, um dadurch die Arbeiter vom revolutionären Klassenkampf abzulenken.

Die „Peitsche“ des Terrors wurde durch das „Zuckerbrot“ der Sozialgesetze ergänzt.

Bismarck 1844 über die Sozialgesetze
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Die Sozialgesetze
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Sozialgesetze brachten für einen Teil der Arbeiter gewisse soziale Verbesserungen. Wieder regten sich opportunistische Kräfte in der Partei, die in den Sozialgesetzen die Verwirklichung des Sozialismus sahen. Solchen Auffassungen traten die revolutionären Parteiführer entgegen. Unter der Losung „Das Zuckerbrot verachten wir, die Peitsche zerbrechen wir!“ kämpfte die Partei weiter. Die Organisation wurde fester.

Von den Sozialgesetzen profitieren wir noch heute. Bismarck wird als der große Wohltäter dargestellt, weil er diese eingeführt hatte. In diesem Beitrag sehen wir aber, dass es sich in Wirklichkeit anders verhalten hatte.  Es wird an den Sozialgesetzen Abbau betrieben. Doch ganz abschaffen kann man sie nicht, da sie vom Reaktionär Bismarck geschaffen wurden, um Aufstände oder gar eine Revolution zu verhindern.

1886/87 organisierte die Partei umfangreiche Aktionen gegen Militarismus und Völkerhetze, für proletarischen Internationalismus. Den 10. Jahrestag des Sozialistengesetzes „feierten“ die Sozialdemokraten mit Flugblattaktionen und geheimen Versammlungen. An den Türen und Schornsteinen, ja sogar auf einigen Polizeigebäuden, wehten rote Fahnen. Die Gewerkschaften entstanden neu, und die Streiktätigkeit stieg seit Mitte der 1880er Jahre schnell an. Höhepunkt des Kampfes war der große Bergarbeiterstreik vom 04. Mai bis 06. Juni 1889. 

Militärstreife während des Streiks im rheinisch-westfälischen Industriegebiet 1889. Insgesamt wurden gegen die Streikenden 5 000 Infanteristen und fast 1 000 Kavalleristen eingesetzt. (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Nahezu 150 000 Bergarbeiter aller deutschen Steinkohlereviere streikten für die Achtstundenschicht, für 15 Prozent Lohnerhöhung, Beseitigung der Lohnabzugssysteme (Strafmaßnahmen der Unternehmer) und Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dieser Streik traf die herrschenden Klassen schwer, denn solche Industriegebiete wie das Ruhrgebiet – hier lag der Schwerpunkt des Streiks – waren lebenswichtige Zentren der Schwer- und Rüstungsindustrie.

Wenn der Streik auch nur Teilerfolge auf sozialem Gebiet für die Arbeiter brachte, so war er doch von großer Bedeutung für die Einbeziehung neuer Schichten der Arbeiterklasse in den revolutionären Kampf. Für viele Bergarbeiter zeigte sich nicht zuletzt während der schweren Streiktage, dass die revolutionäre Sozialdemokratie der beste Sachwalter aller Arbeiter war.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

Die Ergebnisse der Revolution

Im Unterschied zur siegreichen bürgerlichen Revolution in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts löste die Revolution von 1848/49 in Deutschland keine ihrer historischen Aufgaben. Die Hauptaufgabe der Revolution, durch die völlige politische und ökonomische Entmachtung des Feudaladels einen einheitlichen Nationalstaat zu schaffen, wurde nicht erfüllt. Die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795 hatte die Monarchie gestürzt, die Republik geschaffen und den Feudalismus restlos besiegt. In Deutschland endete die Revolution damit, dass Fürsten und Adel ihre politische Macht wiederherstellen konnten. Damit blieb die nationale Zersplitterung als Hemmnis der kapitalistischen Entwicklung bestehen. Die Reaktion beseitigte nach ihrem Sieg die Rechte und Freiheiten, die sich die Volksmassen im März 1848 erobert hatten. Der Weg für eine ungehinderte Fortentwicklung der bürgerlichen deutschen Nation konnte nicht geebnet werden.

Obwohl die Revolution ihre Hauptaufgabe nicht gelöst hatte, war sie nicht ergebnislos. Aus Furcht vor neuen revolutionären Erhebungen mussten die feudalen Kräfte einige Zugeständnisse machen.

Mit einem Gesetz beseitigte die preußische Regierung 1850 noch bestehende feudale Fesseln der Landbevölkerung. Für die Abschaffung der Dienste und Abgaben mussten die Bauern jedoch hohe Geldsummen an die Junker zahlen.

Ein weiteres Zugeständnis war auch die Beibehaltung der 1848 eingeführten Verfassung in Preußen. Sie konnte zwar zu keinem wirksamen Mittel der Bourgeoisie werden, die junkerliche Regierungspolitik zu beeinflussen. Aber eine Rückkehr zum offenen Feudalabsolutismus, wie er vor der Revolution bestanden hatte, war nicht mehr möglich.

Die feudale Reaktion bereitete der vollen Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise noch große Schwierigkeiten. Aber den Sieg des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung konnte sie nicht verhindern.

Die wesentlichen Ursachen für die Niederlage der Revolution

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Es war für die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland schwieriger als für die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795, den Sieg über Fürsten und Adel zu erringen. Frankreich bildete damals bereits einen einheitlichen Staat. In Deutschland dagegen fand die Revolution unter den Bedingungen der Kleinstaaterei statt. Die revolutionären Volksmassen brachten sich in Frankreich nur mit einem König und einer Regierung auseinanderzusetzen. Die deutsche Revolution hatte es mit den Regierungen von 38 Staaten zu tun.

Schuld an der Niederlage der Revolution trug die Bourgeoisie. Statt in ihrer eigenen Revolution die Massen zu führen, wie es ihre Aufgabe war, verriet sie den revolutionären Kampf. Die Angst vor der Arbeiterklasse und den demokratischen Kräften trieb sie zum Bündnis mit den Junkern und Fürsten gegen das Volk. Diese verräterische Politik kostete sie die Errungenschaften, die ihr die Volksmassen am Beginn der Revolution erkämpft hatten. Als die Bourgeoisie im Kampf gegen die Weiterführung der Revolution ihre Schuldigkeit getan hatte, gab ihr die feudale Reaktion den verdienten Fußtritt. So verlor die Bourgeoisie ihre politischen Rechte.

Aus dem demokratischen Kleinbürgertum waren viele verdiente Revolutionäre gekommen. Aber als politisch wenig einheitliche und ökonomisch schwache Klasse war das deutsche Kleinbürgertum nicht in der Lage, selbstständig die Revolution zu Ende zu führen. In entscheidenden Augenblicken schwankten die kleinbürgerlichen Führer und zögerten, zusammen mit den Arbeitern die Feinde der Revolution gemeinsam zu bekämpfen.

Die junge deutsche Arbeiterklasse war 1848 noch zu gering an Zahl und zu wenig organisiert. Deshalb konnte sich noch nicht die Führung in der Revolution übernehmen. Aber die Arbeiterklasse brachte in allen Kämpfen die meisten Opfer. Von allen Klassen hatte sich das Proletariat am mutigsten und revolutionärsten gezeigt. Es war am konsequentesten für die Weiterführung der Revolution eingetreten. Das entschiedenste Programm der Revolution wurde von der Vorhut der deutschen Arbeiterklasse, vom Bund der Kommunisten, unter Leitung von Karl Marx und Friedrich Engels, ausgearbeitet. Die Masse der Arbeiterorganisationen stand jedoch noch unter kleinbürgerlichem Einfluss und beschränkte sich auf ökonomische Ziele.

Die historische Bedeutung der Revolution und ihre Lehren

Im 19. Jahrhundert war die Revolution von 1848/49 das größte politische Ereignis in der deutschen Geschichte. Die Volksmassen ganz Deutschlands erhoben sich, um eine bessere Zukunft zu erkämpfen. Sie wollten durch ihre Kraft einen einheitlichen demokratischen Staat schaffen, der ihre Interessen erfüllt.

In der Revolution erwies sich die Unfähigkeit der Bourgeoisie, die Belange der deutschen Nation zu vertreten. Kurzsichtig verfocht sie nur ihre egoistischen Klassenziele. Das veranlasste sie zum Zusammengehen mit den feudalreaktionären Kräften. Die Bourgeoisie zog keine Lehren aus dem Verlauf der Revolution. Es war fernerhin ihre Politik, eher das Bündnis mit den herrschenden feudalen Kräften als mit dem Volk anzustreben.

Karl Marx und Friedrich Engels zogen aus den vielfältigen Erfahrungen der europäischen Revolution von 1848/49 wichtige Lehren für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kommunismus. In verschiedenen Werken stellten sie besonders die neuen Erkenntnisse über den bürgerlichen Staat und seine Rolle als Instrument der herrschenden Klasse in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung dar. Mit der Feststellung, das die politische Machtergreifung des Proletariats die Zerstörung des alten Staatsapparates der Ausbeuterklassen erfordert, entwickelte Karl Marx die Ideen des Kommunistischen Manifests weiter. Marx und Engels formulierten in ihren Werken auch bereits Grundgedanken über das notwendige Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft. Sie legten dar, dass die Bauern nur in der Arbeiterklasse ihren natürlichen Verbündeten und Führer finden.

Während der Revolution sammelten die Arbeiter wertvolle Kampferfahrungen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

In den bisherigen Kämpfen hatte sich erwiesen, dass die Bourgeoisie die Revolution ständig verriet und kleinbürgerliche Kräfte nicht den Mut und die Fähigkeit besaßen, die revolutionären Kräfte erfolgreich zu führen.

Das Proletariat(Arbeiter), das in allen Massenkämpfen in vorderster Reihe stand, begann sich im Verlaufe der Revolution seiner Rolle bewusst zu werden. Die Arbeiter gingen dazu über, sich selbstständige Organisationen zu schaffen, wie eine Vielzahl von örtlichen Arbeitervereinen. Diese Bewegung führte schon zu einem Zusammenschluss verschiedener Arbeiterorganisationen. 1848/49 entstanden erstmals nationale gewerkschaftliche Organisationen. Bei der Gründung und Entwicklung einer Reihe von lokalen Arbeiterorganisationen spielten die Mitglieder des Bundes der Kommunisten eine hervorragende Rolle.

Karl Marx und Friedrich Engels versuchten, Anfang 1849 der Arbeiterklasse eine Gesamtnationale Führung in Form einer revolutionären Massenpartei zu schaffen. Auf Kongressen verschiedener Landesteile- Süddeutschland, Norddeutschland, Thüringen, Württemberg, Bayern – traten die Arbeiter für die Gründung eines allgemeinen deutschen Arbeiterbundes ein, wie es in einer Resolution hieß. Die Kommunisten, vor allem Marx und Engels mit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unterstützen die Bestrebungen.

Die Siege der Konterrevolution erschwerten jedoch diese Bemühungen und machten sie schließlich zunichte. Der für Juni 1849 geplante Kongress aller Arbeiterorganisationen konnte nicht mehr stattfinden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Die Revolution von 1848, Teil 3

Das revolutionäre Wirken von Marx und Engels

 

Mit dem Ausbruch der deutschen Revolution eilten Marx und Engels aus Paris nach Deutschland zurück, ausgerüstet mit ihrem Programm für den revolutionären Kampf, den 17 „Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland“ Sie nahmen ihren Wohnsitz in Köln.

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Nun verwirklichten Marx und Engels ihren Plan, eine große Zeitung herauszugeben. Das war für sie das wirksamste Mittel, um die Feinde der Revolution, die Fürsten, den Adel und auch schon Teile der Bourgeoisie, zu entlarven und den Arbeitern zu helfen, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen. Ab 1. Juni 1848 erschien unter der Chefredaktion von Karl Marx die „Neue Rheinische Zeitung“. Zur Finanzierung der Zeitung opferte Marx sein väterliches Erbteil.

Zu den Redakteuren der „Neuen Rheinischen Zeitung“ zählten neben Wilhelm Wolff auch die deutschen Dichter Georg Weerth und Ferdinand Freiligrath. Beide waren Mitglieder des Bundes der Kommunisten und enge Freunde von Marx und Engels. Weerth, der erste Dichter des Proletariats, verspottete die Feinde der Arbeiter und Demokraten in bissigen Erzählungen. Freiligraths revolutionäre Gedichte rüttelten die Massen auf.

Vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus griff die „Neue Rheinische Zeitung“ tatkräftig in die Ereignisse ein. Ihre Hauptangriffe führte sie gegen die noch nicht vernichtete Macht der Fürsten und des Adels. Leidenschaftlich verurteilte sie alle Schritte der Bourgeoise, die sich gegen das Volk richteten. Aber auch die Bundesgenossen der Arbeiter, die demokratischen Kleinbürger, beobachtete die Zeitung und kritisierte deren Mängel und Schwächen. In ihrer Zeitung entwickelten Marx und Engels die Grundsätze einer demokratischen Außenpolitik. Sie gingen davon aus, dass eine Nation nur frei sein kann, wenn sie für die Freiheit der Nachbarvölker eintritt. Deshalb unterstützten sie energisch den Kampf der Polen, Ungarn und Italiener um ihre nationale Unabhängigkeit

Die „Neue Rheinische Zeitung“ trug entscheidend dazu bei, dass sich das junge Proletariat seiner Kraft bewusst wurde und selbständige Arbeiterorganisationen zu bilden begann. Viele Mitglieder des Bundes der Kommunisten waren hervorragend an der Gründung lokaler Arbeiterorganisationen beteiligt. Anfang September 1848 wurde auf Initiative des Schriftsetzers Stephan Born ein Arbeiterkongress in Berlin abgehalten, an dem Delegierte aus Berlin, Hamburg, Leipzig und anderen Städten teilnahmen. Der Kongress beschloss die Bildung einer Arbeiterverbrüderung, welche die schon bestehenden Arbeitervereine zusammenfassen sollte. Allerdings hatte Born nur wirtschaftliche Kampfziele. Die Bestrebungen von Marx und Engels gingen jedoch dahin, eine gesamtnationale, revolutionäre Massenpartei der Arbeiterklasse zu schaffen, die stark und konsequent genug war, um gemeinsam mit den Volksmassen die Ziele der Revolution durchzusetzen.

Die „Neue Rheinische Zeitung“ war die mutigste und berühmteste Zeitung der deutschen Revolution. Ihre Artikel wurden von vielen anderen demokratischen blättern nachgedruckt. Sie half den Arbeitern und Demokraten, Freund und Feind zu unterscheiden und die Aufgaben der Revolution zu erkennen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8