Die Eroberungskriege Friedrichs II.

Die Herrschaft der Habsburger war gefährdet, als 1740 Kaiser Karl VI. söhnelos starb. Schon lange zuvor hatte er sich bemüht, dass die europäischen Mächte die Erbfolge seiner einzigen Tochter Maria Theresia anerkannten. Doch nach seinem Tode kehrte sich niemand um diese Verträge.

Der neue preußische König Friedrich II.(1740-1786)war fest entschlossen, die schwierige Lage Österreichs auszunutzen. Er ließ sein Heer überraschend in das nur schwach besetzte Schlesien einfallen, das damals zu Österreich gehörte. Dann erst bot er Maria Theresia an, er wolle sie mit allen Kräften gegen ihre Feinde unterstützen; allerdings müsse sie ihm als Preis dafür Schlesien abtreten. Das war glatte Erpressung. Der hinterhältige Überfall auf Schlesien enthüllte das räuberische Wesen des preußisch-junkerlichen Militarismus.

Friedrich II.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Friedrich II. zu Eroberungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Die Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Von anderen Mächten ebenfalls angegriffen, musste Österreich das in zwei Kriegen schwere militärische Niederlagen erlitten hatte, Schlesien abtreten. Damit erhielt Preußen eine reiche Provinz, in der vor allem die Leinwandproduktion blühte. Aber schon bald erwog Friedrich II. die Eroberung weiterer Gebiete.

Eroberungspläne FriedrichsII. 1752

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

1756 ergab sich die Gelegenheit für den preußischen König, diesen Plan zu verwirklichen. Als neue Kämpfe zwischen England und Frankreich um ihre nordamerikanischen und indischen Kolonialbesitzungen ausbrachen, ließ sich Preußen durch Subsidienzahlungen bewegen, auf die englische Seite zu treten. Frankreich stellte daraufhin seine jahrhundertealten Gegensätze zu Habsburg zurück und verbündete sich mit Österreich, dass seinerseits Preußen die schlesische Beute wieder entreißen wollte. Diesem Bunde schlossen sich Russland und auch Sachsen an. Der Konflikt von weltweitem Ausmaß wurde zum großen Teil wieder auf dem Boden Deutschlands und Böhmens ausgetragen. Er dauerte sieben Jahre, von 1756 bis 1763, so dass dieser dritte Schlesische Krieg als Siebenjähriger Kriegbezeichnet wird.

Die preußische Armee eröffnete die Kampfhandlungen wieder ohne Kriegserklärung und überfiel zunächst Sachsen. Dessen Heer wurde nach der Kapitulation geschlossen in preußische Dienste gepresst. Das Land blieb jahrelang besetzt und musste insgesamt 50 Millionen Taler aufbringen. Spöttisch bemerkte Friedrich: „Sachsen ist wie ein Mehlsack. Man mag darauf schlagen, so oft man will, es kommt immer etwas heraus.“

Nach dem Überfall auf Sachsen stießen die Preußen nach Böhmen vor. Vergeblich belagerten sie Prag. Vom österreichischen Heer geschlagen, mussten sie nach Sachsen zurückweichen. Seither wechselten Erfolge und Niederlagen beider kriegführenden Parteien rasch. Weite Teile des mittleren und nördlichen Deutschland wurden verwüstet.

Preußen war schließlich, von allen Seiten bedrängt und durch die in Amerika siegreichen Engländer im Stich gelassen, wirtschaftlich und militärisch erschöpft. Nur das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg bewahrte Preußen vor der drohenden Katastrophe. So konnte es am Ende des siebenjährigen Krieges Schlesien behaupten, musste aber Sachsen räumen.

Auf dem Boden des Reiches bestanden in Gestalt Österreichs und Preußens nunmehr zwei Großmächte. Ihr Gegensatz sollte ein Jahrhundert lang die Politik in Deutschland beherrschen.

Der preußische Militärstaat hatte sich als gefährlicher, hinterlistiger Angreifer erwiesen, der den Frieden in Europa immer wieder bedrohte. Seine Politik richtete sich gegen die Interessen der Völker.

 

 

Die Teilungen Polens

Schon kurze Zeit nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges bereitete Preußen einen Raubkrieg gegen Polen vor. Hier gab es kein starkes Königtum Unablässig befehdeten sich die Adligen des Landes untereinander. Die Nachbarn erblickten darum in Polen eine leichte Beute. Sie konnten außerdem immer der Unterstützung einer mächtigen Adelspartei gewiss sein. 1772 beschlossen Preußen, Österreich und Russland die erste Teilung Polens, durch die Polen ein Drittel seines Territoriums verlor. Preußen verfügte jetzt über eine Landverbindung zu seiner Provinz Ostpreußen und beherrschte den Unterlauf der Wisla. Es konnte also die Getreideausfuhr Polens kontrollieren. In den neu erworbenen Gebieten wurde die polnische Bevölkerung der Ausplünderung durch den preußischen Staatsapparat unterworfen. Preußische Junker eigneten sich die Güter flüchtiger polnischer Adliger an.

1793 und 1795 fanden weitere Teilungen Polens zwischen den Großmächten statt.

Die drei Teilungen Polens

Die drei Teilungen Polens

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Durch die Aneignung der polnischen Gebiete in den Jahren 1772-1795 wurde der polnische Staat völlig beseitigt. Nun begann für das polnische Volk ein über hundert Jahre währender Kampf. Die Knechtung Polens, an der der preußisch-junkerliche Militarismus führend beteiligt war, hemmte nicht nur die nationale Entwicklung unseres östlichen Nachbarvolkes, sondern wirkte sich auch negativ auf die weitere Geschichte unseres eigenen Volkes aus. Daher traten die fortschrittlichen Deutschen, wenn sie gegen den preußischen Militarismus kämpften, immer auch für die Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit Polens ein. Hier lag auch während der DDR-Zeit eine der Wurzeln der festen Freundschaft, die die Deutsche Demokratische Republik während ihres Bestehens mit der damaligen Volksrepublik Polen verband.

 

Die Rolle des preußischen Militarismus in der Geschichte

In drei Beiträgen wurden die verschiedenen Seiten des preußischen Militärstaates  behandelt: sein Heer und seine Verwaltung, seine Schul-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Immer wieder musste dabei festgestellt werden, dass er alle Maßnahmen auf die Schaffung eines starken Heeres ausrichtete. Ein solches System, in dem das Militär der Hauptzweck des Staates ist und das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmt, nennen wir Militarismus.

Im preußischen Staates 18. Jahrhunderts dienste dieses militaristische System den Interessen der herrschenden Junkerklasse, deren oberster Vertreter der König war. Mit seiner Hilfe sicherte diese reaktionäre Klasse die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen(arbeitenden Menschen)im eigenen Lande und besaß zugleich ein Mittel, um fremde Gebiete zu erobern und auszuplündern.

Von reaktionären Geschichtsschreibern, im Geschichtsbuch der DDR in Vergangenheitsform, heute Gegenwartsform(heutige offizielle Geschichtsschreibung), wurde und wird die Rolle Preußens in der deutschen Geschichte jedoch ganz anders dargestellt. Die Geschichtsschreiber verfälschen absichtlich die Wahrheit. Sie wollen damit den einfachen Menschen vorspiegeln, der preußische Staat habe nur das Wohl seiner Untertanen im Auge gehabt und sei allein dazu berufen gewesen, die politische Zersplitterung Deutschlands zu überwinden. Dabei stützen sich einige Historiker auf einige Äußerungen Friedrichs II., die scheinbar zeigen, wie gut es der König mit seinem Volk gemeint hatte. Es ist allerdings nicht ehrlich, wenn dies Geschichtsschreiber absichtlich übersehen, dass die preußischen Gesetze eigentlich einen ganz anderen Inhalt hatten. Erst wenn man auch diese Gesetze liest, versteht man, dass den unten abgedruckten Worten Friedrichs II. über die Rechtsprechung nicht ohne weiteres Glauben geschenkt werden kann.

Friedrich II. zu Rechtssprechung in Preußen

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Punkte aus preußischen Landrecht von 1794

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Allein schon die Tatsachen aus der Geschichte des 18. Jahrhunderts lehren, dass der preußische Staat mit dem Schweiße und dem Blute seiner Untertanen zusammengefügt und auf Kosten des deutschen Volkes und seiner Nachbarvölker vergrößert wurde.

Der preußische Militarismus spielte, bzw. spielt in der deutschen Geschichte stets eine verhängnisvolle Rolle. Vor allem solche Merkmale wie der Kadavergehorsam in der Armee und der Untertanengeist im gesamtgesellschaftlichen Leben wurden von den herrschenden Klassen in ihrem Interesse nachdrücklich betont. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Geschichtsbücher der DDR erhalten geblieben sind und in den Antiquariaten angeboten werden. Denn nur so kann die Nachwelt sich von den reaktionären Geschichtsschreibern unabhängig machen. DIE TROMMLER leistet in mit seinen bescheidenen Möglichkeiten einen kleinen Beitrag dazu.

Der Militarismus half, die Junkerherrschaft auch über das Ende der Feudalzeit hinaus zu erhalten. Ständig drohte die Gefahr, dass die preußisch-deutschen Militaristen mit Hilfe ihrer schlagkräftigen Armee ihre Eroberungspläne durch neue Angriffskriege in die Tat umsetzten. Im Inneren Deutschlands behinderten sie jede fortschrittliche Entwicklung für lange Zeit.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Eroberungskriege Friedrichs II.

 

 

 

 

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Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Der Ausbau des preußischen Absolutismus

Das Land konnte die ungeheure Last eines so außerordentlich großen Heeres kaum tragen. Nur eine straff geleitete, lückenlos durchorganisierte Verwaltung war in der Lage, die beträchtlichen Mittel zum Unterhalt des Heeres aus der Bevölkerung herauszupressen. Deshalb baute Friedrich Wilhelm I. nicht nur das preußische Heer, sondern auch den Staatsapparat aus.

Die einflussreichsten Verwaltungsstellen waren auch hier mit Adligen besetzt. Doch berief der König selbst Bürger in führende Positionen. Sie waren abhängiger und leichter zu beaufsichtigen als die Junker. Alle Beamten aber verpflichtete der König zu unbedingtem Gehorsam. Schon bei geringfügigen Nachlässigkeiten drohte er ihnen Absetzung oder Festungshaft an. Sie hatten die Politik des preußischen Staates gegenüber den Untertanen rücksichtslos durchzusetzen. Die Staatseinkünfte beruhten fast zur Hälfte auf der feudalen Ausbeutung der Bauern auf den königlichen Gütern, den Domänen, die ein Drittel des landwirtschaftlich genutzten Bodens Preußens umfassten. Die andere Hälfte entstammte Steuern. Sie wurden den einzelnen Klassen in unterschiedlicher Weise auferlegt.

Die Kontribution war eine Steuer, die auf den Bauernhöfen lastete. Durchschnittlich verschlang sie ein Drittel aller bäuerlichen Einnahmen.

Die Akzise war eine indirekte Steuer und zugleich Zoll.  Sie wurde dem Preis der Handelsgüter aufgeschlagen. An den Stadttoren erhob man sie von den meisten Waren, die in die Städte hineinkamen und dort auf dem Markt verkauft werden sollten. Bei ausländischen Gütern betrug der Akzisesatz bis zu Hälfte. Die Akziseeinkünfte konnte man leicht erhöhen. Sie stiegen mit wachsendem Verbrauch, auch der Steuersatz war jederzeit zu vermehren.

Der Adel war von Kontribution und Akzise befreit. Ihn vermochte der König nur mit militärischer Gewalt zu zwingen, eine wenige Taler betragende Geldsumme zu zahlen.

Die Steuern in Preußen

Die Steuern in Preußen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In hohem Maße wurden in Preußen die Schulen dazu verwendet, im Sinne des Absolutismus gehorsame Untertanen zu erziehen. Wie in den meisten anderen deutschen Fürstentümern verordnete der preußische König, dass jedes Kind einige Jahre lang eine Schule besuchen müsse. Doch galt die allgemeine Pflicht nur dort, „wo Schulen sind“. Viele Dörfer mussten noch lange auf einen Schulbau warten. Im Übrigen lernten die Kinder wenig genug. „Ein bisschen Lesen und Schreiben“, dazu die Grundzüge der christlichen Lehre – das war für die Bauern als der Mehrheit der Bevölkerung gerade das Rechte. Sie sollten nicht mehr Bildung erwerben, als unbedingt nötig war. Während der wärmeren Jahreszeit mussten die Kinder immer wieder auf den Feldern arbeiten.

Die Lehrer befanden sich völlig in der Hand der Gutsherren. Sie hatten keine Spezialausbildung. Sehr oft handelte es sich um alte oder sonst militäruntauglich gewordene Soldaten und Unteroffiziere. In ihrer neuen Tätigkeit wandten sie die gleichen Erziehungsmethoden an wie auf dem Exerzierplatz. Mit Prügel sollten die Kinder in Unterwürfigkeit und ständiger Furcht erzogen werden. Die preußischen Untertanen durften nicht selbstständig denken, sondern mussten von Kind auf lernen, bedingungslos den Befehlen der Gutsherren, Beamten und Offiziere zu gehorchen. Das militaristische System mit seinem menschenunwürdigen Untertanengeist bemächtigte sich auch der Schule.

 

Die Wirtschaft im Dienste des Heeres

In Preußen herrschte die Landwirtschaft vor. Nur sehr wenige Städte besaßen ein entwickeltes Gewerbe, das vorwiegend in Zünften organisiert war. In der Zeit des Absolutismus wurden aber die Armeen erstmalig einheitlich bewaffnet und gekleidet. Der preußische Staat musste daher für die Einrichtung von Manufakturen sorgen, die er selbst verwaltete, oder durch bürgerliche Unternehmer betreiben ließ. In erster Linie ging es also um die Erhöhung der Staatseinkünfte, das heißt der Mittel für das Heer, wen die Manufakturen gefördert wurden. In zweiter Linie war das Heer unmittelbar mit allem Notwendigen auszurüsten. Diese Aufgabe war besonders schwierig, weil Preußen anfangs kaum über Hammerwerke, Gießereien und Pulvermühlen verfügte. Auch später musste es einen Teil der benötigen Waffen und Munition für teures Geld einführen. Leichte war die Sicherung des Uniformbedarfs, da die Wolltuchfabrikation zeitweise einen beachtlichen Aufschwung nahm. Über den Tuchbedarf des Heeres hinaus wurde sogar ein Export möglich.

Gründe des preußischen Königs für Ermunterung der Manufakturen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schließlich gab es Gewerbe, die den Luxusbedürfnissen der Reichen dienten(Seiden-, Porzellan-, Spiegelherstellung). Für sie fehlten aber weitgehend ausgebildete Arbeitskräfte. Immerhin stieg die Zahl der Manufakturen insgesamt merklich an. Besonders Berlin, Residenz und größte Garnisonstadt, wurde zugleich ein Zentrum gewerblicher Produktion. Menschen, die religiöser Gründe wegen aus Frankreich und der Pfalz vertrieben und in Preußen aufgenommen wurden, brachten die Kenntnis neuer Produktionsverfahren mit.

Die meisten Unternehmungen dieser Zeit besaßen nur wenige Dutzende Arbeitskräfte. Eine Ausnahme war das Berliner Lagerhaus, das im Jahr 1738 4730 Arbeiter beschäftigte. Hier wurden Wolltuche hergestellt, teils in Heimarbeit, teils in der zentralen Werkstatt. Der Rohstoff kam aus dem eigenen Lande, da Schafwolle „bei Strafe des Galgens“ nicht exportiert werden durfte. Immer mehr Untertanen wurden gezwungen, Wolle zu verspinnen – selbst die beurlaubten Soldaten und besonders Insassen von Arbeits-, Armen- und Zuchthäusern sowie Waisenhäusern. Dem preußischen Staat kam es darauf an, dass derartige Einrichtungen möglichst keine Ausgaben verursachten.

Die im Potsdamer Militärwaisenhaus untergebrachten Kinder wurden in verschiedenen Manufakturen eingesetzt, auch zum Wickeln und Spulen von Seide, zum Spitzenklöppeln oder Ziehen von Gold- und Silberdraht. Selbst das Mädchenwaisenhaus verwandelte sich in ein Manufakturgebäude, in dessen acht Sälen im Jahr 1763 352 Mädchen beschäftigt waren. Bei einem Tuchunternehmer begann die Arbeitszeit für die Knaben im Sommer um 5 Uhr und dauerte mit einer Stunde Mittag bis 16 Uhr. Billigere Arbeitskräfte konnten die Kapitalisten nicht bekommen, zumal sie strenger Aufsicht unterlagen. Aus einem anderen Arbeitshaus wird berichtet, dass sich hier „kleine Kinder befinden, welche außer den täglichen 6 Schulstunden wöchentlich bis 6 Stücke wollen Garn spinnen und dadurch ihre Kost ziemlich verdienen“.

Der Missbrauch von in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen als billige Arbeitskräfte war in kapitalistischen Ländern noch bis in die 1970er Jahre Usus.. Erst jetzt geht man daran dies aufzuarbeiten. Dabei relativiert man wieder und schwingt die antikommunistische Keule, indem man behauptet, dass es in der DDR auch so gewesen sei.

So sehr der preußische Absolutismus die Ziele des Adels vertrat, in einem Punkte stießen schließlich enge Junker- und weitere Staatsinteressen aufeinander. Durch das Bauernlegen verringerte sich sie Zahl der Höfe, die zur Kontribution verpflichtet waren. König Friedrich II. verbot nachdrücklich, weiterhin Bauernstellen zu beseitigen. Das Verbot erstreckte sich nicht auf den einzelnen Bauern, der nach wie vor von seinem Junker vertrieben werden konnte, wenn nur ein Ersatzmann seine Stelle einnahm. Außerdem verpachtete der König einen Teil der Domänen an Bauernfamilien, hob die Leibeigenschaft auf dem Domänenland auf und begrenzte hier die Zahl der Frontage von sechs auf drei Werktage. Davon versprach er sich zu Recht eine Steigerung der Produktion und damit ein Anwachsen der staatlichen Einkünfte. Auf Grund dieser Maßnahmen wurde seit eh und je behauptet, die Hohenzollern hätten sozial gedacht, das heißt, sie hätten es darauf abgesehen, Not und Elend der Bauernmassen zu lindern.

Die Staatseinnahmen Preußens, dessen Bevölkerung zwischen 1740 und 1789 von 2,5 auf 5,4 Millionen Menschen wuchs, stiegen von 7 auf 25 Millionen Taler; aber auch das Heer wurde in der gleichen Zeit um das Dreifache, auf über 200 000 Mann vermehrt. Die preußische Wirtschaftspolitik änderte nichts am Charakter des Staates. Preußen blieb ein absolutistisches und militaristisches Land. Auf den junkerlichen Gütern bestand die Leibeigenschaft weiter. Sie war neben dem Mangel an Kapital das entscheidende Hindernis für eine schnellere Entfaltung des Kapitalismus, der allerdings durch die wirtschaftlichen Maßnahmen einige Anstöße empfing.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Der preußische Militärstaat

Das Königreich Brandenburg-Preußen

Durch den Westfälischen Frieden hatte Brandenburg-Preußen besonders umfangreiche Erwerbungen erlangt. Seiher überragte es, neben den kaiserlich-habsburgischen Besitzungen, deutlich die Masse der mittleren und kleineren Territorien. Seit 1701 war Brandenburg-Preußen ein Königreich. Es bestand aus recht unterschiedlich entwickelten und weit auseinanderliegen Teilen. In den Kernprovinzen Brandenburg und Ostpreußen gab es nur wenige und zudem meist verarmte Städte. So besaßen die junkerlichen Gutsbesitzer das eindeutige Übergewicht gegenüber dem Bürgertum.

Brücke und Schlagbaum

Brücke und Schlagbaum. Erst wenn der „Brückenzoll“ entrichtet war, durften die Wagen der Kaufleute passieren.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die oft zufälligen Erwerbungen räumlich miteinander zu verbinden und sie auch innerlich zusammenzuschweißen, das war das politische Hauptziel der preußischen Könige aus dem Geschlecht der Hohenzollern. Als Hauptmittel diente ihnen der Aufbau einer absolutistischen Herrschaft. Vor allem kam es ihnen darauf an, eine schlagkräftige Armee zu schaffen.

 

Der militaristische Charakter des preußischen Heeres

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, während der Regierungszeit König Friedrich Wilhelms I. (1713-1740), wurde das preußische Heer zu einem der stärksten in Europa. Die Soldaten waren in der Mehrzahl preußische Untertanen, die fast ausschließlich der Bauernklasse Ostelbiens entstammten. Die einzelnen Regimenter erhielten einen ständigen „Kanton“ zugeteilt, das heißt einen Bezirk, in dem sie ihre neuen Soldaten ausheben sollten. Hier wurden die Dienstpflichtigen schon mit dem 10. Lebensjahr listenmäßig erfasst. Das nur dünn bevölkerte Preußen konnte aber die Reihen des schnell wachsenden Heeres nicht füllen. Deswegen wurden preußische Offiziere als Werber in die benachbarten  Länder geschickt. Die brachten ihre Opfer oft nur mit List, Betrug oder gar Gewalt dazu, das Handgeld anzunehmen, wodurch diese sich zu lebenslangem Söldnerdienst verpflichteten.

Erlass der Regierung Hannovers

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Ein solches bunt zusammengewürfeltes Heer war nur mit brutalsten Mitteln zu dirigieren. Der Stock, der den Soldaten einbläute, dass die  Befehle ihrer Vorgesetzten blindlings zu befolgen hatten, kennzeichnete fortan die preußische Armee. In ihr herrschte schlimmster Kadavergehorsam, das heißt, die Soldaten sollten vollkommen willenlose Werkzeuge in der Hand ihrer Offiziere sein.

Strengste Disziplin, in jahrelangem Drill, bei ständig wiederholten Exerzierübungen anerzogen, erforderte auch die Kampfweise der Infanterie: In langen, aber nur drei Glieder tiefen Reihen(Linien)rückten die Fußtruppen im Marschschritt vor. Dabei sollten sie möglichst schnell und zur gleichen Zeit schießen. Zielen war sogar, um Zeit zu sparen, streng verboten. Mit den damaligen Gewehren, Vorderladern mit glatten Läufen, hätte es auch kaum etwas genützt. Es kam mehr auf die Wirkung des Salvenfeuers an. Die preußische Armee, die diese Kampfweise, die sogenannte Linientaktik, schließlich perfekt beherrschte, brachte es immerhin auf zwei bis drei Schuss in der Minute. Im Rücken der Soldaten folgten die Offiziere, die jeden Zurückweichenden mit dem Tode bedrohten.

Angesichts der ständigen Schikanen und entehrenden Strafen – mindestens Spießrutenlaufen, im Wiederholungsfalle der Tod durch den Strang. Dennoch desertierten in jedem Jahr Hunderte.

Anordnung des preußischen Königs gegen Fluchtversuche von Soldaten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Im preußischen Heer nahmen fast ausschließlich Adlige die Offiziersstellen ein. Dadurch unterstanden die Junker der Befehlsgewalt des Königs. Zugleich erwies sich die Armee für sie als Quelle unmittelbarer Bereicherung. Hierbei ging es nicht allein um die Besoldung der Offiziersstellen, sondern vor allen Dingen um die sogenannte Kompaniewirtschaft. Die Kompaniechefs empfingen für die Kosten der Ausrüstung und Verpflegung und des Soldes eine feste Geldsumme, über die sie allein verfügten. Dabei suchten sie Ausgaben zu sparen, wo sie nur konnten. Immer mehr Monate jährlich wurden Soldaten beurlaubt. Lediglich im Frühsommer mussten alle zum Exerzieren anwesend sein. Die Junker zogen daraus einen doppelten Vorteil: Sie sparten für diese Zeit den Sold und bekamen für die Feldarbeiten auf ihren Gütern die dringend benötigten Arbeitskräfte, die obendrein der militärischen Disziplin unterlagen. Die „Ausländer“, die angesichts der langen Dienstzeit oft verheiratet waren, blieben zumeist in ihren Garnisonstädten und verrichteten mit ihren Frauen und Kindern gewerbliche Arbeiten, da ihr kärglicher Sold nicht zum Lebensunterhalt ausreichte.

Stärke der Armeen 1740

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In Preußen kostete das Heer um 1740 8 bis 9 Zehntel aller Staatsausgaben. Damals stand das Land der Bevölkerung nach in Europa an 13., der Fläche nach an 10.,der Heeresstärke nach aber an 4. Stelle! So hieß es zu Recht, Preußen sei nicht ein Land mit einem Heer, sondern ein Heer mit einem Land.

Die Zustände im preußischen Heer und seine überragende Stellung im preußischen Staat sich wichtige Merkmale des Militarismus.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Der preußische Militärstaat

 

 

 

Die Französische Revolution(Übersicht)

Verlauf Französische Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Frankreich vor der Revolution

Der Kampf bürgerlicher Schriftsteller gegen den Absolutismus

Das Entstehen einer revolutionären Situation(1787-1789)

Der Ausbruch der Revolution

Die Großbourgeoisie an der Macht(1789-1792)

Das Vaterland in Gefahr

 

Die Vollendung der Revolution durch die Jakobiner

Die Jakobiner als Retter der Revolution

Ende und Auswirkungen der Revolution

Das Wesen der bürgerlichen Revolution

Ein starkes revolutionäres Volksheer und eine neue Kriegsführung schufen die Volksmassen Frankreichs mit der Französischen Revolution, die eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung darstellte. Darum gehörte die Französische Revolution auch zu den militärischen Traditionen der DDR.

 

Das Vaterland in Gefahr

Jakobiner und Girondisten

Dem Klub der Jakobiner, der das Volk beim siegreichen Aufstand vom 10. August 1792 geführt hatte, gehörten Handwerker, Ladenbesitzer, kleine Fabrikbesitzer, Schriftsteller, Rechtsanwälte und Ärzte an. In ihrem Klub berieten sie jeden Abend über die Lage des Volkes und wie die Revolution weitergeführt werden sollte. Die Beschwerden des Volkes, die im Jakobinerklub vorgetragen wurden, brachten denn diejenigen Mitglieder, die Abgeordnete des Konvents waren, dort vor.

In den Departments gab es auch Jakobinerklubs, die dem Klub in Paris ständig berichteten, was auf dem Lande vorging. Alle Jakobiner einte der Wille fest verbunden mit dem Volk die Feinde der Revolution zu schlagen.

Doch nach dem 10. August 1792 hatten zunächst die Girondisten die Herrschaft angetreten. Sie kamen aus dem Gebiet der Gironde und vertraten die Interessen der Handelsbourgeoisie in den Hafenstädten. Auch sie waren für die Republik, hatten aber wenig Verbindung zum Volk. Auch fehlte ihnen die nötige Entschlossenheit im Kampf gegen den Feind. Als im August 1792 die preußisch-österreichische Armee gegen Paris marschierte, wollte die Regierung der Girondisten nach Südfrankreich fliehen.

Danton(1759-1794)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Darauf geißelte Danton diese Feigheit.

Dantons Rede gegen Feigheit der Regierung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Sieg von Valmy

Die Jakobiner zwangen der Regierung entschlossen Maßnahmen zur Abwehr des Feindes auf. 100 000 Freiwillige, meist Bauern, Handwerker und Gesellen, zogen an die Front.

Werbung von Freiwilligen für Revolutionsarmee

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Der Herzog von Braunschweig, der die preußisch-österreichische Armee befehligte, drohte, „Paris dem Erdboden gelichzumachen, falls dem König oder seiner Familie die kleinste Gewalttätigkeit zugefügt“ werde. Doch unerschrocken sangen die Franzosen, die an die Front marschierten, das Lied der Freiwilligen aus Marseille, Dieses Lied, die Marseillaisegenannt wurde zur französischen Nationalhymne.

 

 

 

Erste Strophe Marseille

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die französischen Soldaten waren nur mangelhaft ausgerüstet und die vielen Freiwilligen noch ungeübt im Kriegsdienst. Aber sie beseelte der Gedanke: Wir müssen den Feind zurückschlagen, sonst bleiben alle Opfer, die wir seit dem Sturm auf die Bastille für die Revolution gebracht haben, umsonst. Die französischen Soldaten waren überzeugt, für eine gute und gerechte Sache zu kämpfen. Und das verlieh ihnen ungeheure Kraft. Am 20. September 1792 trafen bei Valmy die beiden Armeen aufeinander. Die Kanonenkugeln der Österreicher und Preußen rissen große Lücken in die Reihen der Franzosen. Doch der Ruf „Es lebe die Nation“ gab ihnen immer wieder Mut. Sie wehrten die Angriffe der gut ausgebildeten Truppen des Feindes ab und zwangen sie zum Rückzug. Goethe, der den Herzog von Weimar begleitete, beobachtete die Schlacht.

Goethe über Schlacht bei Valmy

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem Erfolg bei Valmy errang das revolutionäre Frankreich in einem gerechten Krieg einen ersten Sieg über die konterrevolutionären Feudalmächte. Die französischen Armeen retteten die Revolution und gingen jetzt zum Gegenangriff über.

 

Errichtung der Jakobinerherrschaft

In den Städten und Dörfern Frankreichs jubelten die Menschen über den Sieg von Valmy und die Ausrufung der Republik. Doch bald verbreiten sich Enttäuschung und Zorn. Die Regierung der Girondisten ließ es zu, dass die Getreidehändler und die Kaufleute in den Häfen den Kriegszustand ausnutzten, um das Korn und den Zucker zu Wucherpreisen zu verkaufen. Das Brot wurde immer teurer, und oft brachten die Händler überhaupt kein Getreide auf den Markt, um die Preise noch höher zu treiben. Im Frühjahr 1793 hungerte das Volk genauso wie vor der Revolution. An vielen Orten stürmte die Menge die Bäckerläden. Es bildeten sich bewaffnete Abteilungen, die Mehltransporte anhielten und das Mehl zu niedrigen Preisen verkauften. Auch die Bauern erhoben sich, da sie weiterhin die Abgaben für den Boden bezahlen sollten.

Der Zorn des Volkes gegen die Girondisten erreichte seinen Höhepunkt, als es durch die Zeitung Marats „Der Volksfreund“ erfuhr, dass einige girondistische Generäle Verhandlungen mit dem Feind anknüpften. Robespierre klagte im Konvent die Führer der Girondisten des Verrats an und forderte ihre Verhaftung. Die Pariser Stadtbezirke sandten täglich Abordnungen zum Konvent, die das Gleiche verlangten.

Am 02. Juni 1793 bewaffneten sich die Handwerker, Gesellen und Arbeiter von Paris erneut. Sie umzingelten den Konvent und erreichten, dass die Führer der Girondisten verhaftet und die Regierung den Jakobinern übergeben wurde.

Die Jakobiner errichteten für die Zeit des Krieges eine Revolutionsregierung, die Jakobinerdiktatur. Dabei wurde die politische Macht im Wohlfahrtsausschuss zusammengefasst, der im Auftrag des Konvents regierte.

Durch die Revolutionsauschüsse und Beauftragte(Kommissare)bei den Armeen und in den Departments konnte der Wohlfahrtsausschuss, in dem Robespierre der führende Kopf war, seinen Willen in allen Teilen Frankreichs durchsetzen.

Organisation Jakobiner-Herrschaft

Wie die Jakobiner ihre Herrschaft organisierten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das Vaterland in Gefahr

 

Die Jakobiner als Retter der Revolution

Der Kampf gegen die Tyrannei

Nachdem die Jakobiner die Revolution vollendet und die inneren Feinde niedergeworfen hatten, blieb aber noch das Schwerste zu tun: Der Kampf gegen die tödliche Bedrohung durch die Feudalmächte Europas. Mit englischem Geld stellten diese Mächte ein Heer nach dem anderen auf, um Frankreich zu erobern und die Herrschaft des Königs wiederherzustellen.

Beachte: Das bürgerliche England verbündete sich mit den großen Feudalstaaten gegen das bürgerliche Frankreich!

Wollte Frankreich diesen Krieg erfolgreich beenden, mussten alle Franzosen ihren Teil dazu beitragen. Deshalb nahm der Konvent das vom Wohlfahrtsausschuss geforderte Gesetz über die Teilnahme aller Bürger am Kampf gegen die äußeren Feinde an.

Gesetz über Teilnahme am Kampf gegen äußere Feinde

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Eine Schwierigkeit im Kampf mit den äußeren Feinde bestand darin, dass die Soldaten bekleidet, verpflegt und bewaffnet werden mussten, während die englischen Kreuzer alle Zufuhren aus Übersee sperrten. Der Wohlfahrtsausschuss ließ deshalb Geschütz- und Gewehrfabriken bauen. Berühmte französische Gelehrte erhielten ein Schloss und einen Park zur Verfügung gestellt. Dort erfanden sie ein Verfahren, Das Kupfer aus der Bronze der Glocken auszuscheiden. Dort entwickelten sie die ersten Zeichentelegraphen und die ersten militärischen Luftballons.

Der Wohlfahrtsausschuss entsandte auch Kommissare zu den Armeen. Zu ihnen gehörte Saint Just, der selbst Mitglied des Ausschusses war.

Saint Just(1767-1794)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er kam nach Straßburg zur Rheinarmee. Sofort befahl er: Die Reichen der Stadt haben innerhalb von 24 Stunden 9 Millionen Livres zur Versorgung der Armee zu bezahlen und 2000 Betten für die Verwundeten bereitzustellen. Das Geld und die Betten waren zur Stelle. Als Saint Just sah, dass die meisten Soldaten keine Schuhe mehr hatten, sagte er der Stadtverwaltung von Straßburg: „Zehntausend Menschen in der Armee sind ohne Schuhe; heute noch müsst Ihr allen Adligen von Straßburg die Schuhe ausziehen, damit morgen um 10 Uhr früh Zehntausend Paar Schuhe auf dem Wege zur Armee sind!“ Auch die Schuhe waren zur Stelle.

Mit Hilfe des gesamten französischen Volkes organisierten die Jakobiner in kurzer Zeit eine schlagkräftige Millionenarmee.

 

Die Umgestaltung der Armee

Neben Saint Just war im Wohlfahrtsausschuss besonders Lazare Carnot für die Armee verantwortlich. Er erhielt später den Beinamen „Organisator des Sieges“. Im Heer des Königs war er Pionierhauptmann gewesen und durfte nicht einmal eine Kompanie führen. Jetzt leitete er mit seinen Kollegen im Wohlfahrtsausschuss eine Millionenarmee. Doch Carnot war nur ein Beispiel für viele: Wer tapfer und klug war, konnte in der Armee schnell befördert werden. Es herrschte eine strenge, aber keine kleinliche Disziplin. Das Schlagen, Auspeitschen und Spießrutenlaufen, wie es in den Armeen der Fürsten üblich war, gab es nicht.

Die Jakobiner schufen aus den zu Eigentümern ihres Bodens gewordenen Bauern eine Armee von bewussten und treuen Kämpfern, die die Sache der Revolution verteidigten.

Kampf des revolutionären Frankreich gegen innere und äußere Feinde

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schlachtordnung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Einschätzung französischer Revolutionssoldaten durch Deutschen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Mitglied des Wohlfahrtsausschusses über den Krieg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Bereits im Herbst 1793 war Toulon, das die Engländer besetzt hielten, nach längerer Belagerung zurückerobert worden. Ein junger Artilleriehauptmann, Napoleon Bonaparte, hatte den Plan zur Rückeroberung der Stadt ausgearbeitet und seine Durchführung geleitet. Der Konvent beförderte ihn dafür zum General. Bis zum Ende des Jahres 1793 waren die Feinde vom französischen Boden vertrieben.

In der Schlacht kämpften die Revolutionssoldaten sehr geschickt. Sie stellten sich nicht in langen Linien auf, wie die Heere der Fürsten. Sie bildeten Kolonnen, die schnell von einem zum anderen Flügel der Front eilen konnten. Um dem Artilleriefeuer zu entgehen, lösten die Franzosen dann ihre Kolonnen auf. Jeder Soldat suchte Deckung im Gelände. Es entstanden lose Schützenschwärme, die schnell die starre Schlachtordnung der Österreicher und Preußen durcheinanderbrachten.

Um den Feind, der auch noch im Frühjahr 1794 die Grenzen Frankreichs bedrohte, endgültig zu schlagen, drangen die Revolutionsarmeen in die Nachbarländer ein.

Befehl Carnots an die Generäle

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Diesen Befehl setzten die von revolutionärer Begeisterung erfüllten Offiziere und Soldaten in die Tat um. Sie errangen im Sommer 1794 den entscheidenden Sieg über die europäische Konterrevolution. Die Anstrengungen der Jakobiner hatten es möglich gemacht, den Feind so zu schlagen, dass die Gefahr einer Eroberung Frankreichs und einer Wiederherstellung der alten Zustände gebannt wurde.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Jakobiner als Retter der Revolution

 

 

Die militärischen Traditionen der DDR

Sie waren die Gesamtheit der Ideen, Regeln, Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Symbole, die in der Geschichte des deutschen Volkes und in der Geschichte der DDR im Kampf um eine dem gesellschaftlichen Fortschritt dienende Militärpolitik und Militärorganisation hervorgebracht wurden. Sie wurden in der sozialistischen Wehrerziehung der Bevölkerung und bei der Bewusstseinsentwicklung der Angehörigen der NVA und der Schutz- und Sicherheitsorgane(Sicherheitsbehörden)der DDR gewahrt, fortgesetzt und bereichert.

Ihren Kern bildeten die militärischen Traditionen der revolutionären Arbeiterbewegung sowie die sozialistischen militärischen Traditionen, die sich während des Bestehens der DDR herausgebildet hatten.

Die Gründung der DDR war ein entscheidender Wendepunkt in der deutschen Militärgeschichte. Der reaktionären militärischen Traditionen wurde die gesellschaftliche Grundlage entzogen. Es wurde der Weg frei gemacht für die Wahrung und Fortsetzung der fortschrittlichen und revolutionären Traditionen aus der Geschichte des deutschen Volkes.

In der BRD ist die reaktionäre Linie der militärischen Traditionen aus der Geschichte des deutschen Volkes fortgesetzt worden. Ganz so reaktionär lässt sich die Tradition in der Bundeswehr nicht mehr praktizieren. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen(„Flinten-Uschi“) hat im Jahre 2018 einen neuen Traditionserlass rausgebracht.  Dieser knüpft an den Traditionserlass aus dem Jahre 1982, der vom damaligen Verteidigungsminister der BRD Hans Apel herausgebracht wurde. Bereits damals musste die strikte reaktionäre Linie abgemildert werden. So wurde sich nun von der faschistischen Wehrmacht distanziert. Ausnahmen bilden da die z. B. die Männer des 20. Juli 1944 und andere, die in ihrem Sinne handelten. Diese werden von der BRD als Widerstandskämpfer geehrt, während andere Widerstandskämpfer in der BRD unter Adenauer wieder verfolgt wurden, bzw. als Landesverräter gebrandmarkt worden sind.         Die NVA wird einfach als eine Armee irgendeiner sozialistischen Diktatur gesehen. Kein Wort von gesellschaftlichem Fortschritt und dass dort fortschrittliche militärische Traditionen gepflegt wurden. Wenn Ursula von der Leyen(„Flinten-Uschi“), die von 2013 bis 2019 Verteidigungsministerin der (Groß-)BRD war, schon nicht mehr die reaktionäre Linie halten konnte, so  darf es doch keine gute Erinnerung an die DDR und folglich der NVA geben. In der BRD haben Kasernen Namen von Nazis getragen. Das ist auch nun nicht mehr haltbar und muss geändert werden.

Ausschnitt aus Nationale Volksarmee, kurz NVA

Ausschnitt aus dem Beitrag „Die nationale Volksarmee, kurz NVA“ aus
DIE TROMMLER-ARCHIV

 

 

Siehe auch Beitrag „Die nationale Volksarmee, kurz NVA“.

 

 

Die fortschrittlichen militärischen Traditionen gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück, als erste Bauernaufstände gegen feudale Unterjochung ausbrachen. Einen Höhepunkt erreichte der antifeudale Volkskampf mit dem deutschen Bauernkrieg(1524-1526), in dem Keime einer volksverbundenen Militärorganisation entstanden.

Bauern verteidigen ihre Wagenburg

Bauern bei Verteidigung ihrer Wagenburg

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die Kraft und die militärischen Fähigkeiten der Volksmassen traten im 17./18. Jahrhundert auch bei der Abwehr ausländischer Überfälle, z.B. im Kampf gegen die Türken, zutage, wobei der Widerstand gegen ausländische Eroberer häufig mit dem Klassenkampf der Bauern gegen den eigenen Feudaladel verschmolz.

Ein starkes revolutionäres Volksheer und eine neue Kriegsführung schufen die Volksmassen Frankreichs mit der Französischen Revolution 1789-1795, die eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung darstellte.

Als der preußische Staat unter den Schlägen der französischen Armee zerbrach, war eine, war eine Militärreform unumgänglich geworden, die von Scharnhorst, der einer Militär-Reorganisationskommission vorstand, geleitet wurde.

Siehe Reformen in Preußen.

Ziel dieser Reform war es, ein neues Verhältnis von Volk und Armee zu schaffen und die Armee in den Dienst des gesellschaftlichen Fortschritts und der nationalen Befreiung zu stellen.

Im Befreiungskrieg 1813/14 wurde die napoleonische Fremdherrschaft beseitigt, um im gemeinsamen Kampf wurde die deutsch-russische Waffenbrüderschaft begründet.

 

 

 

 

Die Revolution von 1848/49, in der die Volksmassen die Hauptlast des Kampfes gegen die feudale Reaktion trugen, erwies sich als bedeutende Triebkraft der geschichtlichen Entwicklung. Sie vermittelte vor allem der Arbeiterklasse bedeutsame Erfahrungen, aus denen Marx und Engels wichtige Schlussfolgerungen für die weitere Ausarbeitung der wissenschaftlichen Theorie und Weltanschauung der Arbeiterklasse zogen.

Auf der Grundlage der proletarischen Militärtheorie mit ihren allgemeingültigen Prinzipien für die Militärpolitik der revolutionären Arbeiterbewegung entwickelten sich militärische Traditionen neuen Typs, die mit dem Wirken von August Bebel(1840-1913) und Wilhelm Liebknecht(1826-1900)gegen preußisch-deutschen Militarismus verbunden sind und von den deutschen Linken mit  Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg an der Spitze im Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg fortgesetzt wurden.

Der antimilitaristische Kampf erreichte seinen Höhepunkt während der Novemberrevolution 1918/19 in Deutschland, in der die Volksmarinedivision als bedeutende bewaffnete Formation der revolutionären Kräfte in Berlin eine besonders wichtige Rolle spielte.

Militärische Traditionen in der DDR Seite 5

entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ DDR 1984

 

In der revolutionären Nachkriegskrise 1919 bis 1923 stellten sich die Mitglieder der neugegründeten KPD überall an die Spitze des Kampfes zur Verteidigung der Errungenschaften der Novemberrevolution, so bei der Zerschlagung desKapp-Putsches 1920, beim Kampf der Roten Ruhrarmee 1920, bei den Märzkämpfen 1921 und während des Hamburger Aufstandes 1923. In diesen Kämpfen bewiesen die bewaffneten Arbeiterformationen Mut, Kühnheit, proletarische Disziplin und Opferbereitschaft. Hier wurde die Tradition der Aktionseinheit der Arbeiterklasse im wehrhaften Kampf zur Verteidigung demokratischer Rechte und Freiheiten gegen Militarismus und Faschismus begründet.

Das von Thälmann geleitete ZK der KPD nutzte Erfahrungen der KPdSU(Kommunistische Partei der Sowjetunion)und wendete die Lehren Lenins auch in der  auch in der Militärfrage schöpferisch an.

Besondere Verdienste in der Klassenauseinandersetzung mit der Reaktion erwarb sich der Rote Frontkämpferbund. Die Militärpolitik der KPD, an deren Ausarbeitung und Propagierung Ernst Schneller großen Anteil hatte, war darauf gerichtet, die Arbeiterklasse und deren Verbündete sowohl für den Kampf gegen Imperialismus und Militarismus im eignen Land als auch für die Verteidigung der Sowjetunion zu befähigen. Ausdruck dieser internationalistischen Haltung war der Kampf deutscher Arbeiter im Interventions- und Bürgerkrieg in Sowjetrussland 1918-1922 in den Reihen der Roten Armee.

Fortgesetzt und bereichert wurden diese internationalistischen Traditionen im Kampf der Internationalen Brigaden in Spanien 1936 bis 1939. Hier entstanden bedeutsame historische Grundlagen für die spätere Klassen- und Waffenbrüderschaft der sozialistischen Armeen.

Militärische Traditionen in der DDR Seite 4

entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ DDR 1984

 

 

Einen hervorragenden Platz in den militärischen Traditionen der DDR nimmt die deutsche antifaschistische Widerstandsbewegung ein. Dazu zählt auch der Einsatz fortschrittlicher Kräfte in der Verschwörung gegen Hitler vom Juli 1944.

Als Angehörige oder Kundschafter der Sowjetarmee, als Kämpfer in den Partisanenverbänden vieler Länder Europas und im Nationalkomitee Freies Deutschland leisteten Kommunisten und andere Hitlergegner aus allen Schichten des deutschen Volkes ihren Beitrag zum Sieg über den deutschen Faschismus.

Die neuen militärischen Traditionen waren dadurch gekennzeichnet, dass es militärische Traditionen der machtausübenden Arbeiterklasse unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei waren. Besonderen Einfluss auf die Herausbildung neuer Traditionen hatten die Meisterung von Bewährungssituationen, dazu gehörten die Sicherung der Staatsgrenze der DDR im Jahre 1961, Manöver und Kommandostabsübungen der Bruderarmeen sowie im täglichen militärischen Dienst.

Neue Traditionen entstanden im Prozess der Herausbildung der damaligen ständigen Festigung der Einheit von Volk und Armee. So waren militärische Zeremonielle wie die öffentliche Ablegung des Fahneneids ebenso Tradition geworden wie der Besuch von Mädchen und Jungen und Erwachsenen in den militärischen Objekten während des Tages der Nationalen Volksarmee in der Woche der Waffenbrüderschaft.

In der BRD fand der Fahneneid meist innerhalb der Kaserne vor geladenen Gästen teil. Als man dazu überging in der BRD öffentliche Fahneneide stattfinden zu lassen, waren diese von Gegendemonstrationen begleitet. Die Bundeswehr hat ja schließlich einen anderen Charakter und andere Traditionen und Ziele, als die NVA, die ausschließlich eine Friedens- und Verteidigungsarmee war, und somit kann man öffentliche Fahneneide in der DDR nicht mit denen in der BRD gleichstellen. (siehe Wikipedia)

Heute finden Fahneneide der Bundeswehr oft an historischer Stätte, wie dem Bendlerblock statt.

Innenhof des Bendlerblocks

Innenhof des Bendlerblocks

Bildquelle: Von Adam Carr in der Wikipedia auf Englisch – Übertragen aus en.wikipedia nach Commons.Original text: Photo by en:User:Adam Carr, May 2006, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2204459

 

Als neue Tradition hatte sich die sozialistische Wehrerziehung, welche in der BRD umstritten und „Munition“ für Hetze gegen die DDR ist, und die Vorbereitung der Jugend auf die Landesverteidigung herausgebildet. So z.B. die Hans-Beimler-Wettkämpfe der FDJ, die Wehrspartakiaden der GST und die von FDJ und GST gemeinsam durchgeführten „Signal-DDR“-Aktionen. Heute wirbt die Bundeswehr in den Schulen für sich.  Man muss bedenken, dass im Gegensatz zur Bundeswehr die NVA eine reine Friedens- und Verteidigungsarmee war.

Ein wesentliches Kennzeichen der sozialistischen militärischen Traditionen bestand darin, dass sie im Prozess der Herausbildung und ständigen Vertiefung des Bruderbundes zwischen DDR und UdSSR, der festen Verankerung der DDR und der NVA in der sozialistischen Staatengemeinschaft und ihrer Militärkoalition, dem Warschauer Vertrag, entstanden sind.

 

 

 

 

 

 

 

Dabei standen jene Traditionen im Mittelpunkt, die im Prozess der Herausbildung und Vertiefung der brüderlichen Beziehungen zwischen der NVA und der Sowjetarmee entstanden waren.

Die Traditionspflege in der NVA erschloss und nutzte die militärischen Traditionen der DDR im Sinne vorbildlicher militärischer Pflichterfüllung.

 


Jugendlexikon Militärwesen DDR Kopie

 

 

Entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ DDR 1984, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

 

 

 

 

 

Passagen über Traditionserlasse der Bundeswehr: Wikipedia

und

Bundesministerium der Verteidigung

bearbeitet von Petra Reichel