Die militärischen Traditionen der DDR

Sie waren die Gesamtheit der Ideen, Regeln, Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Symbole, die in der Geschichte des deutschen Volkes und in der Geschichte der DDR im Kampf um eine dem gesellschaftlichen Fortschritt dienende Militärpolitik und Militärorganisation hervorgebracht wurden. Sie wurden in der sozialistischen Wehrerziehung der Bevölkerung und bei der Bewusstseinsentwicklung der Angehörigen der NVA und der Schutz- und Sicherheitsorgane(Sicherheitsbehörden)der DDR gewahrt, fortgesetzt und bereichert.

Ihren Kern bildeten die militärischen Traditionen der revolutionären Arbeiterbewegung sowie die sozialistischen militärischen Traditionen, die sich während des Bestehens der DDR herausgebildet hatten.

Die Gründung der DDR war ein entscheidender Wendepunkt in der deutschen Militärgeschichte. Der reaktionären militärischen Traditionen wurde die gesellschaftliche Grundlage entzogen. Es wurde der Weg frei gemacht für die Wahrung und Fortsetzung der fortschrittlichen und revolutionären Traditionen aus der Geschichte des deutschen Volkes.

In der BRD ist die reaktionäre Linie der militärischen Traditionen aus der Geschichte des deutschen Volkes fortgesetzt worden. Ganz so reaktionär lässt sich die Tradition in der Bundeswehr nicht mehr praktizieren. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen(„Flinten-Uschi“) hat im Jahre 2018 einen neuen Traditionserlass rausgebracht.  Dieser knüpft an den Traditionserlass aus dem Jahre 1982, der vom damaligen Verteidigungsminister der BRD Hans Apel herausgebracht wurde. Bereits damals musste die strikte reaktionäre Linie abgemildert werden. So wurde sich nun von der faschistischen Wehrmacht distanziert. Ausnahmen bilden da die z. B. die Männer des 20. Juli 1944 und andere, die in ihrem Sinne handelten. Diese werden von der BRD als Widerstandskämpfer geehrt, während andere Widerstandskämpfer in der BRD unter Adenauer wieder verfolgt wurden, bzw. als Landesverräter gebrandmarkt worden sind.         Die NVA wird einfach als eine Armee irgendeiner sozialistischen Diktatur gesehen. Kein Wort von gesellschaftlichem Fortschritt und dass dort fortschrittliche militärische Traditionen gepflegt wurden. Wenn Ursula von der Leyen(„Flinten-Uschi“), die von 2013 bis 2019 Verteidigungsministerin der (Groß-)BRD war, schon nicht mehr die reaktionäre Linie halten konnte, so  darf es doch keine gute Erinnerung an die DDR und folglich der NVA geben. In der BRD haben Kasernen Namen von Nazis getragen. Das ist auch nun nicht mehr haltbar und muss geändert werden.

Ausschnitt aus Nationale Volksarmee, kurz NVA

Ausschnitt aus dem Beitrag „Die nationale Volksarmee, kurz NVA“ aus
DIE TROMMLER-ARCHIV

 

 

Siehe auch Beitrag „Die nationale Volksarmee, kurz NVA“.

 

 

Die fortschrittlichen militärischen Traditionen gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück, als erste Bauernaufstände gegen feudale Unterjochung ausbrachen. Einen Höhepunkt erreichte der antifeudale Volkskampf mit dem deutschen Bauernkrieg(1524-1526), in dem Keime einer volksverbundenen Militärorganisation entstanden.

Bauern verteidigen ihre Wagenburg

Bauern bei Verteidigung ihrer Wagenburg

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die Kraft und die militärischen Fähigkeiten der Volksmassen traten im 17./18. Jahrhundert auch bei der Abwehr ausländischer Überfälle, z.B. im Kampf gegen die Türken, zutage, wobei der Widerstand gegen ausländische Eroberer häufig mit dem Klassenkampf der Bauern gegen den eigenen Feudaladel verschmolz.

Ein starkes revolutionäres Volksheer und eine neue Kriegsführung schufen die Volksmassen Frankreichs mit der Französischen Revolution 1789-1795, die eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung darstellte.

Als der preußische Staat unter den Schlägen der französischen Armee zerbrach, war eine, war eine Militärreform unumgänglich geworden, die von Scharnhorst, der einer Militär-Reorganisationskommission vorstand, geleitet wurde.

Siehe Reformen in Preußen.

Ziel dieser Reform war es, ein neues Verhältnis von Volk und Armee zu schaffen und die Armee in den Dienst des gesellschaftlichen Fortschritts und der nationalen Befreiung zu stellen.

Im Befreiungskrieg 1813/14 wurde die napoleonische Fremdherrschaft beseitigt, um im gemeinsamen Kampf wurde die deutsch-russische Waffenbrüderschaft begründet.

 

 

 

 

Die Revolution von 1848/49, in der die Volksmassen die Hauptlast des Kampfes gegen die feudale Reaktion trugen, erwies sich als bedeutende Triebkraft der geschichtlichen Entwicklung. Sie vermittelte vor allem der Arbeiterklasse bedeutsame Erfahrungen, aus denen Marx und Engels wichtige Schlussfolgerungen für die weitere Ausarbeitung der wissenschaftlichen Theorie und Weltanschauung der Arbeiterklasse zogen.

Auf der Grundlage der proletarischen Militärtheorie mit ihren allgemeingültigen Prinzipien für die Militärpolitik der revolutionären Arbeiterbewegung entwickelten sich militärische Traditionen neuen Typs, die mit dem Wirken von August Bebel(1840-1913) und Wilhelm Liebknecht(1826-1900)gegen preußisch-deutschen Militarismus verbunden sind und von den deutschen Linken mit  Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg an der Spitze im Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg fortgesetzt wurden.

Der antimilitaristische Kampf erreichte seinen Höhepunkt während der Novemberrevolution 1918/19 in Deutschland, in der die Volksmarinedivision als bedeutende bewaffnete Formation der revolutionären Kräfte in Berlin eine besonders wichtige Rolle spielte.

Militärische Traditionen in der DDR Seite 5

entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ DDR 1984

 

In der revolutionären Nachkriegskrise 1919 bis 1923 stellten sich die Mitglieder der neugegründeten KPD überall an die Spitze des Kampfes zur Verteidigung der Errungenschaften der Novemberrevolution, so bei der Zerschlagung desKapp-Putsches 1920, beim Kampf der Roten Ruhrarmee 1920, bei den Märzkämpfen 1921 und während des Hamburger Aufstandes 1923. In diesen Kämpfen bewiesen die bewaffneten Arbeiterformationen Mut, Kühnheit, proletarische Disziplin und Opferbereitschaft. Hier wurde die Tradition der Aktionseinheit der Arbeiterklasse im wehrhaften Kampf zur Verteidigung demokratischer Rechte und Freiheiten gegen Militarismus und Faschismus begründet.

Das von Thälmann geleitete ZK der KPD nutzte Erfahrungen der KPdSU(Kommunistische Partei der Sowjetunion)und wendete die Lehren Lenins auch in der  auch in der Militärfrage schöpferisch an.

Besondere Verdienste in der Klassenauseinandersetzung mit der Reaktion erwarb sich der Rote Frontkämpferbund. Die Militärpolitik der KPD, an deren Ausarbeitung und Propagierung Ernst Schneller großen Anteil hatte, war darauf gerichtet, die Arbeiterklasse und deren Verbündete sowohl für den Kampf gegen Imperialismus und Militarismus im eignen Land als auch für die Verteidigung der Sowjetunion zu befähigen. Ausdruck dieser internationalistischen Haltung war der Kampf deutscher Arbeiter im Interventions- und Bürgerkrieg in Sowjetrussland 1918-1922 in den Reihen der Roten Armee.

Fortgesetzt und bereichert wurden diese internationalistischen Traditionen im Kampf der Internationalen Brigaden in Spanien 1936 bis 1939. Hier entstanden bedeutsame historische Grundlagen für die spätere Klassen- und Waffenbrüderschaft der sozialistischen Armeen.

Militärische Traditionen in der DDR Seite 4

entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ DDR 1984

 

 

Einen hervorragenden Platz in den militärischen Traditionen der DDR nimmt die deutsche antifaschistische Widerstandsbewegung ein. Dazu zählt auch der Einsatz fortschrittlicher Kräfte in der Verschwörung gegen Hitler vom Juli 1944.

Als Angehörige oder Kundschafter der Sowjetarmee, als Kämpfer in den Partisanenverbänden vieler Länder Europas und im Nationalkomitee Freies Deutschland leisteten Kommunisten und andere Hitlergegner aus allen Schichten des deutschen Volkes ihren Beitrag zum Sieg über den deutschen Faschismus.

Die neuen militärischen Traditionen waren dadurch gekennzeichnet, dass es militärische Traditionen der machtausübenden Arbeiterklasse unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei waren. Besonderen Einfluss auf die Herausbildung neuer Traditionen hatten die Meisterung von Bewährungssituationen, dazu gehörten die Sicherung der Staatsgrenze der DDR im Jahre 1961, Manöver und Kommandostabsübungen der Bruderarmeen sowie im täglichen militärischen Dienst.

Neue Traditionen entstanden im Prozess der Herausbildung der damaligen ständigen Festigung der Einheit von Volk und Armee. So waren militärische Zeremonielle wie die öffentliche Ablegung des Fahneneids ebenso Tradition geworden wie der Besuch von Mädchen und Jungen und Erwachsenen in den militärischen Objekten während des Tages der Nationalen Volksarmee in der Woche der Waffenbrüderschaft.

In der BRD fand der Fahneneid meist innerhalb der Kaserne vor geladenen Gästen teil. Als man dazu überging in der BRD öffentliche Fahneneide stattfinden zu lassen, waren diese von Gegendemonstrationen begleitet. Die Bundeswehr hat ja schließlich einen anderen Charakter und andere Traditionen und Ziele, als die NVA, die ausschließlich eine Friedens- und Verteidigungsarmee war, und somit kann man öffentliche Fahneneide in der DDR nicht mit denen in der BRD gleichstellen. (siehe Wikipedia)

Heute finden Fahneneide der Bundeswehr oft an historischer Stätte, wie dem Bendlerblock statt.

Innenhof des Bendlerblocks

Innenhof des Bendlerblocks

Bildquelle: Von Adam Carr in der Wikipedia auf Englisch – Übertragen aus en.wikipedia nach Commons.Original text: Photo by en:User:Adam Carr, May 2006, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2204459

 

Als neue Tradition hatte sich die sozialistische Wehrerziehung, welche in der BRD umstritten und „Munition“ für Hetze gegen die DDR ist, und die Vorbereitung der Jugend auf die Landesverteidigung herausgebildet. So z.B. die Hans-Beimler-Wettkämpfe der FDJ, die Wehrspartakiaden der GST und die von FDJ und GST gemeinsam durchgeführten „Signal-DDR“-Aktionen. Heute wirbt die Bundeswehr in den Schulen für sich.  Man muss bedenken, dass im Gegensatz zur Bundeswehr die NVA eine reine Friedens- und Verteidigungsarmee war.

Ein wesentliches Kennzeichen der sozialistischen militärischen Traditionen bestand darin, dass sie im Prozess der Herausbildung und ständigen Vertiefung des Bruderbundes zwischen DDR und UdSSR, der festen Verankerung der DDR und der NVA in der sozialistischen Staatengemeinschaft und ihrer Militärkoalition, dem Warschauer Vertrag, entstanden sind.

 

 

 

 

 

 

 

Dabei standen jene Traditionen im Mittelpunkt, die im Prozess der Herausbildung und Vertiefung der brüderlichen Beziehungen zwischen der NVA und der Sowjetarmee entstanden waren.

Die Traditionspflege in der NVA erschloss und nutzte die militärischen Traditionen der DDR im Sinne vorbildlicher militärischer Pflichterfüllung.

 


Jugendlexikon Militärwesen DDR Kopie

 

 

Entnommen aus „Jugendlexikon Militärwesen“ DDR 1984, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

 

 

 

 

 

Passagen über Traditionserlasse der Bundeswehr: Wikipedia

und

Bundesministerium der Verteidigung

bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Befreiungskrieg 1813/14

…war ein nationaler Unabhängigkeitskrieg des deutschen Volkes im Rahmen eines Koalitionskrieges europäischer Staaten gegen die napoleonische Fremdherrschaft.

Der Sieg des russischen Volkes über die Armee Napoleons I. (1769-1821) im Jahre 1813 führte zu einem großen Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung in den deutschen Staaten. Als die russischen Truppen nach Ostpreußen vordrangen, erhob sich das Volk zum gemeinsamen Kampf gegen die französischen Unterdrücker. König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) musste dem Volkswillen Rechnung tragen, wollte er seine Herrschaft erhalten. Am 28.02.1813 unterzeichnete Preußen einen Bündnisvertrag mit Russland, dem am 16.03. die Kriegserklärung Preußens an Frankreich folgte. Eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau einer zahlenmäßig starken und kampfkräftigen Armee waren die von der preußischen Militär-Reorganisationskommission unter der Leitung von Scharnhorst durchgesetzten Reformen.

Freiwillige Jägerabteilungen wurden aufgestellt, die Landwehr und der Landsturm gebildet. Im Hinterland des Gegners operierten Freikorps. Das bekannteste war das Freikorps unter Adolf von Lützow (1782.1834).

Im Frühjahrsfeldzug 1813 konnten die napoleonischen Truppen in den Schlachten bei Großgörschen am 02.05. und bei Bautzen am 20./21.05. Siege erringen, erlitten aber erhebliche Verluste. Beide Seiten bedurften einer Kampfpause zur Reorganisation ihrer Armeen. So wurde am 04.06. ein Waffenstillstand geschlossen, der bis zum 10.08. dauerte. In diesen Monaten schlossen sich Großbritannien, Schweden und Österreich dem Krieg gegen Frankreich an, wodurch seine reaktionären Züge verstärkt wurden und der Volkswiderstand zurückgedrängt wurde.

Im Herbstfeldzug 1813 errangen die verbündeten Armeen Siege bei Großbeeren am 23.08. und an der Katzbach am 26.08.

In der Schlacht vor Dresden am 26./27.08. errangen die napoleonischen Truppen einen taktischen Erfolg. Ende September führte Blücher die Schlesische Armee bei Wartenberg über die Elbe und erzwang damit gemeinsame offensive Handlungen der Verbündeten und letztlich die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. Bis 19.10., in der die französische Armee die entscheidende Niederlage erlitt.

Napoleon stellte in Frankreich eine neue Armee auf, die Kämpfe gegen die im Dezember über den Rhein vorgedrungenen verbündeten Truppen führte. Vom 10. Bis 18.02. 1814 errang die französische Armee noch einige Siege, ehe sie endgültig geschlagen wurde.

Das deutsche Volk hatte seine Befreiung von napoleonischer Fremdherrschaft erkämpft, die feudale Zersplitterung der deutschen Staaten und die reaktionäre Herrschaft des Feudaladels blieben erhalten.

Das bürgerliche Militärwesen setzte sich in Preußen durch. Völlig neu in der Kriegsgeschichte was das Zusammenwirken großer selbstständiger Armeen, die sich gegenseitig unterstützten. Die preußische Armee, die vom Opfermut und der patriotischen Begeisterung des Volkes getragen wurde, bewies hohe moralische und kämpferische Qualitäten.

Der Befreiungskrieg und die Waffenbrüderschaft der preußischen und russischen Soldaten gehörten zu den militärischen Traditionen der DDR.

Blüchers Rheinübergang Befreiungskrieg 1813 - 14

Blüchers Rheinübergang

Entnommen aus dem Jugendlexikon Militärwesen/DDR 1984

 

 

Jugendlexikon Militärwesen DDR Kopie

 

Entnommen aus dem Jugendlexikon Militärwesen/DDR 1984

Bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Jugendlexikon Militärwesen/DDR 1984

Befreiungskrieg 1813-14