Die Gründung des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ und der antifaschistische Widerstandskampf in Deutschland

Das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ – der Beginn eines neuen Abschnitts des deutschen antifaschistischen Widerstandskampfe

Die Krise des faschistischen Systems, die Niederlagen der Hitlerwehrmacht an allen Fronten und die wachsende Widerstandsbewegung in den besetzten Gebieten sowie in Deutschland veranlassten die Führung der KPD, sich verstärkt mit dem weiteren Weg des deutschen Volkes nach dem Sturz des Faschismus um dem Ende des Krieges zu beschäftigen. Dabei beachtete die Parteiführung sehr aufmerksam die zunehmende antifaschistische Bewegung unter den deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Führende Funktionäre der KPD, so Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Erich Weinert u.a. diskutierten mit vielen Kriegsgefangenen Soldaten und Offizieren.

Ein großer Erfolg der politischen Arbeit unter den Kriegsgefangenen war die Gründung des Nationalkomitees „Freies Deutschland“(NKFD) am 13./13. Juli 1943 in Krasnogorsk bei Moskau. Vorsitzender des Nationalkomitees wurde der Arbeiterdichter Erich Weinert. Ihm gehörten führende Kommunisten wie Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht an, aber auch kriegsgefangene Offiziere der Wehrmacht wie Karl Hetz, Heinrich Hoffmann und Ernst Hadermann, die mit dem faschistischen Regime gebrochen hatten und dafür kämpften, den Krieg zu beenden und ein antifaschistisches und demokratisches Deutschland zu schaffen.

Gründungstag des NKFD

Gründungstagung der NKFD am 12. Juli 1943 in Krasnogorsk

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Unter den 38 Mitgliedern des Komitees waren 13 Arbeiter, 1 Bauer, 4 Angestellte, 13 Intellektuelle, 1 Geistlicher, 1. Student, 1 Verleger und 4 Berufssoldaten.

Erich Weinert bei Unterzeichnung des Gründungsmanifests des NKFD

Erich Weinert bei der Unterzeichnung des Gründungsmanifests des NKFD

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Aus Manifest des NKFDAus Manifest des NKFD 2Quellenangabe Aus Manifest des NKFD

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit der Gründung des Nationalkomitees und der Annahme des Manifests wurde die von der KPD auf den Brüsseler und Berner Konferenzen ausgearbeitete antifaschistische Volksfrontpolitik in der neuen Lage 1943 verwirklicht.

Der Bewegung „Freies Deutschland“, die sich bald auch in den Reihen der deutschen politischen Emigranten in England, in Schweden, in der Schweiz, in den USA, in Mexico und in Frankreich entwickelte, gehörten Vertreter der verschiedensten Klassen und Schichten des deutschen Volkes an. Sie schoben alles Trennende ihrer Herkunft, ihres Lebensweges, ihrer religiösen und politischen Anschauung beiseite und fanden sich in der Sorge um die Zukunft des deutschen Volkes zusammen.

Die Bewegung „Freies Deutschland“ war ein Kampfbündnis verschiedener Schichten des Volkes und patriotischer Kräfte der Armee. (Heute haben die Rechten den Begriff „Patriotismus“, „Patriot“ geklaut und umgedeutet.) Die Führung lag bei der Arbeiterklasse und deren Partei, der KPD. Dieses antifaschistische Kampfbündnis war seinem Wesen nach die deutsche Antihitlerkoalition. Es legte einen Grundstein für die Zusammenarbeit der verschiedenen Schichten des deutschen Volkes nach der Befreiung des Hitlerfaschismus.

 

Der verstärkte Widerstandskampf in Deutschland

Die vom Nationalkomitee „Freies Deutschland“ vertretene Politik wurde auch zur politischen Leitlinie des weiteren Widerstandskampfes in Deutschland. Nach den großen Niederlagen der faschistischen Wehrmacht kam es in Deutschland zur Herausbildung großer illegaler Partei- und Widerstandsorganisationen, zu deren Leitern solche hervorragenden Kommunisten wie Bernhard Bästlein, Otto Engert, Franz Jacob, Kurt Kresse, Theodor Neubauer, Magnus Poser, Anton Saefkow, Martin Schwantes, Georg Schumann und Robert Uhrig gehörten.

Die Widerstandsorganisationen unter der Leitung dieser hervorragenden Antifaschisten handelten in voller Übereinstimmung mit den Beschlüssen des Zentralkomitees der KPD. Sie bemühten sich, die Politik der Partei durchzusetzen, um alle Hitlergegner für die Beendigung des Krieges und die Errichtung eines antifaschistisch-demokratischen Deutschlands zu gewinnen.

Führende Vertreter dieser Widerstandsorganisationen bildeten im November 1943 erneut eine unter Führung des Zentralkomitees der KPD stehende operative Leitung der Partei und des antifaschistischen Kampfes in Deutschland. Diese operative Leitung machte die politische Linie des Nationalkomitees zur Richtschnur ihres Handelns.

Aus Aufruf der operativen Leitung der KPDAus Aufruf der operativen Leitung der KPD 2Quellenangabe Aus Aufruf der operativen Leitung der KPD

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Die Aktionen der deutschen Widerstandsbewegung erreichten im ersten Halbjahr 1944 ihren Höhepunkt. Das veranlasste die Faschisten, den Terror noch mehr zu verstärken und 300 000 deutsche sowie ausländische Antifaschisten zu verhaften. Am 18. August 1944 ermordeten die Faschisten auch Ernst Thälmann.

Ernst Thälmann

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

 

Rudolf Breitscheid

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Kommunistische Widerstandskämpfer

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aufgerüttelt durch die Schlacht an der Wolga verstärkten auch antifaschistische deutsche Studenten ihren Kampf. In München und andren Städten verbreitete die studentische Widerstandsorganisation „Weiße Rose“ mehr als 90 000 Flugblätter. Bei einer Flugblattaktion in der Münchner Universität wurden am 18. Februar 1943 die Geschwister Scholl und ihre Mitkämpfer verhaftet. Vier Tage später wurden Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Propst hingerichtet.

 

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Nationalkomitee „Freies Deutschland“ (kurz NKFD)

Das NKFD war ein auf Initiative der KPD von antifaschistischen Emigranten und Kriegsgefangenen am 12./13.07.1943 in der UdSSR gegründetes politisches und organisatorisches Zentrum der deutschen Antifaschisten.

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Es entstand im Ergebnis des Kampfes um die Verwirklichung der Bündnispolitik der KPD nach dem in der Schlacht vor Moskau und der Schlacht an der Wolga(Stalingrad) vollzogenen Umschwung im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für seine Gründung gehörte die uneingeschränkte Unterstützung der deutschen Antifaschisten durch die KPDSU(B), das war die Kommunistische Partei der Sowjetunion, den Sowjetstaat und die Rote Armee.

Präsident des NKFD war der Schriftsteller Erich Weinert (1890-1953). Zu seinen Mitgliedern gehörten u.a. Wilhelm Pieck(1876-1960) und Walter Ulbricht(1893-1973), Generale, Offiziere und Soldaten. Der Sitz des NKWD war Lunjowo bei Moskau.

Die Aufgaben der Bewegung „Freies Deutschland“ im Kampf um die Beendigung des Krieges und den Sturz der Hitlerdiktatur, sowie der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland auf antifaschistischer Grundlage, entsprachen den gerechten Kriegszielen der Antihitlerkoalition und stimmten mit der politischen Linie der in Deutschland illegal wirkenden Widerstandsorganisation der KPD überein.

Unter Führung der Kommunisten entstanden auch in Dänemark, Frankreich, den USA und anderen Ländern, in denen antifaschistische deutsche Emigranten lebten, Komitees der Bewegung „Freies Deutschland“.

Das NKFD unterhielt ab 20.07.1943 den Sender „Freies Deutschland“, gab die Illustrierte „Freies Deutschland im Bild“ und zahlreiche Flugblätter, Broschüren und andere Druckerzeugnisse heraus.

Zu den wichtigsten Elementen des militärpolitischen Kampfes gehörte das Wirken der Frontorganisation der NKFD, die eng mit den Politorganen der Sowjetarmee zusammenarbeitete. Ihre Hauptaufgabe war, antifaschistische Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit unter den auf sowjetischem Territorium befindlichen faschistischen Truppen zu leisten, sie mit den Zielen des NKFD vertraut zu machen und zur Kampfeinstellung bzw. Handlungen gegen Faschismus und Krieg zu bewegen.

Das NKFD veranlasste zahlreiche deutsche Wehrmachtsangehörige zur Kapitulation und rettete ihnen so das Leben.

Die Mitarbeit in der Bewegung „Freies Deutschland“ führte viele Offiziere und Generale an die Seite der demokratischen Kräfte,und sie hatten später großen Anteil an der antifaschistisch-demokratischen Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und am Aufbau des Sozialismus in der DDR.

Nach der Bildung des Blocks antifaschistischer Parteien im Osten Deutschlands beschloss das NKFD am 02.11.1945 seine Auflösung und appellierte an seine Anhänger, ihre Tätigkeit in den antifaschistisch-demokratischen Parteien und Massenorganisationen fortzusetzen.

Der Kampf der Bewegung „Freies Deutschland“ und seiner Frontorganisation gehörte zu den militärischen Organisationen der DDR.

 

entnommen aus

Jugendlexikon – Militärwesen

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