Die Revolution von 1848

Übersicht

 

 

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Die historische Hauptaufgabe der Revolution von 1848/49

 

 

Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

Die Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

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Ergebnisse und Lehren der Revolution von 1848/49 in Deutschland

Die Ergebnisse der Revolution

 

Im Unterschied zur siegreichen bürgerlichen Revolution in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts löste die Revolution von 1848/49 in Deutschland keine ihrer historischen Aufgaben. Die Hauptaufgabe der Revolution, durch die völlige politische und ökonomische Entmachtung des Feudaladels einen einheitlichen Nationalstaat zu schaffen, wurde nicht erfüllt. Die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795 hatte die Monarchie gestürzt, die Republik geschaffen und den Feudalismus restlos besiegt. In Deutschland endete die Revolution damit, dass Fürsten und Adel ihre politische Macht wiederherstellen konnten. Damit blieb die nationale Zersplitterung als Hemmnis der kapitalistischen Entwicklung bestehen. Die Reaktion beseitigte nach ihrem Sieg die Rechte und Freiheiten, die sich die Volksmassen im März 1848 erobert hatten. Der Weg für eine ungehinderte Fortentwicklung der bürgerlichen deutschen Nation konnte nicht geebnet werden.

Obwohl die Revolution ihre Hauptaufgabe nicht gelöst hatte, war sie nicht ergebnislos. Aus Furcht vor neuen revolutionären Erhebungen mussten die feudalen Kräfte einige Zugeständnisse machen.

Mit einem Gesetz beseitigte die preußische Regierung 1850 noch bestehende feudale Fesseln der Landbevölkerung. Für die Abschaffung der Dienste und Abgaben mussten die Bauern jedoch hohe Geldsummen an die Junker zahlen.

Ein weiteres Zugeständnis war auch die Beibehaltung der 1848 eingeführten Verfassung in Preußen. Sie konnte zwar zu keinem wirksamen Mittel der Bourgeoisie werden, die junkerliche Regierungspolitik zu beeinflussen. Aber eine Rückkehr zum offenen Feudalabsolutismus, wie er vor der Revolution bestanden hatte, war nicht mehr möglich.

Die feudale Reaktion bereitete der vollen Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise noch große Schwierigkeiten. Aber den Sieg des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung konnte sie nicht verhindern.

 

Die wesentlichen Ursachen für die Niederlage der Revolution

 

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Es war für die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland schwieriger als für die französische bürgerliche Revolution von 1789 bis 1795, den Sieg über Fürsten und Adel zu erringen. Frankreich bildete damals bereits einen einheitlichen Staat. In Deutschland dagegen fand die Revolution unter den Bedingungen der Kleinstaaterei statt. Die revolutionären Volksmassen brachten sich in Frankreich nur mit einem König und einer Regierung auseinanderzusetzen. Die deutsche Revolution hatte es mit den Regierungen von 38 Staaten zu tun.

Schuld an der Niederlage der Revolution trug die Bourgeoisie. Statt in ihrer eigenen Revolution die Massen zu führen, wie es ihre Aufgabe war, verriet sie den revolutionären Kampf. Die Angst vor der Arbeiterklasse und den demokratischen Kräften trieb sie zum Bündnis mit den Junkern und Fürsten gegen das Volk. Diese verräterische Politik kostete sie die Errungenschaften, die ihr die Volksmassen am Beginn der Revolution erkämpft hatten. Als die Bourgeoisie im Kampf gegen die Weiterführung der Revolution ihre Schuldigkeit getan hatte, gab ihr die feudale Reaktion den verdienten Fußtritt. So verlor die Bourgeoisie ihre politischen Rechte.

Aus dem demokratischen Kleinbürgertum waren viele verdiente Revolutionäre gekommen. Aber als politisch wenig einheitliche und ökonomisch schwache Klasse war das deutsche Kleinbürgertum nicht in der Lage, selbstständig die Revolution zu Ende zu führen. In entscheidenden Augenblicken schwankten die kleinbürgerlichen Führer und zögerten, zusammen mit den Arbeitern die Feinde der Revolution gemeinsam zu bekämpfen.

Die junge deutsche Arbeiterklasse war 1848 noch zu gering an Zahl und zu wenig organisiert. Deshalb konnte sich noch nicht die Führung in der Revolution übernehmen. Aber die Arbeiterklasse brachte in allen Kämpfen die meisten Opfer. Von allen Klassen hatte sich das Proletariat am mutigsten und revolutionärsten gezeigt. Es war am konsequentesten für die Weiterführung der Revolution eingetreten. Das entschiedenste Programm der Revolution wurde von der Vorhut der deutschen Arbeiterklasse, vom Bund der Kommunisten, unter Leitung von Karl Marx und Friedrich Engels, ausgearbeitet. Die Masse der Arbeiterorganisationen stand jedoch noch unter kleinbürgerlichem Einfluss und beschränkte sich auf ökonomische Ziele.

 

 

Die historische Bedeutung der Revolution und ihre Lehren

 

Im 19. Jahrhundert war die Revolution von 1848/49 das größte politische Ereignis in der deutschen Geschichte. Die Volksmassen ganz Deutschlands erhoben sich, um eine bessere Zukunft zu erkämpfen. Sie wollten durch ihre Kraft einen einheitlichen demokratischen Staat schaffen, der ihre Interessen erfüllt.

In der Revolution erwies sich die Unfähigkeit der Bourgeoisie, die Belange der deutschen Nation zu vertreten. Kurzsichtig verfocht sie nur ihre egoistischen Klassenziele. Das veranlasste sie zum Zusammengehen mit den feudalreaktionären Kräften. Die Bourgeoisie zog keine Lehren aus dem Verlauf der Revolution. Es war fernerhin ihre Politik, eher das Bündnis mit den herrschenden feudalen Kräften als mit dem Volk anzustreben.

Karl Marx und Friedrich Engels zogen aus den vielfältigen Erfahrungen der europäischen Revolution von 1848/49 wichtige Lehren für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kommunismus. In verschiedenen Werken stellten sie besonders die neuen Erkenntnisse über den bürgerlichen Staat und seine Rolle als Instrument der herrschenden Klasse in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung dar. Mit der Feststellung, das die politische Machtergreifung des Proletariats die Zerstörung des alten Staatsapparates der Ausbeuterklassen erfordert, entwickelte Karl Marx die Ideen des Kommunistischen Manifests weiter. Marx und Engels formulierten in ihren Werken auch bereits Grundgedanken über das notwendige Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft. Sie legten dar, dass die Bauern nur in der Arbeiterklasse ihren natürlichen Verbündeten und Führer finden.

Während der Revolution sammelten die Arbeiter wertvolle Kampferfahrungen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

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Die Entwicklung der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848

In den bisherigen Kämpfen hatte sich erwiesen, dass die Bourgeoisie die Revolution ständig verriet und kleinbürgerliche Kräfte nicht den Mut und die Fähigkeit besaßen, die revolutionären Kräfte erfolgreich zu führen.

Das Proletariat(Arbeiter), das in allen Massenkämpfen in vorderster Reihe stand, begann sich im Verlaufe der Revolution seiner Rolle bewusst zu werden. Die Arbeiter gingen dazu über, sich selbstständige Organisationen zu schaffen, wie eine Vielzahl von örtlichen Arbeitervereinen. Diese Bewegung führte schon zu einem Zusammenschluss verschiedener Arbeiterorganisationen. 1848/49 entstanden erstmals nationale gewerkschaftliche Organisationen. Bei der Gründung und Entwicklung einer Reihe von lokalen Arbeiterorganisationen spielten die Mitglieder des Bundes der Kommunisten eine hervorragende Rolle.

Karl Marx und Friedrich Engels versuchten, Anfang 1849 der Arbeiterklasse eine Gesamtnationale Führung in Form einer revolutionären Massenpartei zu schaffen. Auf Kongressen verschiedener Landesteile- Süddeutschland, Norddeutschland, Thüringen, Württemberg, Bayern – traten die Arbeiter für die Gründung eines allgemeinen deutschen Arbeiterbundes ein, wie es in einer Resolution hieß. Die Kommunisten, vor allem Marx und Engels mit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unterstützen die Bestrebungen.

Die Siege der Konterrevolution erschwerten jedoch diese Bemühungen und machten sie schließlich zunichte. Der für Juni 1849 geplante Kongress aller Arbeiterorganisationen konnte nicht mehr stattfinden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

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Die Revolution von 1848, Teil 5

Die Reichsverfassungskämpfe 1849

 

Die Ursachen für die Reichsverfassungskämpfe

 

Die von den Abgeordneten der Paulskirche ausgearbeitete Reichsverfassung war die erste bürgerliche Verfassung Deutschlands. Ihre Verwirklichung wäre ein bedeutender Fortschritt gegenüber den Zuständen vor der Revolution gewesen. Die Bourgeoisie hoffte, dass der preußische König die Verfassung annehmen und helfen werde, sie in ganz Deutschland einzuführen. Die Abgeordneten des Frankfurter Parlaments hatten deshalb den preußischen König zum deutschen Kaiser gewählt. Aber er wies die Krone zurück. Gleichzeitig lehnte er die Reichsverfassung ab und versprach allen Fürsten, die sie gleichfalls ablehnten, militärische Hilfe gegen das Volk. Die Haltung des preußischen Königs machte die Bourgeoise ratlos.

Anfang Mai 1849 erhoben sich in Dresden, im Rheinland, in Baden und in der Pfalz Arbeiter, Handwerksgesellen, Studenten und fortschrittliche Kleinbürger. Es ging ihnen nicht nur um die Einführung der Reichsverfassung. Sie wollten im revolutionären Kampf die Fürsten endgültig besiegen.

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Die Kämpfe in Baden und in der Pfalz

 

Besondere Bedeutung erhielten die Kämpfe in Baden und in der Pfalz. Fast die gesamte badische Armee lief zu den Revolutionären über. Der Großherzog von Baden, seine Minister und reaktionären Offiziere flüchteten aus dem Land. Eine demokratische Regierung übernahm die Verwaltung. Die Volksbewaffnung wurde eingeführt, die Offiziere wurden von den Soldaten gewählt. Aus den Volkswehren, aus den Freiwilligen und aus den zum Volk übergelaufenen badischen und pfälzischen Soldaten entstand eine Revolutionsarmee. Aus ganz Deutschland, Polen, Ungarn, Frankreich und der Schweiz eilten Revolutionäre herbei, um den badischen Aufständischen zu helfen.

Die Lage der Aufständischen war jedoch von Anfang an nicht sehr günstig. Die kleinbürgerlichen Führer der Erhebung unterließen vieles, was zum endgültigen Sieg des Aufstandes notwendig gewesen wäre. So versäumten sie, die revolutionäre Bewegung über Baden und die Pfalz hinaus in die benachbarten deutschen Länder zu tragen.

Es folgte die Auseinandersetzung mit den konterrevolutionären Truppen aus Preußen, die mit Übermacht in die Pfalz und nach Baden einfielen. Den preußischen Konterrevolutionären war es gelungen die revolutionäre Bewegung im Rheinland rasch niederzuschlagen. Die „Neue Rheinische Zeitung“ musste ihr Erscheinen einstellen. Friedrich Engels hatte sich unverzüglich ins süddeutsche Aufstandsgebiet begeben, während Karl Marx nach Paris eilte, um Hilfe zu organisieren.

Vor den Mauern der Festung Raststatt kam es zum letzten großen Kampf. Die Schlacht dauerte zwei Tage. Da umgingen preußische Truppen die Stellungen der Revolutionäre und fielen ihnen in den Rücken. Den Teil der Revolutionsarmee, in dem auch Engels kämpfte, konnte sich in die Schweiz zurückziehen. Der Rest wurde in der Festung Rastatt eingeschlossen. Als nach drei Wochen Munition und Lebensmittel aufgebraucht waren, musste sich die Festung am 23. Juli 1849 ergeben.

Die preußische Reaktion übte an den Wehrlosen grausame Rache. 28. Revolutionäre wurden zum Tode verurteilt. Viele andere wurden in den Festungskellern eingekerkert. Hunger und Krankheit wüteten unter den Gefangenen.

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Gefangene Revolutionäre in den Kasematten von Rastatt.(Zeitgenössische Darstellung)

 

Als die preußische Armee in Südwestdeutschland einfiel, hatten sich die Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung von Frankfurt am Main nach Stuttgart zurückgezogen. Dort wurden sie vom Militär auseinandergetrieben.

In zahlreichen Kämpfen hatten die Volksmassen versucht, die Konterrevolution zurückzuschlagen. Zahlenmäßig schwächer sowie ungenügend organisiert und geführt, mussten Aufständischen der Übermacht des preußischen Militärs unterliegen. Mit dem Fall der Festung Rastatt fand die bürgerlich-demokratische Revolution 1848/49 ihr Ende.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel.

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Die Revolution von 1848, Teil 4

Der Vormarsch der Konterrevolution

 

Die Niederschlagung des Pariser Juniaufstandes

 

Der Verlauf der Revolution in ganz Europa wurde von den Vorgängen in Frankreich entscheidend bestimmt. Hier trieb die Bourgeoise mit den Arbeitern ein hinterlistiges Spiel. Dabei ist die Bourgeoise durch den Kampf der Arbeiter an die Macht gekommen. Sie ging zunächst zum Schein auf die Forderungen der Arbeiter nach gesicherten Arbeitsplätzen ein. In Paris wurden die über 100 000 Arbeitslosen vorwiegend mit Erdarbeiten beschäftigt. Dann schuf sich die Regierung eine aus Strolchen zusammengesetzte Polizeitruppe, welche ihren Interessen diente. Nun fühlte sich die Bourgeoise stark genug, um die Ausgaben für die Arbeiter loszuwerden. Die Erdarbeiten wurden beendet und die Arbeiter ohne jede Unterstützung auf die Straße gesetzt.

Auf diese Herausforderung antworteten 40 000 Pariser Arbeiter am 23. Juni 1848 mit dem bewaffneten Aufstand. Drei Tage lang tobte in den Arbeitervierteln der französischen Hauptstadt eine erbitterte Schlacht. Ohne Führung und ungenügend bewaffnet unterlagen sie der 150 000 Mann starken bewaffneten Macht der Bourgeoisie. Die Konterrevolution richtete unter den Aufständischen ein furchtbares Blutbad an. Nur 500 Arbeiter waren im Kampf gefallen. 10 000 wurden nach dem Sieg der Bourgeoisie ermordet und 3 500 verbannt.

Der Pariser Juniaufstand war die erste große bewaffnete Klassenschlacht zwischen Arbeitern und der Bourgeoisie. Die Niederlage der Arbeiter gab in ganz Europa den Feinden der Revolution Auftrieb. Adel und Fürsten schöpften wieder Hoffnung und trafen Vorbereitungen, um ihre Macht zurückzugewinnen.

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Die Niederschlagung der nationalen Befreiungskämpfe der Polen, Tschechen, Italiener und Ungarn

 

Schon vor der Pariser Junischlacht, im April und Mai 1848, war der Aufstand in Polen blutig niedergeschlagen worden. Dies war das Werk der bürgerlichen Regierung Camphausen/Hansemann in Preußen. Diese hatte die königlich-preußischen Truppen rücksichtslos gegen die Befreiungskämpfer eingesetzt.

Mitte Juni 1848 warfen die Soldaten des österreichischen Kaisers eine Erhebung der tschechischen Arbeiter und Studenten in Prag nieder, indem sie die Stadt mit Artillerie beschossen.

Auch in Italien ging zur gleichen Zeit die österreichische Armee zum Kampf gegen die Befreiungsarmee über. Nach mehreren Schlachten und Gefechten gelang es ihr, Norditalien wieder für die Habsburger Monarchie zurückzuerobern.

Einen anderen Verlauf nahm die österreichische Offensive gegen die revolutionäre Bewegung der Ungarn. Als die österreichische Armee im September 1848 in Ungarn einfiel, holte sie sich blutige Köpfe und musste nach schweren Niederlagen fast das gesamte Land wieder räumen. Ungarn erklärte sich im April 1849 zur Republik. An der Spitze der revolutionären Regierung stand Lajos Kossuth. Der österreichische Kaiser ersuchte den russischen Zaren um Hilfe und erbat Unterstützung gegen die Revolution in Ungarn. Im Mai 1849 rückte daraufhin eine zaristische Armee von 80 000 Man in Ungarn ein. Zusammen mit den österreichischen Truppen warfen sie die revolutionäre Erhebung nieder. Kossuth musste fliehen. Die Sieger brannten ungarische Dörfer nieder, folterten die Freiheitskämpfer und ermordeten viele von ihnen.

 

Die Niederschlagung des Oktoberaufstandes in Wien

 

Ermutigt durch die Niederschlagung des Pariser Juniaufstandes begann die adlige Konterrevolution ihren Angriff in Wien.

Hier war es am 06. Oktober 1848 zu einem Aufstand der Arbeiter und Studenten gekommen. Sie verhinderten damit, dass weitere österreichische Truppen zum Kampf gegen das revolutionäre Ungarn ziehen konnten. Überall in der Stadt wurden Barrikaden errichtet. Am 23. Oktober war die Stadt von kaiserlichen Truppen eingeschlossen. Da die in Wien verbliebene Bourgeoise und die Kleinbürger feige oder unentschlossen waren, mussten die Arbeiter und Studenten den Kampf gegen die 100 000 Mann starke konterrevolutionäre Armee alleine führen. Nach einer erbitterten Schlacht, die acht Tage dauerte, erlagen die Arbeiter und Studenten der Übermacht.

 

Der Sieg der Konterrevolution in Preußen im November 1848

 

Die Nachricht vom Fall Wiens ermunterte auch den preußischen König und die Junker, entscheidende Schritte zur Rückgewinnung ihrer politischen Alleinherrschaft zu unternehmen.

Die bürgerliche Regierung war schon früher vom König entlassen worden. Anfang November 1848 berief der König ein Ministerium, das nur aus reaktionären Adligen zusammengesetzt war. Die Konterrevolution ging gleichzeitig gegen die preußische Abgeordnetenversammlung vor, die bisher noch die Rechte des Volkes zu wahren versucht hatte. Der König befahl den Abgeordneten, Berlin zu verlassen. Als ein Teil von ihnen sich weigerte, ließ der König 20 000 Soldaten unter General Wrangel in Berlin einmarschieren und verhängte über die Stadt den Belagerungszustand.

Demokratische Zeitungen und Vereine wurden verboten.

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Die Bourgeoise leistete keinen Widerstand. Sie ließ ihre von der Konterrevolution verfolgten Abgeordneten im Stich. Die Bürgerwehr lieferte ihre Waffen ab und ließ sich auflösen. Allein die Arbeiter wollten kämpfen. Ihr Angebot wurde jedoch von meist kleinbürgerlichen Abgeordneten, die den Mut verloren hatten, nicht angenommen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

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Die Revolution von 1848, Teil 3

Das revolutionäre Wirken von Marx und Engels

 

Mit dem Ausbruch der deutschen Revolution eilten Marx und Engels aus Paris nach Deutschland zurück, ausgerüstet mit ihrem Programm für den revolutionären Kampf, den 17 „Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland“ Sie nahmen ihren Wohnsitz in Köln.

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Nun verwirklichten Marx und Engels ihren Plan, eine große Zeitung herauszugeben. Das war für sie das wirksamste Mittel, um die Feinde der Revolution, die Fürsten, den Adel und auch schon Teile der Bourgeoisie, zu entlarven und den Arbeitern zu helfen, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen. Ab 1. Juni 1848 erschien unter der Chefredaktion von Karl Marx die „Neue Rheinische Zeitung“. Zur Finanzierung der Zeitung opferte Marx sein väterliches Erbteil.

Zu den Redakteuren der „Neuen Rheinischen Zeitung“ zählten neben Wilhelm Wolff auch die deutschen Dichter Georg Weerth und Ferdinand Freiligrath. Beide waren Mitglieder des Bundes der Kommunisten und enge Freunde von Marx und Engels. Weerth, der erste Dichter des Proletariats, verspottete die Feinde der Arbeiter und Demokraten in bissigen Erzählungen. Freiligraths revolutionäre Gedichte rüttelten die Massen auf.

Vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus griff die „Neue Rheinische Zeitung“ tatkräftig in die Ereignisse ein. Ihre Hauptangriffe führte sie gegen die noch nicht vernichtete Macht der Fürsten und des Adels. Leidenschaftlich verurteilte sie alle Schritte der Bourgeoise, die sich gegen das Volk richteten. Aber auch die Bundesgenossen der Arbeiter, die demokratischen Kleinbürger, beobachtete die Zeitung und kritisierte deren Mängel und Schwächen. In ihrer Zeitung entwickelten Marx und Engels die Grundsätze einer demokratischen Außenpolitik. Sie gingen davon aus, dass eine Nation nur frei sein kann, wenn sie für die Freiheit der Nachbarvölker eintritt. Deshalb unterstützten sie energisch den Kampf der Polen, Ungarn und Italiener um ihre nationale Unabhängigkeit

Die „Neue Rheinische Zeitung“ trug entscheidend dazu bei, dass sich das junge Proletariat seiner Kraft bewusst wurde und selbständige Arbeiterorganisationen zu bilden begann. Viele Mitglieder des Bundes der Kommunisten waren hervorragend an der Gründung lokaler Arbeiterorganisationen beteiligt. Anfang September 1848 wurde auf Initiative des Schriftsetzers Stephan Born ein Arbeiterkongress in Berlin abgehalten, an dem Delegierte aus Berlin, Hamburg, Leipzig und anderen Städten teilnahmen. Der Kongress beschloss die Bildung einer Arbeiterverbrüderung, welche die schon bestehenden Arbeitervereine zusammenfassen sollte. Allerdings hatte Born nur wirtschaftliche Kampfziele. Die Bestrebungen von Marx und Engels gingen jedoch dahin, eine gesamtnationale, revolutionäre Massenpartei der Arbeiterklasse zu schaffen, die stark und konsequent genug war, um gemeinsam mit den Volksmassen die Ziele der Revolution durchzusetzen.

Die „Neue Rheinische Zeitung“ war die mutigste und berühmteste Zeitung der deutschen Revolution. Ihre Artikel wurden von vielen anderen demokratischen blättern nachgedruckt. Sie half den Arbeitern und Demokraten, Freund und Feind zu unterscheiden und die Aufgaben der Revolution zu erkennen.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

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Die Revolution von 1848, Teil 2

Der Kampf um die Weiterführung der Revolution

 

Unter den Werktätigen(arbeitenden Menschen) in ganz Deutschland herrschte großer Jubel über den Sieg in den Märzkämpfen. Nach wenigen Wochen erkannten Viele, dass die ersten Erfolge nur der Beginn der Revolution sein konnten.

 

  • Allgemeines und direktes Wahlrecht
  • Volksbewaffnung
  • Restlose Beseitigung des Feudalismus
  • Verbesserung der Lebenslage
  • Demokratisches Parlament
  • Demokratische Verfassung
  • Nationale Einheit

 

All das musste noch von den Volksmassen durch die Fortführung des revolutionären Kampfes errungen werden.

Um ihre ureigenen Interessen durchzusetzen, organisierten sich die Arbeiter, Studenten, Händler, Handwerker, Rechtsanwälte und Journalisten überall in zahlreichen Vereinen, Komitees und Klubs. Die Führung dieser demokratischen Bewegung hatte das Kleinbürgertum inne. Daneben kämpften die Arbeiter und Handwerksgesellen in Streiks für höhere Löhne und Herabsetzung der Arbeitszeit. In vielen Städten entstanden örtliche Gewerkvereine und politische Arbeiterorganisationen. In Schlesien und Sachsen zwangen Bauern und Tagelöhner erst jetzt ihre Gutsbesitzer zum Verzicht auf einige Feudalrechte.

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Von besonderer Bedeutung für die Weiterführung der Revolution waren die Vorgänge in Berlin. Hier unternahmen der König und die bürgerliche Regierung alle Anstrengungen, um den Massen weitere Rechte vorzuenthalten. Vor allem um die Volksbewaffnung entbrannte der Kampf.

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Voller Erbitterung über die revolutionsfeindliche Haltung der Bourgeoisie stürmten Berliner Arbeiter am 14. Juni 1848 das Zeughaus. Sie wollten sich Waffen verschaffen, um die bisher erworbenen Freiheiten zu verteidigen und neue zu gewinnen. Da ihr Angriff nicht organisiert und ohne Führung war, scheitere er. Polizei und Bürgerwehr überwältigten die Arbeiter. Ihr energisches Auftreten hatte jedoch gezeigt, dass sie bereit waren die Revolution notfalls mit Gewalt fortzuführen.

 

Die Haltung der Bourgeoisie zur Weiterführung der Revolution

 

Nachdem die Bourgeoisie im März 1848 einen Anteil an der politischen Macht erhalten hatte, gab sie sich mit dem Erreichten zufrieden. Sie war nicht bereit, an der Spitze der demokratischen Kräfte des Volkes konsequent gegen das reaktionäre Herrschaftssystem der Fürsten zu kämpfen und die Revolution zu Ende zu führen. Die Bourgeoisie begann, nicht mehr im Adel, sondern in den vorwärtsdrängenden Arbeitern ihren Feind zu sehen. Die Angst vor dem Proletariat bestimmte nun ihre Politik. Die Bourgeoisie verband sich mit Fürsten und Junkern gegen das Volk und verriet damit die Revolution.

Besonders deutlich kam die verräterische Politik der Bourgeoisie in der Frankfurter Nationalversammlung zum Ausdruck.

 

 

Die Frankfurter Nationalversammlung

 

Im Mai 1848 hatten in allen deutschen Staaten Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung stattgefunden. Das deutsche Volk setzte große Erwartungen in dieses Parlament. Am 18. Mai 1848 zogen die Abgeordneten unter Jubel, Glockenläuten und Fahnenschwenken in die Paulskirche in Frankfurt am Main ein.

Dieses erste vom deutschen Volk gewählte Parlament hätte die Aufgabe gehabt, die Feinde der Revolution zu entmachten und die demokratische Einigung Deutschlands herzustellen. Stattdessen übertrug es die oberste Gewalt in Deutschland einem Fürsten, der dem Parlament nicht verantwortlich war.

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Die Nationalversammlung erarbeitete in vielen Monaten den Entwurf einer Reichsverfassung. Sie wurde am 28. März 1849 von den Abgeordneten angenommen.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Bearbeitet von Petra Reichel

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Die Revolution von 1848, Teil 1

Die Krise des Jahres 1847

 

In den Staaten des Deutschen Bundes entstand im Jahre 1847 eine revolutionäre Situation. Es war Wirtschaftskrise. Diese ist zuerst in England und den USA ausgebrochen. Die Kapitalisten versuchten, die Lasten der Krise auf die Arbeiter abzuwälzen. Viele Arbeiter wurden entlassen, anderen der ohnehin knappe Lohn noch mehr herabgesetzt.

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Zugleich wuchsen seit 1845 Not und Elend der arbeitenden Menschen durch schlechte Getreide- und Kartoffelernten. Die Händler nutzten die Lage aus, um die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben. In einigen Gegenden Deutschlands wütete der Hungertyphus. Gegen die wucherischen Preissteigerungen kam es in vielen Städten zu Tumulten und Unruhen.

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Hungerrevolte 1847

Der Wirtschaftskrise und den Hungerunruhen standen die feudalen Regierungen hilflos gegenüber. Sie waren nicht mehr in der Lage, aus der entstanden revolutionären Situation einen Ausweg zu finden.

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Der Beginn der revolutionären Kämpfe im Frühjahr 1848

 

Der Sieg der Februarrevolution in Frankreich

Auch in Frankreich hatte sich im Frühjahr 1848 eine revolutionäre Situation entwickelt.

Die Regierung des seit 1830 herrschenden Königs Louis Philippe war im Volke tief verhasst. Ihre Politik lag nur im Interesse der Bankkapitalisten. Diese bereicherten sich schamlos. Die Industriekapitalisten, Handwerker, Bauern und Arbeiter waren ohne politischen Einfluss. Sie besaßen nicht einmal das Wahlrecht.

Als die Regierung eine Kundgebung, in der die Erweiterung des Wahlrechts gefordert werden sollte, am 22. Februar 1848 verbot, zogen Arbeiter, Handwerker und Studenten dennoch auf die Straße. Sie forderten den Rücktritt der Regierung und politische Reformen. Als die Truppen des Königs auf die Demonstranten schossen, entbrannten blutige Barrikadenkämpfe. Schließlich stürmten Arbeiter und Studenten den Königspalst und zwangen König Louis Philippe zur Flucht.

In der Februarrevolution hatten die Pariser Arbeiter durch ihren mutigen Einsatz die Republik erkämpft. Am 25. Februar 1848 wurde eine bürgerliche provisorische Regierung eingesetzt, der aber nur ein Arbeiter angehörte. Die meisten Minister waren Vertreter der Industriebourgeoisie.

 

Der Sturz des Metternich-Regimes

 

Eine der reaktionärsten Feudalstaaten in Europa war das Habsburger Kaiserreich unter der Regierung des Fürsten Metternich.

Das Bürgertum besaß noch weit weniger Bewegungsfreiheit als in Frankreich oder Preußen. Es bestanden noch nicht mehr zeitgemäße Zunftgesetze. Fabriken und Eisenbahnlinien durften nur in beschränkter Anzahl gebaut werden. Hohe Zölle unterbanden den Handel mit anderen Ländern. Die kapitalistische Entwicklung wurde dadurch stark beeinträchtigt.

Als die Nachricht vom Ausbruch der Februarrevolution in Wien eintraf, stellte die Bevölkerung dem Kaiser Forderungen:

  • Verfassung
  • Volksbewaffnung
  • Absetzung Metternichs

 

Auch hier löste der Einsatz von Militär gegen die Demonstranten Straßenkämpfe aus. Arbeiter und Studenten trugen dabei den Hauptanteil an den bewaffneten Kämpfen. Am Abend des 13. März 1848 war das Volk Sieger. Metternich floh verkleidet nach England. Sein Regime brach zusammen. Der Kaiser und die verbliebenen Minister sahen sich gezwungen, eine Verfassung zu versprechen und die Volksbewaffnung durchzuführen.

 

Die nationalen Erhebungen der Italiener, Ungarn, Tschechen und Polen

 

Das Habsburger Reich war ein wahres Völkergefängnis. Der Feudaladel hielt mit Polizei und Militär die Italiener, Ungarn , Tschechen und Polen und andere Völker nieder, die sich von den feudalen Fesseln und nationaler Unterdrückung befreien wollten. Ermutigt von der französischen Februarrevolution und dem Aufstand in Wien brachen in vielen Teilen des Habsburger Reichs revolutionäre Erhebungen aus.

Im Norden Italiens erhob sich das Volk gegen die österreichische Fremdherrschaft. Nach einem fünftägigen Barrikadenkampf zwang die Bevölkerung Mailands am 22. März 1848 die österreichischen Truppen zum Abzug. In Venedig wurde die Republik ausgerufen und eine provisorische Regierung aus Vertretern des Bürgertums geschaffen.

In Ungarn lag die revolutionäre und nationale Bewegung in den Händen des kleinen und mittleren Adels. Ihr Führer war der Rechtsanwalt Lajos Kossuth. Unter seinem Einfluss unternahm die ungarische Regierung Schritte zur Herstellung der Unabhängigkeit des Landes. Er verkündete bürgerliche Reformen, hob Frondienste und feudale Abgaben der Bauern auf, bildete eine nationale ungarische Regierung und entzog das Heer der Ungarn dem Oberbefehl des österreichischen Kaisers.

In Böhmen gerieten das tschechische Bürger- und Kleinbürgertum und Bauern in Bewegung. Sie erkämpften sich Presse- und Versammlungsfreiheit. Sie traten für die Erlangung nationaler Rechte und die Abschaffung der Feudallasten ein.

In Polen brach die revolutionäre Erhebung vor allem in den Landesteilen aus, die sich Preußen während der Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts angeeignet hatte. Hier waren an den Erhebungen vor allem Bauern und der Kleinadel beteiligt. Die Aufständischen verhandelten mit dem preußischen König um die Gewährung nationaler Unabhängigkeit. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde gelichzeitig ein polnisches Heer aufgestellt.

 

Die revolutionäre Bewegung in Süd- und Südwestdeutschland

 

Angeregt von den Ereignissen in Frankreich fanden Ende Februar und Anfang März 1848 in Süd- und Südwestdeutschland, vor allem in Mannheim, Stuttgart, Mainz, Hanau und München große Volksversammlungen statt. Arbeiter, Handwerker, Studenten, Kaufleute und Fabrikanten verlangten von den Fürsten

  • Volksbewaffnung
  • Pressefreiheit
  • Die Einberufung eines deutschen Parlaments
  • Reformen im Gerichtswesen

 

Die revolutionäre Welle griff auch auf die Landbevölkerung über. In Baden, Württemberg, Bayern und Hessen erhoben sich die Bauern gegen den Adel.

Sie zogen vor die Herrensitze und forderten die Abschaffung aller Frondienste und Abgaben. Wo ihnen Widerstand geleistet wurde, stürmten sie Schlösser, verbrannten Zinsbücher und erklärten die Feudalrechte für aufgehoben.

Voller Angst um ihre Throne gaben die Fürsten dem Druck der Volksmassen nach. Sie entließen besonders verhasste adlige Minister und beriefen Vertreter des Bürgertums in die Regierungen. So entstanden die Märzministerien. Zugleich wurde die Presse- und Versammlungsfreiheit verkündet. Die Bourgeoisie durfte bewaffnete Abteilungen – Bürgerwehren – bilden. Mit diesen Ergebnissen war die Bourgeoisie der süd- und südwestdeutschen Staaten bereits zufrieden, obwohl Fürsten und Adel noch immer die wichtigsten Machtstellungen besaßen, die Armeen kommandierten und die Verwaltungen beherrschten.

 

Die Märzkämpfe in Berlin

Der 18. März 1848

 

Auch Preußen wurde von der revolutionären Bewegung erfasst. Die Nachrichten über die Wiener Revolution und die revolutionären Bewegungen in Süd- und Südwestdeutschland rüttelten das Volk auf. Die Arbeiter erhoben unüberhörbar Forderungen nach einem menschenwürdigerem Leben. Als immer mehr Volksversammlungen stattfanden und die Diskussionen auf Straßen, Plätzen und Wirtshäusern immer heftiger wurden, traf die Regierung militärische Vorbereitungen. Sie ließ Kanonen an verschiedenen Stellen der Stadt auffahren und gab Kavallerieabteilungen den Befehl, die Straßen mit Gewalt zu räumen, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Infolge des brutalen Einschreiten des Militärs hatte es in Berlin bis zum 16. März schon 20 Tote gegeben. Daher bestand die Bevölkerung auf den unbedingten Abzug der Truppen aus der Stadt. Unter dieser Hauptlosung fand am 18. März vor dem Berliner Schloss eine Massendemonstration statt.

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Infanterie und Kavallerie standen in der Nähe des Platzes in Bereitschaft. Gegen 14 Uhr erschien der König auf dem Balkon des Schlosses. Vieltausendstimmig schallte dem König der Ruf entgegen: „Fort mit dem Militär“. Der König gab den Truppen den Befehl, den Schlossplatz zu räumen. Als zwei Schüsse fielen, brach die Erhebung los. Mit dem Ruf: „Verrat, Verrat! Zu den Waffen! Auf die Barrikaden!“ begann die große Berliner Barrikadenschlacht vom 18. März. Während sich die Bourgeoisie feige zurückzog, handelten Arbeiter, Handwerksgesellen und Studenten. Rasch errichteten sie in der gesamten Innenstadt zahlreiche Barrikaden.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Bearbeitet von Petra Reichel

 

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Die historische Hauptaufgabe der Revolution von 1848/49 in Deutschland

Die Ursachen der Revolution und die Klassengegensätze vor 1848

 

Ursache für die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland war der Widerspruch zwischen der Kapitalistischen Entwicklung und der politischen Herrschaft des Adels und der Fürsten.

Mit dem Einsetzen der industriellen Revolution(Entwicklung zur Massenproduktion in der Fabrik)und der Bildung des deutschen Zollvereins 1834 hatte sich das kapitalistische Wirtschaftsleben immer stärker entwickelt. Es waren neue Manufakturen und Fabriken entstanden. Der Eisenbahnbau hatte günstige Verkehrsverhältnisse geschaffen. Damit entfaltete sich die ökonomische Kraft der Bourgeoisie. Auch die Arbeiterklasse war zahlenmäßig und politisch gewachsen.

Dem vollen Sieg des Kapitalismus standen jedoch viele Hindernisse im Wege. Eines davon waren unterschiedliche Münzen, Maße und Gewichte. Alle diese Hindernisse hatten ihre Ursache in der unbeschränkten politischen Macht der Feudalklasse und der Zersplitterung Deutschlands.

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Wie vor allen bisherigen bürgerlichen Revolutionen bestand auch in Deutschland der gesellschaftliche Hauptwiderspruch zwischen dem historisch überlebten Adel und der ökonomisch erstarkten Bourgeoisie. Als Träger einer neuen Ordnung wünschten die Kapitalisten einen Anteil an der politischen Macht, um ihre Interessen in Staat und Gesellschaft durchzusetzen.

Der Weberaufstand von 1844 hatte gezeigt, dass durch die kapitalistische Entwicklung in Deutschland auch bereits der Gegensatz zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat entstanden war.

Daneben gab es gegensätzliche Interessen zwischen Adel und Bauern. Sie beruhte darauf, dass der größte Teil der Bauern den Großgrundbesitzern noch durch Abgaben, Dienste und die Zahlung von Ablösegeldern verpflichtet war.

Neben diesen wesentlichen Klassengegensätzen bestand ein Gegensatz zwischen den herrschenden Klassen in Preußen und Österreich und den von ihnen unterdrückten Völkern der Polen, Tschechen, Ungarn und Italiener.

Durch die Vielzahl der gesellschaftlichen Widersprüche in Deutschland wurde der Klassenkampf besonders kompliziert. Aber nur durch den gemeinsamen Kampf der Bourgeoisie, der Bauern, des Kleinbürgertums und des Proletariats gegen den Feudaladel konnte die bürgerlich-demokratische Revolution siegen. Die Führung musste dabei die Bourgeoisie übernehmen, denn sie war Träger der fortschrittlichen kapitalistischen Produktionsweise und die stärkste antifeudale Klasse.

 

Die historische Aufgabe der Revolution

 

Hauptaufgabe der Revolution war die endgültige Durchsetzung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung gegen die feudalen Kräfte. Das verlangte vor allem die ökonomische und politische Entmachtung des Feudaladels und die nationale Einigung Deutschlands auf bürgerlich-demokratischer Grundlage.

Das klarste und konsequenteste Programm zur Lösung dieser Aufgabe besaß der Bund der Kommunisten unter der Führung von Karl Marx und Friedrich Engels. Ihre 17 „Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland“ enthielten alle wesentlichen Ziele der Revolution, die sie erreichen musste.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Geschichtsbuch DDR 8

Friedhof der Märzgefallenen

Der Friedhof der Märzgefallenen ist ein Friedhof im Volkspark Friedrichshain im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Er wurde für die Opfer der Märzrevolution vom 18. März 1848, die Märzgefallenen, angelegt. 1925 gestaltete der Berliner Architekt Ludwig Hoffmann die Anlage um und brachte sie in die bestehende dreiseitig gefasste Form. Weitere Umgestaltungen fanden 1948 und 1957 statt.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurden hier auch die ersten Berliner Gefallenen dieses Aufstands beerdigt, an die die 1960 aufgestellte Bronzefigur „Roter Matrose“ von Hans Kies erinnern soll.

1948 wurde zum 100-jährigen Bestehen des Friedhofs ein Gedenkstein mit den Namen der Märzgefallenen aufgestellt. Heute existieren noch 18 Grabplatten, drei eiserne Grabkreuze, eine Stele und zwei Grabdenkmäler aus Gusseisen. Der Friedhof der Märzgefallenen ist heute eine Gedenkstätte und ein Gartendenkmal.

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Friedhof der Märzgefallenen( Gräber)

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Von © Achim Raschka / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt
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Grabstein

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Grabstele

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Die ersten Beigesetzten auf dem Friedhof der Märzgefallenen waren 183 zivile Opfer der Barrikadenkämpfe der Märzrevolution vom 18. März 1848. Sie wurden am 22. März 1848 auf dem Lindenberg, der damals höchsten Erhebung des noch im Aufbau befindlichen Volksparks, der im Volksmund auch Kanonenberg genannt wurde, bestattet.

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Grab für einen Unbekannten

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Begräbnis und Einsegnung der am 18. und 19. März 1848 Gefallenen, Lithografie von Wilhelm Loeillot de  Mars, 1848

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Von Unbekannt – unknown, CC0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung fällte aufgrund eines Antrags von Stadtrat Daniel Alexander Benda die Entscheidung für die Errichtung des neuen Friedhofs auf einer 2,3 Hektar großen Fläche erst am Vortag der Beerdigung. Sie sah vor, dass neben den zivilen Opfern auch die gefallenen Soldaten hier beerdigt werden sollten. Die Entscheidung zu einer gemeinsamen Beerdigung war bereits vorher in der Bevölkerung breit diskutiert und meist abgelehnt worden, letztlich entschied aber das Militär, indem es die Leichen der toten Soldaten nicht zur Verfügung stellte. Die zu dem Zeitpunkt auf dem Lindenberg befindlichen beiden Windmühlen sollten für die Anlage der Begräbnisstätte abgerissen werden. Außerdem sollte ein Denkmal auf dem damals noch nicht zum Berliner Stadtgebiet gehörenden Friedhof und ein weiteres in der Stadt aufgestellt werden. Trotz dieses Beschlusses wurde nur eine Mühle abgerissen und die Fläche war dadurch erheblich kleiner. Die zweite Mühle brannte 1860 nieder. Auch die Beerdigung der Soldaten fand nicht hier statt, sondern erst am 24. März auf dem Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte. Die geplanten Monumente wurden ebenfalls nicht errichtet. Der Friedhof war ursprünglich quadratisch angelegt mit Diagonalwegen, die auf einen umlaufenden Weg führten, an dem die Gräber lagen. Das Zentrum der Anlage bildete ein Rondell mit einer Sommerlinde.

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Friedhof der Märzgefallenen 1848

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Von Lley aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Nach einer Möglichkeit zur privaten Abschiednahme am 21. März, fand das Begräbnis am 22. März statt. An diesem Tag wurde ein Festzug vorbereitet und ganz Berlin einschließlich des Berliner Stadtschlosses und des Scharnhorst- und Blücher-Denkmals in der Innenstadt wurden in Schwarz-Rot-Gold und schwarz geschmückt. Helfer dekorierten die Särge der Gefallenen mit Blumen aus dem königlichen Garten. Auf dem Gendarmenmarkt kam es zur Aufbahrung der Märzgefallenen. Die Zahlen der Versammelten variieren. Es waren 100 000 bis 300 000 Menschen versammelt. In der Neuen Kirche, der Kirche am Deutschen Dom auf dem Gendarmenmarkt, versammelten sich die Angehörigen der Toten zu einem evangelischen Gottesdienst.

Der Festzug von der Neuen Kirche zum Friedhof bestand aus 20.000 Teilnehmern und 3.000 Ordnern, war etwa 7,5 Kilometer lang und dauerte vier Stunden. Die „Vossische Zeitung“, deren gesamte Redaktion am Begräbnis teilnahm, bemerkte, in den mitgeführten Symbolen „schien sich die ganze Geschichte unseres Vaterlandes zu verkörpern“. Die Teilnehmer führten Fahnen aus anderen Städten ebenso mit sich wie die von einzelnen Gewerben in der Stadt. Orden und Uniformen waren dagegen kaum vorhanden.

In den folgenden Wochen wurden weitere Opfer der Kämpfe, die ihren Verletzungen erlagen, auf diesem Gelände beigesetzt. Die endgültige Zahl der Gräber stieg auf 254.

Der Friedhof der Märzgefallenen wurde nach 1848 zu einem Symbol der deutschen Demokratiebewegung. Die Anlage stellte dabei regelmäßig einen wichtigen Gedenk- und Demonstrationsplatz dar.

Im Juni 1848 kam es an den Gräbern zu einer ersten Demonstration Berliner Studenten an diesem Ort. Sie wollten der Toten gedenken und zugleich die Regierenden ermahnen, die bei der Revolution erworbenen Veränderungen nicht vorschnell wieder rückgängig zu machen.

Bereits am 25. März 1848 wurde in verschiedenen Berliner Zeitungen in einer öffentlichen Bekanntmachung um Spenden sowie Entwürfe für ein Denkmal auf dem Friedhof gebeten, zu welchem am Jahrestag der Revolution der Grundstein gelegt werden sollte. Dieser Aufruf wandte sich bewusst an das gesamte deutsche Volk mit dem Hinweis, dass die Märzrevolution nationaler Natur sei und somit nicht die Berliner allein in der Pflicht seien. Das eingegangene Geld für das Komitee zur Errichtung des Denkmals verwaltete der Kaufmann und Schuhfabrikant F. H. Bathow verwaltet. Da dieses Komitee offiziell allerdings nicht existierte, wurde Bathow polizeilich gezwungen, das Geld herauszugeben. Der Verbleib und die Summe des gesammelten Geldes blieben ungeklärt, nach widersprüchlichen Meldungen wurde es entweder 1854 beim Stadtgericht deponiert oder ging in die Pensionskasse der Schutzleute über. Die Einziehung des Geldes führte dazu, dass es kein Denkmal zum Jahrestag der Revolution gab; zu diesem Datum waren noch nicht einmal alle Gräber mit einfachen Holzkreuzen bestückt und die Stadtregierung wollte diese nicht finanzieren. So brachten die Berliner die fehlenden rund 60 Kreuze durch eine spontane Sammlung zwischen dem 18. und 22. März 1849 auf.

Aufgrund der politischen Entwicklung bis zum ersten Jahrestag der Revolution rechneten sowohl Magistrat als auch Stadtverordnetenversammlung mit erneuten Aufständen in Berlin. Aus diesem Grunde wurde die Besatzungsstärke des Militärs und der Polizei massiv aufgestockt.

Trotz dieser Präsenz von Militär und Polizei zogen am 18. März Tausende zu den Gräbern der Märzgefallenen. Dabei handelte es sich vor allem um Arbeiter. Bereits in der vorhergehenden Nacht waren die Gräber mit Blumen geschmückt worden und Mitarbeiter der Borsigwerke stellten an den vier Ecken des Friedhofs je eine stählerne Säule auf, die mit zwei Fackeln bestückt wurde. Am Nachmittag des Tages kam es tatsächlich zu den befürchteten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und den Schutzleuten, die jedoch verhältnismäßig glimpflich ausgingen.

 

In den folgenden Jahren

 

1850 bis 1900:

Um in den folgenden Jahren Ausschreitungen zu vermeiden, verbot das Preußische Staatsministerium das Betreten des Friedhofs am 18. März 1850 und zu den Jahrestagen der folgenden Jahre. Bereits am 17. März 1850 wurden alle Zugänge von Polizeikräften abgesperrt. Am gleichen und am folgenden Tag trafen Arbeiter am Park ein und versuchten, auf die Friedhofsanlage zu gelangen, um dort Blumen und Kränze niederzulegen. Die Gedenkveranstaltungen fanden daraufhin in den umliegenden Gartenlokalen statt, und es kam auch in diesem Jahr zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten.

Am 20. März 1850 verkündete die Königlich-Privilegierte Zeitung, dass der Friedhof der Märzgefallenen planiert und die Begrabenen umgelagert werden sollten. Der Platz sollte einem Bahnhofsbau weichen. Diese Ankündigung wurde jedoch nie realisiert, und so kamen auch am 18. März 1851 viele Arbeiter zum Friedhof. Dieser Tag endete wieder in Ausschreitungen, die diesmal nicht ohne Verletzte endeten. Bis zum 18. März 1852 wurden alle Wege zum Friedhof mit Ausnahme des Hauptweges vom Landsberger Tor mit Blumen bepflanzt und damit unbegehbar gemacht. Im Vorfeld des Kölner Kommunistenprozesses kamen jedoch in diesem Jahr 10.000 Demonstranten in den Park, und wiederum endete der Tag in Gewalt. Ab 1853 war der gesamte Park mit einem hohen Bretterzaun, später einem Stangenzaun, abgeriegelt. Auf diese Weise verhinderten die Ämter in dem Jahr eine Versammlung am Friedhof.

Über den geplanten Bahnhofsbau wurde erst im Februar 1854 erneut berichtet, nachdem 1853 der Bau eines Waisenhauses am Rand des Parks mit der Begründung abgelehnt wurde, dass der Anblick des Friedhofes die Jugend täglich an die Märzrevolution 1848 erinnern und so erneut zur Rebellion verleiten könne. Auch hierauf kam es nicht zu einer Verlegung, und bis zum Jahr 1856 versammelten sich jedes Jahr etliche Menschen zum Gedenken an die Revolution und an die Gefallenen am Friedhof. In einem Schreiben vom 22. Oktober 1856 forderte der Polizeipräsident von Berlin den Magistrat der Stadt auf, durch die Pflanzung einer dornigen Hecke den Zugang zu dem Friedhof unmöglich zu machen in „der Absicht, jenen Platz möglichst der Vergessenheit anheimfallen zu lassen.“ Der Magistrat lehnte diese Pläne ab und schlug erneut eine Umlagerung der Toten vor, der der Polizeipräsident zustimmte unter der Voraussetzung, dass dies möglichst ohne großes Aufsehen geschehen sollte.

Im Oktober 1857 bekam die Presse und damit die Öffentlichkeit Kenntnis von den Plänen des Magistrats durch Angehörige der Toten. Von diesen wollte der Magistrat eine Einwilligung zur Verlegung der Toten gegen die Zahlung von Geldern bekommen. Im September 1858 legte der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung einen Plan zur möglichst baldigen Verlegung vor. Diese wurde auch bald beschlossen. Daraufhin wurde eine unbekannte Anzahl von Särgen auch ausgegraben, eine Komplettverlegung fand jedoch nicht statt. Am 15. Mai 1861 verkündete die Königlich-Privilegierte Zeitung, dass der Zutritt zum Friedhof wieder uneingeschränkt erlaubt sei.

In den Jahren von 1868 bis 1874 erfolgte der Bau des städtischen Krankenhauses Friedrichshain an der Landsberger Allee in direkter Nachbarschaft des Friedhofs. Der Friedhof selbst liegt seitdem direkt an der Krankenhausmauer, durch die Zufahrtsstraße zum Haupteingang des Krankenhauses vom restlichen Volkspark abgetrennt. Der nächste wichtige Termin für den Friedhof war der 18. März 1873, der 25. Jahrestag der Revolution. Zugleich wurde dieser Tag ein Gedenktag für die Pariser Kommune von 1871. Am und auf dem Friedhof der Märzgefallenen strömte eine große Menschenmenge zusammen. Das Jubiläum führte erneut zu starken Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Diese ließ den Park am späten Nachmittag gewaltsam räumen. Auch in den folgenden Jahren wurde der Friedhof alljährlich von Tausenden von Besuchern aufgesucht, vor allem von kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeitern. Auch Lokalpolitiker sowie die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ehrten die Toten wiederholt durch Niederlegung von Kränzen.

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Plan vom Volkspark nach dem Bau des Krankenhauses, 1875

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Zum 50. Jahrestag 1898 kam es zu einem Streit zwischen den städtischen Behörden und dem Polizeipräsidium Berlins um die Neugestaltung des Friedhofs. Der Berliner Magistrat wollte einen Umbau des Geländes durchführen, bei dem der Friedhof den anderen Berliner Friedhöfen angepasst werden sollte. Teil des Planes war ein Eingangsportal mit eisernem Tor sowie eine erneuerte Umzäunung. Ein Gedenkstein, den die Stadtverordnetenversammlung errichten wollte, wurde vom Magistrat abgelehnt, da er durch eine Unterstreichung der Denkwürdigkeit der Revolution gegen die Obrigkeit weitere Aufstände befürchtete. Ludwig Hoffmann legte 1898 einen Entwurf für das Eingangsportal vor, aufgrund einer Entscheidungsverzögerung wurde er bis zum 50. Jahrestag jedoch nicht umgesetzt. Im Jahr 1899 kochte der Streit erneut auf, als statt eines Denkmals die Platzierung einer Gedenktafel am Eingangsportal angeregt wurde. Das Polizeipräsidium verweigerte nunmehr die Bauerlaubnis mit der Begründung, dass „… das Bauwerk eine Ehrung der dort begrabenen Märzgefallenen bezwecke, mithin eine politische Demonstration zur Verherrlichung der Revolution, die aus allgemeinen ordnungsgemäßen Gründen nicht gestattet werden kann.“

Trotz einer Klage des Magistrats und besonders der Stadtverordnetenversammlung wurde eine Ehrung der Märzgefallenen weiterhin abgelehnt, und der Friedhof wurde in einen „ordnungsgemäßen“ Zustand versetzt, ohne Bezug auf die historische Besonderheit zu nehmen. Bezug nehmend auf diese Streitigkeiten um das Denkmal lautete die Beschriftung des Kranzes der sozialdemokratischen Fraktion der Stadtverordneten: „Euer Denkmal habt ihr euch selbst gesetzt.“

Der marxistische Historiker Franz Mehring fasste 1897/98 in seiner „Geschichte der Sozialdemokratie“ die Geschichte des Friedhofs zusammen:

„[Die Bourgeoisie] hat [das Werk des 18. März] verraten, und ihr böses Gewissen ließ den Friedhof verwildern, wo die gefallenen Volkskämpfer zur Ruhe gebettet worden waren. Der Rost nagte an den Buchstaben und Ziffern der Kreuze, und über den versunkenen Grabhügeln wehte das Gras zusammen. Dann aber kam der Tag, an dem das erwachte Klassenbewusstsein des Proletariats die historische Bedeutung der Märzrevolution begriff und die Gräberstätte des Friedrichshains von neuem weihte.“

 

1900 bis 1945:

Im Jahr 1908 und somit zum 60-jährigen Bestehen des Friedhofs fiel das Jubiläum in die Zeit des politischen Streits um das Wahlrecht in Deutschland. Die Sozialdemokraten verabschiedeten im März an den Gräbern der Märzgefallenen ihre Resolution zu diesem Thema als Märzresolution, in der sie das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Deutschland forderten. Auf dem Friedhof wurden Kränze niedergelegt und mehrere Tausend Menschen hatten sich hier versammelt. Besonders die Schleifen an den Kränzen wiesen auf die Forderungen der Menschen und ganz besonders auf die Wahlrechtsforderungen hin. So war auf einem der Kränze, die von der Redaktion der Zeitung „Vorwärts“ abgelegt wurden, die Widmung Den ersten Wahlrechtskämpfern“ lesen. Etwa 60 Schleifen entfernte die Polizei aufgrund der Aufschriften, Ausschreitungen der Besucher gegen die Polizeikräfte waren die Folge.

Am 18. März 1917 wurde der traditionelle jährliche Gang der Arbeiter an die Gräber mit einer Solidaritätsbekundung zur Februarrevolution in Russland verbunden.

Im November des nachfolgenden Jahres 1918 kam es auch in Deutschland zur Revolution, die als Novemberrevolution bekannt wurde. Am 20. November wurden acht Tote dieser Aufstände auf dem Friedhof der Märzgefallenen in einem separaten Gräberbereich begraben, um die Verbindung beider Revolutionen zu verdeutlichen und zu untermauern. Die Trauerfeier, bei der einige Redner die Parallelen zwischen den beiden Revolutionen betonten, fand auf dem Tempelhofer Feld statt, an ihr sowie an dem folgenden Trauerzug nahmen etliche Tausend Menschen teil. Eine Ehrenkompanie des Alexander-Regiments führte den Zug an, gefolgt von einer großen Menge von Kranzträgern, Vertretern der Reichs-, Länder- und Stadtbehörden, der Sozialdemokratischen Partei sowie der Gewerkschaften. Erst danach kamen die Wagen mit den Särgen und den Angehörigen der Gefallenen sowie eine Sonderkompanie von Matrosen. Die Arbeiterschaft folgte mit roten und schwarzen Fahnen.

Vom 6. bis zum 11. Dezember 1918 kam es zu Konflikten mit konterrevolutionären Truppenteilen in Berlin. Bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung am 6. Dezember im Bereich der Invalidenstraße kamen 14 Revolutionäre ums Leben, darunter auch Mitglieder des Soldatenbundes. Willi Budich, führendes Mitglied des Spartakusbundes und einer der beiden Vorsitzenden des Soldatenbundes wurde verwundet. Die Opfer dieses Angriffs wurden am 21. Dezember ebenfalls auf dem Friedhof beerdigt. Am 24. Dezember kam es zum Angriff von Regierungstruppen auf die Volksmarinedivision, die im Berliner Stadtschloss stationiert war und als spartakistisch galt. Bei den erfolgreichen Abwehrkämpfen der Matrosen kamen elf Menschen ums Leben, die am 29. Dezember in einer dritten Grube auf dem Friedhof der Märzgefallenen beigesetzt wurden.

Im Januar 1919 beantragten KPD und USPD die Beerdigung von 31 Toten des Spartakusaufstandes auf dem Friedhof der Märzgefallenen, unter ihnen Karl Liebknecht. Da der Magistrat diese Ehrung verweigerte, wurden diese Opfer der Revolution auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

In der Weimarer Republik besuchten Arbeiter, aber auch von Vertreter der SPD, der KPD, der Gewerkschaften und vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wieder alljährlich den Friedhof als Gedenkstätte.

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Grabplatten für die Opfer der Novemberrevolution

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Von © Achim Raschka / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0, CC BY-SA 3.0, bild ist entsprechend verlinkt

 

Zu Beginn der 1920er Jahre beschloss die Friedrichshainer Bezirksverordnetenversammlung mit der Stimmenmehrheit von SPD und KPD, dem Friedhof ein „würdiges Aussehen zu verleihen“. Dies bezog sich vor allem auf die Neugestaltung des Eingangstors nach der Vorlage von Ludwig Hoffmann. Am 11. Oktober 1925 wurde das neue Tor von Hoffmann als dessen letztes Bauprojekt und mit einer Kundgebung zu Ehren der „Kämpfer für die deutsche Freiheit“ (Ansprache durch Bezirksbürgermeister Mielitz) festlich eingeweiht. Nach Angaben der Zeitung „Vorwärts“ fand dies unter Teilnahme einer „großen Menschenmasse“ statt, vor der Enthüllung des neuen Portals zogen 10.000 Männer der Berliner Kameradschaft des Reichsbanners mit gesenkten Fahnen und unter Trommelwirbel an diesem vorbei. Hoffmann war zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Jahr nicht mehr im Amt als Stadtbaurat der Stadt Berlin. Das Tor war aus Eisen geschmiedet und an beiden Seiten von Säulen gehalten, auf denen sich jeweils kniend und nackt die Gestalt des griechischen Todesgottes Thanatos auf eine gesenkte Fackel stützte.

Außerdem wurden die noch verbliebenen Grabsteine und -kreuze in der bis heute zu sehenden Weise an drei Seiten des Friedhofs angeordnet.

Während der Zeit des Faschismus wurde der Friedhof kaum beachtet und geriet in weiten Teilen der Bevölkerung in Vergessenheit. Eine öffentliche Ehrung der Gefallenen der Revolutionen konnte zu politischer Verfolgung führen.

 

Nach 1945:

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rückte auch der Friedhof wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein. Bereits 1947 erarbeitete der Berliner Magistrat einen Entwurf zur Gestaltung des 100. Jahrestages der Revolution und vor allem zur Umgestaltung des Friedhofs. Das Bezirksamt Friedrichshain schlug vor, die engen Wege des Friedhofes zugunsten eines zentralen Versammlungsplatzes zu beseitigen und im Zentrum einen Gedenkstein aufzustellen. Das geschmückte Tor nach Hoffmanns Vorlage existierte zu diesem Zeitpunkt noch und sollte bei dieser Umgestaltung durch eine schlichtere Variante ausgetauscht werden, stattdessen wurden jedoch erst nur die zierenden Figuren entfernt: „Lediglich das Eingangstor bedarf unter Fortfall seines wenig schönen figürlichen Schmuckes einer geringen Umgestaltung“.

Am 18. März 1948 wurde dann tatsächlich zu Beginn der Feierlichkeiten an zentraler Stelle der neue Gedenkstein enthüllt. Die Fläche war mit Rasen bepflanzt worden, und ein schmaler Weg führte zum Gedenkstein. Die Rückseite des Steines von Peter Steinhoff ist beschriftet mit den Namen von 249 Märzgefallenen von 1848.

Eine erneute Umgestaltung bekam der Friedhof in den Jahren 1956/57 in Vorbereitung auf den 40. Jahrestag der Novemberrevolution. Unter Leitung von Franz Kurth wurde der westliche Teil mit drei Grabplatten als Gedenksteine für die Opfer von 1918 ausgestattet. Auch das Tor wurde jetzt durch ein neues, vier Meter breites Eingangstor ersetzt, welches zur damaligen Leninallee wies. Im Jahr 1960 wurde direkt vor dem Eingang die von dem Berliner Bildhauer Hans Kies aus Bronze gefertigte Figur „Roter Matrose“ aufgestellt. Überlebensgroß stellt sie einen bewaffneten Matrosen der Novemberrevolution dar.

In der DDR fanden auf dem Friedhof alljährlich Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen statt.

 

Seit 1990:

Seit 1992 gibt es vom zuständigen Bezirksamt und der Initiative gemeinsam organisierte Gedenkfeiern, zu denen der Präsident oder die Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin traditionell einen Kranz niederlegt.

Der Friedhof der Märzgefallenen liegt im südlichen Teil des Volksparks Friedrichshain. Er ist vom Rest des Parks durch die Zufahrtsstraße zum Krankenhaus, den Ernst-Zinna-Weg, abgetrennt. Diese wurde am 18. März 2000 nach dem Schlossergesellen Ernst Zinna benannt, der am 19. März 1848 infolge der Kämpfe starb. Der Friedhof ist rechteckig, hat eine Größe von etwa 30 × 40 Metern und ist von einem niedrigen Steinmäuerchen umgeben. Vom ursprünglichen Bestand sind 18 steinerne Grabplatten, drei Grabkreuze aus Eisen, eine Stele und zwei Grabdenkmäler erhalten, die in den dreiseitig umlaufenden Beeten, die mit Büschen und Bäumen bepflanzt sind, angeordnet sind. Im Zentrum der Anlage steht der 1948 enthüllte Gedenkstein, dessen Rückseite 249 Namen von Märzgefallenen trägt, ergänzt durch den Zusatz „ein Unbekannter“. Einige der Namen auf den erhalten gebliebenen Grabsteinen weichen von denen auf dem Gedenkstein ab. Die drei Grabplatten für die Opfer der Novemberrevolution liegen im westlichen Teil der Anlage. Während der linke mit einem Spruch von Karl Liebknecht und der rechte mit einem Spruch von Walter Ulbricht versehen ist, trägt der mittlere 33 Namen von Opfern der Novemberrevolution, deren bekanntester Erich Habersaath ist, der als erstes Berliner Opfer der Novemberrevolution am 9. November 1918 erschossen wurde. Auf der südwestlichen Ecke des den Friedhof umgebenden Mäuerchens steht die Bronzeplastik des Roten Matrosen.

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Roter Matrose

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CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

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Inschrift auf dem Gedenkstein(Vorderseite)

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Von Frisia Orientalis – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel