Schlussbericht in der Strafsache Dorn Halle/Saale, den 22.06.1953

Inhaltsangabe und Auswertung von Petra Reichel

Die Behörden der DDR haben schnell gehandelt. Bereits am 22. Juni 1953 ist die Konsequenz aus der Befreiung am 17. Juni 1953 gezogen worden.

In diesem Dokument haben sich damals amtlicherseits Fehler eingeschlichen. Der Hinweis darauf, siehe Kursivschrift und farblich hervorgehoben.

Dorn, Erna, geboren am 17.07. 1911 in Tilsit
Beruf Kaufmännische Angestellte
Zuletzt Haftanstalt, Halle/Saale, Kleine Steinstraße als Vollzugshäftling
Seit dem 20.06.1953 in dieser Sache (Befreiung am 17.06.1953) in U-Haft beim Ministerium für Staatssicherheit

Die Beschuldigte wurde am 17.06.1953 durch terroristische Banden aus ihrer Haft in der Kleinen Steinstraße befreit. Nach ihrer Befreiung stellte sie sich in größere rebellische, aufständische Massen und hielt dort provozierende faschistische Reden und forderte den Sturz der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik

Verbrechen nach Artikel 6 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik in Verbindung mit Direktive 38 des Alliierten Kontrollrates Abschnitt II Artikel III A III.

 

Zur Person der Beschuldigten

Die Beschuldigte

DORN, Erna

 

stammt aus bürgerlichen Verhältnissen. Ihr Vater war während der faschistischen Gewaltherrschaft Agent der Gestapo. Sie besuchte acht Jahre die Vorstädtische Höhere   Mädchenschule in Tilsit.  Im Gerichtsurteil vom 21. Mai 1953 heißt es, dass Erna Dorn die Höhere Mädchenschule in Königsberg (heute Kaliningrad) besuchte. Nach ihrer Schulentlassung besuchte sie ½ Jahr eine Privatschule (hier ist nicht erwähnt, dass es die Kaufmännische Handelsschule war. Hier ein Zeitrahmen, während es diesen nicht im Gerichtsurteil ist. Nach einem halben Jahr kann sie die Schule nicht abgeschlossen haben.) und erlernte im Anschluss bei der Industrie und Handelskammer in Königsberg (heute Kaliningrad) den Kaufmannsberuf

Im Jahre 1934 fing sie als Polizei-Angehörige in dem Polizeipräsidium in Königsberg an zu arbeiten und kam im Jahre 1934 zur Gestapo. Im Gerichtsurteil vom 21. Mai 1953 steht, dass sie 1936 zur Gestapo kam. Bis 1941 war sie bei der Gestapo im Ermittlungsdienst tätig, und wurde 1941 nach dem KZ Ravensbrück als politische Leiterin versetzt, wo sie bis zum Zusammenbruch 1945 tätig war. Im Ermittlungsdienst war sie bereits bei der Polizei tätig. Die Versetzung ins KZ Lobositz im Jahre 1944 wird nicht erwähnt und es ist vom Dienst im KZ Ravensbrück bis 1945 die Rede

Von 1945 bis 1951 treib sie sich in Halle unter einem falschen Namen umher und lebte von Hehlereien und Schiebereien. Dass sie nach 1949 als Arbeiterin tätig war, wird hier nicht erwähnt. 1951 wurde sie von den Sicherheitsorganen der Deutschen Demokratischen Republik gestellt und wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit mit 15 Jahren Zuchthaus bestraft.                                                                                                  Politisch organisiert war die Beschuldigte 1934 bis 1945 in der NSDAP, nach 1945 bis 1951 KPD/SED und war Mitglied der VVN. (Das genaue Gegenteil. Wie es dazu kam im weiteren Text.)

Wesentliches Ermittlungsergebnis:

Seit der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus haben sich auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik grundlegende politische und wirtschaftliche Veränderungen vollzogen.                                                                                                                 Die von imperialistischer  Knechtschaft befreite Deutsche Demokratische Republik steht im Lager des Friedens und der Demokratie und bildet die Basis im nationalen Kampf des deutschen Volkes für ein einheitliches, demokratisches, friedliebendes Deutschland

Während es in den Überresten des Hitlerfaschismus, den Großkapitalisten und Junkern durch die westlichen Okkupanten ermöglicht wurde, ihre Macht im Westen unserer Heimat wieder zu errichten, revangelüstern die Remilitarisierung und eine Politik der Vertiefung der Spaltung Deutschlands betreiben, entwickelte sich in der Deutschen Demokratischen Republik die antifaschistische-demokratische Ordnung

Die dabei erzielten Erfolge führten zu einer ständigen Aufwärtsentwicklung und bestätigten die Richtigkeit der Politik der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik. Verzweifelt versuchen daher reaktionäre Elemente und Vaterlandsverräter gegen diese Entwicklung anzukämpfen und die Voraussetzung zur Wiedererlangung ihrer Machtposition zu schaffen.

Zu diesen verbrecherischen Elementen gehört die Beschuldigte DORN.

Schon in ihrer frühen Jugend begann sie ihre verbrecherische Laufbahn bei der Gestapo. Von 1933 bis 1941 verfolgte sie fortschrittliche, friedliebende Menschen im Dienst der Gestapo und lieferte sie der faschistischen Gewaltherrschaft aus, welche in den Konzentrationslagern zugrunde gingen. Hier ist niedergeschrieben, dass sie von1933 an bei der Gestapo war und nicht erst seit 1936. Ihre Arbeit beschränkte sich vorwiegend auf Verfolgung von KPD-Mitgliedern. Auf Grund der guten Arbeit bei der Gestapo wurde sie 1941 in das Konzentrationslager Ravensbrück versetzt. Dort führte sie die Funktion als politische Leiterin aus. Im Konzentrationslager maßregelte und misshandelte sie politische Gefangene

Nach 1945 kam sie aus Westdeutschland in die damalige sowjetische Besatzungszone und tauchte unter falschem Namen in Halle unter. Sie erschlich sich die Mitgliedschaft der KPD undSED, um als getarnte Faschistin ihre verbrecherische Tätigkeit weiterzuführen. Im Jahre 1951 wurde sie auf Grund ihrer kriminellen Umtriebe festgenommen und als Kommandeuse des Konzentrationslagers Ravensbrück erkannt.

Die DORN wurde im März 1953 zu fünfzehn Jahren Zuchthaus wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, und befand sich zu dieser Zeit in der Untersuchungs-Haftanstalt in Halle/Kleine Steinstraße.

Der von verbrecherischen Elementen und Agenten am 17.06.1953 hervorgebrachte Putsch in Halle ging dazu über, alle verbrecherischen Elemente aus dem Zuchthaus zu befreien. Durch Mord und Terror dieser Provokateure und Agenten wurde die Beschuldigte am 17.06.1953 aus ihrer Haft befreit.

Nach ihrer Befreiung durch verbrecherische Elemente verleumdete und beschimpfte sie die Volkspolizei und ging auf den Hallmarkt in Halle/Saale und sprach dort vor Tausenden aufständischen Rebellen.

In ihrer Ansprache gegrüßte sie eine Revolution (wurde damals amtlich so geschrieben, gemeint ist eine Konterrevolution) zum Sturm der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, um die faschistische Gewaltherrschaft in der Deutschen Demokratischen Republik wiederherzustellen.

Während ihrer Haftzeit stand sie mit ihrem Vater, welcher Agent in Westdeutschland ist, in Verbindung und erhielt durch Mittelmänner Post in die Haftanstalt, worin ihr Vater ihr mitteilte, dass sie bald befreit wird und der Tag „X“ nahe ist. Diese Befreiung sollte von einer westlichen Agentenzentrale in Verbindung mit der„Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit“ durchgeführt werden.

Die Beschuldigte wurde am 18.06.1953 erneut in Haft genommen und ist überführt und geständig, die ihr zur Last gelegten Verbrechen begangen zu haben.

Im Kampf um die Erhaltung des Friedens und die Schaffung eines einheitlichen, friedliebenden Deutschlands hat das Verbrechen der Beschuldigten eine besondere Bedeutung.

Während die werktätige Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik unermüdlich für die Wiedervereinigung Deutschlands kämpft, wurde die Beschuldigte erneut zur Verräterin an den nationalen Interessen unseres Volkes.  Sie leistete den Imperialisten bei ihrer verbrecherischen Kriegspolitik bewusst Vorschub.

Ihr begangenes Verbrechen an den friedliebenden Massen der Deutschen Demokratischen Republik hatte zu dieser Zeit eine besondere Bedeutung, indem sie die Bevölkerung aufforderte, und einen neuen Krieg und Blutvergießen heraufbeschwören wollte.

Die Beschuldigte ist nach den vorstehenden Darlegungen mit den schärfsten Maßnahmen der demokratischen Gesetzlichkeit zur Rechenschaft zu ziehen. Man ist dem Gericht nicht zuvorgekommen und hat sich auf kein Strafmaß festgelegt.

Beweismittel:

  1. Eigene Einlassung der Beschuldigten.
  2. Brief an ihren Vater nach Westdeutschland

 

 

 

Hier das Dokument als PDF-Datei:

Schlussbericht Erna Dorn

 

Dokument entnommen aus der MfS-Mediathek der BStU