Friedrich Ebert

Friedrich Ebert wurde am 04. Februar 1871 in Heidelberg geboren und ist am 28. Februar 1925 in Berlin gestorben. Er ist als sozialdemokratischer Politiker und Reichspräsident der Weimarer Republik bekannt.

Friedrich Ebert

Reichspräsident Friedrich Ebert(1923)

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 102-00015 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478595

 

 

Zwischen 1885 und 1888 lernte er das Handwerk des Sattlers. In der Gewerbeschule hat Ebert so großen Eindruck auf einen der Lehrer gemacht, dass dieser gar zu einem Studium riet. Jedoch legte er nie die Gesellenprüfung ab. Anschließend begab sich Ebert zwischen 1888 und 1891 auf Wanderschaft. Er bereiste dabei vor allem das südliche und westliche Deutschland. Stationen waren unter anderem Karlsruhe, München, Mannheim, Kassel, Hannover, Braunschweig, Elberfeld (heute zu Wuppertal), Remscheid, Quakenbrück und Bremen.

Friedrich Ebert als Lehrling

Friedrich Ebert (Kreuz) als Sattler-Lehrling, 1885

Von Bundesarchiv, Bild 102-00605A / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478996

 

Nach seinem Eintritt in Partei und Gewerkschaft war er als Agitator(Öffentlichkeitsarbeit) und Organisator tätig. So wurde er 1889 Schriftführer des Sattlerverbandes in Hannover. In Städten, in denen er im Verlauf seiner Wanderschaft keine Zweigstellen vorfand, hat Ebert diese gegründet. In Kassel organisierte er einen erfolgreichen Arbeitskampf. Er wurde nicht nur vom Staat im Rahmen des Sozialistengesetzes, bis zu dessen Aufhebung 1890, beobachtet, sondern wurde von den Arbeitgebern als unliebsamer Agitator auf „Schwarze Listen“ gesetzt.

Im März 1893 erhielt Ebert eine Festanstellung als Redakteur bei der „Bremer Bürger-Zeitung“, der Zeitung der Bremer SPD. Im folgenden Jahr schied er wieder aus der Redaktion aus und übernahm in der Brautstraße im Stadtteil Neustadt die Gastwirtschaft „Zur guten Hilfe“ als Pächter. Geschätzt hat er diese Tätigkeit nicht und hat sie später in offiziellen Lebensläufen nicht angegeben. Seine politischen Gegner versuchten daraus Kapital zu schlagen.

Politisch war die Wirtschaft ein Treffpunkt für Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Materiell erlaubte der Betrieb Ebert im Mai 1894 die Heirat mit Louise Rump (1873–1955) und die Gründung einer Familie. Die Eheleute hatten vier Söhne und die Tochter Amalie (1900–1931). Die Söhne Georg (1896–1917) und Heinrich (1897–1917) fielen im Ersten Weltkrieg. Der älteste Sohn Friedrich (1894–1979) war ebenfalls politisch aktiv (zunächst für die SPD, später als SED-Politiker) und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Oberbürgermeister in Berlin/DDR. Karl (1899–1975) war von 1946 bis 1964 Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg für die SPD.[5] Heinrich Jaenecke (1928–2014), Sohn seiner Tochter Amalie, war als Journalist, Publizist und Historiker tätig.

Wegen seiner zahlreichen Reden für Partei und Gewerkschaften schätzte ihn die Polizeibehörde bereits 1891 als eifrigsten Agitator in Bremen ein. Seine Reden basierten dabei auf gründlichen Recherchen, zeichneten sich aber auch durch Scharfzüngigkeit und Ironie aus. Allerdings kam es auch vor, dass er in Diskussionen die Beherrschung verlor, und Kritiker warfen ihm ein arrogantes Auftreten vor.

Im Jahr 1892 legte Ebert eine Untersuchung über die „Lage der Arbeiter im Bremer Bäckergewerbe“ vor. Ein Jahr später wurde er Mitglied der Pressekommission der Partei für die Bremer Bürgerzeitung. Im März 1894 wurde er Parteivorsitzender in Bremen und behielt diese Position bis 1895. In den Wahlkämpfen zur Bremischen Bürgerschaft war Ebert seit 1896 für die SPD führend beteiligt. Im selben Jahr war er erstmals Delegierter auf einem Reichsparteitag der SPD. Im Jahr 1897 wurde Ebert verantwortlich für die Agitation im ländlichen Umland Bremens. In dieser Position kandidierte er 1898 in dem sicheren Zentrumswahlkreis Vechta erstmals für den Reichstag, blieb aber ohne Erfolg. Seit 1902 wurde Ebert erneut Mitglied im Parteivorstand von Bremen.

Im Laufe der Zeit wurde die Sozialpolitik zumeigentlichen Schwerpunkt von Eberts politischer Tätigkeit. Sein Gasthaus wurde eine Anlaufstelle für Ratsuchende. Dadurch wurde er mit den Nöten der Arbeiterbevölkerung vertraut, die ihn intensiv beschäftigten. Um die konkreten Probleme zu lösen, hielt Ebert staatliche Hilfen für unerlässlich. Hieraus ergab sich seine politische Zuordnung: Wichtiger als die Hoffnung auf den Zusammenbruch des Kapitalismus oder als Theoriedebatten über Wirtschaft und Gesellschaft wurde für ihn die Bekämpfung aktueller sozialer Missstände. Der Gewinn von Wahlen war für Ebert das zentrale Mittel, um die herrschenden Schichten zu Veränderungen zu bewegen. Die Mitarbeit in den Parlamenten mit dem Ziel, für die arbeitende Bevölkerung Verbesserungen zu erzielen, machte die Suche nach Kompromissen mit anderen politischen Parteien nötig, bedeutete aber auch eine gewisse Anerkennung des bestehenden Systems. Diese Reformpolitik ist uns auch heutzutage wohlbekannt.

Bei Ebert dominierte nicht die politische, sondern die gewerkschaftliche Arbeit. Er blieb Vorsitzender des Sattlerverbandes in Bremen und war führend im örtlichen Gewerkschaftskartell tätig. Die von Ebert in seiner Gastwirtschaft geleistete ehrenamtliche soziale und rechtliche Beratertätigkeit wurde sehr umfangreich, und in den Bremer Gewerkschaften entstand die Idee, diese Tätigkeit durch die Anstellung eines Arbeitersekretärs zu professionalisieren. Beschlüsse dazu gab es bereits seit 1897, sie scheiterten aber zunächst am Widerstand der Einzelgewerkschaften, einen großen Teil ihrer Mitgliedsbeiträge für diesen Zweck abzuführen. Erst im Jahr 1900 wurde Ebert als Arbeitersekretär eingestellt. Dies ermöglichte ihm, die wenig geliebte Gastwirtschaft aufzugeben. In einer längeren Studienreise, die ihn unter anderem nach Nürnberg und Frankfurt am Main führte, machte sich Ebert mit seiner neuen Aufgabe vertraut. Er selbst verfasste danach nach dem Nürnberger Vorbild ein für das Bremer Sekretariat geltendes Regulativ, das unter anderem vorsah, nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern alle Ratsuchenden zu beraten.

Als sich herausstellte, dass Ebert die Aufgaben nicht allein bewältigen konnte, wurde im Jahre 1900 Hermann Müller als weiterer Sekretär eingestellt. Neben der Beratungstätigkeit nahmen die Sekretäre auch statistische Untersuchungen zur sozialen Lage in Bremen vor. Damit füllten Müller und Ebert eine Lücke, weil das statistische Büro der Stadt Bremen damals keine vergleichbaren Daten veröffentlichte. Erwähnenswert ist dabei die Arbeit „Ergebnis einer statistischen Erhebung über die Lebensverhältnisse der bremischen Arbeiter“ von 1902 mit Daten zu den Arbeits-, Lohn- und Wohnverhältnissen in der Hansestadt. In der Folge begannen auch die städtischen Behörden entsprechende Statistiken zu veröffentlichen.

Trotz des für die Sozialdemokraten sehr hinderlichen Achtklassenwahlrechts gelang es Ebert, mit großer Mehrheit in einer Nachwahl im Dezember 1899 in die Bremische Bürgerschaft gewählt zu werden, der er bis 1905 angehörte. Obwohl er neu im Stadtparlament war, wurde er von der erstmals gebildeten Fraktion seiner Partei zum Vorsitzenden gewählt. Er konzentrierte sich im Parlament auf die Sozial- und Wirtschaftspolitik, kümmerte sich aber auch um verfassungsrechtliche Probleme. Er gehörte mehreren Kommissionen und Deputationen an. Auf Grund der besonderen Struktur der bremischen Verfassung konnte die Fraktion nur wenige Anträge durchbringen. Dies war ein Grund, die liberale Vorherrschaft als „Klassenherrschaft“ scharf anzugreifen. Der Kurs der Fraktion unter Eberts Leitung war gekennzeichnet einerseits von konstruktiver Mitarbeit, andererseits aber von grundlegender Kritik und der Forderung nach Verfassungsreformen.

Zunächst vertrat Ebert marxistische Positionen, rückte aber später davon ab.  Näheres siehe Wikipedia.

Allmählich wurde Ebert innerhalb der SPD überregional bekannt. Er betätigte sich als Parteiorganisator und war Verbindungsmann der SPD zur Generalkommission der Gewerkschaften. Die Verwobenheit der Gewerkschaften mit der SPD ist uns ja auch heutzutage bekannt. Ebert knüpfte auch Kontakte ins Ausland, aber internationale Beziehungen und außenpolitische Fragen blieben für Ebert Randthemen.

Nach dem Tod Paul Singers 1911 wählte der SPD-Parteitag in Jena im September 1911 Hugo Haase in einer Kampfabstimmung gegen Ebert zum Mitvorsitzenden der SPD, neben dem langjährigen Vorsitzenden August Bebel. Nach anderen Angaben zog Ebert seine Kandidatur kurz vor dem Wahlgang zurück und empfahl selbst die Wahl Haases, bekam aber dennoch bei der Wahl 102 Stimmen.

Im Jahr 1912 kandidierte Ebert im Reichstagswahlkreis Elberfeld-Barmen. Bemerkenswert daran ist, dass die dortige Partei eher links eingestellt war. Dies deutet darauf hin, dass Ebert nicht als Reformist oder Revisionist, sondern als Mann des Ausgleichs und Wahrer der Parteieinheit angesehen wurde. Ebert trat dabei nicht in einem für die Partei sicheren Wahlkreis an. Trotz erheblicher Anstrengungen gelang es ihm nicht, das Mandat im ersten Wahlgang zu erringen, sondern erst per Stichwahl. In den folgenden Jahren hielt er engen Kontakt mit seinem Wahlkreis und setzte sich für ihn im Reichstag ein.

Die SPD-Fraktion war 1912 mit 110 Abgeordneten die stärkste politische Kraft im Reichstag geworden. Obwohl Ebert neu war, wurde er in den siebenköpfigen Fraktionsvorstand gewählt. Im Plenum konzentrierte sich Ebert auf die Sozialpolitik und die Besoldungsfrage. Insgesamt sprach er nur selten im Parlament und nie zu öffentlichkeitswirksamen Streitfragen.

Nach dem Tod von August Bebel 1913 war Ebert wegen seiner Arbeit in Partei und Fraktion, seinen engen Beziehungen zu den Gewerkschaften und den Gliederungen der Partei Favorit für dessen Nachfolge. Mit 433 von 473 Stimmen wurde er am 20. September 1913 auf dem SPD-Parteitag in Jena neben Haase zum Vorsitzenden gewählt. Seine Hauptaufgabe sah er darin, die auseinanderstrebenden Flügel zusammenzuhalten. Auch weiterhin waren ihm die konkreten kleinen Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen wichtiger, als die ideologischen Auseinandersetzungen. Alles auch heutzutage wohlbekannt.

1914 erfolgte mit dem Attentat von  Sarajevo der Anlass für den I. Weltkrieg. Ebert reiste  zusammen mit Otto Braun nach Zürich, um im Fall eines SPD-Verbots eine Auslandsleitung aufzubauen und die Parteikasse in Sicherheit zu bringen. Ebert blieb nicht in der Schweiz und war am 4. August wieder in Berlin. Damit hatte er den am Vortag gefassten Beschluss in der Reichstagsfraktion zur Bewilligung von Kriegskrediten verpasst.

In Deutschland, wie fast überall in Europa ist die Ablehnung des Krieges in begeisterte Zustimmung umgeschlagen. Die Propaganda hat ganze Arbeit geleistet. Auch fast alle Arbeiterparteien in Europa glaubten der Propaganda und ordneten ihre eignen Grundsätze der „nationalen Einheit“ unter. Charakteristisch dafür war der Satz, mit dem die SPD-Fraktion im Reichstag am 4. August 1914 ihre Zustimmung begründete: „Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich.“

Trotz seiner Haltung zu den Kriegskrediten versuchte Ebert in der Folgezeit zunächst, die bedrohte Parteieinheit aufrechtzuerhalten und machte dabei auch Zugeständnisse an die Kritiker des Kriegskurses. Als im Dezember 1914, nach der Marneschlacht und dem Scheitern der deutschen Kriegsplanung gegen Frankreich, eine weitere Bewilligung von Kriegskrediten anstand, gelang es Ebert noch einmal, die Fraktionsmitglieder auf seine Linie einzuschwören. Lediglich Karl Liebknecht verweigerte seine Zustimmung.

Auf der parlamentarischen Ebene kam es seit September 1918 zu neuen Bemühungen um eine Parlamentarisierung des Reiches und ein rasches Kriegsende. Am 12. September machte Ebert deutlich, dass die SPD die Regierung Hertling wegen ihrer Unterordnung unter die OHL nicht unterstützen würde. Grundsätzlich zeigte sich die SPD bereit, nunmehr in die Regierung einzutreten. Dabei machte sie unter anderem zur Bedingung, dass keine Allparteienkoalition gebildet werde, sondern strebte eine Regierung aus den im interfraktionellen Ausschuss vertretenen Parteien an. Diese Regierung sollte sich dabei auf einen raschen Friedensschluss und innenpolitische Reformen festlegen. Damit verband Ebert die Hoffnung, auf diese Weise eine drohende Revolution noch abwenden zu können.

Letztlich setzten sich Ebert und Scheidemann mit diesem Kurs durch. Diese neue Regierung wurde unter Prinz Max von Baden gebildet. Gelingen konnte dies nicht zuletzt, weil die OHL selbst auf eine Parlamentarisierung drängte. Grund dafür war, dass die Niederlage der deutschen Streitkräfte.

Im Reich kam es formell am 28. Oktober 1918 mit der Änderung der Verfassung zu einer Parlamentarisierung. Bereits vorher waren Philipp Scheidemann und Gustav Bauer in die neue Regierung eingetreten. In Preußen kamen die Wahlrechtsreformen aber nicht voran und auch Verhandlungen über einen Waffenstillstand verzögerten sich. Ebert hatte sich während des Krieges vom Republikaner zu einem Vernunftmonarchisten gewandelt, weil er meinte, dass ein abruptes Ende der Monarchie von einem Großteil der Bürger nicht mitgetragen werden könnte. Grundsätzlich wollte Ebert auch nach Umwandlung der Staatsform in ein parlamentarisches System den Monarchen behalten und strebte eine parlamentarische Monarchie an. Noch am 6. November drängte er vor dem Hintergrund der beginnenden Revolution auf einen Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. und des Kronprinzen zu Gunsten eines anderen Mitglieds der Hohenzollernfamilie.

Als die OHL unter Wilhelm Groener die Beteiligung an einem solchen Plan verweigerte, stellte die SPD ihre Forderungen am 7. November ultimativ. Auf diese Weise versuchte sich die Partei an die Spitze der Volksbewegung zu stellen, die die Abdankung von Kaiser und Kronprinz forderte. Ebert machte in Gesprächen unter anderem mit Max von Baden deutlich, dass die SPD den politischen Führungsanspruch gerade deshalb erhebe, um eine revolutionäre Umsturzbewegung zu verhindern. In diesem Zusammenhang sagte Ebert Max von Baden zufolge: „Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich will sie aber nicht, ja ich hasse sie wie die Pest.“

Nach dem Kieler Matrosenaufstand kam es zu Entwaffnungen, Rathausbesetzungen, Massendemonstrationen und Verbrüderungen von Arbeitern und desertierten Soldaten im ganzen Reich. Die Novemberrevolution griff in wenigen Tagen auf alle deutschen Städte über. In Eberts Auftrag reiste Gustav Noske nach Kiel, um dort die Revolution einzudämmen.

Am 9. November 1918 begann in Berlin ein politischer Generalstreik, zu dem die SPD mit aufgerufen hatte. Daraufhin übertrug Prinz Max von Baden eigenmächtig das Amt des Reichskanzlers auf Ebert, der in den Kriegsjahren zu einem Politiker von nationaler Bedeutung aufgestiegen war. Zugleich verkündete der Prinz die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. ohne dessen Zustimmung und ohne Rückhalt in der Verfassung. Scheidemann rief von einem Fenster des Reichstages aus öffentlich die Republik aus und verkündete, Ebert sei ihr Reichskanzler. Dies geschah gegen Eberts Willen, der die Kontinuität zum Kaiserreich wahren wollte, bis eine verfassungsgebende Versammlung zwischen Monarchie oder Republik entscheiden würde. Der Kaiser floh in die Niederlande.

Ebert stellte sich an die Spitze der Revolution, um sie in parlamentarische Bahnen zu lenken und eine Entwicklung analog zur russischen Oktoberrevolution zu verhindern. Er berief weitere Sozialdemokraten ins Kabinett und bemühte sich zugleich, die USPD mit in die Regierung einzubinden, um ihre Legitimationsbasis gegenüber den sich überall bildenden Arbeiter- und Soldatenräten zu vergrößern. Da die Räte in Kiel, Berlin und anderswo auf eine Einigung der beiden sozialdemokratischen Parteien drängten, sah sich die USPD-Führung um Haase nach kontroverser Debatte gezwungen, Eberts Verlangen zu entsprechen. SPD und USPD einigten sich am 10. November auf die Bildung eines paritätisch besetzten Rates der Volksbeauftragten.

Ebert begriff die von ihm geleitete Regierung als Provisorium, das als Konkursverwalter des Alten galt und als Übergang bis eine neue Regierung aufgrund bürgerlich-demokratischer Wahlen gebildet wurde. Ebert lehnte eine sozialistische Revolution, wie in Russland ab. Um einer derartigen Entwicklung in Deutschland entgegenzuwirken, wollte Ebert die Revolution beenden und schnellstmöglichst Wahlen zu einer Nationalversammlung einleiten.

Ebert gab am 08. Januar 1919 dem Militär den Befehl den Spartakusaufstand niederzuschlagen.

Ebert wollte im Bündnis mit der Obersten Heeresleitung die Revolution eindämmen. Am 10. Januar rückten die von Noske um Berlin zusammengezogenen Freikorps in die Stadt ein. Damit war die Novemberrevolution, die Ebert zur Kanzlerschaft verholfen hatte, praktisch beendet und eine Vorentscheidung über die Art der Weimarer Verfassung gefallen.

Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet.  In den folgenden Monaten wurden die übrigen Versuche, in deutschen Großstädten ein Rätesystem zu etablieren, ebenfalls militärisch niedergeschlagen.

Am 19. Januar 1919 fand die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung statt. Die SPD wurde mit 37,90 % zwar stärkste Partei, blieb aber bis zum Ende der Weimarer Republik auf Koalitionen mit der Zentrumspartei und den Liberalen angewiesen. Die ab dem 6. Februar in Weimar tagende Nationalversammlung wählte Ebert am 11. Februar 1919 zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik.

Eberts Präsidentschaft war kontinuierlich begleitet von hämischen Polemiken von deutschnationalen oder kommunistischen Publizisten und Politikern.  Ihren Anfang nahm die Kampagne am 16. Juli 1919, als Ebert und Reichswehrminister Noske ein Kindererholungsheim der Hamburger Konsumgenossenschaft Produktion in Haffkrug besuchten und sich beim Baden in der Ostsee fotografieren ließen.  Damals waren auch für Männer Badeanzüge üblich und Badehosen galten als ungehörig. So sorgte dieses Foto für Aufsehen und war oft Anlass für Satire und Vorlage für Karikaturen. Siehe auch den Beitrag über Gustav Noske.

(…. Die Karriere von Friedrich Ebert in den 1920er Jahren wird später beschrieben, wenn sich DIE TROMMLER mit dieser Zeit befasst. …)

Ebert wurde in seiner Heimatstadt auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt. Die „außergewöhnlich großflächig angelegte, eines Staatsmannes würdige“ Grabanlage befindet sich in der Abteilung V neu und umfasst den Bereich 84/84 A, B, C, D, E, F, G und H sowie den Bereich 85/85 A, B, und C.

die grabanlage des reichspräsidenten friedrich ebert auf dem heidelberger bergfriedhof (abt. v neu)

Die Grabanlage des Reichspräsidenten Friedrich Ebert auf dem Heidelberger Bergfriedhof (Abt. V neu)

Bildquelle: Von Ramessos – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5519383

 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

 

 

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Philipp Scheidemann

Philipp Scheidemann wurde am 26. Juli 1865 in Kassel geboren und ist am 29. November 1939 in Kopenhagen gestorben.  Er ist als sozialdemokratischer Politiker bekannt.

Phillipp Scheidemann

Philipp Scheidemann 1918

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 146-1970-051-17 / Grohs (Groß), Alfred / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5482548

 

Bereits 1883 war Scheidemann als überzeugter Sozialist in die wegen Bismarcks Sozialistengesetzen verbotene SPD eingetreten. Dazu hatte er sich dem freigewerkschaftlichen Buchdruckerverband angeschlossen. Zwischen 1888 und 1895 war er ehrenamtlicher Gauvorstand des Buchdruckerverbands in Marburg. Dort bildete er sich teilweise auch an der Universität fort. Der dort lehrende Philosoph Hermann Cohen soll ihn dabei nachhaltig beeindruckt haben.

1889 heiratete Scheidemann in Kassel Johanna Dibbern (1864–1926). Aus dieser Ehe gingen die Töchter Lina (1889–1933), Liese (1891–1955) und Hedwig (1893–1935) hervor.

Ab 1895 gab er seinen erlernten Beruf auf und wurde für verschiedene sozialdemokratische Zeitungen tätig. Zunächst arbeitete er als Redakteur für die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ in Gießen, ab 1900 für die „Fränkische Tagespost“ in Nürnberg, von 1902 an für das „Offenbacher Abendblatt“ (Offenbach am Main) und schließlich seit 1905 für das „Casseler Volksblatt“ in seiner Heimatstadt.

Neben politischen Artikeln veröffentlichte Scheidemann dort unter dem Pseudonym „Henner Piffendeckel“ sonntäglich ab 1909 auch „Mundartliche Geschichderchen“. Zudem publizierte er mehrere Bücher in Kasselänerisch (Kasseler Mundart).

Bei der Reichstagswahl 1903 zog Scheidemann erstmals in den Reichstag des Kaiserreichs ein. Bei den Reichstagswahlen im Januar 1907 und im Januar 1912 wurde er wiedergewählt. Von 1906 bis 1911 nahm er zudem ein Mandat als Stadtverordneter seiner Heimatstadt Kassel wahr. Als er 1911 in den Parteivorstand gewählt wurde, dem er bis 1918 angehörte, legte er sein kommunales Mandat nieder, weil die Wahl mit dem Umzug nach Berlin verbunden war. Nach dem Tod von August Bebel(1913) übernahm Scheidemann gemeinsam mit Hugo Haase den Vorsitz der SPD-Fraktion. Diesen Posten bekleidete er bis 1918.  Als erster Sozialdemokrat wurde Scheidemann 1912 zu einem der Vizepräsidenten des Reichstages gewählt. Da er aber den Antrittsbesuch beim Kaiser verweigerte, konnte er das Amt nicht antreten. Erst von Juni bis Oktober 1918 übte er das Amt tatsächlich aus.

Während des Ersten Weltkriegs war Scheidemann Vertreter einer mittleren Linie zwischen dem rechten und linken Parteiflügel. Grundsätzlich unterstützte er die Bewilligung der Kriegskredite. Aber Scheidemann wandte sich gegen die Propaganda für einen Siegfrieden und trat für einen Verständigungsfrieden ohne Annexionen ein. Seine Äußerung „Was französisch ist, soll französisch bleiben, was belgisch ist, soll belgisch bleiben, was deutsch ist, soll deutsch bleiben“ wurde von militaristisch-nationalistischen Kreisen als Hochverrat bezeichnet. Insbesondere Vertreter der Vaterlandspartei kündigten an, dass sie Scheidemann „aufhängen“ wollten.

Bereits im Januar 1915 hatte Scheidemann sich über Elemente in der SPD empört, die das Wort Vaterland nicht hören könnten. Vorangegangen war der demonstrative Bruch der Fraktionsdisziplin durch Karl Liebknecht, dessen Verteidigung durch Haase und zahlreiche Sympathiebekundungen dafür aus der eigenen Partei. Das Konzept eines Verständigungsfriedens („Scheidemannplan“) konnte den Bruch und die Entstehung der USPD nicht mehr verhindern. Auch die Solinger SPD-Wahlkreisorganisation trat zur USPD über und forderte Scheidemann – ohne Erfolg – auf das Reichstagsmandat niederzulegen. Seit Oktober 1917 (Würzburger Parteitag, 14.–20. Oktober) war Scheidemann neben Friedrich Ebert Parteivorsitzender der SPD.

Angesichts der kriegsbedingten Verschärfung der sozialen Not der Arbeiterschaft drängte die SPD seit Anfang 1917 vehement auf die Einlösung der politischen Neuordnungsversprechen.  Scheidemann, Conrad Haußmann und Gustav Stresemann begannen Verhandlungen zur Bildung einer „linken“ Parlamentsmehrheit mit dem Ziel eine parlamentarischen(bürgerlichen)Demokratie im Deutschen Reich einzuführen.  Scheidemann kam den bürgerlichen Parteien entgegen, als er bereit war rückwärts zu gehen und die Meinung vertrat, dass er sich ein parlamentarisches System notfalls mit einem Monarchen an der Spitze vorstellen könnte.

Um einen Systemwechsel hin zum Sozialismus zu verhindern, traten Scheidemann, Ebert und Otto Braun bei den Januarstreiks 1918 in die Streikleitungen ein.  Dies brachte ihnen den Hass der politischen Rechten ein, denn diese hatte nicht erfasst, dass es sich dabei um ein typisch sozialdemokratisch-verräterisches Täuschungsmanöver handelte.

Am Sturz der Regierung Hertling war Scheidemann als Fraktionsvorsitzender und führende Person seiner Partei im interfraktionellen Ausschuss nicht unwesentlich beteiligt. Über das weitere Vorgehen gab es zwischen ihm und Ebert indes unterschiedliche Meinungen. Als Politiker der Fortschrittlichen Reichspartei den Prinzen Max von Baden als Reichskanzler ins Gespräch brachten, meinte Scheidemann, den Sozialdemokraten könne nicht zugemutet werden, einen Prinzen an die Spitze der Regierung zu stellen. Auch der Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten „im Augenblick der schlimmsten Verhältnisse“ stand Scheidemann noch am 3. Oktober 1918 ablehnend gegenüber. Es war Friedrich Ebert, der die Mehrheit der Fraktion schließlich dazu brachte, dem Eintritt der SPD in das Kabinett zuzustimmen.

brief max von baden oktober 1918quelle brief max von baden oktober 1918

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Trotz seiner Vorbehalte wurde Scheidemann wie andere führende Politiker der Parlamentsmehrheit Staatssekretär ohne Portefeuille. Diese waren die eigentlichen politischen Entscheidungsträger, während Max von Baden im Wesentlichen die Repräsentation nach außen blieb. Scheidemann veranlasste als Regierungsmitglied eine Amnestie politischer Gefangener. Insbesondere setzte er persönlich gegen den Widerstand von Kriegsministerium und Militärgerichtsbarkeit, wie auch gegen die Bedenken des Reichskanzlers, die Freilassung von Karl Liebknecht durch.

Angesichts des bevorstehenden militärischen Zusammenbruchs und der drohenden revolutionären Entwicklung erklärte Scheidemann am 5. November 1918, er hoffe, dass die Front gehalten werden könne. Der Bolschewismus erscheine ihm als größere Gefahr als der äußere Feind. Damit stimmte er mit der Obersten Heeresleitung überein.

Im Gegensatz zum Militär war Scheidemann zu der Ansicht gelangt, dass ein erfolgreicher Kampf gegen die konsequente Linke(als extrem Linke bezeichnet) nur bei Abdankung des Kaisers möglich sei. Die grundsätzliche Frage Monarchie oder Republik stellten Ebert und Scheidemann jedoch fürs Erste zurück. Den Kurs der Partei hatte Scheidemann schon am 6. November formuliert:Jetzt heißt es sich an die Spitze der Bewegung zu stellen, sonst gibt es doch anarchistische Zustände im Reich.“Die SPD-Fraktion machte mit einem Ultimatum Druck und konnte unter anderem noch durchsetzen, dass Preußen ein Parlament bekam, ohne damit die Revolution in Berlin aufhalten zu können.

Tatsächlich schaffte es die SPD, sich am 9. November an die Spitze der Bewegung zu stellen, als sie den Generalstreik ausrief. Scheidemann erklärte um 10 Uhr den Rücktritt als Staatssekretär. Nachdem bereits erste Verhandlungen zur Bildung einer Regierung mit der USPD vorangegangen waren, trat Scheidemann am frühen Nachmittag auf den Balkon des Reichstags und rief von dort aus die Republik aus. In den 100-Jahr-Feiern ist immer von diesem Ausruf der Republik die Rede und nicht die von Karl Liebknecht. Dies geschah, ohne dass Friedrich Ebert, der inzwischen von Max von Baden zum Reichskanzler erklärt worden war, diesen Schritt autorisiert hätte. Ebert wollte die Entscheidung über die Staatsform einer Nationalversammlung überlassen.

Für Scheidemann war klar, dass die Legitimierung der neuen Führung allein durch die Erklärung Max von Badens nicht ausreichend sein konnte. Vor allem die demonstrierenden Arbeiter und Soldaten erwarteten einen demonstrativen Bruch mit dem bisherigen System. Für die zukünftige Entwicklung war es von großer Bedeutung, wer zuerst das Ende der Monarchie ausrief und den zukünftigen Weg skizzierte.

 „Liebknecht will die Sowjetrepublik ausrufen. Was, nun sah ich die Situation klar vor Augen. Deutschland eine russische Provinz? Eine Sowjetfiliale? Nein! Tausendmal nein! Kein Zweifel, wer jetzt die Massen vom Schloß her bolschewistisch oder vom Reichstag zum Schloß hin sozialdemokratisch in Bewegung bringt, der hat gesiegt.“

Scheidemann trat also gegen 14 Uhr auf den Balkon des Reichstags. Seine Worte „Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt“ sowie „Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen! Es lebe das Neue; es lebe die deutsche Republik!“ trafen die Stimmung der Zuhörer und entfalteten die gewünschte Symbolwirkung. Dagegen kam Karl Liebknecht zwei Stunden später nicht mehr an, als er zum „Kampf für die freie sozialistische Republik Deutschland und die Weltrevolution“ aufrief. So ist wieder ein sozialdemokratisch-verräterisches  Täuschungsmanöver gelungen.

ausrufung der republik durch philipp scheidemann

Ausrufung der Republik durch Scheidemann

Bildquelle: Von Erich Greifer – (1) Veröffentlicht in: „Die Große Zeit. Illustrierte Kriegsgeschichte“. Zweiter Band. Berlin 1920. S. 426. ( = Scanvorlage für erste Version). / (2) Berliner Illustrirte Zeitung vom 24.11.1918, Nr. 47, S.372., vgl. hierzu: Christoph Hamann: Bilderwelten und Weltbilder. Fotos die Geschichte(n) mach(t)en. Berlin 2002. ISBN 3-933471-37-0. S. 32 f. / (3) Deutsche Postkarte ca. 1918/19. Sammlung Superikonoskop. (= Scanvorlage für aktuelle Version)., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8652217

 

 

Im weiteren Verlauf der Novemberrevolution wurde Scheidemann Mitglied im Rat der Volksbeauftragten.

Bei den Weihnachtskämpfen von 1918 stellte Scheidemann sich hinter die Entscheidung Eberts, gegen die Besetzung des Berliner Stadtschlosses durch die linke Volksmarinedivision mit militärischer Gewalt vorzugehen.

Scheidemann wurde bei der Wahl im Januar 1919 zum Mitglied der Weimarer Nationalversammlung gewählt. Er wollte seinen Parteivorsitzenden Ebert, der das Reichspräsidentenamt anstrebte, zur Übernahme des Reichskanzleramtes bewegen, da er der Überzeugung war, dass Eberts Stärken eher in der praktischen als in der repräsentativen Tätigkeit lagen. Deshalb kandidierte er bei der Reichspräsidentenwahl im Februar 1919 gegen Ebert, erhielt jedoch nur eine der 379 gültigen Stimmen. Der mit großer Mehrheit gewählte Ebert beauftragte daraufhin Scheidemann mit der Regierungsbildung, die zum 13. Februar 1919 erfolgte. Scheidemann amtierte von da an bis zum 20. Juni 1919 als Reichsministerpräsident (die Bezeichnung für den Regierungschef bis zur Annahme der Weimarer Verfassung).

Bei der Streikbewegung in den ersten Monaten des Jahres 1919 ging es  in erster Linie um die durch die Inflation gesunkenen Reallöhne. Dies verband sich insbesondere im Ruhrgebiet mit Forderungen nach einer Sozialisierung des Bergbaus.  Die Regierung Scheidemann reagierte  damit mit dem Einsatz von Freikorps und gleichzeitig mit Verhandlungen.

Scheidemann schickte dazu Carl Severing ins Revier. Unruhen gab es auch in Mitteldeutschland. Als dort ein Generalstreik im Februar 1919 drei Viertel aller Arbeiter erfasste, ließ Scheidemann die Stadt Halle durch die Reichswehr besetzen. Als Täuschungsmanöver kündigte er aber gleichzeitig Schritte zur Demokratisierung der Wirtschaft an. Ganz anders gelagert waren die Unruhen, mit denen sich die Regierung Scheidemann in Berlin konfrontiert sah. Dort ging es der schließlich kommunistisch geführten Bewegung nicht um wirtschaftliche, sondern politische Ziele. Zu diesen gehörten die Anerkennung der Arbeiter- und Soldatenräte, die Umsetzung der Beschlüsse des Reichsrätekongresses zur Militärpolitik und die Wiederaufnahme von politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Sowjetrussland. Die Regierung ging in den Berliner Märzkämpfen mit militärischer Gewalt gegen die Bewegung vor. Massenstreiks gab es daneben auch in Oberschlesien, Württemberg und Magdeburg.

Außenpolitisch fiel in die Regierungszeit Scheidemanns die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Versailler Vertrages. Er selbst hatte sich klar gegen die Unterzeichnung ausgesprochen. Vor der Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung, die zum ersten Mal in Berlin zusammenkam, sagte er am 12. Mai 1919: „Welche Hand müsse nicht verdorren, die sich und uns diese Fessel legt?“ Anfangs schien die Mehrheit nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in den politischen Kreisen hinter der Ablehnung zu stehen. Matthias Erzberger, Gustav Noske oder Eduard David machten jedoch darauf aufmerksam, dass bei einer Ablehnung die Besetzung ganz Deutschlands durch die Alliierten drohe. Auch die noch bestehende Oberste Heeresleitung drängte zur Annahme des Vertrages, ebenso Reichspräsident Ebert. Zudem sprach sich die eigene Fraktion mehrheitlich für die Annahme aus. Da aber zwischen den Regierungsfraktionen keine Einigung erzielt werden konnte und auch keine einheitliche Stellungnahme des Regierungskabinetts zu erreichen war – mehrere Minister waren klar gegen die Vertragsannahme –, sah Scheidemann nur noch die Möglichkeit des Rücktritts.

Scheidemann blieb bis 1933 Reichstagsabgeordneter.

Nach der Machtübernahme der Faschisten, floh Scheidemann wenige Tage nach dem Reichstagsbrand Anfang März 1933 nach Salzburg. Scheidemanns umfangreiche Aufzeichnungen über seine politische Tätigkeit, darunter 26 Bände mit Tagebuchnotizen aus den Jahren 1914 bis 1919, blieben in Deutschland zurück, wo sie von der Politischen Polizei beschlagnahmt wurden; sie gelten seither als verschollen.

Nach Aufenthalten in der Tschechoslowakei, der Schweiz, in Frankreich und den USA gelangte Scheidemann 1935 nach Dänemark. Mittels der am 25. August 1933 veröffentlichten ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Obwohl sich seine gesundheitliche Lage verschlechterte, beobachtete er die Entwicklung in Deutschland aufmerksam und veröffentlichte unter einem Pseudonym Beiträge in der dänischen Arbeiterpresse.

 

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Erste Ausbürgerungsliste der Faschisten, veröffentlicht am 25. August 1933

 

Bildquelle: Von Scanned – Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8611801

 

 

Am 29. November 1939 starb Philipp Scheidemann in Kopenhagen. 1953 ließ die Stadt Kopenhagen Scheidemanns Asche nach Kassel überführen. Das Grab von Philipp Scheidemann befindet sich seitdem auf dem alten Teil des Kasseler Hauptfriedhofes und wird als Ehrengrab von der Stadt Kassel erhalten (Abteil 11, Grab Nr. 336). Scheidemanns eigener Wunsch war es dagegen gewesen, an der Seite seiner im August 1926 verstorbenen Frau Johanna auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin bestattet zu werden.

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Scheidemanns Grab auf dem Kasseler Hauptfriedhof

Bildquelle: Von XenonX3 – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27784922

 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel