Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Der Ausbau des preußischen Absolutismus

Das Land konnte die ungeheure Last eines so außerordentlich großen Heeres kaum tragen. Nur eine straff geleitete, lückenlos durchorganisierte Verwaltung war in der Lage, die beträchtlichen Mittel zum Unterhalt des Heeres aus der Bevölkerung herauszupressen. Deshalb baute Friedrich Wilhelm I. nicht nur das preußische Heer, sondern auch den Staatsapparat aus.

Die einflussreichsten Verwaltungsstellen waren auch hier mit Adligen besetzt. Doch berief der König selbst Bürger in führende Positionen. Sie waren abhängiger und leichter zu beaufsichtigen als die Junker. Alle Beamten aber verpflichtete der König zu unbedingtem Gehorsam. Schon bei geringfügigen Nachlässigkeiten drohte er ihnen Absetzung oder Festungshaft an. Sie hatten die Politik des preußischen Staates gegenüber den Untertanen rücksichtslos durchzusetzen. Die Staatseinkünfte beruhten fast zur Hälfte auf der feudalen Ausbeutung der Bauern auf den königlichen Gütern, den Domänen, die ein Drittel des landwirtschaftlich genutzten Bodens Preußens umfassten. Die andere Hälfte entstammte Steuern. Sie wurden den einzelnen Klassen in unterschiedlicher Weise auferlegt.

Die Kontribution war eine Steuer, die auf den Bauernhöfen lastete. Durchschnittlich verschlang sie ein Drittel aller bäuerlichen Einnahmen.

Die Akzise war eine indirekte Steuer und zugleich Zoll.  Sie wurde dem Preis der Handelsgüter aufgeschlagen. An den Stadttoren erhob man sie von den meisten Waren, die in die Städte hineinkamen und dort auf dem Markt verkauft werden sollten. Bei ausländischen Gütern betrug der Akzisesatz bis zu Hälfte. Die Akziseeinkünfte konnte man leicht erhöhen. Sie stiegen mit wachsendem Verbrauch, auch der Steuersatz war jederzeit zu vermehren.

Der Adel war von Kontribution und Akzise befreit. Ihn vermochte der König nur mit militärischer Gewalt zu zwingen, eine wenige Taler betragende Geldsumme zu zahlen.

Die Steuern in Preußen

Die Steuern in Preußen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In hohem Maße wurden in Preußen die Schulen dazu verwendet, im Sinne des Absolutismus gehorsame Untertanen zu erziehen. Wie in den meisten anderen deutschen Fürstentümern verordnete der preußische König, dass jedes Kind einige Jahre lang eine Schule besuchen müsse. Doch galt die allgemeine Pflicht nur dort, „wo Schulen sind“. Viele Dörfer mussten noch lange auf einen Schulbau warten. Im Übrigen lernten die Kinder wenig genug. „Ein bisschen Lesen und Schreiben“, dazu die Grundzüge der christlichen Lehre – das war für die Bauern als der Mehrheit der Bevölkerung gerade das Rechte. Sie sollten nicht mehr Bildung erwerben, als unbedingt nötig war. Während der wärmeren Jahreszeit mussten die Kinder immer wieder auf den Feldern arbeiten.

Die Lehrer befanden sich völlig in der Hand der Gutsherren. Sie hatten keine Spezialausbildung. Sehr oft handelte es sich um alte oder sonst militäruntauglich gewordene Soldaten und Unteroffiziere. In ihrer neuen Tätigkeit wandten sie die gleichen Erziehungsmethoden an wie auf dem Exerzierplatz. Mit Prügel sollten die Kinder in Unterwürfigkeit und ständiger Furcht erzogen werden. Die preußischen Untertanen durften nicht selbstständig denken, sondern mussten von Kind auf lernen, bedingungslos den Befehlen der Gutsherren, Beamten und Offiziere zu gehorchen. Das militaristische System mit seinem menschenunwürdigen Untertanengeist bemächtigte sich auch der Schule.

 

Die Wirtschaft im Dienste des Heeres

In Preußen herrschte die Landwirtschaft vor. Nur sehr wenige Städte besaßen ein entwickeltes Gewerbe, das vorwiegend in Zünften organisiert war. In der Zeit des Absolutismus wurden aber die Armeen erstmalig einheitlich bewaffnet und gekleidet. Der preußische Staat musste daher für die Einrichtung von Manufakturen sorgen, die er selbst verwaltete, oder durch bürgerliche Unternehmer betreiben ließ. In erster Linie ging es also um die Erhöhung der Staatseinkünfte, das heißt der Mittel für das Heer, wen die Manufakturen gefördert wurden. In zweiter Linie war das Heer unmittelbar mit allem Notwendigen auszurüsten. Diese Aufgabe war besonders schwierig, weil Preußen anfangs kaum über Hammerwerke, Gießereien und Pulvermühlen verfügte. Auch später musste es einen Teil der benötigen Waffen und Munition für teures Geld einführen. Leichte war die Sicherung des Uniformbedarfs, da die Wolltuchfabrikation zeitweise einen beachtlichen Aufschwung nahm. Über den Tuchbedarf des Heeres hinaus wurde sogar ein Export möglich.

Gründe des preußischen Königs für Ermunterung der Manufakturen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schließlich gab es Gewerbe, die den Luxusbedürfnissen der Reichen dienten(Seiden-, Porzellan-, Spiegelherstellung). Für sie fehlten aber weitgehend ausgebildete Arbeitskräfte. Immerhin stieg die Zahl der Manufakturen insgesamt merklich an. Besonders Berlin, Residenz und größte Garnisonstadt, wurde zugleich ein Zentrum gewerblicher Produktion. Menschen, die religiöser Gründe wegen aus Frankreich und der Pfalz vertrieben und in Preußen aufgenommen wurden, brachten die Kenntnis neuer Produktionsverfahren mit.

Die meisten Unternehmungen dieser Zeit besaßen nur wenige Dutzende Arbeitskräfte. Eine Ausnahme war das Berliner Lagerhaus, das im Jahr 1738 4730 Arbeiter beschäftigte. Hier wurden Wolltuche hergestellt, teils in Heimarbeit, teils in der zentralen Werkstatt. Der Rohstoff kam aus dem eigenen Lande, da Schafwolle „bei Strafe des Galgens“ nicht exportiert werden durfte. Immer mehr Untertanen wurden gezwungen, Wolle zu verspinnen – selbst die beurlaubten Soldaten und besonders Insassen von Arbeits-, Armen- und Zuchthäusern sowie Waisenhäusern. Dem preußischen Staat kam es darauf an, dass derartige Einrichtungen möglichst keine Ausgaben verursachten.

Die im Potsdamer Militärwaisenhaus untergebrachten Kinder wurden in verschiedenen Manufakturen eingesetzt, auch zum Wickeln und Spulen von Seide, zum Spitzenklöppeln oder Ziehen von Gold- und Silberdraht. Selbst das Mädchenwaisenhaus verwandelte sich in ein Manufakturgebäude, in dessen acht Sälen im Jahr 1763 352 Mädchen beschäftigt waren. Bei einem Tuchunternehmer begann die Arbeitszeit für die Knaben im Sommer um 5 Uhr und dauerte mit einer Stunde Mittag bis 16 Uhr. Billigere Arbeitskräfte konnten die Kapitalisten nicht bekommen, zumal sie strenger Aufsicht unterlagen. Aus einem anderen Arbeitshaus wird berichtet, dass sich hier „kleine Kinder befinden, welche außer den täglichen 6 Schulstunden wöchentlich bis 6 Stücke wollen Garn spinnen und dadurch ihre Kost ziemlich verdienen“.

Der Missbrauch von in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen als billige Arbeitskräfte war in kapitalistischen Ländern noch bis in die 1970er Jahre Usus.. Erst jetzt geht man daran dies aufzuarbeiten. Dabei relativiert man wieder und schwingt die antikommunistische Keule, indem man behauptet, dass es in der DDR auch so gewesen sei.

So sehr der preußische Absolutismus die Ziele des Adels vertrat, in einem Punkte stießen schließlich enge Junker- und weitere Staatsinteressen aufeinander. Durch das Bauernlegen verringerte sich sie Zahl der Höfe, die zur Kontribution verpflichtet waren. König Friedrich II. verbot nachdrücklich, weiterhin Bauernstellen zu beseitigen. Das Verbot erstreckte sich nicht auf den einzelnen Bauern, der nach wie vor von seinem Junker vertrieben werden konnte, wenn nur ein Ersatzmann seine Stelle einnahm. Außerdem verpachtete der König einen Teil der Domänen an Bauernfamilien, hob die Leibeigenschaft auf dem Domänenland auf und begrenzte hier die Zahl der Frontage von sechs auf drei Werktage. Davon versprach er sich zu Recht eine Steigerung der Produktion und damit ein Anwachsen der staatlichen Einkünfte. Auf Grund dieser Maßnahmen wurde seit eh und je behauptet, die Hohenzollern hätten sozial gedacht, das heißt, sie hätten es darauf abgesehen, Not und Elend der Bauernmassen zu lindern.

Die Staatseinnahmen Preußens, dessen Bevölkerung zwischen 1740 und 1789 von 2,5 auf 5,4 Millionen Menschen wuchs, stiegen von 7 auf 25 Millionen Taler; aber auch das Heer wurde in der gleichen Zeit um das Dreifache, auf über 200 000 Mann vermehrt. Die preußische Wirtschaftspolitik änderte nichts am Charakter des Staates. Preußen blieb ein absolutistisches und militaristisches Land. Auf den junkerlichen Gütern bestand die Leibeigenschaft weiter. Sie war neben dem Mangel an Kapital das entscheidende Hindernis für eine schnellere Entfaltung des Kapitalismus, der allerdings durch die wirtschaftlichen Maßnahmen einige Anstöße empfing.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus