Der Beginn des Imperialismus

Die Herrschaft der Monopolverbände

Die rasche Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatte alle wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder erfasst. Neue Industriestaaten rückten in die Reihe der führenden kapitalistischen Länder auf: USA, Deutschland und Japan.

In allen bedeutenden kapitalistischen Staaten hatten um die Jahrhundertwende – wie in Deutschland – die Industrie- und Bankmonopole beherrschenden Einfluss erlangt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Periode des Kapitalismus der freien Konkurrenz war zu Ende; die neue Stufe der kapitalistischen Entwicklung wird als Monopolkapitalismus oder Imperialismus bezeichnet.

Der Begriff „Imperialismus“ wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung für das Eroberungsstreben Napoleons (imperare, lat. = herrschen) und in dn1870eer Jahren als Schlagwort für die Kolonialpolitik der englischen Regierung verwendet. Mit der Herausbildung des Monopolkapitalismus bekam der Begriff die jetzige Bedeutung.

Die Monopole untereinander führten heftige Kämpfe um die Beherrschung der Märkte und Rohstoffquellen. Dem Konkurrenzkampf und den Wirtschaftskrisen waren nicht alle Monopole in gleicher Weise gewachsen. Die schwächeren Monopole wurden von den stärkeren geschluckt.

Nicht immer konnten die Monopole ihre Konkurrenten vernichten. In solchen Fällen zogen sie es vor, mit konkurrierenden Monopolen Abkommen zu treffen, die allen Beteiligten weiterhin höchste Preise für ihre Waren sicherten. So entstanden mächtige Monopolverbände.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Entwicklung des Finanzkapitals

Die Monopolbildung erstreckte sich auch auf die Banken. Es entwickelten sich Großbanken, die über beträchtliche Teile des Vermögens der Wirtschaft und des Staates verfügten. Kredite gewährten sie vor allem solchen Betrieben, die hohe Profite erzielten. Die Großbanken förderten die Bildung und Festigung der Industriemonopole. Um zu sichern, dass die Kredite möglichst gewinnbringend verwendet wurden, forderten sie die direkte Teilnahme an der Leitung der Monopole. Dazu ernannten sie ständige Vertreter der Banken.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Industriemonopole waren an einer festen Verbindung mit bestimmten Großbanken interessiert, von denen sie ihr Kapital verwalten lassen und jederzeit größere Kredite bekommen konnten. Auch die Industriemonopole sandten ihre Vertreter in die Leitungen der Großbanken. Außerdem kauften die Banken Aktien der Industrieunternehmen und diese wiederum Aktien der Banken auf.

Zeitgenössische Karikatur über die Herrschaft der Monopole in den USA
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Diese personelle und ökonomische Verflechtung gipfelte in der Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital zum Finanzkapital. Dadurch gelangte eine nur kleine Schicht von Finanzkapitalisten zu überaus großer ökonomischer Macht. Der amerikanische Finanzkapitalist Morgan war beispielsweise in den Leitungen von 5 Banken, 50 Eisenbahngesellschaften, 3 Schifffahrtsgesellschaften, 8 Versicherungen und 40 Industrieunternehmen vertreten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Finanzkapitalisten nutzten ihre ökonomische Machtstellung, um politischen Einfluss auf den bürgerlichen Staat und die ganze Gesellschaft zu erlangen. Der bürgerliche Staat wurde mehr und mehr zu einer Interessenvertretung der mächtigsten Monopole. In den USA, in England und Japan übernahmen Vertreter der Monopole Regierungsämter. Der englische Finanzkapitalist Balfour, der an der Spitze bedeutender Eisen- und Stahlwerke stand, leitete von 1902 bis 1905 als Premierminister die Regierungsgeschäfte. Außerdem waren mindestens 11 Mitglieder seiner Regierung Gründer oder Direktoren von 17 Monopolvereinigungen.

Der Kampf um die ökonomische Aufteilung der Welt

Um möglichst hohe Profite zu erzielen, strebten die Monopolverbände ständig nach weiteren Rohstoffquellen und Absatzmärkten. Ökonomisch schwächere Länder, wie die Türkei, China, Persien oder die Balkanstaaten, wurden zum Tummelplatz einander bekämpfender Monopolverbände und imperialistischer Regierungen. Um ungestört die Rohstoffe und Bodenschätze in solchen Ländern nutzen, die billigen Arbeitskräfte ausbeuten und diese Gebiete als Absatzmärkte sichern zu können, wurde ein erbarmungsloser Konkurrenzkampf geführt. Bei der Wahl der Mittel für den Kampf gegen die Konkurrenten gab es für die Leitungen der Monopole keinerlei Hemmungen. Zeitweilige Preisunterbietungen, Dumping genannt, Bestechungen, Drohungen und Gewalttaten gegen Konkurrenzvertreter sollten die Ziele erreichen helfen.

Die imperialistischen Regierungen griffen oftmals in solche Auseinandersetzungen ein und unterstützten die Monopole ihrer Länder mit staatlichen Mitteln: Kredite wurden gewährt oder plötzlich gekündigt, Erpressungen mit diplomatischen Mitteln organisiert, militärische Gewalt angedroht oder eingesetzt, um di betroffenen Länder in ökonomische und politische Abhängigkeit zu bringen.

Konnten die Konkurrenten nicht aus dem Felde geschlagen werden, so kamen oft Vereinbarungen mit ihnen zustande, die die gemeinsame Unterdrückung und Ausbeutung abhängiger Länder regelten. Es entstanden internationale Monopolverbände. Solche Vereinbarungen beendeten jedoch den Konkurrenzkampf nicht. Sobald sich das Kräfteverhältnis zwischen den konkurrierenden Monopolverbänden veränderte, wurden solche Vereinbarungen gebrochen.

Die Aufteilung der Welt unter die Monopolverbände am Beispiel der Elektroindustrie vor dem ersten Weltkrieg
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

So hörte trotz der Vereinbarungen zwischen der AEG und der CEC über die Ausbeutungsgebiete (siehe Karte) der Konkurrenzkampf nicht auf.

Besonders raffiniert ging die AEG zu Werke, um den Herrschaftsbereich dieses Elektromonopols zu vergrößern. In allen von der AEG beherrschten Ländern gründete ihr Präsident Emil Rathenau einheimische Tochtergesellschaften, die leichter zu den betreffenden Ländern vordringen konnten und die Herrschaft der AEG verschleierten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Kampf um die ökonomische Aufteilung der Welt unter die Monopolverbände vertiefte die Widersprüche zwischen den imperialistischen Staaten sowie die Widersprüche zwischen den imperialistischen und abhängigen Staaten.

Die Unterwerfung Afrikas durch England und Frankreich

In den Kolonien, das heißt in den Ländern, die völlig von kapitalistischen Staaten beherrscht wurden, konnten die Monopole ohne ausländische Konkurrenz geschützt durch die Staatsgewalt Rohstoffquellen erschließen, den Absatz der Waren organisieren, Betriebe und Verkehrsanlagen bauen und vorhandene billige Arbeitskräfte mit doppeltem und dreifachem Profit ungehindert ausbeuten. Diese Profitmöglichkeiten lösten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine wilde Jagd nach Kolonien aus, an der sich alle kapitalistischen Industrieländer beteiligten.

Zwei der ältesten kapitalistischen Staaten – England und Frankreich – hatten bereits bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts riesige Kolonialgebiete in Asien, Amerika und Afrika erobert. (siehe Karte „Die Welt im Jahre 1870“)

Die Welt im Jahre 1870
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Ein Ziel zahlreicher Kolonialeroberungen der Kapitalisten und ihrer Regierungen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war der afrikanische Kontinent.

Nach einem Gefecht französischer Kolonialsoldaten und ihrer Hilfstruppen gegen die Bevölkerung von Dahomey (1891). (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die bedeutendsten Kolonialgebiete eroberten Frankreich und England. Zwischen beiden Staaten kam es dabei immer wieder zu Auseinandersetzungen. Ein solcher Konflikt war zum Beispiel die Faschodakrise 1898. Eine englische Militärabteilung, die den Sudan unterwerfen und damit die Herrschaft Englands über Ägypten sichern sollte, traf Mitte September 1897 bei Faschoda auf französische Kolonialsoldaten, die den Ort bereits besetzt hatten. Dieser Wettlauf um die Unterwerfung des Sudan führte 1898 zu ernsten Konflikten zwischen England und Frankreich. 1899 einigten sich die Regierungen über die Abgrenzung der englischen und französischen Kolonialgebiete in Afrika (siehe Karte „Die Welt im Jahre 1914“)

Die Welt im Jahre 1914
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Um die Jahrhundertwende war Afrika unter die imperialistischen Mächte aufgeteilt. Dabei war es für die Völker Afrikas völlig ohne Bedeutung, ob ihre imperialistischen Unterdrücker deutscher, englischer oder französischer Nationalität waren. Imperialistische Kolonialpolitik bedeutete immer: Ausbeutung, Unterdrückung, Hunger und Rechtlosigkeit.

„Die englische Kolonialpresse.“ (Zeitgenössische Karikatur von Th. Th. Heine aus dem „Simplizissimus“
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Kolonialkrieg gegen die Herero

Mit besonderer Grausamkeit unterdrückten die deutschen Imperialisten die von ihnen beherrschten Kolonialvölker. Ein charakteristisches Beispiel dafür war der Krieg gegen die Herero von 1904 bis 1907. Die deutschen Kolonialherren verdrängten die Herero, eine große Völkerschaft in Südwestafrika, aus den fruchtbarsten Gebieten in Küstennähe.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die offizielle Entschuldigung der Familie von Trotha erfolgte erst im Jahre 2004.                                     Siehe Wikipedia.

Im Jahre 1904 erhoben sich die verzweifelten Hereros gegen ihre Unterdrücker und die Räuber ihres Besitzes. Die kaiserliche Regierung sandte daraufhin 14 000 Soldaten nach Südwestafrika. Die Herero wehrten sich tapfer, konnten aber gegen die modernen Gewehre und Geschütze der Soldaten wenig ausrichten. Nur 6 000 Hereros besaßen unmoderne Gewehre, die übrigen nur Holzkeulen. Gewaltsam wurden sie von den Wasserstellen abgedrängt. Der Kommandeur der deutschen Kolonialsoldaten verweigerte selbst Frauen, Kindern und Verwundeten das lebensnotwenige Wasser.

Voller Verzweiflung wagten die Herero einen Marsch durch die wasserlose Wüste von Omaheke, um Südafrika zu erreichen. Von 100 000 Herero überlebten nur 20 000 den Kolonialkrieg.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Anmerkung von Petra Reichel: In der alten BRD hat man nichts über den Kolonialkrieg gegen die Herero gelernt. Es wurde sich nur in der DDR damit befasst.

Erst Jahre nach der Annexion der DDR durch die BRD, beschäftigten sich politisch Verantwortliche mit dem brutalen Vorgehen gegen die Herero. 

Näheres dazu: siehe Wikipedia

Deutsche Offiziere Keetmannshoop(heute Namibia) um 1904
 Bild entnommen aus DER SPIEGEL  48a, 2021

Siehe Artikel aus DER SPIEGEL 48a, Dez 2021

Artikel aus DER SPIEGEL 48a, Dez 2021
Völkermorddenkmal in Windhoek (2016)
Bildquelle: Von Pemba.mpimaji – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54308729

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

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