Klassenstruktur und politisches System des Kapitalismus

Veränderungen in der Klassenstruktur

Tiefe Klassengegensätze zerreißen die kapitalistische Gesellschaft. Sie verschärfen sich ständig mit der weiteren Entwicklung des Kapitalismus. Insbesondere spitzt sich der Hauptklassengegensatz der kapitalistischen Gesellschaft zu, der unversöhnliche Gegensatz zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie.

Die industrielle Revolution vergrößerte mit der maschinellen Fabrikproduktion die ökonomische Macht der Bourgeoisie. Diese ökonomisch stärkste Klasse der kapitalistischen Gesellschaft verfügte über Geld, Fabriken, Maschinen, Rohstoffe und die in der kapitalistischen Produktion hergestellten Waren. Sie unterwarf sich ökonomisch die gesamte Gesellschaft und zwang die Arbeiter, Bauern, Handwerker, Händler und Intellektuellen in das kapitalistische Abhängigkeitsverhältnis, unter die kapitalistische Ausbeutung.

Die Bourgeoisie selbst war jedoch keineswegs eine einheitliche Klasse. Über die kleinen und mittleren Kapitalisten erhob sich eine kleine Minderheit von Großkapitalisten, die immer mehr Kapital in ihren Händen zusammenfasste und nach und nach die Schlüsselstellungen in der Wirtschaft beherrschte. Zu dieser Großbourgeoisie gehörten die mächtigsten Kapitalisten der verschiedenen Industriezweige, der Großbanken und die reichsten Großhändler.

Dabei gewann die Industriebourgeoisie die Vorrangstellung gegenüber der Handelsbourgeoisie. Innerhalb der Industriebourgeoisie übernahmen die Hütten- und Bergwerkbesitzer die führende Rolle. Diejenigen Kapitalisten, die nur mittlere oder kleine Betriebe besaßen, gerieten immer stärker in die Abhängigkeit der Großbourgeoisie.

In einigen Ländern, wie England, Frankreich und den USA, besaß die Großbourgeoisie bereits auch die politische Macht. In Deutschland dagegen übte nach wie vor der Adel die politische Herrschaft aus.

Durch die Fabrikproduktion verlor das Handwerk seine gesellschaftliche Bedeutung als Hersteller neuer Waren. Es wurde bald mehr und mehr auf Reparatur- und Dienstleistungen abgedrängt. Viele Handwerksbetriebe wurden ruiniert. Der Anteil der vom Handwerk lebenden Menschen an der Gesamtbevölkerung nahm ab.

Mit der Entwicklung des Kapitalismus wuchs die Arbeiterklasse rasch an. Ehemalige Handwerksgesellen, ruinierte Handwerksmeister, Tagelöhner, Landarbeiter, landlose Bauern und Bauernsöhne wurden Lohnarbeiter in Fabriken. Große Teile der Arbeiterklasse waren in Großstädten und in Industriezentren zusammengeballt. So stieg beispielsweise die Einwohnerzahl Berlins im Zeitraum von 1846 bis 1871 von 0,4 auf 0,8 Millionen.

Neben der zahlenmäßigen Stärke wuchs die gesellschaftliche Rolle der Arbeiterklasse. Die Verbindung der Arbeiter zu gemeinsamen Aktionen war jetzt leichter zu erreichen. Innerhalb der Arbeiterklasse wurde das Industrieproletariat – die Arbeiter der Fabriken, insbesondere der Großindustrie – zum entscheidenden Faktor. Diese Arbeiter waren mit der fortschrittlichsten Produktion verbunden. Sie bildeten den Kern der Arbeiterklasse. Wie die Großindustrie das Herz des Kapitalismus war, so nahmen die Arbeiter der Großindustrie sowohl in der kapitalistischen Produktion als auch im Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung eine Schlüsselstellung ein.

 

 

Der Übergang zur intensiven Ausbeutung

Allein die 1870 vorhandenen Dampfmaschinen hatten insgesamt eine Leistung von 12 bis 15 Millionen PS. Ihre Leistung war damit zehnmal größer als die körperliche Leistung aller industriell beschäftigten Arbeiter in der Welt.

Um 1850 stellte ein Arbeiter, der Stoff bedruckte, mit Hilfe von Maschinen soviel her wie früher 200 Arbeiter.

Die Lage der Arbeiter veränderte sich mit der Durchsetzung der maschinellen Fabrikproduktion nicht grundsätzlich. Unter kapitalistischen Bedingungen führt die Anwendung neuer Maschinen und Produktionsverfahren zur verstärkten Ausbeutung der Arbeiterklasse.

Die Kapitalisten erhöhten mit Hilfe der Maschinen das Arbeitstempo und zwangen die Arbeiter, in der gleichen Arbeitszeit mehr Kraft und Aufmerksamkeit aufzuwenden. Die Kapitalisten gingen damit von der extensiven Ausbeutung (Verlängerung der täglichen Arbeitszeit) zu intensiven Ausbeutung über. Die Arbeitsleistung lag höher in den Jahren 1860 bis 1969 um 38 Prozent höher als in der Zeit von 1840 bis 1849. Unfälle und Berufskrankheiten nahmen zu, die Arbeiter alterten frühzeitig.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Gustave Gourbet: „Die Steinklopfer“; 1851, Ölgemälde; 1945 verbrannt
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Besonders menschenunwürdig waren die Wohnverhältnisse der Arbeiter. In Berlin mussten beispielsweise 1867 im Durchschnitt Arbeiterfamilien mit 6 bis 7 Personen in einem Raum leben. Die Sterblichkeit, vor allem die Säuglingssterblichkeit, war sehr hoch. Heute ist es so, dass sich arbeitende Menschen in der Regel in den Städten, insbesondere in den Großstädten, keine Wohnung leisten können. Sie müssen in den Vororten wohnen und lange Pendelzeiten auf sich nehmen.

Proletarierwohnung in England 1863. (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Das politische Herrschaftssystem der Bourgeoisie

Die unversöhnlichen Klassengegensätze, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung hervorgebracht hatte, gefährdeten ständig die von der Bourgeoisie errichtete Ausbeuterordnung. In den Ländern, wo die Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt war, suchte sie ihre egoistischen Klasseninteressen– die Ausbeutung der Arbeiterklasse und aller Werktätigen-, mit allen Mitteln gegen die große Mehrheit des Volkes durchzusetzen und zu sichern. Dazu diente das politische System der Bourgeoisie, vor allem der kapitalistische oder bürgerliche Staat.

Die kapitalistischen Staatsformen waren unterschiedlich: Die USA waren eine bürgerliche Republik. Großbritannien blieb eine konstitutionelle Monarchie. In Frankreich ließ sich 1852 der Präsident der bürgerlichen Republik als Napoleon der III. zum Kaiser ausrufen.

Doch so unterschiedlich auch die Formen der kapitalistischen Staaten sein mochten, sie waren stets das entscheidende politische Herrschaftsinstrument der der Bourgeoisie zur Sicherung der kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse und zu politischen Unterdrückung der Volksmassen, insbesondere der Arbeiterklasse.

Die Parlamente, die die Gesetze beschlossen, setzten sich vorwiegend aus bürgerlichen Abgeordneten zusammen. Die gesamte Gesetzgebung von der Verfassung bis zu den Einzelgesetzen entsprach den Klasseninteressen der Bourgeoisie. Die Gesetze sollten insbesondere das Privateigentum der Bourgeoisie an Grund und Boden, den Häusern und Fabriken, Maschinen und Rohstoffen unantastbar machen. Die Gerichte, die über die Einhaltung der Gesetze wachten und Gesetzesverletzer bestraften, bestanden aus bürgerlichen Geschworenen, die die Gesetze im Klasseninteresse der Bourgeoisie handhabten. Heutzutage gibt es einige Verbesserungen. Siehe z.B. die heutige Geschworenenauswahl in den USA, die nun repräsentativ für die gesamte Bevölkerung sein muss. Doch der juristische Kampf ist hart, wenn man nach den Regeln der Bourgeoisie agieren muss. Trotzdem kann man sie mit ihren eigenen Regeln schlagen.

Im gesamten Staatsapparat hatte die Bourgeoisie die entscheidenden Positionen besetzt; in der Justiz ebenso wie im Verwaltungsapparat, in der Polizei wie Armee, in den Stadtverwaltungen wie in der Regierung. Die Bourgeoisie besaß das Bildungsmonopol, beherrschte Schulen und Zeitungen. Mag es im Staatsapparat und den Verwaltungen geringfügige Ausnahmen geben, so hat sich, was das Bildungs- und Medienmonopol angeht, nichts geändert. Vorübergehend gab es Änderungen im Bereich der Bildung, als die Sowjetunion den Sputnik startete.

An Stelle der alten persönlichen Abhängigkeit des Feudalismus hatte sich ein neues-nicht so sichtbares, aber dafür um so wirksameres-Abhängigkeitsverhältnis herausgebildet, das Geld. Die ökonomische Macht der Bourgeoisie setzte sich so in politische Macht um. Die Großbourgeoisie, die die ökonomischen Schlüsselpositionen besaß, beherrschte die Schalthebel der Macht, innen- wie außenpolitisch.

Während die Bourgeoisie in England, Frankreich und in den USA die politische Herrschaft direkt ausübte, blieb dagegen die politische Macht in Deutschland-trotz Durchsetzung des Kapitalismus in der Wirtschaft- in den Händen der Junker und Fürsten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Durchsetzung des Kapitalismus in der Welt

Die Herausbildung des kapitalistischen Wirtschaftssystems

England, die „Werkstatt der Welt“, war das führende kapitalistische Land. Die maschinelle Fabrikproduktion hatte sich bereits in den 1830ern Jahren durchgesetzt. In Frankreich vollzog sich dieser Prozess seit 1830, in Deutschland besonders in den 1850er und 1860er Jahren. Während jedoch in England, Frankreich und in den USA (seit den 1860er Jahren) die kapitalistischen Verhältnisse Wirtschaft und Staat bestimmten, konnte sich der Kapitalismus in Deutschland zunächst nur in der Wirtschaft durchsetzen. Seine Entwicklung wurde durch die politische Herrschaft des Adels wesentlich behindert.

Der Produktionsaufschwung in den kapitalistischen Ländern und die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse führten zu einem raschen Aufschwung des internationalen Handels. Die Entdeckung reicher Goldfelder in Kalifornien (1848) und Australien (1841) förderte diesen Prozess. 1850 betrug der Gesamtwert des Außenhandels in der Welt 1,7 und 1870 bereits 4,4 Milliarden Dollar.

Durch diese Entwicklung der kapitalistischen Industrie und des Handels zwischen den kapitalistischen Ländern bildete sich allmählich das kapitalistische Weltwirtschaftssystem heraus. Was heute unter dem Schlagwort „Globalisierung“ läuft, ist also nichts Neues.

 

Die Einbeziehung zurückgebliebener Länder in das kapitalistische Weltwirtschaftssystem

In Russland hatte die kapitalistische Entwicklung ebenfalls Fuß gefasst. Die unumschränkte Herrschaft des Zaren und die Leibeigenschaft hemmten jedoch die Entfaltung der kapitalistischen Wirtschaft. Selbst ein großer Teil der Manufaktur- und Fabrikarbeiter war noch leibeigen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In den 1850er Jahren geriet Russland in eine tiefe politische Krise. Nach Polizeiberichten gab es 1858 86, 1859 90 und 1860 108 Bauernaufstände. Revolutionäre Demokraten aus dem Bürgertum unterstützten die Bauern in ihrem Kampf gegen die Leibeigenschaft.

Um eine mögliche Revolution zu verhindern, verfügte der Zar am 19. Februar 1861 die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland. Die Bauern wurden persönlich frei. Sie konnten von nun an weder gekauft noch verkauft oder verschenkt werden. Die Reform wurde vom Zaren und den Großgrundbesitzern selbst durchgeführt. Sie versuchten deshalb, ihre Interessen -auf Kosten der Bauern- weitestgehend zu sichern. Die Bauern erhielten nur gegen hohe „Entschädigungen“ Land, oder sie mussten es von den Grundbesitzern pachten. Gegen die Unzulänglichkeiten der Reform kam es auf vielen Gütern zu Bauernunruhen, die jedoch niedergeschlagen wurden.

Die Aufhebung der Leibeigenschaft war dennoch die Voraussetzung für die kapitalistische Entwicklung in Russland. Die Kapitalisten konnten nunmehr freie Lohnarbeiter ausbeuten. Moskau, Kriwoi Rog, das Donezbecken und andere Gebiete entwickelten sich zu Industriezentren.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In Indien hatte sich England bereits seit langem die Vorherrschaft in grausamen Kolonialkriegen erobert. 1857 erhob sich das indische Volk gegen die englischen Kolonialherren. Der Volksaufstand wurde in einem fast dreijährigen Krieg blutig niedergeschlagen. 1858 wurde Indien zur britischen Kolonie erklärt. England nutzte die feudalen Klassengegensätze und die Nationalitäts- und Religionsunterschiede in Indien aus. Die indischen Fürsten wurden bestochen und damit zu einer Stütze der englischen Kolonialherren gemacht. Durch rücksichtslose Ausbeutung des indischen Volkes und der Naturschätze Indiens flossen den englischen Kapitalisten riesige Profite zu.

Erschießung aufständischer Inder mit Kanonen im Jahre 1857. (Nach einem Gemälde von W. Werestschagin um 1875)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Mit Waffengewalt erzwang England 1832 von China die Öffnung von fünf chinesischen Häfen für den englischen Handel, die Abtretung Honkongs an England und eine hohe Kriegsentschädigung. Damit begann eine Kette militärischer Überfälle, politischer und ökonomischer Erpressungen, durch die das feudale China zu einer kapitalistischen Halbkolonie wurde und damit seine politische Selbstständigkeit verlor. An der kapitalistischen Ausbeutung Chinas beteiligten sich außer England auch Frankreich, die USA, Russland, Deutschland und andere Staaten.

Unter Androhung militärischer Gewalt setzten die USA 1853/54 in Japan die Öffnung zweier Häfen für den Handel mit den USA durch. Ähnliche, mit Gewalt erzwungene Verträge schlossen unmittelbar darauf auch England, Russland, Frankreich und Holland mit Japan. Die gewaltsame Einbeziehung in den kapitalistischen Welthandel löste in Japan innenpolitische Kämpfe aus. Durch bürgerliche Reformen wurde 1867/68 das Feudalsystem durchbrochen und die rasche Entwicklung des Kapitalismus in Japan ermöglicht.

In den 1860er Jahren vollzog sich in der Welt ein Prozess, der mit der Auflösung feudaler Verhältnisse (Russland/Japan) und mit der zum Teil gewaltsamen Einbeziehung ökonomisch zurückgebliebener Länder in das kapitalistische System (Indien, China, Japan) verbunden war. Durch diese Veränderungen setzte sich der Kapitalismus in der Welt durch.

Die Welt im Jahre 1870
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Weltwirtschaftskrise von 1857 bis 1859

Der Aufschwung der kapitalistischen Produktion wurde durch die Wirtschaftskrise von 1857 bis 1859 jäh unterbrochen. Sie war die erste Wirtschaftskrise, die nicht nur auf wenige kapitalistische Staaten beschränkt war, sondern die gesamte kapitalistische Welt erfasste. Die Krise führte zu Absatzstockungen, zu zahlreichen Bankrotten und zum Rückgang der gesamten Produktion. Die Kapitalisten versuchten, die Folgen der Krise mittels Kurzarbeit, Lohnkürzungen und Entlassungen auf die Arbeiter abzuwälzen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die wirtschaftliche Entwicklung des Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern

Der Abschluss der industriellen Revolution in den wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern

Die volle Durchsetzung des Kapitalismus vollzog sich durch zwei revolutionäre Prozesse, die sich gegenseitig bedingten und beeinflussten:

  • Erstens durch die bürgerliche Revolution, die die gesellschaftlichen Verhältnisse zugunsten der Bourgeoisie umwälzte.
  • Zweitens durch die industrielle Revolution, die grundlegend die Art und Weise der Produktion veränderte.

Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die industrielle Revolution in den fortgeschrittensten Ländern (England, Frankreich, USA, Deutschland) beendet. Maschinen ersetzten in den wichtigsten Industriezweigen die Handwerkzeuge, mit denen bisher die Produktion betrieben worden war.

Zur Herstellung dieser Werkzeugmaschinen entstand ein neuer Industriezweig, der Maschinenbau. Maschinenfabriken lieferten zum Beispiel Pressen, Dreh- und Bohrmaschinen oder Textilmaschinen. Sie wurden als Ersatz für veraltete Maschinen gebraucht. So gewannen die Maschinenfabriken eine Schlüsselstellung in der kapitalistischen Industrie.

Die Dampfmaschine fand weite Verbreitung. In erster Linie wurde sie im Verkehrswesen (Lokomotiven, Dampfschiffe), im Bergbau (Wasserhaltung, Bewetterung, Transport) und als Antriebsmittel von Maschinen eingesetzt.

Maschinensaal der Firma Hartmann um 1850 in Chemnitz (vorübergehend Karl-Marx-Stadt)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Produktionsaufschwung nach 1850

Der Einsatz von Maschinen ermöglichte eine schnelle Produktionssteigerung. Maschinenbau Kohle- und Erzförderung, Eisen- und Stahlerzeugung sowie die Entwicklung des Verkehrs beeinflussten sich wechselseitig. Durch die Anwendung von Dampfmaschinen und modernerer Produktionsverfahren konnten zum Beispiel im Bergbau größere Tiefen erreicht und neue Kohle- und Erzvorkommen erschlossen werden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Bedarf an Eisen und Stahl, dem wichtigsten Grundstoff der Industrie, wuchs ebenfalls rasch an. Die Eisen- und Stahlerzeugung wurde durch die Anwendung moderner Produktionsverfahren erhöht.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Kokshochöfen ersetzten in der Roheisenerzeugung immer mehr das alte Holzkohle-Verfahren. Gab es im Ruhrgebiet 1850 nur zwei Kokshochöfen, so waren es 1870 schon 50. Der Kokshochofen bot gegenüber den alten Verfahren große Vorteile. Hatte man früher für die Produktion einer Tonne Roheisen sieben bis acht Tonnen Holzkohle benötigt, so reichte nunmehr eine Tonne Koks aus. Die neuen Hochöfen wurden jetzt nicht mehr in der Nähe großer Wälder errichtet, sondern nahe den Eisenerz- und Kohlevorkommen.

Die Kokshochöfen ersetzten in der Roheisenerzeugung immer mehr das alte Holzkohle-Verfahren. Gab es im Ruhrgebiet 1850 nur zwei Kokshochöfen, so waren es 1870 schon 50. Der Kokshochofen bot gegenüber den alten Verfahren große Vorteile. Hatte man früher für die Produktion einer Tonne Roheisen sieben bis acht Tonnen Holzkohle benötigt, so reichte nunmehr eine Tonne Koks aus. Die neuen Hochöfen wurden jetzt nicht mehr in der Nähe großer Wälder errichtet, sondern nahe den Eisenerz- und Kohlevorkommen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

1864 entwickelten Wilhelm Siemens und die französischen Gebrüder Martin das Siemens-Martin-Verfahren. Dabei werden bei sehr hohen Temperaturen Roheisen und Schrott im Schmelzofen zu Stahl veredelt.

Die Entstehung von Großbetrieben

Die kapitalistische Produktion wurde anfangs in vielen selbstständigen Einzelunternehmen betrieben. Die einzelnen Kapitalisten führten gegeneinander einen erbitterten Konkurrenzkampf um möglichst hohe Profite. Dabei behielten diejenigen die Oberhand, die wirtschaftlich am stärksten waren und am brutalsten die Arbeiter ausbeuteten. In diesem Prozess wurden viele Betriebe ruiniert. Die volle Durchsetzung der kapitalistischen Warenproduktion in allen Wirtschaftsbereichen war zugleich der Höhepunkt des Kapitalismus der freien Konkurrenz.

Die Kapitalisten eigneten sich den Gewinn an, der von den Arbeitern erzeugt wurde. Einen Teil davon verwandten sie zur Vergrößerung und Modernisierung ihrer Betriebe. Der technische Fortschritt, wie zum Beispiel die neuen, aber kostspieligen Verfahren zur Stahlgewinnung, kam dabei vor allem den größeren Betrieben zugute.

Zur Errichtung eines Großbetriebes waren nicht nur ein günstiger Standort (Rohstoffnähe, Transportverhältnisse, gute Absatzmöglichkeiten, weitreichende Geschäftsverbindungen) und ein hohes Können der Arbeiter und Techniker notwendig, sondern auch viel Kapital.

Zum Aufbau einer größeren Maschinenfabrik waren in Deutschland 1847 etwa 150 000 Taler (1 Taler entsprach 3 Goldmark) erforderlich. Doch wesentlich mehr Kapital wurde zur Anlage eines Bergwerkes, eines Hüttenbetriebes oder Eisenbahnlinie benötigt. Zur Anlage eines Bergwerkes im Ruhrgebiet mit einer Jahresförderung von 100 000 Tonnen Steinkohle und einer Belegschaft von 500 bis 600 Arbeitern waren damals 500 000 bis 750 000 Taler erforderlich.

Krupps Gussstahlfabrik in den Jahren 1815, 1840 und 1864
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Ein einzelner Kapitalist konnte meist solche großen Summen nicht allein aufbringen. Deshalb schlossen sich mehrere Kapitalbesitzer zu einer Aktiengesellschaft (AG) zusammen. Sie zahlten Gelder in die Aktiengesellschaft ein und erhielten dafür Anteilsscheine, Aktien. Am Ende des Geschäftsjahres wurde der Profit der Aktiengesellschaft auf die Aktien aufgeteilt und die Dividende an die Aktionäre ausgezahlt. Ohne selbst zu arbeiten, eigneten sich die Aktionäre den Gewinn der Unternehmen an, den die Arbeiter schufen. Je mehr Aktien ein Aktionär von einem Betrieb besaß, desto größer war sein Einfluss auf die betreffende Aktiengesellschaft. Die Großaktionäre, die di meisten Aktien einer Aktiengesellschaft besaßen, entschieden deshalb über alle wichtigen Fragen, die die Aktiengesellschaft betrafen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Großbetriebe entstanden vor allem in den entscheidenden Industriezweigen, besonders im Bergbau, in der Eisen- und Stahlerzeugung und im Maschinenbau.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Mit der fortschreitenden Industrialisierung bildeten sich Großstädte und Industriezentren.  Das Ruhrgebiet wurde nach 1850 zum industriellen Herzen des deutschen Kapitalismus.

Wesentlichen Einfluss auf die Industrie erlangten nunmehr die Banken. Sie beschränkten sich nicht mehr auf das Wechseln, Leihen und Aufbewahren von Geld, sondern übernahmen auch den Kauf von Verkauf von Aktien und legten in zunehmenden Umfang ihr Kapital selbst in wichtigen Großbetrieben an.

Die Entwicklung des Verkehrs- und Nachrichtenwesens

Eisenbahnlinien in Mitteleuropa im Jahre 1848
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die industrielle Revolution sprengte den örtlich begrenzten, den lokalen Markt, für den bisher die kleineren Handwerksbetriebe produziert hatten. Rohstoffzufuhr und Absatz der Fertigwaren verlangten ein leistungsfähiges Transportsystem sowohl im Inland als auch für den internationalen Handel.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Diesem dringenden Bedürfnis wurden die Eisenbahnen gerecht. Sie waren schneller, billiger und zuverlässiger als die herkömmlichen Transportmittel und deshalb erheblich besser für den größeren Warentransport geeignet. Das Eisenbahnnetz wuchs in dieser Zeit außerordentlich rasch an.

Eisenbahnlinien in Mitteleuropa im Jahre 1868
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In der Schifffahrt gewannen die Dampfschiffe zunehmend an Bedeutung. Für die Überfahrt von Europa nach Amerika benötigten Segelschiffe damals durchschnittlich 35 Tage, Dampfschiffe nur 12 ½ Tage.

Auch im Schiffbau verdrängten Eisen und Stahl das Holz. Die Schiffe wurden größer, Die Werften und Häfen nahmen einen schnellen Aufschwung.

Im Jahre 1869 wurde nach zehnjähriger Bauzeit der Suezkanal eröffnet. Er verband das Mittelmeer mit dem Roten Meer. Der 163 Kilometer lange Kanal verkürzte den Seeweg von Europa nach Ostasien außerordentlich. Von Hamburg nach Bombay beispielsweise benötigten Schiffe jetzt 24 Tage weniger als bei Fahrten um das Kap der Guten Hoffnung.

Die Bedeutung des Suezkanals. Die Karten geben die Hauptrichtungen der Schifffahrt wieder, die Stärke der Linien deutet die ungfähre Intensität der befahrenen Schifffahrtslinien an
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Einführung der elektrischen Telegrafie (Erfindungen von Gauß, Weber und Morse, industrielle Fertigung durch Siemens) ermöglichte eine schnelle und genaue Nachrichtenübermittlung. 1851 wurden die ersten Seekabel zwischen England und Frankreich, 1866 zwischen Europa und Amerika verlegt.

Neuerungen in der Landwirtschaft

Die neue Technik und die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse fanden Eingang in die Landwirtschaft. Mit einer von Pferden gezogenen Mähmaschine konnten in 10 Stunden fast 5 Hektar Getreide gemäht und dadurch mindestens 8 Arbeiter ersetzt werden. Die Dampf-Dreschmaschine fand vielfach Verwendung an Stelle des Handdruschs der Göpeldreschmaschinen. Der erste Dampfpflug in Deutschland wurde 1868 in Sachsen eingesetzt. Führend in der Produktion und im Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen waren die USA und England.

Dreschmaschine mit Dampflokombile aus dem Jahre 1865. (Zeitgenössische Darstellung)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Wesentlich höhere Erträge konnten durch die künstliche Düngung erreicht werden. Justus von Liebig (1803 bis 1873) schuf dafür die wissenschaftliche Grundlage. Sein Hauptwerk „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie“ erschien 1840. In Deutschland wurden seit 1843 Chilesalpeter und seit 1858 Kali aus Staßfurt zur künstlichen Düngung verwendet. 1872 wurden bereits in 33 Fabriken mehr als 500 000 Tonnen Kalisalze verarbeitet. Von 1850 bis 1870 stiegen die Hektarerträge bei Weizen um 10 bis 25 Prozent, bei Roggen und Gerste um 10 Prozent.

Heute haben wir weitere Fortschritte, die damals undenkbar waren. Einige Fortschritte von damals gibt es heute nicht mehr, da sie durch weitere Fortschritte ersetzt wurden.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Zusammenfassung Aufbau der Grundlagen des Sozialismus und des vorläufigen Sieges der sozialistischen Produktionsverhältnisse

Der Sieg des Sozialismus in Europa war nur vorübergehend. Die Existenz der DDR währte nur 40 Jahre. Doch war dies ein wichtiger Meilenstein der Geschichte.

Die heutige Geschichtsschreibung ist darauf bedacht, dass alle positiven Erinnerungen an die DDR und den Sozialismus in Europa getilgt werden. Da wird nur gehetzt, gelegentlich gelogen und sogar Akten gefälscht.

DIE TROMMLER und sonstigen lobenswerten Leute, die alternative DDR-Museen betreiben, bzw. sich jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung mit der Geschichte der DDR befassen und nach Möglichkeiten verbreiten, haben nicht die logistischen und finanziellen Mittel, wie staatlich geförderte Museen und die offizielle Geschichtsschreibung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, Einleitungstext von Petra Reichel