Hans Modrow

Hans Modrow, geboren am 27. Januar 1928 in Jasnitz(Pommern, heute  Polen)ist ein deutscher Politiker Er war erster Sekretär der SED-Bezirksleitung in Dresden. Während der Konterrevolution war er vom 13. November 1989 bis zum 12. April 1990 der letzte Vorsitzende des Ministerrates der DDR und somit Chef der Regierung Modrow. Später war er Abgeordneter im Bundestag und im Europaparlament. Er war Ehrenvorsitzender der PDS ist Vorsitzender des Ältestenrates der Partei DIE LINKE.

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Hans Modrow(2018)

 

Bildquelle: Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70170057

 

Hans Modrow wurde einer Fachausbildung zum Maschinenschlosser von1942 bis 1945 als 17-Jähriger im Zweiten Weltkrieg in den Volkssturm berufen.

Während der Gefangenschaft in der Sowjetunion besuchte Hans Modrow eine Antifa-Schule.

1949 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete als Maschinenschlosser im Lokomotivbau/Elektrotechnische Werke (LEW) Henningsdorf.

Von 1949 bis 1961 engagierte sich Hans Modrow in Brandenburg, Mecklenburg und Berlin in verschiedenen Funktionen der FDJ.

Er wurde Mitglied der SED und im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund. Von 1952 bis 1953 besuchte er die Komsomol-Hochschule in Moskau. Von 1954 bis 1957 absolvierte er ein Fernstudium an der Parteihochschule Karl Marx der SED und schloss als Diplom-Gesellschaftswissenschaftler ab. Von 1959 bis 1961 folgte ein Fernstudium an der Hochschule für Ökonomie Berlin „Bruno Leuschner“ (HfÖ), das zum Abschluss als Diplom-Wirtschaftler führte. 1966 wurde Modrow an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der gemeinsam mit Rainer Falke verfassten Arbeit „Ermittlung, Auswahl und Entwicklung von Nachwuchskadern für Führungsfunktionen in der sozialistischen Industrie. Dargestellt am Beispiel von Großbetrieben der VVB Hochspannungsgeräte und Kabel“ zum Dr. rer. oec. promoviert.

Innerhalb der SED machte Modrow schnell Karriere: Ab 1954 wurde er Mitglied der Bezirksleitung Berlin der SED sowie 1958 Mitglied der Volkskammer, das er bis zum Ende der DDR im Jahr 1990 blieb. Im September 1961 wurde er zum 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Berlin-Köpenick gewählt, anschließend war er Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin, zuständig für Agitation(Öffentlichkeitsarbeit). Von 1967 bis 1989 war er Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED. Im ZK arbeitete Modrow von 1967 bis 1973 als Abteilungsleiter für Agitation(Öffentlichkeitsarbeit). Von 1973 bis 1989 war Modrow als Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED in Dresden tätig.

1975 wurde er mit dem Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Gold und 1978 mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet.

Hans Modrow verzichtete auf die Privilegien, welche ihm als Spitzenpolitiker der SED zustehen würden und tritt bescheiden auf.  Das macht ihn bei der Bevölkerung sympathisch.  Er wohnte mit seiner Familie in einer gewöhnlichen Mietwohnung im Zentrum von Dresden. Doch genau betrachtet nahm er einer anderen Familie die subventionierte und sehr preiswerte Wohnung weg. Denn diese hatte ja schließlich keinen Anspruch auf die Dienstvilla, auf die Hans Modrow verzichtet hatte. Seinerzeit musste man in der DDR lange auf eine Wohnung warten, insbesondere in Großstädten. Das Wohnungsbauprogramm der DDR hätte das Wohnungsproblem als soziales Problem  1990 gelöst.

Im Jahre 1987 war Hans Modrow in einem dann nicht durchgeführten sowjetischen Plan als Nachfolger von Erich Honecker vorgesehen.

Am 3. Oktober 1989 ließ er 1320 Dresdner, die  bei der Durchfahrt der Züge mit Ausreisenden an den Unruhen beteiligt waren, festnehmen. Am 13. Oktober legte die Führung der Dresdner Volkspolizei unter dem Kommando von Hans Modrow einen detaillierten Geheimplan vor, um die Unruhen zu stoppen. In seinen eigenen Schilderungen im Jahre 1991, erklärte er, dass die diese auch seiner Ansicht nach unsinnige Entscheidung die Züge durch die DDR fahren zu lassen, versucht hatte rückgängig zu machen. In der Tat war die Entscheidung die Züge mit den Ausreisenden durch die DDR fahren zu lassen nicht nur unsinnig, sondern sie barg auch viel Zündstoff. In der Krise wollte die DDR stark erscheinen, doch ihr Ende war nah. So ist diese Fehlentscheidung zu erklären.

Am 8. November 1989 wurde Hans Modrow Mitglied des Politbüros des ZK der SED und im Dezember 1989 stellvertretender Vorsitzender der in SED-PDS umbenannten Partei. Am 13. November wurde er in der Volkskammer als Nachfolger Willi Stophs mit einer Gegenstimme (Margot Honecker) zum Vorsitzenden des Ministerrates der DDR gewählt. Seine Regierung wurde am 18. November 1989 vereidigt.

Hans Modrow

Nach seiner Wahl zum Regierungschef, 13. November 1989

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1113-054 / Reiche, Hartmut / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5424841

 

In einem Gespräch am 3. Dezember 1989 mit unter anderem Wolfgang Berghofer und Markus Wolf sagte Modrow laut Berghofer: „Genossen, wenn wir die Partei retten wollen, brauchen wir Schuldige“, Auf Berghofers Erwiderung: „Die Schuldigen sind wir“ habe Modrow geantwortet, das könne man so nicht sehen. Die Massen müssten schnell einen Verantwortlichen präsentiert bekommen. „Das kann nicht die SED sein.“ Der Schuldige solle das Ministerium für Staatssicherheit sein. Wolf sei daraufhin aufgesprungen und habe protestiert: „Hans, wir – Schild und Schwert der Partei – haben doch nie etwas ohne Befehle von euch gemacht.“ Als „hauptverantwortliche Person für die Misere“ schlug Modrow laut Berghofer Alexander Schalck-Golodkowski vor. Markus Wolf ist eine zweifelhafte Figur. Das Motto des MfS „Schild und Schwert der Partei“ hätte in der Tat mal geändert werden müssen, des es war ja der Geheimdienst für alle Bereiche und die gesamte Bevölkerung der DDR betreffend und kein Partei-Geheimdienst, bzw. Sicherheitsdienst. Der „windige Hund“ Alexander Schalk-Golodkowski kam als Sündenbock gerade Recht.

Bei einem Besuch Modrows in Moskau am 30. Januar 1990 erklärte ihm Michail Gorbatschow, dass die „Vereinigung der Deutschen“ von ihm nicht in Zweifel gezogen werde. Hans Modrow gab ihm einen Wunschkatalog, den Gorbatschow in den Verhandlungen mit seinen westlichen Partnern(Man bedenke, aus Gegnern sich schon Partner geworden.)einbringen sollte. In der Folge bekannte sich Hans Modrow und mit ihn die Parteiführung der SED-PDS zur „Gemeinsamkeit der deutschen Nation“.  Am 5. Februar 1990 nahm Hans Modrow Vertreter der konterrevolutionären Gruppierungen des „Zentralen Runden Tisches“ als Minister ohne Geschäftsbereiche  in die Regierung auf. Es entstand die „Regierung der nationalen Verantwortung“. Dieses Geschwafele bedeutet, dass Hans Modrow die Regierungsmannschaft so zusammenstellte, dass seine Regierung nun zur Übergangsregierung wurde.

Mit dem 7. März 1990, kurz vor der Wahl zur letzten Volkskammer am 18.März 1990, verabschiedeten „Modrow-Gesetz“, gab er DDR-Bürgern die Möglichkeit, die Grundstücke, auf denen ihre Häuser standen, preiswert zu erwerben. In der DDR gab es  bis dahin in dem Sinne keinen Grundbesitz.

Im Februar 1990 wurde Hans Modrow Ehrenvorsitzender der PDS.

 

Nach der Annexion der DDR

Vom 3. Oktober 1990 bis 1994 war Hans Modrow Bundestagsabgeordneter der PDS . 1999 wurde er in das Europaparlament gewählt.  Zur Europawahl  2004 trat er nicht mehr an, da ihn der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky nach eigenen Angaben für andere Aufgaben dringend brauchte und daher Hans Modrow nicht mehr auf die Vorschlagsliste für die Europawahl setzte.  Seit 2007 ist er Vorsitzender des Ältestenrates der Partei DIE LINKE.

Im November 2017 zeichnete der russische Präsident Wladimir Putin Modrow mit dem Orden der Freundschaft aus.

Trotz seiner Rolle während der Konterrevolution, bzw. in der Endphase der DDR, ging man in den 1990er Jahren juristisch gegen Hans Modrow vor. Man verurteilte ihn wegen Wahlfälschung in der DDR und wegen meineidlicher Falschaussage.

Geheimdienstlich wurde Hans Modrow von beiden Seiten beobachtet, also durch BND und Verfassungsschutz sowie durch das MfS.

Im Jahre 1988 begann das MfS auf Befehl von Erich Mielke nach einer Anweisung von Erich Honecker , zu beobachten. Ziel war es, belastendes Material zu sammeln, um Hans Modrow wegen Hochverrats vor Gericht zu stellen. Das geht aus BND-Unterlagen hervor, die Modrow aufgrund seiner Gerichtsklage zur Akten-Herausgabe im Mai 2018 erhalten hat. Die Informationen stammen von einem Überläufer des MfS. Zuvor hatte sich der einstige Chef der MfS-Bezirksverwaltung Dresden, in dessen Panzerschrank entsprechende Dokumente entdeckt worden waren, das Leben genommen.  Nun ja, da hatten Erich Mielke und Erich Honecker Hans Modrow durchschaut.

 

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

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7 Kommentare zu “Hans Modrow

    • Als ich 1988 die 1. Mai-Feier in Dresden besuchte, hielt Hans Modrow eine Rede, die mir gut gefiel. Er sprach über Arbeitskämpfe in der BRD und machte den Eindruck, als sei er „einer von uns“. So war er mir erst sympathisch. Als er während der Konterrevolution bei ´ner Demo mitmarschierte, war ich erstmal perplex. Doch im Verlaufe der Konterrevolution und auch später, habe ich sein wahres Gesicht erkannt. Wenn man sich im Nachhinein mit den konterrevolutionären Ereignissen beschäftigt, ist man entsetzt darüber, wie alles soweit kommen konnte. Erich Mielke und Erich Honecker hatten ihn ja durchschaut. Aber da war es bereits zu spät.

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    • Warum der Seitenhieb gegen mich? Inhaltlich ist Dein Beitrag aus „Offensiv“ in meinem Sinne. Ich entnehme alle meine Beiträge aus „Wikipedia“ und aus Schulbüchern der DDR und arbeite sie um. Ich mache stets die Quellenangaben. Bei Büchern hänge ich die Originalbeiträge als PDF-Dateien an und bei „Wikipedia“ setze ich den Link zum Original-Beitrag.

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